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Full text of "Die Spectralanalyse in ihrer Anwendung auf die Stoffe der Erde und die Natur der Himmels Korper"

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DIE 


SPECTRALANALYSE 


IN  IHRER 


ANWENDUNG  AUF  DIE  STOFFE  DER  ERDE 


VHD  DIE 


NATUR  DER  HIMMELSKÖRPER. 


0EMEINFAS3LICH   DARGESTELLT 


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Da.    H.    SCHELLEN, 

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0T.  AinrCV-OHDElfS  UI.    KLAJBI,    DES   <WTCR REICH IMTUEX    rRAXZ.J0m.TIW-ORI>ENJi  UXD  DES  0RDK5S 
DER  ITAUUIUCHEX  UtOXE.  MITUUED  MJCHKEKCR  OEUURrER  UESEU»*liAnXX. 


DRITTE 

DURCHACft  UMüKARBEITETK  UND  8EI1B  VERMEHRTE  AUFLAGE. 


ZWEI  BÄNDE  UND  ATLAS. 


MIT    ue»    FIGUREN    IN    HOLZSCHNITT    C7ND    H    PABBIOE.V    TAFELN    lU    TEXT, 
t    LITHOORAPIIIEN,     1    PHOTOORAPHIE,    1    FARBIGEN    UND    19   KUPFEEDRUCKTAFELN 

DI   ATLAS. 


BRAUNSCH\A^EIG. 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  GEORGE  WESTERMANN. 

1883. 


DIE 


SPE0TRALANALY8E 


IN  IHRER 


ANWENDUNG  AUF  DIE  STOFFE  DER  ERDE 


UND  DIK 


NATUR  DER  HIMMELSKÖRPER. 


GEMErNFARSLiril   DARGESTELLT 


VO!1 


db.  h.  schelle 


DRITTE 

DUKCHAUS  ÜMOEARBEITETE  UND  SEHR  VERMEHRTE  AtTFLAaE.  . 


IL  BAND. 

MIT  186  FIGUREN  UND  8  FARBIGEN  TAFELN  IM   TEXT. 


BRAUNSCHWEIG. 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  GEORGE  WESTERMANN. 

1883. 


Vvrfaitafr  und  Verleger  behalten  sich  alle  Rechte  vor. 


Inhal  tsverzeichniss. 


Erste  Abtheilang. 

Die  SpeotralaaalyBe  in  ihrer  Anwendung  auf  die  Sonne. 

Seite 

1.  Coincidenz    der    dunklen    Fraunhofer'schen    Linien    mit   hellen 

Spectrallinien  der   irdischen    Stoffe.   —  Die   KirchhofiTscheu 
Tafeln 3 

2.  Kirchhoff*»  Ansicht  über  die  physische  Beschaffenheit  der  Sonne       16 

3.  Die  atmosphärischen  Linien  im  Sonneuspectrnm  nach  Brewster 

und  Gladstone 20 

4.  Die  tellurischen  Linien   im  Sonnenspectrnm  nnd  das  Spectmm 

des  Wasserdampfes  nach  Janssen 24 

5.  Die  tellnrischen  Linien  im  Sonnenspectmm  als  Hülfsmittel  der 

Wetterprognose 32 

6.  Der  teleskopische  Anblick  der  Sonnenoberfläche 41 

7.  Vermnthuugen  über  die  Natur  der  Sonnenflecke  auf  Grund  der 

teleskopischen  Beobachtungen 56 

8.  Die  spectroskopische  Untersuchung  der  Sonnenflecke  ....       63 

9.  Sonnenfinsternisse 76 

10.  Photographische  Bilder  der  Sonnenfinstemiss 80 

11.  Die  totale  Sonnenfinstemiss  vom  18.  August  1868      ....  96 

12.  Die  totale  Sonnenfinstemiss  vom  7.  August  1869 115 

13.  Die  totalen  Sonnenflnstemisse  seit  1869 126 

14.  Das  Spectmm  und  die  Natur  der  Protuberanzen 129 

15.  Das  Spectrum  und  die  Natur  der  Corona 139 

16.  Das  Telespectroskop  und  die  Methode,   das  Spectrum  der  Pro- 

tuberanzen bei  Sonnenschein  zu  beobachten 149 

17.  Das  Spectmm  und  die  Natur  der  Chromosphäre 164 

18.  Methoden,    die  Protuberanzgebilde   bei  Sonnenschein  zu   beob- 

achten. —  Die  Gestalt  der  Protuberanzen 181 

19.  Messung  der  Richtung  und  der  Geschwindigkeit  der  Gasströine 

auf  der  Sonne 208 

20.  Nachweis  der  Sonnenrotation  mittels  des  Spectroskops    .     .     .     221 

21.  Die  Absorption   der  SonnenatmosphÜre    für  die   Strahlen   ver- 

schiedener Brechbarkeit 229 


VI  Iu1iult{<rerzei('linit<f:. 


Zweite  Abtheilung. 

Sternspectroskope  und  Anwendung  der  Spectralanalyse 
anf  den  Mond  und  die  Planeten. 

Seite 

22.    Sternspeciroskope       237 

28.    Die  Spectra  des  Mondes  und  der  Planeten '267 

Dritte  Abtheilung. 

Anwendung  der  Spectralanalyse  auf  die  Fixsterne. 

24.  Das  äpectrnm  der  Fixsterne 281 

25.  Fixstern-Typen 284 

2t>.    Haggins'  photographische  Spectra  der  Fixsterne 296 

27.  Veränderliche  Sterne 305 

28.  Neue  oder  temporäre  Sterne 310 

20.    Einfluss    der  Bewegung  der  Sterue   im   Weltenraume    auf   ihr 

Spectruni        321 

Vierte  Abtheiiang. 

Die  Ergebnisse  der  spectroskopischen  Untersuchung  der 

Sternhaufen  und  Nebelflecke. 

:tO.    Spectra  der  Sternhaufen  und  Nebelflecke 385 

Fünfte  Abtheiiung. 

Die  Ergebnisse  der  spectroskopischen  Untersuchung  der 
Kometen  und  Sternschnuppen. 

31.  Die  Kometen Sb9 

32.  Der  Komet  von  Wells  1882 ;^ 

n\A.    Photographie  der  Kometenspcctra 391 

34.  Die    Sternschnuppen,    Meteorschwärme,    F'euerkugeln    und    ihre 

Spectra 394 

Sechste  Abtheiiung. 

Die  Ergebnisse  der  spectroskopischen  Untersuchung  des 
Zodiakallicbts,  des  Nordlichts  und  des  Blitzes. 

35.  Das  Zodiakallicht 128 

:^.    Das  Spectrum  des  Nordlichts 42ü 

37.    Das  Spectrum  der  Blitze 440 

Sachregister 447 


Figurenverieichnips.  Vil 


Figurenverzeichniss. 


Fi*:.  Seit« 

1.  Coincidenz  der  Frannhofer^Bchen  D-Linien  mit  den  Natrinmlinien  5 

2.  Coincidenz    der    Frannhofer^schcn    Linien    mit    den    Linien   des 

Eisens  nnd   des  Calciums 6 

'^.  Coincidenz  des  Eisenspectmms  mit  65  Frannhofer'schen  Linien  7 
•1.    Nachbildung  einer  Photojjraphie  von  H.  Draper;  oben  das  Sonnen- 

spectmm,  nuten  das  Sauerstoff-  nnd  Stickstoffspectmm  ...  13 

5.  Brewster-Gladstone's  Sonnenspectmm    mit   den  atmosphärischen 

Linien 22 

6.  Jan88en*8  Spectmm   der  Sonne    im   Meridian   nnd   im  Horizont 

(Erdlinien) 27 

7.  Spectmm  des  Sirius  und  der  Sonne  im  Meridian  und  im  Horizont  30 

8.  Die  tellurischen  Linien  des  Sonnenspectruros  nach  Angström  31 
0.    Die  Begenbänder  im  Sonnenspectrum  nach  Piazzi  Smyth       .     .  38 

10.  Die  entwickelten  Regenbandlinien   des  Sonnenspectmms.  (Klein)  40 

11.  Schematische  Darstellung  der  Lichtstrahlen 42 

12.  Helioskopisches  Ocular 43 

13.  Gang  der  Lichtstrahlen  im  polarisirenden  Helioskop     ....  43 

14.  Polarisations-Helioskop 44 

15.  Femrohr  mit  Projectionsapparat  zur  Beobachtung  der  Sonno  45 

16.  Granulation  der  Sonnenoberfläche 46 

17.  Granulation  der  Sonnenoberfläche 47 

18.  Sonnenfleck  am  30.  Juli  1865  nach  Secchi 48 

19.  Sonnenfleck  am  30.  Juli  1865  nach  Secchi 50 

20  und  21.    Sonnenflecke  mit  radial  gestreifter  Penumbra  und  mit 

Brücken  im  Kern 51 

22.  Fackeln  in  der  Umgebung  eines  Flecks  nach  Chacoraac  ...  52 

23.  Der  grosse  Sonnenfleck  von  1865.  (Vom  7.  bis  16.  October.)  55 

24.  Wie  ein  Fleck  bei  der  Rotation  der  Sonne  sein  Aussehen  verändert  50 

25.  Z)-Linien  im  Spectmm  eines  Sonnenflecks 64 

26.  Spectmm  des  Sonnenflecks  vom  11.  bis  13.  April  1860  nach  Secchi  tiü 

27.  Erbreitemng  der  Z)-Linien  im  Spectmm  des  Sonnenflecks      .     .  67 

28.  Umkehr  der  /^-Linien  nach  Young 68 

29.  Browning's  photographisches  Teleskop 83 

30.  Gang  der  Lichtstrahlen  im  Teleskope 84 

31.  Ocular  des  photographischen  Teleskops 85 

32.  Cassette  des  photographischen  Teleskops 86 

33.  Totale  Sonnenfinstemiss  vom  18.  Juli  186U.    (Photographirt  von 

Warren  de  la  Rue) 87 

34.  Browning's  photographisches  Universal-Aequatorial 88 

35.  Secchi's  photographisches  Ocular 90 

36.  Ocular  mit  photographischer  Camera 91 

37.  Momentverschluss  am  Bothcamper  Refractor 93 

*^S.   Zone   der  totalen  Finstemiss    vom    18.   August    1868  zwischen 

Aden  und  der  Torres-Strasse 97 

39.    Totale    Sonnenfinstemiss   vom   18.   August  1868.    (Beobachtung 

zu  Aden.)    (I.  Bild) 101 


Vm  FigarenTeneichniss. 

Fig.  Seite 

40.  Totale  SonnenflnsterniM  Tom  18.  August  1868.  (Aden.^  (IL  Bild)  102 

41.  Totale  SonnenflnsternisB  vom  18.  August  18(>8.  (Aden.)  (HI.  Bild)  103 

42.  Yereinigmig   der   beobachteten   Protnberanzen    sn   einem    Ge- 

sammtbilde 104 

43.  Tennant's  photographische  Anfbahmen  zu  einem  Gesammtbilde 

vereinigt.    (Gnntoor,  18.  August  1868) 105 

44.  Totale  Sonnenfinstemiss  rom  7.  Angnst  1869 107 

45.  Totale  Sonnenfinstemiss  Tom  18.  Angnst  1868  m  Mantawaloc- 

K4W 110 

46.  Sonnenfinstemiss   rom   18.  Angnst  1868,    beobachtet  anf  dem 

Dampfer  „Rangoon** 112 

47.  Sonnenfinstemiss  Tom   18.  Angnst  1868,    beobachtet  in  Wba- 

Tonne  ron  Stephan 113 

48.  Sonnenfinstemiss  Tom  18.  Angnst  1868,  beobachtet  sn  Manta- 

waloc-K^W 114 

49.  Vereinigung  der  Protnberanzen  £n  einem  Gesammtbilde.  (Totale 

Finstemiss  rom  7.  Angnst  1869) 119 

50.  Photographisches  Bild  der  Corona  (7.  Angnst  1869)  ....  122 

51.  Die  Corona  der  Finstemiss  vom  7.  Angnst  1869  an  Des  Moines  123 

52.  Gonld's  Zeichnung  der  Corona  Tom  7.  Aug.  1869  (4  Uhr  58  Min.)  124 

53.  Gould's  Zeichnung  der  Corona  vom  7.  Aug.  1869  (5  Uhr  0  Min.)  125 

54.  Die  Sonnencorona  am  12.  December  1871 127 

55.  Die  Sonnencorona  am  29.  Juli  1878,  nach  einer  Photographie 

von  Henry  Draper 128 

56.  Verschiedene  Spectra  der  Protnberanzen 130 

57.  Telespectroskop  von  Yonng 134 

58.  Spectmm  der  Protnberanzen 135 

59.  Young's  Beobachtung  des  Protnberanzen-Spectmms     ....  136 

60.  Die  Coronalinie  1474  K.  und  Umgebung  nach  Young     .     .     .  141 

61.  Zeichnung  einer  Protuberanz  vermittels  einer  ihrer  Spectrallinien  152 

62.  J.  Norman  Lockyer  (Porträt)  an  seinem  Telespectroskope    .    .  154 

63.  Lockyer*8  Telespectroskop  constmirt  von  J.  Browning    .     .     .  155 

64.  Methode  der  Protnberanzbeobachtnng 157 

65.  Einfaches  und  zusammengesetztes  Spectroskop  von  S.  Merz      .  150 

66.  Bredichin's  Fernrohr  mit  Protuberanzspectroskop 162 

67.  Browning's  einfaches  Protuberanzspectroskop 163 

68.  Das  Spectmm  der  Sonnenscheibe  (unten)  und  der  Chromosphäre 

(oben)  in  der  Nähe  der  C-Linie 165 

69.  Das  Spectmm  der  Sonnenscheibe  (unten)  und  der  ChromoKphäre 

(oben)  in  der  Nähe  der  Z>-Linie 166 

70.  Das  Spectmm  der  Sonnenscheibe  (unten)  und  der  ChromoRphäre 

(oben)  in  der  Nähe  der  F-Linie 167 

71.  Umgebung  der  /^-Linien  nach  Vogel  169 

72.  Deckung  der  dunklen  C-Linie  mit  Ha 173 

73.  Theilweise  Deckung  der  dunklen  Linien  F  mit  h/Ü    ....  174 

74.  Veränderung  der  Linie  Hß  nach  Lockyer 176 

75.  Veränderung  der  Linie  f/ß  nach  Young 177 

76.  Umkehmngen  der  C-  und  f'-Linien       178 

77.  Chromosphäre  und  Protuberanzen  nach  Seccbi 180 

78.  Spaltvorrichtung  am  Spectroskop 186 

79.  Sonnen-Protnberanzen,  beobachtet  von  Zöllner 187 


Fignrenverzeichniss.  IX 

Fig.  Seite 

80.  Anordnung  des  Diffractionsspectroskops 188 

81.  Yonng's  Diihractionflspectroskop 189 

82.  Tonng's  Beobachtung  einer  Protnberanzenkette 191 

83.  Protaberanzen  beobachtet  von  Secchi  am  9.  Jnli  1871  .     .    .  198 

84.  Gestaltyerändenmg  einer  Protnberanz 194 

85.  Protnberanz  nach  Tonng 195 

86.  Explosion  in  einer  Protnberanz 196 

87.  Protnberanz  beobachtet  Ton  Tonng              197 

88.  Protnberanz  beobachtet  von  Tonng 197 

89.  Lohse'a  Apparat  znr  Photographie  der  Chromoaphäre    .     .     .  200 

90.  Lohae'a  rotircnder  Spectralapparat .         201 

91.  L.  Bespighi's  Beobachtungen  der  Protnberanzen  am  ganzen 

Sonnenrande 208 

92.  Bmnn's  Protnberanzspectroskop   mit  ezcentriacher,  bogenför- 

miger SpaltTorrichtung 204 

98.  Die  Bichtung  und  die  Geschwindigkeit  der  Gasströme  auf  der 

Sonne 212 

94.  Verschiebung  der  F-Linie ;  Geschwindigkeit  der  Gasströme  auf 

der  Sonne 214 

95.  Wirbeiförmige  Gasbewegung  auf  der  Sonne 218 

96.  Ungleiche  Verschiebung  der  grünblauen  Wasserstoff  linie  (///?)  219 

97.  Langley's  Apparat  zur  Vergleichung   der  Spectra  entgegen- 

gesetzter Punkte  des  Sonnenrandes 224 

98.  Die  Prismen  des  Langley'schen  Apparates  .......  225 

99.  Der  Spalt  mit  den  Prismen 226 

100.  Verschiebung  der  Linien 227 

101.  Merz'  Objectiv-Spectralapparat  (yollständig  montirt)  ....  240 

102.  Merz*  ObjectiT-Spectralapparat  (Lager  des  Prismas)  ....  241 
108.  Merz*  ObjecÜT-Prisma 242 

104.  Stemspectroskop  von  Huggins.    (Perspectivische  Ansicht)  .    .  248 

105.  Stemspectroskop  von  Huggins.  (Horizontaler  Durchschnitt)    .  244 

106.  Stemspectroskop  von  Huggins.    (Theilweise  verticaler  Durch- 

schnitt)      245 

107.  Stemspectroskop  von  P.  Secchi 247 

108.  Grosses  Telespectroskop  von  P.  Secchi 249 

109.  Das  grosse  Telespectronkop  von  Huggins 250 

110.  Schröder's  Spectrulapparat  am  Bothcamper  Befractor    .     .     .  252 

111.  Einfaches  und  zusammengesetztes  Spectroskop  von  S.  Merz    .  254 

112.  Einfaches  Spectroskop  von  Merz     .          255 

118.  J.  Browning's  Miniaturspectroskop 256 

114.  Vogel's  Stemspectroskop  im  Durchschnitt 257 

115.  ZöUner's  Ocular-Stemspectroskop 259 

116.  Ocular-Stemspectroskop  mit  Vorrichtung  znm  Messen    .     .     .  260 

117.  Ocnlarspectroskop  im  Durchschnitt 261 

118.  T.  Eonkoly's  Universalspectroskop,  Durchschnitt 263 

119.  Ocnlarspectroskop 265 

120.  Browning's  Handspectroskop       ...                    ....  266 

121.  Spectmm  des  Jupiter 271 

122.  Spectmm  des  Uranus  nach  Secchi 274 

128.  Spectmm  des  Uranus  nach  Huggins 275 

124.  Spectmm  des  Uranus  nach  Vogel  .     .         277 


.■»  .    ■» 


FignrenTeneiclmisB.  XI 


Fijr. 

171.  Kopf  des  Kometen  Ton  1861,  beobachtet  Ton  Secchi  am  90.  Job!  366 

172.  Kopf  des  Kometen  Ton  1861,  beobachtet  toh  Secdd  am  1.  Jili  367 

173.  Spectra  der  Kometen  ron  Bronen  imd  Wiimecke,  TergliekeB 

mit  den  Spectren  der  Sonne,  des  Kohlenwaoerstoft  ud  der 

Nebelflecke 372 

174.  Hnggins'    Apparat  znr   Beobachtung   des   Kohlenwancrstoff- 

spectmms 375 

175.  Spectrnm  des  Encke'schen  Kometen  1871 378 

17o.    Hnggins'  Photographie  des  Spectnuns  Ton  Komet  U.  1881    .  391 

177.  Photographisches  Spectrnm  des  Kometen  Wells  tob  Haggns  392 

178.  Fenerkngel.  im  Teleskope  beobachtet 403 

179.  Bahn  des  Meteorschwarms  Tom  10.  Angnst  (LaventnustraH»  406 

184>.    Bahn  des  Norember-Meteorschwarms 408 

181.    Die    Bahnen    der    Angnst-    nnd    XoTember-MeteorachwinK. 

■  Bahnen  der  Kometen  IH.  1862  imd  I.  1866) 411 

IS'2.    Browning's  Meteorspectroskop 416 

la"^.    Das  ZodiakaUicht  am  Abendhimmel 424 

184.    Spectmm  eines  Nordlichts  xn  Dnii  Echt  nach  Lord  liadsaj  429 

18.%.    Spectmm  des  Nordlichts  nach  Zollner 432 

lSf5.    Spectmm  eines  Nordlichts  xn  West  Point  nach  H<rfdeii      .    .  435 


X  FigurenrerzeichniM. 

FiK.  Seite 

125.  Spectrnm  des  Aldebaran  (n  Tanri)  und  des  Beteigenze  (<t  Orio- 

nis)  TergUchen  mit  den  Spectren  der  Sonne  nnd  der  irdischen 

Stoffe 283 

126.  Spectrnm  des  Sirins 285 

127.  Secchi's  Fixstem-Typen 286 

128.  Spectrnm  des  Sterns  B.  D.  +  22°  Nr.  4203  nach  Vogel  .     .  292 

129.  Spectrnm  des  Sterns  B.  D.  -j-  2^  Nr.  4703  nach  Vogel     .     .  292 

130.  Spectnim  des  Sterns  Lalande  35611  nach  Vogel       ....  293 

131.  Spectrnm  des  Sterns  B.  D.  +  8«  Nr.  4997  nach  Vogel     .     .  293 

132.  Spectrnm  des  Sterns  B.  D.  +  T>  Nr.  4981  nach  Vogel     .     .  293 

133.  Spectra  des  Doppelstems  ß  Cygni       .         295 

134.  Spectrum  des  Uauptsterns  von  a  Hercnlis 296 

135.  Hnggins'  Spectroskop  znr  Photographie  der  Stemspectra  .     .  298 

136.  Durchschnitt  des  Spiegelteleskops  nach  Einsetzung  des  Spec- 

troskops 299 

137.  Die  Veränderlichkeit  eines  Sterns  nach  Zöllner 306 

138.  Spectrum  des  Veränderlichen  R  Lyr»  nach  Vogel    ....  308 

139.  Spectrum  des  temporären  Sterns   iCoronsB  borealis.  (15.  Mai 

1866) 312 

140.  Spectrnm  des  neuen  Sterns  von  1876  nach  Vogel      ....  316 

141.  Spectrum  des  Sirins,  nach  Huggins 322 

142.  Verschiebung  der  /"-Linie  im  Siriusspectrum 323 

143.  Siriusspectrum  mit  der  /'-Linie       ....         327 

144.  Der  grosse  Nebelfleck  im  Orion 336 

145.  Sichelförmiger  Nebelfleck  (H.  3239) 337 

146.  Spiralnebel  (H.  1178) 338 

147.  Spiralnebel  in  den  Jagdhunden  (H.  1622) 339 

148.  Der  Spiralnebel  H.  604 340 

149.  Ringnebel  im  Stembilde  der  Leyer     ....  ....  340 

150.  Nebel  mit  mehrfachen  Ringen  (H.  854)       341 

151.  Elliptischer  Ringnebel  (H.  1909) 342 

152.  LängUcher  Nebelfleck  (H.  2621) 342 

153.  Doppelnebel  (H.  3501) 343 

154.  Ringförmiger  Nebel  mit  Centrum  (H.  2552) 343 

155.  Planetarischer  Nebel  mit  zwei  Sternen  (H.  838) 343 

156.  Planetarischer  Ringnebel  mit  zwei  Kernen  (H.  464)      .     .     .  344 

157.  Planetorischer  Nebel  (H.  2241) 344 

158.  Planetorischer  Nebel  (H.  2098) 344 

159.  Nebelstem  (H.  450) 344 

160.  Spectrum  des  Nebelflecks  H.  4374 345 

161.  Spectrnm  eines  Nebelflecks,    verglichen    mit   der  Sonne   und 

einigen  irdischen  Stoffen 346 

162.  Planetorischer  Ringnebel  im  Wassermann  nebst  Spectrnm  349 

163.  Spiralnebel  (H.  49t)4) 349 

164.  Ringnebel  in  der  Leyer  nebst  Spectrnm 350 

165.  Photographisches  Spectrum  des  Orionnebels  nach  Huggins     .  352 

166.  DonatTs  Komet  am  2.  Juni  1858 361 

167.  Jnlikomet  am  8.  Juli  1861 361 

168.  Donati's  Komet  am  5.  October  1858 362 

169.  Julikomet  am  2.  Juli  1861 363 

170.  Scheinbare  Bahn  des  Donati'schen  Kometen 364 


Fignrenverzeichniss.  XI 

Fijf.  Seite 

171.  Kopf  des  Kometen  Ton  1861,  beobachtet  Ton  Secchi  am  30.  Jnni  866 

172.  Kopf  des  Kometen  ron  1861,  beobachtet  Ton  Secchi  am  1.  Jnli  367 

173.  Spectra  der  Kometen  Ton  Brorsen  und  Winnecke,  TergUchen 

mit  den  Spectren  der  Sonne,  des  Kohlenwasserstoffs  nnd  der 

Nebelflecke 372 

174.  Hnggins'    Apparat   zur   Beobachtung    des   Kohlenwasserstoff- 

spectmms 375 

175.  Spectrum  des  Encke'schen  Kometen  1871 378 

176.  Huggins'  Photographie  des  Spectrums  von  Komet  II.  1881    .  391 

177.  Photographisches  Spectrum  des  Kometen  Wells  von  Huggins  392 

178.  Feuerkugel,  im  Teleskope  beobachtet 403 

179.  Bahn  des  Meteorschwarms  Tom  10.  August  (Lauren tiusstrom)  406 

180.  Bahn  des  NoTember-Meteorschwarms       408 

181.  Die    Bahnen    der    August-    und    November -Meteorschwärme. 

(Bahnen  der  Kometen  III.  1862  und  I.  1866) 411 

182.  Browning's  Meteorspectroskop 416 

183.  Das  Zodiakallicht  am  Abendhimmel 424 

184.  Spectrum  eines  Nordlichts  zu  Dun  Echt  nach  Lord  Lindsay  429 

185.  Spectrum  des  Nordlichts  nach  Zöllner 432 

186.  Spectrum  eines  Nordlichts  zu  West  Point  nach  Holden      .     .  435 


Erste  Abtheiluiig. 


Die  Spectralanalyse  in  ihrer  Anwendung  auf  die  Sonne.  , 


SchfUen,  Spcctralanalyse.    IT.  1 


1.  Coincidenz  der  dunklen  Frannhofer^schen 

Linien  mit  hellen  Spectrallinien  der  irdischen 

Stoffe.  —  Die  Kirchhorschen  Tafeln. 

Aus  der  bereits  von  Feaunhofee  beobachteten  Coinci- 
denz der  beiden  von  ihm  mit  D  bezeichneten  dunklen 
Linien  des  Sonnenspectrums  mit  den  beiden  hellen  Linien, 
die  von  Kiechhoff  und  Bunsen  als  die  beiden  Natrium- 
linien erkannt  wurden,  nahm  Ersterer  Veranlassung,  diese 
Coincidenz  nochmals  auf  die  directeste  Weise  zu  prüfen, 
indem  er  ein  massig  helles  Sonnenspectrum  entwarf  und 
dann  vor  den  Spalt  des  Spectralapparates  eine  Natrium- 
flamme stellte. 

„Ich  sah  dabei,"  sagt  Kiechhoff,  „die  dunklen  Linien 
D  in  helle  sich  verwandeln.  Die  BuNSEN'sche  Lampe 
zeigte  die  Natriumlinien  auf  dem  Sonnenspectrum  mit  einer 
nicht  erwarteten  Helligkeit  Um  zu  finden,  wie  weit  die 
Lichtstärke  des  Sonnenspectrums  sich  steigern  liesse,  ohne 
dass  die  Natriumlinien  dem  Auge  verschwänden,  Hess  ich 
den  vollen  Sonnenschein  durch  die  Natriumflamme  auf  den 
Spalt  fallen,  und  sah  zu  meiner  Verwunderung  die  dunklen 
Linien  D  in  ausserordentlicher  Stärke  hervortreten.  Ich 
ersetzte  das  Licht  der  Sonne  durch  das  DRUMMOND'sche 
Licht,    dessen   Spectrum,    wie    das    Spectrum    eines   jeden 

1* 


i  Die  Spectralanalyse. 

glühenden,  festen  oder  flüssigen  Körpers,  keine  dunklen 
Linien  hat;  wurde  dieses  Licht  durch  eine  geeignete  Koch- 
salzflamme  geleitet,  so  zeigten  sich  in  dem  Spectrum  dunkle 
Linien  an  den  Orten  der  Natriumlinien.  Dasselbe  trat  ein, 
wenn  statt  des  glühenden  Kalkcylinders  ein  Piatinadraht 
benutzt  wurde,  der  durch  eine  Flamme  glühend  gemacht 
und  durch  einen  elektrischen  Strom  seinem  Schmelzpunkte 
nahe  gebracht  war.** 

Es  konnte  nach  diesen  Beobachtungen  für  Kikchhoff 
keinem  Zweifel  mehr  unterliegen,  dass  die  dunklen  Linien  D 
im  Sonnenspectrum  ihre  Entstehung  dem  Vorhandensein 
von  Natriuindanipf  auf  der  Sonne  verdankten,  und  dass  sie 
auf  diesem  Himmelskörper  durch  Umkehrung  (Absorption) 
in  gleicher  oder  in  ähnlicher  Weise  entstanden  sein  mussten, 
wie  es  die  angestellten  Versuche  mit  dem  irdischen  Na- 
trium ergeben  hatten. 

Nachdem  so  das  Vorhandensein  des  Natriums  auf 
der  Sonne  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  vermuthet  wer- 
den konnte,  begann  Kiechhoff  die  mühevolle  Arbeit,  die 
Spectra  der  verschiedenen  anderen  irdischen  StoflFe  mit 
denen  des  Sonnenlichtes  zu  vergleichen  und  zu  ermitteln, 
ob  und  welche  Spectrallinien  dieser  Stoffe  mit  Fraun- 
iioFER'schen  Linien  coincidirten,  d.  h.  eine  gleiche  Lage, 
Breite  und  Lichtstärke  im  Spectralapparate  zeigten. 

Die  Methode,  welche  eine  solche  Vergleichung  zweier 
Spectra  in  demselben  Instrumente  gestattet,  haben  wir  be- 
reits kennen  gelernt  Kirchhoff  liess  das  Sonnenlicht 
durch  die  untere  Spalthälfte  direct  in  den  Spectralapparat 
und  auf  das  erste  grosse  Prisma  fallen,  während  das  kleine 
Vergleichsprisma  die  obere  Hälfte  des  Spaltes  bedeckte 
und  die  Strahlen  einer  seitlich  aufgestellten  künstlichen 
Lichtquelle   durch   Reflexion    so   in   das   Instrument    warf, 


lukJL'u  Krnuiiliorcr'bcliMi  Ltni 


dass,  wühlend  in  der  oberen  Hällle  den  Gesichtsfeldes  im 
(uvikf.hreiiden)  Beobiichtuugsfernrolir  das  Sonnenspectruni 
mit  den  FBACNHOi'ER'scIion  Linien  sieh  üeigte,  in  dor  un- 
teren, im  unmittelbarea  Anschlüsse  an  dieses,  das  Speo- 
tmru  der  küustlielien  Lichtquelle  zum  Vorscheiu  kam. 
Auf  diese  Weise  liess  sich  die  Lage  der  hellen  [minien 
difses  letzteren  Lichtes  zu  jenen  dunklen  Linien  mit  grosser 
Sicherheit  vergleichen. 

Als    künstliche    Lichtquellen    dienten  '^' 

fast  ausschliesslich  die  elektrischen  Fun- 
ken eines  starken  RuHMKORFp'schen  In- 
ductors,  und  als  Spitzen,  zwischen  denen 
die  Funken  entstanden,  nahm  KmcBHOfK 
Drähte  von  solchen  Metallen,  die  er  in 
der  Hitze  der  Fnnkea  zu  Yerflüchtigen 
und  deren  Spectium  er  zu  erzeugen  be- 
absichtigte. 

Durch  den  Vergleich  dieser  letzteren 
Spectra  mit  den  dunklen  Linien  des  Son-  p^ 
nenspectrums    kam    Kibchhopp    zu    dem  Uofeftohi'n  D-Ua\tn 
überraschenden  Resultate,   dass   für  meh- 
rere Metalle  die  hellen  Linien  d«8  Spectnuns  mit  eben  so 
vielen  Linien  des  Sonnenspectrums  vollständig  coincidiren. 

Die  Fiij.  1  zeigt  dieses  Zusammenfallen  für  die  beiden 
Natriuralinion  D;  der  obere  Theil  ist  das  zwischen  100 
und  101  mm  der  KiscHHOFF'schen  Scala  liegende  oraogc- 
farbene  Stück  des  Sonnenspectrums  mit  den  beiden  dunklen 
/^-Linien ;  der  untere  Theil  zeigt  die  hellen  Linien  des  in 
dem  elektrischen  Funken  oder  in  einer  Lampe  glühenden 
Natriumlichtes,  und  beide  Liuienpaare  haben  so  genau 
dieselbe  Lage,  dass  die  einen  die  geradlinige  Fortsetzung 
der  andern  bilden.     Zwischen   den   beiden  .dunklen  Linien 


6  VW  Speclraliiunljsp. 

erscheint  in  sehr  guten  Spectrulappuraten  noch  eine  feine 
Linie,  nelche  einer  hellen  Linie  des  Nickels  entspricht. 

In  der  Fig.  2  sind  die  beiden  Stücke  des  Spectriuns 
dargestellt,  welche  nach  der  KiBCHHopF'schen  Scala  zwi- 
schen 12(J  und  125  (im  Gelb)  und  zwischen  150  und  154 
(im  GriinJ  liegen.  Die  unteren  dreizehn  hellen  Linien, 
deren  Verlängerungen  mit  Fe  (Ferrum  =  Eisen)  bezeichnet 
sind,  sind  Linien  dm  Fieenspectruiiig ;  sie  fallen  mit  eben  so 
vielen  dunklen  Linien  des  Sonnenspectrums  scharf  zusam- 


men. Die  übrigen  zwölf  unteren,  in  der  Verlängerung 
punktirteu  hellen  Linien  sind  Linien  des  Calciumspuctriimf, 
und  auch  sie  entsprechen  der  Lage  und  Breite  nach  eben  so 
vielen  dunklen  Linien  des  Sonnenspectrums.  Zwischen 
diesen  dunklen  Linien  hegen  in  der  Kibch  hoff 'sehen 
Zeichnung  noch  mehrere  andere,  die  zum  Theil  mit  den 
hellen  Linien  anderer  irdischer  Stoffe  coincidiren,  zum 
Theil  aber  auch  in  anderen  Absorptionswirkungen  ihren 
Grund  haben. 

Die  beiden  Tafeln  3  und  4  des  Atlas  entlialten  sämmtliche 
von  KntCHHOFF  im  Sonueuspectrum  gemessene  dunkle  Linien 


4 


I  der  .iuiikl^n  Fniuiiliul 


und  darunter  die  ebenfalls 
schwarz  gezeich ueten  Spec- 
Irallinien  derjenigen  irdi- 
schen SloSe,  welche  er  mit 
den  Linien  des  Sonnen- 
Kpectrums  auf  die  ange- 
gebene Weise  verglichen 
hat.  Diese  Stoße  sind  mit 
ihren  chemischen  Zeichen 
bezeichnet;  es  ist  Fe  =  Fer- 
rum (Eisen),  Ca  =  Calcium, 
Pb  =  Plumbum  (Blei).  Hg 
=  Hydrargyrum  (Quecksil- 
ber), Na  =*  Natrium,  ßa  = 
Barium,  Mg  =  Magnesium, 
Au  =  Aurum  (Gold),  H  =■ 
Hydrogenium  f  Wasserstoff- 
gas) u.  s.  w.  Die  horizon- 
talen Linien,  welche  die 
unteren  Enden  der  verti- 
calen  Spectralünien  gmp- 
penweise  verbinden,  haben 
die  Bedeutung  einer  Klam- 
mer und  bezeichnen,  dass 
alle  durch  eine  solche  Quer- 
linie verbundenen  Speutral- 
linien  zu  einem  und  denisel- 
ben  Stoffe  gehören,  dessen 
chemisches  Zeichen  unter- 
halb dieser  Linie  steht 

Schon  auf  dem  von  Kmcir- 
HOFF  seihst  verößentUchten 


•* — 


8  Die  Spcctralanalyse. 

Tbeile  des  Spectrums  kommen  einige  60  helle  Eisenlinieu 
vor,  welche  sämnUlich  mit  dunklen  FEAUNHOFEE'scen  Unien 
zusammenfallen;  die  Fortsetzung  von  Hofmann  enthält 
deren  noch  dreizehn  meist  sehr  ausgezeichnete,  und  äng- 
8TBÖM  und  Thal^:n,  die  das  Eisen  im  elektrischen  Flam- 
menbogen verdampften,  fanden  eine  Coincidenz  von  mehr 
als   460   hellen   Eisenlinien   mit   eben   so  vielen   dunklen 

FHAUNHOFEB'schen. 

Das  genaue  Zusammenfallen  so  vieler  heller  Linien 
eines  und-  desselben  Stoffes  mit  eben  so  vielen  dunklen  des 
Sonnenspectrums  schliesst  jeden  Gedanken,  dass  dasselbe 
ein  Spiel  des  Zufalls  sein  könne,  aus.  Ein  Blick  auf  die 
Fig.  3y  in  welcher  mehr  als  60  von  Kibchhoff  untersuchte 
Eisenlinien  ihre  Coincidenz  mit  eben  so  vielen  dunklen 
Linien  in  allen  Theilen  des  Spectrums  von  C  bis  -F  zeigen, 
gewährt  die  Ueberzeugung,  dass  diese  dunklen  Linien  nur 
der  absorbirenden  Wirkung  der  in  der  Sonnenatmosphäre 
vorhandenen  fasendämpfe  zugeschrieben  werden  können. 
Die  Wahrscheinlichkeit,  dass  ein  solches  ZusammenÜEillen 
von  60  Linien  Zufall  sei,  verhält  sich  zu  der  Annahme, 
dass  diese  Linien  wirklich  das  Vorhandensein  von  Eisen 
in  der  Sonnenatmosphäre  bekunden,  nach  den  Gesetzen 
der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  wie  1  zu  2*^  oder  wie 
1  zu  1152930000000000000.  Durch  Kibchhoff's  eigene 
Untersuchungen  wurde  über  das  Vorkommen  der  folgenden 
Elemente  auf  der  Sonne  Aufschluss  gelief eit: 


vorhanden 

zweifelhaft 

nicht  vorh&nden 

Natrinm 

Nickel 

Kobalt. 

Gold 

Blei 

Eisen 

Barium 

Silber 

Antimon 

Calcium 

Kupfer 

Quecksilber 

Arsen 

Magnesium 

Zink. 

jVlumininm 

Cadmium 

Zinn 

Strontium 

Lithium 

Silicium. 

Coincideuz  der  dunklen  Fraunhofer'schen  Linien  etc. 


9 


Thal^  fügte  diesen  Elementen  noch  Mangan,  Titan 
und  Wasserstoff  hinzu,  ebenso  entschied  er  definitiv  für 
das  Vorhandensein  von  Kobalt.  Mittels  der  ihm  eigen- 
thümlichen  photographischen  Methode  hat  später  Lockjteb 
die  Spectra  der  meisten  metallischen  Elemente  direct  mit 
dem  Sonnenspectrum  verglichen.  Als  Ergebniss  dieser 
genauen  und  mühevollen  Arbeit  veröffentlichte  er  1877 
die  nachfolgenden  Tabellen.  In  derselben  sind  nur  die 
längsten  Linien  der  photographischen  Region  der  Spectra 
als  beweisend  aufgeführt.  Die  mit  ihren  Anfangsbuchstaben 
bezeichneten  Beobachter,  auf  deren  Autorität  hin  die 
Uebereinstimmimg  der  Linien  gegeben  ist,  sind  folgende: 
S  =  Stockes,  K  =  Kiechhoff,  A  =  Angström,  T  =  Thal^, 

L  =  LOCKYEB. 


Elemente,  die  in  der  umkehrenden  Schicht  der  Sonnenatmosphare 
ahi  sicher  vorhanden  nachgewiesen  sind. 


Name 

Linien 

Beobachter 

des  Elementes 

Nairinm 

ümkehrung  der  D-Linien. 

S.  K. 

Eisen 

Umkehrung  von  450  Linien. 

K. 

Calcium 

Umkehrung  von  75  Linien. 

K. 

MagneHinm 

Umkehrung  von  4  (3?)  Linien. 

K. 

Chrom 

Umkehrung  von  18  Linien. 

K. 

Nickel 

Umkehrung  von  33  Linien. 

K. 

Barium 

Umkehrung  von  11  (unter  26)  Linien. 

K. 

Zink 

Umkehrung  von  2  ?  (unter  27)  Linien. 

K. 

Kobalt 

Umkehrung  von  19  Linien. 

T. 

AVasBerstoff 

Umkehrung  aUer  4  Linien. 

A. 

Mangan 

Umkehrung  von  57  Linien.' 

A. 

Titaninm 

Umkehrung  von  118  Linien. 

T. 

Aluminium 

Umkehrung  der  2  längsten  Linien  3948,30 
und  3960,50. 

L. 

Strontium 

Umkehrung  von  4  Linien,  4029,6,  4076,77, 
4215,00,  4607,5. 

L. 

Vi 


In*  Sp«H.?nIjLijiT**. 


Lisi« 

-^ 

rofikHbrüfijf  Ton  3  Liaiem,  4«>19^-  i'Ä53. 

T 

f  «*i  r. .  \  .1 . 

f.'ink«hniii|[^    tob    2    Lioi««,    46T7,*>    sai 

L. 

''-".'».V, 

r:mk^bniB|[^  TOB  2  Liniea,  3JfÄ7.  4«>li.V. 

▼ 

'..'4^.-.   . 

V.mK^hmü%  T4B  3  LiAieB.  3^1,M,  d^^ia.*). 

L 

Fr  .i  •  »  t  -"*  • 

r;ff.kftbroDjf  TOB  2  LiBiea,  4i>42.75,  4<M<x3^ 
4'ni  »-.ini'ijpiVk  K-Limtu  ib   diesem  Tkeü 
<1m  .Spf;«.tnimi;. 

L. 

*  4  .'.  4*'.  .  ,  Ut 

f'mk^bniDi?  TOB  4  LiaicB,  4379,0,  4.?84A 

L. 

$'4..A4.'iti. 

Cfuk^bmiijf  von  5  Linien,  ^Si.^K  '^J^^S.\ 
ilHl.h,  4817,0,  4874,0. 

L. 

%',,jrAÄü 

f.'ffjk^rbmng  fon  4  Linien,  39*r2,0,  4o7t>,0, 
47^>*;,0,  47r'>),0. 

L. 

K^fiiUtfiuUif  die  in  d«r  nmkehrenden  Schicht  der  Sonnenatmosphin 

wahrscheinlich  vorhanden  sind. 


Linien 

Beohachter 

(r.'hr«m 

I>i':  Linie  l>ei  4101,0  fällt  mit  h  siiHammen, 
die  man  hiHher  für  eine  WasserstofTlinie 
hielt.      Die    Umkehning    einer    zweiten 
Linie  bei  4r>09,0  ist  zweifelhaft. 

L. 

L.*hium 

Kine    Linie   bei    4003,0    umgekehrt,    aber 
die    Umkehrung    der    langen   Linie    bei 
0705  noch  nicht  beobachtet. 

L. 

llfiKt'Jirim 

Die  Linie  bei  42^>2,0  i»t  umgekehrt,  aber 
keine  Konnenlinien    beoba«ht<'t,   die   den 
langen  Linien   bei  6205   und  020t>   ent- 
Hprechen. 

L. 

f  ai«;ii>f>rri 

Zwei    Linien    bei   4554,0    und    4502    sind 
wahrHcheinlith  umgekehrt. 

L. 

Coint'idenz  der  danklcii  Frannhofer^Kchen  Linien  etc. 


11 


Name 

Linien 

Beobachter 

des  Ekmentos 

Wismnth 

Eine  Linie  bei  4722,0  ist  umgekehrt. 

L. 

Zinn 

Eine  Linie  bei  4524  ist  nmgekehrt. 

L. 

Silber 

Zwei  im  Metallspectnim  umgekehrte  Linien 
bei  4018,0  und  4212,0  sind  sehr  breit. 
Ich   habe  noch  keine  Zeit   gehabt,   zu 
entscheiden,  ob  sie  mit  Sonnenlinien  su- 
sammenfallen   oder   nicht.     Die   Breite 
der  Linien  muss  zu  diesem  Zweck  durch 
Legirung  des  Silbers  mit  Kupfer  ver- 
mindert Verden. 

L. 

BerjIIinm 

Eine  Linie  bei  8904,77  ist  umgekehrt. 

L. 

Lanthaninm 

Drei  verschwommene  Linien  bei  3948,20, 
3988,0  und  3995,04  sind  umgekehrt. 

L. 

Yttrium  oder 

Zwei  Linien  bei  3981,87  und  3949,55  sind 

L. 

Erbium 

umgekehrt. 

Elemente,  die  in  der  umkehrenden  Schicht  der  Sonnen- 

atmosphare  fehlen. 


Name 
des  Elementei 

Linien 

Beobachter 

Kohlenstoff 

Keine     mit    Kohlenstofflinien     zusammen- 
fallenden Sonnenlinien. 

A. 

Silicium 

Keine  Umkehrungen  beobachtet. 

K. 

Thallium 

Die  lange  gräne  Linie  bei  5349  ist  nicht 
umgekehrt. 

L. 

Chlor 

Kein    Zusammenfallen     von    Sonnenlinien 

L. 

Brom 

. 

mit  den  hellen  Linien  des  Funkenspec- 

Jod 

trums  zu  beobachten. 

Im  Uebrigen  ist  einleuchtend,  dass  die  Abwesenheit 
eines  Metalls  auf  der  Sonne  erst  dann  mit  völliger  Sicher- 
heit behauptet  werden  kann,  wenn  auch  die  ultravioletten 
Theile   genau  untersucht  worden   sind,    denn    es   können 


12  Die  Spectralanalyse. 

dort  coincidirende  Linien  auftreten,  während  solche  gleich- 
wohl zwischen  roth  und  violett  fehlen. 

Von  den  Metalloiden  SauerstofiF,  StickstofiF,  Kohlenstoff 
und  Schwefel  findet  sich  bei  der  Spectralanalyse  der  Sonne 
nicht  die  geringste  Spur.  Im  Jahre  1876  behauptete 
Henby  Dbapeb  jedoch,  dass  es  ihm  auf  photographischem 
Wege  gelungen  sei,  Sauerstoff  und  wahrscheinlich  auch 
Stickstoff  in  der  Sonne  zu  erkennen.  Sauerstoff  zeige 
nämlich  helle  Linien  oder  Banden  im  Sonnenspectrum,  gebe 
aber  keinerlei  dunkle  Äbsorptionslinien.  Zum  Nachweise 
der  Richtigkeit  seiner  Behauptung  veröffentlichte  Deapeb  eine 
von  jeder  Retouche  freie  Photographie  des  Sonnenspectrums 
mit  einem  Vergleichsspectrum  von  Luft  und  einigen  Eisen- 
und  Aluminiumlinien.  Diese  Photographie  ist  in  Fig.  4 
möglichst  getreu  nachgebildet.  Der  obere  Theil  zeigt  das 
Sonnenspectrum,  der  untere  das  Spectrum  des  Sauerstoffs 
und  Stickstoffs  der  Luft.  Die  Zahlen  bezeichnen  die  ViTellen- 
längen  in  milliontel  Millimetern,  GhH  sind  die  betreffenden 
dunklen  Linien  am  violetten  Ende  des  Sonnenspectrums;  von 
den  untenstehenden  Buchstaben  bezeichnet  0  Sauerstoff, 
N  Stickstoff,  Fe  Eisen,  AI  Aluminium.  „Schon  eine  ober- 
flächliche Betrachtung,"  bemerkt  Drapee  als  Erläuterung  zu 
seiner  Photographie,  „zeigt,  dass  die  Sauerstofflinien  in  der 
Sonne  als  helle  Linien  gefunden  werden,  während  die  Eisen- 
linien dunkle  Repräsentanten  haben.  Die  helle  Eisenlinie 
bei  4307  Wellenlänge  sieht  man  ganz  deutlich  übergehen 
in  die  dunkle  Absorptionslinie  des  Sonnenspectrums.  Gleich- 
zeitig fällt  die  vierfache  Sauerstofflinie  zwischen  4345  und 
4350  genau  zusammen  mit  den  hellen  Gruppen  des  Sonnen- 
spectrums darüber.  Diese  Sauerstoffgruppe  allein  ist  fast 
hinreichend,  um  die  Gegenwart  von  Sauerstoff  in  der  Sonne 
zu  beweisen,   denn  es  hat  nicht  nur  jeder  der  vier  Com- 


Coinpirteni  de. 

<lunklcD  Fraunliofer'sLh^'ti  Uai^a  etc. 

^H 

poiienten  einen  Re- 

^1 

I>iäseLtantGn       im 

Sonnenspectrum, 
auch    die    reliitive 
Stärke  uud  das  all- 
gemeine   Aussehen 

^^^^^HHH 

^1 

.stlZZT^B 

der   Lioien    ist    in 

^^^^^^1 

^1 

beiden  Fallen  ähn- 

■—.  !^^^^^H 

^1 

lich.      Ich    gUube, 
dass  bei  den  Ver- 

^_ — : — .^^^^v 

^^1 

gleichungen        der 

ik^^^^H 

^^1 

Spectra    der    Ele- 

^1 

mente     und      der 

^^^^^^^^^^^^^H 

^^1 
■ 

Sonne  nicht  genü- 

^^^^^^^^^^^ 

gendes  Oe wicht  ge- 

^^^^^^^^^^^H 

o   A       ^H 

,         1^  wurde  auf  das 

^^^^^^^^^^^^^9 

^^1 

allgemeine      Aus- 

^^^^^^^^^^^9 

sehen    der    Linien 
1         neben  ihren  blossen 

^i^lB^^9 

■ 

1         Lagen:  in  den  pho- 
tographischen Dar- 

^■■-^, L  -^ü^^^^g 

^1 

stellungen  ist  dieser 

^^^^^^^^^^^H 

^H 

Punkt  Ton  grosser 

^^^^^^^^^^-— j 

^1 

^^^^^^^^BS5| 

^H 

feine      Doppellinio 

^^^^^^^^^^^H 

H 

hei  4319,  4317  ist 

s ^^^^^^^^^^^^^^1 

^H 

in  der  Sonne  voll- 

s*^^^^^^^^^^^^^^? 

^^1 

kommen   reprüsen- 

^^^^^^^^^^H 

^M 

tirt.       Femer     ist 
eine     merkwürdige 

EC  ,^^^^^^^^^^^^^^^1 

üeb  erei  nsti  mmiuig 

^-^^^^^^^^^^^^^^1 

■ 

in  der  Doppellinio 

^"^^^^^^^^^^^2 

J 

14  Die  Spectralanalyse. 

bei  4190,  4184.  Die  Linie  bei  4133  ist  deutlich  ausge- 
sprochen. Die  stärkste  SauerstofiFUnie  ist  die  dreifache  bei 
4076,  4072,  4069,  und  auch  hier  sieht  man  eine  schöne 
Uebereinstimmung,  obwohl  das  Luftspectrum  verhältuiss- 
massig  stärker  erscheint  als  das  der  Sonne.  Aber  man 
darf  nicht  vergessen,  dass  das  Sounenspectrum  gelitten 
h^,t  von  dem  Durchgang  durch  die  Atmosphäre  und  diese 
Wirkung  zeigt  sich  am  vollständigsten  an  der  Absorption 
in  den  ultravioletten  und  violetten  Theilen  des  Spectrums." 
Draper  behauptet,  die  hellen  Sauerstofiflinien  seien  im 
Spectruni  der  Sonnenscheibe  bis  dahin  uur  deshalb  nicht 
bemerkt  worden,  weil  bei  den  Beobachtungen  mit  den 
Augen  helle  Linien  auf  einem  etwas  weniger  hellen  Hinter- 
grunde nicht  den  Eindruck  machten  wie  dunkle.  Die 
Ausführungen  Draper's  haben  im  Ganzen  nicht  den  Bei- 
fall der  Spectroskopiker  gefunden.  Christie  hat  auf  der 
Sternwarte  zu  Greenwich  den  Gegenstand  besonders  auf- 
merksam studirt.  Das  Spectroskop  am  dortigen  grossen 
Refractor  zeigt  eine  Menge  feiner  Linien,  die  in  Ang- 
strüm's  und  Kirchhoff's  Tafeln  und  in  Draper's  Photo- 
graphien fehlen,  dabei  erscheinen  die  stärkeren  Absorp- 
tionslinien verhältnissmässig  schmal  und  scharf  begrenzt. 
Eine  Folge  davon  ist,  dass  ein  Raum  zwischen  zwei  dunklen 
Linien,  der  mit  einem  Spectroskop  von  geringerer  Kraft 
wie  eine  helle  Linie  aussieht,  dieses  Aussehen  völUg  ver- 
liert und  nur  der  Hintergrund  des  continuirlichen  Spec- 
trums zu  sein  scheint.  In  einer  Zeichnung,  welche  das 
Spectrum  an  der  weniger  brechbaren  Seite  von  Q  dar- 
stellt, werden  vier  solche  Räume  gesehen,  gebildet  von  den 
starken  Linien  bei  4314,4,  4316,3,  4318,1  und  4320,2,  die 
bei  geringerem  Zerstreuungsvermögen  oder  weniger  voll- 
kommener Deutlichkeit  für  helle  Linien  genommen  werden 


Coincidenz  der  dunklen  Frannhofer'schen  Linien  etc.  15 

können;  und  in  der  That  hat  Chr.  Drapeb  die  beiden 
inneren  als  eine  doppelte  SauerstofiFlinie  identificirt.  Aber, 
me  man  in  Greenwich  sah,  ist  jeder  dieser  Räume  zehn- 
mal so  breit  als  die  dunklen  Linien  und  von  vollkommen 
gleichmässiger  Färbung,  ohne  eine  Spur  von  Verschwom- 
menheit an  den  Rändern.  Es  scheint  nun  schwierig,  die 
Existenz  heller  Linien  zu  erklären,  die  von  merkUcher 
Breite  und  an  den  Rändern  scharf  begrenzt  bleiben,  wenn 
der  Spalt  des  Spectroskops  verengert  wird.  In  gewöhn- 
lichen Fällen,  wo  eine  helle  Linie  eine  grössere  Breite  hat 
als  der  Spalt,  ist  sie  an  den  Rändern  verschwommen, 
während  die  fraglichen  Räume  oder  „hellen  Linien"  voll- 
kommen gleichmässig  in  der  Farbe  sind.  Cheistee  konnte 
femer  nicht  den  geringsten  Unterschied  in  der  Färbung 
in  dem  ganzen  Theile  von  4312  bis  4322  entdecken,  unter 
Umständen,  die  in  jedem  dieser  Räume  zwei  feine  Ab- 
sorptionslinien ergaben,  von  denen  keine  Spur  auf  den 
Photographien  von  Drapeb  zu  finden  war.  Die  Spectro- 
skopiker  neigen,  wie  bemerkt,  gegenwärtig  meist  zu  der 
von  Christte  vertretenen  Anschauung,  doch  ist  die  Sache 
noch  nicht  spruchreif  und  bedarf  weiterer  Untersuchungen. 
Dies  ist  um  so  mehr  der  Fall,  als  J.  Chr.  Draper  durch 
photographische  Aufnahme  der  dunklen  Spectrallinien  der 
Sonne  und  der  hellen  Streifen  elektrisch  glühender  Gase, 
besonders  des  Sauerstoffs,  zu  dem  Ergebnisse  kommt,  dass 
gewisse  dunkle  Linien  im  Sonnenspectrum  nichts  Anderes 
als  Sauerstofflinien  seien.  Chr.  Draper  benutzt  bei  seinen 
Untersuchungen  Gitterspectra.  Zwischen  den  Wellenlängen 
von  3864,50  und  4704,65  hat  er  im  Sonnenspectrum  nicht 
weniger  als  65  Linien  gefunden,  die  nach  seinen  Messungen 
mit  solchen  des  Sauerstoffs  völlig  genau  oder  fast  völlig 
zusammenfallen. 


16  Die  Spectralanalyse. 

2.  KirchhoflTs  Ansicht  Aber  die  physische 
Beschaffenheit  der  Sonne. 

Man  hatte  lange  angenommen,  dass  die  Lücken  im 
farbigen  Sonnenspectrum,  die  dunklen  FRAUNHOFEB'schen 
Linien,  durch  eine  Absorption  der  ihnen  entsprechenden 
farbigen  Strahlen  in  der  Sonnenatmosphäre  entständen; 
aber  Niemand  wusste  davon  den  Grund  anzugeben. 
Kirchhoff  fand  die  Ursache  dieser  Absorption;  er  wies 
nach,  dass  ein  Dampf  aus  dem  weissen  Lichte  genau  die- 
selben Strahlen  absorbirt,  die  er  glühend  selbst  ausstrahlt, 
und  dass  das  gesammte  System  der  FRAUNHOFEB'schen 
Linien  zum  grossen  Theile  aus  der  Ueberlagerung  von 
umgekehrten  Spectren  solcher  Stoife  besteht,  die  auch  auf 
der  Erde  vorkommen.  So  gelangte  dieser  Gelehrte  zu 
einer  neuen  Anschauung  über  die  physische  Beschaffenheit 
der  Sonne,  die  mit  der  älteren,  zur  Erklärung  der 
Sonnenflecke  angenommenen  Hypothese  von  Wilson  und 
William  Hebschel  im  geraden  Gegensatze  stand. 

Nach  KiKCHHOFF  besteht  die  Sonne  aus  einem  festen 
oder  tropfbar  flüssigen^  in  der  höchsten  Glühhitze  befind- 
lichen Kerne,  welcher,  wie  alle  weissglühenden  festen  oder 
flüssigen  Körper,  alle  möglichen  Arten  von  Lichtstrahlen 
aussendet  und  daher  für  sich  allein  ein  continuirliches 
Spectrum  ohne  dunkle  Linien  geben  würde.  Dieser  weiss- 
glühende  centrale  Kern  ist  mit  einer  Atmosphäre  von  nie- 
drigerer Temperatur  umgeben,  in  welcher  sich  wegen  der 
hohen  Hitze  des  Kerns  viele  Stoffe,  aus  denen  letzterer 
zusammengesetzt  ist,  in  Form  von  Dämpfen  befinden.  Die 
von  dem  Kerne  ausgehenden  Lichtstrahlen  müssen  daher, 
bevor  sie  zu  uns  gelangen,  durch  diese  Atmosphäre  hin- 
durchgehen,   und  jeder   Dampf  löscht   aus   dem   weissen 


EirchhofT's  Ansicht  über  die  physische  Beschaffenheit  der  Sonne.     17 

Lichte  alle  Strahlen  aus,  welche  er  im  glühenden  Zustande 
selbst  ausstrahlen  kann.  Nun  aber  finden  wir,  wenn  wir 
das  zu  uns  kommende  Sonnenlicht  durch  ein  Prisma  ana- 
lysiren,  eine  Menge  von  Strahlen  aus  diesem  Lichte  aus- 
gelöscht, und  zwar  genau  diejenigen,  welche  u.  A.  das 
Natrium,  das  Eisen,  das  Calcium,  das  Magnesium  u.  s.  w. 
selbst  ausstrahlen  würden,  wenn  sie  für  sich  allein  leuch- 
tend wären;  folglich  müssen  die  Dämpfe  dieser  StofiFe  in 
der  Sonnenatmosphäre  und  daher  auf  dem  Sonnenkörper 
überhaupt  vorhanden  sein. 

Könnten  wir  das  weisse  Licht  des  centralen  Sonnen- 
kerns auf  irgend  eine  Weise  beseitigen,  und  nur  das  Licht 
der  in  der  Sonnenatmosphäre  glühenden  Dämpfe  mit  dem 
Spalte  des  Spectralapparates  auffangen,  so  müssten  wir  die 
Uebereinanderlagerung  der  wirklichen  Spectra  der  ge- 
nannten Stofife,  d.  h.  dieselben  Systeme  von  hellen  farbigen 
Linien  erhalten,  die  wir  nun  als  dunkle  FRAüNHOFEE'sche 
Linien  wahrnehmen.  Es  ist  dieses  ein  Prüfstein  für  die 
KiBCHHOFF'sche  Theorie,  welcher  sich  bei  dem  Eintreten 
einer  totalen  Sonnenfinsterniss  anwenden  lässt.  Die  Mond- 
scheibe verdeckt  dann  der  Erde  den  Anblick  der  Sonnen- 
scheibe vollständig ;  das  Licht  des  Sonnenkörpers  kann  nicht 
mehr  zu  uns  gelangen,  wohl  aber  das  der  Sonnenatmo- 
Sphäre  und  der  darin  glühenden  Dämpfe. 

Die  KiBCHHOFF'schen  Anschauungen  haben  sich  im 
Princip  in  den  Beobachtungen  der  totalen  Sonnenfinsternisse 
vollkommen  bestätigt.  So  sah  Yoünö  bei  der  totalen 
Sonnenfinsterniss  vom  22.  December  1870,  als  die  dunkle 
Mondscheibe  eben  die  ganze  Photosphäre  der  Sonne  be- 
deckte, dass  alle  dunklen  FRAUNHOFER'schen  Linien  sich 
in  helle  umwandelten  und  das  ganze  (lesichtsfeld  seines 
Instrumentes  mit  glänzenden  Linien  erfüllt  war.   Die  Finster- 

SfhelUnt  Spcctralanalyse.  IT.  2 


18  Die  Spectralanalyse. 

niss  vom  12.  December  1871,  welche  Macleab  und  Pkixole 
zu  Bekul  in  Indien  beobachteten,  lieferte  dasselbe  Ergebniss. 
Als  die  Totalität  herannahte,  vermehrten  sich  die  hellen 
Linien  an  Zahl  und  Glanz  äusserst  schnell,  bis  es  fiir  einen 
Augenblick  schien,  dass  alle  dunklen  Linien  des  Spectrums 
in  helle  umgewandelt  waren.  Von  da  ab  nahm  der  Glanz 
der  Linien  ab  und  zwar  so  rasch,  dass  es  nicht  möglich 
war,  die  Reihenfolge,  in  welcher  eine  nach  der  anderen 
verschwand,  genauer  zu  verfolgen.  Die  WasserstoflFlinien 
sowie  die  Linien  />,  b  und  einige  dazwischen  liegende 
blieben  noch  lange  sichtbar;  als  diese  endlich  auch  ver- 
schwunden waren,  erschien  das  ganze  Sehfeld  dunkel. 
Beim  Wieder  erscheinen  der  Sonne  sah  Pringle  ebenfalls 
eine  grosse  Anzahl  von  hellen  Linien  in  einem  continuir- 
lichen  Spectrum  aufblitzen,  das  einen  AugenbUck  vor  dem 
Erscheinen  des  Sonnenrandes  sichtbar  wurde.  Etwas  Aehn- 
lichos  sah  RESPiain.  Die  totale  Sonnenfinsterniss  vom 
IG.  April  1874,  welche  Stone  beobachtete,  zeigte  ebenfalls 
unmittelbar  vor  und  nach  der  Totalität  eine  Umkehr  aller 
dunklen  Linien,  und  das  Gleiche  ergab  die  totale  Sonnen- 
finsterniss am  29.  Juli  1878.  Die  Dicke  der  imikehrenden 
Schicht  ergiebt  sich  aus  diesen  Beobachtungen  nur  als 
relativ  sehr  gering,  sie  mag  nach  einer  Schätzung  von 
PüLSiVER  5(X)  engl.  Meilen  nur  wenig  übersteigen.  Durch 
äusserst  feine  Untersuchungen  hatte  übrigens  schon  1869 
Seccui  (las  Vorhandensein  der  umkehrenden  Schicht  direct 
nachgewiesen.  Er  hatte  mit  dem  neunzolligen  Aequatorial 
behufs  Vergrösserung  des  directen,  im  Brennpunkte  des 
Objoctivs  entstehenden  Sonnenbildes  ein  vorzügliches  Ob- 
jectiv  eines  AMici'schen  Mikroskops  verbunden,  femer  war 
das  aus  drei  Prismen  von  grosser  Dispersion  bestehende 
Spectroskop  noch  durch   ein  geradsichtiges  Prismensystem 


Kirchhoff  s  Ansicht  über  die  physische  Beschaffenheit  der  Sonne.     10 

verstärkt  worden.  Nachdem  der  Spalt  tangential  zum 
Sonnenraude  gestellt  war,  wurde  die  Bewegung  des  Uhr- 
werks' so  reguhrt,  dass  die  Sonnenscheibe  sich  langsam 
dem  Gesichtsfelde  des  Femrohrs  nähern  konnte.  Es  haben 
sich  bei  dieser  Beobachtung  folgende  Resultiite  ergeben: 
1)  In  einer  geringen  Entfernung  vom  Sonnenrande  ist  das 
Licht  der  äusseren  Umgebung  so  intensiv,  dass  sein  Spec- 
trum selbst  die  feinsten,  dunkelsten  Linien  des  Sonnen- 
spectrums  zeigt;  2)  in  einer  noch  geringeren  Entfernung 
vom  Sonnenrande  sieht  man  die  hellen  Linien  der  Pro- 
tuberanzen und  der  Chromosphäre  auftreten;  3)  bei  noch 
grösserer  Annäherung  an  den  Rand  werden  diese  hellen 
Linien  schwächer  und  es  tritt  ein  Moment  ein,  wo  alle 
dunklen  Linien  mit  Ausnahme  der  stärksten,  wie  D  und  i, 
verschwinden;  4)  diese  letztere  Schicht,  die  also  ein  con- 
tinuirliches  Spectrum  giebt,  ist  sehr  dünn,  denn  sehr  bald 
nach  dem  Auftreten  des  continuirlichen  Spectrums  er- 
scheint sogleich  das  volle  Sonnenspectrum  mit  allen  seinen 
dunklen  Linien  und  kündigt  damit  den  Eintritt  des  eigent- 
lichen Sonnenrandes  oder  der  Photosphäre  in  den  Spec- 
troskopspalt  an.  Die  unter  3)  beschriebene  Erscheinung 
deutet  eben  auf  die  umkehrende  Schicht,  und  nur  ihrer 
geringen  Dicke  ist  es  zuzuschreiben,  dass  bei  den  Finster- 
nissen von  1868  und  1869  die  Umkehr  aller  Linien  nicht 
bemerkt  wurde.  Auch  damals  hat  diese  Umkehr  natürlich 
zur  Zeit  der  Totalität  stattgefunden,  sie  ist  aber  nicht  be- 
merkt worden,  theils  weil  die  Beobachter  noch  zu  uner- 
fahren auf  diesem  neuen  Gebiete  waren,  theils  weil  die 
benutzten  Spectroskope  nicht  besonders  geeignet  sein 
mochten.  So  ist  also  im  Princip  die  KmcHuoFF'sche 
Theorie  durch  die  Beobachtungen  glänzend  bestätigt  wor- 
den, nur  mit  der  für  das  Wesen  derselben  unbedeutenden 

2* 


.Kh-v f:\ch\ri2,  iiÄ^  die  Umkehr  der  liniea  oichc  in  einer 
.irij*rme'.ri  ius-zeiiehnteri  SjnaeLÄtmösphare,  soodem  in 
einer  riieririijeri  Schicht,  die  der  Ph^Hc-sphin*  anmittelbar 
I>=-ri.5chbart  *'Ar:T  vielleicht  selb-st  ein  Theil  derselben  ist, 
vor  -/ich  iZ-liL 

3.   I>i^  atmcisphäriscben  Linien  im  Sonnen- 
Hpec-tmm  nach  Brewi^ter  und  Gladstone. 

D-^r  F>-te,  welcher  fand.  «Iäss  nicht  alle  dunklen  Linien 
im  '^oriri^n-f>*-ctnim  unveränderlich  sind,  und  dass  ihre 
Ver-^rid^rli'^hkvii  an  Zahl,  La^e,  Lichtstärke  nnd  Breite 
von  d':n  Wränderuniren  bedingt  Ist,  welche  in  dem  Zn- 
-rjiUfU:  der  Erdatmosphäre  eintreten,  war  der  bereits  früher 
erwähnte  italienische  Phvsiker  Zantzdeschi»  Im  Jahre  1856 
machte  CntyjKK.^  nachdrücklich  darauf  aufmerksam,  dass 
die  Erdatmosphäre  einen  grossen  Theil  der  brechbarsten 
Sltrahlen  zurückbehalte  und  dass  aus  diesem  Grunde  das 
violette  Ende  des  Spectrums  am  ausgedehntesten  erscheine, 
wenn  die  Sonne  am  hrkrhsten  stehe.  Nach  ihm  haben 
Brkwster  und  fiLADjjXOXE,  Pl\zzi  Smtth,  P.  Secchi,  ganz 
i>e<iondfTs  aber  df  r  französische  Phvsiker  Janssen  mit 
diesem  Gegenstände  sich  beschäftigt,  ohne  dass  diese  Unter- 
suchungen heute   schon   ihren  Abschluss  gefunden  haben. 

Gladhto.ve  fertigte  zuer>t  Zeichnungen  des  Sonnen- 
Hpectrums  an,  in  welchen  er  die  dunklen  Linien,  die  in 
der  Nähe  des  Horizontes  auftreten,  sorgfaltig  eintrug. 
Diese  Zeichnungen  wurden  1858  der  ,.British  Association*' 
vorgelegt.  Damals  liess  jedoch  Gladstone  die  Frage  nach 
dem  wahren  Ursprünge  dieser  Linien  unentschieden,  be- 
merkt^^  indessen,  dass  sie  durch  Beobachtung  irdischer 
Lichtquellen   in   grosser  Entfernung  gelöst  werden   könne. 


Die  utniüsphäriächeii  Linien  im  SonuenRpertnim.  21 

Er  selbst  beobachtete  das  Licht  des  Leuchtthiirins  von 
Beachy  Head  zwischen  Brighton  und  Hastings,  aus  einer 
Entfernung  von  27  engl.  Meilen,  doch  konnte  er  neue 
Linien  nicht  wahrnehmen. 

Später  nahm  Gladstone  in  Verbindung  mit  Buewstee 
die  Untersuchung  des  Gegenstandes  wieder  auf.  Sie  fan- 
den, dass  in  dem  Sonnenspectrum  neue  dunkle  Linien  und 
Streifen  auftreten,  wenn  die  Sonne  dem  Horizonte  nahe 
steht,  und  dass  gewisse  dunkle  Bänder  sich  gegen  Abend 
und  am  Morgen  stärker  markiren  als  zur  Mittagszeit,  wo 
die  Sonne  hoch  am  Himmel  steht.  Da  bei  dem  niedrigen 
Stande  der  Sonne  am  Horizont  ihre  Strahlen  einen  circa 
lünfzehnmal  grösseren  Weg  durch  die  Erdatmosphäre 
zurücklegen  müssen  als  zur  Mittagszeit,  so  lag  die  Ver- 
muthung  nahe,  dass  die  atmosphärische  Luft,  obwohl  sie 
farblos  ist,  auf  die  Sonnenstrahlen  absorbirend  wirke  und 
wie  die  Dämpfe  in  demselben  Masse  mehr  Lichtstrahlen 
zurückhalte,  je  dicker  und  dichter  die  Schicht  ist,  welche 
das  SonnenUcht  durchlaufen  muss. 

Das  von  Bbewster  und  Gladstone  im  Jahre  1861 
veröfiFentlichte  iVj  m  lange  Sonnenspectrum  enthält  mehr 
als  2000  sichtbare  und  leicht  von  einander  zu  unter- 
scheidende dunkle  Linien  oder  Bänder.  Das  violette  Ende 
desselben  erstreckt  sich  eben  so  weit  wie  bei  Fbaunhofek, 
dagegen  dehnt  es  sich  nach  dem  Roth  hin  bedeutend 
weiter  aus.  Die  FRAUNHOFEB'schen  Linien  haben  ihre  Be- 
zeichnung A^  a,  B  u.  s.  w.  beibehalten,  die  zwischen  diesen 
liegenden  und  deutlich  von  einander  zu  unterscheidenden 
Linien  und  Bänder  aber  bezeichneten  diese  Gelehrten  mit 
Ziffern,  deren  Reihenfolge  hinter  A^  hinter  i?,  C  u.  s.  w. 
(d.  h.  nach  dem  Violett  hin)  jedesmal  mit  1  beginnt.  So 
liegen   zwischen  A  und  a   drei   Streuen,   die  mit  A^,  ^, 


'» 


Dir  S[»ectralaiialyso. 


A2  bezeichnet  sind;  zwischen  a  und  B 
liegen  acht  Linien  oder  Bänder,  die  mit 
/ii,  i?2  •  •  •  -^8  bezeichnet  sind.  Zwischen 
B  und  C  hegen  sieben,  zwischen  C  und  D 
sechzehn,  zwischen  D  und  E  neunund- 
zwanzig, zwischen  E  und  b  zehn,  zwischen 
b  und  F  dreissig,  zwischen  F  und  G 
fünfzig,  zwischen  G  und  H  dreiundfiinfzig, 
zwischen  //  und  k  vier  und  zwischen  k 
und  /  zehn  Linien  mit  eben  so  vielen, 
jedesmal  mit  1  beginnenden  Zahlen.  Ausser 
diesen  hervorragenderen  Linien  finden  sich 
noch  sehr  viele  feinere  eingetragen,  welche 
nicht  weiter  bezeichnet  sind.  Diejenigen 
Linien  und  Bänder,  welche  vorzugsweise 
von  den  atmosphärischen  Zuständen  be- 
einflusst  werden  und  daher  je  nach  dem 
Stande  der  Sonne  weniger  oder  mehi*  her- 
vortreten, sind  mit  griechischen  Buchstaben 
bezeichnet. 

In  Fl)/,  o  sind  nebst  den  Fraux- 
iioFKR'schen  Linien  A  ,  ,  ,  II  die  wich- 
tigeren und  leicht  bemeikbaren  veränder- 
lichen Linien  und  Bänder  nach  einer  ver- 
kleinerten Originalzeichnung  von  Brewsteu 
eingetragen  und  mit  den  entsprechenden 
griechischen  Buchstaben  bezeichnet;  die 
Ziffern  sind  weggelassen ;  die  Zeichnung  ist 
also  ein  Spectrum  der  Sonne  für  den  Fall, 
dass  diese  sich  nahe  am  Horizonte  befindet: 
sämmtliche  mit  griechischen  Buchstaben 
bezeichnete  Linien  und  Bänder  verschwin- 


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Di«  atmosphiirischen  Linien  im  Sonnenspedrnm.  23 

den  aus  dem  Spectruni  oder  sie  erblassen  mehr  oder 
weniger,  wenn  die  Sonne  zur  Mittagszeit  im  Meridian  steht. 
Bkewster  und  Gladstone  nannten  diese  Streifen  atmo- 
sphärische  Linien,  um  anzuzeigen,  dass  dieselben  ihre  Ent- 
stehung der  absorbirenden  Kraft  der  Erdatmosphäre  ver- 
dankten; es  gelang  ihnen  aber  nicht,  festzustellen,  welchen 
Bestandtheilen  der  atmosphärischen  Luft  diese  elective  Ab- 
sorption zugeschrieben  werden  müsse. 

In  dem  wenigst  brechbaren  Theile  des  Spectrums 
werden  bei  Sonnenuntergang  vor  A  zwei  Bänder  intensiv 
dunkel,  zu  beiden  Seiten  von  einer  feinen  Linie  F,  Z  ein- 
gefasst.  A  wird  stark  erbreitert  und  behält  diese  Er- 
breiterung  selbst  dann  noch,  wenn  die  Sonne  schon  eine 
bedeutende  Höhe  erlangt  hat.  Beobachtet  man  A  zu 
Mittag,  so  erscheint  die  Linie  doppelt  oder  wie  zwei  dunkle 
Räume,  getrennt  durch  einen  engen  hellen  Raum;  wenn 
aber  die  Sonne  untergeht,  so  verschwindet  dieser  Licht- 
streif und  es  erscheint  die  Linie  als  ein  Band  von  gleich- 
förmiger Ausdehnung  und  Dunkelheit.  Die  Gruppe  a  wird 
dann  viel  dunkler,  aber  die  einzelnen  Linien  verfliessen 
nicht  zu  einem  Bande.  Die  stärkste  Absorption  tritt  ein 
dicht  bei  B,  C  und  die  meisten  Linien  zwischen  C  und 
C«  werden  dunkler  und  letztere  Linie  (im  Orange)  ist  be- 
sonders bemerkenswerth,  weil  ihre  Verdunkelung  schon  be- 
ginnt, wenn  die  Sonne  noch  ziemlich  hoch  steht  In  England 
ist  diese  Linie  im  Winter  zu  jeder  Tageszeit  sichtbar, 
nicht  aber  im  Sommer;  beim  Auf-  und  Niedergange  der 
Sonne  ist  sie  eine  der  dunkelsten  und  schärfsten  Linien 
des  ganzen  Spectrums.  C15  wächst  am  Abende  zu  einem 
schwarzen  Bande  an  und  ebenso  ist  dann  die  doppelte 
Linie  D  sehr  stark  entwickelt.  Hinter  D.^  beginnt  ein 
Band,  ö  genannt,  welches  für  alles  prismatische  Licht,  das 


24  Die  Speilralanalyse. 

eine  dicke  Luftschicht  passirt  hat,  vorzugsweise  charak- 
teristisch ist.  Selbst  mit  einem  kleinen  Specti'oskop  lässt 
es  sich  im  diffusen  Lichte  eines  trüben  Tages  zu  jeder 
Stunde  sehr  leicht  erkennen,  besonders  schiirf  und  dunkel 
aber  zeigt  es  sich  zur  Zeit  eines  dichten  Regens  oder  eines 
üewittersturmes;  zur  Zeit  des  Sonnenunterganges  erlangt 
dieses  Band  beinahe  eine  totale  Dunkelheit  Ihm  folgen 
andere  Bänder  t  und  C,  sowie  die  Linie  rj.  Letztere  ist 
des  Abends  sehr  deutlich  und  kann,  da  sie  nahe  bei  E 
liegt,  welche  durch  die  Atmosphäre  nicht  verdunkelt  wird, 
leicht  mit  E  verwechselt  werden.  Jenseits  b  liegen  noch 
manche  bemerkenswerthe  atmosphärische  Bänder,  nament- 
lich I  und  X.  F  scheint  bei  Sonnenuntergang  nebelig  zu 
werden  und  zwischen  F  und  G  erscheinen  dann  noch 
sieben  Bänder  X  bis  q.  Letzterer  Theil  des  Spectrums  ist 
des  Abends  nur  wenig  bemerkbar  und  eine  noch  grössere 
Absorption  tritt  ein  für  die  violetten  Strahlen  jenseits  G. 
Der  westliche  Himmel  unmittelbar  nach  Sonnenunter- 
gang gewährt  fiir  das  Studium  dieser  dunklen  atmosphä- 
rischen Erdlinien,  besonders  der  Bänder  d  und  C  im  hellen 
Theile  des  Spectrums,  die  günstigste  Gelegenheit.  Ist  der 
Himmel  dann  röthlich,  so  erscheinen  C,  Q,  jD,  d  in  der 
Regel  als  vier  sehr  dunkle  Bänder;  ist  er  gelblich,  so  sind 
dieselben  weniger  bestimmt  zu  erkennen. 

4.  Die  tellurischen  Linien  im  Sonnen- 
spectrum  und  das  Spectrum  des  Wasserdampfes 

nach  Janssen. 

Die  Arbeiten  von  Bukwster  und  Gladstone  wurden 
1ÖG4  von  dem  französischen  Physiker  Janssen  zu  dem 
Zwecke    wieder    aufgenommen,    um    näher    zu    ermitteln. 


Die  tellurischeii  Linien  im  Sonuenspectrum.  25 

welcher  Bestandtheil  der  atmosphärischen  Luft  die  elective 
Absorption  des  Sonnenspectrums  verursache.  Mit  einem 
von  ihm  construiiten,  aus  fünf  Prismen  zusammengesetzten 
Spectroskope  gelang  es  ihm  zunächst,  die  von  den  eng- 
lischen Physikern  beobachteten  dimklen  Bänder  in  feine 
Linien  aufzulösen  und  festzustellen,  dass  ihre  Lichtstärke 
beständig  wechselt.  Beim  Aufgange  und  beim  Untergänge 
der  Sonne  sind  sie  am  dunkelsten,  zu  Mittag  erscheinen 
sie  weniger  intensiv,  zu  keiner  Zeit  eben  verschwinden  sie 
gänzlich  aus  dem  Spectrum;  aber  dieser  doppelte  Cha- 
rakter beweist  schon  ihren  atmosphärischen  Ursprung. 
Um  jedoch  das  Letztere  noch  unzweideutiger  nachzuweisen, 
beschloss  Janssen,  seine  Beobachtungen  des  Sonnenspec- 
trums auf  einem  hohen  Berge  anzustellen,  auf  welchem 
die  untere  und  dichtere  Schicht  der  Erdatmosphäre  von 
der  Mitwirkung  der  Absorption  ausgeschlossen  ist,  folglich 
diese  selbst  sich  in  einem  geringeren  Grade  zeigen  muss 
als  in  der  Ebene. 

Janssen  hielt  sich  zu  diesem  Zwecke  im  Jahre  1864 
eine  Woche  lang  auf  dem  Gipfel  des  Faulhorns  in  einer 
Höhe  von  dreitausend  Meter  über  der  Meeresfläche  auf 
und  überzeugte  sich,  dass  die  genannten  veränderUchen 
dunklen  Linien  im  Sonnenspectrum  in  der  That  viel 
schwächer  waren  als  in  der  Ebene.  Um  aber  über  die 
absorbirende  Ursache  ganz  ins  Klare  zu  kommen,  und 
namentlich  um  den  Nachweis  zu  Uefem,  dass  jene  Linien 
wirklich  nur  von  der  Erdatmosphäre  heiTÜhren,  schloss  er 
das  Sonnenlicht,  welches,  bevor  es  zu  uns  kommt,  durch 
Millionen  Meilen  fremdartiger  Medien  dringen  muss,  von  sei- 
nen Untersuchungen  aus  und  operirte  mit  künstlichem  Lichte. 

Im  October  1864  Hess  er  zu  Genf  in  der  Entfernung 
von  21  km  von  seinem  Beobachtungspunkte  einen  gi'ossen 


26  Dil'  Spertralaiialyse. 

Haufen  Tannenholz  anzünden  und  beobachtete  die  Flamme 
mit  dem  Spectroskop.  In  der  Nähe  zeigte  das  Feuer  ein 
ganz  eontinuirUches  Spectrum  ohne  dunkle  Linien,  dagegen 
traten  in  der  genannten  Entfernung  dieselben  dunklen 
Linien  auf,  welche  Bbewster  in  dem  Spectnim  der  unter- 
gehenden Sonne  beobachtet  hatte. 

Es  handelte  sich  für  Janssen  jetzt  noch  darum,  näher 
festzustellen,  oh  die  wahrgenommene  atmosphärische  Ab- 
sorption der  Luft  oder  dem  darin  enthaltenen  Waseer- 
dampfe  zuzuschreil)en  sei,  eine  Untersuchung,  die  mit  un- 
gewöhnlichen Schwierigkeiten  verbunden  war  und  erst  zu 
Ende  geführt  werden  konnte,  als  die  Pariser  Gasgescll- 
scliaft  im  Jahre  186()  ihm  hierzu  ihre  reichen  Mittel  zur 
Disposition  stellte. 

Ein  37  m  langer  eiserner  Cylinder  Aiiirde  mittelst 
Durchtreibens  von  Wasserdampf  unter  einem  Druck  von 
7  Atmosphären  von  seiner  Luft  befreit,  mit  Dampf  an- 
gefüllt und  an  beiden  Enden  durch  starke  Spiegelglas- 
platten geschlossen.  Der  Cylinder  war  mit  Sägemehl 
umgeben,  um  ihn  gegen  den  Wärmeverlust  zu  schützen, 
und  es  waren  auch  sonst  noch  Einrichtungen  getroffen, 
um  das  Condensiren  des  Dampfes  zu  verhindern  und  seine 
Durchsichtigkeit  zu  erhalten.  An  dem  einen  Ende  des 
Cy linders  war  eine  staik  leuchtende  Flamme  (von  sech- 
zehn vereinigten  Gasbrennern),  an  dem  andern  Endo  das 
Spectroskop  aufgestellt,  so  dass  die  Lichtstrahlen  dieser 
Flamme  eine  37  m  dicke  Schicht  Wasserdampf  durch- 
laufen mussten,  bevor  sie  zu  dem  Spalte  des  Spectral- 
aj)parates  gelangen  konnten.  Das  Spectrum  des  Lichtes 
in  der  Luft  y\(\r  vollkommen  frei  von  Absorptionslinien; 
ging  aber  das  Licht  durch  den  mit  Dampf  gefüllten  Cy- 
linder, so  tratcm  sofort  zwischen  dem  äussersten  Roth  und 


der  D-Liiiiü  Gruppen  von 
dunklen  Linien  auf.  welche 
denen  der  untergehenden 
Sonne  ganz  ähnlich  waren. 
Es  war  damit  nicht  bloss  der 
Beweis  geliefert,  dass  ein 
grosser  Theil  der  veränderten 
Linien  im  Sonnenspoctrum 
dem  Gehalte  der  Erdatmo- 
sphüre  an  Wamerdnmjtf  zu- 
zuschreiben ist,  sondern  auch 
ein  Mittel  geboten,  um  die 
Gegenwart  von  Waeserdanipf 
auf  den  Himmebkörpi^m  zu 
erkennen. 

In  der  Fig.  6"  ist  das  von 
Jassben  gezeichnete  Spee- 
trum  dei'  Sonne,  soweit  es 
sich  zwischen  den  Linien  C 
und  D  erstreckt,  abgebildet, 
und  Zwarinder  oberen  Hälfte, 
wenn  die  Sonne  im  Meridian 
steht,  in  der  unteren,  wenn 
sie  sich  nahe  am  Horizonte 
befindet.  Ditjenigen  Linien, 
welche  in  beiden  Hälften 
das  gleiche  Aussehen  haben, 
gehören  ausschliesslich  der 
Sonne  an,  diejenigen  dagegen, 
welche  in  der  unteren  Hälfte 
duoklor  erscheinen  als  in  der 
oburu,  sind  idlurUche Linien. 


28  Die  »^pcrtralanalysc. 

Janssen  hat  ferner  nachgewiesen,   dass   fast    alle  tel- 
hiiische   Linien   durch    den    Wasserdampf    der    Erdatmo- 
sphäre  hervorgerufen    werden,    ebenso    dass    der    Wasser- 
dampf noch  über  das  Roth  hinaus  in  dem  dem  Auge  nicht 
mehr  sichtbaren  Theile  des  Sonnenspectrums  (im   Wärme- 
spectrum)  absorbirend  wirkt  und  daselbst  Absorptionsliuien 
erzeugt,    endlich,    dass    im    ganzen    violetten    Theile    des 
Spectrums    die    Aljsorption    eine    mehr   gleichförmige    als 
elective  ist.      Das   Wasserdampf spectrum   ist   hiemach  die 
Gesammtheit    der    durch    diesen    Dampf   hervorgerufenen 
Veränderungen   des  continuirlichen  Spectrums;    es   ist  ein 
Absorptionsspectrum,  welches  aus  dem  unteren  Theile  der 
Fitf,  6    nach    Weglassung    derjenigen   Linien,    welche    mit 
den  darüber    belindHchen   ganz   gleiches  Aussehen    haben, 
für  den   Theil   zwischen   C  und    D  leicht  abzuleiten    ist 
Von  den  mit  Cß  und  D  bezeichneten  Gruppen   ist    nach- 
gewiesen,  dass  sie   ihren   Ursprung  im  Wasserdampf  der 
Atmosphäre  haben;  von  der  mittleren  Gi*uppe  Cy  ist   der 
tellurische  Charakter  ebenfalls  von  Janssen  ausser  Zweifel 
gesetzt,  jedoch  ist  es  unentschieden,   ob  sie  ebenfalls   von 
dem  W'asserdampf  herrühren. 

Janssen  hat  seine  Untersuchungen  nicht  bloss  auf 
das  Stück  des  Sonnenspectrums  zwischen  C  und  D  be- 
schränkt; in  einer  andern  Karte  erstrecken  sich  die  beiden 
Spectra  auf  die  Regie m,  welche  einerseits  über  die  Linie  B 
und  anderseits  über  D  hhiausgeht;  diese  Karte  umfasst 
die  drei  Gruppen,  welche  von  Brkvvster  (Flg.  S)  mit 
«,  ß,  y  und  d  bezeichnet  sind.  Ausserdem  aber  hat  der- 
selbe seine  Beobachtungen  auf  das  Licht  des  Mondes  und 
einiger  Fixsterne  ausgedehnt*   und    dabei   untersucht,   ob 

*  Jamsrkx,  Rapport  sur  nne  Mission  eu  Italie.  rari»,  Imprimcrie 
iniporiale,  I8<i8. 


Die  tellnrischen  Linien  im  Sonnenspectrnm.  29 

das  Licht  der  letzteren,  welches  von  dem  der  Sonne  ver- 
schieden ist,  dieselben  Veränderungen  bei  dem  Durchgange 
durch  die  Atmosphäre  der  Erde  erleidet,  wie  das  der  Sonne. 

Zu  diesem  Zwecke  verband  Janssen  ein  kleines 
Spectroskop  ä  vision  directe  mit  einem  grossen  astrono- 
mischen Fernrohre  in  der  Weise,  wie  wir  es  bei  den  Stem- 
spectroskopen  noch  näher  kennen  lernen  werden,  und 
untersuchte  damit  das  Spectrum  des  Siriu^^  wenn  dieser 
anfing  sich  über  den  Horizont  zu  erheben.  Das  sehr  helle 
Spectrum  des  Sterns  zeigte  mehrere  dunkle  Bänder,  welche 
nach  den  vorgenommenen  Messungen  genau  dieselbe  Lage 
hatten,  wie  das  Spectrum  der  Sonne  bei  ihrem  Auf-  oder 
Untergange.  In  dem  Masse  wie  der  Stern  höher  stieg, 
nahm  die  Intensität  dieser  tellurischen  Bänder  mehr  und 
mehr  ab,  bis  sie  endUch  ganz  verschwanden,  als  der  Stern 
durch  den  Meridian  ging. 

In  Fig.  7  sind  die  Spectra  der  Sonne  (II.)  und  des 
Sirius  (L)  sowohl  für  ihren  Stand  im  Meridian,  wie  im 
Horizonte  genau  so  abgebildet,  wie  sie  in  dem  kleinen 
Spectroskope  erscheinen.  Man  erkennt  darin  die  tellu- 
rischen Bänder  sofort,  wenn  man  die  zusammengehörigen 
Spectra  mit  einander  vergleicht;  die  mit  1,  2,  3  bezeich- 
neten dunklen  Bänder  sind  offenbar  tellurische  Absorp- 
tionsstreifen, welche  die  Sonne  und  der  Sirius  gemein- 
schaftlich haben,  wenn  sie  nahe  am  Horizonte  stehen. 

Auch  P.  Secchi  in  Rom  hat  sich  mit  den  tellurischen 
Linien  des  Sonnenspectnims  mehrere  Jahre  lang  beschäf- 
tigt Er  sprach  gleich  anfangs  seine  Ansicht  dahin  aus, 
dass  die  Entstehung  dieser,  je  nach  dem  Stande  der 
Sonne,  der  Stellung  des  Beobachters  und  dem  Feuchtig- 
keitsgehalte der  Erdatmosphäre  sehr  veränderlichen  dunklon 
Linien  der  absorbirenden  Wirkung  des  in  der  Atmosphäre 


30  Die  Spectrnlanalyite. 

enthaltenen  Wan»er<lam})fe*  zuzuscli  reiben  sei.  Der  Ein- 
fluss  des  Wetters  zeigte  sich  daric,  dass  bei  hellem 
Wetter  (Nordwind)  einige  dieser  Linien  nicht  sichtbar 
waren,  die  bei  trübem  Wetter  (Südwind)  sehr  deutlich  auf- 
traten. Es  hat  ferner  dieser  römische  Astronom  in  einer 
2000  m  entfernten  Flamme,  sowie  in  grossen  Feuern,  die 
auf   Bergen    angezündet    wurden,    bei    Regenwetter    sehr 

Fig.  7. 


deutlich 


beobachtet 


gemessen. 

Endlich  hat  im  Jahre  1Ü()4  Akgsthüm  in  Upsala  sorg- 
fältige Untei-suchuiigen  über  die  tcUurischeti  Linien  des 
Sonnenspcctrums  angestellt  und  die  gemessenen  Linien 
nach  den  Wellenlängen  der  entsprechenden  absorbirten 
Farben  in  seine  grossen  Tafeln  eingetragen.  In  Fig.  8  sind 
dieselben  übersichtlich  zu  einem  kleineren  Bilde  Tereioigt; 
die  darin  vorkommenden  Linien  und  Bünder  gehören 
siimmtlich,  mit  Aasnalinie  der  FaAUNitOFEB'schen  Linien 
C,  D,  E,  b,  F,  der  Erdatmosphiire   an.     Nach  Anostbüh 


32  Die  Spectralnnalyse, 

alle  Veränderungen  der  Farbe,  welche  die  Morgen-  untl 
Abendröthe  zi;igt,  einfach  durch  die  Erscheinungen  der 
atmosphärischen  Absorption  erklären  lassen  und  dass 
damit  alle  anderen  Erklärungsversuche,  die  mitunter  recht 
künstlich  und  compUcii-t  sind,  wegfallen. 

Die  Bänder  -4,  jB,  a  und  cV  verdanken  nach  Anostböh 
ihre  Entstehung  nicht  dem  Wasserdampfe  der  Atmosphäre, 
weil  sie  sehr  beständig  sind  und  durch  die  Veränderungen 
der  Temperatur  nicht  merkbar  beeinflusst  werden.  Ang- 
ström vermuthete,  dass  diese  Linien  ihren  Ursprung  der 
Kohlensäure  verdanken,  als  jedoch  Hüggins  das  Spectnim 
von  kohlensäurefreier  Luft  mit  demjenigen  der  gewöhn- 
lichen Atmosphäre  verglich,  vermochte  er  keinen  Unter- 
schied wahrzunehmen.  Ein  Zusatz  von  Kohlensäure  rief 
zwar  einige  neue  Linien  hervor,  die  indess  mit  jenen  des 
Kohlenstoffs  nicht  übereinstimmten. 

Bei  der  Ascension  im  Luftballon,  welche  Sivel  und 
CRüci^:-SpiNELiii  am  22.  März  1874  unternahmen,  machten 
dieselben  die  merkwürdige  Wahrnehmung,  dass  das  dunkle 
Band  d  rechts  von  D  in  5500  m  Höhe  nicht  mehr  zu 
sehen  war,  und  dass  das  Band  Unks  von  D  in  7000  m 
Höhe  verschwand.  Diese  Beobachtungen  stehen  aber  bis 
jetzt  noch  zu  vereinzelt  da,  um  aus  ihnen  weitere  Schlüsse 
ziehen  zu  können. 

5.   Die  teHurischen  Linien  im  Sonnenspectrum 
als  Httlfsniittel  der  Wetterproj^nose. 

Der  Umstand,  dass  sich  die  atmosphärische  Feuch- 
tigkeit durch  die  tellurischen  Linien  des  Spectrums  er- 
kennen lässt,  und  dass  l)(*i  Zunahme  des  atmosphärischen 
Wasserdampfcs  dic>e  Linien  dunkler   und   breiter    wei"den, 


Die  tellurischen  Linien  als  Hülfsmittel  der  Wetterprognose.        83 

musste  naturgemäss  darauf  leiten,   umgekehrt  aus  der  In-  * 

tensität  der  Wasserdampflinien  auf  die  in  der  Luft  vor- 
handene Feuchtigkeit  zu  schliessen.  Je  grösser  aber  die 
Luftfeuchtigkeit,  um  so  grösser  ist  bei  sonst  gleichen  Ver- 
hältnissen die  Neigung  zu  Niederschlägen,  die  eben  nichts 
anderes  als  Condensationsproducte  des  atmosphärischen 
Wasserdampfes  sind.  Nun  besitzt  der  Meteorologe  zwar 
ein  Listrument,  welches  die  Luftfeuchtigkeit  zu  messen 
gestattet,  das  sogenannte  Psychrometer;  allein  dasselbe  ist 
äusserst  unvollkommen  und  vermag  vor  allem  auch  nur 
über  den  Feuchtigkeitszustand  in  seiner  unmittelbaren  Um- 
gebung Aufschluss  zu  ertheilen.  Wie  aber  die  Luftfeuch- 
tigkeit in  der  Höhe  beschaffen  ist,  besonders  in  jenen 
Regionen,  wo  Regen  und  Schnee  sich  gewöhnhch  bilden, 
darüber  kann  das  Psychrometer  durchaus  nichts  aussagen. 
Ganz  anders  das  Spectroskop;  es  verschafft  Aufschluss 
über  die  Gesammtabsorption  in  der  ganzen  Linie  vom 
Beobachter  bis  zur  äussersten  Grenze  der  Atmosphäre  in 
der  Richtung,  welcher  das  Spectroskop  gerade  zugewendet 
wird.  Der  Erste,  welcher  (1874)  das  Spectroskop  im  Zu- 
sammenhange mit  den  Witterungsverhältnissen  beobachtete, 
scheint  Piazzi  Smyth  gewesen  zu  sein.  „Es  scheint,'*  be- 
richtet er,  „dass  das  Spectroskop  im  Stande  ist,  meteoro- 
logisch verwerthbare  Anzeigen  zu  liefern;  denn  während 
der  ganzen  Dauer  düsterer  und  nasser  Witterung  in  London 
zeigte  mir  ein  Taschenspectroskop  von  jeder  Seite  des 
Himmels  einen  breiten  dunklen  Streifen  auf  der  weniger 
brechbaren  Seite  der  Linie  D  und  theilweise  an  der  Stelle 
derselben.  Dieser  Streifen  war  so  intensiv,  dass  er  die 
Haupterscheinung  des  ganzen  Spectrums  bildete,  und  ob- 
gleich derselbe  seinem  Ursprung  nach  tellurisch  war,  so 
unterschied    er   sich    doch    wesentlich   von   den   normalen 

ScheUtn,  Spectralnnalyse.  II.  3 


o-i  Die  Spoctralanalys«. 

tellurischen  Wirkungen,  die  man  bei  Sonnenuntergang  bei 
gewöhnlichem  Wetter  wahrnimmt.    Ich  besorgte,,  dass  dieser 
dunkle  Spectralstreifen  einen  künstlichen  Ursprung    haben 
möge,  z.  B.  eine  Absorption  durch   den  Londoner  Rauch; 
als  ich  aber  nordwärts  reiste,   machte   ich   die  Wahmeh- 
nmng,   dass  in  dem  Masse,   als  wir  uns  von  London  ent- 
fernten, der  dunkle  Spectralstreifen  abnahm,  während,  ak 
wir  York  erreichten,  dort  schöne  Witterung  herrschte.    Der 
Erdboden    daselbst    war    trocken,     der    Wasserstand    der 
Flüsse  niedrig  und  das  Himmelsspectrimi  zeigte  nicht  nur 
keine  dunklen  Streifen,   sondern  die  D-Linie  war  ausneh- 
mend schön  und  scharf  zu  sehen,  wie  der  denkbar  dünnste 
Sj)innfaden  in  dem  beleuchteten  Gesichtsfelde   eines  Fem- 
rohrs.   Der  Morgen  des  17.  Juli  zu  Edinburgh  war  pracht- 
voll,   mit    einem    reinen,    blauen    Himmel,    durchsichtiger 
Luft,  sehr  angenehmer  Temperatur  und  schwachem  Nord- 
ostwinde.   Die  einzigen  Wolken  waren  einige  wenige  glän- 
zende und  malerische  Streifen  längs  des  nördlichen  Hori- 
zontes,   die    den   lieblichen   Wellenlinien   der   schottischen 
Hügel  den  Schein   von  schneebedeckten  Alpengipfeln  ver- 
liehen.   Diese  glänzenden  Wolkenformen  erschienen  einfach 
als  ein  künstlerischer  Zug  in  dem  allgemeinen  Landschails- 
bilde;    als    ich    aber    in    das    Spectroskop    hineinblickte, 
konnte  ich  nur  fragen,  was  soll  dies  bedeuten?    Ich  hatte 
nur  ein   kleines  Taschenspectroskop   bei  mir,  ohne   Scala 
und  mit  geringem  Zerstreuungsvermögen;  aber  es  erschien 
darin  die  />-Linie  siebenmal  so   breit  als  gewöhnlich    und 
auf  der  Seite   der   weniger   brechbaren  Strahlen  von   dem 
Londoner    räucherigen   Streifen    begleitet.     Bezüglich    der 
total  anormalen  Verstärkung  der  D-Linie  (oder  besser  der 
Anhäufung  einiger  besonderer  tellurischer  Linien  so   nahe 
an  />,    dass   diesell)en   in   einem   so   kleinen    Spectroskope 


Die  tellnriscben  Linien  aU  Hiilfsmittel  der  Wetterprognose.        85 

nicht  getrennt  werden  konnten)  in  dem  von  den  Wolken 
reflectirten  Lichte  konnte  nicht  der  leiseste  Zweifel  be- 
stehen; denn  sobald  das  Spectroskop  auf  irgend  eine 
höhere  Stelle  als  die  Wolken  gerichtet  wurde,  so  nahm 
man  wenig  oder  nichts  Aehnliches  wahr;  nur  die  gewöhn- 
lichen FRAUNHOFER'schen  Linien  waren  schön  und  scharf 
zu  sehen,  wie  in  der  Regel  bei  schöner  Witterung.  Die 
Erscheinung  war  ausserdem,  sowohl  was  den  Ort  als  die 
Vertheilung  im  Spectrum  anbelangt,  sehr  verschieden  von 
jener  für  einen  tiefen  Sonnenstand  charakteristisch^;  die 
Sonne  stand  zu  dieser  Zeit  noch  nicht  tief,  keine  JFär- 
bungen  wie  bei  einem  Sonnenuntergang  hatten  noch  be- 
gonnen, die  Wolken,  von  denen  die  schwarzgefarbte  Ver- 
stärkung der  Z>-Linie  herrührte,  waren  fast  ganz  weiss 
und  es  war  erat  zwei  Uhr  an  einem  schönen  heitern  Juli- 
nachmittage. Ich  fertigte  mehrere  vergleichende  Zeich- 
nungen des  von  niederen  weissen  Wolken  gelieferten  Spec- 
tinims  und  jenem  von  der  Himmelsgegend  in  der  Nähe 
des  Poles  an,  und  wartete  dann,  was  sich  ereignen  würde. 
Der  Erfolg  war  nun  dieser:  Um  10  Uhr  Abends  dieses 
sehr  schönen  Tages  und  ohne  dass  ein  merkliches  Fallen 
des  früher  hohen  Barometerstandes  eingetreten  wäre,  um- 
wölkte sich  der  Himmel  gänzlich.  Um  11  Uhr  Abends 
begann  der  Regen.  Um  1  Uhr  30  Min.  Morgens  regnete 
es  noch  immer  und  wie  ich  glaube,  dauerte  der  Regen 
die  ganze  Nacht  hindurch  fort.  Am  Morgen  des  nächsten 
Tages,  eines  Sonntags,  regnete  es  noch  immer  und  der 
Regen  währte  stärker  oder  schwächer  den  ganzen  Tag 
über  und  die  darauffolgende  Nacht  fort,  während  am 
19.  Juli  (Montags)  nach  einem  heftigen  Gewitter  Nebel 
und  heftiger  Regen  begann  und  den  Tag  über  herrschend 
blieb.    Alles  dies  bei  einem  Barometerstände,  der  in  seiner 


36  Die  Spectralanalyse. 

ganz  heiterem  Wetter  entsprechenden  Höhe  und  Stetigkeit 
fast  gänzlich  unbeeinflusst  blieb,  während  das  Spectroskop 
dagegen  bedeutende  Aenderungen  zeigte,  indem,  die  j&Linie 
ausgenommen,  alle  anderen  Linien  in  den  schwarzen 
Streifen  verschwanden,  die  ihi-e  Stelle  nahezu  einnahmeD, 
und  der  zu  London  beobachtete  Streifen  auf  der  weniger 
brechbaren  Seite  von  D  an  gerechnet,  war  die  charak- 
teristische Erscheinung  des  gesammten  Spectrums.** 

Durch  diese  Ergebnisse  aufmerksam  gemacht,  verfolgte 
PiAZZi  Smyth  den  Gegenstand*  weiter.  Mehrere  Monate 
lang  bestimmte  er  mittels  des  Psychrometers  zur  Zeit  der 
spectroskopischen  Beobachtung  die  Menge  des  in  der  At- 
mosphäre enthaltenen  Wasserdampfes,  und  obgleich,  wie 
schon  bemerkt,  auf  diesem  Wege  der  Dampfgehalt  der 
oberen  Theile  der  Atmosphäre  nicht  erhalten  werden  kann, 
so  fand  sich  doch  eine  leidliche  Uebereinstimmung  zwischen 
Specti'oskop  und  Psychrometer.  Die  Wasserdampflinien 
nahmen  unter  sonst  gleichen  Umständen  entsprechend  der 
Menge  von  atmosphärischer  Feuchtigkeit  an  Dunkelheit 
zu.  Es  ist  selbstredend,  dass  man  bei  spectroskopischer 
Betrachtung  des  Himmels  und  bei  Vergleichung  des  Aus- 
sehens der  tellurischen  Linien  möglichst  stets  das  Spectro- 
skop in  gleiche  Winkelhöhe  gegen  den  Horizont  bringt,  am 
besten  beobachtet  man  einen  Punkt,  der  nur  wenig  hoch 
über  dem  Horizont  liegt.  Unter  diesen  Verhältnissen  ergiebt 
sich  nach  Piazzi  Smyth  folgendes:  Erstens  bei  Frostwetter, 
wo  die  Feuchtigkeit  der  Luft  ihr  Minimum  erreicht,  wel- 
ches die  normale  Erscheinung  der  Trockengas-Linien  und 
Bänder  ist,  denn  diese  allein  sind  dann  sichtbar.  Die- 
selben sind  hauptsächlich:  B^  a  zwischen  C  und  Z)  und 
ein  sehr  auffallendes  Band  auf  der  grünen  Seite  von  Z). 
Dieses  Band  ist  nicht  allein  dadurch  beiichtenswerth,  dass 


Die  tellurischen  Linien  alH  Hülfsmittel  der  Wetterprognose.        37 

es  als  schwarzer  Scliatten  im  hellsten  Theile  des  Spec- 
truins  auftritt,  sondern  auch  dass  es  gerade  bei  niedriger 
Höhe  sehr  entwickelt  ist,  und  daher  nennt  es  Smyth  „low- 
sun  band".  Zweitens  im  Sommer,  wenn  die  Temperatur 
hoch  und  die  Luftfeuchtigkeit  bedeutend  ist,  zeigt  die 
spectroskopische  Beobachtung  zugleich  mit  allen  den  oben- 
genannten Trockengaslinien  nicht  nur  eine  starke  Wasser- 
dampf liuie  unmittelbar  auf  C  folgend,  sondern  eine  bei 
weitem  stärkere,  eine  zweifache  Linie  oder  viehnehr  zwei 
Bänder  von  Linien  gerade  vor  D,  Und  diese  Gruppe  der 
Wasserdampflinien  ist  die  einzige,  welche  die  Meteorologen 
bei  ihren  Beobachtungen  in  der  Praxis  berücksichtigen 
müssen. 

Wenn  man  nun  Tag  für  Tag  bei  nahezu  gleicher 
Temperatur  beobachtet  und  sich  an  die  gewöhnliche  Er- 
scheinung dieses  dunklen  Bandes  vor  D  gewöhnt  hat,  und 
es  zeigt  sich  nun  an  einem  folgenden  Tage  bei  gleicher 
oder  nahezu  gleicher  Temperatur  das  Band  etwa  zweimal 
so  dunkel  als  an  den  vorhergehenden  Tagen,  dann  ist  es 
durch  dieses  Uebermass  von  Dunkel  zum  „Regenbande" 
geworden.  Denn  dieses  Uebermass  von  Dunkelheit  zeigt 
so  unfehlbar,  als  ob  es  am  Himmel  geschrieben  stände, 
dass  augenblicklich  viel  mehr  Wasserdampf  in  der  Atmo- 
sphäre ist,  als  sie  noch  länger  suspendiren  kann,  es  muss 
daher  bald  ein  Niederschlag  erfolgen.  Piazzi  Smyth  hat 
Zeichnungen  des  veränderlichen  Aussehens  der  Regen- 
bänder gegeben,  und  zwar  sowohl  im  directen  Sonnen- 
spectrum  als  im  Spectrum  des  zerstreuten  Tageslichtes. 
Das  erstere  wird  man  freilich  nur  selten  beobachten. 
Fig.  9j  IV  zeigt  das  Aussehen  desselben  bei  hohem  Sonnen- 
stande. Die  schattirten  Flächen  bezeichnen  den  Grad  der 
Dunkelheit  der  betreffenden  Spectralstellen.    Man  bemerkt, 


1           u    t    »     rii/              El           r 

k,^:;.^ 

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Pi.    III!  li l{|       \    A'        \                        1 

OTjtj 

Die  tellurischeii  Linien  als  UiilfHmittel  der  Wetterprognose.        39 

dass  alle  Linien  hier  schwach  sind,  mit  Ausnahme  von  -^1. 
Man  erbhckt  dieses  Spectrum  an  trocknen  Sonimertagen 
um  die  Mittagszeit.  Fig.  9^  V  zeigt  das  directe  Sonnenspec- 
trimi  bei  Sonnenuntergang  oder  wenigstens  dann,  wenn 
sich  die  Sonne  zum  Untergange  neigt,  an  trocknen,  kalten 
Wintertagen.  Der  Unterschied  gegen  Fig.  9^  IV  ist  augen- 
fällig, besonders  durch  die  Zunahme  der  Dunkelheit  vor  B 
und  das  Auftreten  eines  Bandes  bei  «.  Fig.  9,  VI  zeigt  das 
directe  Regenbandspectrum,  wie  man  dasselbe  an  warmen, 
feuchten  Sommertagen  bei  niedrigem  Sonnenstande  erblickt, 
besonders  dann,  wenn  ein  Gewitter  im  Anzüge  ist.  Man 
bemerkt  vor  allen  Dingen  das  starke  dunkle  Band  a,  dann 
aber  die  Bänder  rechts  von  D  und  den  dunklen  Schatten  d 
im  Grüngelb.  Die  Verbreitung  und  Abdunkelung  von  r 
ist  äusserst  charakteristisch,  ebenso  die  dunkle  Linie  bei  C 
und  endlich  das  breite  Band  a.  Wie  bereits  bemerkt,  wird 
man  bei  grosser  Luftfeuchtigkeit,  wenn  überhaupt  Regen 
droht,  nur  selten  Gelegenheit  haben,  das  Spectroskoj) 
direct  auf  die  Sonne  zu  richten,  man  muss  sich  vielmehr 
meist  mit  dem  Spectrum  des  Himmelsgewölbes,  d.  h.  des 
zerstreuten  Tageslichtes,  begnügen.  Auch  in  diesem  er- 
scheinen die  Regenlinien  recht  charakteristisch,  ja  ihr 
Auftreten  ist  noch  intensiver.  Doch  wird  man  fi-eilich  die 
Parthie  des  Spectrums  links  von  B  nicht  wahrnehmen 
können.  Fig.  P,  I,  II,  III  geben  eine  gute  Darstellung  dieser 
Spectra  nach  Piazzi  Smyth.  Das  wichtigste  davon  ist  das 
Spectrum  -^7^.  P,  III. 

Der  Verfasser  dieses  beobachtet  seit  längerer  Zeit 
regelmässig  zu  meteorologischen  Zwecken  die  Wasserdanipf- 
linien  und  bedient  sich  dazu  eines  Spectroskops  ä  vision 
directe  mit  drei  Prismen,  aus  der  optischen  Anstalt  von 
Rei^jfeldek  &  Hertel  in  München.    Das  Instrument  zeigt 


40  Diu  Speulrulunntj'se. 

bei  richtiger  Keguliruii;;  dos  Spaltes  und  trockuein  Wetter 
die  i>-Linie  deutlicli  doppelt.  Ein  solches  iDstniiiient  hat 
sich  nach  verschiedenen  Versuchen  mit  anderen  als  das  ge- 
cignelste  bewährt  und  ist  Allen,  welche  sich  mit  derartigen 
Beobachtungen  beschättigen  wollen,  sehr  zu  empfehlen. 

Aus  den  Beobachtungen  hat  sich  bis  jetzt  ergeben, 
dass  einem  starken  Hervortreten  der  WasserdampfUnien 
in  den  bei  weitem  meisten  Fällen  nach  3  bis  12  Stunden 
Regen  folgt.  Im  Winter  scheinen  jedoch  die  Linien  weniger 
deutlich  hervorzutreten  als  im  Sommer.  la  dieser  letz- 
teren Jahieszcit  ist  ein  intensives  Auftreten  der  Linien  ein 

Fig.  10. 


>i|>rclrDnu.    i^ein.) 


beinahe  unfehlbares  Anzeichen  von  Begen.  meist  nach 
wenigen  Stunden.  Dieser  tritt  auch  selbst  dann  ein,  wenn 
der  Himmel  während  der  Beobachtung  völlig  wolkenlos 
ist.  Indessen  ist  die  Beobachtung  keineswegs  so  einfach, 
wie  Smyth  anzudeuten  scheint,  wenigstens  gehört  zunächst 
viele  Uebung  dazu,  um  sich  mit  dem  allgemeinen  Aussehen 
des  Spectrmns  in  dem  Instrumente,  was  man  gerade  ge- 
braucht, so  vertraut  zu  machen,  dass  man  die  jeweiligen 
Abweichungen  leicht  herausfindet.  Man  kann  auch  die 
Dunkelheit  und  Schärfe  der  Linien  nach  Stufen,  am  besten 
höchstens  fünf,  abschätzen,  wobei  die  iJ-Linie,  die  gewöhn- 
lich als  die  dunkelste  und  stärkste  erecheint,  die  Stufe  5 
bezeichnet,  während  1  eine  noch  eben  sichtbare  Linie  be- 


Der  telcHkopische  Aublick  der  Sonnenoberfläche.  41 

deutet.  Auf  diesem  Wege  lassen  sich  zahlreiche  Beob- 
achtungen gewinnen,  die  man  später,  nach  Witterungs- 
zuständen  gruppirt,  vergleichen  kann  und  aus  denen  sich 
Mittelwerthe  ziehen  lassen.  Gestützt  auf  solche  Unter- 
suchungen wird  das  Spectroskop  dereinst  bei  der  Wetter- 
prognose gute  Dienste  leisten,  jedenfalls  besser  als  irgend 
ein  Hygrometer.  Die  Fig,  10  giebt  eine  Ansicht  desjenigen 
Theiles  des  Sonnenspectrums ,  welcher  die  RegenUnien 
hauptsächlich  enthält  Das  Spectrum  ist  so  dargestellt, 
wie  es  sich  im  Sommer  vor  Beginn  des  Regens  in  dem  oben 
genannten  Spectroskop  von  Reikfeldeb  &  Heetel  zeigt. 

6.  Der  teleskopische  Anblick  der  Sonnenoberfläche. 

Die  Sonne  ist  für  uns  der  bei  weitem  wichtigste  von 
allen  Hinmielskörpem,  und  es  ist  deshalb  klar,  dass  sie 
ein  hervorragendes  Object  der  astronomischen  Beobachtung 
bildet  Allein  ihre  Untersuchung  ist  mit  ganz  besonderen 
Schwierigkeiten  verknüpft,  die  ihren  Grund  in  der  unge- 
heuren Menge  von  Licht  und  Wärme  haben,  welche  die 
Sonne  ausstrahlt  Schon  dem  blossen  Auge  ist  der  Glanz 
der  Sonne  unerträgUch,  und  bei  Anwendung  eines  grossen 
Fernrohrs  müssen  deshalb  ganz  besondere  Schutzmassregeln 
ergriflen  werden.  Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  im  Einzelnen 
alle  Vorrichtungen  aufzuführen,  welche  man  erdacht  hat, 
um  die  genaue  Beobachtung  der  Sonne  zu  ermögUchen. 
Der  Leser,  welcher  sich  hierüber  zu  belehren  wünscht, 
findet  alles  Nöthige  in  dem  Werke  von  Secchi,  „Die 
Sonne";*  hier  soll  nur  so  viel  erwähnt  werden,  als  zum 
Verständniss  des  Nachfolgenden  erforderlich  ist. 

*  Deutsche  Ausgabe  und  Originalwerk  Ton  Dr.  H.  Schellen. 
Branuschweig,  Verlag  von  George  Westermann,  187*2. 


4*2  Die  Sp^rotralanalyse. 

Zur  Beobachtung  der  Sonne  bedient  man  sich  meistens 
dunkel  gefärbter  Blendgläser,  die  ziÄ-ischen  Ocular  und 
Auge  befestigt  \^  erden  und  die  Sonne  als  sehr  gedämpfte 
strahlenlose  Lichtscheibe  erkennen  lassen.  Diese  Methode 
genügt,  um  die  hauptsächlichsten  Elrscheinungen  auf  der 
Sonneuoberfläche  zu  zeigen.  Will  man  jedoch  wirkUche 
Untersuchungen  anstellen  und  bedient  man  sich  dazu  eines 
grösseren  Femrohres,  so  reicht  ein  Blendglas  nicht  mehr 
aus,  man  muss  sich  dann  vielmehr  der  sogenannten  heho- 
skopischen  Oculare  bedienen.  Ein  solches  Ocular  besitzt  ein 

rechtwinkhges  Glasprisma  (Fig.  11)^ 

Fig.  11-  von  dessen  Hypotenusenfläche   der 

0  '  einfallende  Lichtstrahl  0/  in   der 

Richtung  lo  zum  eigentlichen  Ocu- 
lare  gelangt.    Dieser  Strahl  ist  als- 

-   N^^^Äs '  ^^^^  ^^^  geschwächt,  indem  ein 

.^V^^^^-P  5^^^^  grosser  Theil  des  Lichtes  in   der 


Richtung  It  auf  die  zweite,  innere 
Fläche   des  Prismas  fällt.     Dieses 

Schvmati&chc  DarütcUung  der  .    ,       .  , 

Lichthtrahuii.  letztere    wird    m    emem    Metall- 

gehäuse (¥lg^  12)  eingeschlossen, 
das  an  der  einen  Seite  durchbrochen  ist,  um  starke  Er- 
wärmung zu  verhindern.  Indessen  genügt  die  Schwächung 
des  Sonnenlichtes  durch  diese  Reflexion  noch  nicht,  um 
das  Sonnenbild  direct  zu  beobachten,  vielmehr  muss  man 
auf  das  Ocular  noch  ein  schwach  gefärbtes  Blendglas  auf- 
schrauben. Ein  Uebelstand  dieses  Oculars  ist,  dass  es  sich 
doch  rasch  sehr  erhitzt,  so  dass  man  in  einem  grossen 
Fernrohr  von  sechs  und  mehr  Zoll  Oeftnung  die  Sonne 
bei  liolieni  Stande  derselben  kaum  zehn  Minuten  ununter- 
brochen beobachten  kann;  dann  sind,  bei  einigermassen 
starken  Vergrösseruiigcn,   auch  die  Bilder  nicht  mehr  ganz 


Uvr  UleskopUtb«  Anblick  der  SaDneiiolivrflüi'he.  -13 

scharf.  Mao  wendet  daher  vielfach  bei  Sonneiibeobach- 
tuBgen  ein  sogenanntes  polarisirendes  Oculai-  jui.  Bei 
dem  Hehoskop,  dessen  sich  stets  Secchi  zu  seinen  zahl- 
reichen Sonnenbeobachtuugen  bediente,  fällt  das  Licht 
zunächst  auf  ein  Prisma  PP"  (Fig.  13),   und   zwar   unter 


Fig.  VL 


Etlloaknptaeh«  Oculu. 


einem  Winkel  von  36",  bei  welchem  das  Licht  durch 
daü  Ulas  pokrisirt  wird.  Die  reflectirten  Strahlen  ge- 
hiugcu  darauf  zu  einem  Spiegel  A  B  von  schwarzem 
Glase,     der    parallel    zur    Phsmenfiäcbe    steht,     also    die 


Fiff.  13. 


Strahlen  ebenfalls  unter  einem  Einfallswinkel  von  36" 
empfängt;  schliesslich  erleidet  das  Licht  unter  demselben 
Polarisationswinliel  noch  eine  letzte  Reflexion  an  CD.  Das 
Prisma  und  der  erste  Spiegel  sind  unverrückbar  fest  mit 
einander  verbunden;  aber  der  Spiegel  CD  ist  in  einem 
Rohre  befestigt,  das  sich  um  den  ersten  rellectirten  Strahl 
rund  herum   drehen   lässt,    so   dass  man   den   Spiegel    in 


dalici  nicht  viillstäiidig, 

Fi^.  l-I. 


■tA  Dir  SpfilraliDalfK. 

jisles  beliebige  AzinuiÜi  gegen  eben  diesen  reflectirten 
iijtrahl  einstelle»  kann.  Stellt  man  die  Iteflexiouscbene 
des  zweiten  Spiegels  CD  Bcokrecht  gegen  die  ReSexions- 
ebene  des  crsteien  AB,  so  wird  das  Soanoiilicht  dadureh 
bis  zu  dem  Urade  abgeschwächt,  dass  das  Auge  dasselbe 
selbst  zur  Zeit,  wo  die  Sonne  um  böchsteo  steht,  ohne 
Beseliwerden  ertragen  kann.  Das  Licht  verschwindet 
US  ja  auch  keinen  Zweck  hätte. 
Fig.  14  zeigt  dieses  Ocular  in 
einem  Viertel  seiner  natürlichen 
Grösse. 

Man  kann  übrigens  auch 
da»  Bild  der  Sonne  auf  einen 
Schirm  projiciren  und  dieses 
I'rojectionsbild  mit  blossem 
Auge  betrachten.  Fig.  15  zeigt 
eine  hierzu  dienende  Vurrich- 
tung.  AB  ist  das  Fernrohr,  an 
dem  eine  Stange  LK  befestigt 
ist,  welche  unten  das  Brett  QO 
trügt.  Dieses  Brett  niuss  senkrecht  zur  optischen  Achse 
des  Fernrohrs  stehen  und  so  weit  von  dem  Ocular  B  ent- 
fi'rnt  sein,  dass  das  Souiienbild  sich  scharf  zeigt.  Beide 
Bedingungen  sind  leicht  zu  erreichen,  und  wenn  man  dann 
das  Fernrohr  auf  die  Sonni;  richtet,  so  erhält  man,  be- 
sonders in  einem  dunklen  Baume,  auf  der  Flüche  QO  ein 
prachtvolles  Sonnenhild.  Man  sieht  auf  demselben  meist 
einige  <lunklere  und  hellere  Stellen,  erstere  werden  Sohiuh- 
ßecke,  letztere  ^maenfnckeln  genannt.  Ist  das  Fernrohr 
rocht  kniftvoll.  so  bemerkt  man  noch,  dass  der  Grund 
der  Sonnensclieiiic  keineswegs  monoton  und  gleichmässig 
hell  ist,    sondern   dass   er   ein   griessandiges  Aussehen  bat 


Der  teleskopiscbo  ABbliok  der  SonneaDberfliichc.  45 

oder  granulirt  erscheint.    Diese  GratnUatton  zeigt  sich  am 
sdioiisten  nicht  bei  Projection,   sondern   bei  directei'  Üo- 


il  PinJtclionMgijini 


trachtung  mittels  des  helioakopischen  Oculars.     Man  sii-ht 
dann,  nach  der  sehr  riclitigL'ii  iteschieibnng  von  Secchi,  dip 


k 


Pip  Spertrnloniilysti. 

SoQDenobßi'fläche  mit  einer  Unzalil  kleiner  Kömer  bedeckt, 
die  fast  alle  die  gleiche  Grösse,  aber  sehr  verschicdeDc 
Formen  haben,  unter  denen  jedoch  die  ovale  vorherrschend 
erscheint  Die  sehr  engen  Zwigchenrämne  zwischen  diesen 
Lichtkorneni  bilden  ein  dunkles  aber  nicht  ganz  schw; 
Netz.  In  der  Fig.  16  haben  wir  den  allgemeinen  Cbai 
dieser  merkwürdigen  Oberflächengestaltung   wieilerzugl 


versucht;  ilie  einüelnen  Details  lassen  sich  jedoch  nicht  i 
stellen.  Wir  suchen  vergeblich  nach  einem  Gegenstandp, 
mit  dem  diese  Structur  vergleichbar  wäre;  man  kommt 
der  Sache  noch  am  nächsten,  wenn  man  ein  wenig  aufge- 
trocknete Milch,  deren  Kügclchen  die  regelmässige  Form 
verloren  haben,  durch  das  Mikroskop  betrachtet.  In  den 
meisten  Fällen  sieht  man,  wenn  der  Himmel  klar  und 
i-ein  ist,  mit  den  schwächeren  Vergrösserungeii  die  Sonnen- 
scheilie  ungefähr  in  der  Art,  wie  es  die  /"'igjj-  JS  und  iJ 


1 


Der  lelMkorinchn  Änblicl;  der  Snnnennhprflüihe.  ■i'i 

zeigen,  d.  h.  iils  kleine  weisse,  auf  einem  sehr  fetnea 
dunklen  Netze  zerstreut  liegende  Punktchen;  die  kleinste 
Trübung  Oller  die  geringste  Bewegung  in  der  Luft  ver- 
wandelt dieses  Bild  in  eine  gleichförmig  aussehende  glatte 
Scheibe.  Zuweilen  vereinigen  sich  diese  Körner  zu  kleinen 
Gruppen  und  bilden  dann  eine  hellere  Masse.  Wegen  ihrer 
Ovulen  Foi-ni  hat  man  sie  wohl  mit  Reiskörnern  verglichen. 


Die  eigentlichen  Flerkp  sind  es,  wekhe  vorzugswoisp 
den  Blick  des  Beobachters  der  Sonne  auf  sich  ziehen. 
Diese  Flei'ke  zeigen  sehr  unregelmässige  und  veränderliche 
Formen  und  ihre  Dauer  erstreckt  sich  häufig  nur  auf 
Tage,  bisweilen  auf  Wochen,  selten  auf  Monate  und  nie- 
mals auf  ein  Jahr. 

Um  die  Veränderungen,  welche  die  Sonnenflecke  ge- 
wöhnlich erleiden,  vorzuführen,  wollen  wir  die  Besclirei- 
bungtm  und  Zeichnungen  mitthcilen.   welche  Pater  Secchi 


48  Die  Spoctralanaljiii). 

voa  einem  am   3U.  Juli   ISüS   erschienenen    Fleck    mitge- 
tlieilt  hat. 

„Am  2ä.  Juli,"  sagt  er,  „gab  man  an  seiner  Stelle 
nichts  Auffallemics,  weder  Poren  noch  I'ackeln.  Am  S9. 
zeigten  sich  bloss  drei  schwarze  Punkte.  Am  30.  Morgens 
10  Uhr  30  Min.  waren  wir  nicht  wenig  überrascht,  uin 
die  Mitte  der  SoanenBcheibe  herum  einen  ganz  gewaltigen 


Fig.  it 

1;    f^ 

\^^        u 

Fleck  zu  sehen.  Der  mittlere  Durchmesser  dieser  aufge- 
wühlten Masse  war  76  Sccunden,  ungefähr  vier  und  i-in 
halb  mal  so  gross  alä  der  Durchmesser  der  Erde.  lu  der 
Mitte  des  Flecks  sahen  wir  eine  Anhäufung  leuchtender 
Materie,  die  sich  in  wirbehider  Bewegung  zu  befinden 
schien  und  von  Kahlreichen  Rittsen  umgeben  war.  Inmitten 
dieses  Chaos  Hessen  sich  vier  Hauptcentra  der  Bewegung 
untei-scheiden,  Links  bei  a  (Flg.  JS)  zeigte  sich  eine  weite 
klaffende    Oeffnnng,    um    welche   feurige   Zungen    io 


4 


Der  teleskopische  Anblick  der  Sonnenoberfläche.  49 

schiedenen  Richtungen  herumwirbelten ;  milten  in  diesen 
Feuerzungen  unterschied  man  deutlich  halbhelle  Schleier, 
welche  um  eine  noch  schwärzere  Höhlung  herumgelagert 
waren. 

In  dem  oberen  Theile  bei  b  fand  sich  ein  zweites 
Centrum,  kleiner  als  das  erste,  welches  an  seinem  oberen 
Rande  scharf  begrenzt  .war,  in  dem  unteren  Theile  aber 
ähnlich  wie  der  vorige  sehr  viele  kleine  Feuerzungen  zeigte. 
Rechts  in  c  klaffte  ungefähr  in  der  Form  eines  S  eine 
breite  Spalte,  die  mit  feurigen  Zungen  und  mit  losgerisse- 
nen Streifen  leuchtender  Materie  durchzogen  war.  End- 
lich war  unten  in  der  Höhe  von  d  eine  andere  lang- 
gezogene und  gekrümmte  Spalte  vorhanden,  die  dem  Auge 
ein  Wirrwarr  darbot,  das  jeder  Beschreibung  spottet. 
Zwischen  diesen  vier  Höhlen  fand  sich  eine  Anhäufung 
von  Fackeln  und  leuchtender  Materie,  die  den  Anblick 
einer  im  Kochen  befindlichen  Masse  darbot 

Alles  befand  sich  in  diesem  Fleck  in  einer  äusserst 
stürmischen  und  schnellen  Bewegung.  Die  Zeichnung  wurde 
so  schnell  als  möglich  angefertigt,  aber  sie  war  noch  nicht 
fertig,  als  der  erstere  Theil  schon  eine  ganz  andere  Gestalt 
angenommen  hatte.  Am  Abend  wurde  eine  zweite  Zeich- 
nung gemacht,  aber  sie  glich  der  ersteren  nur  in  den 
Hauptzügen:  in  der  Mitte  eine  sehr  bewegte  photosphä- 
rische Masse;  nach  aussen  hin  ein  Kranz  weit  geöffneter 
Schlünde,  unter  denen  die  vier  grösseren  augenscheinlich 
sich  noch  an  derselben  Stelle  befanden  wie  am  Morgen. 
Des  anderen  Tages  hatte  sich  das  Aussehen  des  Flecks 
augenscheinlich  geändert.  Die  Fig,  19  giebt  eine  An- 
schauung von  dieser  neuen  Gestaltung.  Man  erkennt  durin 
noch  immer  die  vier  Hauptcentra,  aber  sie  scheinen  sich 
zu   zweien    zusammengesellt  und   durch    gewundene   Risse 

Sr helle»,  Spectralanalyse.  II.  4 


n 


Dk  i>|>ec^tr«lani1jiiit 


mit  einander  vereinigt  zu  liabeii.  Die  Höhlung  h  int  deut- 
lich erkennbar  und  vou  der  grossen  Spulte  durch  eäw 
aus  gewöhnbcher  photosphariscber  Materie  gebildete  Ein* 
scbiiürung  getrennt  Die  beiden  anderen  Punkte  «  oad  i 
sind  noch  vereinigt,  aber  schon  besser  entwickelt;  die 
mittler»  Masse  ist  in  die  Länge  gezogen  und  ihr  Aosseiia 
erinnert  an  das  eines  Slriuigef>  gekämmter  Baumwolle,  deo 


Fig.  19. 


man  nach  beiden  Seiten  ausgezogen  hat  Dieser  Ver 
allein  ist  geeignet,  von  der  Erscheinung,  die  wir  abzubitda 
verbucht  haben,  eine  Vorstellung  zu  geben.  In  24  Stunden 
hatten  sich  die  Dimensionen  des  Flecks  bedeutend  geändert; 
die  Länge  war  fast  die  doppelte  geworden  und  betrug 
147  Secunden.  Die  folgenden  Tage  entwickelte  eich  die 
Masse,  welche  die  vier  Hohlen  trennte,  zu  einer  Art_ 
Hof.  über  welchen  einzelne  leuchtende  Körner  i 


T  auBgestF«^^ 


Dur  Iclcakoplschc  Anblick  d<?l-  SoiinnnDherfllli:he.  51 

Viek'  Sonnentlcicke  siDd  voii  eiti(^ui  weuiger  duoklen 
Saume  umgeben,  Jeu  man  Pcmumbra  i  Halbschatten)  ueiint 
und  der  in  seiuen  äusst:reu  Umiissen  ziemlitli  den  Um- 
rissen des  eigentlichen  Klecks  i'olgt.  Bisweilen  wird  die 
Penumbra  von  hellen  Streifen  durchzogen,  welche  nahezu 
radial  gegen  den  Kemtleck  gerichtet  sind,  gleichsam  als 
ob  eine  Menge  von  Strömungen  irgend  einer  leuchtenden 
Materie  die  danimartigen  Halbschiitten  diirchbroehen  hiittp, 


nui  sich  in  deu  Abgrund  des  Kerns  zu  stUrzen.  Ebenso 
wiril  der  Kern  selbst  häufig  von  einem  oder  raehi-ereii 
breiten,  hellleuchtenden  Bändern,  Brücken  genannt,  dmch- 
zogen  und  dadurch  in  mehrere  Theile  getheilt  ffiyy.  20,  ^/J. 
Ausser  den  dunklen  Flecken  und  meist  in  der  Nähe 
derselben  zeigen  sich  auf  der  SonDenoberfläche  auch  hellere 
Stellen,  Sonnenfackeln  genannt.  Sie  sind  in  den  meisten 
Fällen  die  Begleiter  von  Sonnenflecken  und  zeigen  sich 
besonders  an  den  äussersten  Rändern  des  Halbschattens, 
wenn  der  Fleck  an  dem  Rande  der  Sonne  angekommen 
ist;  dass  sie  aber  nicht  etwa  die  Wirkung  des  Contrastes 


.-.3 


Dil"  Siioi'lnilannlyjio. 


zwischen  »lein  ilunklen  Fleck  und  seiner  helileuchtenden 
riiigelmiif;  sind,  beweist  der  Umstand,  dasa  nicht  jeder 
Fleck  Ruine  tackeln  hat.  und  sehr  häutig  isolirt  stehende 
t'ackehi  ;{eseheii  werden,  welche  fast  immer  die  Vorboten 
eine»  IUI  diesen  Stellen  sich  bildenden  Flecks  sind. 


Fig.  22. 


Flu'i'ki,  nteh  Cbaeo] 


Auch  die  (lustidt  der  Fackeln  ist  wie  die  der  Flecke 
sehr  mannigfaltig:  meist  erscheinen  sie  in  zusammen- 
gedriingter,  lundlicher  Form;  oft  abev  bilden  sie  lange, 
adonirt!^  verlaufende  [.ichtstieifen.  /•'»//.  2^,  die  von  allen 
Seiten  in  convergiicndcr  lliclituiig  mich  einem  Flecke  hin- 
laufen. 


Der  tüleskopische  Anblick  der  Sounenoberflächc.  53 

Fast  imiiier  folgt  den  kranzartig  gestalteten  Fackeln 
in  wenigen  Tagen  die  Entstehung  einer  Fleckengruppe; 
bei  den  namentlich  am  Sonnenrande  vielfach  wahrnehm- 
baren aderartigen  Lichtwellen  entwickelt  sich  zuerst  eine 
trübe,  narbenartige  Stelle  und  aus  dieser  bildet  sich  dann 
meist  ein  einzelner  oder  mehrere  Flecke,  ja  in  einigen 
Fällen  kann  man  auf  der  Sonnenscheibe  an  der  sich  stei- 
gernden Lichtintensität  den  Ort  im  Voraus  bestimmen, 
wo  sich  ein  Fleck  bilden  wird. 

Wenn  man  am  Sonnenrande  einen  Fleck  in  der  Mitte 
der  ihn  umgebenden  Fackeln  beobachtet,  so  kann  man 
sich  kaum  des  Eindrucks  erwehren,  als  befände  sich  der 
Fleck  in  einer  Vertiefung  zwischen  glänzenden  ihn  über- 
ragenden Bergen,  und  Secchi  hat  am  5.  August  1865 
beobachtet,  dass  die  Fackeln,  als  sie  an  dem  Westrand  der 
Sonne  ankamen,  als  kleine  Hervorragungen  und  Unregel- 
mässigkeiten über  den  fast  scharf  begrenzten  Sonnenrand 
hinaustraten. 

Obgleich  der  wahre  Zusammenhang  zwischen  Fackehi 
und  Flecken  noch  nicht  vollständig  erkannt  ist,  so  lässt 
sich  doch  aus  diesen  Beobachtungen  mit  einiger  Sicher- 
heit schhessen,  dass  die  Flecke  auf  der  Sonnenoberfläche 
tiefer  Hegen  als  die  Fackeln,  und  dass  die  letzteren  berg- 
artige Erhöhungen  der  die  Photosphäre  bildenden  leuch- 
tenden Materie  sind,  welche  den  Fleck  in  weiter  Umgebung 
wallartig  zwischen  sich  einschliessen. 

Die  Figg.  18  und  19  sind  die  Abbildungen  einiger 
Sonnenflecke,  welche  Secchi  beobachtet  und  gezeichnet  hat. 
Man  erkennt  darin  alle  Einzelheiten,  die  ein  Fleck  dar- 
bietet, die  Halbschatten  in  ihren  vei-schiedenen  Formen 
und  die  Umgebung  des  Flecks  oder  die  granulirt  aus- 
sehende leuchtende  Oberfläche  der  Sonne.     Letztere  nennt 


54  D'iv  Spertralanalyse. 

man  die  Photf^y^fhärtr^  ohne  mit  dieser  BezeicLiiung  ir^tuJ 
eine  tKstimmte  Ansicht  über  die  physische  Beschaffen- 
heit dersellK^n.  üher  ihre  Zusanmieiisetzung  oder  ihiHi 
AggregatzustanJ  zu  verbinden.  Die  Photosphäre  ist  gaiu 
mit  Poren  oder  mit  kleineren  Stellen  bedeckt,  welchr 
weniger  leuchten  al>  die  übrigen  Theile;  hier  und  da 
machen  sich  in  derselben  einzelne  grössere  Partien  be- 
merkbar: die  eintm,  mit  schwarzem  Kerne  und  dunklen 
Halbschatten,  die  eigentlichen  Sonnenßecke;  die  anderen, 
von  grösserem  Glänze  als  die  umgel»enden  Theile  der  Photo- 
Nphäre,  die  Sonn*>nfark4-1  n :  letztere  l>egleiten  in  der  Regel 
<lif  Fleeke  oder  gehen  der  Bildung  eines   Flecks  voraus. 

Die  grosse  Veränderlichkeit  eines  Sonnentlecks  sehen 
wir  .luch  aus  Nr.  I  bis  4  der  Fig,  23 j  die  sich  alle  aul 
linen  und  denselben  grossen,  mehr  als  10000  deutsche 
(iuadratmeilen  umfassenden  Fleck  beziehen,  der  sich  im 
.I.ihre  1?<G.'>  aut'  der  Sonne  zeigte.  Xr.  1  bis  4  zeigen  die 
(iestalt  dieses  Flecks  an  den  Tagen  des  7.  October,  wo  er 
aul  der  östlichen  (linken)  Seite  in  die  Sonnenscheibe  eiu- 
trat,  des  Hl  October,  des  14.  October  (centrale  Ansicht*, 
wo  sich  bereits  eine  den  Kern  theilende  Brücke  gebildet 
hatte,  und  des  IG.  October. 

Bei  seinem  ersten  Erscheinen  am  Ostrande  der  Sonne 
hat  der  Fleck  häufig  die  Gestalt  eines  schmalen  dunklen 
Striches,  meist  länger  als  breit.  In  den  ersten  nachfolgenden 
Tagen  scheint  er  sich  nur  langsam  nach  der  Mitte  der 
Sonnenscheibe  hinzubewegen :  seine  Geschwindigkeit  wächst 
indessen  von  Tag  zu  Tag,  bis  er  die  Hälfte  seines  schein- 
baren Weges  auf  der  Sonnenscheibe  zurückgelegt  hat. 
Von  da  ab  nimmt  seine  Bewegung  langsam  ab,  bis  er 
wi(»der  in  der  Form  <ines  schmalen  Striches  am  entgegen- 
gesetzten (westlichen)  P'.nde  <les  Sonnenrandes  verschwindet 


Komml  nicht  selten  vor,  dass  ein  iiuil  deraelbt;  Klet-k. 
den  man  am  West  ran  de  hat  verschwinden  sehen,  nsifh 
Verlauf   von   circa    vierzehn   Tageu    um   üstronde    vriedei- 


.*)(>  ]>it'  SptM'tralaualvse. 

zum  Vurscheiii  kommt,  um  nach  abermal  Tierzehu  Tagen 
zum  zwoit(»umale  am  Westrande  zu  verschwindeD,  eine  Er- 
scheinung, die  keinen  Zweifel  mehr  darüber  zulässt,  dass 
die  Flecke  der  Oberfläche  der  Sonne  angehören  und  diese 
selbst  sich  um  ihre  Achse  dreht  Wenn  man  bei  dieser 
Bewegung  der  Flecke  noch  die  Zeit  in  Rechnung  zieht 
weh:he  die  Erde  bei  ihrer  Bewegung  um  die  Sonne  ge- 
braucht, so  ergiebt  sich  für  die  Sonne  nach  Spöreb  eine 
mittlere  Hotatioiiszeit  von  25  Tagen  5  Stunden  38  Minuten. 

7.   N'rrinutliuufiCdi  über  die  Natur  der  Sonnenflecke 
,auf  (ii'und  der  teleskopischen  Beobachtun^n. 

Schon  gleich  nach  Entdeckung  der  Sonnenflecke 
wurden  Vermuthungen  über  das  Wesen  derselben  auf- 
gestellt (lALiLKi  erkliirte  sie  einfach  fiir  Sonnenwolken; 
DoMiMcrs  Cassini  hielt  sie  lür  Sonnenberge,  die  dadurch 
sichtbar  würden,  dass  sich  das  Lichtmeer  der  Sonne  ge- 
legentlich senke.  Der  i'farrer  Schulen  zu  Essingen  bei 
Aji1(Mi  in  Wüittemberg  si)rach  zuerst  1770  öffentlich  die 
Ansicht  aus,  die  SonneiiHecke  seien  Vertiefungen.  „Drei 
grosse  Flecke,"  schrieb  er,  „welche  den  26.  März  (1770), 
als  sie  das  ei-sti'  Mal  von  mir  erblickt  worden,  gegen  die 
ostliche  Seite  zu,  etwas  von  der  Mitte  des  Sonnenkörpers 
entfernt,  stan(l(;n,  öt<.'llten  mir  euie  besonders  merkwürdige 
10rsclH»inung  dar.  Sie  Hessen  gar  deutlich  bemerken,  dass 
es  kein(^  auf  der  ObeiHiiche  der  Sonne  sich  befindende 
Körjx'r  waren,  die  als  eine  dunkle  Materie  auf  derselben 
seliwämmen,  sondern  wirkliche  Vertiefungen  in  der  Sonne, 
(leren  Mündung  dunkler  als  das  Uebrige  des  Souuenkörpers 
aussall,  und  etwas  koniach  (jefovmf^  nach  einer  finstem 
schwar/en  Oettnung  zu,  die  sich  in  der  Mitte  zeigte»  ginge. 


Veriuuthuugeu  über  die  Natur  der  Sonnenflecke.  57 

Kurz,  sie  stellten  mir  Höhlen  und  Abgründe  in  der  Sonne 
mit  der  deutlichsten  Wahrnehmung  vor.  Der  mittlere 
unter  diesen  drei  Flecken  schien  am  meisten  zu  bekräf- 
tigen, dass  man  wenigstens  diese,  die  ich  bemerkt,  als 
Vertiefungen  anzusehen  habe.  Bei  denselben  ging  die 
Vertiefung  nicht  wie  bei  den  anderen  geradezu  in  die 
Sonne,  sondern  etwas  schief,  und  zwar  so,  dass  die  Mün- 
dung (oder  die  sich  erweiternde  Oeflfnung)  nach  der  öst- 
lichen Seite  gerichtet  war  und  die  innere  schwarze  Oefi- 
nung  etwas  bedeckte,  da  der  Fleck  nach  ostwärts  stand. 
Als  ich  den  Fleck  den  29.  März  nach  der  westlichen 
Seite  zu  erblickte,  entdeckte  sich  die  schwarze  Oeffnung 
ganz  und  man  konnte  auch  das  Stück  von  der  Mündung 
sehen,  welches,  da  der  Fleck  ostwärts  war,  nicht  zu  be- 
merken gewesen.  Diese  Bemerkung  dünkt  mir  wichtig, 
weil  sich  die  Vertiefung  zu  beiden  Malen  gerade  so  an- 
sehen Hess,  wie  es  bei  ihrer  ostwärtsgehenden  schiefen 
Richtung  optisch  sein  sollte.  Mehr  als  hundert  Beob- 
achtungen überzeugten  mich  dergestalt,  dass  diese  Flecke 
wirkliche  Vertiefungen  waren,  dass  mii'  nicht  der  geringste 
Zweifel  mehr  übrig  blieb." 

Aehnliche  Wahrnehmungen  machten  1774  Alexandek 
Wilson  und  später  Fb.  W.  Hebschel,  und  besondere  letz- 
terer betonte  mit  Nachdruck,  dass  die  SonnenHecke  tiichter- 
förmige  Vertiefungen  seien.  Der  Grundgedanke  hierbei  ist 
folgender.  Wenn  ein  SonnenHeck  sich  auf  der  Oberßächc 
des  Sonnenkörpers  befände  und  im  Osten  anfängt  sichtbar 
zu  werden,  so  müsste  bei  der  Rotation  desselben  von  Osten 
nach  Westen  der  voranschreitende  westliche  Theil  der 
Penumbra  zuerst  erscheinen,  dann  der  Kernfleck  mit  seinem 
westlichen  Theile  auftreten,  dieser  selbst  in  der  Richtung 
von  Westen  nach  Osten  grösser   werden   und   endlich   der 


r,8  Die  Spectralanalvse. 

von  (h*r  Ftichtnng  der  Selilinie  am  weitesten  entfernte  öst- 
Vuhfi  Tlieil  df*r  Penumbra  sich  entwickeln.  Ebenso  müsst«^ 
bei  seinem  Verschwinden  am  westlichen  Sonnenrande  der 
vorarjschreitfMide  westliche  Theil  der  Penambra  zuerst  rer- 
schwiridim,  die  westliche  Penumbra  immer  kleiner  werden. 
dann  dr?r  Keiiifleck  in  der  Richtung  von  Westen  nädk 
Osten  immer  mehr  abnehmen  und  endlich  der  nach- 
ziehende östli(!}ie  Theil  der  Penumbra  zuletzt  don  Auge 
ents<:hwinden. 

Die  Beobachtung  jedoch  zeigt  das  gerade  Gregentheil 
hiervon.  Beim  Auftreten  des  Flecks  am  Ostrande  erBcheiiit 
der  ÖKtliche  Theil  der  Penumbra  zuerst,  dann  folgt  in  der 
Form  eines  länglich  gezogenen  dunklen  Striches  der  Kern, 
(h;r  sicli  in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen  nadi 
und  nach  erbreitert,  bis  endlich,  wenn  der  Kern  schon 
ganz  sichtbar  ist,  die  westliche  Seite  der  Penumbra  an- 
fangt sich  zu  entwickeln.  Beim  Verschwinden  des  Flecks 
an  d(;m  westlichen  Rande  der  Sonne  nimmt  der  östliche, 
dem  Mittelpunkte  der  Sonnenscheibe  zugekehrte  Theil  der 
P(;nunibra  zxutvHt  ah  und  der  Kern  schrumpft  wieder  zu 
einem  länglichen  schmalen  Streifen  zusammen»  während 
die  westliche  Seite  der  Penumbra  noch  beinahe  in  voller 
(irnsHv.  (erscheint.  Erst  wenn  der  Keni  ganz  yersch wunden 
ist,  nimmt  auch  die  westliche  Penumbra  mehr  und  mehr 
ab,  bis  auch  sie  endlich  dem  Auge  entschwindet. 

In  der  Fif/,  24  (I)  sind  die  verschiedenen  Formen,  in 
w(!lchen  ein  mit  einem  Hof  versehener  Fleck  von  der  Zeit 
seinrjs  ersten  Auftretens  am  östlichen  Rande  der  Sonne 
bis  zu  seinem  Verschwinden  am  westlichen  Rand  derselben 
zu  erscheinen  ])fiegt,  dargestellt.  Sie  zeigen,  dass  die  An- 
nahme, der  Fleck  li(»ge  oberhall)  des  Sonnenkörpers  als 
Wolke   in    der  Soimenatmosphäre,    oder    er   befinde    sich 


ullini 


luif  der  ÜberHiiclio 
(liTSseiben.  iiidit 
statthaft  ist;  ili''  I 
beobachteten  Ki- 
scheinuugeu  (in- 
den  aber  sofuil 
ihre  Erklartint;. 
wenn  mau  ;m- 
nimmt,  dass  dii 
Fleck  üin«;  keg,;!- 
förmige  Vertiefung 
in  der  äusseren 
Sonuenolierfliiche 
(der  Photospbliif; I 
ist,  die  sich  von 
innen  nach  aussen 
erweitert  und  in 
iliren  tieferen  Stel- 
len die  Ursaclic 
des  dunklen  Kerns, 
in  ihren  seitlichen 
Böschtingen  abri- 
dasjenige  enthält. 
welches  uns  iil> 
Penumhra  er- 
scheint. In  dfr  , 
Fig.  24  (II)  sind  | 
solche  kegelibr- 
mige  VertJefnugen  i 
auf  einer  Kugel 
perspeetiviacb  ge- 
zeichnet,   wie    sie   ' 


(',()  Die  Spectralanalyw. 

ih'M  clarübcfi*  bctiiidlicheii  Fleckenformen  der  Sonnenscheibe 
entsprechen.  Dass  die  Grösse  des  Flecks  in  der  Wirklich- 
keit ein  anderes  Verhältniss  zur  Grösse  der  Sonne  hat, 
als  e«  behufs  des  leichteren  Verständnisses  in  der  Figur 
angenommen  ist,  versteht  sich  von  selbst. 

Im  Vorstehenden  ist  die  Art  und  Weise  der  Ver- 
änderung im  Aussehen  der  Sonnenflecke  schematisch  dar- 
gi'hUillt  worden.  So  einfach  und  rein  wie  hier  angenoni- 
HK^n  zeigt  sich  die  Erscheinung  niemals.  Die  Ansichten 
darüber,  ob  die  Flecke  Höhlungen  sind  im  Sinne  Wilsox's 
und  IIkhsciikl'h,  oder  ob  dies  nicht  der  Fall  ist,  sind  des- 
halb noch  immer  getheilt.  Kirchhoff,  dem  sich  Professor 
SiMiuKit,  riner  der  Heissigsten  Beobachter  der  Sonnenflecke, 
im  Laufe  seiner  Untersuchungen  immer  mehr  und  mehr  an- 
geschloHsijn  liat,  hält  diese  Gebilde  für  wolkenartige  Con- 
d(?ns5itionen  in  der  Sonnenatmosphäre,  welche  durch  Wänne- 
ausstralilung  in  ähnliclier  Art  entstehen,  wie  sich  in  der 
Krdatmospliäre  der  Wasserdampf  zu  Nebel  und  Wolken 
gestaltet.  Wenn  sich  solche  Wolken  über  die  glühende 
und  leuchtende  SonnenoberHäche  erheben,  entziehen  sie 
uns  an  diesen  Stellen  das  Licht  der  Sonne;  es  ist  dann 
ganz  natürlich,  dass  sich  diese  Wolkengebilde,  wie  sie  sich 
reg(?ll()s  bilden,  so  auch  regellos  verdichten  oder  auflösen, 
j«j  nachdem  sie  von  wärmeren  oder  kälteren  Gasströmen 
getroffen  w(»rden. 

Diejenigen  Physiker,  welche  über  die  physische  Be- 
schaffenheit d(T  Sonne  anderer  Ansicht  sind  als  Kibchhoff, 
und,  wie  Faye,  den  eigentlichen  Sonnenkern  für  einen 
nicht  leuchtenden  Gasball  halten,  haben  auch  über  die 
Natur  der  SonnenHecke  eine  andere  Ansicht,  die  im  Wesentr 
liehen  darauf  hinausläuft,  dass  diese  Flecke  Risse  oder 
Oeffnungen  und  Vertiefungen  in  der  den  dunkleii  Gasball 


Vermuthnngen  über  die  Natnr  der  Sonnenflccke.  Gl 

umhüllenden,  leuchtenden  Photosjfhäre  sind,  durch  welche 
man  auf  den  dunklen  Sonnenkörper  hinabsieht. 

Spöreb  erkennt  neuerdings  auch  feste  Verbrennungs- 
producte  in  den  Flecken  an  und  Professor  Zöllner  er- 
klärt sie  für  schlackenartige  Massen,  die  durch  überwie- 
gende Wärmeausstrahlung  auf  der  glühendflüssigen  Sonnen- 
oberfläche entstanden  und  sich  infolge  der  durch  sie 
selber  in  der  Sonnenatmosphäre  erzeugten  Gleichgewichts- 
störungen wieder  auflösen.  „Sind  diese  Störungen,"  sagt 
er,  „nicht  nur  locale,  sondern  allgemeiner  verbreitete,  so 
ist  in  Zeiten  solcher  allgemeiner  atmosphärischer  Bewegun- 
gen die  Bildung  neuer  Flecken  wenig  begünstigt,  weil  als- 
dann der  Oberfläche  die  wesentlichsten  Bedingungen  zu 
einer  starken  Temperaturerniedrigung  durch  Ausstrahlung 
fehlen,  nämlich  die  Ruhe  und  Klarheit  der  Atmosphäre. 
Erst  wenn  die  letztere  nach  Auflösung  der  Flecken  all- 
mählich wieder  zur  Ruhe  gekonmien  ist,  beginnt  der  Pro- 
cess  wieder  von  neuem  und  erhält  auf  diese  Weise  bei  den 
durchschnittUch  für  lange  Zeitiilume  als  constant  zu  be- 
trachtenden mittleren  Verhältnissen  der  Sonnenoberfläche 
einen  periodischen  Charakter.  Jeder  Fleck  erzeugt  durch 
seine  Existenz  an  der  Sonnenoberfläche  eine  Oertlichkeit, 
woselbst  die  Temperatur  beträchtlich  niedriger  sein  muss 
als  an  den  nicht  befleckten  Stellen.  Die  Grösse  der  auf 
diese  Weise  stattfindenden  Temperaturerniedrigung  kennen 
wir  nicht  und  sie  muss  auch  in  einzelnen  Fällen  selbstredend 
sehr  verschieden  sein,  jedenfalls  ist  sie  aber  sehr  beträchtlich. 
Die  hierdurch  entstehende  Gleichgewichtsstörung  in  der 
Sonnenatmosphäre  ruft  natürlicher  Weise  Strömungen  in  der 
letzteren  hervor,  die  in  absteigender  und  aufsteigender  Weise 
in  Wirksamkeit  treten  müssen.  Diese  atmosphärische  Be- 
wegung begrenzt,  wie  Zöllner  hervorhebt,  mit  ihrem  auf- 


62  Die  Spectralanalyse. 

steigenden  Theile  die  äussere  Umgebung  der  Flecke  und 
erzeugt  durch  das  hiermit  verbundene  Aufquellen  heissere 
Theile  der  Sonnenatmosphäre  über  dem  gewöhnlichen 
Niveau  der  continuirlich  wirkenden  Gasschichten,  die 
Sonnenfackeln,  Die  niedersteigenden  Strömungen  bewegen 
sich  gegen  die  Fleckenobei-fläche  hin  und  erleiden  schon 
in  der  Höhe  infolge  der  veränderten  Wärmestrahlung 
von  unten  eine  Abkühlung,  als  deren  Resultat  die  Aus- 
scheidung eines  gewissen  Theiles  der  aufgelösten  Dämpfe 
in  Form  von  Wolkengebilden  nothwendig  erfolgen  muss. 
Diese  Wolkengebilde  umgeben  in  einer  gewissen  Höhe  die 
Grenzen  des  schlackenartigen  Flecks  und  erscheinen  uns 
aus  der  Feme  geaehen  gerade  als  das,  was  man  Penumbra 
oder  Halbschatten  nennt.  In  der  That  zeigen  diese  Pen- 
umbra auch  meist  bei  hinreichender  Vergrösserung  eine 
gegen  das  Centrum  der  Flecke  gerichtete  Stratification, 
und  da  der  Fleck  in  einzelnen  Fällen  beträchtlich  unter  dem 
obersten  Rande  der  Penumbra  liegen  wird,  so  begreift  man, 
dass  infolge  der  Sonnenrotation  beim  Näherrücken  an  den 
Rand  der  Sonne  eine  optische  Verschiebung  auftreten  kann. 
Den  Anschauungen  von  Spüree  und  Zöllner  entgegen 
stellte  Secchi  eine  Theorie  der  Sonnenflecke  auf,  wonach 
diese  durch  gewaltige  Störungen  und  heftige  Krisen  im 
Innern  der  Sonne  entstehen,  infolge  deren  ihre  leuch- 
tende Oberfläche  durchbrochen  werde  und  mehr  oder 
weniger  regelmässige  Höhlungen  bekonmie,  in  die  sich  die 
photosphärischen  Massen  von  der  Seite  her  hineinstürzen. 
Die  Dunkelheit  des  Kerns  sucht  Secchi  dadurch  zu  er- 
klären, dass  er  darauf  hinweist,  wie  die  (leuchtenden) 
photosphärischen  Massen  bei  ihrem  Eindringen  in  den 
lieissen  Raum  aus  dem  nebelartigen  in  den  gasigen  Zu- 
stand übergehen,    dadurch  höre  ihre  Leuchtkraft  auf,  sie 


Die  spectroskopische  Untersnchnng  der  Sonneuflecke.  63 

würden  unsichtbar  und  der  Kern  bleibe  dunkel  trotz  des 
fortwährenden  Nachströmens  leuchtender  Materie.  Die 
Tiefe  der  Höhlung  verursacht,  dass  sich  eine  dicke  Schicht 
solcher  heissen  Metallgase  in  ihr  ansammelt  und  daher  ein 
grosser  Theil  des  Lichtes,  welches  aus  den  noch  tiefer  ge- 
legenen Theilen  der  Photosphäre  ausstrahlt,  absorbirt 
wird;  die  Folge  davon  ist,  dass  die  Höhlung  selbst  relativ 
dunkel  erscheint. 

8.  Die  spectroskopische  Untersuchung  der 

Sonnenflecke. 

Wie  wir  gesehen  haben,  reicht  die  teleskopische  Be- 
obachtung der  Sonnenilecke  nicht  aus,  um  über  das  Wesen 
der  letzteren  zu  unzweifelhaften  Resultaten  zu  gelangen. 
Hier  kann  aber  die  spectroskopische  Untersuchung  ergän- 
zend einspringen,  und  in  der  That  haben  die  Arbeiten  von 
HuooiNS,  Secghi,  Lockyeb  und  neuerdings  von  Young 
wichtige  Resultate  ergeben.  Um  genaue  spectroskopische 
Untersuchungen  der  Flecke  anzustellen,  genügt  es  nicht, 
in  gewöhnlicher  Weise  das  im  Brennpunkte  des  Femrohrs 
entstehende  Sonnenbildchen  mit  dem  Spectroskop  zu  be- 
obachten, es  ist  vielmehr  nöthig,  das  Bild  des  Flecks  für 
sich  auf  den  Spalt  des  Spectroskops  zu  bringen.  Dies 
geschieht  dadurch,  dass  man  entweder  mittels  des  Fern- 
rohroculars  oder,  nach  dem  Vorgange  von  Secchi,  mittels 
eines  Mikroskopobjectivs  ein  vergrössertes  Sonnenbild  er- 
zeugt. In  diesem  Falle  erblickt  man  ein  Spectrum,  wel- 
ches von  einem  longitudinalen,  dunklen  Streifen  durch- 
zogen ist,  dieser  repräsentirt  das  Spectrum  vom  Kern  des 
Flecks.  Beiderseits  ist  dasselbe  umgeben  vom  Spectrum 
der   Penumbra,    welches    etwas   minder    dunkel    erscheint. 


«i 


Dir  SpedralnnuIvHe 


Die  Breite  ilcs  Streifens  häogt  iiatürlieli  von  dem  Durch- 
messer lies  Flecks  ab.  In  dem  Fleckeiispectrum  zeigen 
nun  viele  Linien  sehr  merkwürdige  Veränderungen,  beson- 
ders zwischen  C  und  D,  wo  viele  dunkle  Linien  an  Breitv 
und  Dinikelheit  zunehmen,  wie  es  fiir  die  dojipelte  O-Linie 
die  Fig.  2/>  zeigt. 

Die  speelroskopischen  Untei'siichuugen  der  Sitnnen- 
Hec-ke  sind  indessen  noch  bei  weitem  nicht  zum  Absehjusse 
gediehen,  obgleich  besonders  Sbcthi  dieselben  niit  grösser 


Ausdauer   fnrtgefiihrt   bat.     Als   IleeulUit   ^iner   Arlieiten 
giebt  er  folgende  Zusammenstellung. 

In  der  Nachbarschaft  der  Flecke  umt  besonders  über 
den  Fackeln,  welche  die  Flecke  umgeben,  sind  die  Wasser- 
stofflinien  stets  schwächer  als  auf  den  übrigen  Theilen 
der  Sonnenscheibe;  zuweilen  vei-schwinden  sie  daselbst 
gänzlich  und  erleiden  eine  Umkehmng.  Die  C'-lAnie  wird 
am  meisten  hiei-von  berührt;  die  ii-Linie  verschwindet 
scheinbar  nicht  so  leicht  und  vollständig,  weil  sich  eine 
andere  tUinkle  Linie  an  sie  anschiiesst,  die  nicht  dem 
Wasserstoff,   soudern  dem  Eisen  angehört   und   daher   bei 


Die  spectroskopische  Untersuchung  der  Sonnenflecke.  65 

der  Aufhellung  der  eigentlichen  Wasserstofflinie  be- 
stehen bleibt;  Lockykr  jedoch  hat  constatiii,  dass  die 
-F-Linie  selbst  unter  Umständen  eben  so  vollständig  ver- 
schwindet und  sogar  durch  eine  helle  ersetzt  wird,  wie 
die  C-Linie. 

Wenn  eine  Brücke  den  Kern  durchsetzt  und  nament- 
lich wenn  gewisse  rothe  Schleier  denselben  überziehen,  so 
sieht  man  daselbst  die  C-Linie  aufgehellt  oder  wenigstens 
sehr  geschwächt,  wodurch  ebenfalls  die  Anwesenheit  von 
lebhaft  glühenden  Wasserstoffmassen  angezeigt  wird. 

In  dem  Innern  der  Flecke  erleidet  das  Spectrum  eine 
bedeutende  Veränderung;  das  gewöhnliche  Aussehen  der 
dunklen  Linien  und  das  Verhältniss  der  Lichtintensitäten 
an  den  verschiedenen  Stellen  desselben  ist  durchaus  ver- 
ändert Einige  sonst  kaum  sichtbare  Linien  werden  ganz 
schwarz  und  sehr  breit;  andere  erscheinen  verwaschen 
an  ihren  Rändern  und  wieder  andere  bleiben  ganz  unver- 
ändert Die  Fig,  26^  entworfen  nach  Seochi's  Beobach- 
tungen vom  11.  und  13.  April  1869,  giebt  eine  annähernde 
Vorstellung  der  Haupterscheinungen.  Der  dunkle  Streifen 
Nr.  2  ist  das  Spectrum  des  Kerns,  in  welchem  sich  zahl- 
reiche Linien  stark  erbreitem  und  neue  dunkle  Bänder 
und  Linien  auftreten:  eines  zwischen  B  und  C,  zwei  zwi- 
schen C  und  D  und  zwei  zwischen  E  und  F ;  ausserdem, 
was  sehr  bemerkenswerth  ist,  drei  Paare  von  weniger 
dimklen,  fast  hellen  Linien  im  Grün  zwischen  b  und  F, 
Der  Streifen  Nr.  1  repräsentirt  das  Spectrum  der  Brücke 
mit  den  hellen,  in  das  Spectrum  des  Kerns  hinübergrei- 
fenden Linien  des  Wasserstoffs.  Der  Streifen  Nr.  3  be- 
zeichnet das  Spectrum  des  Halbschattens,  in  welchem  die 
dunklen  Linien  des  Wasserstoffs  wegen  der  theilweisen 
Umkehr ung  fehlen. 

Schellen,  Spectralanalyse.  II.  5 


Die  B(iectruakopiiichB  Uut 


thang  d«r  S 


'  uebeliff 


FiiBtdic. 


Bchttrf^  Begrenzung,  ii 

Wird  der  Spalt  des  Spcctroskops  von  der  Peuumbia 
gegt^n  den  eigeiitiicheii  Kern  des  Sonnenflecks  vei-schoben, 
HO  nehmen  die  mebiUiM'hen  Linien  euccessive  an  Breite  /ii. 
Geht  der  Spalt  über  ['enumbra  und  Kern  zugleich,  so 
sind  die  Linien  auf  dL>m  Kern  am  breitesten,  werden  über 
«Icr  Peuunibra  immer  sc)imuler  und  laufen  endlich  spit:£ 
aus.  Hieraus  ergiebt  sich  also,  Jasa  die  absorbireud  wir- 
keudf   Schicht,    welche   diese   Erlireiteruug   der   Linie   er- 


zeugt, mit  der  Annäherung  an  den  Kern  an  Dicke  oder 
au  Dichtigkeit  zuninwit.  Ausser  diesen  charakteristischen 
Verändeiuugen,  welche  die  Liuien  erleiden,  ändert  sich 
nach  äEUcm  auch  die  relative  Helligkeit  der  einzelneu 
Tbeile  des  Spectrums,  besouders  im  Roth,  im  Uelb  und 
im  Gruu.  Ee  bilden  sieb  dunkle  Bänder,  namentlich  zwi- 
schen den  Linien  B  und  C  und  in  der  Nachbai'scbal't 
von  D.  Eine  sehr  merkwürdige  Erscheinung,  die  auch 
Skcchi  gesehen  hat,  besteht  darin,  dass  man  bisweilen  in 
dem  Spectrum  des  Kerns  eines  Flecks  die  beiden  Natriam- 
linien  Oi  und  D^  umgekehrt,   ako   hell   sieht,   wie  es  die 


CS  I)ie  SpettraUnalyHe. 

n;icli  einer  am  22.  Septt'iiil»ei"  1870  gemachten  Beobachtung 
vOD  Yousü  gezeichnete  Fig.  28  zu  erkeniien  giebt;  gleich- 
zeitig sieht  man  dann  noch  die  Liiiien  C  und  F,  oft  auch 
/>3  und  noch  sonstige  Linien,  z,  B.  Hy  (2796  K.),  Jj,  b,, 
h-i,  b^;  1474  K.  u.  s,  w,  glänzend.  Die  Ursache  dieser  Er- 
scheinung liegt  nach  Secchi  darin,  dasa  zu  solchen  Zeiten 
grosse  und  intensiv  leuchtende  Protuberanzen  sich  über  den 
Fleck  ausbreiten  und  die  hellen  Linien  dieser  letzteren  die 
dunklen  des  Klecks  überstralilen   und   in  helle   umkehren. 


LocKVER  fand  hei  e 


D 

I  n> 

n. 

1 

Li 

B 

i 

1 
L 

■ii 

r 

Fleck,  den  er  am  20.  Februar 
IDGit  beobachtete,  dass  sowohl 
die  Maynetium-,  als  auch  die 
liariumlmütn  eine  Erhreite- 
rung  erleiden,  und  stimmt  mit 
Secchi  darin  nberein,  dass 
diese  Verstärkung  der  FRAtra- 
HOKKtt'schen  Linien,  wie  sie 
im  Spectrum  der  Flecke  vor- 
konmien,  von  einer  vermehr- 
ten Absorption  derjenigen  Ma- 
terien herrühre,  welclie  die  Flecke  bilden,  und  dass  im 
Allgemeinen  die  Flecke  Veiiüfuwjai  in  der  Oberfläche 
dos  SonnenkÜrpers  sind,  ausr/ffüllt  mit  verdichteten  Massen 
derjenigen  Substanzen  (Fisen,  Calcium,  Barium,  Magnesium, 
Natrium,  Wasaeratoft),  deren  Linien  im  Spectrum  eine  Er- 
breiterung  und  grössere  Verdunkelung  erleiden,  und  über- 
ratft  von  dem  leichteren  Wasserstofigase, 

Endlich  hat  auch  Professor  C,  A.  Yoirao  io  Princeton 
('S.  .].,  U,  St  America)  bei  einer  am  S.  April  1870  an- 
gestellten spectroskopischen  Untersuchung  einer  grossen 
I'"lecki^rigru|)pc  gefunden,  dass  die  Wasserstofflinien  C  und  F 
auf  dem  Kerne  umgekehrt  wurden  und  leuchtend  erschienen. 


Die  »pectroskopische  Untersuchung  der  Sonnenflecke. 


69 


C  war  sehr  hell,  F  weit  schwächer;  die  übrigen  Wasser- 
stofflinieu  Hy  (2706  K.)  und  m  oder  li  (3365,5  K.)  wurden 
nicht  umgekehrt,  schienen  jedoch  etwas  feiner  zu  sein. 
Ebenso  fand  er,  dass  viele  dunkle  Linien  sich  erbreitert 
hatten  und  dunkler  waren,  andere  dagegen  sich  nicht 
verändert  hatten.  Zu  den  letzteren  gehörten  a,  J?,  £, 
1472  (K.),  die  Linien -6,  1691  (K.)  und  G,  Die  beiden 
Natriumlinien  Z>|  und  Z>2,  sowie  850  (Eisen)  waren  deut- 
lich, wenn  auch  nicht  bedeutend  erbreitert 

Am  meisten  zeigten  sich  folgende  Linien  von  der  ver- 
stärkten Absorption  der  Fleckenmaterie  afficirt:  864  (Ca)^ 
877  (Fei),  885  (Ca),  895  (Ca),  1580  (Ti),  1589  (Ti), 
1627  (Ca)  und  1629  (Ti).  Die  Titanlinien,  welche  nach 
Angström's  Atlas  identificirt  wurden,  traten  besonders 
stark  hervor,  was  um  so  bemerkenswerther  ist,  als  sie  im 
gewöhnlichen  Sonnenspectrum  nicht  bemerkbar  sind;  ähn- 
liches gilt  auch  von  den  GalciumUnien. 

Im  October  1877  wurde  auf  der  Sternwarte  zu  Green- 
wich  ein  Sonnenfleck  spectroskopisch  beobachtet,  der  eine 
aussergewöhnliche  Anzahl  von  Veränderungen  der  Spectral- 
linien  zeigte,  wie  folgende  Tabelle  angiebt. 


Zahl  der 

Element 

beobachteten 
Linien 

Charakter  der  Veränderung 

Calcium 

12 

Sehr  viel  dunkler.  Nahe  von  doppelter 
Breit«. 

Natrium 

2 

Sehr  viel  dunkler.  Die  zwei  Linien  fast 
über  dem  Kern  zusammen. 

Titaninm 

11 

Sehr  viel  dunkler.     Nahe  doppelt  breit. 

Eisen 

80 

Breiter  und  dunkler. 

Barium 

\ 

Etwa  doppelt  so  dunkel  und  breit. 

Magnesium 

\ 

Breiter  und  dunkler. 

70 


Die  Spektralanalyse. 


Element 

Zahl  der 

beobachteten 

Linien 

Charakter  der  Veränderung 

Nickel 

(> 

Etwas  dunkler.     Halb  8o  breit    als  sonst 

Chrom 

3 

Etwas  dunkler  und  breit. 

Wasserntoff 

3 

Viel   matter  und  weniger    bestimmt,    um- 
gekehrt in   der  Kachbarschaft   nördlich 
vom  Centrum  wie  am  5.  November. 

Corona-Linie 

1 

Viel  schwächer  über  dem  Fleck. 

^3 

Tellur.  Banden 

1 
1 

Nicht  gesehen,  weder  hell  noch  dnnkeL 
Band  a  breiter  und  dunkler. 

Ausser  der  Zunahme   und  Breite  der  Linien    wurden 
auch  Verschiebungen  derselben  gegen  das  rothe  und  blaue 
Ende  bemerkt,   besonders  bei  den  F-  und  2)-Linien.     Am 
31.   October    erschien   die    i* -Linie;    der   Theil    über    der 
nachfolgenden  Hälfte  des  Flecks  war  gegen  das  rothe,  der 
andere  gegen  das  blaue  Ende  verschoben.     An   dem    dun- 
kelsten   Theile   des   Flecks    waren    die  /^-Linien    an    der 
rothen  Seite  verbreitert  um  die  Hälfte  des  Zwischenraumes 
Dl  bis  D.2n  während  die  brechbare  Seite  scharf  und  nicht 
merkUch  verschoben   war.     Der   Fleck  wurde   (nach    wol- 
kigem Wetter)  zuerst  am  30.  October  gesehen,   als  er  auf 
der  Scheibe  weit  vorgerückt  war,  und  Photographien  wur- 
den erhalten  am  30.  und  31.  October,  am  1.,  2.,  3.,  4.  und 
5.   November,    während    welcher   Periode    er   nur   geringe 
Veränderung  erlitt,  ausser  dass  eine  Gruppe  kleiner  Flecke, 
die    ihm    nahe    folgton,    sieh   am    5.   November   vereinigt 
hatten  und   nur   eine  Gruppe  von   Fackeln   hinterhesseu, 
welche  am  8.  November  nahe  am  Rande  gesehen  wurden. 

Eine  merkwürdige  Thatsache  ist  die,  dass  gelegentlich 
in  dem  Spectrum  eines  Sonnenflecks  Linien  auftreten, 
welche  im  Spectrum  der  Sonne  selbst  nicht  wahrzunehmen 


Die  spectronkopische  üntersnchung  der  Sounenflecke.  71 

sind.  VooEL  hat  die  Vermuthung  ausgesprochen,  dass 
dieses,  sowie  die  einseitige  Verbreiterung  einiger  Linien, 
vielleicht  dahin  deute,  dass  die  Temperatur  über  den 
Flecken  so  weit  erniedrigt  wäre,  dass  einige  der  EUe- 
mente  vorübergehend  chemische  Verbindungen  eingehen. 
Eine  ähnliche  Ansicht  hat  auch  Young  ausgesprochen, 
wobei  er  bemerkt,  dass  nach  der  Beobachtung  von  Schuster 
vorzugsweise  die  Spectra  nicht  elementarer  Stoffe  durch 
derartige,  einseitig  verschwommene  Streifen  charakterisirt 
sind.  Die  Spectra  der  Sonnenfackeln  zeigen  keine  wesent- 
liche Abweichung  von  denjenigen  der  benachbarten  Theile 
der  Sonnenoberfläche,  doch  sind  sie  natürlich  heller.  Bei 
einigen  Fackeln  ist  jedoch  die  i'-Linie  etwas  gegen  Violett 
hin  erbreitert 

Die  bisherigen  Resultate  der  Spectralbeobachtuugen, 
so  wichtig  und  gehaltreich  sie  auch  sind,  stehen  doch  noch 
zu  vereinzelt  und  ohne  den  nöthigen  Zusammenhang  mit 
den  Ergebnissen  der  teleskopischen  Beobachtungen  der 
Flecke  und  Fackeln  da,  um  ein  vollständiges  Material  für 
die  Elrklärung  der  Natur  dieser  Gebilde  abzugeben.  So 
viel  aber  dürfen  wir  mit  einiger  Sicherheit  schon  jetzt 
schliessen,  dass  die  Erscheinung  der  Erbreiterung  und  des 
Dunklerwerdens  der  FBAüNHOFEB'schen  Linien,  sowie  das 
Auftreten  von  neuen  dunklen  Banden  in  dem  Spectrum  des 
Kerns  nur  von  einer  verstärkten  Absorption  seitens  der- 
jenigen Materien  herrührt^  welche  den  Fleck  ausmachen. 

Indem  das  weisse  Licht  des  Sonnenkems,  welches  be- 
reits in  der  absorbirenden  Schicht  eine  Absorption  er- 
litten hat,  durch  die  Materie  eines  Sonnenflecks  hindurch- 
geht, erleidet  es  nochmals  eine  theilweise  Absorption  von 
denjenigen  Stoßen,  die  vorzugsweise  und  in  grösserer 
Menge   in   dem  Fleck   enthalten   sind.     Da  nun  die   Cal- 


72  Die  Sptictralanalyse. 

ciuiii-  und  die  Eiseulinien  des  Fleckenspectrums  besonders 
stjirk,  die  Natriundinien  in  geringerem  Grade  und  noch 
weniger  die  Magnesiumliuien  afficirt  erscheinen,  so  kann 
man  scliliessen,  dass  die  den  Sounenfleck  bildende  Sub- 
stiinz  vorzugsweise  au«  Dämpfen  von  Calcium,  Eisen,  Titau, 
Natrium,  Barium  und  Magnesium  zusammengesetzt  ist,  dass 
jedoch  diese  Stoße  in  verschieden  dicken  Schichten  und 
in  sehr  verscliiedenen  Verhältnissen   daselbst   vorkommen. 

Dass  das  Wasserstolfgas  bei  den  Flecken  eine  Haupt- 
rolle spielt,  zeigt  das  Spectrum  aul'  die  unzweideutigste 
Weise.  In  denjenigen  Theilen,  welche  dem  Kerne  dicht 
anliegen,  also  in  der  Brücke,  wo  eine  solche  vorhanden 
ist,  und  in  dem  Halbschatten  tritt  die  Einwirkung  der 
Wasserst  off  linien  am  entschiedensten  auf.  In  dem  Spec- 
truni  der  Brücke  (Nr.  1)  erscheinen  diese  drei  charak- 
teristischen Linien  //«,  ////,  lly  als  hellglänzend;  in  dem 
S|)ectrum  des  Halbschattens  (Nr.  3)  fehlen  sie  oft  ganz 
und  in  dem  Spectruni  der  reinen  Sonnenscheibe  und  des 
Kerns  (Nr.  2)  treten  sie  als  die  bekannten  dunklen  Fhacx- 
noFKuVchen  Linien  C\  t\  nahe  G  auf. 

Die  Erklärung  dieser  Erscheinung  ergiebt  sich  durch 
die  Annahme,  dass  von  Zeit  zu  Zeit  aus  dem  Innern  des 
glühenden  Sonnenkerns  Wasserstoft'gas  nach  aussen  hervor- 
bricht. Wegen  seiner  grossen  Leichtigkeit  wird  sich  dieses 
(ias  in  ungeheuren  Flammensiiulen  (Protuberanzen)  über 
<lie  absorbirende  Dampfschicht  der  Photosphäre  erheben, 
bald  darauf  aber  infolge  der  durch  die  Expansion  ent- 
stehenden Abkühlung  chemische  Verbindungen  mannig- 
faltiger Art,  insbesondere  mit  dem  Sauei'stoff  eingehen  und 
dann  theils  unverbunden  nach  den  Seiten  hin  abfliessen, 
theils  in  seiner  Verbindung  mit  dem  Sauei*stoff  (Wasser- 
dampf) und  mit  den  anderen  Stoffen  der  Sonne  gasige  oder 


Die  spectroHkopiHchü  Uiiiersnchuiig  der  Sonueuflecke.  73 

dampfförmige  Massen  darstellen,  welche  sowohl  ihrer  Natur 
nach  als  infolge  fortwährender  Abkühlung  dichter  sind 
als  das  WasseistoflFgas,  und  durch  ihre  Schwere  nieder- 
sinken. Dass  der  aufsteigende  Gasstrom  eine  Menge  von 
solchen  Stoffen,  die  im  Sonnenkern  und  in  der  absor- 
birenden  Dampfschicht  (der  Photosphäre)  vorhanden  sind, 
mit  sich  fortreisse  und  in  die  Höhe  führe,  ist  natürlich; 
wenn  diese  Substanzen  selbst  glühend  in  dem  glühenden 
Wasserstoffgase  in  hinreichender  Menge  vorhanden  sind, 
werden  wii*  ihre  charakteristischen  Linien  als  helle  leuch- 
tende Linien  in  dem  Spectrum  der  Flammensäulen  wahr- 
nehmen können.  In  der  That  sind  derartige  Linien  zu- 
gleich mit  den  hellen  Linien  des  Wassei^stoffs  während  der 
Sonnenfinsternisse  in  den  Protuberanzen,  von  denen  später 
die  Rede  sein  wird,  beobachtet  worden,  und  werden  jetzt 
täglich  bei  Sonnenschein,  zuweilen  in  grosser  Zahl,  auf  der 
Sonnenscheibe  wahrgenommen. 

Wenn  die  Heftigkeit  der  Gaseruption  nachgelassen 
hat,  dampfförmige  Niederschläge  mannigfacher  Art  erfolgen 
und  vielleicht  chemische  Verbindungen  ihr  Spiel  beginnen, 
so  tritt  die  Bildimg  des  Flecks  ein.  Die  schweren  Theile 
dieser  Niederschläge  sinken  nieder  und  bilden  an  den 
Stellen  der  grössten  Verdichtung  den  Kern  eines  Flecks, 
an  den  weniger  dichten  Randtheilen  desselben  den  Halö- 
ifchatten.  Aber  auch  der  dampfförmige  Kern  lässt,  unge- 
achtet er  uns  fast  schwarz  erscheint,  noch  eine  Fülle  des 
Sonnenlichtes  hindurch,  ja  nach  begründeten  Vermuthungen 
strahlt  ein  schwarzer  Kernfleck  immer  noch  vieilausendmal 
so  viel  Licht  aus  als  eine  gleich  grosse  Fläche  des  Voll- 
mondes. Die  Resultate  der  Spectralanalyse  sind  damit  im 
Einklänge,  denn  auch  der  schwärzeste  Kern  giebt  noch  ein 
Spectrum  mit  allen  Einzelheiten   des  vollen  Sonnenlichtes. 


71  Die  Spectralanalyse. 

Wo  der  Fleck  von  den  darüber  luDfluthenden  photo- 
spbärischei)  Massen  durchbrochen  wird,  bildet  sich  eine 
bogenaiinte  Brücke,  ein  hellleuchtender  Streifen,  welcher 
den  Fleck  und  den  Halbschatten  durchsetzt.  Die  Licht- 
strahlen des  glühenden  Wassersto£fs,  welcher  aus  den  be- 
nachbarten Theilen  der  Brücke,  an  den  Rändern  des  Flecks 
ausströmt  und  sich  über  die  absorbirende  Schicht  der 
Brücke  ergiesst,  werden  nicht  weiter  absorbirt  und  über- 
strahlen die  dunklen  FfiAUNHOFEB'schen  Linien  C,  ^,  nahe 
G;  diese  Linien  werden  daher  in  dem  Spectrum  der  Brücke 
fNr.  1)  aus  dunklen  in  helle  umgekehrt  In  dem  Kerne 
des  Flecks  ist  der  freie  Wasserstoff  nicht  mehr  in  hin- 
reichender Fülle  vorhanden  und  auch  die  Temperatur  ist 
zu  gering,  als  dass  seine  Linien  //a,  /?,  y  die  dunklen 
FRAUNHOFER'schen  Linien  C,  jP,  nahe  Q  zu  überstrahlen 
oder  auch  nur  erheblich  zu  schwächen  vermöchten;  da- 
gegen reicht  die  Lichtfülle  und  die  Temperatur  des  Wasser- 
stoffs in  den  zum  Halbschatten  gehörigen  Theilen  noch 
hin,  dass  seine  drei  hellen  Linien,  mit  den  genannten 
dunklen  Linien  C,  jP,  nahe  G  coincidirend,  diese  bis  zur 
Intensität  der  benachbarten  Lichtregionen  des  Spectrums 
aufhellen  und  daher  unsichtbar  machen.  In  dem  Spectrum 
der  Brücke  (1)  erscheinen  daher  diese  Linien  meist  hell, 
in  dem  des  Kerns  (2)  bleiben  sie  dunkel,  in  dem  des 
Halbschattens  fehlen  sie  oft  ganz. 

Die  verschieden  grosse  Veränderung,  welche  die  Linien 
des  Wasserstoffs,  des  Magnesiums  und  des  Natriums,  des 
Calciums  und  des  Eisens  in  dem  Spectrum  des  Kerns  er- 
leiden, scheint  anzuzeigen,  dass  in  den  wolkenartigen  und 
(lami)fionnigen  Gebilden,  die  den  Fleck  ausmachen,  die 
neuen  Verbindungen  sich  nach  Massgabe  ihrer  specifischen 
Schwere  in   verschiedenen  Schichten   übereinander  lagern. 


Die  spectroskopische  UuterHuchuug  der  Souneuflecke.  7f5 

Das  Wasserstoffgas  nimmt  danach  die  höchste  Stelle  ein; 
Wasserdampf,  Magnesium  und  Natrium  folgen  in  dünneren 
Schichten  darunter;  die  schwereren  Calcium-,  Titan-  und 
Eisendämpfe  bilden  die  tiefere  und  dickere  Schicht,  die 
Basis  des  Flecks. 

Die  Bildung  eines  Flecks  wird  hiemach  einer  Wasser- 
stofferuption bald  nachfolgen;  der  Fleck  selbst  ist  eine 
dichte,  wolkige,  vielleicht  breiartige,  mannigfach  zusammen- 
gesetzte glühende  Masse,  welche  durch  ihre  Schwere  in 
die  den  äusseren  Theil  des  Sonnenkörpers  ausmachende 
Photosphäre  auf  eine  gewisse  Tiefe  hineinsinkt,  das  Licht 
der  noch  darunter  befindlichen  Photosphäre  theilweise  zu- 
rückhält und  daher  sich  für  unsern  AnbUck  als  dunkle 
Masse  auf  der  Sonnenscheibe  projicirt,  wie  selbst  das  un- 
gemein intensive  Licht  des  im  Knallgase  weissglühenden 
Kalkes,  das  DnuMMOND'sche  Licht,  gegen  die  Sonne  ge- 
sehen, uns  schwarz  erscheint. 

Die  ungeheuren  Dimensionen,  welche  diese  dichten 
Dampfinassen  zuweilen  nach  allen  Richtungen  hin  ein- 
nehmen, lassen  ihre  relative  Beständigkeit,  welche  nicht 
selten  während  mehrerer  Sonnenumdrehungen  andauert, 
erklärlich  finden.  Für  ihren  Untergang  können  wir  theils 
das  Hineinströmen  der  photosphärischen  Massen  in  die 
Tiefe  des  Flecks,  theils  das  völlige  Versinken  der  Dämpfe 
in  die  tieferen  Regionen  des  Sonnenkems  hinein  und  in- 
folge übergrosser  Erhitzung  die  dadurch  herbeigeführte 
neue  Dissociation  der  Verbindungen  in  die  einzelnen  Ele- 
mente als  Ursache  annehmen. 

Wir  sind  weit  davon  entfernt,  in  den  vorstehenden 
Gedanken  eine  alle  Erscheinungen  der  Sonnenflecke  um- 
fassende Erklärung  finden  zu  wollen.  Wenn  es  gewiss  von 
höchstem  Interesse  für  uns  ist,   die   physische  Natur   des- 


7t>  l>ie  Spertralanalyse. 

jenigeii  Himmelskörpers  näher  kennen  zu  lernen,  der  uns 
Licht,  Wärme,  Bewegung  und  Leben  giebt,  so  müssen  wir 
uns  anderseits  doch  sehr  hüten,  dasjenige  fiir  Wahrheit 
und  Wirklichkeit  zu  halten,  was  zunächst  nur  das  Resultat 
unserer  Combinationen  ist,  und  dieses  um  so  mehr,  wenn 
unsere  Speculatiouen  nur  auf  Beobachtungen  beruhen,  die 
vereinzelt  dastehen  und  des  Zusammenhanges  mit  dem 
grossen  Ganzen,  zu  welchem  sie  gehören,  noch  entbehreo. 
Die  soeben  entwickelten,  aphoristisch  dargestellten  Ideen 
sollen  daher  auch  nur  dazu  beitragen,  die  bisherigen  Re- 
sultiite  der  Spectralbeobachtungen  einigermassen  zu  erläo- 
tern,  dieselben  auf  eine  ungezwungene  \Veise  zu  interpre- 
tiren  und  mit  den  nachfolgenden  Ergebnissen  der  Sonnen- 
tinsteruisse  seit  löG8  in  Zusammenhang  zu  bringen. 

9.  Sonnenfinsternisse. 

Die  Ursache,  dass  unsere  Kenntnisse  von  der  Natur 
der  Sonne  noch  so  lückenhaft  sind  und  dass  selbst  heute 
zwischen  fast  diametral  gegenüberstehenden  Ansichten  noch 
nicht  mit  völliger  Gewissheit  entschieden  werden  kann. 
liegt  zum  grossen  Theile  darin,  dass  das  blendende  Licht 
der  SonnenoberHäche  oder  der  Photosphäre  für  gewöhn- 
lich die  übrigen  leuchtenden  Theile,  die  in  der  Umgebung 
des  Sonnenrandes  vorhanden  sind,  überstrahlen  und  diese 
daher  auch  in  den  stärksten  Fernrohren  unsichtbar  bleiben. 
Ein  Abblenden  der  Sonnenstrahlen  durch  Zwischenschiebeu 
einer  undurchsichtigen  Scheibe  führt  nicht  zum  Ziele,  weil 
das  diffuse  TatpisUcht  dadurch  nicht  beseitigt  werden  kann 
und  dieses  ebenfalls  gegenüber  dem  schwachen  Lichte  der 
Sonnenumgebung  zu  intensiv  ist.  Anders  stellt  sich  die 
Sache  während  der  Dauer  einer   totalen  Sonnenfinstemissy 


Sonnenfinsternisse.  77 

WO  der  Mond  die  ganze  Sonnenscheibe  bedeckt  und  ge- 
wisse Strecken  der  Erdoberfläche  in  seinen  Schattenkegel 
einhüllt.  Dem  von  dem  Lichte  des  Tages  nicht  mehr  be- 
hinderten Beobachter  zeigt  sich  dann  in  der  Umgebung 
der  Sonne  eine  Reihe  von  Einzelheiten,  die  er  sonst  nicht 
wahrzunehmen  vermag  und  deren  Erkenntniss  vorzugsweise 
geeignet  ist,  über  die  Natur  und  die  physische  Beschaffen- 
heit der  Sonne  Licht  zu  verbreiten. 

Wenn  im  Beginne  einer  totalen  Sonnenfinsterniss  der 
Mond  auf  seinem  Laufe  von  West  nach  Ost  vor  die  Sonnen- 
scheibe .  tritt,  so  bemerkt  der  Beobachter  bei  directem 
Sehen  den  Eintritt  der  Mondscheibe  auf  der  westlichen 
(d.  h.  rechten)  Seite  der  Sonne;  bedient  ersieh  dabei  eines 
astronomischen  Fernrohrs,  so  erscheint  das  Bild  darin 
umgekehrt  und  die  Verfinsterung  beginnt  scheinbar  auf 
der  linken  Seite.  Bleiben  wir  bei  dem  ersteren  Falle,  so 
rückt  der  Mond  von  West  nach  Ost  vor  der  Sonnenscheibe 
weiter  und  die  Verfinsterung  nimmt  zu,  bis  der  Mond  in 
gewissen  Fällen  mit  seinem  voranschreitenden  östUchen 
Rande  die  ganze  Sonne  bedeckt  und  auch  die  letzten 
Strahlen  auf  der  Ostseite  der  Sonne  verschwinden.  Zwi- 
schen diesem  Momente,  dem  Beginne  der  totalen  Finster- 
niss,  und  demjenigen,  wo  der  nachfolgende  westliche  Rand 
des  Mondes  die  Westseite  der  Sonne  berührt  und  gleich 
darauf  die  ersten  Strahlen  wieder  auf  der  Westseite  der 
Sonne  hervorbrechen,  liegen  oft  nur  wenige  Minuten.  Aber 
um  ihrerwillen  rüsten  die  Nationen  umfangreiche  und  kost- 
spielige Expeditionen  aus  und  die  ganze  gelehrte  und  ge- 
bildete Welt  folgt  ihnen  mit  Spannung,  einestheils,  weil 
sie  ein  kostbares  Material  für  die  Erforschung  unseres 
Centralkörpers  verheissen,  anderntheils,  weil  die  Hebung 
dieses  Schatzes  eine  Frage  des  Wetters  ist  und  ein  kurzer 


7^  Dii^  ?jp«iftrdUiiialyse. 

Wolkeii>5chIeier  oder  ein  flüchtiger  Nebelstreif   alle 
wanrltPn  Müheu  uDd  Kosten  vereiteln  kann. 

Wir  wtiU*fii  uns  nicht  durch  eine  Schildemn 
jrriigeii  Veräiultjrungen  aufhalten,  die  während  des 
schreitens  der  Finsterniss  in  dem  landächaftlichec 
vor  sich  gehen,  noch  des  tiefen  Eindrucks  EIrwi 
thun,  welchen  das  plötzliche  Verschwinden  des 
StiiinenstrahLs  und  das  eben  so  plötzliche  Wiedererst; 
ths  Lichtes  auf  die  Menschen  und  Thiere  macht.* 

Der  Durchmesser  des  Schattenkegels,  welche 
Mond  nach  der  Ertle  zu  wirft,  beträgt  an  der  Stel 
♦ir  die  P^dobertiäihe  trifft,  zu  dieser  Zeit  für  die  Aeq 
grgenden  nur  etwa  dreissig  deutsche  Meilen,  aber 
Schatten  bleibt  auf  der  Erdobeilläche  nicht  stehen. 
einem  etwas  erhöhten  Standorte  sieht  man  den  Seh 
kcgel  des  Mondes  mit  ratender  Geschwindigkeit  1 
kommen,  und  das  Gefühl,  als  ob  ein  materieller  C 
stand,  wie  ein  ungeheurer  Rauch,  über  die  Erdober 
fortstürme,  erfüllt  den  minder  eingeweihten  Zuschaw 
Angst  und  Schrecken.  Wenige  Augenbhcke  vor  da 
ginne  der  Totalität  werden  die  helleren  Sterne  sie 
und  der  scharf  begrenzte  schwarze  Mondrand  zeigl 
allseitig  von  einem  meist  niedrigen,  aber  sehr  1 
silberweissen  Ringe  oder  Lichthofe,  der  sogenannte] 
ronuj  umgeben.  Von  der  Corona  aus  gehen  nach 
Richtungen  hin  in  Höhe  und  Breite  unregelms 
wenig  leuchtende  Strahlenbündel,  welche  die 
Mondscheibe  wie  mit  einem  Heiligenschein  umgeben; 
j)H[egt  diesen  ^"Strahlenkranz  wohl  auch  die  Glorie  (^ 
aigrettes;  zu  nennen. 

-  r»'l)«T  «lit's«'  Kinzi'lheittMi  s.  iSer.chi-Schelleii:  „Die  öoune." 
Hi.h>srig,  (i.  U'rsttTiiiann,  löTli. 


SonnenfixiHternisse.  79 

Fig.  44  auf  Seite  107  giebt  ein  von  Dr.  B.  A.  Gould 
mit  höchster  Sorgfalt  angefertigtes  Bild  der  totalen  Sonnen- 
fiusterniss  vom  7.  August  1869,  wie  es  sich  in  Des  Moines 
(Nordamerika)  dem  unbewafifneten  Auge  des  Beobachters 
darbot. 

Wenn  die  Totalität  der  Finstemiss  eingetreten  ist, 
sieht  man  an  verschiedenen  Stellen  dicht  am  Mondrande 
entweder  einzeln  oder  zu  unregelmässigen  Conglomeraten 
zusammengedrängt,  wolkenartige  Massen  von  rosenrother 
oder  blasskorallenrother  Färbung,  die  Protvberanzen.  Sie 
durchsetzen  in  den  wunderlichsten  Formen  die  Corona, 
bald  als  einzelne  Auswüchse  von  ungeheurer  Höhe,  bald 
als  niedrige,  aber  weit  am  Mondrande  hin  verlaufende  An- 
schwellungen. Die  ersten  Protuberanzen  gewahrt  man  in 
der  Regel  auf  der  östlichen  (linken)  Seite  der  Sonne,  wo 
im  Anfange  der  Totalität  der  Mond  den  Sonnenrand  nur 
eben  berührt  und  die  nächste  Umgebung  der  Sonne  noch 
unbefleckt  ist;  in  dem  Masse,  wie  der  Mond  nach  Osten 
(0)  hin  fortrückt,  werden  dann  auch  die  westlichen  Theile 
(W)  der  Sonnenumgebung  frei,  und  es  treten  dann  auch 
hier  die  Protuberanzen  in  grösserer  Zahl  und  in  deutlich 
ausgeprägter  Entwickelung  hervor. 

Die  früheste  Erwähnung  der  Corona  bei  totalen 
Sonnenfinsternissen  findet  sich  bei  Plutahch,  der  die  trotz 
der  vollständigen  Bedeckung  der  Sonne  noch  verbleibende 
Helligkeit  sehr  richtig  dem  hellen  Lichtkranze  um  die 
schwarze  Scheibe  zuschreibt.  Später  erwähnt  Müratori 
die  Corona  bei  einer  Sonnenfinstemiss  im  Jahre  1239  und 
fügt  seiner  Beschreibung  sogar  bei,  dass  man  in  der  Nähe 
des  bedeckten  Sonnenrandes  eine  feurige  Oefi'nung  gesehen 
habe,  was  auf  eine  grosse  Protuberanz  deutet.  Auch 
Clavius    erwähnt    die   Corona   bei    der  Sonnenfinstemiss, 


80  Die  Spectralanalyse. 

die  er  am  21.  August  15G0  zu  Coiinbra  beobachtete.  Die 
früheste  bestimmte  Wahrnehmung  einer  Protuberanz  machte 
Stannyan  aus  Bern  bei  der  totalen  Sonnenfiiisterniss  vom 
12.  Mai  1706,  später  beschrieb  VASSE^^üs  aus  Gothenburg 
in  seinem  Bericht  über  die  Finsterniss  von  1733  vier 
röthhche  Flecke  von  wolkenartiger  Gestalt,  die  bei  d» 
Totalität  ausserhalb  des  Mondrandes  sichtbar  waren. 

Es  unterliegt  gegenwärtig  keinem  Zweifel  mehr,  dass 
diese  merkwürdigen  Gebilde  der  Sonne  angehören  und 
grossartige  Anhäufungen  einer  glühenden  gasigen  Materie 
sind,  von  welcher  der  ganze  Sonnenkörper  umgeben  ist; 
es  kann  daher  nicht  auffallen,  dass  sie  während  der  kurzen 
Dauer  einer  Finsterniss  unter  den  Augen  des  Beobachters 
ihre  Form  verändern;  um  so  mehr  Erstaunen  erregt  die 
ungeheure  Höhe,  bis  zu  welcher  diese  Gassäulen  über  den 
Sonnenrand  hinaus  aufwachsen  können,  eine  Höhe,  die  fiir 
einzelne  dei*selben  mehr  als  20Ü00  deutsche  Meilen  beträgt 

10.  Photo^raphische  Bilder  der  Soniien- 

finsteniiss. 

Ausser  den  für  astronomische  Zwecke,  insbesondere 
zur  genaueren  Ermittelung  der  Durchmesser  von  Sonne 
und  Mond  und  der  Richtung  des  Moudlaufes  wichtigen 
Beobachtungen  der  Zeit  des  1.,  2.,  3.  und  4.  Contactes, 
nehmen  während  einer  totalen  Sonnenfinsterniss  die  Co- 
roiia  nebst  Strahl rnkvanz  und  vor  Allem  die  Protuheranz/eu 
die  Astronomen  in  Anspruch.  Das  ilülfsmittel  der  Beob- 
achtung war  frülier  ausschliesslich  das  Fernrohr;  bei  der 
grossen  Sonnenfinsterniss  vom  28.  JuU  1851  wurde  zuerst 
von  Busen  am  Königsl)erger  Heliometer,  dann  und  mit 
grösserem  Erfolge  l^OO  in  Spanien  an   zwei  verschietlenen 


Photographische  Bilder  der  Sonncnfinsteruiss.  81 

Orten  von  P.  Secchi  und  Warren  de  la  Rue  die  Photo- 
graphie augewandt. 

Da  die  photograjjh Ischen  Aufnahmen  der  Sonne  mittels 
eines  Teleskops  während  der  verschiedenen  Perioden  ihrer 
Verfinsterung  nicht  bloss  die  einzelnen  dabei  auftretenden 
Ei-scheinungen  treu  wiedergeben,  sondern  auch,  wenn  ihrer 
mehrere  nach  einander  und  an  verschiedenen,  nicht  sehr 
nahe  gelegenen  Orten  aufgenommen  werden,  ein  deutliches 
Bild  des  ganzen  Verlaufes  der  Finsterniss  und  der  wäh- 
rend der  Totalität  eingetretenen  Veränderungen  liefern, 
so  werden  die  photographischen  Apparate  in  Zukunft  bei 
allen  bedeutenderen  Verfinsterungen  eine  hervorragende 
Rolle  spielen. 

Im  Wesentlichen  bestehen  alle  Vorrichtungen  dieser 
Art  aus  drei  Theilen:  1)  einem  astronomischen  Fernrohre; 
2)  einem  Uhrwerke,  um  das  teleskopische  Rohr  in  einer 
der  Umdrehung  der  Erde  entgegengesetzten  Richtung  der 
Art  zu  bewegen,  dass  ein  an  das  Fadenkreuz  oder  in  die 
Achse  des  Instrumentes  eingestellter  Stern  ungeachtet  der 
Drehung  der  Erde  diese  Stellung  im  Rohre  nicht  verlässt, 
und  dass  dieses  Rohr  ohne  Zuthun  des  Beobachters  der 
scheinbaren  Bewegung  des  Sterns  oder  irgend  eines  andern 
Objects  am  Himmel  genau  folgt;  3)  dem  photographischen 
Zubehör,  welches  sich  für  das  Instrument  auf  eine  Vor- 
richtung beschränkt,  die  geeignet  ist,  die  Cassette  mit  den 
auf  die  gewöhnliche  Weise  präparirten  Glasplatten  an  der- 
jenigen Stelle  aufzunehmen,  wo  sonst  im  Teleskope  das 
von  dem  Objective  erzeugte  Bild  durch  das  Ocular  direct 
angeschaut  wird,  und  die  einen  Mechanismus  enthält,  um 
das  Sonnenlicht  nach  Belieben  nur  einen  kleinen  Bruch- 
theil  einer  Secunde  oder  mehrere  Secunden  laug  auf  die 
präparirte  Glasplatte  einwirken  zu  lassen. 

ScheUert,  Spectralanalyic.  II.  [j 


82  Die  Spectralanalyse. 

Je  nachdem  das  Teleskop  ein  Reflector  oder  ein  Re- 
fractor  ist,  das  Objectiv  also  aus  einem  Spiegel  oder  einer 
Glaslinse  besteht,  befindet  sich  der  photographische  Theil 
am  oberen  oder  am  unteren  Ende  des  Tubus. 

Die  Fig.  29  zeigt  das  von  John  Browning  in  London 
für  das  indische  Gouvernement  angefertigte  photogra- 
phische Spiegelteleskop,  mit  welchem  Major  Tennant  zu 
Guntoor  die  Sonnenfinsterniss  vom  18.  August  1868  photo- 
graphisch aufgenommen  hat.  Auf  dem  Boden  des  Rohres 
AA^  welches  aus  drei  eisernen,  durch  zwei  Flanschen  CC 
mit  einander  verbundenen  eisernen  Röhren  besteht,  ist 
der  versilberte  Hohlspiegel  B  von  Glas,  Fig.  30y  so  ein- 
gesetzt, dass  man  mit  Hülfe  von  zwei  nach  aussen  hervor- 
ragenden Schrauben  ihm  leicht  diejenige  richtige  Stellung 
geben  kann,  bei  welcher  die  von  ihm  nach  dem  Plan- 
spiegel mn  und  von  diesem  nach  dem  seitlichen  Rohre  R 
reflectirten  Lichtstrahlen  sich  an  der  Oeftnung  von  JB 
zu  einem  kleinen  scharfen  Bilde  des  beobachteten  Gegen- 
standes, z.  B.  der  Sonne,  vereinigen. 

Das  Teleskop  ^^  ist  auf  der  sogenannten  DeclinattonS' 
achse  befestigt  und  am  Ende  dieser  letzteren  durch  ein 
Gegengewicht  D  contrabalancirt.  Der  Declinationskreis 
befindet  sich  zunächst  dem  Gewichte  D,  E  ist  der  auf 
der  Polarachse  GG  befestigte  Stundenkreis;  derselbe  giebt 
auf  dem  festen  Nonius  H  die  gerade  Aufsteigung  (Recta- 
scension)  an.  Da  die  untere  Seite  dieses  Kreises  über  drei 
Frictionsrollen  läuft,  von  denen  zwei  in  der  Figur  sichtbar 
sind,  so  ist  die  Reibung  dieser  der  Erdachse  parallelen 
Polarachse  so  gering,  dass  zui*  Bewegung  derjenigen  Theile 
des  Instrumentes,  welche  bewegt  werden  müssen  und  die 
zusammen  gegen  fünf  Centner  wiegen,  ein  Gewicht  von 
neun  Pfund,  (his  beim  Punkte*  //  an  die  Declinationsachse 


l'hiitogru|>hi*Gtie  Blldur  d^r  äonucuSnatcrDiaii 
Fig.  29. 


angfliängl  ist,  ausreitlit.  Das  Gewicht  des  Teleskops  und 
seines  Gegengewichtes  D,  sowie  das  des  Kreises  E  und 
des  rlamit  in  Verbindung  stehenden  TiiebwerJces  wird  durch 
das  am  Ende   der  Polarachse   angebrachte  (jcwicht  A'  im 


84  Die  Spectrnlanalyse. 

Gleichgewichte  gehalten.  Diese  Achse  GG  trägtydas  Trieb- 
rad /  von  Kanonenmetall,  welches  durch  eine  darunter 
liegende  stählerne  Schraube  ohne  Ende  in  Bewegung  ge- 
setzt wird;  das  Achsenlager  S  dieser  Schraube  kann  seit- 
lich verschoben  und  dadurch  die  Schraube  selbst  nach 
Belieben  in  die  Zähne  des  Triebrades  /  eingerückt  oder 
daraus  entfernt  werden;  letzteres  geschieht,  um  das  Tele- 
skop mit  der  Hand  in  jeder  beUebigen  Richtung  drehen 
und  auf  den  zu  beobachtenden  Gegenstand  einstellen  zu 
können.  Wenn,  nachdem  dies  geschehen  ist,  die  Schraube  S 
in  das  Zahnrad  /  eingerückt  wird,  dreht  sich  das  Teleskop 
nur  unter  dem  Einflüsse  des  Uhrwerkes,  welches  in  einem 


Fig.  30. 


m 


.      ...... -------  ^-    -  ._-  ;  s  i« 


...-t..   ^ 


1 


Gang  der  Lichtstrahlen  im  Teleskope. 

viereckigen.  Kasten  T  von  Bronze  eingeschlossen  ist,  durch 
das  Gewicht  U  getrieben  und  durch  einen  Centrifugalregu- 
lator  K  regulirt  wird  und  ausschliesslich  auf  die  Schraube 
ohne  Ende  und  damit  auf  das  Triebrad  /  und  die  Polar- 
achse GG  einwirkt. 

Wie  Fig.  30  zeigt,  werden  die  in  paralleler  Richtung 
auf  den  Hohlspiegel  B  von  QV'j  Zoll  Durchmesser  auf- 
fallenden Sonnenstrahlen  so  reflectirt,  dass  sie  sich  in  einer 
Entfernung  von  5  Fuss  9  Zoll  (Brennweite)  vereinigen 
würden.  Vor  diesem  Brennpunkte  aber  steht  der  Diagonal- 
spiegel m?i,  der  die  couvergirenden  Strahlen  seitwärts  re- 
flectirt und  in  das  Ocularrohr  R  bringt.  Die  Strahlen 
vereinigen  sich  etwas  ausserhalb   des  Rohres  R  zu  einem 


i'hotofp^phisrhe  Blliler  Aer  SonnebfiimterniKii.  85 

Punlcto,  wenn  der  leuchtende  Gegenstand  ein  Punkt,  oder 
nur  sehr  wenig  grösser  als  ein  Punkt  ist;  da  aber  der 
Durchmesser  der  Sonne  unter  einem  Winkel  von  ungefähr 
Z2  Minuten  erscheint,  so  ist  das  Bild  derselben  im  Brenn- 
punkte etwas  grösser  als  %  Zoll. 

Das  Ocularrohr  R  dient  zur  Aufnahme  des  photo- 
graphiscben  Theiles  und  enthält  zu  diesem  Zwecke  zu- 
nächst ein  Rohr  c,  Fig.  31,  welches  sich  mit  Hülfe  von 
zwei  Federn  /  ganz   genau   anschliessend   und  ohne  Licht 

Fig.  31. 


oder  Staub  durchzulassen  vermittels  der  starken  Schraube 
d  hin-  und  herschieben  lässt  Auf  den  Kopf  dieses  innern 
Rohres  c  wird  die  Cassette  ee,  Fig.  32,  mit  der  empfind- 
lich gemachten  Platte  zur  Aufnahme  des  photographischen 
Bildes  aufgesteckt.  Die  Einrichtung  dieser  letzteren  ist 
aus  der  Figur  leicht  zu  erkennen.  Nachdem  der  undurch- 
sichtige Schieber  b  einwärts  geschoben  ist  und  damit  die 
vier  feinen  Silherfädeii  bedeckt  sind,  wird  die  präparirte 
Platte  auf  die  vier  in  den  Ecken  befindlichen  silliemen 
Plättchen  gelegt  und  die  Thür  a  geschlossen.    Die  Cassette 


K6  llif  SjierlralanalysB. 

wird  dann  auf  den  Kopf  von  c,  Fli/.  31,  gesteckt,  der 
Schieber  b  zurückgezogen  und  so  die  Platte  der  Einwir- 
kung <les  Liclitctj  ausgesetzt.  Nach  erfolgtem  Exponiren 
wird  b  wieder  eingeschoben,  die  Cassette  abgeuommen  und 
eine  andeie  mittlerweile  praparirte  Platte  nebst  neuer 
Cassettc  auf  das  Teleskop  aufgesetzt. 

Um  die  Operationen  während   der  kurzen  Dauer   der 
Vertinsterung  nicht  aufzuhalten,   waren  bei  der  Aufnahme 


der  Sonnentinstenüss  sechs  Cassetten  mit  eben  so  vielen 
Platten  vorhanden.  Das  Kreuz,  welches  die  vier  Silber- 
fäden  auf  jeder  Platte  abzeichnete,  und  das  dazu  diente, 
die  genaue  Lage  der  Soonenachse  auf  jedem  photographi- 
schen Uilde  erkennen  zu  lassen,  musste  in  voller  Schärfe 
erscheinen ;  zu  diesem  Zwecke  waren  die  Fäden  nur  Vj^  Zoll 
von  der  präparirten  Seite  der  Platte  entfernt;  dennoch 
musste  der  sehr  dünne  Schieber  h  sich  mit  völliger  Sicher- 
heit zwischen  den  Fiiden  und  der  Platte  bewegen  lassen, 
ohne  den   einen   oder   den    anderen  Theil   zu    berühren. 


I'h')lugriiiihi>»!lir  Hiliiizr  il«  SoiiiiiM]linsl.»-r]iiBS.  87 

Iturch  vorluTgängige  Proben  wurde  der  Brcnnputjkt  fiu- 
die  riatteu  oder  die  Stelle,  bis  wie  weit  das  Rohr  c  (Fig.  31) 
aus  RJi  herausgeschraubt  werden  nmsste.  ermittelt  Zu 
diesem  Zwecke  befand  sich  im  Rückeu  der  Thür  a  (Fig.  2!l) 
ein  runder  Schieber,  der.  wenn  er  geöffnet  war.  einen  Eiji- 
blick  in  die  Cassette  und  auf  das  eingesetzte  matte  Glas 
gestattete. 

Die    beiden    Abbildungen    der   Fig.  33   sind    getreue 
Copien   der  von   de  la  Rüe   um   lö.  Juli  ISGU  zu   Riva- 


Fig.  33. 


bellosa  in  Spanien  aufgenommenen  Photographion,  von 
denen  die  erste  das  Stadium  der  Finatemiss  um  3  Uhr 
0  Minuten  40  Secunden,  die  zweite  um  3  Uhr  ä  Minuten 
50  Secunden  (Gr.  m,  Z.)  darstellt.  Die  Corona  erscheint 
rings  um  den  tief  schwarzen  Mond  nur  eben  in  einem 
aanften  Lichte;  intensiver  zeigen  sich  die  Protuberanzen 
na  verschiedenen  Stellen  in  der  Corona,  und  unter  ilineii 
erreicht  eine  auf  der  dfeeren  linken  Seite,  von  de  la  Rue 
in  der  Form  mit  einem  türkischen  Säbel  verglichen,  die 
ganz   ungeheure   Höhe  von  15000  Meilen.     Die  sti-ahlen- 


88  Die  Siipclrolanaljao. 

förmige,  von  der  Corona  auslaufende  Glorie  erscMen  dem 
unbewaffneten  Auge  und  im  Teleskop  von  besonderer 
ScbÖnlieit,  aber  ihr  Licht  war  zu  schwach,  als  dass  es 
einen  photographischen  Eindruck  auf  die  exponirten  Platten 
hätte  ausüben  können, 

John  Bbownino  hat  auf  Anregung  von  Aiet  ein  zu 
photographis<;hen  Aufnahmen  von  Sonnenfinsternissen  die- 
nendes  Teleskop   verfertigt,   dessen   Aufstellung  so  einge- 


richtet ist.  dass  sie  ttir  alle  geographischen  Breiten  vom 
Aequator  bis  zu  den  Polarkreisen  und  darüber  hinaus  be- 
nutzt werden  kann.  Dieses  Univei-sal-Aequatorial  ist  in 
Fitf.  34  dargestellt.  Nach  dem  Vorhergehenden  ist  diese 
Zeichnung  sofort  verständlich.  A  ist  die  Polarachse,  die 
an  der  Wiege  HB  befestigt  ist,  CC  ein  Bogen,  der  in 
jeder  Lage  mittels  Schrauben  geklemmt  werden  kann. 
Man  kann  dalier  unter  jeder  beliebigen  Breite  der  Polar- 
achse .1    diejenige    Neigung    gegen    den    Horizont   geben, 


Phot«)graphisrh«'  BiM»T  »1er  SoiiiH'nfin.sterniss.  80 

welche  die  Polliöhe  des  betreft'enden  Ortes  erfordert.  1)  ist 
endlich  das  Uhrwerk,  welches  das  Instrument  treibt,  so 
dass  das  Sonnenbild  unverrückt  auf  demselben  Punkte  der 
Platte  verharrt. 

Zur  Aufnahme  von  photographischen  Bildern  der  Sonne 
haben  die  Spiegelteleskope  manche  Unbequemlichkeit  und 
man  bedient  sich  deshalb  gegenwärtig  zu  diesem  Zwecke 
meist  der  Refractoren.  Anfangs  bot  der  Refractor  freiUch 
neue  Schwierigkeiten,  indem  Femrohre  dieser  Art  nicht 
für  die  chemischen  Strahlen  achromatisirt  sind,  so  dass 
also  die  Brennweite  für  die  vorzugsweise  photographisch 
wirksamen  chemischen  Strahlen  eine  andere  ist  als  für  die 
optisch  wirksamen.  Man  hat  diese  Schwierigkeit  gehoben, 
indem  man  besondere  Objectivgläser  construirte,  welche 
die  chemischen  Strahlen  in  derselben  Weise  vereinigen, 
wie  die  gewöhnlichen  Objective  die  optischen,  oder  indem 
man  die  l)eiden  Linsen  des  gewöhnlichen  Objectivs  etwas 
von  einander  entfernte,  oder  indem  man  durch  Versuche 
feststellte,  bei  welcher  Stellung  der  Cassette  die  schönsten 
Bilder  entstanden. 

Fig,  So  zeigt  das  ücular,  welches  Secchi  behufs  Photo- 
graphirung  am  neunzolligen  Refractor  der  Sternwarte  des 
CoUegium  Romanum  zu  Rom  anbringen  Hess.  Dasselbe 
ist  von  D ALLMAYER  in  London  angefertigt  worden.  Das 
aus  achromatischen  Linsen  zusammengesetzte  positive  ücu- 
lar 0  dient  dazu,  das  Bild  zu  erzeugen;  P  ist  die  mit 
einem  Spalte  F  und  etwas  höher  mit  einem  kreisförmigen 
Diaphragma  versehene,  in  verticaler  Richtung  sich  bewegende 
Platte.  Die  Platte  I)  lässt  sich  in  horizontaler  Richtung  ver- 
schieben; sie  ist  mit  zwei  Oeft'nungen  versehen,  von  denen 
die  eine  ganz  frei,  die  andere  aber  von  zwei  unter  rechten 
Winkeln  gestellten  Mikrometertädcn  durchkreuzt  ist.    V  ist 


90  Die  S]ieclrBlanBlj>ie. 

eine  Feder  von  Kautschuk  oder  eine  stählerne  Spiralfeder, 
um  die  Platte  P,  wenn  sie  frei  ist,  in  verticaler  Richtung 
rasch  herabzuziehen;  C  ist  ein  Faden,  der  die  Platte  bis 
zum  Beginn  der  Operation  hoch  zu  halten  bat 


Fig.  35. 


Die  ganze  Vorrichtung  wird  nebst  einer  inwendig 
ganz  geschwärzteu  Camera  Ji,  Fig.  ^6,  auf  den  Kopf  des 
Fern  roh  roculars  0  gesteckt.  Letztere  ist  eine  ganz  ge- 
wöhnliche photographische  Kammer,  welche  unten  mit 
einem  Falze  zur  Aufnahme   der  matten  und  collodionirten 


rholoffTBiihiKchc  Bilder  der  Sonnen flq st erni km.  PI 

Gla^|)l;ttteii  versehen  ist,  und  deren  Dimensionen  sich  nacli 
der  Grösse  der  aufzunehmenden  Bilder  richten.  Durch 
Herausschrauben  des  Oculars  0  lässt  sich  das  BihI  der 
Sonne    auf    einer    an    das   Knde    der   Caniem   R   einge- 

Fig.  3ü. 


pholojriphlMhfr  Ciiiii 


Behobenen  matten  Glasscheibe  scharf  einstellen.  Die 
photographische  Operation  geschieht  in  folgender  Weise: 
Nachdem  die  Platte  P  so  gestellt  ist,  dass  die  Licht- 
strahlen das  matte  Glas  treffen  können,  wird  das  Oculnr 
wie  beim  gewöhnlichen  Photogrii|»hireii  scharf  eingestellt 
und   die   Platte  P  darauf  so   weit  in   die   Höhe  gezogen 


f>2  Die  Spectralanalyse. 

(lass  der  Spalt  F  sich  ganz  über  dem  Lichtkegel  be- 
findet ;  in  dieser  Lage  wird  die  Platte  durch  die  Schnur  C 
festgehalten.  Nachdem  dann  an  die  Stelle  des  matten 
(Jhises  die  priii)arirte  Platte  eingeschoben  worden  ist,  wird 
die  Schnur  durchschnitten;  der  Spalt  F  passirt  nun  unter 
Einwirkung  der  Feder  V  den  Lichtkegel  mit  grosser  Ge- 
schwindigkeit und  die  Lichtwirkung  hat  stattgefunden. 
Das  Bild  wird  dann  hervorgerufen  und  auf  die  gewöhn- 
liche Weise  tixirt. 

Einer  ähnUchen  Vorrichtung  haben  sich  Vogel  und 
LoHSK  in  Bothkanip  zu  fortlaufenden  photographischen 
Aufnahmen  der  Sonne  bedient.  Der  Durchmesser  des  in 
dem  Brennpunkte  des  dortigen  elfzoUigen  Refractors  ent- 
stehenden Sonnenbildes  beträgt  ungefähr  50  mm.  Dieses 
Bild  wurde  zunächst  durch  einen  von  Schröder  ver- 
fertigten Vergrüsserungsai)parat  so  weit  vergrössert,  dass 
die  erzeugten  Photographien  einen  Durchmesser  von  105  mm 
erliiclten.  Der  angewandte  Apparat  besteht  aus  zwei  achro- 
matischen Linsen,  von  denen  die  vordere  kleinei*e,  die  der 
photographischen  Platte  am  nächsten  liegt,  eine  Oeffhung 
von  30  mm  und  eine  Brennweite  von  102  mm,  die  andere 
grössere  eine  Üeft'nung  von  50  mm  und  eine  Brennweite 
von  147  mm  besitzt.  Die  Entfernung  beider  beträgt 
136  mm.  Die  Linsen  sind  so  combinirt,  dass  die  ver- 
grösserten  Bilder  möglichst  frei  von  Verzerrung  sind. 

Die  Camera  obscura,  die  zu  der  photographischen 
Aufnahme  der  Sonne  verwendet  wurde,  besteht  aus  zwei 
mit  Hülfe  einer  Schraube  in  einander  verschiebbaren  Kästen, 
die  der  Leichtigkeit  wegen  aus  Cedeniholz  gefertigt  sind. 
Dieselbe  wird  mittels  der  Hülse  des  Vergrösserungsappa- 
rates,  die  zwei  (iewindc  trägt,  von  denen  das  eine  Unks, 
das  andere  rechts  geschnitten  ist,   an  die  gusseiserne,   das 


Photographische  Bilder  dor  Sonnenfinsterniss. 


93 


untere  Ende  des  Fernrohrs  verschliessende  Platte  geschraubt, 
welche  auch  zur  Befestigung  des  Spectralapparates  und 
des  Ocular-Ansatzes  dient  Innerhalb  der  Camera  wird 
an  der  Fassung  der  oben  erwähnten  kleineren  Linse  der 
Moment- Verschluss  angebracht.  Dieser  besteht,  wie  aus 
Fig,  37  hervorgeht,  aus  einem  länglichen  Brettchen  a,  auf 
dem  sich  mit  möglichst  wenig  Reibuilg  ein  Schlitten  h  be- 
wegt, der  eine  spaltförmige  Oeffnung  s  besitzt,  deren  Weite 

Fig.  37. 


MomentTerschluss  am  Bothkamper  Refractor. 


verändert  werden  kann.  Dieser  Schlitten  ist  ebenfalls  aus 
Holz  gefertigt,  jedoch  auf  der  inneren  Seite  mit  Blech  be- 
legt. Er  trägt  einen  kleinen  dreiseitig  prismatischen  An- 
satz c  von  Messing,  der  sich,  wenn  man  die  Feder  d 
spannt,  in  den  Anker  des  Elektromagneten  e  einhaken 
lässt.  In  dieser  Stellung  verschliesst  der  untere  Theil  des 
Schlittens  b  die  vordere  Linse  des  Vergrösserungsapparates 
lichtdicht.  Der  Elektromagnet  steht  durch  eine  Draht- 
leitnng  mit  einem  galvanischen  Elemente  in  Verbindung. 
Bei   SchHessung   des  Stromes   wird   der  Anker  angezogen 


94  Die  S[H>(ttr.ilunalyKe. 

und  der  Schlitten  der  Zugkraft  der  Feder  ausgesetzt. 
Hierdurch  wird  bewirkt,  dass  der  erwähnte  Spalt  vor  einer 
in  dem  viereckigen  Krcttchen  a  befindlichen,  der  Grösse 
der  vorderen  Linse  entsprechenden  runden  Oeftnung  vor- 
beigezogen und  auf  diese  Weise  die  empfindliche  Platte 
den  Strahlen  der  Sonne  während  der  kui'zen  Zeit  des 
Vorüberganges  des  Spaltes  ausgesetzt  wird.  In  der  Stel- 
hmg,  in  der  der  obere  Theil  des  Schlittens  die  Linse 
wieder  bedeckt,  wird  die  Bewegung  durch  zwei  Messing- 
stifte aufgehoben. 

Die  Auslösung  des  Monientvei'schlusses  auf  elektrischem 
Wege  zu  bewerkstelligen,  hat  den  Vorzug,  dass  Erschütte- 
rungen des  Fernrohrs  ganz  vernn'eden  werden.  Auch  lassen 
sich  die  Leitungsdrälite  leicht  lichtdicht  in  die  Camera 
einlühren. 

VüüEL  und  1^)HSK  lieben  als  wichtig  hervor,  dass  der 
Momentverschluss  im  Innern  des  Fernrohres  angebracht 
werde  und,  um  die  Dauer  der  Exposition  möglichst  abzu- 
kürzen, dahin  zu  verlegen  sei,  wo  der  Querschnitt  des 
Strahlenkegels  ein  Minimum  ist  Eine  Verschlussvorrich- 
tung am  Objectiv  ist  ganz  zu  verwerfen.  Besondere  Er- 
wähnung verdient  noch  eine  Einrichtung  der  Cassette  für 
die  lichtemptindliche  Platte,  durch  welche  es  möglich  ist,  die 
Richtung  der  täglichen  Bewegung  auf  den  Photographien  mit 
grosser  Schärfe  anzugeben,  ohne  dass  es  nöthig  wird,  einen 
Draht  im  Brennpunkte  des  Fernrohrs  auszuspannen  and 
durch  dessen  Bild  die  Photographien  zu  entstellen.  Die  Ein- 
lage in  der  Cassette  trägt  zu  diesem  Zwecke  an  der  bei  der 
Exposition  zu  unterst  ijetindlichen  Seite  zwei  eingekittete 
( rlasstäbchen,  auf  w(»lche  die  photographische  Platte  mit 
einer  gut  plangeschliftVnen  Kante  aufgesetzt  wird.  Vor 
der  F^xpt)siti()n  wird  in  diese  Cassette  eine  matte  Glasplatte 


Photographische  Bilder  der  Sonnenfiuaternisa.  05 

eingelegt,  deren  untere  Kante  ebenfalls  plangeschliifen  ist 
und  auf  welcher  parallel  dieser  Kante  eine  Linie  gezogen 
wurde.  Diese  Platte  wird  in  der  Cassette  von  zwei  Federn 
festgehalten,  um  bei  schräger  Stellung  des  Femrohrs  ihr 
Herausfallen  zu  verhindern,  sobald  man  die  Cassettenthür 
und  den  Schieber  öffnet.  Die  Einstellung  auf  die  Richtung 
der  täglichen  Bewegung  erfolgt  nun  so,  dass  man  die 
Camera  dreht,  bis  das  Bild  eines  kleinen  Sonnenflecks  auf 
der  erwähnten  Linie  läuft.  Ersetzt  man  später  diese  matte 
Scheibe  durch  die  sensitive  Platte,  so  ist  die  ebenfalls 
plangeschhffene  untere  Kante  der  letzteren  auch  parallel 
der  Richtung  des  scheinbaren  Parallels,  und  kann,  da  die 
Zeit  der  Exposition  bekannt  ist,  später  mit  Leichtigkeit 
die  Lage  des  Sonnenäquators  auf  der  photographischen 
Platte  angegeben  werden. 

Um  sowohl  die  Luft  im  Innern  des  Femrohrs  als 
auch  den  Schieber  des  Momentverschlusses  während  der 
photographischen  Aufnahme  nicht  unnöthig  zu  erhitzen, 
ist  das  Objectiv  durch  eine  Klappe  verschlossen,  welche 
von  unten  mit  Hülfe  eines  Fadens  dirigirt  werden  kann 
und  erst  kurz  vor  der  Exposition  geöffnet  wird.  Die 
Dauer  der  Exposition  ist  verschieden  und  richtet  sich 
nach  dem  Zwecke,  den  man  dabei  verfolgt,  und  nach  der 
Grösse  des  Objectivs.  Bei  einer  Oeffnung  von  95  mm 
schwankt  nach  Vogel  und  Lohse  die  Expositionszeit  je 
nach  dem  Stande  der  Sonne  zwischen  0,005  und  0,008 
Secunde.  Diese  Zeitangabe  gilt  jedoch  nur  für  die  ge- 
wöhnliche Aufnahme  von  Sonnenflecken.  Handelt  es  sich 
bei  einer  totalen  Sonnenfinsterniss  um  photographische 
Aufnahme  von  Protuberanzen,  so  ist  dafür  eine  Expositions- 
dauer von  1  Secunde  bis  zu  5  oder  7  Secundeu  erforder- 
lich.    Soll   endlich   die   Corona  photographiil   werden,   so 


96  Die  Spectralanalyse. 

ist  in  günstigen  Fällen  Vi  Minute,  häufig  aber  1,  ja  l'/s 
Minuten  Zeit  erforderlich.  Bei  einer  so  langen  Ebcposition 
wird  das  Bild  der  Protuberanzen  auf  der  Platte  wieder 
undeutlich. 

11.   Die  totale  Sonnenflnsterniss  vom  18.  Ang.  1868. 

Die  erste  totale  Sonnenflnsterniss,  gelegentlich  deren 
die  spectroskopische  Untersuchung  der  alsdann  sichtbaren 
Sonnenphänomene  eintreten  konnte,  war  diejenige  vom 
18.  August  1868.  Sie  wird  deshalb  für  alle  kommenden 
Zeiten  in  der  Geschichte  der  Wissenschaft  merkwürdig 
bleiben,  und  da  sie  gleichzeitig  den  Ausgangspunkt  für 
eine  Reihe  späterer  Specialuntersuchungen  bildet,  so  ist 
es  nöthig,  hier  etwas  eingehender  auf  sie  zurückzugreifen. 

Nicht  überflüssig  ist  zunächst  die  Bemerkung,  dass 
totale  Sonnenfinsternisse  für  einen  bestimmten  Ort  zu  den 
seltensten  Himmelserscheinungen  gehören.  London  sah 
deren  keine  seit  1715  und  Berlin  wird  erst  am  19.  August 
1887  die  nächste  totale  Sonnenfinsterniss  haben.  Paris 
erblickt  im  ganzen  neunzehnten  Jahrhundert  keine.  Die 
Finsterniss  vom  18.  August  1868  fordei*te  daher  mit  Recht 
die  Gelehrten  aller  Nationen  zu  ihrer  Beobachtung  auf, 
und  wir  übertreiben  nicht,  wenn  wir  sagen,  dass  sie  vielleicht 
mehr  als  irgend  eine  andere  astronomische  Erscheinung 
unseres  Jahrhunderts  das  Interesse  der  Völker  in  Anspruch 
genommen  hat.  Die  Zone  der  totalen  Verfinsterung  durch- 
schritt in  einer  Breite  von  dreissig  Meilen  vorzugsweise 
die  südlicheren  Theile  Asiens  von  Ade7i  über  Hindustan^ 
Malakay  ßorneoj  Celebes  u.  s.  w.,  und  es  wurden  von 
Deutschland^  Oesterreichj  Frankreich  und  England  Ex- 
peditionen ausgesandt,  die  von  namhaften  Astronomen  ge- 


Di«  totale  SonueiiAtiilcniiMi  vom  18.  August  18C8.  97 

leitet  und  mit  allen  Beobacbtungsniitteln  der  vorzüglicbstca 
Art  auf  das  reichste  ausgerüstet  wurden. 


In  Fig.  38  ist  die  Zone  der  totalen  Finstemiss  zwi- 
schen Aden  und  der  Torres-Strasse,  auf  welcher  die  Beob- 
achtungen stattfanden,  abgebildet;  der  mittlere  dunklere 
Strich  bezeichnet  die  Mitte  des  Schattenweges,  auf  welchem 


98  Die  Sportralanalyse. 

die  Finsterniss  die  grösste  Dauer  hatte.  Der  Berechnung 
nach  begann  die  totale  Verfinsterung  auf  der  Elrde  über- 
haupt am  18.  August  4  Uhr  20  Min.  früh,  wahrer  Berhner 
Zeit,  an  einem  Orte  südlich  von  Khartum  am  NiU  der 
53^33'  östlich  von  Ferro  liegt  und  dessen  nördliche  geo- 
graphische Breite  IP 14'  beträgt.  Der  Kemschatten  streifte 
mit  seinem  Nordrande  Gondar,  ging  über  den  Zanasee 
hinweg,  passirte  die  Strasse  Bab-el-Mandeb^  gelangte  nach 
Ad4m^  wo  unsere  Zeichnung  beginnt,  ging  durch  das  ara- 
])ische  Meer  nach  Vorderindien,  wo  die  Ortschafben  Sam- 
khandi\  Beejapoor^  ifoolwar,  Guntoor^  Mastilipatam  nahe 
der  ContraUinie  lagen  und  die  Dauer  der  Totalität  zwischen 
5  Minuten  10  Secunden  und  5  Minuten  45  Secunden  be- 
trug. Im  Meerbusen  von  Bengalen  und  auf  der  Afalajischen 
Halbinsel  fWha  Tonne)  nahm  die  Dauer  noch  zu,  bis  sie 
im  Golf  von  Siam  ihren  grössten  Werth  von  6  Minuten 
50  Secunden  erreichte.  Die  Totalitätszone  durchschritt 
dann  die  Südspitze  von  Anam^  ging  nach  dem  nördlichen 
Theile  von  ßornm  und  Celebes  und  mitten  zwischen  der 
Inselgruppe  der  Molukken  hindurch.  Der  Schattenkegel 
traf  ferner  noch  die  südliche  Ausbuchtung  von  Neu-Guinea, 
die  nördlichste  Spitze  von  Australien  und  zog  endlich 
durch  das  Korallenmeer  imd  die  Neuen  Hebriden,  wo  man 
die  Sonne  verfinstert  untergehen  sehen  musste. 

1)  Der  Nord drut sehe  Bund  sandte  zwei  Expeditionen 
aus,  von  denen  die  eine  aus  dem  Bonner  Astronomen 
Dr.  TinELE  und  den  Berliner  Photographen  Dr.  Vogel, 
Dr.  ZenkJ':r  und  Dr.  Fritsch  bestand  und  ihren  Standort 
in  Aden  wählte,  die  andere,  bestehend  aus  Prof.  Spöreb 
aus  Anklam,  Dr.  Tietjen  aus  Berlin,  Dr.  EngeIxMann  aus 
Leipzig  und  Koppe  aus  Berlin,  sich  ü])er  Bombay  nach 
dem  Orte  3foo/«v/r  (vier  Meilen  südlich  von  Beejapoor)  begab. 


Die  totale  Sonnenfinsternis«  vom  18.  An«rnst  1868.  99 


O" 


2)  Die  österreichische  Expedition  unter  Dr.  Weiss, 
Dr.  Oppolzeb  und  dem  SchiflFslieutenant  Rziha  verblieb, 
wie  die  erste  Abtheilung  des  Norddeutschen  Bundes,  in 
Aden. 

3)  Frankreich  sandte  ebenfalls  zwei  Expeditionen  aus; 
die  eine,  unter  Führung  des  in  spectralanalytischen  Beob- 
achtungen vielerfahrenen  Physikers  Janssen,  wählte  ihren 
Standort  in  Guntoor;  die  andere,  bestehend  aus  dem  Astro- 
nomen der  Marseiller  Sternwarte,  Stephan,  den  Physikern 
Ratet  und  Tisserand,  dem  Ingenieur  Hatt  u.  A.,  ging 
weiter  nach  der  Halbinsel  Malaka  zu  dem  kleinen  Orte 
WTui'Tonne  nahe  am  Meere. 

4)  Englands  Expeditionen  waren,  wie  die  vorigen, 
vortrefflich  ausgerüstet;  die  eine,  unter  der  Führung  von 
Lieutenant  Heeschel,  stellte  ihre  Instrumente  auf  der 
westlichen  Küste  von  Vorderindien,  zu  Samkhandi  in  der 
Nähe  von  Beigaura  auf;  eine  andere  Abtheilung  unter 
den  Capitänen  Haig  und  Tanner  ging  nach  Beejajpoor; 
während  die  dritte,  geführt  von  dem  Major  Tennant  und 
vorzugsweise  für  photographische  Aufnahmen  eingerichtet, 
sich  weiter  östhch  nach  Guntoor  wandte,  wo  auch  Janssen 
sich  befand. 

5)  Die  Väter  der  Gesellschaft  Jesu  zu  Manila  auf  den 
Philippinen  rüsteten  eine  kleine,  aus  den  P.  P.  Fauro, 
NoNELL  und  RiCART  bestehende  Expedition  nach  einer 
Koralleninsel  in  dem  Eingange  zum  Golfe  von  Tomini  oder 
Garontolo,  Mantawaloc-K^ke  genannt,  aus,  die  in  Gemein- 
schaft mit  dem  Capitän  des  englischen  Kriegsdarapfschiflfes 
„Sergent",  Charles  Bullock,  mit  grossem  Erfolge  die 
einzelnen  Erscheinungen  der  Finstemiss  verfolgt  hat.  Ihr 
Staudort  befand  sich  unter  0*^32' 50"  südlicher  Breite  und 
123^  27' 2b"  östlicher  Länge  von  Greenwich. 

7* 


100  Die  Spectralanalyse. 

Bei  der  Finsterniss  beschäftigten  sich  mit  photo- 
graphischen  Aufiiahinen : 

1)  Die  norddeutsche  Expedition  in  Aden  unter 
Dr.  Vogel,  Dr.  Zenker,  Dr.  Fritsch  und  Dr.  Thiele. 

2)  Die  englische  Expedition  in  Guntoar  unter  TKSSAifT. 
3;  Die  Expedition  der  Jesuiten  von  Manila  auf  Mau- 

ta  waloc'  Ki'h'. 

Von  den  durch  Dr.  Vogel  erhaltenen  PhotographieD 
ge1)eti  die  Fifig.  S9^  40,  41  und  42  getreue  ReproducticmeiL 
Auf  der  ersten  (Fig.  39)  ei*scheint  der  dunkle  Mondiand 
umgeben  von  einer  lieihe  eigenthümlicher  Erhebimgen  auf 
der  einen  SeiUs  und  auf  der  anderen  ist  eine  groaee  hörn- 
lorinige  Pro  tu  beranz  sichtbar. 

Die  zweite  Phitte  zeigte  bei  der  Entwickelang  mir  gani 
schwache  Spuren  eines  Bildes;  Yorüberziehende  Wolken- 
schleier hatten  im  Augenblick  der  Exposition  die  pkoto- 
graphische  Wirkung  fast  gänzlich  verhinderL  Die  dritte 
Platte.  Fiy,  40,  (in  der  dritten  Minute  der  Totalität)  zeigt 
wdeder  zwei  gelungene  Bilder  mit  Protuberanzen  am  untern 
Rande  (im  umkehrenden  Teleskop).  Das  vierte  Bild  end- 
lich (Flij.  41)  wurde  im  letzten  Momente  der  Totalität 
aufgenommen  und  liess  die  bereits  im  dritten  Bilde  er- 
schienenen Protuberanzen  der  westlichen  Sonnenseite  uocb 
deutlicher  hervortreten. 

Wenn  man  die  während  des  ganzen  Verlaufes  der 
Finsterniss  photogiaphisch  aufgenommenen  Protuberanzen 
zu  einem  Bilde  vereinigt  (Fig.  42),  so  erhält  man  einen 
annähernd  richtigen  (Jesammtanblick  der  Art  und  Weise, 
wie  die  Protuberanzen  zur  Zeit  der  Finsterniss  um  den 
Sonnenrand  herum  vertheilt  waren.  Das  Licht  der  Corona 
war  in  seinen  chemisdien  Wirkungen  zu  schwach,  um  in 
der   kurzen  Expositionszeit  einen  Eindruck   auf  den   prii- 


•'.  August  I 


IUI 


jiarirtea  Platten  2a  hinterla^en.  Dasselbe  wm^e  jedoch  Anf 
iWm  StaüoD^n  itn  Teleskope  uod  selbst  mit  freiem  Ange 
iii  toller  Pracht  gesehen. 

Die   grosse    Pro  tuberanz    am    östlichen    Sonnenruide 


hatte  eine  Höhe  von  uiigetiibr  '  i,  des  Sonnend  urchmeäscn 
oder  Yon  14000  geographischen  Meilen. 

Wir  besitzen  g^euwärtig  von  den  meisten  Beobachtern 
mthr  oder  weniger  soEgTiiltrg  ausgeführte  Abbildungen  der 
auf   denen   die    Protuberaiizeu    verschieden    an 


10» 


Dif  SjirclriUaiulync. 


Grösse  und  Lage  eingezeichnet  sind.  Wenn  wir  i 
von  solcbi^ii  liilUeni,  die  untar  dem  AushüDgcschildc  pboU>- 
grapbisiJier  Copicn  Ju  den  Htintlc;!  gebracht,  in  iler  Thal 
a)>er  nach  di;r  I'hiiiitasie  des  Zeichotifs  aiigefertigt  unJ 
bloss  auf  Effect  Ijerecliuet  sind,    ao  liegt   der  Gnmd  n 


(n.  BiU.) 


der  grossen  Verscbiedenheit  dieser  Bilder  incist  duriu, 
dass  die  Sounuiischoibe  seibat  eine  andere  Lage  zum  Hori- 
zonte des  Beobachters  hat,  wenn  sie  anfgeht.  als  zur 
Mitta^'szeit  oder  am  Abende.  Eine  und  dieselbe  Protu- 
beranz  erscheint  daher  in  einem  Kildf,  welehes  in  der 
ri'iibt-  des  Murgens  in  Aden  uufgenonuneu  wurde,  in  Bezog 
auf  deu  Horizont  iuiders  uls   in  eiiii'iii  Bilde,   welubes  ma 


4 


.  August  1 


103 


ilic  Mittagszeit  etwa  auf  Celebes  gezeichaet  wurde.  Ausser- 
dem aber  liegt  due  erhebliche  Zeitdiffereoz  (circa  siobeu 
Standen)  zwischen  dem  Mittelpunkte  der  Totalität  aa  dem 
wea  Eude  der  Beobachtungezoue  in  Aden  und  dem  amlcru 
luf  Celebes,    und    in   dieser   Zeit   treten   erwieBenermasseu 

Fig.  U. 


I   I80e.     tAAaa.)     im.  Bild 


^^^^H  Yerändeniugeu  in  der  Lage  und  Grösse  der  Pro- 
^^Hnwizeu  ein.  Nimmt  man  noch  hinzu,  doss  das  Bild 
der  Totalität  im  astronomischen  Ferm-ohre  gesehea,  sowohl 
in  Bezug  auf  Rechts  und  Links,  als  auf  Oben  und  Unten 
amgekcbrt  erscheint,  so  begreift  man  leicht,  dass  die  ein- 
sclnen  Bilder  der  Finstemiss,  je  nachdem  sie  an  dem  einen 
dem   anderen  Orte   mit  dem   blossen  Auge  oder  mit 


104 


Die  S|)?rtriitaiulyM. 


einem  umkehrenden  Fernrohre  heobacbtet  worden  ist,  9äit 
von  einander  abweichende  Ansichten  darbieten. 

Wenn  die  Sonne  zur  Mittagszeit  Bin  höchsten  siAt, 
nennen  wir  ihren  höchsten  I'uukt  den  wahren  XordpvHit, 
ihren  tiefsten  den  Süd/mnkl.   Richtet  mau  dann  das  Gesidit 


zur  Sonne,  so  Hegt  ihr  Otlpunkt  um  90"  vom  Nordpunkt 
entfernt  zur  Linken,  der  Westpunkt  um  eben  so  viel  jur 
Rechten.  Wie  man  aus  der  Fig.  43  näher  crBieht,  rechnet 
man  vom  Nordpunkte  (O^J  nach  links  üher  Osten  (SO*), 
Süden  (löO"),  Westen  (270")  ruud  um  den  Sonnenrand 
herum,  indem  man  diesen  in  360°  eintheilt. 


I   18,  Angnsl   1868. 


105 


Betrachtet  man  dagegen  zu  irgend  einer  anderen  Tages- 
zeit die  Sonne,  so  bildet  die  auf  der  Sonnenscheibe  ge- 
daofat«  und  durch  daa  Fadenkreuz  leicht  zu  erlialtende 
verticaU  Linie  die  scheinbare  Nordsüdlinie,  deren  höcbstfir 


Punkt  der  arkeinbare  Nordpmikt.  der  entgegengesetzte  der 
scheinbare  Südpunkt  genannt  wird.  Es  ist  nun  für  den 
Astronomen  leicht,  au  jedem  Orte  und  zu  jeder  Zeit  ver- 
mittels der  geograpliischen  Ureile  und  der  Zeit  der  Be- 
obaclitung   aus  dem  scheinburcn  Nordjiunktc   den   wahren 


106  Die  SpectrklanalfM. 

ulizuicitcn.  Nicht  minder  leicht  ist  es,  mittels  geeigneter, 
zum  WinkfliiK'Sseu  eiiigcricbtctcr  Fernrohre  denjenigeu 
Winkel  zu  büstiniiueu,  den  diu  sdieiubare  Nordsüdliuie  der 
Sonne  mit  irgend  einer  vom  Mittelpunkte  nach  dem  Sonnen- 
ruudi.'  <rczu};<'neii  Linie  bildet.  Weun  man  daher  für  irgend 
einen  :uu  Kiiitdc  der  Soune  oder  &uf  der  Sonnenscheibe 
beobuehteten  Gegenstand,  z.  B.  eine  Frotuberanc  oder  «an 
äunnenfleck,  diesen  Winkel  (scheinbafe  Position)  mia&t,  iba 
auf  dio  wahre  Nurdttüdlinie  reducirt  und  den  so  geülfldeoeo 
Winkel  (die  wahre  Position)  von  dem  Nordpunkt«  am 
(s.  Fiij.  48)  auf  ein  13ild  der  eingetheilten  Somtonadi^ 
dnzeii.'linot,  so  erhUlt  mau  in  allen  Fällen  eine  rioltfigV 
Vurstollung  von  dem  Orte,  wo  der  beobai:htete  GegcustauA 
auf  der  Sonnt;  sieb  vorgefunden  hat.  gleichgültig,  weichen 
Stund  die  Soniio  zur  Zeit  der  Beobachtung  am  Hinunel  batta 

Die  t'l'i.  44  giebt  dus  Bild  der  Sonnen  tinstemiat  fam 
7.  August  ltjl3i)  für  die  Zeit  von  d  Uhr  Nachmittags  m 
Des  Moines.  wo  iler  wahre  Noi-dpunkt  sich  bereits  weit 
vom  selieiiibaven  entfernt  hatte. 

Da  bei  der  äonnentinsteniiss  während  der  ganztt 
Totalität  das  Sonitenceuti'um  niebt  mit  dem  des  lloadn 
zusuumienfiillt,  so  ist  noch  eine  Correction  erforderlich, 
um  die  am  Umfange  des  Mondes  geitn-ssetiea  Winkel  «uf 
den  der  Sonne  zu  übertragen.  Der  Fositionawinkd  te 
grossen  l'rotubeninz  (t'iijij.  HO  und  43)  betrug  g^sn  80*. 
Zur  iiüliereii  Orientirung  sind  in  der  Fig.  39,  soirie  in 
den  folglinden  Dilileni  der  Sunnentinsteniiss,  die  vier  wah- 
ren Ihiuptpunkte  der  Sonne  angegeben. 

Die  pliotugrapliischcn  Aufnahmen  von  Major  Tksnakt 
in  O-uiittior  sehii'ueii  iinfaugs  weniger  gelungen;  derselbe  b&t 
g-<-lix  l'latteii  exponirt,  auf  denen  -^ieh  indessen  dio  Pro- 
tnberunzeii  deutlich  genug  al »gezeichnet  haben,  um  mit  ein- 


! 

Inder  veiglichen  werden  zu  können.  Tafel  I  enthält  genaue 
Kopien  der  unter  der  Mitwirkung  von  Waeeek  de  Ul  Hüb 
eröflentliditen  Phutogniphieu  Tesnant's;  das  obere  Bild 
eigt  die  Kinsterniss  im  Beginne,  dus  untere  ntiltelbiir  vor 

!■■,.    IL 
l'oUli)  SuBUBufliKltrniiii  vom  7.  Ahi;u«i  ISW. 

em  Ende  der  TotulitäL    Auf  allüri  Bildern  erscheint  dTe- 
*lbe  grosse  I*rotuheranz.  die  auch  auf  deu  uorddt'utscheu 
'holographien  vorkommt,  während  dei-  Anblick  der  übrigen 
uf  den  unfeinen   Platten   noch   vorkomtoenden  kleinL-i'en 
''rotuberanzeo  sich  auf  jeder  Platte   verschieden  gestaltet. 

1 
J 

108  Die  SpectralanalyM. 

Warren  de  la  Rue  hat  durch  Aufeinanderlegung  tod 
vergrösserten   Copien   (etwas  mehr  als    2  Zoll  im  Durck- 
niesser)  der  sechs  TENNANT'schen  Originalbilder  nach  sorg- 
faltiger  Bestimmung    des  Sonnenmittelpunktes   und  unter 
Deckung  der  sechs  grossen  Protuberanzen   eine  Zeiehnong 
hergestellt,    Fig.  43^    welche   sowohl   ein    Bild    Ton   den 
meisten    während    der    ganzen    Finsterniss     aufgetretenen 
Protuberanzeu  giebt,  als  auch  den  Anfang  und  das  Ende 
der   totalen   Finsterniss   ab   ersten   und   zweiten    inneren 
Contact   lautlich   erkennen  *  lässt     In   der   Figur  ist  die 
Sonnenscheibe  /,  /  scliraffirt  gezeichnet;   //, //  bezeichnet 
die  Mondscheibe*  beim  zweiten  (ersten  inneren)  Contacte2, 
in  dem  Augenblicke  also,  wo  die  Totalität  begann  und  auf 
der  östlichen   Sonnenseite   die  grosse  Protuberanz  A  sich 
zeigte;   ///,  III  ist  die  Mondscheibe  beim  dritten  (zweiten 
inneren;  Contacte  8;  ausserdem  ersieht  man  aus  der  Zeich- 
nung die  Lage  der  Sonneiiachse,  die  Richtung,  in  weicher 
der  Mondmittelpunkt  sich  von  West  nach  Ost  bewegte,  und 
in   punktirten  Linien   angedeutet  über  die  Protuberanzen 
her  auf  der  östlichen  Seite  ein  eigenthümliches,    schwach 
schimmerndes  Licht,  welches  wegen  des  Glanzes  der  Gorona 
und  der  Protuberanzen  im  Teleskope  nicht  gesehen  worden 
ist.     Die  auf  der  Sonnenscheibe  eingezeichneten   Sonnen- 
ilecke sind  diejenigen,  welche  am  Tage  der  Finsterniss  auf 
der  Sternwarte  zu  Keic   j)hotographirt  worden  sind.    Die 
Corona    und    der    Strahlenkranz    fehlen    auch    in    diesen 
Photographien. 

Die  Ex])('dition  der  Jesuiten  aus  Manila  kam   infolge 
einer   Deschädigung   der  Schiffsmaschine   erst  am  Abende 


*  I>»T   ßrrösst^rt'ii   l)«MitIi»'hkoit   w('<j«*ii  i»t  diese  Scheibe    ein   wenig 
grössiT  p-zfii'hin't  wonN-n,  als  es  in  der  Wirklichkeit  der  Fall  war. 


Die  totale  Sonnenfinsterniss  vom  18.  August  1808.  109 

des  17.  August  auf  ihrem  Stationsorte  an,  so  dass  keine 
photographische  Vorübungen  an  Ort  und  Stelle  getroffen 
werden  konnten.  Die  während  der  Finstemiss  genommenen 
acht  Äugenblicksbilder  von  den  Hauptphasen  gelangen; 
dagegen  zeigte  von  den  vier  während  der  Totalität  expo- 
nirten  vier  Gläsern  nur  das  zweite,  welches  12  Secunden 
ausgesetzt  blieb,  eine  schwache  Spur  der  Corona.  Diesem 
Mangel  wurde  aber  glücklicherweise  dadurch  abgeholfen, 
dass  gleich  darauf  das  Bild  der  TotaUtät,  wie  es  auf  einer 
mit  Schmirgel  matt  geriebenen  Glastafel  der  Camera  ob- 
scura  erschien,  auf  dieser  Tafel  selbst  durch  üeberfahren 
der  Umrisse  gezeichnet  und  fixirt  wurde. 

Die  Fig.  46  giebt  eine  Ansicht  der  Totalität,  wie  sie 
sich  zu  Mantawaloc-Keke  in  den  letzten  2  Minuten  25  Se- 
cunden, also  kurz  vor  dem  Wiedererscheinen  des  ersten 
Lichtstrahls  darstellte. 

Aus  den  Mittheilungen  der  verschiedenen  Expeditionen 
muss  man  schliessen,  dass  der  AnbUck  des  Strahlenkranzes 
der  Corona  an  den  einzehien  Stationsorten  ein  verschiedener 
gewesen  ist;  allein  bei  dieser  Finstemiss  war  das  Haupt- 
augenmerk auf  die  Protuberanzen  gerichtet  und  erst  spä- 
tere Finsternisse  wurden  mit  besonderer  Rücksicht  auf  die 
Corona  beobachtet 

Dagegen  stimmten  die  Beobachtungen  auf  allen  oben 
genannten  Stationen  darin  überein,  dass  während  der 
Totalität  der  Finsterniss  nicht  alles  Licht  ausgelöscht  er- 
schien, sondern  gleich  nach  dem  ersten  Verschwinden  der 
Sonne  (beim  zweiten  Contacte)  die  tief  schwarze  Mond- 
scheibe mit  einem  schmalen,  sehr  weissen  und  glänzenden 
Lichtringe  umgeben  war,  aus  welchem  an  verschiedenen 
Stellen  die  blassrothen  Protuberanzen  hervortraten.  Sowohl 
die     österreichischen    als    die    französischen    Beobachter 


Stephan,  Tissrrand  und  Jakssex  apractien  sich  über  das 

Auftreteu  des  intensiv   leuchtenden,  sehr  schmalen  Rirgea 


unmittülhftr  um  den  Mondraiid  heniin  sehr  hestinnnt  iius, 
und  es  blieb  hiernacli  kaum  noch  ein  Zwrifel,  dass  der 
untere  Theil  der   Corona  der  Sonne  aiigeliöre  und   diese 


Die  totale  Sonnenfinsternis^  vom  18.  Anp^iist  186S.  111 

iiii4:liste  Umgebung  der  Sonne  stark  leuchte,  dass  aber  die 
LiL-btstärke  in  einiger  Entfernung  rasch  abnelune. 

Die  Beobachtungen  der  totalen  Sonncnfinsteniiss  vom 
18.  Juli  1860  in  Spanien,  bei  welcher  die  Protuberanzen 
sowohl  photographisch  aufgenommen  (Fig.  33J,  als  auch 
von  den  herrorragendsten  Astronomen  mit  Teleskopen 
unterBiicht  worden  waren,  hatten  es  kaum  noch  zweifel- 
haft eoTBcheinen  lassen,  dass  diese  merkwürdigen  Gebilde 
gasige  Natur  seien  und  nicht  dem  Monde,  sondern  der 
Sonne  angehörten;  die  Finsterniss  vom  18.  August  18G8 
lieferte  endlich  hierüber  völlige  Gewissheit. 

In  demselben  Augenblicke,  als  die  Corona  sich  zeigte, 
erschienen  auch  die  ersten  Protuberanzen  und  zwar  auf 
der  ödUAen  Seite  der  Sonne,  gerade  an  der  Stelle,  wo 
der  letite  Lichtstrahl  im  Beginne  der  Totalität  verschwand. 
Die  erste  derselben,  hnks  von  der  Vertic4ilen  (Fiff.  39), 
war  Ton  einer  ausserordentlichen  Höhe  und  leuchtete  mit 
einem  intensiven  rosenfarbigeu  Lichte;  die  andere,  auf  der 
rechten  Seite   der   Verticalen,   hatte   dieselbe  Far])e    und 

Lebhaftigkeit  wie  jene,  war  aber  nicht  so  hoch  und  nicht 

so  schön  an  (xestalt 

Fig.  46  zeigt  die  grosse  Protuberanz,  wie  sie  auf  dem 

Dampfer  „Rangoon"  im  Beginne  der  Totalität  beobiichtet 

wurde;  üost  gleichzeitig  erschien  auf  der  cntgogengesotzten 

Seite  eine  kleinere,   aber  weiter  ausgedelmte  Protu])i*ianz. 
Fig.  47  enthält  die  Protuberaiizeu,  wio   sie   in   117/^/- 

Tonne   von    Stephan    im    Verlaufe    der    Totalität    autge- 

zeiclinet  wurden. 

Fig,  48  schliesst  sich  an  die  vollstiin(li*;or(\  in  Fhj,  -/o 

L't'gfbene  Alibildung   der  Totalität  an   und  stellt  bloss  «lie 

ProtulKTanzen  dar,   wie  sie  in  den  letzten  2  Min.  2.'»  See. 

vor  dorn  Ende  der  Totalität  zu  MiiHtttwalür-KrLr  von  iVwx 


113  Dit:  SiiflL-IruliiLiilyiia. 

Jesuiten  aus  Manila  beobachtet  wurden.  Unter  Zugnmd- 
leguug  dieser  letzlerüu  Abbildung  theilen  wir  den  Beridit 
des  P.  Faubo  an  Seochi  im  Aufzuge  mit 

Üie  Ausdehnung  der  grossen  l'rwtuberauz  u  betrag  in 


der  Breite  l''40',  die  andere  ^  hatte  eine  Basis  von  9°. 
Kaum  waren  diese  beiden  Protuberanzen  erschienen,  als 
auch  auf  der  westlicbeti  Seite  der  Sonne  eine  diitt«  y 
hervorbrath,  die  langsam  so,  wie  der  Mond  von  Westen 
nach  Osten  vor  der  Sonne  weiter  rückte  (s.  Flg.  43),  immer 


bi 


A 


ISONNEN-FI.VSTERiNlSS      i  Nord    Amerika  1        Tat    D, 
7, August    18ti9, 


Burlington    iJowa)    Gegen   Ende   derTolalilät, 
Exp,  7.  See. 


f^n^t  -.atL^iiS-^i^ : 


U 


TJkc  IoIbU  Sonn 


1  18.  A«i-ns 


grÜE&er  und  schöner  ward.  Hie  Erscheinung,  aUinühlich 
die  Protuberanzen  der  östlichen  Seite  verschwinden  und 
gleichzeitig  die  der  westlichen  Seite  sich  ausdehnen  und 
wachsen  zu  sehen,  war  deutlich  und  von  allen  BeobHchtern 


Pig.  47- 


wahrgenommen.  Die  Hohen  der  heideu  Protuberanzen  « 
und  ß  wurden  gleich  bei  ihrem  Erscheinen  zu  3  Min, 
10  See.  und  1  Min.  15  See.,  bei  einer  Wiederholung  der 
Messung  nach  3  Min.  10  See.  aber,  also  gegen  die  Hälfte 
der  Totalitat,   ku  2  Min.  12  See.  und  0  Min.  1»  See.  ge- 

**.««.  8l«flral»b.l)-i...,  II.  8 


114  I>i>--  S[iGclraluilfic. 

fuiideii.*  Die  ProtubcTÄnz  y.  die  man  nnfatig»  mit  Mühe 
sah,  deckte  sicli  in  dem  Masse,  wie  sich  der  Mond  be- 
wegte, stufeiiweiso  »uf.  und  war,  als  sie  ganx  sicbtbu 
wai-,    liiuer    langen    Gebirgskolte    ahulicb.      Zur    Lisitts 


endigte  sie  ganz  rein  und  wie-  abgeschnitten;  rechts  I 
sie  an  Hfiho  ab  und  vermisclite  sicJi  mit  der  dnnkleu  Mimd- 


*  Im  Allgemeine  knnn  man  din  von  der  ErJe  Bau  ui  cinpin  Oagen- 
dtanilp  d«T  Sänne  gpmcsdenen  Winkel  vuo  I  Secnndc  rnnil  «n  lOO  jw 
graphUrlinii  Meilen,  unit  dvn  Bojtun  lies  Sniinnn umfang»  iruu  I  Hinvte 
aniiHbvrnd  tu  27  geagTBjihinulicn  Heilen  rBchueii. 


Die  totale  SonnenfinRtcrnisft  vom  7.  Angust  1860.  115 

Scheibe  an  der  Stelle,  wo  der  unregelmiissigste  Theil  der 
Corona  war. 

In  derselben  Fig.  48y  links  von  der  Protuberanz  y, 
zeigte  sich  eine  vierte  J,  die  völlig  von  der  anderen  ge- 
trennt war  und  eine  Wolke  zu  sein  schien.  Die  Farbe  war 
weder  so  lebhaft,  noch  so  gleichförmig  wie  die  der  anderen, 
und  es  zeigten  sich  in  ihr  etwas  dunkle  Striche,  wie  sie 
auch  sonst  noch  in  den  Protuberanzen  wahrgenommen 
worden  sind;  ihre  Ausdehnung  betrug  5^30'.  Endlieh 
wurde  eine  halbe  Minute  vor  dem  Ende  der  Totahtät  auf 
der  rechten  Seite  der  Kette  von  rosenfarbenen  Spitzen 
noch  eine  kleine  frei  schwebende  Protuberanz  t  gesehen, 
die  mit  i  viele  Aehnlichkeit  hatte. 

Die  Farbe  der  Protuberanzen  wird  von  den  verschie- 
denen Beobachtern  nicht  in  gleicher  Weise  bezeichnet;  die 
meisten  wählen  dafür  den  Ausdruck  blassroth,  andere 
scharlachfarben  röthlich,  wieder  andere  rosenroth,  oder 
blasskorallenroth  und  Tennai^t  nennt  sie  sogar  weiss. 

12.    Die  totale  Sonnenflnsterniss   vom 

7.  Angust  1869 

war  ebenfalls  in  Europa  nicht  sichtbar;  der  Gürtel  der 
Totalität  erstreckte  sich  über  Alaska^  wo  die  Fiusterniss 
um  Mittag  begann,  über  Britisch  Amerika  und  die  süd- 
westliche Ecke  von  Minnesota^  duichschnitt  den  Mississippi 
in  der  Nähe  von  Burlington  (Jotca)^  ging  dann, weiter 
durch  Illinois^  West-Virginien  und  Nord-Carolina^  wo  sie 
in  der  Nähe  von  Beau/ort  in  den  Atlantischen  Ocean 
überging. 

Sie  erregte  in  ganz  Nordamerika  bei  den  Astronomen 
und  den  Photogniphen  das  lebhafteste  Interesse  und   ver- 

8* 


116  Die  SpectralanaljBe. 

anlasste  eine  grosse  Anzahl  von  wissenschaftlichen  Expedi- 
tionen und  einzelnen  Beobachtungen,  welche  fast  alle  tod 
dem  schönsten  Wetter  begünstigt  wurden  und  eine  qd- 
gemein  reiche  Ausbeute  an  photographischen  Bildern  und 
an  spectro^kopischen  und  anderen  wissenschaftlichen  Daten 
geliefert  haben.  Derjenige  Theil  der  Totalitätszoney  wel- 
cher durch  die  bewohnteren  Theile  der  Vereinigten  Staaten 
«ring,  wai'  mit  Teleskopen,  Spectroskopen  und  Beohachtongs- 
material  sehr  reich  besetzt«  so  dass  dieser  ganze  Gürtel 
ein  einziges,  weit  ausgedehntes  Observatorium  darstellte. 
()l)gleich  die  Dauer  der  Totalität  kleiner  war  als  in  Indien 
(l«sC^),  so  waren  im  Allgemeinen  die  Umstände  doch  weit 
günstiger  als  hi  dem  vorangegangenen  Jahre;  die  Hitze 
war  geringer,  die  für  die  Beobachtung  geeigneten  Ort- 
schaften waren  günstiger  gelegen  und  die  Sonne  hatte 
keinen  so  hohen  Stand  als  im  Jahre  1868  in  Indien.  Die 
wesentlicheren  Theile  der  Beobachtung  umfassten  das 
Studium  der  Protuberanzen  mit  den  Hülfsmitteln  der 
IMiotographic  und  des  Spectroskops,  die  Natur  der  Corona 
und  die  Untersuchung,  ob  zwischen  der  Sonne  und  dem 
Merkur  noch  andere  Planeten  vorhanden  sind. 

Die  umfassendsten  Expeditionen  waren  die,  welche 
einerseits  vom  Xautical  Almanac  Office  in  Washington 
unter  dci*  ol)ersten  Leitung  von  Professor  CJoffin  (für  die 
astronomischen  Arbeiten)  und  von  Professor  Henby  Mobtok 
aus  Philadelphia  (tür  die  photographischen  Aufnahmen), 
und  andererseits  von  dem  United  States  Naval  Observa- 
fory  zu  Washington  unter  der  Leitung  des  Commodore 
B.  F.  Sands  ausgerüstet  wurden. 

Die  ersten?  Expedition  wählte  unter  der  AnfiiliruDg 
von  Professor  Mohton  die  Stationen  im  Staate  Jovca: 

\)  Burlington   mit  den  Beobachtern  Professor  Mayer 


Die  totale  Sonnenflnsterniss  vom  7.  August  1869.  117 

als  Führer  der  Expedition,  Kendall,  Willard,  Phillipps 
und  Mahoney,  denen  sich  der  als  gewandter  Spectroskopist 
bekannte  Dr.  C.  A.  Young,  damals  Professor  am  Dart- 
mouth  College  (Hanover),  hinzugesellte; 

2)  Ottumwa  mit  Professor  Himes,  Zentmayeb,  Möl- 
LiNG,  Brown  und  Bakeb; 

3)  Mount  Pleasant  mit  Professor  Mobton,  Wilson, 
CiiiFPORD,  Cre&ieb,  Ranoeb  uud  Cabbutt.  Es  gesellten  sich 
hier  noch  andere  Professoren  (u.  A.  Pickebing)  hinzu,  welche 
astronomisch-physikalische  Beobachtungen  machen  wollten. 

Die  Stationen  der  zweiten  Expedition  waren: 

1)  Des  Moines  (Jowa)  mit  den  Professoren  Newcomb 
(für  die  Beobachtung  der  Corona  und  etwaiger  inter- 
merkurialer  Planeten),  Habkness  (für  Spectroskopie)  und 
Eastman  (für  Meteorologie).  Zu  ihnen  kamen  noch  einige 
andere^  in  der  Photographie  der  Sonne  besonders  bewan- 
derte Beobachter  hinzu. 

2)  Bristol  (Tennessee)  mit  Babdwell  (fiir  die  Corona) 
und  Anderen. 

Ausser  diesen  grösseren,  mit  den  ausgezeichnetsten 
Hülfsmitteln  der  Beobachtung  ausgerüsteten  Expeditionen 
fanden  sich  noch  sehr  viele  Gelehrte  an  verschiedenen 
Punkten  der  Totalitätszone  ein,  theil^  um  die  astronomi- 
schen Details  der  Finsterniss,  theils  um  die  Protuberanzen, 
die  Corona  und  deren  Spectra  zu  beobachten.  Unter  diesen 
erwähnen  wir  nur  Dr.  Edw.  Cubtis,  der  zu  Des  Moines 
nicht  weniger  als  119  Bilder  der  verschiedenen  Phasen  der 
Finsterniss  erhielt;  W.  S.  Gilman,  der  zu  St.  Paul  Junction 
(Jowa)  die  werthvoUsten  Beobachtungen  über  den  Zu- 
sammenhang zwischen  den  Sonnenflecken,  den  Fackeln  und 
den  Protuberanzen  anstellte;  J.  A.  Whipple,  der  zu  Shelby- 
ville  (Kentucky)  unter  Oberleitung  von  Professor  Winlock 


118  Pio  Spectralanalyse. 

mit  vielen  an(l<»ren  Assistenten  80  photographische  BiUer. 
darnnter  sechs  der  Totalität  und  eines  mit  vollstäo- 
diger,  prachtvoller  Corona  erhielt;  sowie  den  Professor 
(i.  \V.  lIoruH,  Director  der  Dudley  Sternwarte,  welcher 
mit  neun  anderen  (lelelirten  alle  Einzelheiten  der  Finster- 
niss  in  Mattoon  (Illinois)  beohachtete. 

Die  Totalitätsbilder  in  Mount  Pleasant,  drei  an  der 
Zahl,  waren  nicht  besonders  scharf,  weil  das  Teleskop  kein 
Uhrwerk  hatte;  einen  viel  besseren  Erfolg  hatten  dagegen 
die  in  Ottumwa  und  in  Burlington  stationirten  Abthei- 
hingen:  jene  gewann  40  Negative,  darunter  4  während  der 
Totalität,  diese  <*rhielt  ebenfalls  40  Negative,  darunter  6 
während  der  Totalität,  so  dass  die  von  Morton  geführte 
Kxp<*dition  im  (ianzen  13  nn^ist  ganz  ausgezeichnete  Tou- 
litätsbilder  davontrug. 

In  /-Vr/.  44  haben  wir  l)ereits  ein  Bild  dieser  j>räch- 
tigon  Finsti'rniss  mit  Protuberanzen  und  Corona  nach  den 
Zeichnung« '11  von  Dr.  (Jouiii)  gegeben;  die  photographischen 
lUatten,  welche  nur  die  kurze  Zeit  von  5  bis  16  Secunden 
ex]>onirt  wurden,  enthielten  nur  Spuren  von  der  Corona, 
weil  «las  Licht  der  letzteren  zu  schwach  ist,  um  in  so 
kiirzei  Zeit  auf  die  präparirten  Platten  chemisch  einzu- 
wirken. Die  Tafel  II  enthält  sehr  genaue  Copien  von  zwei 
der  fünf  photographischen  Bilder,  welche  zu  Burlington  im 
Beginne  nnd  unmittelbar  vor  dem  Ende  der  Totalität  auf- 
genonnnen  wurden.  In  dem  oberen  Bilde  brechen  die 
(Tsten  Protuberanzen  am  (istlichen  Sonnenrande  hervor, 
wäliHMid  die  am  we-;tlichen  Rande  befindlichen  noch  von 
dem  Monde  i>e(le(kt  sind;  bei  weiterem  Vorrücken  des 
Mondes  von  \Yest«n  nach  Osten  werden  die  östlichen  Pro- 
tubeninzen  nach  nnd  nach  v<m  ihm  bedeckt,  während  die 
westlichen  frei  wenicn  und  immer  stärker  hervortreten. 


Die  totale  SonnenfinHteriiiHK  vom  7.  August  1809. 


119 


In  der  Fig.  49  sind  die  sämnitlichen  Protuberanzen, 
wie  sie  einzeln  als  isolirte  Flammen  oder  in  weniger  be- 
stimmter Form  als  weitlün  verbreitete  leuchtende  Massen 
sich  im  Verlaufe  der  Finstemiss  am  Sonnenrande  gezeigt 
haben,  nach  den  vorgenommenen  Messungen  und  Berech- 

Pig.  49. 

N 

-  -    1* 


^i-"- -  a  Vv 


s 

VeruiniK'un^  der  Protuberanzen  zu  einem  GcMmmtbildc. 
(Totale  Finstemiss  vom  7.  August  18^.) 


nungen  der  Positionswinkel  zu  einem  Gesammtbilde  ver- 
einigt. Die  Protuberanzen  sind  in  der  Richtung  von  Nord 
durch  Ost,  Süd  nach  West  mit  den  Zahlen  1  bis  12  be- 
zeichnet; unter  ihnen  ragen  Nr.  4,  5  und  8  durch  ihre 
Form  und  ihre  Höhe  besonders  hervor.  Nr.  4  hatte  eine 
Höhe   von  ^i  Secunden,   Nr.  5  von  B  bis  C  (eine  nebel- 


120  Die  SpectralaiialyM. 

hafte  Feuerwolke)  von  136  Secunden  und  Nr.  ^  von 
7j  Secuuden,  wonach  sich  die  wirklichen  Höhen  dieser 
Protuberauzen  näherungsweise  in  geographischen  Meilen 
ergeben,  wenn  man  diese  Zahlen  mit  100  multiplicirt 

Vom  Nordpunkte  X  über  Ost  bi»  nahe  an  den  Säd- 
puiikt  Ab'  zeigt  sich  auf  den  photographischen  Bildern  eine 
Lichttfluth  von  unbestimmter  Form  Cin  der  Fig,  49  als 
fein  puiiktirte  unregelmässige  Linie  dargestellt),  welche 
ihre  höchste  Höhe   ungefälir  zwischen  den  Protuberanzen 

2  und  4,  sowie  einige  Grad  südlich  von  5  erreicht;  diese 
Höhe  Ix'trägt  2  Min.  15  See.  In  der  Mitte  dieser  Licht- 
iiiiisse  und  nahe  bei   ihrer  grössten  Höhe    zeigen   sich  bei 

3  und  5  mehrere  von  einander  getrennte  Zungen  einer 
liclUeuchtenden  Flamme,  welche  sich  hoch  über  die  tieferen 
rheile  der  leuchtenden  Masse  erheben.  Die  neblige  weisse 
Lichtwolke  zwischen  B  und  C  erreichte  eine  Höhe  von 
wenigstens  IdöCK)  geographischen  Meilen.  Eine  gleiche 
Lichtwolke  zeigen  die  Bilder  auf  der  westlichen  Seite  von 
Süd  bis  Nord,  welche  bei  11  und  12  ihre  höchste  Höhe 
erreicht  und  um  Nordpunkte  fast  senkrecht  abfallt. 

Die  punktirte  Kreislinie  innerhalb  des  Mondrandes 
gicbt  den  verhältnissmässigen  Durchmesser  und  die  Stellung 
iU*r  Sonne  bei  (b»r  Mitte  der  Totalität  an.  Der  Pfeil  be- 
zeichnet die  Richtung,  welche  der  Mond  nahm;  auf  den 
Umstund,  dass  die  Mittelpunkte  der  beiden  Gestirne  nicht 
genau  /usammentielen,  ist  in  der  Zeichnung  keine  Rück- 
sicht genommen. 

Mit  Ausnahme  von  Nr.  4  liegt  in  den  photographischen 
Dildern,  wie  die  7wV/.  4iJ  zeigt,  die  Basis  der  Protuberanzen 
innerhalb  des  den  Mondrand  bildenden  Kreises.  Man  hat 
geglaubt,  die  Krkliirung  dieser  sonderbaren  Erscheinung 
in   dem    Umstände   zu   finden,    dass   das   photographische 


Die  totale  Sonnenfinsterniss  vom  7.  August  1869.  121 

Teleskop  durch  das  Uhrwerk  der  Bewegung  der  Protu- 
beranzen  folgt,  das  Bild  derselben  also  auf  der  photogra- 
phischen Platte  feststehen  bleibt,  während  das  Mondbild 
sich  mit  dem  Unterschiede  seiner  eigenen  Winkelgeschwin- 
digkeit und  derjenigen  der  Sonne  auf  der  Platte  fort- 
schiebt. Allein  Dr.  Cubtis  hat  durch  eine  kleine  künst- 
liehe  Sonnenfinstemiss,  welche  er  aus  schwarzem  Papiei* 
(fiir  den  Mond)  mit  Ausschnitten  fiir  die  Protuberanzen 
und  die  Corona  herstellte,  dem  Lichte  aussetzte  und  photo- 
graphirte,  schlagend  nachgewiesen,  dass  diese  Ausbreitungen 
der  Protuberanzbilder  in  die  Mondscheibe  hinein  nur  von 
einer  rein  mechanisch -chemischen  Wirkung  herrühren, 
welche  allemal  dann  eintritt,  wenn  ein  sehr  intensiv  leuch- 
tender Gegenstand  an  einen  dunklen  angrenzt  und  die 
Zeit  der  Lichteinwirkung  (Exposition)  über  das  richtige 
Mass  verlängert  wird. 

Die  Ergebnisse  der  indischen  Sonnenfinstemiss  von 
1868,  so  reich  sie  waren  in  Allem,  was  auf  die  Protu- 
beranzen Bezug  hatte,  liessen,  wie  schon  oben  bemerkt, 
die  Corona  fast  ganz  unberücksichtigt.  Um  so  mehr  waren 
die  verschiedenen  Beobachter  der  amerikanischen  Finster- 
niss  darauf  bedacht,  die  Einzelheiten  dieser  merkwürdigen 
Erscheinung,  ihre  Form,  ihr  Spectrum  und  namentlich 
ihren  Zusammenhang  mit  den  Protuberanzen   zu  studiren. 

Die  Photographien  von  kurzer  Expositionszeit  (1  bis 
7  Secunden)  zeigen  die  Corona  nur  in  ihren  hellsten 
Theilen  ganz  nahe  am  Sonnenrande,  doch  geben  sie, 
namentlich  die  von  Ottumwa,  ein  ziemlich  deutliches  Bild 
derselben  und  zwar  von  gleicher  Form,  wie  sie  auch  dem 
blossen  Auge  erschien.  Auf  diesen  Bildern  ist  der  ge- 
krümmte Verlauf  der  Strahlen  und  die  wechselnde  Inten- 
sität,  mit  welcher  sie  an  den  verschiedenen  Punkten  aus- 


]82 


-  S(icc[r«ian«Iy»o. 


strömen,  sehr  dt-utlich  erkennbar.  Die  glänzendsten  Stnll« 
der  Corona  stiinnien  der  Lage  nach  aufl'alleud  inil  dem 
Lichte  derjenigen  Prutulieninzen  überein.  welche  die  spiu« 
Form  von  Flainuien  habeu,  während  die  Protuberaiueii. 
welche  die  Form  abgerundeter  Massen  haben,  auf  die  IV 
rona  einen  Schatten  zu  werfen  scheinen.  Ausserdem  abn 
lassen  diese  Bilder  deutlich  erkeimeu,  da-ss  die  Corona  aidi 
während  der  Tütalitat  uichl  mit  dem  Monde 
vielmehr  uoncfntrisch    zu   der  Sunne   blieb.     Sie 


Phnto^lJlhlK-lier 


Östlichen  Rande  in  dem   Masae   mehr  und 
als  der  Mond  nach  Osten  fortrückt,  wogegen    sie 
entgegengesetzten  Seite  in  demselben  Masse  nach  X 
zum  Vorschein  kommt. 

Um  ein  vollständiges  photogiaphiscbes  Bild  dei 
Corona  in  allen  ihren  Theilen  zu  erhalten,  muss, 
reits  hervorgehoben  wurde,  sowohl  die  Expositionszeit  über 
diejenige,  welche  für  die  intensiv  leuchtenden  Protuberanien 
erforderlich  ist,  bedeuteiid  hinaus  verlängert,  als  auch  das 
Bild  derselben  auf  der  pliotograp bischen  Platte  auf  einen 
kleinen  Raum   zusammengezogen   werden.     J.  A.  Wum-ui 


p 

1 

1 

Dit  totalt  Snnn.>nflnslcrniss  vom  T.  Aoffiisl   I8il!>.               123 

»US  Boston  arratigirt«  hit-niach  sein  Teleskop  zu  Shel/n/ 
üille  (Kenluckj)  derart,  dass  die  präparirte  Platte  sich  in 
lern   Hiiuptbrennpunkt«  des   ObjectiTglases   von   0'.'^   Zol 
Jefi'nung   nnd   7  Fubs  Brennweite  befaiiii,   nnd  exponirte 

FiR-  51. 

Dir  Curun.  .U-T  Fin.t,.rni..  vol.,  7,  Abcu.T  TW  <i,  n.  ^  Mnjn.i. 

lieselbe   der  Corona  40  Secunden   lang.     Er   erhielt   au 
liese  Weise  ein  Bild,   in   welchem   die  Protuberanzen    nur 
»Is  helle  Flecki-n  erscheinen,   im   übrigen  aber  sowohl  der 
nnere  Lichtriug  als  auch  die  Umrisse  der  ganzen  Corona 

J 

124  Die  Spectraluulyw. 

erkennbar  sind.  Die  Fiy.  50  ist  eine  genaue  Copie  Hiews 
Bildes,  mit  dem  Unterschicide  jedoch,  dass  in  dem  Oii|)- 
nule  dtis  Licht  mehr  verwaschen  bt  und  die  Strahlen  nicbt 
so  scharf  begrenzt  erscheinen. 


Vis  'Vi. 


Wenn  man  die  Corona  mit  dem  Teleskop  beobiu 
so  übersieht  man  stets  nur  eiueii   kleinen  Theil   dei 
und  man  muss  das  Instrument  nach  und  nach  am  ganzen 
Mondmnde  berumtuhien,  um  ein  tiesanmitbild  der  gamteii 
Erscheinung    zu    gewinnen.     Professor    Ea8TMAK,    der   in 


f 

1 

d 
l 

t 

1 

Vir  lotBli  3omi«..liii«l«rHi»s  vom  7.  Augm.1   \B69.               lan 

)es  Moines  Beobachtungen  dieser  Ai-t  anetellle,  giebt  zwei 
Jilder   der  Corona,   welche  im   Beginne  und   uumittellmr 
or  dem  Ende  der  Totalität  angefertigt  wurden  und  von 
enen  wir  in  Fig.  51  das  erstere   mittheilen.    Gleich  bei 

OnnWi  ZtfrhnnnF  d"  Coron«  vom  7.  AuKtiM  lÄW  (S  riir  0  Min.). 

em  Eintritte  der  Totalität  erschien  die  Corona  in  silbei- 
ireissem   Lichte  mit  einem  äusserst   zarten   Anfluge   einer 
rünlich    violetten   Färbung   an    den    äussersten   Grenzen, 
ud  während  der  Totalität  war  nicht  die  mindeste  Aende- 
ung  in  der  Farbe,  in  den  äussereu  Umrissen  odei'  in  der 

1 
J 

126  Die  Spectralanalyse. 

Lage  der  Stralilen  wahrzunehmen,  eine  Beobachtung,  welche 
von  Professor  Hough  zu  Mattoon  (Illinois),  von  Gill  und 
von  vielen  Anderen  bestätigt  wurde. 

Die  Corona  schien  aus  zwei  besonderen  Theilen  zu 
bestehen;  der  innere,  der  Sonne  zunächst  gelegene  Theil 
war  fast  ringförmig  und  hatte  eine  Höhe  von  ungefähr 
1  Minute;  seine  Farbe  war  rein  silberweiss;  der  übrige 
äussere  Theil  bestand  aus  Strahlen,  von  denen  einige  sich 
zu  fünf  stemartigen  Spitzen  zusammengruppirten,  die 
anderen  aber  mehr  als  radiale  Strahlen  erschienen;  die 
letzteren  traten  am  schärfsten  hervor;  zwischen  den  Pro- 
tuberanzen a  und  h  war  von  der  Corona  kaum  etwas  zu 
bemerken.  Die  sternartigen  Ausstrahlungen  erreichten  eine 
Höhe  gleich  dem  Halbmesser  der  Sonne. 

Dr.  6.  A.  GouLD  hat  in  Burlington  die  Corona  mit 
unbewaffnetem  Auge  beobachtet  und  von  derselben  während 
der  Totalität  in  Zwischenräumen  von  1  Minute  drei  voll- 
ständige Bilder  angefertigt  Wir  geben  in  Figg.  62  und  68 
nur  die  beiden  Bilder,  welche  die  Corona  im  Beginn 
und  unmittelbar  vor  dem  Ende  der  Totalität  um  4  Uhr 
58  Minuten  und  um  5  Uhr  dai*stellen.  Im  Gegensatze  zu 
den  vorbin  angeführten  Beobachtungen,  dass  die  Corona 
ihr  Aussehen  während  des  ganzen  Verlaufes  der  Totalität 
beibehalten  habe,  wüi-den  diese  Bilder  von  Gould  die 
Veränderlichkeit  derselben  andeuten. 

13.   Die  totalen  Sonnenfinsternisse  seit  1869. 

Nach  den  Einzelheiten,  welche  über  die  Sonnenfinster- 
nisse von  l^Gb  und  1869  im  Vorhergehenden  gegeben 
wurden,  können  wir  uns  übtir  die  Beobachtung  bei  Gelegen- 
heit der  späteren  Sonnenfinsternisse  kürzer  fassen. 


Du  loUlün  SonpBnflnseerpUso  «eil   18Ö9.  127 

Zuiiächst  var  es  die  totale  Finstemias  vom  ü.  Dec. 
187Ü,  welche  tiuf  Sicilien  und  iiii  südlichen  Spanien  haupt- 
sächlich beobachtet  wurde  und  weitere  Btiträge  zur  besse- 
ren Kennlüiaa  der  SoiineuumhiiUung  lieferte. 

Auf  Tafel  III  erblickt  mau  oben  die  Corona,  wie  sie 
durch  Professor  Winlock  unter  Asaiäteuz  des  Photogrnphen 

Fig.  51, 


VYiLi.AUti  7.11  Xerez  in  Spanien  aufgenommen  wurde.  Die 
Expoäitioosdauer  betrug  l'  ^  Minuten.  Im  Ost  uml  West, 
also  in  der  Aequatorregioii  der  Sonne,  ist  ein  Theil  der 
Strahlen  nicht  zur  Darstellung  gelaugt,  weil  sie  durch  das 
Diaphragma,  welches  das  Gesichtsfeld  des  Fernrohres  be- 
grenzte, leider  abgeschnitten  wunlen.  A.  Bbi>thebs  aus 
Manchester    hui    in    Syrakus    auf  der  Insel    Sicilien    die 


L 


128  Di*  Spficfrulaiialysc. 

Sonne  währentl  der  Totalität  photographirL  Von  fünf 
Bildern  ist  dasjenige  auf  Tafel  III  unten  das  gelnugensU-. 
Es  wurde  wühlend  der  letzten  W  Set'uiiden  der  Totalität 
erhiitten  und  zeigt  deshall)  auf  der  westlichen  Seite  eioeii 


grösseren  Theil   dur  Corona  als   auf  der  OstsL'ite,    wo  sie 
die  Mondscheibe  theilwdse  verdeckt. 

Die  Sonnenfinsterniss  vom  li.  December  1871  lieferte 
wiederum  zahlreiche  photographische  Aufnahmen.  Beson- 
ders die  Bilder,  welche  Lord  Ldjdsay  durch  Davis  in 
Indien  aufnehmen  liess,  sind  sehr  gelungen.  Fig.  ft4  giebt 
eine  gutreuc  Nachbildung  eines  derselben. 


Das  Spectrum  und  die  Natur  der  Protuberanzen.  129 

Von  späteren  Sonnenfinsternissen,  die  photographisch 
aufgenommen  wurden,  sei  hier  zunächst  nur  noch  diejenige 
vom  29.  Juli  1878  erwähnt.  Sie  ereignete  sich  nämlich 
zu  einer  Zeit,  in  welcher  die  Sonne  fleckenfrei  und  über- 
haupt im  Minimum  ihrer  Activität  war.  Professor  Henry 
ÜRAPER  hat  sie  zu  Rawlius  (Wyoming  Territ.)  in  vorzüg- 
licher Weise  photographisch  aufgenommen.  Die  Fig.  56  ist 
eine  genaue  Reproduction  der  ÜRAPKR'schen  Photographie. 

14.  Das  Spectrum  und  die  Natur  der 

Protuberanzen. 

Bei  der  Sonnenfinstemiss  vom  18.  August  1868  wurde 
das  Spectrum  der  Protuberanzen  von  Herschel  in  Sam- 
khandi,  von  Haig  in  Beejapore,  von  Tennant  und  Janssen 
in  Guntoor,  von  Rayet  und  Hatt  in  Wha-Tonne  über- 
einstinmiend  als  aus  wenigen  hellen  Linien  bestehend  er- 
kannt und  damit  constatirt,  dass  diese  Gebilde  aus  glü- 
henden Gasen  bestehen,  in  denen  das  Wasserstoffgas  der 
vorwiegende  Bestandtheil  ist.  Das  Spectrum  dieses  Gases 
ist  bekanntlich  durch  drei  helle  Linien  charakterisirt 
(Farbentafel  zu  Band  I,  Nr.  6),  von  denen  die  erste  rothe 
mit  der  FRAUNHOFER'schen  Linie  C,  die  zweite  grünblaue 
mit  der  Linie  F  übereinstimmt,  die  dritte  dunkelblaue 
aber  nahe  vor  der  Linie  G  liegt.     (S.  Fig.  66,  Nr.  2.) 

Die  Fig.  66  enthält  ausser  den  beiden  Vergleich- 
spectren  Nr.  1  (den  Hauptlinien  des  Sounenspectrums)  und 
Nr.  2  (den  Hauptlinien  des  Wasserstoffgases)  in  Nr.  3,  4, 
5  und  G  die  Spectra  der  Pro  tuberanzen,  wie  sie  von 
Rayet,  Herschel,  Tennant  und  Lückyer  beobachtet 
worden  sind. 

Rayet,  welcher  sein  Spectroskop  a  vision  directe  vor- 

Schftten,  Spectralanalyse.  II.  9 


£ 


zugsweise  auf  die  grosse  IVotuberaiiz  gerichtet  hielt  und 
ea  in  alle  Stellungen  zu  derselben  bi'iichte,  gewahrte  nean 
helle  Linien,  entspredieod   den   dunklen  Liuieti  B,  O,  E, 


Das  Spectnun  und  die  Natnr  der  Protnberanzen.  131 

by  Fy  Gj  ausserdem  eine  gi'üne  Linie  zwischen  b  und  F  und 
eine  blaue  vor  O  (Nr.  3).  Diese  Linien  erschienen  sehr 
hell  auf  dunklem  Grunde,  so  dass  ihre  Lage  leicht  fest- 
gestellt werden  konnte.  Die  hellen  Linien  2),  Ej  F  er- 
schienen im  umkehrenden  Fernrohre  des  Spectroskops  feiner 
und  schwächer  nach  unten  verlängert,  also  von  dem  Sonnen- 
rande abgekehrt,  was  darauf  hindeutet,  dass  ein  Theil  der 
glühenden  Gasmasse,  aus  welcher  die  Protuberanz  bestand, 
sich  in  stark  verdünntem  Zustande  hoch  aufwärts  in  die 
Sonnenatmosphäre  hinein  erstreckte. 

Hebschel  (Nr.  4)  beobachtete  mit  einem  dreiarmigen 
Spectralapparat,  der  für  diese  Zwecke  besonders  construirt 
und  zu  Messungen  der  Spectrallinien  eingerichtet  war.  Bei 
dem  ersten  Blick  nach  der  Protuberanz  erschien  das  Spec- 
trum in  der  Form  von  drei  lebhaft  glänzenden  Linien,  von 
denen  die  orangefarbene  mit  D  zusammenfiel,  die  rothe 
aber  weder  mit  B  noch  mit  C  und  ebenso  die  blaue  nicht 
mit  F  zu  stimmen  schien. 

Tennant  (Nr.  5)  benutzte  ein  Spectroskop  ähnlich 
demjenigen,  welches  von  Hugoins  zu  seinen  Untersuchungen 
über  die  Spectra  der  Fixsterne  und  der  Nebelhaufen  an- 
gewandt wird*.  Das  Protuberanz-Spectrum  zeigte  sich  ihm 
in  der  Form  von  fünf  hellen  Linien,  von  denen  drei  mit  C, 
D  und  b  genau  übereinstimmten,  die  grünblaue  jedenfalls 
sehr  nahe  an  F  und  die  dunkelblaue  nahe  bei  G  lag.  Zu 
genaueren  Messungen  dieser  letzteren  Linien  fehlte  es  an 
Zeit;  aus  den  Beobachtungen  von  Ratet  geht  indessen 
wohl  mit  Gewissheit  hervor,  dass  die  erste  dieser  zweifel- 
haften Linien  wirklich  mit  jF,  die  andere  aber  mit  der 
vor  G  liegenden  Wasserstoflflinie  Hy  zusammenfiel. 

Janssen  sandte  die  erste  telegraphische  Nachricht 
nach  Europa,   dass  das  Spectrum  der  Protuberanzen  aus 


132  Die  Spectralanalyse. 

glänzenden  Linien  bestehe  und  demnach  dieselben  unge- 
heur<*  glühende  Gassäulen  seien,  deren  Hauptbestandtheil 
das  Wassei  stoft'gas  ausmache.  Bei  der  Beobachtung  wurde 
der  Spalt  dicht  an  dem  vorrückenden  Mondrande  gehalteu, 
tangential  an  dem  Punkte,  wo  die  letzten  Sonnenstrahlen 
verschwinden  mussten.  Mijt  dem  Erlöschen  des  letzten 
Strahles  Z(*igten  sich  plötzlich  zwei  neue,  aus  fünf  oder 
sechs  hellen  Linien  bestehende  Spectra  (Fig.  öOj  Nr.  8); 
die  Linien  waren  roth,  gelb,  grün,  blau,  violett,  und  beide 
Spectra,  die  durch  einen  dunklen  Zwischenraum  von  ein- 
ander getrennt  waren,  entsprachen  sich  Linie  für  Linie 
vollständig.  Als  Janssen  das  Spectroskop  verliess  und 
einen  Blick  in  den  Sucher  (Fernrohr)  warf,  erkannte  er 
soglei<'h,  dass  die  beiden  Spectra  von  zwei  prachtvollen 
Protuberanzen  herrührten,  welche  rechts  und  links  von 
dein  Punkte,  wo  der  letzte  Sonnenstrahl  verschwunden  war, 
auf  dt  in  schwarzen  Mondrande  glänzten.  Eine  derselben 
(M-reichte  eine  Höhe  von  3  Minuten  und  glich  einer  Hoh- 
ofeiirianinic,  welche  von  der  Gebläseluft  gewaltsam  an- 
;n4acht  mit  grosser  Heftigkeit  aus  dem  Ofen  hervorbricht; 
die  andere  gewährte  den  Anblick  einer  zusammenhängenden 
Kette  von  weit  ausgedehnten  Schneegebii'gen,  die  auf  dem 
MoiidraiKle  aufzuruhen  und  in  dem  röthlichen  Scheine  der 
untergehenden  Sonne  zu  glänzen  schienen.  Da  die  Haupt- 
linien des  Spectrunis  mit  den  FRAüNHOFKK'schen  Linien  C 
und  F  zusammenfielen,  so  erklärte  Janssen  sofort,  dass 
das  Wfifisrt'xtoffi/ns  einen  wesentlichen  Bestandtheil  der 
Protuberanzen  ausmache. 

Fassen  wir  alle  am  l^.  August  lbG8  gemachten  spec- 
tialanaly  tischen  Heobachtungen  der  Protuberanzen  zu- 
sammen, so  gelangten  wir  mit  Ausscheidung  des  minder 
Wichtigen  zu  folgenden  Resultaten: 


Da»  Spectnim  niid  die  Natur  der  Protuberanzen.        •       131^ 

1 )  Diis  Spectrum  der  Protuberanzen  besteht  aus  einigen 
hellen,  intensiv  leuchtenden  Linien,  unter  denen  die  Wasser- 
stofflinien Ha  •=  C,  Hfi  =  F  und  Hy  nahe  bei  G  be- 
sonders hervortreten. 

2)  Die  Protuberanzen  sind  glühende  Gasmassen,  vor- 
zugsweise glühendes  Wasserstoffgas ;  sie  hüllen  den  ganzen 
Sonnenkörper  ein,  oft  auf  äusserst  weite  Strecken  nur  in 
einer  niedrigen  Schicht,  oft  auch  in  massenhaften,  localen 
Anschwellungen,  welche  zuweilen  eine  Höhe  von  20000 
Meilen  und  mehr  erreichen. 

Bei  der  amerikanischen  Finsterniss  vom  T.August  1869 
haben  Professor  Habkness  in  Des  Moines,  ganz  besonders 
aber  Professor  Ygüng  in  Burlington  die  Spectra  der  ver- 
schiedenen Protuberanzen  untersucht.  Ersterer  benutzte 
(Bin  gewöhnliches  einfaches  Spectroskop  mit  einem  einzigen 
Prisma  von  60^  welches  vor  der  Beobachtung  noch  mit 
einem  Mikrometer  versehen  worden  war.  Bei  der  geringen 
Dispersion  eines  solchen  Instrumentes  können  die  Ab- 
messungen der  Linienabstände  des  Spectrums  verglichen 
mit  denen  der  KiKCHHOFF'schen  Scala  keinen  Anspruch 
auf  Genauigkeit  haben.  Harkness  hat  die  Theile  seines 
Mikrometers  nach  den  Hauptlinien  Frauniiofer's  mit  den 
KiBCHHüFF'schen  Millimeterzahlen  derselben  Linien  ver- 
gUchen  und  die  beobachteten  hellen  Linien  der  in  Fig,  öl 
benannten  Protuberanzen  mit  folgenden  KmcHHOFF'schen 
Zahlen  bezeichnet: 

Protub.  a  gab  annähernd  die  Linien:  093,  1007,  1497  ^K... 

Protub.  r  g^h  annähernd  die  Linien:  698,  1007,  1497,     —    2069. 

Protub.  e  gab  annähernd  die  Linien:  693,  1007,  1497,  1611,2069,2770. 

Protnb.  /■  gab  annähernd  die  Linien:  693,  1007,  1497,     —    2069,  277(L 

Vergleicht  man  diese  nur  annähernd  richtigen  Ab- 
lesungen mit  den  KiRCHHOFF'schen  Zahlen   für  die   wich- 


IM 


Die  9[ieclraliinaljae 


tigei-en  FaACNHoPKE'schen  Linien,  so  ergiebt  sich,  dnss 
die  bellen  Linien  der  beobacbteten  ProtuberanKen  wahr- 
scheinlich 694  =  C  (7/oJ,  1017  =  Oj  (liin'er  i),),  2(i80 
=  F  (Hß),  27D6  =  Hy,  sowie  die  Linie  U74  vor  E 
(statt  1497)  gewesen  sind. 

Weit  genauer  sind  die  Beobachtungen  und  Messungen 
von  YouuG,  dessen  Iiisti'ument  aus  5  Prismen.  Jedes  von 
45"  mit  Seitenfläihen  von  2'/)  und  3'. 4  Zoll,  bestand. 
Fig.  57  zeigt,  in  welcher  Weise  dieses  zusauimengesetete 


Fig.  hl. 


Spectroskop  P  mit  dem  Teleskop  A,  einem  Kometensiu^OT 
von  4  Zoll  Oeffuung  und  30  Zoll  Brennweite,  verbunden 
war.  Der  Collimator  C  hatte  einen  verstellbaren  Spalt  von 
Va  ZoU  Länge;  letzterer  war  mit  einem  Vergleichsprisma 
versehen,  um  das  Licht  der  vermittelB  des  elektrischen 
Funkens  glühend  gemachten  irdischen  Stoffe  oder  einer 
GEisaLKß'scben  Robre  durch  die  eine  Hälfte  des  Spaltes 
in  den  Appai'iit  z\x  fuhren;  durch  die  Zuleitungsdräbte  L 
konnten  die  Elektroden  von  Piatina  mit  einem  Funken- 
Inductor  in  Verbindung  gesetzt  werden.  Bei  Ä  befand 
sich  dicht  vor  dem  Spalte  eine  emgetheilte  Scheibe,  jfteldie 


Dan  Spectmm  ddü  die  Natur  der  Protnberanzen. 


135 


Fig.  58. 


in  der  Mitte  einen  '/g  Zoll  weiten  kreisfÖnuigeti  Quei'schnitt 
bitte  und  dazu  diente,  das  Bild  der  Sonne  scharf  auf  den 
Spalt  einzustellen  und  jeden  Theil  des  Sonnenbildes  nach 
Be[ie))eii  auf  denselben  zu  richten.  Die  Dispersion  der 
fünf  Prismon  betrug  zwischen  den  Linien  A  und  H  unge- 
fähr t)0°  und  die  totale  Ablenkung  für  die  Linie  D  gegen 
leS".  Die  Büchse  P  mit  dem  Prismeiisystem  und  die 
FiismeD  selbst  unter  einander  waren  so 
gestellt  und  durch  Bolzen  b,  b  mit  dem 
Teleekop  A  verbunden,  dass  alle  Linien, 
.welche  die  Mitt«  des  Sehfeldes  einnahmen, 
sich  in  der  vortheilbaitesten  Lage  befan- 
den; Abb  Sehfeld  umfasste  die  Linien  D 
imd  E  gleichzeitig.  Das  Beobachtungs- 
femrohr  E  konnte  vermittels  einer  Mikro- 
melerschraube  T  um  einen  Bolzen  gedreht 
and  Bo  auf  alle  Linien  des  Spectrums  ein- 
gestellt werden;  das  Ocular  hatte  ausser- 
dem noch  ein  Mikrometer  M. 

Das  Spectrum   der  Sonne  war  unge- 
ßhr  l",  Zoll  breit  und  45  Zoll  lang  und 
zeigte  alle    Linien    der   KiacHHOFP'schen 
Zeichnung.    Die  Angabe  des  Instrumentes     ^^^  prCiuhtMnitn 
»IT  durch  wiederholte  Vergleichung   und 
Messongen   von  42  Intervallen  zwischen   den   Hauptlinien 
auf  der  ganzen   Länge   des  Spectrums   von  A  bis  G   mit 
den  KmcHHOFP'schen  Tafeln  vergleichbar  gemacht. 

Vor  dem  Eintritte  der  Totalität  wurde  der  Spalt  xs, 
Fig.  dS,  so  auf  den  Rand  MN  der  Sonne  gerichtet,  dass 
er  senkrecht  zu  der  Tangente  ac  derjenigen  Raiidstelle 
stand,  wo  mit  dem  Eintreten  des  Mondes  in  die  Sonnen- 
Echeibe  (im  umkehrenden  Teleskop  am  linken  Rande)  der 


IStf  Kir  i^iiPi'tnilanalTw. 

crftte  Coiitnct  erfolgen  musite.  Oaa  Spectrom  besteht  n 
solchen  Fällen,  wie  wir  noch  näher  ausfuhren  werden,  au 
üwei  über  einiuider  st«ttenden  Hälften,  von  denen  die  «ae 
sehr  intonsive  ab  cd  das  Spectrutn  dur  Sonne,  die  sndnr 
ein  <iehr  matU's,  infolge  der  grossen  Dispersion  des  Uiiite» 
stwk  abgebhisst«s  Spectrum  arfr  äea  diffusen  Atmosphii»- 
lichtus  ist.  Beide  Spectra  sind  von  den  KRAUKnoFSB'srba 
Linien   gleich»] äsaig   durchzoiteii.   wie   es    die    J-'iff.  :V*  für 


iln«  Stiii'k   des  Speclnims  zwischi-u  IS  uml  '.'   hhIivt  i 
Tiifft  liii-  eine  Spalthälfte  zufiillig  nuf  eine  Protub« 
so  emchoineii  auf  dein   uiatten  Si)ectrum   des  Ta( 
zugleich  die  hellm  Linien   des  in  dieser  fVotaberanz  | 
hendoii  tiases,   also  insbeeondere  die  W^s!^e^stA>ffliI)ielt1 
(rotli)  nnf  f?,  Iffi  (grünl  auf  F  und  liy  (blau)  nahe  i 
Bowie   die  hellen  Linien  der  anderen,   in   der  rrotnlte 
^riHtanden  .SlofTc,  fiklls  soliJie  darin  vorhanden  sind. 
faon  voi-  dein  Eintreten  des  Mondee  in  die  i 
licüiiinJilete  YousG,   als   er  das  Beobachtnnj 


I 


I.'W  l>iP  SpiTlriiliiiiiiljee. 

erste  Cuntsict  erfolgen  musste.  Das  Spectruiii  bestellt  in 
solchen  Fällen,  wie  wir  noch  uäher  ausftibreD  werdeTi,  aus 
zwei  über  einander  stehenden  Hälften,  von  denen  die  eine 
sehr  intensive  ah  cd  das  Spectrum  der  Sonne,  die  andere 
ein  sehr  mattes,  infolge  der  grossen  Dispersion  des  Lichtes 
stark  abgeblasstes  Spectnim  aefr  des  diffusen  Atmosphären- 
lichtes  ist.  Beide  Spectra  sind  *on  den  FBAüNMOFBB'schen 
Linien   gleiubniassig  durchzogen,   wie  es   die   Fig.  Sit   für 


Fig.  ; 


(las  Stück  des  Spectnims  zwischen  ß  und  (.'  näher  zeigt. 
Trifft  die  eine  Spalthälfte  zufällig  auf  eine  Protnbcrauz  y/, 
so  erscheinen  auf  dem  matten  Spectruni  des  Tageslichtes 
Migleich  die  hellvn  Linien  des  in  dieser  Frotuberanz  glü- 
henden Gases,  also  insbesondere  die  Wassersli>ft'linien  Ha 
(rotb)  auf  C,  Ufi  (grün)  aiif  F  und  i/yOilau)  nahe  vor  0, 
sowie  die  hellen  Linien  der  anderen,  in  der  l'rotuberanz 
glültenden  Stoffe,  falls  solche  darin  vorhanden  sind. 

Schon  vor  dem  Eintreten  des  Mondes  in  die  Sonueii- 
scheibe  beobachtete  Youkg,   als   er  das  Beubuchtungsrolir 


^ 


Das  Spectrum  und  die  Xatur  der  Protuberanzen.  VM 

auf  die  Linie  C  des  Spectrums  richtete,  eine  sehr  helle 
rothe  Linie  m  auf  dem  dunklen  Spectrum  der  Sonnen- 
umgebung  genau  in  der  Verlängerung  der  dunklen  Linie  C 
der  Sonne  selbst,  ein  Anzeichen,  dass  die  Sonne  an  dieser 
Stelle  von  einer  Schicht  glühenden  Wasserstoffs  umgeben 
war,  deren  Höhe  aus  der  Länge  der  hellen  Linie  m  sich 
auf  1000  bis  2500   geographische  Meilen   berechnen  liess. 

Nun  ist  klar,  dass  der  Mond  in  seinem  Vorrücken 
gegen  die  Sonne  zuerst  diese  Wasserstoffschicht  bedecken 
muss.  Der  Beobachter  erkennt  den  Eintritt  des  Mondes 
in  diese  Schicht  und  sein  Vorrücken  durch  dieselbe  an 
der  Verkürzung  der  hellen  rothen  Linie  m  und  er  kann 
den  Moment  des  ersten  Contactes  zwischen  dem  Monde 
und  der  Sonne  mit  grosser  Genauigkeit  bestimmen,  wenn 
er  die  Zeit  notirt,  wo  diese  Linie  vollständig  verschwindet. 
Ganz  dasselbe  geschieht,  wenn  man  statt  der  Linie  C  die 
Linie  F  in  das  Sehfeld  des  Beobachtungsrohres  bringt, 
jedoch  empfiehlt  sich  zu  diesem  Zwecke  die  rothe  Linie 
Ha  besser  als  die  grünblaue  Hß. 

Schon  Fayi:  hatte  die  Anwendung  dieser  Spectral- 
methode  zur  genauen  Beobachtung  des  ersten  Eintrittes 
des  Mondes,  der  Venus  oder  eines  andern  Planeten  in 
die  Sonnenscheibe  in  Vorschlag  gebracht;  Young  hat  die- 
selbe ausgeführt.  Kurz  vor  dem  Beginne  der  Totalität 
wurde  der  Spalt  auf  die  in  Fig,  öl  mit  d  bezeichnete 
Protuberanz  gerichtet  und  die  Linie  C  in  das  Sehfeld  ge- 
bracht. Mit  dem  Eintritte  der  Totalität  erglänzte  die 
rothe  Linie  //«  äusserst  intensiv,  aber  sie  durchzog  wegen 
der  geringen  Höhe  der  Protuberanz  nicht  die  ganze  Breite 
des  Spectrunis.  Unterhalb  C  nach  A  hin  wurde  keine 
helle  Linie  wahrgenommen,  eben  so  wenig  zeigte  sich  eine 
solche    zwischen    C  und    D.     Dicht    hinter    der    zweiten 


\U)  Diu  Spectralaniilysc. 

liinrciclK'iid«'  Aiitiiierksaiiikcit  hätte  zugewandt  wenieQ 
können.  Die  wenigen  Ikobaehtungon,  welche  theiU  voii 
lizinA  in  Aden,  theils  von  Tkxxant  in  Guntoor  angestellt 
wnrden.  k(unnien  darin  überein,  da<«  beim  Eintritte  der 
Totalität  alle  dunkle  Linien  des  Lichtsi)ectruius  plötzlirh 
ver«^eh\vanden  und  das  Liebt  der  Corona  nur  ein  sclnnuhf 
rnntitntir/it']nn  Spectruni  gab.  Tenxant  giebt  zu,  das^ 
di<>s('>  S))ectruni  auch  wohl  noch  schwache  Linien  gehabt 
lialM'n  möge,  die  er  jedoch  nicht  habe  wahmelimen  können, 
weil  er,  um  überhaupt  etwas  zu  sehen,  den  Spalt  seines 
Instrumentes  weit  ger>t}net  habe  und  folglich  etwaige  Linien 
in  einander  hätten  vertliessen  müssen. 

Die  amerikanisehe  Finsteniiss  (18G9)  hat  über  das 
Spi'ctrum  und  damit  zugleich  über  die  Natur  der  Corona 
ein  rcMcheres  Material  geliefeil,  welches  zunächst  die  frü- 
heren lieobaclitungt'n.  dass  dieses  Spectrum  keine  dunkle 
Linien  hat,  i)estäti<j>t. 

ricKKi{iN(T,  IIakknkss,  Young  u.  A.  stimmten  darin 
ülHMein,  (lass  in  dem  Augenblick,  wo  der  letzte  Strahl  der 
Sonn«'  vcrM-liwand,  auch  sinnmtliche  FRAüNHOFEn'sche  Linien 
jius  dem  S])e(trum  vei'sehwanden.  In  den  kleineren  Instru- 
menten von  Pi(;ki:kin(;  un<l  Harknkss,  deren  Gesicht^^tekl 
*imss  war,  rührte  das  Speetrum  von  der  Corona,  den 
IVotuluran/en  und  tiem  Himmel  in  der  Nahe  der  Sonne 
her.  Während  der  TotMÜtät  zeigt^Mi  diene  Instrumente 
ein  seil  waches  eontinuirhehes  Spectrum,  das  von  dunklen 
Linien  trei,  daj^egen  von  ztni  bis  (ftwi  hvllva  Linien  durcli- 
/o«^en  wMi". 

YorNc;,  (lesM'ii  Speetrosko]»  (Fltj.  nl)  aus  liinf  Prismen 
bestand.  I'nnd  im  Sp(»etnim  der  Corona  die  drei  hellen 
Linien,  wehbe  .inf  Tafel  IV,  Xr.  2,  bezogen  auf  die  daniber 
stehendem    Millimeterscala    Kikchhoff's,    in    der   Farbe,   in 


Dm  S]HMrtmni   und  illi>  Nntnr  i]pr  CorouB.  111 

welcher    sie    erBcbieneu,    eingetragen    sind.     Diese   Linien 
waren  1250+20,  135(H-20  und  1474. 

Die  Wellenlänge  der  Linie  1474  beträgt  nach  An«- 
STRöH  O.Wt05.5159  mm.  üebrigens  ist  das  Ziisammenlalten 
derselben  mit  einer  Eisenlinie  nur  scheinbar  und  bedingt 
durch  eine  zu  geringe  Dispersion  des  benutzten  Speetro- 
ftkops.  Im  Jnlire  1876  fand  nämlich  Yoünh  unter  An- 
wcnduu);  eiues  mächtigen  Spectralapparates,  dass  die  ge- 
nannte' Linie  in  Wirkliclikeit  doppelt  ist     Die  brechbarere 


Pig- 

n). 

^■^■H 

1^ 

Hl 

^M 

TOD  beiden  erscheint  etwas  nebelig,  die  andere  dagegen 
scharf  und  nohlhegrenzt.  Erstere  ist  die  vrirkbche  Corona- 
Uoie,  die  andere  aber  gehört  dem  Eiseiidampfe  an.  Fig.  HO 
giebt  eine  Dai'stelhug  des  Specti'ums  nahe  der  in  Reiie 
stehenden  Linie  nach  einer  Zeichnung  von  Youko. 

Welche  SubstaiiK  diese  Coronalinie  erzeugt,  ist  zur  Zeit 
noch  völlig  unbekannt.  Winlook  hat  zwar  im  Spectrum 
eines  hellen  Nordlichtes  uuter  fünf  von  ihm  gesehenen  Linien 
auch  eine  solche  nahe  l)ei  1474  (K.;  gesehen  (Tafel  IV, 
Fig.  3)  und  Youxo  schtosa  damals  auf  die  Identität  dieser 


Das  Spectrnm  und  die  Natur  der  Protuberanzcn.  187 

auf  die  Linie  C  des  Spectrums  richtete,  eine  sehr  helle 
rothe  Linie  m  auf  dem  dunklen  Spectrum  der  Sonnen- 
umgebung genau  in  der  Verlängerung  der  dunklen  Linie  C 
der  Sonne  selbst,  ein  Anzeichen,  dass  die  Sonne  au  dieser 
Stelle  von  einer  Schicht  glühenden  Wasserstoffs  umgeben 
war,  deren  Höhe  aus  der  Länge  der  hellen  Linie  m  sich 
auf  1000  bis  2500  geographische  Meilen  berechnen  liess. 

Nun  ist  klar,  dass  der  Mond  in  seinem  Vorrücken 
gegen  die  Sonne  zuerst  diese  Wasserstofischicht  bedecken 
muss.  Der  Beobachter  erkennt  den  Eintritt  des  Mondes 
in  diese  Schicht  und  sein  Vorrücken  durch  dieselbe  an 
der  Verkürzung  der  hellen  rothen  Linie  m  und  er  kann 
den  Moment  des  ersten  Ck)ntactes  zwischen  dem  Monde 
und  der  Sonne  mit  grosser  Genauigkeit  bestimmen,  wenn 
er  die  Zeit  notirt,  wo  diese  Linie  vollständig  verschwindet. 
<ianz  dasselbe  geschieht,  wenn  man  statt  der  Linie  C  die 
Linie  F  in  das  Sehfeld  des  Beobachtungsrohres  bringt, 
jedoch  empfiehlt  sich  zu  diesem  Zwecke  die  rothe  Linie 
Ha  besser  als  die  grünblaue  Hß. 

Schon  Fayi«:  hatte  die  Anwendung  dieser  Spectral- 
methode  zur  genauen  Beobachtung  des  ersten  Eintrittes 
des  Mondes,  der  Venus  oder  eines  andern  Planeten  in 
die  Sonnenscheibe  in  Voi'schlag  gebracht;  Yoüng  hat  die- 
^Ibe  ausgeführt.  Kurz  vor  dem  Beginne  der  Totalität 
^urde  der  Spalt  auf  die  in  Fig.  61  mit  d  bezeichnete 
Protuberanz  gerichtet  und  die  Linie  C  in  das  Sehfeld  ge- 
dacht. Mit  dem  Eintritte  der  Totalität  erglänzte  die 
rothe  Linie  //«  äusserst  intensiv,  aber  sie  durchzog  wegen 
^^r  geringen  Höhe  der  Protuberanz  nicht  die  ganze  Breite 
des  Spectrunis.  Unterhalb  C  nach  A  hin  wurde  keine 
"^lle  Linie  wahrgenommen,  eben  so  wenig  zeigte  sich  eine 
solche    zwischen    C  und    D.     Dicht    hinter    der    zweiten 


\-U)  Die  Spectralanalyso. 

hiiuT'iclKiuh»  Aut'nuM'ksjiinkcit  hätte  zugewandt  wenleu 
köiiiKMi.  Die  wenigen  Beobachtungen ,  welche  theils  vun 
llziHA  in  Ad(MK  theils  von  Texnant  in  Guntoor  angestellt 
wurden.  k<unnien  (hirin  überein,  dass  beim  Eintritte  der 
Totalität  alle  dunkle  Linien  des  Lichtäpectrums  plötzlirh 
verseilwanden  und  das  Licht  der  Corona  nur  ein  schfnrrhf* 

rinifinnir/irhrs    SpCtrtl'Uni     gab.      TkNXANT     giebt     ZU,    das* 

dieses  Speetruni  auch  wohl  noch  schwache  Linien  gehabt 
haben  ni(')ge,  die  i*r  jedoch  nicht  liabe  wahrnehmen  können, 
weil  er.  um  überhaupt  etwas  zu  scheu,  den  Spalt  seines 
Instrumentes  weit  geiittnet  habe  und  folglich  etwaige  Linien 
in  einander  hätten  vertlit^sen  müssen. 

Die  amerikanische  Fiusterniss  (18(>1))  hat  über  das 
Speetrum  un«l  damit  zugleich  über  die  Natur  der  Coronn 
ein  reicheres  Material  geliefert,  welches  zunächst  die  frü- 
heren Heobaehtungen,  dass  dieses  Spectrum  keine  dunkle 
Linien  hat,  bestätigt. 

TicKKuiNci,  IIauknkss.  Young  u.  A.  stimmten  dariu 
iiberein,  (hiss  in  dem  Augi^nblick,  wo  der  letzte  Strahl  der 
Sonne  vei  sehwand,  auch  sä  mm  1 1  iche  FRAUNHOFKB'sche  Linien 
aus  (h'm  Spertrum  vei-seh wanden.  In  den  kleineren  Instru- 
menten von  PirKKinx«;  und  Hakkxkss,  deren  Gesichtsfeld 
^M'oss  war,  rührte  «las  Spectrum  von  der  Corona,  den 
l'rotuheranzen  und  dem  Himmel  in  der  Nähe  der  Sonne 
her.  Während  der  Totalität  zeigton  diese  Instrumente 
ein  sehwaehes  eontinuirliches  Spectrum,  das  von  dunklen 
Linien  trei.  <lageg(»n  von  zfni  bis  dn't  hrllm  Linien  durch- 
zof^fu  war. 

YnrN(i.  desM-n  Spectrijskop  (I"fi]'f>7)  aus  fiinf  Prismen 
iM'stand,  tand  im  Spectrum  der  Corona  die  drei  hellen 
Linien,  welciie  auf  Tafel  IV.  Nr.  2.  bezogen  auf  die  darül>er 
stehende    Millimeterscala    KjKrHiioFi?''s,    in    der   Farbe,   in 


wahrscheinlich  der  Corona  angehörend. 


Das  Spectmm  und  die  Natar  der  Corona.  139 

ein  klares  Bild  des  Protuberanzen-Spectrums,  wie  es  sich 
zur  Zeit  der  Totalität  einer  Sonnentinsterniss  dem  Auge 
darstellt.  Selbstverständlich  fehlt  dann  die  obere  Hälfte  des 
Bildes  oder  das  Sonnenspectrum ;  statt  dessen  zeigte  sich 
auf  dem  Spectrum  der  Protuberanzen  noch  ein  schwaches 
continuirliches  Spectrum,  ohne  irgend  eine  Spur  von  dunklen 
Linien,  welches  ohne  Zweifel  der  Corona  angehörte, 

Stellen  wir  die  hellen  Protuberanzlinien  nach  der 
damaligen  Beobachtung  von  Yoüng  nochmals  in  ihrer 
Reihenfolge  vom  Roth  bis  Blau  übersichtlich  zusammen, 
80  standen  sie  nach  der  KiECHHOFF'schen  Scala  auf  fol- 
genden Zahlen: 

1)  694  ...  C  =  IIa. 

2)  1017,5  .  .  .  />j  (weder  dem  Wasserstoff  noch  dem  Natrinm  angehörend). 
8)  1250+20 

4)  1350+20 

5)  1474 

6)  2080  .  ,  .  F  —  Hß. 

7)  2602+2  (auch  von  Lieutenant  Hkrschel  zwischen  F  und  G  bei  der 

Finsterniss  vom  18.  August  1868  beobachtet). 

8)  2796  .  .  ,  Hy. 

9)  3370,1   .  .  .  h  =  HS, 

Die  Resultate  der  spectroskopischen  Beobachtung  der 
Protuberanzen,  welche  die  Finsterniss  von  1868  geliefert 
hat,  erhielten  also  durch  die  Beobachtungen  von  1869 
ihre  volle  Bestätigung  und  die  späteren  Finsternisse  haben 
noch  Erweiterungen  gehefert,  auf  deren  Bedeutung  wir  in 
den  folgenden  Paragraphen  zurückkommen  werden. 


15.  Das  Spectrum  und  die  Natur  der  Corona. 

Bei  der  indischen  Sonnenfinsterniss  (1868)  nahm  die 
spectroskopische  Untersuchung  der  Protuberanzen  die  Be- 
obachter zu  sehr  in  Anspnich,   als   dass  der  Corona  eine 


140  Die  Speciralanulysc. 

hinreichende  Aufmerksamkeit  hätte  zugewandt  werden 
können.  Die  wenigen  Beobachtungen,  welche  theils  von 
RziHA  in  Aden,  theils  von  Tennant  in  Guntoor  angestellt 
wurden,  kommen  darin  überein,  dass  beim  Eintritte  der 
Totalität  alle  dunkle  Linien  des  Lichtspectrums  plötzlich 
verschwanden  und  das  Licht  der  Corona  nur  ein  schwaches 
confmtu'rlfches  Spectrum  gab.  Tennant  giebt  zu,  dass 
dieses  Spectrum  auch  wohl  noch  schwache  Linien  gehabt 
haben  möge,  die  er  jedoch  nicht  habe  wahrnehmen  können, 
weil  er,  um  überhaupt  etwas  zu  sehen,  den  Spalt  seines 
Instrumentes  weit  geöffnet  habe  und  folglich  etwaige  Linien 
in  einander  hätten  verfliessen  müssen. 

Die  amerikanische  Finstemiss  (1869)  hat  über  das 
Spectrum  und  damit  zugleich  über  die  Natur  der  Corona 
ein  reicheres  Material  geliefert,  welches  zunächst  die  frü- 
heren Beobachtungen,  dass  dieses  Spectrum  keine  dunkle 
Linien  hat,  bestätigt. 

Pickering,  Harkness,  YouNa  u.  A.  stimmten  daiin 
überein,  diiss  in  dem  Augenblick,  wo  der  letzte  Strahl  der 
Sonne  verschwand,  auch  sämmtliche  FRAUNHOFER'sche  Linien 
aus  dem  Spectrum  vei^schwanden.  In  den  kleineren  Instru- 
menten von  PxcKERiNG  und  Harkness,  deren  Gesichtsfeld 
gross  war,  lührte  das  Spectrum  von  der  Corona,  den 
Frotuberanzen  und  dem  Himmel  in  der  Nähe  der  Sonne 
her.  Während  der  Totalität  zeigten  diese  Instrumente 
ein  schwaches  continuirlichos  Spectrum,  das  von  dunklen 
Linien  frei,  dagegen  von  zwei  bis  di^ei  hvllvti  Linien  durch- 
zogen war. 

YurxcT,  dessen  Spectroskop  f/'V//.  67)  aus  fünf  Prismen 
])estand,  fand  im  Spectrum  der  Corona  die  drei  hellen 
Linien,  welche  auf  Tafel  IV,  Nr.  2,  bezogen  auf  die  darüber 
stehende    Miliimeterscala    Kirchhofe's,    in    der   Farbe,    in 


Baa  Spectrnm  und  die  Natur  der  Corona.  143 

den  hellen  Linien  der  Protuberanzen  der  Fall  ist.  2)  Das 
grüne  Bild  der  inneren  ringförmigen  Corona  war  ganz 
gleichförmig  und  am  deutlichsten  ausgeprägt;  am  schärf- 
sten zeigten  sich  seine  höchsten  Theile,  obwohl  das  Licht 
an  diesen  oberen  Stellen  weniger  intensiv  war  als  an  der 
Basis.  Es  ]iatte  anscheinend  eine  ganz  kreisförmige  Ge- 
stalt und  erstreckte  sich  bis  ungefähr  auf  ti  bis  7  Minuten 
vom  Sonnenrande.  3)  Auch  im  Roth  bei  C  zeigte  sich 
ein  Coronabild,  aber^  etwas  ven^aschen  und  nicht  so  hell 
wie  im  Grün  bei  1474;  selbst  im  Blau  bei  F  und  h  zeigten 
sich  Spuren  des  Bildes,  aber  sehr  blass  und  undeutlich. 
4)  Die  farbigen  Bilder  standen  auf  einem  lichtschwachen 
und  etwas  farbigen  Hintergrunde;  wenn  daher  das  Licht 
der  Corona  noch  andere  Linien  als  die  grüne  1474  ent- 
hält, so  sind  diese  jedenfalls  weit  schwächer  als  die  letztere. 

Bei  derselben  Finstemiss  sah  Janssen  nach  der  ge- 
wöhnlichen Methode  ein  schwaches  continuirliches  Spec- 
trum und  ausser  der  hellen  grünen  Linie  noch  dunkle, 
von  denen  er  D  sicher  erkannte. 

Bei  der  Sonneufinstemiss  vom  29.  Juli  1878  sah  Pro- 
fessor Bbackett  (von  der  Princeton-Expedition,  die  unter 
Führung  von  Young  zu  Denver  beobachtete)  bei  Anwen- 
dung eines  spaltlosen  grossen  Spectroskops  a  vision  directe 
von  den  farbigen  Coronabildem  keine  Spur.  Prof.  Ygüng 
benutzte  ein  fluorescirendes  Ocular,  welches  das  sonst  un- 
sichtbare ultraviolette  Ende  des  Spectrums  zeigt.  Der 
Apparat  liess  vor  der  Finstemiss  zahlreiche  dunkle  Linien 
in  diesem  Theile  des  Spectrums  erkennen,  aber  während 
der  Finstemiss  zeigte  er  keine  Spur  von  hellen  Linien. 
Die  sehr  sorgfältig  präparirten  und  empfindlichsten  photo- 
graphischen Platten  hatten  keinen  bessern  Erfolg,  ausser 
dass  Dr.  Drapeb,  N.  Lockyeb  und  einer  oder  zwei  andere 


■■«■f 


1 1  {  Dil'  Spei'tntlanalyfle. 

Ii(Mil):uhtor    inittt'ls    eines    spaltlosi-ii    Spectroskops    einen 
AlMlriick    eines    scliwacheu   coutinuirlichen    Spectrums  im 
ritraviolett    erliielten,    olme    Ringe    oder    Zeichen    irgend 
^\<•li-lu'r  Art.     OtVenliar  waren  keine  Linien  vorbanden,  die 
hi;ni  liättr  seilen  oder   photograpliiren    können.     I^fessor 
lIiMKWooi)    fand   das   Spectruui   der   Corona    continuirlich 
und  niässit;  htdl,   auch  er   konnte  keine  Spur    von   hellen 
Kini^'en    erkennen.     Prot'.   Eastman   inachte    den    Versach, 
die   llölie   /u   messen,    bis   zu  weleber    das   continuirliche 
Spectruni   sieh   ausdehnte.     Obwohl  die  Corona   nach  den 
ver^('h irdenen    Richtungen   hin  nicht  gleich    intensiv  war, 
sn  verschwand  das  Spectruin   doch   fast   in   gleicher  Höhe 
rin^s    um    den   ^'anzen   Rand   (Kt   Sonne.     Prof.    Barker. 
dtT   /.u   Rawlins   «Wyoming)   beobachtete,    berichtet:    „Als 
ich  meine  AutinerkNanikeit  dem  Spectroskop  zuwandte,  auf 
dessen    Spalt    liereits    das   Bild    der   Corona    mittels    des 
Suchers  einge>tellt  war,  wobei  der  Spalt  eine  radiale  Stel- 
lung hatte,   zeigte   mir   der   ei-ste  Blick  durch  das  Instru- 
ment ein  hellc>  aber  continuirliches  Spectrum.    Die  geprüfte 
(irgend  war   derjenige  Theil   des  Spectrums,    der    vor  der 
TotMlität  /wiM-Jieii    die  Nadelspitzen   des  Mikrometers  ein- 
gestellt  war.     (ianz  unvorbereitet  auf  ein   so  unerwartetes 
II CSU I tat  liewegte  ich  das  beobachtende  Femrohr  so,  dass 
das   ^riinc   Feld    des  SpiM'trums   ins  Ciesichtsfeld  kam,  da 
ich  sii-iier  eiwartete.   1-174  (K.)  zu  sehen  und   durch  das 
An^x'IiiMi   dieser   Linie   festzustellen,  ob   mein  Apparat  in 
l  hordnung  gt'kommen.     Al)er  auch  hier  war  keine  helle 
Mnie;   der  grüne  Theil  erschien  eben  so  continuirhch  wie 
der  blaue.     Ich    ven^igerte   hierauf  allmählich   den  Spalt 
der   vorlier   am   Sonn(>nspectrum   so   eingestellt   war,   dass 
<lie  />-Liuie  an  ihren  Rändern  nel)Iig  ei*schieu,   indem  ich 
liotVle,  dadurch  die  Schürfe  zu  verbessern;  aber  mit  keinem 


Das  S|)octmm  nnd  dio  Natur  der  Corona.  145 

besseren  Ergebniss;  es  konnten  keine  helle  Linien  gesehen 
werden.  Zu  meiner  grossen  Ueberraschung  aber  erschien, 
als  der  Spalt  so  verengert  war,  die  untersuchte  Gegend, 
die  sich  von  h  bis  G  erstreckte,  erfüllt  mit  dunklen  Linien 
auf  dem  hellen  Hintergründe,  und  es  konnten  diese  dunklen 
Linien  erkannt  werden  als  die  FRAUNHOFEa'schen  Sonnen- 
linien. Noch  bestrebt,  helle  Linien  zu  erhalten,  öffnete 
ich  den  Spalt  allmählich,  bewegte  das  Beobachtungsfem- 
rohr über  die  ganze  Länge  des  Spectrums  vom  Roth  bis 
zum  Violett,  wiederholte  die  Operation  dreimal,  indem  ich 
in  jeder  Gegend  von  Zeit  zu  Zeit  die  Breite  des  Spaltes 
änderte;  aber  ich  konnte  keine  einzige  helle  Linie  ent- 
decken. Herr  Draper  wurde  hinzugerufen  und  bestätigte 
diesen  Befund,  den  er  auch  an  seinem  eigenen  Spectroskop 
gesehen  hatte. 

Ich  kehrte  zum  Spectroskop  zurück,  stellte  den  Spalt 
tangential  zum  Mondrande,  bewegte  das  Beobachtungs- 
fernrohr von  einem  Ende  des  Spectrums  zum  andern, 
indem  ich  in  Intervallen  den  Spalt  verengerte  und  erwei- 
terte; aber  das  Spectrum  erschien  so  continuirUch  wie 
zuvor.  Hierauf  wuide  der  Spalt  wieder  radial  gestellt  und 
nun  ein  anderer  Theil  der  Corona  untersucht.  Bei  der 
Prüfung  des  Spectrums  erschienen  wieder  keine  helle  Linien, 
ausser  einmal  in  einem  Moment,  als  der  Spalt  über  eine 
kleine  Protuberanz  ging,  die  am  Südwestrande  der  Sonne 
vorhanden  war.  Da  von  den  1G5  Secunden  nun  bereits 
ein  Drittel  verstrichen  war,  entschloss  ich  mich,  die  noch 
übrige  Zeit  auf  eine  sorgfältigere  Prüfung  der  Fraun- 
HOFER'schen  Linien  zu  verwenden. 

Jetzt  zum  erstenmale,  da  ich  die  Breite  des  Spaltes 
und  seine  Stellung  zur  Corona  mit  mehr  Sorgfalt  regulirte, 
beobachtete  ich,    dass  diese  Linien  nicht  durch  das  ganze 

SchtlUn,  Spcctralanalysi'.  11.  10 


146  Die  Spectralanaljse. 

Feld  deutlich  hindurchgingen,  sondern  eine  Länge  hatten^ 
die  der  Breite  des  Coronabildes  auf  dem  Spalt  entsprach. 
An  der  Basis  des  Spectrums,  welche  der  Basis  der  Corona 
entsprach,  erschienen  sie  hell  und  scharf  und  zwar  so  sehr 
als  in  dem  ähnlich  concentrirten  Mondlichte;  gleichwohl  war 
das  continuirliche  Spectrum,  das  ihren  Hintergrund  bildete, 
relativ  heller  als  das  des  Mondhchtes.  Es  war  nicht  schwer, 
sie  als  FBAUNHOFEB'sche  Linien  zu  identificiren.  So  waren 
b  und  F  ganz  besonders  deutlich,  und  D,  E  und  G  wurden, 
wenn  sie  auch  weniger  deutlich  waren,  identificirt.  Sie  ver- 
blassten  allmählich  von  der  Basis  des  Spectrums  nach  oben 
und  schienen  zu  enden,  wo  das  continuirUche  Spectrum  der 
Corona  oben  begrenzt  war.  Während  ich  hiermit  beschäf- 
tigt war,  zeigte  ein  Strahl  Sonnenlicht,  dass  die  Totalität 
beendet  imd  die  Sonnenfinsterniss  von  1878  vorüber  war." 

Was  ist  nun  die  Natur  der  Corona,  dieses  in  silber- 
weissem  magischem  Lichte  strahlenden  Kranzes,  welcher 
zur  Zeit  der  totalen  Finsterniss  die  schwarze  Mondscheibe 
wie  mit  einem  Heiligenschein  umgiebt  und  dadurch  dem 
ganzen  Phänomen  einen  unbeschreiblichen  Reiz  verleiht? 
Man  hat  früher  geglaubt,  dass,  während  der  innere  helle, 
an  den  Mondraud  sich  anschliessende  Lichtring  der  Sonne 
selbst  angehöre,  die  von  demselben  auslaufenden  Strahlen 
nichts  Anderes  seien  als  die  an  dem  dunklen  und  unebenen 
Moudkörper  refiectirten  Sonnenstrahlen,  welche  durch  eine 
Art  Lichtbeugung  in  die  Atmosphäre  der  Erde  und  von 
dieser  durch  Reflexe  in  das  Auge  des  Beobachters  gelangten. 

Ohne  die  Möglichkeit  zu  bestreiten,  dass  auf  diese 
oder  eine  ähnliche  Weise  in  einzelnen  Fällen  scheinbare 
Strahlungen  entstehen  mögen,  darf  man  doch  sicherlich 
die  Strahlung  der  Corona  im  Allgemeinen  auf  ein  solches 
optisches  Phiinonien  nicht  zurückführen. 


Das  Spectrnm  und  ilie  Xatnr  der  Corona.  147 

Die  Vergleichung  der  photographischen  Bilder  fuhrt 
ferner  zu  der  Wahrnehmung,  dass  in  dem  Miisse,  wie  der 
Mond  fortrückte,  die  Corona  am  östHchen  Rande  der  Sonne 
immer  mehr  bedeckt,  am  westUchen  Rande  immer  mehr 
frei  wurde,  der  Lichtkranz  sich  also  nicht  mit  dem  Monde 
fortbewegte,  sondern  unverändert  während  der  ganzen 
Finsterniss  stehen  bh'eb. 

Dass  also  die  Corona  der  Sonne  angehört,  darüber 
kann  kein  Zweifel  bestehen,  um  so  dunkler  ist  dagegen 
noch  ihr  Wesen  selbst.  ZiemUch  sicher  ist  zunächst  nur, 
dass,  nach  Ausweis  der  Finsternissbeobachtungen  bis  1878 
inclusive,  die  Ursache,  welche  eine  elfjährige  periodische 
Veränderung  der  Fleckenhäufigkeit  der  Sonne  bedingt,  in 
ähnlicher  periodischer  Art  auch  die  Corona  afficirt.  „In  den 
Jahren  1869,  1870  und  1871,"  sagt  Prof.  Yoüng,  „waren 
die  gasigen  Bestandtheile  der  Corona,  der  Wasserstoff  und 
die  ,1474-MaterieS  in  solcher  Menge  und  Beschaffenheit 
vorhanden  und  sie  erhoben  sich  so  hoch  über  die  Oberfläche 
der  Sonne,  dass  ihre  Linien  im  Spectrum  der  Corona 
deutUch  waren  und  die  Aufmerksamkeit  der  Beobachter 
stärker  anzogen  als  das  schwache  continuirliche  Spectrum 
des  von  deij  kleinen  festen  oder  flüssigen  Körperchen,  die 
gleichfalls  einen  wesentlichen  Theil  der  Corona  bilden, 
ausgestrahlten  und  reflectirten  Lichtes;  1878  ist  das  Ver- 
hältniss  umgekehrt  Die  Gase  sind  entweder  ihrer  Menge 
nach  zu  gering  oder  zu  kühl,  um  sichtbar  zu  sein." 

Die  Discussion  der  Ergebnisse,  welche  besonders  die 
Finsterniss  vom  29.  Juli  1878  lieferte,  führte  A.  Schuster 
zu  dem  etwas  gewagten  Schlüsse,  dass,  indem  das  Erscheinen 
eines  continuirlichen  Spectrums  auf  die  Gegenwart  fester  oder 
flüssiger  Theilchen  lünweist,  man  an  eine  Materie  denken 
müsse,  die  nach  Art  von  kosmischen  Meteoren  in  die  Sonne 

10» 


1 18  Die  Spectralftnalyse. 

j 

^,li£.'  \\i\h\     Man  kann  sich  diese  vorstellen  als  ein  Reg 

Mitcoren,  der  aus  allen  Richtungen  auf  die  Sonne  nie 
-     ,  und  dabei  in  reiloctiilem  Sonnenlichte    leuclitet?   al 

I     !  ^^leieh  auch  infoijL^e  der  ungeheuren  Erhitzung,    wel 

Partikelchen  erleiden,  eigenes  Licht  aussendet.    Auch 


t 


■4h 


tindet  es  wahrscheinlich,   dass,   während    die  gasig< 

*  Üi  niente  der  Corona  streng  zur  Sonne  gehören,  die  nie 

fl5[:  l'(irnii«j:e  Substanz,  d(»r  Corona-Staub  oder  -Nebel,  voi 

dem  und  sehr  wahrscheinlich  meteorischem  Ursprui 

^^-.  SciirsTKK  hat  folgende  Hypothese   zur  Erklärung  < 

*jil*  scheinun^iMi   aufgestellt:    „Ein   Mcteorschwarni   krc 

i|9-[:  die  Sonne  in  einer   sehr  exceutrischen  Bahn.      Bei 

J'i'.  reriheldurcligang   geht    eine  Anzahl   von  Meteoi-en 

w,}(f;  Stmne  auf,  und  zwar  wegen  der  gesteigerten  Häutigkc 

[ijij;  Zusaiiinienstosses  unter  einander  und  der  Auflösung 

f:':;!^'  iler  Teniperatuisteii^erung  und  des  Eintretens  in  die  S 

i-iF-l  ti-niiKM-atur.     Die   loirale   Teniperatursteigerung.    die 

^fi.  das  Hineinfallen  veranlasst  wird,  imiss  an  der  Obc 

Tr..:«!  der   Sonne    Stniniungen   erzeugen   und   Cyklone    en 

£',;(■'  hissen,   die   wir  Scninentlecke   nennen.     Wenn    die  3 

'r;'tJ '  i'iiie  Periode  haben,  so  dass  alle  elf  Jahre  eine  zahlr 

•rhi  Miiij^e  ilurch  da^  PiM-ihel  geht,  dann  wii'd  sich   eine 

ilfhj!  Anzahl  von  Sonnenih-cken  bilden,  und  gleichzeitig  ^ 

,^  y:  wir   i'inen  l.'ntiTschied    in   dem  Aussehen   der  Coroi 

*'^i  obachten,  der  widil  von  der  Art  sein  könnte,    wie  b 

■jij,"|  wirklich  beobachtet  hat."     Hei    dem  gegenwärtigen  i 

^!|.  der  WiNseiischaft  iM  die  Erai'e  nach  der  Natur  der  ( 

i:;(i'  nur  hvpoth<*tisch  zu  beantwiu'ten;   es  wird   ferneren 

^ij.«  niltigen  Heobachtungen  bei  späteren  totalen  Sonnenfi 

riij;:  ni-^scn  voiliehallen    bleiben,   weitere  Erfiihrungen    zu 

j:;jj»j"  mein,  um  die  bereits  jetzt  gewonnenen  Ansichten  zu  sl 

-,|Ii '  oder  andere  an  denni  Stelle  zu  setzen. 

*  ■  j!  -•  ■ 


Das  Tclespectroskop  n.  die  Beobachtnog  des  rrotuberauzspvctrams.  1 19 

16.  Das  Telespectroskop  und  die  Methode, 
das  Spectrum  der  Protnberanzen  bei  Sonnenschein 

zu  beobachten. 

Schon  im  October  1866  theilte  J.  Norman  Lockyer 
der  Royal  Society  zu  London  eine  Methode  mit,  um  das 
Spectruni  der  Protuberanzen  zu  jeder  Zeit,  wenn  die  Sonne 
sclieint,  zu  beobachten;  aber  seine  Bemühungen  blieben 
ohne  Ei-folg,  weil  die  von  ihm  angewandten  Spectralappa- 
rate  eine  zu  geringe  Dispersionskraft  hatten. 

Als  Janssen  bei  der  Beobachtung  der  Sonnenfinster- 
niss  vom  18.  August  1868  von  dem  ausserordentlichen 
Glänze  der  Protuberanz-Linien  überrascht  wurde,  rief  er 
bei  dem  Wiedererscheinen  der  Sonne  und  dem  Verschwin- 
den der  Protuberanzen  aus:  „Je  reverrai  ces  lignes  la  en 
dehors  des  echpses!"  Aber  Wolken  verhinderten  ihn, 
noch  am  selbigen  Tage  seine  Absicht  auszuführen.  Am 
19.  August  war  er  vor  Tagesanbruch  aufgestanden,  um 
den  Sonnenaufgang  zu  beobachten.  Kaum  hatte  sich  das 
Tagesgestirn  in  seinem  vollen  Glänze  über  den  Horizont 
erhoben,  als  es  ihm  gelang,  das  Spectrum  der  Protube- 
ranzen in  voller  Klarheit  zu  sehen.  Der  Anblick  des 
vorigen  Tages  war  vollständig  verändert.  Die  Vertheilung 
der  Gasmassen  war  rings  um  die  Sonne  herum  eine  ganz 
andere  geworden,  und  von  der  grossen  Protuberanz  wturen 
kaum  noch  einige  Spuren  übrig  geblieben.  Von  diesem 
Tage  an  studirte  Janssen  in  Indien  siebzehn  Tage  lang 
hinter  einander  die  Protuberanzen  und  entwarf  Zeich- 
nungen, aus  denen  hervorging,  dass  diese  Gasmassen  mit 
ausserordentlicher  Geschwindigkeit  Gestalt  und  Ort  ver- 
ändern. Der  Bericht  von  Janssen,  in  welchem  er  seine 
neue  Entdeckung  dem  französischen   Minister  des  Unter- 


15<>  I>i»*  Spectralaualyse. 

richts   iiiittlu*iltc\    ist    vom    19.  September    aus    Korana^h 
«latirt. 

L(kkyi:k  liatte  inzwischen  sein  Instniiiieiit  verbesseit; 
iil»rr  eist  am  1().  October  1868  kam  er  in  den  Besitz  des- 
sellx'ii,  als  die  Nachricht  von  der  Entdeckung  Jaxssex's 
Knropa  längst  erreicht  hatte.  Am  20.  October  war  das 
TvJt'spi'ctroüknp*  so  weit  aufgestellt,  dass  damit  Beol)- 
achtmijr^^n  angestellt  werden  konnten,  und  noch  an  dem- 
selben Tage  konnte  Lückyer  an  die  Royal  Society  in 
London  schreiben: 

„Irh  hab(!  diesen  Morgen  mit  vollständigem  Erfolge 
das  Sprctiinn  einer  Sonnenprotuberanz  erhalten  und  beob- 
achtijt.  Das  Resultat  ist  das  Auftreten  von  drei  hellen 
Linien  in  folgender  Lage  (Fhj.öÖ^  Nr.  6):  1)  eine  Linie 
voll>tän(li;;  coineidirend  mit  C,  2)  eine  Linie  coincidirend 
mit   /•',  .*>)  eine  Linie  nahe  bei  />." 

Dtf'sc  dritte-  imtner  sehr  feine  Linie  nahe  bei  D  ist 
um  1»  bis  10  (irade  der  KiucnnüFF'schen  Scala  brechbarer 
als  die  brechbarste  der  beiden  D-Linien  (d.  h.  sie  liegt 
weiter  nach  dem  (irün  hin)   und   wird  mit  D^    bezeichnet 

In  einer  folgenden  Mittheilung  an  Warrex  dk  la  Rüi 
irkliirt  Lockvkk,  tlass  die  Protuberanzen  bloss  locale  An- 
hiiufmii^en  «'iner  glühenden   gasigen  Materie   seien,   welche 
dii"   ganze   Sonne   einhülle,   und   dtiss  er   auf   allen  Seiten 
der  Sonne    das   charakteristische   Speetrum    der    Protube- 
ranzen   wahrnebmen   könne.     Er   giebt   die    Dicke    dieser 
(ia^bülle    auf    ungefähr    KHK)    geographische    Meilen    an, 
macht    die    Mittbeilung,    dass    das    reine    Spectrum    einer 
Trotuberanz  aus  kurzen  hellen  Linien   bestehe,   dass  aber, 

'    Wir    hrzricliiicii     mit    <li«'s«ni    Aiistlnirke    die    Vcrbiudnni;    i'iije> 
ilnr<  li   riiiu«rk   lMwr;:t.i!  'rtlf^k«»jts    mit  rjnein  Spt-ctroRkopc  von  gTnsser 


Das  Telespcctroskop  u  die  Beobachtung  des  Protuberanzspcctrums.  151 

wenn  man  den  Spalt  des  Instrumentes  in  der  Weise,  wie 
es  durch  Fig,  68  erläutert  worden  ist,  auf  den  äussersten 
Rand  ^fN  der  Sonne  richte  und  ihn  dann  senkrecht  zu 
der  Tangente  ac  dieser  Randstelle  fixire,  sich  ein  schmaler 
Streifen  ab  cd  des  Sonnenspectrums  zeige,  befranst  von 
dem  matten  Spectrum  aefc  der  Luft  und  der  Protu- 
beranz  p.  Da  sich  auf  diese  Weise  die  hellen  Linien  der 
Protuberanz  dicht  an  das  Sonnenspectrum  anschliessen 
oder  die  Verlängerungen  der  t'RAUNHOFEB'schen  Linien 
des  letzteren  bilden,  so  lasse  sich  mit  grosser  Genauigkeit 
feststellen,  welche  helle  Protuberanz-Linien  mit  Fraun- 
HOFEB'schen  Linien  zusammenfallen  und  welche  nicht. 
W\ain  das  Spectroskop  nach  dieser  Methode  auf  den 
äussersten  Rand  der  Sonne  eingestellt  und  dann  der  Spalt 
rund  um  den  Rand  herumgeführt  werde,  so  könne  man 
nicht  bloss  sofort  das  Spectrum  der  Protuberanzen  wahr- 
nehmen, sondern  auch,  da  diese  Linien  nur  da  entstehen, 
wo  eine  Wasserstoff-Ansammlung  vorhanden  ist,  aus  der 
grösseren  oder  kleineren  Länge  der  hellen  Linien  fast  mit 
derselben  Genauigkeit  wie  bei  einer  Sonnentinsterniss  eine 
Zeichnung  von  der  P'igur  und  der  Lage  der  Protuberanzen 
rund  um  die  Sonne  herum  entwerfen. 

Die  Fig.  61  zeigt  eine  Protuberanz,  deren  Gestalt 
LocKTEB  nach  dieser  Methode  beobachtet  und  gezeichnet 
hat.  Da  die  Höhe  der  hellen  Linien,  z.  B.  der  blaugrünen 
i^-Linie,  von  der  Höhe  der  Protuberanz,  auf  welche  der 
Spalt  des  Spectroskops  gerichtet  ist,  abhängt,  und  diese 
Linien  nur  dann  im  Sehfelde  des  Instrumentes  erscheinen, 
wenn  das  Licht  des  glühenden  Gases  in  den  Spalt  ein- 
fällt, 80  ist  leicht  einzusehen,  dass  man  seine  Aufmerksam- 
keit nur  auf  eine  dieser  hellen  Linien  zu  richten  braucht, 
um  die  ganze  Gestalt  der  Protuberanz  bestimmen  zu  können. 


152 


Die  Spectralanalyse. 


Gewahrt  man  nämlich  eine  solche  Linie  von  einiger  Höhe, 
so  hat  man  eine  Protuberanz  in  Sicht;  dreht  man  dann 
den  Spalt  langsam  nach  rechts  und  nach  links,  so  ver- 
kürzt oder  verlängert  sich  die  Linie,  je  nachdem  die  Pro- 
tuberanz niedriger  oder  höher  wird;  oder  sie  erscheint 
unterbrochen,  zweitheilig,  oder,  wie  bei  der  Stelle  a,  isolirt 
von  dem  Spectrum,  welches  das  TagesUcht  erzeugt,  je 
nachdem  die  Protuberanz  selbst  unterbrochen  oder  von 
dem  Sonnenrande  getrennt  ist. 

LocKYEE  hat   unzweifelhaft  die  Idee,    das  Speetmm 

Fig.  Ol. 


Z«.'icliiiun;j  einer  ProtuhtTaiiz  vermittels  einer  ihrer  Spectrallinien. 

der  Protuberanzen  zu  jeder  Tageszeit,  wo  die  Sonne  scheint, 
zu  beobachten,  zuei-st  ausgesprochen  und  eirie  Methode 
dazu  angegeben;  Janssen  hat  dieselbe  zuerst  in  Ausfüh- 
rung gebracht.  Unter  solchen  Umständen  lässt  sich  nicht 
darüber  streiten,  wem  das  Recht  der  Priorität  dieser  wich- 
tigen Entdeckung  zur  Seite  steht;  der  Ruhm,  der  sich 
daran  anknüpft,  ist  übrigens  gross  genug,  dass  sich  die 
beiden  Gelehi'ten  darin  tlieilen  können. 

Die  Möglichkeit,  bei  hellem  Sonnenscheine  die  Spectral- 
linien der  Protuberanzen  zu  beobachten,  liegt  in  der  Ver- 
schiedenheit der  beiden  Spectreii  des  Sonnenlichtes  und 
der  Protuberanzen;  jenes  ist,   abgesehen  von  den  dunklen 


Das  Telchpectroskop  u.  die  Beohachtuug  de«  Protuberanzspectruins.   153 

Linien,  continuirlich ;  dieses  besteht  bloss  aus  einigen 
wenigen  hellen  Linien.  Wenn  nun  beide  Spectra  gleich- 
zeitig im  Spectroskope  erscheinen,  so  wii'd  in  den  gewöhn- 
lichen Instrumenten  das  äusserst  intensive  continuii-liche 
Spectrum  das  Linienspectrum  überwuchern  und  nicht  zur 
Wahrnehmung  gelangen  lassen.  Nun  kann  man  aber 
durch  Vermehrung  der  Prismen  die  Spectra  immer  mehr 
ausdehnen;  geschieht  dieses,  so  wird  das  continuirliche 
Sonnenspectruni  an  Intensität  bedeutend  geschwächt  und 
kann  bei  einer  hinreichend  grossen  Anzahl  von  Prismen 
fast  zum  Verschwinden  gebracht  werden;  das  Licht  der 
Protuberanzen  dagegen  besteht  nur  aus  sehr  wenigen 
Farben,  welche  durch  die  vermehrte  Dispersion  zwar 
weiter  aus  einander  rücken,  aber  einzeln  nur  verscho- 
ben, nicht  aber  erheblich  geschwächt  werden  und  sich 
daher  als  sehr  glänzende  Linien  im  Spectroskope  zu  er- 
kennen geben.  So  kommt  es,  dass  bei  Anwendung  eines 
stark  zerstreuenden  Spectroskops  das  blendende  Licht  der 
Sonnenumgebung  seine  Kraft  verliert,  wogegen  die  glän- 
zenden Linien  der  Protuberanzen  ihre  Intensität  beibehalten 
und  sogar  aul*  der  Sonnenscheibe  selbst  beobachtet  werden 
können.  Je  grösser  daher  die  Lichtzerstreuung  des  Instru- 
mentes ist,  desto  glänzender  zeigen  sich  die  farbigen  Pro- 
tubeninzlinien. 

Auf  diese  Wahrnehmungen  hat  Lockyeb  seine  Methode, 
das  Protuberanzspectrum  mittels  eines  Telespectroskops 
(Fi'gf/.  62  u.  63)  bei  Sonnenschein  zu  beobachten,  gegründet. 
Man  richtet  hiernach  den  Spalt  eines  stark  zrrstremnden 
Spectroskops  dceh^  welches  vermittels  des  Schlittens  aab 
an  ein  durch  Uhrwerk  getriebenes,  parallaktisch  montirtes 
Teleskop  LTP  festgeschraubt  ist,  senkrecht  zu  einem 
Randtheile   des  Sonnenbildes,   welches  von   dem  übjectiv- 


151  I)ie  Spectnlamlyae. 

ylnse  (It'K  Teleskope  im  Huuptbrennpuiikte  erzeugt  iriiJ. 
Wcuu  iiiuD  (kiiii  (las  Beobachtungsrohr  e  des  Spectroskoji^ 
von  ciiu'iii  Kiide  des  Spectruins  bis  zum  andern  Viregt 
und  jedesuiiil   stOiiirf  einstellt,   so   erscheiueu    die   helln 


Fl;,  iyi. 


l.iTiioii  (icr  ['niluberanzeii  als  Vorliin gerungen  der  dunklen 
Linien  lies  der  Soiiiiensi  lieibc  Euiiiohöngen  Spectrums  anf 
einem  beilciitend  jiligesiinviicbteii  Spectrum  der  Erdatmo- 
'-]ili;ire.  In  dtT  Abliiidnn^  ist  -S  der  Sudier,  g  ein  Hand- 
^ritV  /um  Kinslillen  <les  'l'eleskiijis  iu  die  bcclinution,  dda* 


Diw  Telespei'lroskop  u.  ilie  Beolmthtung  den  l'roliili«riini.i<|niilnims.  1-15 

Rolir  mit  dem  Spalte,  A  ein  klciiieB  Fernrohr  zum  Ablesen 
des  durch  aa  theilweise  verdeckten  Mikrometerkopfes. 

Das  Teleskop,  ein  Torzüghcher  Uefractor  von  6'/|  Zull 
Oelt'uunt;  uud  98'/»  Zoll  Brennweite,  wird  durch  ein  Uhr- 


Fig,  68. 


Lopkjrr'«  Trl«pe< 


werk  in  Bewegung  gesetzt.  Die  einzelnen  Thcilc  des  von 
JoH}i  ßBOTNiNa  mit  bekannter  Meisterschüft  construirtcii 
Spectroskops  sind  in  Fig.  63  in  grösserem  Masssbtbe  dar- 
gestellt. Das  Ocular  ist  vom  Teleskap  entfernt ;  das 
Sonnenbildchen  liegt  daher  ausserhalb  de^  TeWkoproIires 


l')(»  Die  S]K;ctru1aiiulyse. 

und  kann  mit  eiiu'in  Schirme  leicht  aufgefangen  werden. 
Dir  Spalt  tli'S  Collimators  d  wird  auf  den  Riiud  Jii.-jej 
HiliKht'iis  scliarf  eingestellt  uml  dann  das  Beobacbtuiigs- 
ruhr  r  mittels  dos  Getriebes  n  um  den  Zapfen  tu  so  weit 
gedreht,  dass  die  dunkle  Linie  C  oder  /'  des  Sonneii- 
siuctnims  sich  mitten  im  Sehfelde  beiludet.  Der  CoUimatur 
(f  liisst  sii'h  durch  die  Schraube  i  drelien,  uin  den  Sjalr 
nach  HclicJK'n  senkretht  oder  tangential  zum  Sonnenramk 
stellen  zu  können.  Das  Prismensystem  c  besteht  aus  sieWn 
IVisinrn  eines  dichten  Flintglases,*  jedes  von  45®,  uml 
giebt  einen  hrechenden  Winkel  von  mehr  als  300^  Um 
die  Dispersion  noch  mehr  zu  vergrüssern,  wendet  Locktek 
zuweilen  noch  ein  achtes  Prisma  von  60®  an;  in  heson- 
ilercn  Füllen  wird  sogar  ein  weiteres  Prismensystem  a  vi^ou 
tlirecte  in  das  Heohachtungsrohr  fi  eingefügte 

Die  Fl(].til   erläutert   im  Anschlüsse    an   die  Fuj.-'t^ 
die  Methode  dieser  Protuberauzl)eobachtungen   noch  nälier. 
iS  bezeichnet   das   Sonnenbildchen,   welches    von   dem  iJb- 
jectiv^hiM'  des  Teleskops   gebildet  wird;  2^P    ^^^  ßü^l  «'^r 
unmittelbarsten  Umgebung  der  Sonne,  welche,  da  ihr  Licht 
von  tlem  Tageslichte  überwuchert  wird,  direct  nicht  wahr- 
st nommen  werd("n  kann.    Der  Spalt  ss  steht  senkreclit  zum 
i\an(le  der  Sonne,   also  in  der  Richtung  des  Sonnenradius 
s(».  dass  ilie   eine  Hallte   auf  die  Sonnenscheibe   fiillt,  iL'e 
andtre  aber  über  diese  hinaus  in  die  die  Sonne  umgebende 
Hülle  ^Miilnnden  Wasserst otl's  rProtuberanzen)  hinausreicht. 
Da>    dui'cb    die    starke   Lichtzersetzung    bereits    sehr   ab- 
ge>(b\\ liebte,  abci*  immer  noch  glänzende  Spectrum  1   der 
Sonnen^«  b«ibc    enthält    die    FKAi^NiioFKR'schen    Linien    in 


•'    I>.i<  (IIa>*  li.it  ••in  sjM'rilisi  hi-s  (Irwirlil  r=  'Vi^J?  ciiioii  Breehünp'- 
lii'l'X      ■   1, «>•»"»  unil  »iin-  l)isjM'i>inii>kr.il"t  i=  O,07.")2. 


Das  Tcleftpcctroskop  u.  die  Beobachtnnjc  den  Protuberanzspectnunn.  157 


Fig.  Gl. 


I   2  S: 


schärfster  Ausprägung.  In  der  anderen  Hälfte  des  Seh- 
feldes dagegen  ist  das  Lufbspectrum  2,  3  äusserst  schwach 
und  kann  bei  gehöriger  Vermehrung  der  Prismen  bis  zum 
Verschwinden  gebracht  werden.  Auf  diesem  Spectrum 
zeigt  sich  zugleich  das  Spectrum  2  der  Protuberanz- 
schicht  pp  im  unmittelbaren  Anschlüsse  an  das  Spectruni  1 
der  Sonnenscheibe,  und  die  Be- 
obachtung ergiebt,  dass  das 
Spectrum  2  aus  mehreren  hdlen 
Linien  besteht,  unter  denen  dio 
Wasserstofflinien  zu  jeder  Zeit 
besonders  hell  auftreten  und 
zwar  Ha  (roth)  genau  in  der 
Verlängerung  von  C,  Ilß  (grün- 
blau) eben  so  genau  in  der  Ver- 
längerung von  F^  Hy  (blau)  nahe 
vor  G  (in  der  Figur  nicht  mehr 
gezeichnet),  sowie  sehr  häufig 
die  noch  unbekannte  Linie  D^ 
nahe  hinter  der  Natriumlinie  D^, 
Auf  Tafel  V,  Nr.  4  ist  das 
Doppolspectrum  der  Sonne  und 
ihrer  unmittelbarsten  Umgebung, 
wie  es  sich  in  der  Regel  in  den 
grösseren  Telespectroskopen  bei 

radialem  Spalte  darstellt,  abgebildet  Es  erscheinen  in 
dem  Spectrum  des  letzteren  ausser  den  vier  hellen  Linien 
des  glühenden  Wasserstoffs  in  den  meisten  Fällen  noch 
andere  helle  Linien  als  Umkehrung  von  FRAUNHOFER'scheli 
Linien,  darunter  fast  immer  die  gelbe  Linie  D^  hinter  Z>, 
nicht  selten  auch  eine  grüne  Linie  des  Eisens  auf  1474  (K.), 
die  drei  Maguesiunilinien  &,   und   nach  einer  Beobachtung 


Methode  der  Protubcranz- 
beobachtunK:. 


1 


158  Die  Spectralanaijs«. 

von  Rayet  auch  die  beiden  Linien  Dy  und  D^  des  Natriums. 
Weil  das  Spectrum  der  Protuberanzen  und  der  die  Sonne 
umgebenden  Gasschicht  pp  aus  einer  Reihe  von  farbigen 
Linien  besteht,  hat  Lockyeb  dieser  Gashülle  den  Namen 
C/iromosphäre  gegeben. 

Man  kann  aber  auch  den  Spalt  SiSf  (Fig.  64)  tau- 
gential  zum  Sonnenrande  stellen  und  entweder  bloss  das 
Licht  der  unmittelbarsten  Sonnenumgebung  der  Chromo- 
Sphäre,  oder  gleichzeitig  noch  das  des  äussersten  Randes 
der  Sonne  durch  den  Spalt  fallen  lassen. 

Ebenso  kann  man,  anstatt  das  directe  Sonnenbild  des 
()l)jectivglases  zu  untersuchen,  auch  vermittels  Ausziehens 
des  Teleskop-Oculars  ein  vergrössertes  Sonnenbild  erzeugen 
und  dann  den  Spalt  auf  das  letztere  richten. 

Das  Telespectroskop  von  Professor  Younq  (Ftg.  67) 
hat  im  Wesentlichen  dieselbe  Construction  wie  das  eben    ^ 
beschriebene  von  LocKYKii. 

Das  optische  Institut  von  Sieg.  Merz  in  München 
construirt  stark  zerstreuende  Spectroskope  ä  vision  directe, 
welche  behufs  der  spectroskopischen  Beobachtung  der 
Protuberanzen  in  einem  Teleskop  an  die  Stelle  des  Ocu- 
lars  gesetzt  wxrdeu  und  dann  den  Vortheil  bieten,  mittels 
des  Instrumentes  direct  nach  dem  zu  beobachtenden  Gegen- 
stände (Sonnenrand,  Protuberanz,  Fleck  u.  s.  w.)  hinsehen 
zu  können.  Fig,  ö'ö  zeigt  die  innere  Einrichtung  eines 
Mp:Rz'schen  Spectroskops.  Das  Prismensystem  P  hat  eine 
Disporsionskrail  D  h'\s  H  =  6^;  die  CoUimatorlinse  be- 
findet sich  in  C;  der  durch  die  Schraube  S  regulii'bare 
Spalt  SS  ist  zur  Hälfte  mit  einem  Refiexprisma  r  bedeckt, 
welches  das  Licht  der  zur  Vergleichung  dienenden  Flamme 
oder  GEissLKit'schen  RÖhre  von  der  der  Schraube  S  ent- 
gegengesetzten Seite  her  empfängt;  L  ist  eine  cylindrische 


nmi  Trli-^r'i'tl 


1.  dir  ll(inba''hhin|^  des  Proliihrrnuisp 


Colleutivlinse,  welche  tiir  Sternbewitachtungen  angewandt, 
bei  <ler  Beobachtung  der  Sonne  aber  entfernt  wird.  Dus 
Beobachtiingsfernrohr  F,  dessen  ObjecÜT  bei  4  Zoll  l'ocus 
7  Linien  Oeffnting  hat,  besitzt  ein  eogenanntes  posi- 
tivee  Ocnlar  0  von  1  Zoll  und  ist  mit  einem  Spitzen- 
mikrotneter  mm  und  den  nütbigen  feinen  EiiiBtellungen 
versehen.  Vermittels  der  Schraube  g  lässt  sieb  das 
Rohr  F  unter  Mitwirkung  der  Reagirfeder  /  so  weit 
nsch  beiden  Seiten  hin  drehen,  dass  es  auf  jeden  Theil 
des  ganzen  Spectrums  vom  äussersteu  Both  bis  zum 
Violett  eiiigestt'llt  werden  kann.  ' 


± 


S[iaiitrBtkoii  ii 


In  dieser  Form  dient  das  Instrument  als  gewöhnliches, 
stark  zerstreuend  wirkendes  Spectroskop,  insbesondere  auch, 
wemi  es  an  die  Stelle  des  Oculars  auf  ein  Teleskop  ge- 
schriiubl  wird,  um  das  Speclrum  lichtschwäcberer  Objecte, 
z.  B,  des  Mondes,  der  Planeten  und  der  helleren  Fixstarne. 
au  beobachten. 

Soll  dasselbe  zur  Beobachtung  der  Sonnenprotubc- 
ranzen  verwendet  werden,  so  wird  seine  Dispersionskraft 
dadurch  verdoppelt,  dass  ein  zweites  dem  Systeme  P  gleiches 
PrismcnBjstem  &  viäion  directe  zwisi'hen  die  ColUmator- 
linse  C  und  «las  System  P  eingeschraubt  wird.  In  dieser 
icusttmmeugesctztvu  Form   zeigt   das   Inalnuiicut   dw.  feine 


lt{0  Die  Spectralanalyse. 

Nic*k(?llinio  zwischen  den  beiden  Natriuiulinien  Z>i  imJ  h 
bei  reiner  Luft  deutlich.  Behufs  der  leichteren  (>rirt- 
tirung  am  Soinienrande  ist  der  vordere  Theil,  mit  wekhem 
(»s  an  das  Teleskop  geschraubt  wird,  noch  mit  einer  ein- 
getheilten  Positionsscheibe  versehen. 

iileich  nach  dem  Eintrefl'en  der  telegraphiscben  Xacb- 
riclit  von  der  Kntdeckung  Jaxssex's  begann  auch  P.  Secck 
in  Kom  seine  spectralanalytischen  Untersuchungen  der 
Protuberanzen.  Er  bediente  sich  dazu  eines  Sf)ectro5kop> 
mit  zwei  vorzüglichen,  stark  brechenden  Flintgla^prismem 
well  Ins  iiucli  die  feinen,  bei  B  und  A  befindlichen Fkaux- 
iini'Ku'sehen  liinien  deutlich  erkennen  Hess  und  mit  einem 
vurzii^'liehen  Aeipiatorial  in  Verbindung  gebracht  wunk 
Sehon  l>ei  dem  ersten  Vei'suche  zeigten  sich,  als  der  «a^e 
Spalt  auf  den  Hand  der  Sonnenscheibe  eingestellt  wurde, 
im  Luftspt'ctrum  die  Linien  C  und  I*"  umgekehrt,  aka 
hellleuehtend. 

Six'cni    führte    den    Spalt   am    ganzen    Umfange  der 
Soiinensiheibe  herum,   indem  er  ihn  abwechselnd  piU^el 
und   senkrecht    zum   Sonnenrande   stellte.      Es   zeiirte  sich 
dabei,   dass  die   helle  Linie  C  (roth)    rund    um    die  Sonne 
liiTuin  auftrat;   bei  senkrechter  Stellung  des  Spalts  gegen 
(1(11  Soniieinaiid  war  sie  überall  10  bis  15  Secunden  lang, 
mit    Ausnalinu*    derjenigen    Zonen,    welche     den    Sonuen- 
.'{(piator  auf  je  4.0^   zu    beiden  Seiten    umgaben;    in   iliesrf 
Ke.ixion,     in    welehei-    bekanntlich    die    Sonnenflecke    and 
1 'aekel II   auftreten,    erst.'bien   diese   Linie   stets   viermal  sO 
lau;,'.    An  vit*leii  Stellen  zeigte  sich  die  C-Linie  vom  Sonnen- 
lande  getrennt :  stellte   man   dann  den  Spalt   parallel  zur 
raii^cntc  dieses  Randes,    so   erschien  stets  eine  das  ganze 
Spectruni  (lurelisetzemb'  lielle  Linie,   die    sich    zuweilen  in 
eiiiz("lm'  Stücke  tbeilte,    wenn  der  Spalt  vom  Sonnenraude 


Da8  Telespectro-skop  u.  die  Beobachtung  des  Protuberanzspectrnms.  161 

entfernt  wurde,  aber  immer  vollständig  und  ununterbrochen 
erschien,  wenn  der  Spalt  sich  wieder  dem  Sonnenrande 
näherte. 

Es  ergab  sich  hieraus,  wie  es  auch  schon  die  Beob- 
achtungen der  Sonnenfinsterniss  und  die  Untersuchungen 
Lockyer's  gezeigt  haben,  dass  die  glühende  Gasschicht 
(Chromo Sphäre)^  welche  die  Sonne  umgiebt,  zwar  con- 
tinuirlichj  aber  sehr  ungleichmässig  vertheilt  ist.  Die 
Stelleu,  an  denen  die  hellen  Linien  im  Spectrum  die 
bedeutende  Höhe  von  60  Secunden  und  mehr  ein- 
nehmen, sind  die  Orte,  wo  sich  Protuberanzen  finden; 
die  Stellen,  welche  Fragmente  der  hellen  Linien  er- 
kennen lassen,  bezeichnen  die  Orte,  an  denen  isoUrtt* 
glühende  Gasmassen,  Sonnenwolken,  in  bedeutender  Höhe 
vorhanden  sind. 

Fig,  66  zeigt  ein  kleines  Fernrohr  zu  spectroskopischen 
Beobachtungen  der  Sonne,  das  mit  einem  MERz'schen 
Protuberanzspectroskop  versehen  ist  Das  Instrument,  mit 
welchem  Professor  Bbedichin  eine  fortlaufende  Reihe  von 
Protuberanzbeobachtungen  augestellt  hat,  hat  4  Pariser 
Zoll  Oeffnung  und  4  Fuss  Brennweite.  Es  ist  auf  einer 
Messingsäule  montirt  mit  äquatorialer  Aufstellung;  B  ist 
der  Rectascensionskreis,  D  der  Declinationskreis,  pm  das 
MfiRz'sche  Protuberanzspectroskop.  Da  durch  Anbringung 
des  langen  und  verhältnissmässig  schweren  Spectroskops 
das  Ocularende  des  Femrohrs  üebergewicht  erhält,  so 
dient  das  in  der  Figur  sichtbare  Laufgewicht  zur  genauen 
Ausbalancirung. 

Ein  möglichst  leichtes  und  wirkungsvolles  Spec- 
troskop  für  Sonnenbeobachtungen  hat  Browning  con- 
struirt. 

Das  Instrument  ist   so    leicht    gebaut,    dass    es   ohne 

SchflUH,  Spcctralanalyge.  II.  \  { 


UiS  Dir  SperlralanalyiM. 

Mülio  in  das  (^cuhtrrohr  des  Teleskops  geschmubt  usdiFie 
(l:ih   Ucular   ilurcb    Schraube   and    Trieb     bewegt    verdai 


k;iiiri;    ein   Tilrskop   von  4  Zftll  Oeffnuug  trägt   dasselbe 
leicht*  dIiih;  durcli/iihii'gi'ii, 

/'  ist  il;ts  /ii-iaiiiiiuiit;t'si-t/tc  Prisma  nach  UuTHERFUBit's 
l'nristiTutitiii  [t'iij.  07);  r  das  letloctirende  PrisDia,  weicht* 


Du  TpIi.-s)>ectroiikop  u.  die  R«obachtnDg  den  ProtuberaaiapectrumE.  168 

die  an  der  obiTCn  Hülfte  des  Prismas  C  austreteiulen 
ätnilik'ii  uatli  unten  leäectirt  und  durch  eiue  noclimalige 
Ketlexiuii  in  <lie  untere  Hälfte  desselben  Prismas  r  zuriick- 
wirtt,  wuruuf  die  bereits  zerstreuten  Stiablen   durch  diese 

Fig.  Ü7. 


untere  Hälfte  des  Prismensatzes  wieder  zurückkehren  und 
Toa  dem  Reflexprisma  R  in  das  Beobachtungsfernrnlir  F 
geworfen  werden.  Bei  T  wird  das  ganxe  Instrument  auf 
das  Teleskop  geschraubt;  »  ist  der  von  aussen  regulirbare 
Spalt      Die    durch    s   einfallenden    Strahlen    gehen    nach 


ilirL-[ii  Diirchgiiuge  ilurdi  die  Collimatorlmse  ol 
iliiH  Prisma  li  hinweg,  durchlaufe»  C  m  äa 
liälile.  werden  durch  r  nach  imten  r€^ectirt  oi 
eine  zweite  Reflexion  wieder  auf  die  untere  Hall 
gebracht,  durchlaufen  nun  C  rückwärts,  fallec 
rt-chtwiukUge  Keflexprisma  R  und  gu hingen  * 
durch  Itcflexiun  au  der  Hypotenuse nrtäche  in  di 
uchtuugsrohr  F.  Der  etufallende  Strahl  durchl 
diu«  zusanunengi-sctzte  Prisinu  C  in  entgegengesetzl 
tung  zweimal  und  die  Dispersion  dieses  Prisn 
verdoppelt 

Auch  hier  stehen  das  ColUmator-  uod  das  I 
tniigsruhr  unverriickhar  fest,  wogegen  der  Priami 
mit  Hülfe  einer  feinen  Mikrometerschraube  Ü  sich 
lässL  Durch  Drehung  dieser  Schraube,  deren  Ot 
einer  eiiigetlieiltcu  Trommel  gemesseu  werden  kann 
der  Beobachter  die  Spectrallinieu  in  das  Sehfeld 
jedf  iu  der  Mitte  des  Sehfeldes  erscheinende  Linie 
Minimum  der  AliJonkuug  gesehen  wird. 


17.    Das  Spectrtini  und  die  Niitur  der 
Cliroiuosphilre, 

d.  h.  jener  glühenden  Gasschicht,  welche  die  ganM 
einliülH,  besteht,  wie  wir  bereite  angeführt  habe 
einer  Anzahl  heller  Linien,  unter  denen  die  des  V 
stofTgasea  immer  vorhanden  sind  und  sich  durch 
üluuz  und  ihre  Höhe  vor  den  übrigen  auszeicbnea. 
man  bei  der  Beobachtuug  den  Spalt  des  Spectr 
radial,  wie  in  Fig.  64,  und  zwar  so,  dass  er  zur 
die  Sonnenscheibe  trifft  und  mit  der  anderen  Hai 
diu  Clirumosphäre  hineinragt,   so  erhält  man  das  G 


I 


»HB  Spuilruni  und  Jio  N'uUr  «W  Cliruniosphäii:.  Hi& 

spfftrum  Tiifel  V,  Nr.  4  der  Sonne  und  der  Chromosphäre. 
Bei  der  grossen  Dispersiun,  welche  die  dazu  geeigneten 
Spectroskope  besitzen  müssen,  um  das  gleichzeitig  auf- 
tretende Spectrum  des  ditfusen  Tageslichtes  möglichst  zu 
beseitigen,  komnit  stets  nur  ein  kleiner  TheJl  des  ge- 
aammten  Spectrums  der  Chromosphäre  in  das  Sehfeld, 
und    man    muss    das    Beobachtungsfernrohr    in    versüliie- 


dene  Stellungen  zu  dem  PrismenBystem  briiigcu,  um  die 
einzelnen  Abschnitte  des  Gesammtspectiums  studlren  zu 
können. 

In  den  Figg.  68,  69,  70  sind  nach  einer  Zeichnung 
von  LocKfEB  diejenigen  drei  Spectralabschiütte  abgebildet, 
welche  am  meisten  beohaehtet  werden,  weil  sie  sich  zum 
Studium  der  Protuheranzen.  der  Chromosphäre  und  deren 
Veränderungen   am   besten   empfehlen.     Fig.  b'8   zeigt  die 


L 


156 


Die  SpertmUnalyBo. 


Linie  C  des  Sounenspectnims  mit  ihrer  Umgebung  und  die 
gleich  breite,  nach  oben  etwas  spitz  auslaufende  Wasser- 
stofflinie Ha  der  Cbroniosphäre;  Fig.  70  zeigt  die  F-Linie 
der  Sonne  mit  ilirer  Nachbai'schafl  und  die  darüber  stehende 
Wasseratofflinie  Hß  der  ChroraosphUre ;  diese  Linie  ist  an 
iiirer  Basis  erbreitert  und  läuft  nach  obeu  pfeilformig  spitz 
zu,  wogegen  die  Linie  Ha  in  der  Regel  von  der  Basis  bis 


zur  Spitze  dieselbe  Breite  der  Linie  C  beibehält.  Fig.  C^- 
stellt  den  Theil  des  Specirums  hinter  der  doppelten  N^^" 
triuniUnie  D  dar.  wo  sieb  ungefähr  in  der  Mitte  zwisch^^ 
zwei  sehr  feinen  ilunkleii  Linien  des  Sonnepspectruios  tf 
noch  unbekannte  Linie  Ö3  im  Chromüsphäreuspectnk-^^ 
darstellt. 

Wählend  die  rothe  Linie  Hu  stets  glänzend  ei-schei  '^^ 


Das  Sp^ilni 


iltT  rhrnmosphKrp 


187 


"Immer  noch  gläazcnd,  aber  doch  schwächer  iui<l  sehr  oft 
auch  kürzer  als  Ha.  Die  i'-Linie,  wie  die  ihr  eol- 
sprechende  Hß  erleidet  häutig  eine  Reihe  von  Verände- 
rungen. Erbreiterungen,  Biegungen,  Aufblähungen,  Ver- 
drehungen und  Zeretüiikelnngen,  auf  wclclie  wir  fipUter 
näher  eingehen  werden. 

Ausser  diesen  regelmässig  erscliciuenduu  bellen  Linieu 


des  Protuberiinzen-  und  Chiomosiiliären-Spectrums  treten 
von  Zeit  zu  Zeit  in  manchen  Gegenden  di?sselben  noch 
viele  andere  helle  Linien  sehr  lebhaft  und  glänzend  auf, 
darunter  zwei  Linien  im  Roth,  eine  zwischen  C  und  h, 
nahe  vor  C  und  zwar  nach  Respiqhi  von  C  um  0,04 1  des 
ganzen  Abstandes  zwischen  C  imd  B  entfernt,  die  andere 
noch  weniger  brechbare  zwischen  Ö  und  n,  und  von  n 
nm  0,Üäb  des  Abstuudes  zwischen  B  und  a  entfernt,    biese 


1G8  Die  Spectralanalyse. 

beiden  Linien  entsprechen  keinen  Spectrallinien  einer  bis 
jetzt  bekannten  Substanz  und  zeigen  sich  nicht  selten  noch 
sehr  intensiv  auch  in  den  höheren  Theilen  der  Protube- 
ranzen. Sehr  häufig  zeigen  sich  femer  eine  Linie  im  Grün 
zwischen  E  und  F  (Fig.  66,  Nr.  3,  5,  8),  die  Linie  1474  K., 
die  Magnesiumlinien  u.  s.  w. 

Die  dritte  blaue  Wasserstofflinie  Hy  nahe  vor  G 
(Fig.  Ö6,  Nr.  2),  Nr.  2796  K.,  2798,6  Ängste,  wird  ebenso 
unter  günstigen  Verhältnissen  glänzend  gesehen;  ja  bei 
wenig  feuchter  und  sehr  durchsichtiger  Luft  und  bei  An- 
wesenheit einer  hohen  Protuberanz  erscheint  auch  noch 
die  vierte  blaue  Wasserstoff linie  Hd  (3370,1  K.),  welche 
der  von  Angström  mit  h  bezeichneten  dunklen  Linie 
von  0,00041011  mm  Wellenlänge  genau  entspricht;  von 
Rayet  wurde  diese  letztere  Linie  am  30.  April,  am  1.  und 
am  20.  Mai  1869  sehr  deutlich  beobachtet.  Die  rothe 
Linie  nahe  vor  C  entspricht  nicht  einer  dunklen  Linie  im 
Sonnenspectrum. 

Die  merkwürdige  gelbe  Linie  D^  (Fig.  69)  findet  man 
überall  im  Umkreise  der  Sonnenscheibe  mit  derselben 
Leichtigkeit  wie  die  Wasserstoff linien ;  das  glühende  Gas, 
dorn  sie  ihre  Entstehung  verdankt,  muss  daher  wie  der 
Wasserstoff  ein  Bestandtheil  der  Chromosphäre  sein. 
Gleichwohl  hat  Lockyee  auch  bei  Anwendung  der  vor- 
züglichsten Mikrometermessungen  und  der  sorgfältigsten 
Vergleichung  der  Linie  mit  den  Tafeln  von  Kikchhoff 
und  (jassiot  keine  entsprechende  dunkle  Linie  des  Sonnen- 
spectrunis  wahrnehmen  können.  Sowohl  Tiet-fen  in  BerUn 
als  auch  Vogel  auf  der  Sternwarte  in  Bothkamp  haben 
dagegen  gefunden,  dass  diese  Linie  mit  einer  stärkeren 
der  vielen  bei  tiefem  Stande  der  Sonne  um  D  herum  auf- 
tretenden feinen  Linien  ganz  genau  zusammenfällt.    Dieses 


Di>  ))|iudruu  unil  die  Natur  iler  (.'hruinOKpliüi 


im 


Resultat  fand  Vogel  ztierst  am  29.  October  1871.  Die 
i^.  7/  zeigt  n&ch  Vogkl  die  zahlreiciien  atmo&phüriachen 
Linien,  welche  bei  tiefem  Stande  der  Sonne  in  der  Nähe 
der  O-Linien  auftreten.  Der  untere  Theil  der  Figur  stellt 
ein  Stück  des  Spectruras  vom  Sonnenrande,  der  darüber 
befindliche  von  unserer  Atmosphäre  dar;  die  beiden  stürk- 
Bt«n  Linien  sind  Dj  und  />,.  die  helle  Linie  im  oberen 
Theile  ist  die  der  Chroniosphäre  angebürige  Linie  Dy 

IIavet,   wie   Lockyer  und  Seochi,    haben    die   Liige 
dieser  Linie  bestimmt.     Nimmt  man  nach  Uayet  die  Ent- 


1%.  y 

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fernuug  der  beiden  Natriumlinien  Z)|  und  D^  ab  Einheit 
an,  so  ist  die  Entfernung  der  Linie  Öj  von  Dj  =  2,49. 
Nimmt  mau  nach  Anustköm  an,  das8  die  Wellenlängen 
der  Linien  />,  und  D^  589,50  und  5»»,9(l  Milliontel  Milli- 
meter sind,  so  beträgt  die  Wellenlänge  der  Linie  Dj  58(>,96 
Milliontel  Millimeter.  Aus  sehr  vielen  Messungen  erhielt 
Vogel  für  D^  die  Wellenlänge  587,3»  MiUionlel  Millimeter. 
Nach  YouNG  hat  diese  Linie  in  der  KmcHHOFF'schen  S^ala 
dio  Lage  1017.5,  na<^b  Ratet  101Ö,8>  nach  Tietjbn  1014,8. 
IiOCCYBR  hat  über  diese  Linie  eine  Reihe  von  Beob- 
achtungen angestellt,  nachdem  er  in  Gemeinschaft  mit 
FRANJUONti   schon    früher    dui-cb    Vergleichung    mit    dem 


170  Die  Spcctmlanalyse. 

Spcctrum  einer  Wasserstoffröhre  constatirt  hatte,  dass  sk 
von  dem  Wasserstofigase  nicht  herrühre.  Die  Resultate, 
zu  welchen  er  gelangte,  sind  folgende. 

1)  Mit  dem  tangential  zum  Sonnenrande  gestellten 
Spalte  erschien  die  Linie  D^  unterhalb  der  Chi'omosphän 
hell«  während  in  demselben  Sehfelde  zu  gleicher  Zeit  die 
C-Linie  dunkel  war. 

2)  In  einer  Protuberanz  über  einem  Flecke  auf  der 
Sonnensi'heibe  waren  die  Linien  C  und  F  hell,  während 
die  «,'(*lbe  Linie  I)^  unsichtbar  war. 

W)  In  einer  Protuberanz,  welche  unter  hohem  Dnici 
aus  der  Sonne  hervorbrach,  war  die  Bewegung,  die  sich 
durch  Aendcrung  der  Wellenlänge  kundgab,  für  die  Linie  A 
kleiner  als  für  C  und  F, 

4 1  lu  einem  Falle  erschien  die  Linie  C  lang  und  zu- 
Siuumenhängend,  wogegen  die  Linie  D^  zwar  dieselbe  Länge 
hatte,  aber  gebrochen  war. 

Hieraus  folgt,  dass  die  Linie  D^  dem  Wasserstoffgase 
sicher  nicht  angehört;  ihr  Ursprung  ist  demnach  gegen- 
wärtig' noch  nicht  ermittelt.  Man  pflegt  sie  als  UeUum- 
linie  zu  bezeichnen. 

LocKYKR  und  später  auch  Rayet  haben  femer  die 
bei<len  Natriunilinien  /)j  und  D^  (s.  Tafel  V,  Nr.  4)  in 
dem  Spectrum  der  Chromosphäre  umgekehrt,  also  als 
helle  Linien  gesehen.  Mit  dem  tangential  gestellten  Spalte 
sah  Kaykt  auf  dem  Sonnenrande  diese  beiden  Linioi 
dunkel;  an  der  Hasis  einer  prachtvollen  Protuberanz  von 
,S  Minuten  Höhe,  welche  auf  dem  Sonnenrande  aufzunihen 
schien,  waren  beide  Linien  noch  immer  dunkel  und  ver- 
schwommen, ab(T  schon  etwas  schwächer;  im  oberen  Theil 
des  zweiten  Drittels  waren  dieselben  vollständig  ver- 
schwunden, aber  bei  einer  kleinen  Verschiebung  des  Spaltes 


Das  Spectruiti  nnd  die  Natnr  der  Chromosphäre.  171 

fand  man  bald  eine  Lage,  wo  sie  an  einer  Stelle  ihrer 
Länge  als  hellgelbe  Linien  erschienen.  An  der  Spitze  der 
Protuberanz  waren  sie  wieder  dunkel. 

Die  Magnesiumlinien  ii,  6^,  64,  sowie  die  Eisen-  und 
Nickellinie  63  treten  in  dem  Spectrum  der  Chromosphäre 
ebenfalls  nicht  selten  auf,  aber  fast  immer  als  ganz  kurze 
Linien,  was  darauf  hindeutet,  dass  die  Magnesiumdämpfe 
nur  eine  geringe  Höhe  in  der  Chromosphäre  erreichen. 
Wenn  diese  hellen  Linien  sichtbar  sind,  erscheinen  die 
drei  ersteren  6|,  69,  ^3  fast  gleich  hoch,  wogegen  die  vierte 
ii  viel  kürzer  bleibt  (Tafel  V,  Nr.  4).  Lockyeb  und  Fbank- 
liAND  haben  gefunden,  dass  das  Spectrum  des  irdischen 
Magnesiums  sich  genau  so  verhält  wie  das  in  der  Chromo- 
sphäre, wenn  dasselbe  durch  Ueberspringen  eines  elek- 
trischen Funkens  in  der  Luft  zwischen  zwei  Magnesium- 
polen derart  erzeugt  wurde,  dass  die  Pole  weit  genug  von 
einander  abstanden,  um  das  Spectrum  nicht  von  einem 
Pole  zum  andern  reichen  zu  lassen  und  nur  eine  glühende 
Magnesium-Atmosphäre  um  jeden  Pol  zu  erhalten.  Bei 
der  Beobachtung  dieser  glühenden  Gashülle  aus  geringer 
Entfernung  war  von  den  drei  auftretenden  Magnesiumlinien 
die  brechbarste  allemal  auch  die  kürzeste,  und  noch  kürzer 
als  diese  waren  andere  Linien,  welche  bisher  noch  nicht 
im  Spectrum  der  Chromosphäre  wahrgenommen  wurden. 
Von  den  vielen  Eisenlinien,  welche  als  dunkle  Linien  in 
dem  Sonnenspectrum  vorkommen,  zeigen  sich  nur  verein- 
zelte in  dem  Spectrum  der  Chromosphäre  als  helle  Linien, 
daneben  am  meisten  die  schon  öfter  genannte  Linie  1474  K. 
als  eine  kurze  grüne  Linie.  Young  giebt  das  folgende 
Verzeich  niss  der  im  Spectrum  der  Chromosphäre  stets 
sichtbaren  Linien,  nebst  beigefügten  Wellenlängen  (nach 
Angstböm): 


172  Die  Spectralanalyse. 

1)  7055      + Element  nnbebannt. 

2)  6561,8  C Wasserstoff  {Ha). 

3)  5874,0  />s      ....     Element  unbekannt,   von  Frakklaxd  He- 

lium genannt. 

4)  5815,9       Die  Coronalinie,  Element  unbekannt. 

5)  4860,6  F Wasserstoff  {Hß). 

6)  4471,2  / Cerium  (?). 

7)  4340,1  bei  (;     .     .     .  Wasserstoff  (Hy). 

8)  4101,2  A „  {HS). 

9)  3969     ? Element  unbekannt. 

10)  3967,9  H Vielleicht  Wasserstoff. 

11)  3982,8  A'  oder  //.      .  „  „ 

Diese  Linien  sind  unveränderlich  stets  im  Spectrum 
der  Chromosphäre  vorhanden,  eine  weit  grössere  Anzahl 
kann  zeitweise  gesehen  werden. 

Zu  gewissen  Zeiten,  wenn  gewaltsame  Ausbrüche  aus 
dem  Innern  der  Sonne  in  die  Chromosphäre  einbrechen 
oder  über  dieselbe  hinausdringen,  erscheint  das  Spectrum 
derselben  ungemein  complicirt  Lockyeb  hat  in  vielen 
Fällen  Ei-scheinungen  dieser  Art  mit  tangential  gestelltem 
Spalte  beobachtet.  Es  hat  diese  Stellung  den  Vortheil, 
dass  eine  weit  grössere  Ausdehnung  des  Sonnenrandes  oder 
der  Chromosphäre  mit  einem  Male  übersehen  werden  kann, 
als  bei  der  radialen  Stellung  des  Spaltes,  wogegen  diese 
sich  empfiehlt,  wenn  es  sich  darum  handelt,  die  Vorgänge 
in  den  verschiedenen  Höhen  der  Chromosphäre  und  na- 
mentlich die  Formen  und  die  Höhen  der  Protuberanzen 
zu  beobachten.  Stellt  man  den  Spalt  tangential  dicht  an 
den  Sonnenrand,  so  dass  ein  Theil  der  Sonne  und  der 
Chromosphäre  gleichzeitig  in  gleicher  Höhe  in  die  Spalt- 
öffnung tallon,  so  erhält  man  die  Spectra  der  Chromo- 
sphäre und  der  Sonne  nicht  mehr  neben,  sondern  theil- 
weise  über  einander  gelagert,  auf  einander  fallend  imd  sich 
deckend. 


Dii->  äpcttra 


Dud  Jin  Katur  ilrr  Chroaia9|iliäi 


Fii/,  72  zeigt  einen  solchen  Fall,  wie  er  von 
LocKiEK  beobavhlet  wuide,  für  den  Theil  des  Spec- 
truuis  bei  C,  wenn  der  Spalt  zugleich  eine  Protuberanz 
traf;  die  dunkle  Linie  C  wui'de  vollständig  aufgehoben 
tind  durch  ein  sehr  helles  rotlies  Band  ersetzt.  Die  Linie  F 
verhielt  sich  anders,  wie  Fig.  73  zeigt.  In  dem  Spec- 
trum    des  Lichtes,    welches   von    der    äussersteti   Grenze 

Fig.  72. 


«MMiMW  «lliilltl^!« 


des  äoDucnrandes  ausstrahlte,  zeigte  sicli  die  helle 
/"-Linie  ffli  brechbarer  als  die  dunkle  Linie  F  selbst, 
aber  in  geringer  Entfernung  von  dem  Sonnenrande  in 
dem  Spectram  der  Protuberanz  wurde  die  dunkle  i-'-Linie 
ebenfalb  von  der  hellen  des  Waaseratoffgases  aufgehellt. 
Aber  nicht  bloss  die  Wasserstoff  Uni  en,  sondern  auch 
andere  helle  Linien  erscheinen  unter  solchen  Umständen 
in  grosser  Zahl  in  dem  Spectrum  der  Chromosphäre;  ja 
am    17.  April  1870  erblickte   Loceter   in    dem   Spcctruni 


174  Die  SpMtniMwiTM. 

(|i-r^lb^D  an  der  Stelle,  wo  eine  Protnberaox  sob  | 
stieg,  hunderte  von  umgdcthrteH  FaAinaiut-BB'srlH 
hfllen  Linien.  Das  Spectrom  lief  diromosphäre  1 
sotiders  complicirt  in  den  Gegenden,  welche  I 
als  C  sind  and  die  von  der  Linie  E  bis  weit  nlN 
bis  in  die  Nähe  von  F  sich  erstrecken. 

YoüMo  giebt  folgendes  Verzeichniss  von  Linieu,  i 

Fig.  73. 


TIhi1*>i«  Uc<:kBi> 


liilulig   hell   iu   der  Chiomosphäre  gesehen   worden fl 
aber  nicht  stets  sichtbar  sind: 


Ij  6676,9         Eis«n.                          ; 

1    10)  5197,0 

» 

2)  6429,!"           ? 

;    11)  6183,0  h, 

,      M.K»«H 

3)  0140.8         B«rinui. 

12)  5172,0  *, 

4)  5895,0  /),  Nitriom. 

13)  5ie8,R  h. 

,      EilMBBd 

5)  58811,0  i-,        . 

U)  6166,7  b. 

.     lUgi.^» 

C)  5361.!)        Ki.pn. 

15)  6017,6 

EiM»  ud 

7)  5288,-l           ? 

lü)  5015,0 

? 

8)  5275,0           ? 

17)  4933,4 

Bwina». 

%)  533a,ti        UiigiicMuni. 

IH)  4933,1 

Eüen. 

Das  Spectram  und  die  Natur  der  Chromosphäre.  175 

19)  4921,3        ?  2<>)  4394,6  ? 

20)  4918,2  Eisen.  27)  4245,2  EiHen. 

21)  4899,3  Barium.  28)  4235,5 

22)  4500,3  Titan.  -  29)  4233,0  Eisen  und  Calcium. 

23)  4490,9  Magnesium.  ;   30)  4215,0  Calcium  u.  Strontium. 

24)  4489,4  Magnesium  und  Eisen.       31)  4077,0  Calcium. 

25)  4408,5  TiUn.  \ 

Ausser  diesen  Linien  hat  Young  1872  auf  der  Station 
Sherman  (Wyoming)  in  8280  engl.  Fuss  Höhe  mit  einem 
neunzolhgen  Refractor  und  einem  automatischen  Spectro- 
skop  von  zwölf  Prismen  Dispersion  noch  zahlreiche  andere 
helle  Linien  im  Spectrum  der  Chromosphäre  gesehen.  Sein 
Katalog  enthält  im  Ganzen  273  solcher  Linien. 

Zu  den  bemerkenswerthesten  Erscheinungen,  welche 
die  hellen  Linien  des  Wasserstoffgases  in  dem  Spectrum 
der  Chromosphäre  darbieten,  gehört  die  untere  Erbreite- 
rung  und  die  pfeilförmige  Zuspitzung  der  grünblauen 
Ijinie  Hfiy  sowie  die  Zuspitzung  der  übrigen  hellen  Linien 
Hu  und  Z>3,  wie  es  in  den  Figg.  68,  69,  70  dargestellt  ist 
Diese  Zuspitzung  der  hellen  Linien  im  Spectrum  der 
Chromosphäre  deutet  darauf  hin,  dass  die  Temperatur  in 
derselben  von  der  Basis  am  Sonnenrande  aus  nach  oben 
hin  abnimmt,  und  andererseits,  dass  die  Dichtigkeit  der 
Wasserstoffhülle  an  der  Basis  der  Chromosphäre  grösser 
ist  als  in  der  Höhe. 

Aber  nicht  bloss  Erbreiterungen  und  Zuspitzungen 
gewahrt  man  an  den  Linien  C  und  F  des  Wasserstoffgases 
in  der  Chromosphäre  und  den  Protuberanzen,  sondern 
häufig  auch  Anschwellungen,  Verdrehungen,  Unterbrechun- 
gen und  andere  Veränderungen,  welche  auf  heftige  Be- 
wegungen und  stürmische  Vorgänge  im  Innern  dieser  Gas- 
massen schliessen  lassen.  Lockyeb  hat  früh  schon  zahl- 
reiche Beobachtungen  dieser  Art  gemacht  und  die  Formen 


176 


IHf  S[wrlra!anHl_tM>. 


solcher  Linien  abgebildet.  Fig.  74  zeigt  für  einen  aoMn 
Fall  die  /''-Linie  de»  Sonnensiiectruius  mit  der  tnt- 
aprethenden  pl'eiHonnig  lulaufenden,  aber  weHenföniug 
gewundenen  bellen  Linie  Uli  einer  Protabemnz,  drrai 
unterer  Tlieil  sich  noch  über  die  SonneDscbeibe  «nv 
breitrte ;  <iie  C-  Linie  derselben  Protuberans  erbti  Iw 
dieser   Erscheinung   keine   Veränderung,    weiler   eine  £(• 


ip  Linie  llß  üKh  Lorkjret. 


bruiterung    an    der    Basis,    noch    eine    Verdrehung    m 
der  Form. 

Professor  Yoüno  hat  am  y.  April  1870  eine  gleiche 
Erscheinung  an  einer  sehr  glänzenden  Protuberanz  wahr- 
genommen. Die  rothe  C-Liiiie  (Ha)  war  äusserst  holl, 
ao  riass  der  Spalt  weit  geöffnet  werden  konnte,  um  ihrr 
Gestalt  zu  beobachten,  aber  sie  war  in  keinem  Theile 
unterbrochen  oder  verdreht.  Die  /"-Linie  (Hß)  dagsg« 
(Fig.  76)  war  eben   so  glänzend,   aber  überall   in  Stücke 


Li^ 


A 


zfrri.ssfii   iiikI   an    ilirer   Basis   drei-    bis   viennal   so  liieit 

Wir  werden  später  sehen,  in  welcher  Weise  die  Ver- 
schiebung einer  Spoctmllinie  und  ErschetnnngeD,  wie  sie 
die  Figif.  74  und  75  darbieten,  mit  der  Bewe^mg  der 
glübmiden  Gasniasäe,  welclie  diese  Linien  im  Siiectroskope 
erzeugt,  zusammenhSngen.  Wenn  jedoch  in  den  genannten 
Fällen  nur  eine  der  Spektral hnieii  (Ult)  soldie  Verände- 
rungen zeigt,  nicht  aber  zugleich  auch  die  andere  (Ha). 
so  ist  es  kaum  denkbar,  dass  die  Ursache  dieser  Erschei- 
nung in  einer  wirbelförmigeu 
Bewegung  des  Gases,  welclies 
das  Licht  ausgestrahlt  hat. 
zu  suchen  sei.  Yoüno  meint, 
dass  Erscheinungen  dieser  Art 
das  Kesultat  einer  localeu  Ab- 
sorption seien,  welche  auf  die 
eine  Linie  (Farbe),  die  durch 
den  Cinfluss  des  Druckes  und 
der  Temperatur  sehr  erbrei-  Yunng.        ' 

tert   sei,    besonders    einwirke. 

Die  Torsteheiide  Erscheinung  könnt«  von  ihm  mittels 
seines  grossen  Püurprismen-Spectroskops  eine  halbe  ättinde 
lang  beobachtet  wenlen. 

Eine  Keihe  ühnlicher,  noch  coraplicirterer  Verände- 
rungen der  hellen  SpectralUnien  von  Protuberanzen,  auf 
deren  Ursache  wir  später  näher  eingehen  werden,  hat 
LocKYEa  im  April  1870  wahrgenommen  und  theilweise 
von  einem  geübten  Zeichner  abbilden  lassen.  Hier  treffen 
die  Veränderungen  vorzugsweise  die  rothe  C-Linie,  welche 
IjOCKTeu  fast  ausschliesslich  beobachtete. 

Wenn   die   Luft    in   der   Nachbarschaft  eines   grossen 
»AWf'~  sp«'iiiiuu*t>«',  n.  12 


178  Pi«  Sp»i;lT»Uii*lj-iie, 

Sonnonflecks  oder  nur  in  einem  grossem  Theile  dw 
Sonnen  seht.' ibc  vollkommen  ruhig  ist,  so  sehen  vir,  %w 
di<'  Alisorption$>hän<ler  die  ganze  Läoge  des  Spectrnms 
durclilunfen  (Fi;/.  28)  und  die  FBATmHOFE&'schen  Liaieo 
kreuzen;  sie  sind  in  der  Tiefe  des  Schattens  und  in  ihrer 
Breite  verschieden,  je  nachdem  sicli  nur  eine  Pore,  eine 
Vertiffung  oder  ein  ganzer  Fleck  vor  der  eotspreohend«! 
SU'lle  de»  SjmltoH  befindet.  Hier  und  da  sehen  wir  d^nii 
in  den  hellsten  Theikn  ilc.<:  Spectmms  plötzlich  ein  ranteo- 
förmiges  Licht  (Fig.  76,  Nr,  i) 
mitten  in  der  Absorptionslinie 
erscheinen. 

Fitf.  76,  \r.  1  zeigt  die  dunkle 
Linie  F  an  der  Basis  einer 
l'rotuberanz  mit  tangential  ge- 
stelltem Spalte  beobachtet  E? 
erschienen  in  derselben  zwei 
bis  drei  jener  bellen  rauten- 
förmigen Lichtstreifeo,  wahr- 
scheinlich ebenfalls  von  einem 
'■■  ''  starkem     Druck      des     Gases 

IieiTühreud ;  sie  waren  stärker 
in  die  Iriinije  {;*'!5"fi''ii  ■i'''  ''fi  der  C-Linie.  Ganz  ähnliche 
I'irs<.'lii'innng('n  luit  Younü  an  den  beiden  Z)-Linien  be- 
obiielitet. 

LocKYKU  liat  eine  einfache  Methode  angegeben,  um 
<li'n  Vi>rK;in;,'  bei  der  fileieb zeitigen  Beobachtung  des  Spec- 
trnms der  Sonmnunifiebung  | Cbromosphäre)  und  der  Sonne 
M'llist  ansclnkiilieli  /u  machen.  Er  fand,  dass  die  Flamine 
einer  gewölmliclicn  T;dg-  oder  Stearinkerze  mit  einer 
lliillo  von  \atriumihuiii>f  umgeben  ist.  welche  fiir  gewöhn- 
lii'b  uichl  üii'Iitliar  i»t,   die  aber  mit  Hülfe  eines  Suectro- 


Das  Spoctmin  nnd  die  Natnr  der  Chromosphäre.  179 

skops  durch  das  Auftreten  der  gelben  Natriumlinie  sogleich 
wahrgenommen  werden  kann.  Rückt  man  mit  dem  Spalte 
des  Instrumentes  von  der  Seite  her  langsam  in  die  Flamme 
hinein,  so  erblickt  man  etwas  oberhalb  der  Stelle,  wo 
der  Docht  sich  nach  aussen  abbiegt,  alsbald  die  helle 
Linie  D  auf  dunklem  Hintergrunde;  bei  weiterm  Vor- 
dringen mit  dem  Spalte  bis  in  die  Flamme  tritt  dann  auch 
das  zweite  continuirliche  Spectrum  der  Flamme  auf  und 
man  hat  dann  in  dem  Gesichtsfelde  beide  Spectra  der 
Flamme  und  der  sie  einhüllenden  Natriumschicht  neben 
einander  stehend.  Wenn  man  die  Flamme  etwas  be- 
unruhigt und  ins  Flackern  bringt,  kann  man  sogar  ähn- 
liche Veränderungen  an  der  hellen  Z)-Linie  hervorbringen, 
wie  sie  sich  an  den  Wasserstoflflinien  der  Chromosphäre 
zeigen. 

Aus  allen  Beobachtungen  lassen  sich  bezügUch  der 
Natur  der  Chromosphäre  folgende  Resultate  ableiten: 

Der  Sonnenkörper  oder  seine  lichtgebende  Hülle, 
die  Photosphäre,  ist  von  einer  gasigen  Hülle  vollständig 
umgeben,  in  welcher  der  Wasserstoff  einen  Hauptbestand- 
theil  ausmacht;  man  nennt  diese  letztere  Gashülle  die 
Chromosphäre.  Ihre  mittlere  Höhe  beträgt  gegenwärtig 
1000  bis  1500  geographische  Meilen.  Die  Protuberanzen 
sind  locale  Anhäufungen  der  Chromosphäre,  vorzugsweise 
also  des  Wasserstoffgases,  welches  zuweilen  in  der  Form 
von  ungeheuren  Eruptionen  aus  dem  Innern  des  Sonnen- 
körpers hervorzubrechen  scheint  und  Photosphäre  und 
Chromosphäre  gewaltsam  durchbricht. 

Die  Aussenseite  der  Chromosphäre,  also  ihre  obere 
Begrenzung,  zeigt  nach  Secchi  bisweilen  gleichmässige  Be- 
grenzung, aber  häufig  eine  Menge  kleiner  feuriger  Strahlen 
oder  zahllose  kleine  und  uiiregelmässig  gestaltete  Flammen. 

12» 


Die  S|irc:Ir>luuiljrsc. 


lüfcA-M-filirrir' 

kr 

-iim^ii^^ 

V 

w^^m 

Beobachtung  der  Protaberanzen  bei  Sonnenschein.  181 

In  Fitj,  77  giebt  Nr.  1  eine  Darstellung  der  ruhigen  Ghromo- 
sphäre,  während  Nr.  2  die  kleinen  Flammen  zeigt.  Am  häu- 
figsten, besonders  in  den  Regionen  der  Fackeln,  erscheint 
die  chromosphärische  Schicht,  den  Beobachtungen  von 
Sbocxsi  zufolge,  rauh  und  wie  mit  Borsten  besetzt  {Fig.  77^ 
Nr,  3),  oder  es  erscheinen  auch  grössere  wellenförmige 
Anschwellungen  (Nr.  4),  die  schUesslich  zu  wirkhchen  Pro- 
taberanzen  werden. 

Die  Ghromosphäre  geht  nach  unten  hin  über  in  eine 
Schicht,  welche  ein  continuirliches  Spectrum  giebt  (s.  S.  19), 
und  unter  dieser  endlich  liegt  die  glühende,  wolkige,  dun- 
stige oder  nebelartige  Photosphäre^  welche  alle  Substanzen 
enthält,  deren  Spectrallinien  im  Sonnenspectrum  als  um- 
gekehrte Absorptionslinien  vorkommen.  Diese  Substanzen, 
unter  denen  sich  besonders  Eisen,  Magnesium,  Natrium  be- 
merkbar machen,  brechen  oft,  glühend  emporgerissen,  bis 
aof  eine  gewisse,  aber  meist  nicht  bedeutende  Höhe  in  die 
Chromosphäre  und  in  die  Basis  der  Protuberanzen  hinein. 

18.  Methoden,  die  Protuberanzgebilde 
bei  Sonnenschein  zu  beobachten.  —  Die  Gestalt 

der  Protnberanzen. 

Schon  im  Jahre  1866  machte  Lockyer  mit  einem 
HERSCHEL-BaowiaNQ-Spectroskope,  das  mit  einem  Teleskope 
▼erbunden  war,  den  Versuch,  bei  vollem  Sonnenscheine  die 
Protuberanzen  in  ihrem  ganzen  Umfange  zu  beobachten. 
Die  Methode,  die  er  anwandte  und  die  er  der  Royal  So- 
ciety in  einem  besondern  Berichte  näher  darlegte,  beruht, 
wie  wir  bereits  vorübergehend  angeführt  haben,  auf  der 
specifischen  Verschiedenheit  des  Protuberanzenlichtes  und 
des  eigentlichen  Sonnenlichtes. 


182  Die  Spcctralanalyse. 

Das  Licht  eines  glühenden  festen  oder  flüssigen  Kör- 
pers, welches  durch  den  Spalt  eines  Spectroskops  geht, 
wird  durch  das  Prisma  in  ein  mehr  oder  weniger  langes 
Band  zu  einem  contimdrUchen  Spectrum  ausgebreitet. 

Das  Licht  der  gas-  und  dampfförmigen  Körper  dagegen 
wird  auf  demselben  Wege  nur  in  wenige,  zuweilen  sogar 
in  sehr  wenige  leuchtende  Linien  zerlegt. 

Im  ei*sten  Falle  wird  die  Intensität  des  Spectralbandes 
im  Vergleiche  zu  der  Lichtquelle  um  so  mehr  geschwächt, 
je  grösser  seine  Länge  ist;  im  zweiten  Falle,  namentlich 
wenn  das  Spectrum  nui*  aus  ein  paar  Linien  besteht,  ist 
die  Intensität  dieser  letzteren  nicht  viel  geringer  als  die 
der  Lichtquelle  selbst. 

Wenn  daher  zwei  glühende  Körper,  von  denen  der 
eine  fest  oder  flüssig,  der  andere  gas-  oder  dampfförmig 
ist,  gleichzeitig  gleich  viel  Licht  in  den  Spalt  des  Spec- 
troskops werfen,  so  werden  die  hellen  Linien  des  letzteren 
Lichtes  glänzender  sein  als  die  der  Farbe  oder  Brechbar- 
keit nach  entsprechenden  Theile  des  continuirlichen  Spec- 
trums des  erstem  Lichtes. 

Nun  kann  man  aber  durch  Vermehrung  der  Prismen 
das  continuirliche  Spectrum  immer  mehr  in  die  Länge 
ziehen  und  abschwächen  und  damit  sogar  das  sonst  so 
glänzende  Spectrum  des  Sonnenlichtes  fast  bis  zum  Ver- 
schwinden bringen;  während  die  gleiche  Vergrösserung 
der  Dispei-sion  für  das  Linienspectrum  des  glühenden 
Gases  nur  eine  Vergrösserung  der  LlnknabstäHde^  nicht 
aber  eine  erhebliche  Abschwächung  des  Glanzes  dieser 
Linien  zur  Folge  hat. 

Der  Grund,  weshalb  wir  die  Protuberanzen  nicht  zu 
jeder  Zeit  bei  Abbiendung  des  intensiven  Sonnenlichtes  mit 
unseren  Teleskopen  am  Rande  der  Sonne  wahrnehmen,  liegt 


Beobachtung  (Irr  Protuberanzen  bei  Sonnenschein.  18U 

in  der  ausserordentlichen  Helligkeit  der  von  der  Sonne  be- 
leuchteten Krdatmosphäre,  deren  Theilchen  uns  eine  solche 
Fülle  von  Licht  zusenden,  dass  dadurch  das  Licht  der  weit 
schwächer  leuchtenden  Protuberanzgebilde  überwuchert 
wird  und  letztere  selbst  keinen  wahrnehmbaren  Eindruck 
auf  das  Auge  machen  können. 

Bei  einer  totalen  Sonnentinsterniss  wird  dieses  Atnio- 
sphärenlicht  so  bedeutend  abgeschwächt,  dass  alsdann  die 
grösseren  Protuberanzen  ausserhalb  des  Sonnenrandes 
mit  unbewaffnetem  Auge  wahrgenommen  werden  köimen. 
Zu  jeder  anderen  Zeit  aber,  wenn  die  Sonne  scheint,  be- 
ruht die  Möglichkeit,  das  Tageslicht  abzuschwächen,  ohne 
zugleich  auch  das  Protuberanzenlicht  zu  dämpfen,  auf  dem 
bereits  erwähnten  Umstände,  dass  jenes  Licht  aus  Strahlen 
einer  jeden  Farbengruppe  besteht  und  daher  in  einem 
Spectroskope  von  starker  Dispersionskraft  ein  langgezogenes, 
also  hchtschwaches  Spectrum  erzeugt,  das  Licht  der  Pro- 
tuberanzen  dagegen  im  Allgemeinen  nur  aus  drei  oder  vier 
Strahlengattungen  zusammengesetzt  ist,  und  auch  bei  der 
stärksten  si)ectralanalytischen  Zerlegung  stets  auf  ebenso 
viele  Linien  (//«,  Hß^  Hy,  D^)  concentrirt  bleibt. 

Nach  diesen,  von  Lockyer  zuerst  mitgetheilten  Prin- 
cipien  gelang  es  Janssen  am  Tage  nach  der  Sonnen- 
tinsterniss vom  18.  August  1868  das  Spectrum  der  Pro- 
tuberanzen bei  Sonnenschein  zu  beobachten. 

Nachdem  es  Janssen  und  Lockyer  gelungen  war, 
auf  die  angegebene  Weise  das  Spectrum  der  Protuberanzen 
unabhängig  von  einer  totalen  Sonnenfinsterniss  zu  beob- 
achten, lag  die  Frage  nahe,  ob  es  nicht  möglich  sein 
werde,  nicht  nur  die  Protuberanzlinien,  sondern  auch  die 
ganze  Gestalt  der  Protuberanzen  selbst  bei  Sonnenschein 
wahrnehmbar  zu  machen. 


184  Die  Spectralanalyae. 

Die  Länge  der  hellen  Linien  einer  Protuberanz,  z.  B. 
Hß,  entspricht  der  Höhe  der  in  die  Richtung  des  Spaltes 
fallenden  Dimensionen  dieser  Protuberanz  selbst,  und  wir 
haben  bereits  gesehen,  wie  es  Lockyeb  gelang,  durch 
successives  Fortbewegen  des  Spaltes  über  die  Fläche  einer 
Protuberanz  und  durch  Aufzeichnen  der  dabei  nach  ein- 
ander auftretenden  verschieden  hohen  Linie  Hß  die  Um- 
risse der  Protuberanz  zu  construiren. 

Janssen  machte  dagegen  den  Vorschlag,  mittels  einer 
schnellen  Rotation  des  (geradlinigen)  Spectroskops  um 
seine  Achse,  den  Spalt  successive  über  die  ganze  Pro- 
tuberanzfläche  hinweg  zu  bewegen,  um  so  bei  hinreichend 
grosser  Geschwindigkeit  der  Drehung  mittels  der  Dauer 
des  Lichteindi'uckes  auf  das  Auge  die  Gestalt  der  ganzen 
Protuberanz  mit  einem  Male  überblicken  zu  können.  Den- 
selben Weg  haben  auch  Lockyee  und  Zöllner  einge- 
schlagen; ersterer,  indem  er  statt  des  Spectroskops  bloss 
den  Spalt  senkrecht  zu  seiner  Richtung  in  eine  sehr  schnelle 
Rotation  versetzte,  letzterer,  indem  er  den  Spalt  mittels 
einer  elastischen  Feder  senkrecht  zu  seiner  Richtung  hin 
und  her  oscilliren  liess.  Aber  diese  Versuche,  obgleich  sie 
die  Mögüchkeit  des  Gelingens  in  Aussicht  stellten,  sind 
über  ihre  ersten  Anfänge  nicht  hinausgekommen,  eines- 
theils  wegen  der  damit  verbundenen  mechanischen  Schwie- 
rigkeiten, anderntheils  weil  es  sich  bald  ergab,  dass  sich 
der  beabsichtigte  Zweck  durch  viel  einfachere  Manipu- 
lationen weit  besser  erreichen  liess. 

Man  braucht  nämlich,  sobald  eine  Protuberanzlinie  im 
Spectroskop  sichtbar  ist,  den  Spalt  nur  langsam  zu  er- 
weitem, um  sofort  die  wahre  Gestalt  der  Protuberanz  deut- 
lich zu  erkennen.  Huggins  hat  dies  zuerst  gefunden,  doch 
bediente  er  sich  dabei  eines  tief  roth  gefärbten  Rubinglases. 


Beobarhtunpj  der  Protuberanzen  bei  Sonnenschein.  185 

Als  LocKYKB  am  27.  Februar  1869  erfuhr,  dass  es 
HuGOiNS  gelungen  sei,  durch  blosse  Oeffnnng  des  Spaltes 
die  Protuberanzen  bei  vollem  Sonnenscheine  wahrzuneh- 
men, kam  er  sogleich  auch  auf  die  von  Zöllner  bereits 
unter  dem  6.  Februar  veröffentlichte,  aber  noch  nicht  au 
der  Sonne  zur  Ausführimg  gebrachte  Idee,  dass  die  Ab- 
schwächung  des  Atmosphärenlichtes  sich  durch  eine  Ver- 
mehrung der  Prismen  erreichen  lasse  und  dass  es  daher 
gelingen  müsse,  die  Protuberanzen  in  ihrer  ganzen  Gestalt 
zu  beobachten,  wenn  man  zuerst  eine  ihrer  Spectralhnien, 
z.  B.  die  grünblaue  Hß  oder  die  rothe  Ha,  in  das  Seh- 
feld eines  sehr  stark  zerstreuenden  Spectroskops  bringe 
und  dann  den  Spalt  desselben  so  weit  öffne,  dass  mau 
durch  ihn  hindurch  die  Protuberanz  in  ihrer  ganzen  Aus- 
dehnung überschauen  könne.  Das  ausgezeichnete,  sieben 
Prismen  enthaltende  Telespectroskop  (Fig.  63)^  welches 
ihm  zur  Verfugung  stand,  bestätigte  nach  wenigen  Ver- 
suchen die  Richtigkeit  dieser  Idee,  und  so  gelang  es  ihm 
zuerst,  ohne  weitere  mechanische  Hülfemittel  und  ohne 
Anwendung  von  farbigen  Gläsern  zu  jeder  Tageszeit,  wo 
die  Sonne  scheint,  die  Protuberanzen  in  allen  ihren  Um- 
rissen und  in  ihrer  ganzen  Grösse  und  Gestalt  zu  beobachten. 

Zöllner  hat  nach  demselben  Verfahren  zuerst  am 
1.  Juli  1869  die  Protuberanzen  wahrgenommen.  Die  Re- 
sultate seiner  Beobachtungen  hat  er  in  einer  Reihe  von 
höchst  interessanten  Abbildungen  einzelner  grösserer  Pro- 
tuberanzen veröffentlicht,  welche  das  Entstehen,  die  Ver- 
änderungen und  das  Verschwinden  derselben  deutlich  er- 
kennen lassen. 

Die  Methode,  die  Protuberanzen  bei  hellem  Sonnen- 
scheine in  ihrer  Form  und  in  ihrem  Umfange  zu  sehen, 
besteht  also  einfach  darin,   dass  man  auf  die  in  §  16  an- 


IBli  Die  SpcctmlaiiRlyKC. 

gegebene  Weise  und  mit  den  in  den  Fitfff.  62  und  ti3  dar- 
gestellten Instrunitinten  zuerst  eine  Protuberanzliaie,  am 
besten  die  rothe  Linie  C,  in  das  Sehfeld  des  Spectroskops 
bringt  und  alsdann  den  Spalt  langsam  erweitert,  bis  die 
Protuberaiiz  in  ihrer  grössten  Schärfe  erscheint.  Das  in 
den  Fig<j.  62  und  6'3  dargestellte  Spectroskop  enthält  einen 
Prismensatz  von  nicht  gerader  Durchsicht;  weit  bequemer 
ist  dagegen  das  geradsiclitige  Spectroskop,  wie  aolches.die 
Flgy.  65  und  66  zeigen.     Wir  geben  za  Fig.  66  noch  die 

Fig.  78. 


NjiiltVDriitbtuiis  iin  Sptctraakop. 

Fjtnrichtiing  der  seliv  fein  cunstruirten  tipaltvorrichtung. 
Dieselbe  ist  in  Fig.  7K  abgebildet  und  besteht  der  Haupt- 
sache nach  aus  zwei  an  Stahlleisten  verschiebbaren  Stahl- 
backen  mit  vorziiglii^hcn  Schärfen,  welche  sich  vermittels 
einer  Schraube  gleichzeitig  gleicli  weit  vom  Mittelpunkte 
entfernen  und  unter  Einivirknng  ontsjirccheuiier  Reagir- 
ftderu  zugleich  wieder  der  Mitte  der  Uetfnung  nähern 
lassen.  Die  SpaltölTnuiig  lllsst  sich  auf  n;ihe  '  i  Zoll  oder 
6'  3  nini  ei'breiti'ni.  Äussoi-dem  ist  in  sehr  geschickter 
Weise    diu    Einriulitung    gutrottoii.    dass    man    bloss    den 


äusseren  Ring  Ä  zu   drehen  braucht,   um   das  < 


Spalt 


luill)  \erdeck*^ii(Je  Vergleichsprisma,  welchee  das  Licht  von 
nh  i'iuü  Oefftiung  a  empfängt,  gan«  bei  Seit« 


schjüben    und   das   volle   Licht   des  Fern  röhr  objectivs  auf 
die  ganüe  Länge  de«  Spaltes  gelangen  zu  laBsen. 

Die  Fig.  79  zeigt  die  am  meisten  ausgeprägten  For- 
men der  Protuberanzen  unter  Angabe  der  Zeit,  wann 
sie    beobachtet    wurden,    des  Ortes   am  Sonnenrande,    wo 


ISX  Die  S|iei!tralunalyse. 

si(»  fi-sthuiiien,   iiml   der  Höhe   in   Bogensecundou,   welche 
Mt'  ciTfk'hteii. 

Ks  ist  im  Allgemeinen  einerlei,  ob  uuin  bei  dieser 
HtMiljiK'litiingsweist»  die  rothc  Linie  (Hu)  oder  die  grün- 
blam."  (Il[i)  iixirt;  die  erforderliche  Weite  der  Spaltöffnung 
ist  jedoch  durch  die  grössere  oder  geringere  Reinheit  des 
Himmels  wesentlich  beilingt.  Stellt  man  das  Beobachtungs- 
rohr  des  Spectroskops  auf  die  C-Linie  ein  und  richtet  den 
engen  S|)alt  so  auf  den  Sonnenrand,  dass  die  rothe  Linie 
...      .  //«im  Sehfelde  erscheint,   so  zei^ 

sich  beim  Erweitern  des  Spaltes  die 
l'rotuberanz  in  rother  Färbung; 
iixirt  man  dagegen  die  J^ -Linie  und 
Uli,  so  gewahrt  man  genau  dieselbe 
Komi  in  grünblauer  Farbe. 

Es  wird  nicht  überflüssig  sein  zu 
bemerken,    dass   auch    die   kleinste 
\  Spaltöffnung  des  Spectroskops  doch 

"\  t  das  Sehfeld   desselben    über  einen 

A« i"U"-  sehr  bedeutenden  Theil  der  Sonnen- 

Umgebung  ausdehnt.  Beträgt  diese 
OetViiiin^  auch  nur  0.05  mm,  und  hat  das  durch  das  Ob- 
jectiv  des  Telerskops  erzeugte  Sonnenbildchcn,  wie  in  dem 
Instrumente  von  Lockyer.  einen  Durchmesser  Ton  etwa 
2,5  cm,  so  erstrecken  sich  doch  die  durch  den  Spalt  ein- 
driii^^eiulen  Lichtstrahlen  an  der  Sonne  über  einen  Kaum 
voll  un^ietahr  400  j^'eograi)hischen  Meilen. 

Statt  eines  S|»ectn»skops  mit  Prismensatz  kann  man 
sicli  /u  <len  Protuheranz-Heobachtungen  auch  eines  Dif- 
t'ractions'iitters  bedienen.  Die  Anordnung  des  Apparates 
i-t  tilgende:  >>(>  in  der  schematischen  Fig.  80  ist  der 
(JoUimator,   «S  der   Spalt,   welcher   in  den  Brennpunkt  des 


() 


Kr'iihiiphluiig  AtT  rrnlDbprnniPn   hd  Sonimnsclioin.  Ißf 

Refractürs  gobraclit  wird,  an  dem  das  Spectrosko))  befestigt 
ist.  F  ist  dos  Beobachtuugsferurolir.  Dasselbe  kann  mit 
d«m  Colliinator  fest  verbunden  sein,  da.  nur  das  aui'  einem 
MetHUs|)icgt>l  M  getheilte  Gitter  gg  gedreht  zu  werden 
braucht.  Durch  diese  Drehung  des  Gitters  um  eine  Senk- 
rechte zur  Ebene  der  Zeichnung  werden  der  Reihe  nach 
die  Spwtra  der  verschiedenen  Orduungen  im  Ferujohre  F 


T>Ht*i  OUbMtfonNpMnmkap. 


erscheinen.  Da  die  Spectra  der  verschiedenen  Ordnungen 
Bcb  so  überdecken,  dass  das  rotbe  Ende  des  HpLCtruuiB 
zweiter  Ordnung  den  blauen  Theil  desjenigen  der  dritlt^n 
Onluuug  deckt,  so  ist  es  bisweilen  erforderlich,  dieae 
Spectra  zu  trennen.  Zu  diesem  Ende  hat  zuerst  Jobs 
He&bciiel  vorgcAchlageu,  zwischen  das  Gitter  m  und  ila.s 
Fernrohr  F  ein  eiufaches  Prisma  zu  setzen,  deaseii  Di- 
sperdonsebt'nc  senkrecht  zu  derjenigen  des  Gitters  steht. 


190  Die  Spectralanalyse. 

Mit  einem  solchen  DifFractions-Instrument  hat  Yoüxa 
zu  Princeton  zahlreiche  und  wichtige  Beobachtungen  an- 
gestellt. Fig.  81  zeigt  dieses  Instrument,  dessen  Elinzel- 
heiten  aus  Fig,  80  ohne  Weiteres  verständlich  sind. 

Uebrigens  haben  sich  schon  früher  Secchi  und  Vogel 
des  Gitters  bei  Protuberanzbeobachtungen  bedient.  Es 
bietet  den  Yortheil  einer  kleinen  oder  grossen  Zerstreuung 
durch  Wahl  einer  höheren  Ordnung  des  Interferenzspec- 
trums bei  geringen  Dimensionen  des  ganzen  Apparates. 

Die  Diffractionsspectroskope  haben  jedoch  anderseits 
den  Nachtheil,  dass  bei  weiter  geöffnetem  Spalt  die  Ge- 
stalt der  Objecte  etwas  beeinträchtigt  erscheint,  entweder 
zusammengedrückt  oder  ausgedehnt  rechtwinklig  zur  Bicfa- 
tung  des  Spaltes.  Wenn  die  Neigung  der  GitterflSche 
gegen  das  Teleskop  grösser  ist  als  gegen  den  Cdli- 
mator,  erscheinen  die  Protuberanzen,  sobald  der  Spalt  doa 
Sonnenrand  taugirt,  etwas  eingedrückt;  ist  jene  Nei- 
gung geringer,  so  erscheinen  sie  verlängert  Diese  Ab- 
weichung von  der  normalen  Höhe  kann  aber  in  Rech- 
nung gezogen  werden.  Bezeichnet  nämlich  h  die  schein- 
bare Höhe,  //  die  wahre,  k  die  Neigung  der  Gitter- 
o])orfläche  gegen   den  Collimator,  t  gegen  das  Fernrohi*, 

so  hat  man 

^^ //  sin.  t 

sin.  k 

Im  Allgemeinen  kann  man  die  verschiedenen  Formen 
der  Protuberanzen  in  zwei  charakteristische  Gruppen  brin- 
fijen,  welche  von  Zöllner  als  dampf-  oder  wolkenformige 
und  als  eruptive  Gebilde  bezeichnet  werden. 

Beobachtet  man  mit  einem  kleinen  Teleskope,  so  treten 
die  Einzelheiten  der  Umrisse  und  der  inneren  Gestaltung 
dei^selbon   weniger   deutlich   hervor.     Doch   ist  ein   Beob- 


achter  im  Besitze  eines  Fernrohra  von  4  Zoll  Oeffnung,  wie 
solche  rtRtxFELDEH  &  Hkutel  iti  MuncheD  liefern,  und 
eines  Spectroskops,  dessen  Uesammtdispersion  derjenigen 
von  fiinf  oder  sechs  gewöhnlichen  Prismen  gleichkommt. 
80  ist  er  hinreichend  ausgerüstet,  um  die  Chroniusphüre 
sowie  die  Protuberanzen  in  ihren  Gestalten  und  Verände- 
rungen zu  untersuchen.  Wie  weit  man  den  Spalt  zu 
Üffuen  hat,  um  die  Protuberanzen  am  schärfsten  zu  sehen, 
muss  in  jedem  falle  durch  Versuche  ermittelt  werden.  Bei 
zu  grosser  Oofl'nnng  verschwinden  die  Protuberanzen  alliniih- 
lich  auf  dem  Spectnini  der  zu  hell  erleuchteten  Atmosphäre, 


Unter  den  Beobachtern,  die  sich  liauptsächhch  mit 
der  Untersuchung  der  Protuberanzen  bis  j^tzt  beschäftigt 
haben,  sind  in  erster  Linie  zu  nennen  Secchl  Lockykb. 
Vogel,  Yoükg,  Tacchini,  Respighi. 

YocNO  bat  mit  seinem  kraftvollen  Instrumente  zahl- 
reiche Beobachtungen  der  Gestalt  der  Prntuberanzen  und 
der  Veränderungen,  welche  sie  erleiden,  angestellt.  Am 
17.  September  1869  sah  er  eine  weit  ausgedehnte  Kette 
von  Protubersinzen,  deren  einzelne  Formen  in  Fig.  82 
abgebildet  sind.  Diese  ungeheuio  feurige  Gasmnsse  nahm 
am  Sonnenrande  eine  Länge  von  nalie  480(K)  geographischen 
Mtnien  ein  und  erreichte  eine  Höhe  von  50  Secundeo  oder 


10*2  Die  Spectralanalyse. 

von  60(K)  geograi)hischen  Meilen;  sie  liatte  ihre  grö>ste 
II(;lIigkrit  in  den  Punkten  a  und  b. 

Kleinere  Veränderungen  in  der  Gestalt  der  lYotube- 
runzen  kann  man  bei  geöffnetem  Spalte  fast  ununterbrochen 
Ijeob.icliten ;  dagegen  erfolgen  grössere  Verändeioingeu  in 
der  Kegel  nur  langsam  oder  ganz  immerklich.  In  einigen 
1  allen  aber  ist  der  Wechsel  der  Gestalt  in  den  Protul»e- 
ranzt'U  so  ausserordentlich  und  geht  mit  einer  solchen  Ge- 
schwindigkeit vor  sich,  dass  wir  daraus  auf  die  heftigsten 
Rractionen  in  drn  höheren  Theilen  der  Sonnenatmosphäre 
scliliessen  müssen,  gegen  welche  die  orkanartigen  Stürme, 
die  zuweilen  das  Luftmeer  der  Erde  in  Bewegung  setzen, 
verschwindend  klein  sind.  Lockyee  beschreibt  die  Beub- 
achtung   eines   solchen  Sonnenifturms  auf  folgende  Weise: 

„Am  14.  Miirz  18Gi>  gegen  9  Uhr  45  Minuten  Mor- 
gens lieobachtete  ich  —  den  Spalt  tangential  zum  Sonnen- 
rande anstatt,  wie  es  sonst  zu  geschehen  pflegt,  senkrecht 
zu  demselben  —  in  der  Nähe  des  Aequators  auf  der  öst- 
liehen  Seite  eine  kleine  dicliU*  Protuberanz  mit  Andeutungen, 
(liiss  eine  aussergewöhnliche  Thätigkeit  im  Gange  war.  Um 
10  Uhr  .'»()  Minuten,  als  die  Wirkung  nachliess,  öffnete  ich 
den  Spalt  und  bemerkte  sofort,  dass  das  dichte  Aussehen 
der  Protuberanz  verschwunden  imd  wolkcnähnliche  Zer- 
faserungen eingetreten  waren.  Die  erste  Zeichnung  wurde 
um  II  Uhr  5  Minuten  beendigt;  die  Höhe  der  Pro- 
tul)eranz  betrug  IT)"  oder  ungefähr  6300  geographische 
Meilfu.  Ich  verliess  dann  auf  einige  Minuten  das  Obser- 
vatorium und  war  nicht  wenig  erstaunt,  bei  meiner  Rück- 
kelir  um  11  Uhr  15  Minuten  zu  l)emerken,  dass  von  der 
giM-adHnigen  Protuberanz  nichts  mehr  sichtbar  war;  auch 
niclit  die  kleinste  Spur  fand  sich  davon  an  der  alten  Stelle 
vor.    leb  weiss  nicht,  ob  sie  sich  wirklich  gänzlich  verloren 


■olubeMnzeii.  hpiili 


Omffn^f/iaiAf  Mriift 


lleobBfhtang  der  PmlaHfraneen  bei  Sonnennfheii 

oder   ob   ihre  Theile  anderswohin  gefios 
F  ich  vermuthe  das  letztere,    weil  der  übrige  Theil  der 
toberaii^  sich  vergrössert  hatt«,  wio  es  eine  nnn  ange- 
■  zweite  Zeichnung  deutlich  erkennen  Hess." 

^eure  Veränderungen  in  der  Höhe  und  dem  Aus- 

i  der  Protuberanzen   hat   auch   Secchi  häufig   beob- 

nisweilen,   wie   am   9.  Juli   1871,    deutete   schon 

pinze  Aussehen  dieser  Gebilde  (Fig.  83)  auf  Bewegung 


der   glühenden   Massen,    die  an    Grossartigkeit  jede  Yor- 
Mellung  überbieten. 

Die  in  Fig.  84  abgebildeten  vier  verschiedenen  Formen 
beziehen  sich  auf  eine  und  dieselbe  sehr  glänzende  Pro- 
taberanz,  welche  ani  7.  October  1869  von  Professor  Yüunq 
beobachtet  wurde,  Ihre  Höhe  betrug  75".  Der  Wechsel 
in  ihrer  Gestalt  erfolgte  mit  einer  ausserordentlichen  Ge- 
schwindigkeit; die  vier  Zeichnungen  wurden  gemacht  um 
S  Uhr  20  Min..  2  Uhr  35  Min.,  2  Uhr  55  Min.  und  3  Uhr 
30  Min.  Im  Innern  der  Protnberanz  gab  sich  eine  nahe 
horizontale  Bewegung  der  einzelnen  wolkigen  Massen  kund. 


IM 


t  äpMtralaadjraF. 


Eüier  äcT  grossartigsten  Ausbrüche  von  Protobemixa. 
icr  liis  jetzt  beobachtet  vordea,  ereignete  sich  am  7.  Sep- 
tember 1871  out)  ist  von  Yoökg  beschrieben  ood  gezeicbncl 
worden.  ,,Ad  jenem  Tage,"  so  berichtet  er,  „ereipietc 
flicli  zwiscbi'n  12<  ,  ani]  2  Uhr  Nachmittags  auf  der  Somt 
eine  Art  Explosion,  die  eben  so  sehr  durch  ihr  unantir- 
U.-I«ä,  [ilötzlit^hes  Auftretri)   als  durch  ihre  Heftigkeit  aA 

Fig.  94. 


aus;z  ei  ebnete.  Gerade  um  Mittag  hatte  leb  eine  enoC 
Prptulieraiiz  am  westlicheu  Soimeorande  mit  dem  Telespeo- 
troskop  nälier  uulerBwht;  sie  hatte  sich  seit  dem  Torigen 
Mittag  nur  sehr  wenig  geändert  und  bildete  eine  lange; 
massig  hohe,  ruhig  aussehende  Wolke  von  nicht  besoo- 
dereai  Glänze  und  nur  durch  ihre  grosse  Ausdehnung  b«- 
roericenswerth.  Ihre  Hauptmasse  bildete  eine  Wolke  i 
nahe  horizontalen  Streifen,  deren  unterer  Tbeil  etwa  i 
({eugraphisvhe  MeUen  von  der  Chromosphäre  entfernt  i 


Bi'obKhhing  il«r  PrclohBruniPii  Wi  SoiniMiBcliein.  195 

aber  durch  drei  oder  vier  lebhall  glaubende  verticiile 
Säulen  tod  der  häufig  vorkommenden  Form  mit  derselben 
in  Verbiudung  ataud.  In  der  Länge  mass  sie  3' 45"  und 
in  der  Höhe  bis  zu  ihrer  oberen  Grenze  nahe  2',  sie  Lalle 
abto  eine  LängenaUHdehnting  am  Sonnenrande  von  ungefiihr 
21700  und  eine  Höhe  von  11700  geographischen  Meilen. 

Als  ich  um  I2Vj  Uhr  auf  einige  Min\iten  abgerufen 
vnirde,  war  niohls  zu  sehen,  was  auf  eine  bevorstehende 
Eniptio»  hiitte  schlieasen  lassen  können;  nur  der  eine  auf 
der  Rüdlichen  Seite  der  Wolkeu  befindliche  Verbindung»)- 
atamra  war  bedeutend  glünzender  geworden  und  eigentbüiu- 
lich  seitwärts  gekriinmit;  ebenso 
hatte   sith    nahe    an    der    Basis  ^'ü'  ^ 

flines  anderen  Stammes  am  nörd-  i 
licheci  Ende  eine  kleine  leuchtende 
Masse  gebildet.  Fig.  85  zeigt  d;Ls  j 
AuBNeben.  das  die  Protuberanz 
lun  diese  Zeit  gewährte;  i  ist 
die  zuletzt  genannte  leuchtende 
Masse. 

Wie  gross  war  mein  Erstaunen,  als  ich  nach  weniger 
als  einer  halben  Stunde  ("am  12  Uhr  55  Minutenj  zurück- 
kam und  fand,  dass  inzwischen  die  ganze  Protuberanz 
durch  einen  gewaltigen  Ausbruch  von  unten  nach  obi'n 
buchstäblich  in  Fetzen  zerrissen  war.  An  der  Stelle  der 
ruhigen  Wolke  war  nun  die  Luft,  wenn  dieser  Ausdruck 
fiir  die  Sonne  erlaubt  ist,  mit  berumfiiegenden  Trümmeni, 
mit  einer  Menge  von  einzelnen  verticalen,  anscheinend 
feurig-flüssigen  Fäden  oder  Zungen  angefüllt,  jede  1 0  bis  30" 
lang  und  2  bis  3"  breit;  sie  waren  am  glänzendsten  und 
standen  am  dichtesten  zusammen,  wo  vorher  die  Stämme 
sich  befanden,  und  alle  stiegen  selu'  schnell  iu  die  Hohe. 
13» 


IM 


Die  Sp«c!tnlanal}rsa 


Fig.  m. 


Ab  ich  dio  Erscheinung  zuerst  sah,  bttU«D  eini^ 
dieser  Fäden  schon  eine  Höhe  von  iiahe  4'  (il70ll  g»- 
graphische  Meilen)  erreicht;  sio  stiren  aber  vor  neiiKa 
Augen  uwh  fortwährend  hoher,  bis  »lie  böch&teu  nad 
10  Minuten  (uin  1  Uhr  5  Minuten)  um  mehr  ali  4340O 
geographische  Meilen  von  der  Oberääcfao  der  Sonne  eot- 
fernt  waren.  Bt;i  der  Messung  dieser  Höbe  wurde  tsil 
grosser  Sorgfalt  verTahren.  und  es  «rgab  sieb  als  du 
Mittel  aus  drei  sehr  nahe  öbcr- 
eiostimmendea  Beobachtungen  lir 
die  grÖBstf  erreichte  Höhe  T4i^ 
uder  ungefähr  45800  geog»- 
phische  Meilen.  Ich  hebe  äksa 
besonders  herror,  weil,  so  viel  mir 
bekannt  ist,  die  cbrotnositböriscbe 
M;it«ne  ( im  vorliegenden  Fa!le 
glühender  Wasserstoff)  noch  nie 
in  einer  grösseren  Höhe  als  5' 
beobachtet  worden  ist.  Die  C!c- 
ach  windigkeit,  mit  welcher  tli* 
Frotiiberauzniaterie  in  die  Höhe 
stieg,  betrug  36  geographische 
Meilen  in  der  Secunde  und  iat  ebenfalls  bedeutend  grösser, 
als  man  es  bisher  wahrgenommen  hat.  Einen  allgenraiiiai 
Anblick  der  Erscheinung  tiir  die  Zeit,  wo  die  FSdeo  ihre 
grösste  Höhe  erreicht  hatten,  giebt  die  Fiif.  86.  In  dem 
Masse,  we  die  feurigen  Zungen  in  die  Höhe  stiegen,  nahmeu 
sie  an  Glanz  ab;  sie  verschwanden  unbemerkbar  wie  eine 
sich  auflösende  Wolke,  und  um  1  Uhr  15  Minuten  waren 
von  der  ganzen  grossen  Protuberanz  nur  noch  einige  wenigr 
Bündelchen  leuchtender  Materie  nebst  einigen  heUenm 
Streifen  ganz  nahe  an  der  Chromosphäre  übrig,  welche 


noch  eben  die  Stelle  erkennen  liesseu,   wo  die   grossartige 
Erscbeinung  stattgefunden  hatte. 

In   der   Zwischenzeit   aber   war   diu    erwähnte   kleine 


Masse  a  angewaehseu  und  hatte  sich  zu  einer  wogenden 
und  fortwährend  sich  ändernden  Flamme  entwickelt,  An- 
fangs kroch  sie,  so  zu  sagen,   niedrig  an  der  Sonnenober- 

Fig.  SO. 


fläche  entlang  (Füj.  86);  später  stieg  sie  fast  pyramidal 
auf  eine  Höhe  von  10800  geographischen  Meilen,  worauf 
sich  ihr  Gipfel  in  lauge  Fäden  uod  in  Bündel  leuchtender 
Strahlen  auflöste,  die  in  höchst  merkwürdiger  Weise  sieh 
umbogen  und  nach  Art  der  Schneckenwiudungen   bei  den 


198  Die  Spectralanalyse. 

jonischen  Kapitalen  gekrümmt  waren;  endlich  verlor  sie 
sich  allmählich  und  verschwand  um  2  Uhr  30  Minuten 
gleich  der  vorigen  vollständig.  Die  Figg.  87  und  88  zeigen 
diese  letztere  Protuberanz  in  ihrer  vollen  Entwickelung; 
die  erstere  wurde  um  1  Uhr  40  Minuten,  die  andere  um 
1  Uhr  55  Minuten  skizzirt.*' 

Auf  den  Tafeln  VI  und  VII  sind  zwei  verschiedene 
Protuberanzgebilde  in  ihrer  natürlichen  Farbe  dargestellt, 
wie  sie  sich  zeigten,  als  man  unter  Anwendung  eines 
grossen  Teleskops  den  weit  geöfibeten  Spalt  des  damit 
verbundenen  Spectroskops  auf  die  rothe  C-Linie  (Hu) 
richtete.  Sie  charakterisiren  die  beiden  verschiedenen 
Gruppen  der  Eruptiv-  und  der  Wolkengebilde  und  geben 
zugleich  ein  Bild  von  der  grossen  Veränderlichkeit  ihrer 
Form.  Die  Protuberanz  Nr.  1  und  2  auf  Tafel  VI  ist  von 
Prof.  Zöllner,  Nr.  3  und  4  auf  Tafel  VII  von  Prof.  Yoüng 
beobachtet  und  gezeichnet  worden;  erstere  ist  ein  Eruptiv- 
gebilde mit  deutlich  ausgesprochener  Drehung,  letztere 
dagegen  hat  einen  wolkenartigen  Charakter.  Aus  dem  bei- 
gefügten Massstabe*  lassen  sich  ihre  Höhen  leicht  ab- 
messen. 

Professor  Yoüng  ist  es  gelungen,  am  28.  September 
lö70  zum  ersten  Male  bei  hellem  Sonnenscheine  die  Pro- 
tuberanzen am  Sonnenrande  zu  photographiren.  Die  Ope- 
ration bestand  darin,  dass  die  blaue  WasserstoflFlinie  Hy 
vor  G  in  die  Mitte  des  Sehfeldes  des  Spectroskops  ge- 
bracht und  eine  kleine  photographische  Camera  mit  dem 
Ocular  des  Beobachtungsrohres  verbunden  wurde.  Da  die 
gewohnlichen  für  die  Aufnahme  von  Porträts  gebräuch- 
lichen Chemikalien  angewandt  wurden,  so  niusste  die  Ex- 


*  ' 


ral'el   VI  und  VIJ  haben  «^leicheü  Massstub. 


Beobachtung  der  Protnberanzen  bei  Sonnenschein.  190 

positionszeit  auf  3^^^  Minute  ausgedehnt  werden,  während 
welcher  Zeit  das  Aequatorial  infolge  einer  nicht  ganz 
genauen  Aufstellung  der  Polarachse  eine  kleine  Verschie- 
bung des  Protuberanzbildchens  auf  der  präparirten  Platte 
verursachte.  Dennoch  lassen  sich  in  dem  erhaltenen  photo- 
graphischen Bildchen  von  13  mm  Durchmesser  die  ver- 
schiedenen Formen  der  Protuberanzen  deutlich  erkennen. 
Seit  dem  Jahre  1874  hat  sich  Dr.  0.  Lohse  bemüht, 
auf  photographischem  Wege  ein  Bild  der  Chromosphäre 
und  der  Protuberanzen  zu  erhalten,  wobei  er  sich  anfangs 
eines  absorbirenden  Mediums  bediente,  welches  dicht  vor 
der  lichtempfindlichen  Platte  angebracht  wurde.  Bei  spä- 
teren Versuchen  wurde  das  vom  Objectiv  erzeugte  Bild 
direct  auf  einer  reinen  Jodsilberschicht  aufgefangen.  Auf 
diese  Weise  erhielt  Dr.  Lühsb  um  die  überexponirte  Sonnen- 
scheibe herum  einen  dunklen  Ring,  der  später  auch  von 
Janssen  erhalten  wurde,  allein  es  blieb  unentschieden,  ob 
dieser  Ring  wirklich  ein  Bild  der  Chromosphäre  sei,  auch 
zeigten  sich  keine  Protuberanzen.  Im  Frühjahr  1880  con- 
struirte  Lohse  einen  anderen  Apparat,  dem  die  Idee  zu 
Grunde  liegt,  das  Bild  der  Chromosphäre  aus  einer  Reihe 
von  Spaltbildem  zusammen  zu  setzen,  indem  dem  ge- 
sammten  Spectralapparate,  bei  feststehender  photographi- 
scher Camera,  eine  gleichförmige  Bewegung  ertheilt  wird. 
Es  wurde  hierbei  die  Kreisbewegung  vorgezogen,  weil 
dabei  der  erste  im  Focus  des  Fernrohrs  befindliche  Spalt 
bei  gehendem  Uhrwerk  stets  nach  dem  Centrum  des 
Sonnenbildes  gerichtet  bleibt.  Fig.  89  zeigt  schematisch 
die  Anordnung.  Das  Objectiv  0  eines  grossen  Fernrohrs 
erzeugt  in  der  Focalebene  /  der  violetten  Strahlen  ein 
Bild  der  Sonnenscheibe.  Dieses  Bild  wird  von  einer  ge- 
schwärzten Metallscheibe  aufgefangen,  in  welche  eine  gläu- 


200  Die  Spectralanalyse. 

zende  Kreislinie  eingerissen  ist,  deren  Centrum  mit  der 
optischen  Achse  des  Fernrohrs  zusammenfällt  In  diese 
Kreislinie  wird  das  Bild  der  Sonne  concentrisch  eingestellt 
und  in  dieser  Lage  durch  das  Uhrwerk  des  Femrohrs 
festgehalten.  Die  Metallscheibe  enthält  vor  dem  ersten 
Spalte  8i  einen  kleinen  Ausschnitt,  der  sich  in  radialer 
Richtung  durch  einen  Schieber  so  weit  redudren  lässt, 
dass  ausser  der  Chromosphäre  nur  ein  ganz  schmaler 
Randtheil  der  Sonnenscheihe  sein  Licht  in  den  Spectral- 
apparat  hineinsendet,  während  der  ganze  übrige  centrale 
Theil  abgeblendet  wird.     Bei  concentrischer  Stellung  des 

i?^ig,  89. 
1.  l. 


f 

Lohse's  Apparat  zur  Photographie  der  Chromosphire. 

Sonnenbildes  ist  der  Spalt  s^  radial  gerichtet  und  bleibt 
es  auch  bei  der  später  erfolgenden  Drehung  des  Apparates 
um  die  Achse  XX,  Das  vom  Spalte  s^  kommende  Licht 
wird  von  der  als  CoUimator  dienenden  einfachen,  plan- 
convexen  Linse  li  parallel  gerichtet,  geht  durch  den  Pris- 
mensatz p,  der  fiir  Violett  ä  vision  directe  orientirt  ist,  in 
die  Linse  l^  von  gleicher  Brennweite  wie  Zj.  Die  Linse  l^ 
erzeugt  in  ihrem  Focus  ein  Bild  des  Spectrums  des  Sonnen- 
randes und  seiner  Umgebung,  von  welchem  Spectrum 
durch  den  beweglichen  Spalt  s^  das  schmale  Stück  heraus- 
geblendet wird,  das  die  violette  Wasserstofflinie  Hy  ent- 
hält. Dicht  hinter  dem  Spalte  «^  befindet  sich  in  fester 
Verbindung  mit  dem  Fernrohi*  die  lichtempfindliche  Platte  F. 


Ü.'ubuiIiIuDK  der  ProIuWn 


2ll| 


Wenn  der  Apparat  in  Thätigkeit  gesetzt  werdeu  soll, 
80  werden  die  mit  einander  verbimdcoen  Theile  «|,  Ij,  ji, 
4  und  «3  mit  gloidiformiger  Geschwindigkeit  um  die 
Aclise  XX  gedreht,  wobei  der  mit  schmalen  Lederatreifen 
Terseheue  Spalt  «j  direct  auf  der  emptindlicheu  trocknen 
Gelatineplutte  tichleift,  £a  erzeugt  sich  auf  diese  Weise 
ein  entgegengesetzt  gekrümmtes  Bild  des  Sonnenrandes,  bei 
dem  die  Protube ranzL-n  nach  dem  Centnini  statt  nach , 
aussen  gerichtet  sein  wüideu.  Aus  diesem  Um&taude  ent- 
springt nebenher   der  kleine  Vortheil,   dass   das  Bild   der 


Fig.  W 


idor  S|><e(i>lippu'4t. 


Chromosphäre,  welches  iufulge  der  Drehbewegung  von 
vornherein  längere  Exposition  erhält  als  die  Theile  der 
SoDnenscheibe,  auf  der  Platte  auf  einen  engern  Raimi  zu- 
sammengedrängt «ird  und  also  eine  relativ  stärkere  Wir- 
kung auf  die  emplindliche  Schicht  ausübt. 

Fig.  yo  giebt  eine  Ansicht  des  von  Schhiot  &.  Hünsch 
in  Berlin  ausgefühilen  Instrumentes.  Innerhalb  dreier 
cylindrischer  Eisenstäbc.  welche  die  Verbindung  mit  dem 
Femrohr  veimitteln,  bewegt  sich  mit  möglichst  wenig  Rei- 
bung in  den  zwei  Ringen  r  und  r^  die  Trommel  7'.  Letz- 
tere enthält  die  fünf  wesenthchen  Theile  des  Spectralapjia- 
rates,  nämlich  die  beiden  Spalte,    den  Piismenkorpei'   und 


'JiVJ  Dia  SpactnUaaljsc 

ilii'  iH^iili'n  linsen  in  der  Anordnung,  wie  durch  die  oUp. 
Nclioiiiiitisclio  Fiy.  8y  angedeutet  wurde.  Von  dsn  Sjalt; 
vurricktuii);t.'ii  ist  in  Fig.  90  nur  diejenige  za  edieo,  & 
Diit  der  i.'in])tiiidliclien  Platte  in  Berührang  gvbraidit  VH 
und  liior  den  Kuchataben  «i  trägt,  sie  kaan  niit  HHl 
von  /ulm  und  Trit-b  heraus-  und  liineingescliniubt  vi 
iJii-  i>liutu{;i'ai>kiBche  Cassette  K  scliiebt  sich  tu  don 
.  iiiun  li,  de&acii  cylindrischer  Ansatz  lichtdicht  Ül  -iSf 
'ri-uniniel  T  hiucinpasst.  Ehe  bd  einer  Aufnaline  M 
Si'liii>)iiT  der  Uiissvttc  geöffnet  wird,  muss  der  Tlat^iiy  J 
s:iiiiint  der  Cussctte  fC  mit  Hülf^  des  we^drchbaieo  Bin 
guls  i<  und  der  Schraube  iv  gegen  die  Troniniel  hinbeim 
ucrileii,  bis  die  gewünschte  Entferiuing  zwischen  der  <i 
liinsü  /^  und  der  empfindlichen  Platte  erreicht  und  dl 
( ianüc  licht^licht  abgosihloBBen  ist.  Sodniin  wird  dl 
CiiNsetteiiächieber  gcüH'net  und  dt^r  Spalt  «,  mittels  'Dnlb 
li(>A'egunt;  an  die  üchtenipäudlicbe  Oberfiäch«;  livraobnnif 
Ist  iiiu'h  dii-s  geschehen  und  die  Sunut^  eingt:-«toUt>  w 
dti'  Truninii-t,  auf  der  sich  ein  Zübiirad  beünd<>t,  nttt< 
Si'lirimlie  nbue  KikU'  iu  Drehung  versetzt.  Wie  au 
in  der  Alibildiiu;;  bemerkbaren  Kurbeleinrichtung  am 
licli  iM,  sollte  die  Drehung  mit  Hülfe  dei-  Huad  be« 
wiTileii,  iiide.-j  dürfte  es  vortheillmfter  sein,  bierför 
kleines  1,'brwirk  /u  benutzen,  weil  bei  der  genügen ^^^ 
di-s  Sji^lti'ä  «t  .i<^<l*^  "f<^'<  ^  kleine  Usregelmiini^ett  ■ 
(kr  llewi'^utig  sieh  auf  dem  Bilde  bemerkbar  macht 

I(i-f;<'1]uiissiKi!  tägliche  Untersuchungen  des  gansen 
S(iiinei)i:iiide>  iiacli  Prtituliviauzen  sind  seit  Oetober  ISS? 
Kuei-ist  VC.»!  ltKbi>i<i>ii  .luf  der  Sternwarte  des  Gampidoglio  in 
Kinii  :ii]>;estellt  worden.  Fi//.  fiJ  zeigt,  wie  der  Beobacht«- 
dir  l't'i>tiilicr,'iii/i']i  ilnrstellt.  Die  Beobachtungen  geschahen 
iler  All.  diis^  der  Sjuilt  eines  Spectroskops  a  vision  directo 


1                            Tl-flhn,I,liiii2  'Kl-  rr.-.liib(-rfliii,.>u  l.d  Soi.ü.-^.sfli.'iii.               20S                  ^H 

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[§1 

1 

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HH 

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•  •   i  i  i  i  i  i  i  i  i  i  i  i 

■ 

von  sehr  starker  Dispersion,   das  an  einem  para  Hak  tischen            ^^| 
Refractor   angebracht   ist,    in    tongentialev   Richtung    zum            ^^M 
äonnenrauile  rings  tun  diesen  heiuuigetuhrt  wurde.   Spilter           ^^^| 

-JU-l  Die  f^pevtrdanalyBC. 

Mij<l  iiuch  am  astrophysikaÜHcheii  Observatorium  zu  Pots- 
iliiiii,  suwie  von  Skccui,  Taccui&'i  und  Bukjdicbix  regri- 
uiiis»i<;c  Prutulii^'rauzaufnaluueii  angestellt  worden  uad  ver- 
ilcii  uiK'Ii  tü^'Uch  f'urtgesetzt.  Die  itulienisclien  Beobacii- 
tiiii^'cii  Kfrdeii  moiiatlich  iu  den  Memorie  delk  Sodeii 
di-gli  ^)i<;tti-oscupisti  italiaiii  (Uoma)  veröffentUt-'lit 

Zur   Krleielitcrung  den   AlisucLens   des   Souueiiniulb 
UH1.-I1  riutulicniiizcu  liiit  Dr.  J.  Bbunn  ein  Spectrosiop  mit 

Fig.  1)2. 


bogcnfermiset  SpilCTorrifbnv. 


cxiciilrisflK'i-,  liumiiioiiiiigoi"  äpultvorrichtung  ausgeführt. 
l>asüi'lln'  ist  an  eiui^iii  Fermohr  von  4  Zoll  Oeffnung  und 
.*>  l-'u.-is  1  tri' IUI  weite  lietestigt  und  liingirt  zur  Zutriedenliiat 
hi-r  "iitiMln.'  rin'il  bestellt  aus  zwei  fünffachen  AHid'schen 
riisiiicii  iinil  zwi'i  mhiümatibcheu  Objectiven  von  Relv- 
i-Ki.u]':u  I.V  IIlutdl  in  München.  Das  benutzte  Ocular  ist 
ein  Mikniiiiftt-rucular  aus  zwei  ])tanconvexen  Linsen. 

Aul'  lief  rUittc  .1/  (Fi;/,  yj)  befindet  sich   die  Spalt- 
vui'1'ii.'lituiig.      Die    eine    Backe    derselben    wird    von   der 


Beobachtung  der  Protnberanzen  bei  Sonnenschein.  205 

Stahlscheibe  S  gebildet,  deren  Mittelpunkt  A  im  Mittel- 
punkte der  Scheibe  ^f  befestigt  ist.  Gegen  diese  wird 
durch  die  Schraube  £,  deren  Mutter  in  das  Messingstück  D 
eingeschnitten  ist,  die  zweite  Backe  des  Spaltes  B  bewegt, 
welche  sich  zwischen  den  Schienen  (7,  C  verschiebt  und 
durch  die  Feder  F  beständig  gegen  die  Schraube  E  ge- 
drückt wird.  Die  Ränder  von  S  und  ß,  welche  den  Spalt 
bilden,  sind  in  bekannter  Weise  zugeschärft.  Der  Radius 
der  Scheibe  S  ist  gleich  dem  mittleren  Radius  des  Sonnen- 
bildchens des  benutzten  Fernrohrs  genommen.  Auf  diese 
Scheibe  ist  nun  das  Spectroskop  an  der  Rückseite  so  auf- 
gebaut, dass  die  Tangente  des  Spaltes  der  Achse  des 
Spectroskops  entspricht. 

Die  Scheibe  M  ist  durch  vier  kurze  Messingsäulchen 
an  eine  zweite  Scheibe  befestigt,  die  in  der  Mitte  eine 
hinreichend  grosse  Oeffnung  hat,  um  die  Sonnenstrahlen 
passiren  zu  lassen.  Diese  Scheibe  ist  an  ihrem  Rande  mit 
einer  Schraube  ohne  Ende  versehen,  mit  deren  Hülfe  sich 
das  ganze  Instrument  leicht  um  die  durch  A  gehende 
Achse  des  Femrohrs  bewegen  lässt. 

Um  den  Sonnenrand  abzusuchen,  bedarf  es  abo  bloss 
einer  einmaligen  Einstellung  des  Femrohrs,  so  dass  das 
Sonnenbildchen  die  Scheibe  A  deckt  Die  kleinen  Ver- 
stellungen, welche  noch  nöthig  sind,  da  die  Scheibe  nur 
selten  dem  wirklichen  Durchmesser  des  Sonnenbildchens 
entspricht,  sind  so  gering,  dass  sie  sich  mit  der  grössten 
Ijeichtigkeit  ausführen  lassen.  Auch  das  Ocular  hat  noch 
eine  besondere  Vorrichtung,  welche  verhindert,  dass  das 
Auge  geblendet  wird,  wenn  der  Spalt  nicht  gerade  mit 
der  Chromosphäre  zusanunenfjillt.  An  demselben  befindet 
sich  dort,  wo  das  Bild  entsteht,  eine  einfache  Schlitten- 
vorrichtung, in  die  sich  von  beiden  Seiten  Messingstreifen 


•Jim;  Dif  Spectralaualyiw*. 

fiii^rhicheii  lasstfiu  von  denen  der  eine  convex,  der  andere 
coiitav  ausgi'schuitten  ist,  entsprechend  dem  Radius  i& 
Srheibe  -4.  Da  die  beiden  Objective  gleiche  Brennweite 
lialKii.  so  ist  im  Oculare  das  Sonnenbild  eben  so  gros» 
wie  1mm  A,  un<l  es  erlauben  die  beiden  Messingstreifen  aus 
dfin  Spectruni  den  Theil  auszuschneiden,  welcher  der 
Liiiit'  ^*  I natürlich  auch  jeder  anderen)  entspricht  E^ 
wird  dunh  diese  VuiTichtung  das  Auge  erheblich  geschont 
und  man  kann  ohne  Anstrengung  lauge  Zeit  auf  Beob- 
a<'htung  de^  Sonnenrandes  verwenden,  selbst  dann,  wenn 
«las  Uhrwerk  unzuverlässig  fiingirt  und  häufig  das  directe 
Sonnenlicht  in  <las  Auge  dringt. 

Bi*^  jetzt  umfassen  die  regelmässigen  Protuberanzbeob- 
aclituniren  noch  einen  zu  kurzen  Zeitraum^  uni  zu  defini- 
tiven Krgelinis^en  führen  zu  können.  Doch  haben  die 
Beol>achtun;:t»n,  welche  hauptsächhch  Pater  Secchi  und 
rAccHiNi  seit  einer  Reihe  von  Jahren  angestellt,  ergeben, 
(lass  die  Iläutigkeit  der  Protuberanzen  am  geringsten  ist 
in  den  Polariregonden  der  Sonne,  aber  alhnählich  bis  30* 
der  Breite  wächst,  wo  die  absoluten  Maxinia  liegen,  und 
(lass  ein  weniger  ausgesprochenes  Minimum  am  Aequator 
erscli«'int.  Die  grossen  Protuberanzen  fehlen  in  den 
Polarcalotten  bis  30"  vom  Pole  gänzlich  und  erreichen 
ihr  Maximum  in  IM)^  Breite;  man  niuss  daher  schliessen, 
d.i>s  nicht  nur  die  Frequenz,  sondern  auch  die  Höhe  der 
I^rotulxTaiizeii  von  der  Rotation  und  der  dadurch  be- 
dingten j)lH)to.s|)liiirisclien  Strömung  der  Sonne  abhängig 
i^t.  Vergleicht  man  die  einzelnen  Perioden  mit  einander. 
so  sieht  man  eine  gleichmässige  und  continuirliche  Aende- 
rung,  die  trotz  der  Kürze  der  Rcobachtungszeit  ein  ent- 
schiedenem Maximum  und  Minimum  der  Intensität  er- 
kennen  liisst,    der   Art,   dass   die   Protuberanzen   sich  all- 


Beobachtimg  der  Protuberanzen  bei  Sonnenschein.  207 

mählich  den  Polen   nähern  und  dann  sich  allmählich  von 
ihnen  entfernen. 

Die  Eruptionen  der  Sonne  stehen  in  enger  Beziehung 
zu  den  Flecken  und  Fackeln;  indessen  sind  die  Protube- 
ranzen oder  grossen  Störungen  des  Eruptionszustandes 
gewöhnlich  viel  häufiger  als  die  Fackeln  und  Flecke;  sie 
umfassen  ein  grösseres  Gebiet  der  Sonne  und  nehmen  zu- 
weilen die  ganze  Oberfläche  ein,  während  die  Fackeln  sich 
nur  auf  50  bis  60^  und  die  Flecke  nur  bis  40®  der  Breite 
erstrecken.  Dies  scheint  darauf  hinzudeuten,  dass  die  Be- 
dingungen fiir  die  Entstehung  der  Protuberanzen  an  der 
Sonnenoberfläche  leichter  eintreten.  Die  Fackeln  sind  ge- 
wöhnlich von  Protuberanzen  begleitet,  welche  sich  durch 
eine  grössere  Helligkeit  und  Heftigkeit  der  Strahlen  aus- 
zeichnen; iiir  die  Entstehung  der  Fackeln  scheint  somit 
ein  Zustand  intensiverer  und  grösserer  Eruption  nothwen- 
dige  Bedingung  zu  sein.  Femer  macht  sich  der  Ort  der 
Flecken  bemerklich  durch  eine  eigenthümliche  Art  der 
Eruption  und  durch  eine  ausgesprochene  Abnormität  in 
der  Beschaffenheit  der  Chromosphäre,  nämlich  durch  sehr 
helle  Eruptionen,  hellere,  compactere  und  mehr  variable 
Strahlen  von  verwickelterer  chemischer  Zusanmiensetzung, 
die  noch  in  merklicher  Höhe  dem  Wasserstoff  verschiedene 
glühende  Dämpfe  beigemischt  enthalten,  wie  Magnesium, 
Eisen,  Natrium  u.  s.  w.  Ausserdem  sind  diese  Stellen 
charakterisirt  durch  eine  ausgesprochene  Intermittenz  der 
Eruption  und  ein  deutliches  Fehlen  jener  kleinen  und 
zahlreichen  Sti-ahlen  in  der  Chromosphäre,  mit  denen  diese 
im  normalen  Zustande  besäet  ist 


208  Die  Spectralanalyse. 

19.  Messung  der  Richtung  und  der  Geschwindig- 
keit der  Gasströme  auf  der  Sonne. 

Zu  den  schönsteu  Errungenschaften  der  Spectralana- 
lyse, welche  vielleicht  alle  bisher  gewonnenen  Resultate, 
so  glänzend  sie  immer  sein  mögen,  überstrahlt,  gehört  die 
Entdeckung,  dass  man  mit  vorzüglichen  Instrumenten  und 
genau  ausgeführten  Messungen  aus  der  Lage  oder  vielmehr 
einer  sehr  kleinen  Verschiebung  der  Spectrallinien  eines 
Sterns  oder  einer  anderen  Lichtquelle,  z.  B.  einer  Protu- 
beranz,  bestimmen  kann,  ob  und  mit  welcher  Geschwindig- 
keit sich  diese  Lichtquelle  ims  nähert  oder  von  uns  entfernt 

Der  Grundgedanke,  auf  welchem  Untersuchungen  dieser 
Art  beruhen,  ging  schon  im  Jahre  1842  von  Doppleb  aus, 
der  die  Farben  gewisser  Sterne  dadurch  zu  erklären 
suchte,  dass  er  annahm,  die  Geschwindigkeit  der  Sterne 
sei  nicht  verschwindend  klein  gegen  die  des  Lichtes,  und 
es  müsse  daher  bei  Annäherung  eines  Sterns  an  uns  die 
Zahl  der  Aetherwellen,  die  in  einer  Secimde  unser  Auge 
treffen,  eine  grössere,  bei  der  Entfernung  von  uns  eine 
kleinere  sein  als  wenn  der  Stern  still  stände.  Da  nun 
das  violette  Licht  die  meisten,  das  rothe  Licht  die  wenig- 
sten Schwingungen  in  einer  Secunde  mache,  so  müsse  im 
Falle  der  Annäherung  das  Licht  des  Sterns  sich  mehr  dem 
Violett,  im  Falle  der  Entfernung  mehr  dem  Roth  hin- 
neigen. Das  Princip  von  Doppler  ist  richtig,  aber  sein 
damaliger  Schluss  ist  unhaltbar.  Erst  im  Jahre  1860  zog 
Professor  Mach  in  Prag  die  richtige  Folgerung,  dass  die 
Bewegung  der  Lichtquelle  sich  aus  der  Verschiebung  der 
Spectrallinien  müsse  erkennen  lassen. 

Die  Höhe  eines  Tones  hängt  bekanntlich  von  der 
Anzalil   der  Luftstösse   ab,    welche   das   Ohr  in   einer   be- 


MeMnnfr  der  Kichtung  nnd  der  Geschwindigkeit  der  Gasströme.    209 

stimmten  Zeit  empfängt.  Da  nun  ein  Ton  um  so  höher 
wird,  je  mehr  Schwingungen  der  Luft  in  einer  Secunde 
das  Trommelfell  des  Ohres  treflFen,  so  muss  durch  eine 
rasche  Annäherung  irgend  einer  Tonquelle  nach  dem  Ohre 
hin  der  Ton  höher,  durch  eine  rasche  Entfernung  aber 
tiefer  werden.  Die  Richtigkeit  dieser  Ansicht  wurde  für 
die  Töne  mit  Hornsignalen,  die  auf  einer  schnell  fahrenden 
Locomotive  erzeugt  wurden,  vollkommen  bestätigt.  Bei 
der  raschen  Annäherung  der  Locomotive  an  den  still- 
stehenden Beobachter  wird  der  Ton  eines  und  desselben 
Homs  stets  höher,  bei  der  Entfernung  tiefer. 

Wie  durch  die  Anzahl  der  Luftschwingungen  die  ver- 
schiedenen Tonhöhen,  so  sind  durch  die  Anzahl  der  Aether- 
schwingungen  die  verschiedenen  Farben  bedingt.  Wenn 
sich  daher  eine  Lichtquelle,  z.  B.  das  Licht  des  glühenden 
Wasserstoffs  einer  Protuberanz,  sehr  schnell  von  uns  etit- 
femt^  so  werden  weniger  Aetherwellen  in  der  Secunde 
unsem  Sehnerv  treflFen,  als  wenn  das  glühende  Gas  stille 
steht.  Ist  die  DiflFerenz  in  der  Anzahl  der  Aetherwellen 
hinlänglich  gross,  um  von  unserem  Auge  wahrgenommen 
zu  werden,  so  muss  jede  Farbe  des  glühenden  Gases  in 
der  Scala  des  Spectrums  sinken,  d.  h.  sich  mehr  nach  dem 
Roth  neigen.  Bei  der  prismatischen  Zerlegung  des  Lichtes 
können  dann  die  einzelnen  farbigen  Lichtstrahlen  nicht 
an  denselben  Stellen  im  Spectrum  erscheinen,  an  welchen 
sie  bei  dem  stillstehenden  Lichte  auftreten  würden,  und 
zwar  müssen  sie  sich  sämmtli<jh  etwas  nach  dem  Roth  hin 
verschieben. 

Das  Umgekehrte  tritt  ein,  wenn  dasselbe  Licht  schnell 
auf  uns  zukommt;  es  vermehrt  sich  dann  die  Anzahl  der 
Aethererschütterungen  fiir  das  Auge  gegenüber  dem  Falle, 
wo  das  Licht  stille   steht;   bei   der  prismatischen  Analyse 

SfhfUetf,  Spectralanalyse.  n.  14 


2\o  Die  SpectralaDalyse. 

vuriliKlerii  dann  die  farbigen  Strahlen  in  der  Farbenscala 
des  Spectruuis  ebenfalls  ihre  Lage,  erscheinen  an  den- 
jt'ni^en  Stellen,  welche  ihnen  durch  ihre  erhöhte  Brech- 
barkeit anj^ewiesen  werden,  und  erleiden  eine  Verschiebung 
nadi  dem    Violett  hin. 

Wenn  man  bedenkt,  dass  die  Zahl  der  Aetherwelldi 
für  die  rotheu  Strahlen  mindestens  480  Billionen,  für  die 
violetten  sogar  b(K)  Billionen  in  einer  Secuude,  oder  auch, 
dass  die  Welltnh'iiujc.  desjenigen  grünblauen  Lichtes  (Hßu 
w(4(hes  sich  im  Sonnenspectrum  an  der  mit  F  bezeichneten 
Stelk*  betindet,  nur  4b5  Milliontel  (genauer  0,00048505 1 
eines  Millimeters  beträgt  und  die  zu  dem  vorliegenden 
Zwecke  anzuwendenden  Messwerkzeuge  Grössen  dieser  letz- 
teren Art  anzeigen  müssen,  so  wird  man  die  ungewöhnlich 
grossen  Schwierigkeiten  nicht  unterschätzen,  welche  mit 
den  Kcijbuclitungen  dieser  Farbenverechiebungen  im  Spec- 
tnim  Verbunden  sind.  Dieselben  würden  sich  auch  über- 
haupt nicht  ausführen  hussen,  wenn  wir  nicht  in  den 
(iunkbn  Linien,  welche  die  Spectra  der  Sonne  und  der 
Fixsterne  durchziehen  und  unter  denen  sich  meist  die  eine 
oder  «lie  andere  genau  tixiren  lässt,  feste  Spectraktellen 
hiitlen.  deren  ßretrhbarkeit  oder  Wellenlänge  wir  für  das 
Sonnenlicht  oder  für  irdische  Stofle,  also  auch  für  den 
8t4'rn  oth'r  eine  andere  Lichtquelle,  wenn  sie  unbeweglich 
j^edaiht  wird,  im  Voraus  bestimmen  könnten. 

Wir  werden  später  seilen,  in  welcher  Weise  Segchi 
und  lluGGiNs  dieses  Princip  dazu  angewandt  haben,  um 
die  (iesclnvindi^'keit  zu  bestimmen,  mit  welcher  sich  ein 
Fixstern  uns  nähert  oder  von  uns  entfernt. 

LocKYKu  hat  darauf  eine  Methode  gegründet,  um  die 
(ieschwindigkeit  zu  messen,  mit  welcher  das  die  Protu- 
berauzen  bildende  glühende  Wasserstoffgas  aus  dem  Sonnen- 


MeRSüog  der  Richtung  und  der  Geschwindigkeit  der  Gasströroe.    211 

körper  hervorbricht  oder  Bach  erfolgtem  Emporschiessen 
wieder  herabsinkt.  Die  Grundlage  dieser  Methode  besteht 
aus  folgender  Reihe  von  Schlüssen. 

Die  Brechbarkeit  des  grünblauen  Lichtes  (Hß)^  wel- 
ches das  glühende  Wasserstoffgas  neben  dem  rothen  (Ha) 
und  dem  blauen  (Hy)  aussendet,  wird  durch  die  Lage  der 
Linie  F  im  Sonnenspectrum  bemessen.  Wenn  in  dieser 
Linie  F  irgend  eine  Verschiebung,  d.  h.  eine  Veränderung 
der  Brechbarkeit  oder  der  Wellenlänge  des  grünblauen 
Lichtes,  beobachtet  wird,  ohne  dass  zugleich  auch  die  be- 
nachbarten dunklen  Linien  eine  Verschiebung  erleiden^  so 
ist  klar,  dass  die  Ursache  dieser  Verschiebung  nicht  in 
der  Bewegung  der  Erde  oder  der  Sonne  liegen  kann,  viel- 
mehr dieselbe  ausschliesslich  der  Bewegung  des  leuchtenden 
Wasserstoflfgases  zugeschrieben  werden  muss. 

Wenn  das  Wasserstoffgas  auf  der  Sonne  sich  uns 
rasch  annähert^  so  muss  die  secundliche  Zahl  seiner 
Aetherwellen  zunehmen;  die  Länge  einer  jeden  Welle  wird 
kürzer  und  das  Licht  neigt  sich  mehr  nach  dem  Violett 
hin,  weil  diese  Farbe  die  kürzesten  Wellenlängen  hat. 
Die  F- Linie  erleidet  dann  eine  Verschiebung  aus  ihrer  ge- 
wöhnlichen Lage  im  Sonnenspectrum  nach  dem  violetten 
Ende  des  Spectrums  hin.  Beträgt  die  Verkürzung  der 
Aetherwellen  des  grünblauen  Lichtes  (Hß)  des  Wasser- 
stoffs nur  ^  10  000  000  eines  Millimeters,  so  kann  man  die 
dadurch  erzeugte  Verschiebung  der  F-Linie  wahrnehmen 
und  damit  die  Bewegung  des  Wasserstoffgases  auf  der 
Sonne  zu  uns  hin  constatiren. 

Wenn  sich  dagegen  dieses  Gas  auf  der  Sonne  in  der 
entgegengesetzten  Richtung  bewegt  und  sich  von  uns  ent- 
fernt^ so  wird  die  Anzahl  der  Aetherwellen  in  der  Secunde 
kleiner,    die    Wellenlänge    wird    grösser,    die    grünblauen 

14* 


212 


Die  Spectralanalrse. 


Fij;.  ^3. 


Lichtstrahlen  nähern  sich  mehr  dem  Roth  und  es  ßu^ri 
flu*:  Vtrschit'hnng  der  F- Linie  nach  dem  rothen  Ende  in 
Spf'cirums  statt. 

Uücksichtlich  der  Annäherung  und  Entfernung  des 
Wiisserstortgases  aber  in  Bezug  auf  unser  Auge  sind  zwei 
verschiedene  Umstände  in  Betracht   zu    ziehen.     Wenn  in 

Fig.  93  die  Pfeilrichtung  a  einen 
von  der  Sonne  aus  aufsteigen- 
den,    der  Erde    sich  annälien- 
denj  dagegen  n  einen  zur  Sonne 
niedersinkenden,  von  der  Erde 
sich   entferjienden    leuchtenden 
Gasstrom    bezeichnet,    so  wird 
sowohl    der    Gasstrom    a    als 
auch  n   eine  Verschiebung  der 
F-Linie  und  zwar  a  nach  dem 
Violett,   n  nach  dem  Roth  hin 
verursachen,    wenn    seine    Ge- 
schwindigkeit hinlänglich  gross 
ist,    um    die    Wellenlänge   um 
wenigstens  Viooooooo  mm  zu  ver- 
ändern.     Seitliche    oder    tan- 
gentiale Gasströme    aber,    wie 
sie   durch   die   Pfeile    r   und  / 
bezeichnet    sind,      haben    hier 
keinen  Eintluss  auf  die  Veränderlichkeit   der  /-Linie;  sie 
nähern  sich  weder  dem  Auge,  noch  entfernen  sie  sich  von 
(lenisen)on,  ihre  Riclitung  steht  vielmehr  senkrecht  zu  der 
Selilinie  /..    Richten  wir  daher  das  Telespectroskop  in  der 
Richtung;  L  nach  dem  Mittel p unkte  der  Sonne,    so  werden 
wir   an    einer   eventuellen  Verschiebung  der  /»-Linie  bloss 
die    (iuf.stt'üjo}nh'n    und    <lie    nkdvrfiinkendea    Gasströme  a 


L 


I)ii-  Kit  hruiii;  iiimI  «lir  iM-sohwin(liKki*it 
<l«r  (lUsstriimo  auf  tior  Sonnt*. 


Meffsnn^  der  Richtung  und  der  Geschwindigkeit  der  Gasströine.    213 

und  ji  wahrnehmen  und  ihre  Geschwindigkeit  messen  kön- 
nen, nicht  aber  etwaige  seitliche  Strömungen  r,  Z,  welche 
sich  tangential  zur  Sonnenoberfläche  bewegen. 

Richten  wir  aber  unsem  Blick  auf  den  Sonnenrand  i?, 
so  sind  as  hier  umgekehrt  die  auf-  und  absteigenden  Gas- 
ströme ai  und  wi,  welche  sich  dem  Auge  weder  nähern, 
noch  sich  davon  entfernen,  und  daher,  weil  sie  zu  einer 
etwaigen  Verschiebung  der  F-Linie  nichts  beitragen,  nicht 
wahrgenommen  werden  können.  Wenn  dagegen  seitliche 
oder  tangentielle  Strömungen  ri,  Zj  mit  der  erforderlichen 
Geschwindigkeit  an  dieser  Stelle  vorkommen,  so  werden  die 
mit  Vi  bezeichneten  Ströme  sich  dem  Auge  nähern  und  eine 
Verschiebung  der  i^-Linie  nach  dem  Violett  hin  ver- 
ursachen, die  mit  Zi  bezeichneten  aber  sich  von  der  Erde 
entfernen  imd  eine  Verschiebung  derselben  Linie  F  nach 
dem  Roth  hin  zur  Folge  haben. 

Es  ergiebt  sich  hieraus,  dass  der  Sonnenmittelpunkt 
mit  der  dunklen  -F-Linie  der  Beobachtungsort  ist  für  das 
Studium  der  auf-  und  absteigenden  Wasserstoflfergüsse,  der 
Sonnenrand  (R  oder  R^)  dagegen  mit  der  hellen  F-  oder 
Hfi'Lirne  für  die  seitlichen  Strömungen,  die  Drehstürme^ 
Wirbel  oder  Cyklone^  wie  Lockyeb  sie  nennt 

Wenn  sich  ergeben  sollte,  dass  die  Wasserstofflinien 
eine  gleichzeitige  Verschiebung  nach  beiden  Seiten  hin  oder 
eine  gleichmässige  Erbreiterung  erführen,  so  müsste  man  den 
Gedanken  an  eine  Bewegung  der  Lichtquelle  offenbar  mit 
grosser  Vorsicht  aufnehmen;  man  würde  dann  die  Ursache 
einer  solchen  Elrbreiterung,  sei  es  bei  den  hellen  oder  den 
dunklen  Linien,  viel  eher  in  der  Zunahme  des  Drucks  oder  der 
Temperatur  des  leuchtenden  Gases  zu  suchen  haben.  Wenn 
aber  die  Erbreiterung  der  Linien  bald  nur  auf  der  einen, 
bald  nur  auf  der  anderen,  bald  auch  auf  beiden  Seiten  un- 


^^  iTfiLp.  io  kuiD  dieses  nach  den  Uoteraicliiiih 
.  trms.  1^  FuisxLAXD  nicbt  TOn  einer  Yennde- 
lr-i>:£>  r^TT-ihren.  da  eine  Zunahme  de^  Drncb 
-T  ^  V^icieTstoäases  stets  gleichmässig  oder 
-n.  1-  --.  -  —  jj-f  utJi  beiden  Seiteo  hin  erbreitert 
";  -I.  r=<:  Zekhson^  tod  Loceteb,  zeigt  deot- 
Li  .-.±k..--ir:  VcT'ÄademiigeD  die  dunkle  Linie/ 
.-*.;   -r.T.i;-  wirna  der  Spult  auf  einen  Sonnea- 


■;.,■£:-  der  Sonne  gerichtet  wird.  Die 
r.  »-.^-iv  Jis  Spectrum  der  Länge  iiach 
':-':  .  V07.  der  ailgemeinen.  durch  die  Materie 
:rs..  i-'t-..  Xhforpüoa  und  Schwächung  des 
■  I-::.;t  r".  welche  in  der  Regel  von  scharfeD 
..-:  :?:.  erscheint  miluDter  nicht  bloss  hell, 
.  :.".k'.t  Linie  stellenweise  zusammengedreht 
;i.i  i.jvh  dem  Roth  hin  Terscboben.  Wenn 
:.  ,-.■.".  si-h  hauQg  noch  eine  helle  Linie ant' 
-/.t.     Au:'  dfu  kleinen  Sonneadeckeu  bricht 


Messung  der  Richtung  und  der  GeRchwindigkeit  der  GosHtrömc.    215 

diese  Linie  mitunter  plötzlich  ab  oder  zeigt  sich  unmittel- 
bar vor  ihrem  Ende  kugelförmig  aufgebläht;  über  den  hellen 
Fackelstellen  des  Flecks  (Brücken)  fehlt  sie  nicht  selten 
gänzlich  oder  sie  erscheint  in  eine  helle  Linie  umgewandelt 

Dieselben  Erscheinungen  zeigen  sich  auch  an  der 
rothen  C-Linie  (Ha);  da  jedoch  bei  gleicher  Druckzunahme 
die  grünblaue  i'-Linie  (Hß)  in  Bezug  auf  die  Ausbreitung 
viel  empfindlicher  ist  als  die  rothe,  und  die  genannten 
Veränderungen  an  ihr  am  stärksten  hervortreten,  so  eignet 
sich  die  letztere  zu  den  Beobachtungen  dieser  Art  am  besten. 

Alle  diese  Erbreiterungen,  Verdrehungen  und  Ver- 
schiebungen der  F-Linie,  wie  wir  sie  auch  bereits  in  §  17 
kennen  gelernt  haben,  rühi'en  nur  von  einer  Aenderung 
der  Wellenlänge  des  grünblauen  Lichtes  her,  welches  das 
in  Bewegung  befindliche  glühende  Wasserstoffgas  der  Sonne 
aussendet  Die  Mitte  dieser  Linie,  wenn  sie  scharf  be- 
grenzt erscheint,  entspricht  einer  Wellenlänge  von  485  mil- 
lionte! Millimeter;  mittels  Anüstböm's  Tafel  des  Sonnen- 
spectrums  aber  ist  es  möglich,  noch  die  Verschiebung 
dieser  Linie  zu  messen,  wenn  sich  die  Wellenlänge  nur 
um  Viooooooo  ^^  ändert,  und  wir  können  umgekehrt 
auch  aus  der  gemessenen  Verschiebung  der  i^-Linie  die 
entsprechende  Grösse,  um  welche  sich  die  Wellenlänge 
des  grünblauen  Wasserstoflflichtes  verlängert  oder  verkürzt 
hat,  in  zehnmilliontel  Millimeter  sofort  ablesen.  Erscheint 
die  Linie  F  im  Spectrum  von  ihrer  normalen  Mitte  nach 
dem  Violett  hin  verschoben,  Fig.  94,  an  der  mit  1  be- 
zeichneten Stelle,  so  verkürzen  sich  die  Wellenlängen 
des  grünblauen  Wasserstofflichtes  um  V'ioqoqooo  ^^^  das 
Licht  bewegt  sich  also  auf  unser  Auge  zu  und  es  findet 
auf  der  Sonne  an  der  beobachteten,  dem  Mittelpunkt  zu- 
gewandten   Stelle    (Fly,  93,   a)    ein    aufsteigender    Gas- 


21Ü  Die  SpectralanalyiM. 

Husbruch  statt.  Die  Rechnung  ergiebt  leicht,  dass  bei 
einer  solchen  Verschiebung  der  F-Linie  von  ihrer  normalen 
Mitte  aus  bis  1  das  glühende  Gas  eine  Geschwindigkeit 
von  8  geographischen  Meilen  in  der  Secund^  hat. 

Erleidet  die  i^-Linie  eine  gleiche  Verschiebung  nach 
links  oder  nach  dem  Roth  hin,  so  verlängern  sich  die 
Wellenlängen  des  grünblauen  Wasserstoff  lichtes;  das  Gras 
bewegt  sich  dann  mit  einer  gleichen  Geschwindigkeit  von 
b  geographischen  Meilen  von  unserm  Auge  weg  und  der 
Gasstrom  sinkt  zur  Sonnenoberflächc  nieder,  wie  es  in 
Fig,  93  duich  den  Pfeil  n  angedeutet  ist. 

Eine  Verschiebung  der  i^-l^inie  von  ihrer  normalen 
Mitte  aus  bis  zu  den  in  Fig.  94  mit  2  und  3  bezeich- 
neten Stellen  nach  dem  Violett  oder  dem  Roth  hin  ¥rürde 
zu  dem  Schlüsse  berechtigen,  dass  das  Wassersto^as 
mit  einer  Geschwindigkeit  von  16  resp.  24  geographischen 
Meilen  von  der  Sonne  aufsteige  oder  zu  ihr  herabsinke. 
Aus  den  wirklich  beobachteten  Veränderungen  der  Wellen- 
länge des  grünblauen  Wassei*stofflichtes  oder  den  gemes- 
senen Verschiebungen  der  i'^-Linie,  sei  sie  hell  oder  dunkel, 
ergiebt  sich,  dass  eine  Geschwindigkeit  der  Gasströme  von 
4  bis  5  Meilen  sehr  gewöhnlich  ist. 

Die  Beobachtung  der  seitlichen  Bewegungen  werden 
an  den  hellen  Linien  der  Chromosphäre  am  Rande  R 
oder  Ry  der  Sonne  angestellt.  Die  Geschwindigkeiten  des 
W asser stoffgases  sind  hier  weit  grösser,  mögen  sie,  wie  in 
rj  bei  R  oder  in  2  bei  R^  (Fig,  93)  auf  uns  zu  gerichtet 
sein,  oder  wie  in  uy  bei  R  und  in  4  bei  Rx  eine  von  uns 
abgekehrte  Richtung  haben.  Die  an  diesen  Stellen  sich 
kundgebenden  Vei'änderungen  der  Wellenlängen  des  grün- 
blauen Wiisserstüfflichtes  rühien  nicht  von  auf-  und  ab- 
steigenden Gasströniungen  o^,  n^,  oder  1,  3,   sondern   von 


Messung  der  Richtung  nnd  der  Geschwindigkeit  der  Gasstrüme.    217 

den  seitlichen  Bewegungen  r|,  Z|  oder  2,  4  derselben  her, 
und  sind  offenbar  Anzeichen,  dass  der  glühende  Wasserstoff 
sich  in  einer  drehenden  oder  cyklonischen  Bewegung  befinde. 

Es  muss  auch  hier  wieder  bemerkt  werden,  dass  selbst 
bei  der  engsten  Stellung  des  Spalts,  bei  welcher  die  Oeff- 
nung  nicht  mehr  als  0,05  mm  beträgt,  doch  ein  bedeu- 
tender, viele  hundert  Meilen  umfassender  Theil  der  Sonnen- 
umgebung durch  diese  Oeffnung  beobachtet  werden  kann. 

Wenn  daher  ein  Wirbel  glühenden  Wasserstoffgases 
von  etwa  300  bis  350  geographischen  Meilen  Ausdehnung 
sich  mit  einer  sehr  grossen  Geschwindigkeit  in  der  Nähe 
des  Sonnenrandes  dreht,  so  kann  derselbe  auch  durch  die 
feinste  Spaltöffnung  des  Teiespectroskopes  in  seinem  ganzen 
XJm&nge  beobachtet  werden;  letzteres  trennt  dabei  zugleich 
die  Aetherwellen,  welche  auf  uns  zu  gerichtet  sind,  von 
denjenigen,  welche  eine  von  uns  abgekehrte  Bewegung 
haben,  und  giebt  beides  durch  eine  entsprechende  Ver- 
schiebung der  i'^-Linie  zu  erkennen.  Lockyeb  war  einer 
der  Ersten,  die  solche  OascyJdone  (Fig.  98,  1,  2,  3,  4)  be- 
obachteten. Wenn  der  Spalt  auf  die  Mitte  derselben  ge- 
richtet wurde,  ergab  sich  eine  gleichmässige  Erbreiterung 
der  i'-Linie  nach  dem  Roth  und  dem  Violett  hin;  dem 
entsprechend  betrug  die  Geschwindigkeit  der  Gasströmung 
etwa  8Va  geographische  Meilen  in  der  Secunde.  Wenn 
dann  der  Spalt  bald  nach  dem  einen,  bald  nach  dem 
anderen  Ende  (Fig.  93,  2,  4)  des  Gaswirbels  hin  bewegt 
wurde,  erhielt  man  offenbar  nach  einander  bald  die  auf  uns 
zukommenden,  bald  die  von  uns  sich  entfernenden  Wellen ; 
und  in  der  That  ergab  sich  in  jedem  Falle  eine  Verschie- 
bung der  i'-Linie  bloss  nach  einer  Seite  hin.  Wo  die  Ver- 
schiebung nach  dem  Roth  hin  gerichtet  war,  fand  eine  Ver- 
längerung  der  Aetherwellen,   also   eine  von  der  Erde  sich 


8)B  T>\t  t^pertnlanalym. 

eatfeniendc  Oasströmung  (^Vi;.  03,  4)  statt;   die  VerscU» 
bung  oder  Erbreiterung  Her  F-Linie  b]08S  nacfa  dem  Vmj 
hin  zeigt«  dagegen  eine  Verkurzutig  der  AetherweD»  i 
eine  Annäherung  der  Gaastromiing  (3)   zar  Erde  hin  ■ 

Fig.  95  zeigt  einen  solchen,  von  Locktkh  sm  14.  i 
1869  am  Sonnenraude  beobachteten  Orehstarm  [CtUomIl 
Bei  der  ersten  Stellung  des  Spectroskopspaltes  ersciMS 
das  Bild  der  hellen  F-Linie  (fl^J  in  der  CliroBioq)Un 
wie  in  1;  eine  geringe  Verschiebung    des   Spalts  gab  i 


Reihe  nach  die  Bilder  2  und  3.    Es  fand  lilso  < 
zeitige   Versehieluiig  der   hellen  i'-Linie    uach   dem  I 
und  dem  Violett  bin  statt,  ein  Zeichen,    dass   sich  aa  d 
beobachteten  Stelle   der  Sonne  ein  Theü    des  Wa 
ga»es   in   der  Richtung  zur   Erde   hin,   ein    anderer  Tlidfl 
in  der  entgegengesetzten  Richtung  von  der  Erde  weg  i 
Sonne  bewegte  und  so  die  Gesammtbeit   Hcs  in  Bewi 
befindbchen  Gases  einen  Wirbel  bildete. 

Die  Fig.  96  zeigt  drei   verschiedene  Bilder   derselben  ' 
grünblauen  F-Linie  einer  Protubt-ranz,  welche  Lockyer  »n 
VI.  Mui  IKOU  gleichzuitig  mit  der  dunklen  /'-Linie  iaab^ 


McHsniig  der  Richtung  nnd  dor  QeBchvüiiligkHI  d«r  Qanvtroinc.    219 

geschwächten  Spectrum  der  Soune  in  der  Nähe  des  Mittel- 
punktc§  der  Protuheranz  beobachtete.  In  allen  drui  Fällen 
bezeichnete  die  zugespitzte  helle  Linie,  welche  mit  der 
dunklen  /'-Linie  der  Richtung  nach  coiucidirte,  deujeuigen 
Theil  der  Protuheranz  oder  der  Chromosphäre,  welcher 
in  Ruhe  war;  diese  Linien  zeigten  unzweideutig,  dass  das 
grünblaue  Licht  des  glühenden  WofiserstolTs  keine  Aen- 
derung  der  Welleidäuge  erfahren  hatte,  daher  das  Gas 
selbst  sich  weder  zur  Erde  hin,    noch  sich   von   der  Erde 


Fi(f.  "JÜ. 


I 

i         I 


33  H  Ifl  8  r 


0  Ifffl). 


weg  bewegte.  Die  von  diesen  noi^nalen  Linien  nach  rechts 
oder  nach  dem  Violett  hin  sich  abzweigenden  hellen  Linien 
bezeichneten  solche  Theile  der  Protuheranz,  welche  sich 
mit  sehr  verschiedener  Geschwindigkeit  zur  Erde  hin  be- 
wegen tnussten.  Die  grünblaue  Linie  des  Wassei^sloflgases 
nämhch  erlitt  offenbar  im  Spectroskope  euie  sehr  ungleiche 
Verschiebung;  die  unteren  Theile,  welche  der  dunklen 
/"-Linie  zunächst  lagen,  erfuhren  eine  geringere  Verschie- 
bung und  daher  eine  klemere  Aenderung  (VtrhUrzimg) 
der  Wellerdänge  als  die  entfernter  oder  höher  hiuauf  lie- 
genden  Theile:   ein  Zeichen,   dass   das   glühende  Wasser- 


'J20  Die  Spectralanalyse. 

Nt(>tV^a>  siih  von  der  Sonne  aus  dem  Auge  des  Beobachten 
näherte  nnd  zwar  mit  einer  Geschwindigkeit,  welche  in 
den  liüheren  und  minder  dichten  Regionen  der  Sonnen- 
unigebung  grösser  war  als  in  den  niedriger  gelegenen. 

Aus  den  der  AN(iSTRÖM'schen  Spectrahafel  entnom- 
menen und  durch  Punkte  markii-ten  Ahständen  von  der 
normalen  «lunklen  /-Linie  kann  mau  die  einzelnen  Ver- 
sihithungrn,  welche  die  grünblaue  Linie  des  Wasserstoff- 
ga>eN  infolge  der  Bewegung  erleidet,  leicht  erkennen  und 
daraus  die  Geschwindigkeit  der  Bewegung  bemessen. 
LncKVKH  land.  dass  die  äusserste  Verschiehung  der  hellen 
/'-Linie  aus  einer  Verkürzung  der  Wellenlänge  herrührte, 
welche  eine  Geschwindigkeit  des  Gasstromes  von  mindesten» 
'A'2  geographischen  Meilen  in  einer  Secunde  in  der  Rich- 
tung von  der  Sonne  zur  Erde  hin  anzeigte. 

l)i(»sc  si)ectroskoi)ischen  Beobachtungen  erhalten  ein 
erhöhtes  Interesse,  wenn  man  sie  mit  den  teleskopischen 
zusannuenhält.  Am  21.  April  18G9  beobachtete  Locei£B 
einen  KhH'k  in  der  Nähe  des  Sonnenrandes.  Um  7  Uhr 
W  Minuten  zeigte  sich  im  Gesichtsfelde  eine  Protuberanz. 
welche  in  voUer  Thätigkeit  begriffen  war.  Die  Linien  des 
^Vas^erstotls  waren  äusserst  glänzend,  und  da  das  Spectnun 
des  Flecks  zugleich  sichtbar  war,  konnte  man  sehen,  dass 
die  Protuberanz  dem  Flecke  vomuseilte.  Die  heftige 
Kruption  hatte  Metalldämpfe  aus  der  Photosphäre  in  einer 
Menge  mit  sich  emporgerissen,  wie  es  vorher  noch  nicht 
beobachtet  worden  war.  Hoch  oben  in  der  Wasserstoff- 
llamme  schwebte  eine  Wolke  von  Magnesium  dampf.  Cm 
h^  .j  Ulli*  war  der  Ausbruch  vorüber;  aber  eine  Stunde 
später  begann  eine  neue  Fruj)tion,  und  eine  neue  Protu- 
lieranz  bewegte  sich  mit  der  furchtbarsten  SchnelUgkeit 
weiter.     Während    dieses  vor  sich  ging,    ei-schieneu   plötz- 


Nachweifl  der  Sonnenrotation  mittel«  des  Spectro8kopH.  221 

lieh  auf  der  nach  uns  zu  liegenden  Seite  des  Flecks  die 
Wassei-stoflflinien  als  helle  Linien  und  breiteten  sich  so 
beträchtlich  aus,  dass  man  annehmen  musste,  ein  Wirbel- 
sturm finde  statt. 

Ebenfalls  am  21.  April  1869  um  10  Uhr  55  Minuten 
wurde  zu  Kew  die  Sonne  photographirt;  das  Bild  zeigte 
deutlich,  dass  in  der  Nähe  des  von  Lockyeb  beobachteten 
Flecks  heftige  Störungen  in  der  Photosphäre  stattgefunden 
hatten.  Auf  einer  zweiten  Photogi-aphie  um  4  Uhr  1  Minute 
erschien  der  Sonnenrand  wie  weggerissen  und  zwar  gerade 
an  der  Stelle,  wo  das  Spectroskop  Kunde  eines  Wirbel- 
sturmes gegeben  hatte. 

Verdrehungen  und  Krümmungen  der  Wasserstoflflinie 
Hß  in  den  Protuberanzen  werden  häufig  beobachtet.  Vogel 
und  LoHSE  in  Bothkamp  sahen  z.  B.  am  5.  März  1871,  als 
eine  mächtige  Protuberanz  ungewöhnlich  rasche  Verände- 
rungen erlitt,  die  helle  Linie  so  stiirk  gekrümmt,  dass  sie 
gleichsam  um  die  dunkle  F-Linie  im  Sonnenspectrum  ge- 
schlungen war.  Die  Abweichungen  zu  beiden  Seiten  dieser 
Linie  betrugen  0,23  milliontel  Millimeter  Wellenlänge,  was 
einer  Geschwindigkeit  des  Gases  von  ca.  20  Meilen  entspricht 

20.  Nachwei»  der  Sonnenrotation  mittels  des 

Spectroskops. 

Secchi  und  Zöllner  haben  den  Gedanken  gehabt,  aus 
der  ungleichen  Verschiebung  der  F-  oder  der  C-Linie,  wie  sie 
sich  an  den  beiden  entgegengesetzten  Punkten  des  Sonnen- 
äquators zeigen  müsste,  die  Rotationsgeschwindigkeit  der 
Sonne  zu  bestimmen.  Da  ein  Punkt  der  Sonne  auf  der 
uns  zugekehrten  Seite  sich  in  der  Richtung  von  Osten  nach 
Westen  bewegt,  so  werden  die  am  östlichen  Rande  befind- 


222  Pie  Spectralanalyii^. 

liclion  Punkte  sich  dem  auf  der  Erde  befindlichen  Beobachte 
nähern,   die  entgegengesetzten   des  Westrandes  aber  skli 
von  ihm  entfernen.     Dabei  haben   die  Punkte  des  Soimett- 
ä([U2itors  die  grösste  Geschwindigkeit  und  zwar  von  1,93  bo 
in  der  Socundt*.     Beobachtet  man    nun    eine  Spectnillinie, 
z.  U.  C  des  Ostrandes  der  Sonne,    welcher   sich  dem  Be- 
olKuhter  nährrtj   so   wird   dieselbe    im  Vergleich  zu  ihm 
Ijiigo,  wenn  ein  Punkt  am  Pol  der  Sonnenachse  oder  andi 
hioss  in  der  Mitte  der  Sonne  untersucht    wird,  sich  nach 
dein  Vinh'tt  hin  verschoben  zeigen,   wogegen  dieselbe  Linie 
am  Westrande  der  Sonne,  der  sich  von  uns  entfernt,  eine 
Verscliiehung  nach  dem  Roth  hin   erleiden    wird.    Seccbi 
liat  solche  ent^t^gengcsetzte  Verschiebungen  an  der  rotlien 
//»-Linie  der  Chromosphäre  gegenüber    der  in  dem  Spec- 
truni    iler  Atmosphäre    gleichzeitig    sich    zeigenden  festen 
dunklen   T-Linie    mehrfach   wahrgenommen.      Diese  helle 
Linie  verschob  sich  niimlich  nach  dem  Violett  hin,  indem 
sie  iioi'h  einen  schwarzen  Faden  der  dunklen  C-Linie  nach 
dem  rotlien  Knde  zurückliess,   wenn  man  den  euürettndn 
Hand  des  Sunnenäquators  ansah;   sie    verschob   sich  nacii 
dem  Roth  hin  uiül  liess  einen  dunklen  Faden  der  T-Linie 
nach  dem  violetten  Ende  zurück,  wenn  man  den  austreteh- 
th'.n  Kand.   der  sieh  vom  Beobachter  entfernte,   analvsirte. 
/("»ij.NKu   schlug  zu   diesen  überaus    feinen   Beobach- 
tun^aMi   das   von   ihm  erdachte  Eeoersions^pectroskop  vor. 
iMe    Kinrichtnn«;    dieses    Instrumentes    ist    folgende.     Die 
diireh  einen  ^^])alt  oder  eine  Cylinderlinse  erzeugte  Licht- 
linie    beiludet    sich    im   Brennpunkte   einer  Linse,    welche 
wie  hei  allen  Speetroskupen  die  zu  zerstreuenden  Strahlen 
/uniiehst    parallel  macht.    Alsdann   passiren    die   Strahlen 
zwei    A.Micrsche   Prismensvsteme   ä   vision    directe,  welche 
dergestalt  neben  einander  befestigt  sind,    dass   die  wage- 


Nachweis  der  Sonneurotation  mittels  des  Spectroskops.  223 

recht  liegenden  brechenden  Kanten  auf  entgegengesetzten 
Seiten  sich  befinden  und  jedes  die  eine  Hälfte  des  aus 
dem  Collimatorobjective  tretenden  Strahlenbündels  hin- 
durchlässt,  folglich  die  gesammte  Strahlenmasse  in  zwei 
Spectra  von  entgegengesetzter  Elichtung  zerlegt  wird.  Das 
Objectiv  des  Bcobachtungsfemrohres,  welches  die  Strahlen 
wieder  zu  einem  Bilde  vereinigt,  ist  senkrecht  zu  den 
horizontal  liegenden  brechenden  Kanten  der  Prismen  zer- 
schnitten, und  jede  der  beiden  Hälften  lässt  sich  sowohl 
parallel  der  Schnittlinie  als  auch  senkrecht  zu  derselben 
mikrometrisch  bewegen.  Hierdurch  ist  man  im  Stande, 
sowohl  die  Linien  des  einen  Spectrums  nach  und  nach 
mit  denen  des  andern  zur  Coincidenz  zu  bringen,  als  auch 
die  beiden  Spectra  nach  Willkür  unmittelbar  neben  ein- 
ander zu  lagern,  so  dass  sich  das  eine  wie  ein  Nonius  neben 
dem  andern  verschiebt,  oder  endlich  auch  sie  theilweise  über 
einander  zu  bringen.  Durch  diese  Construction  ist  nicht 
allein  das  empfindliche  Princip  der  doppelten  Bilder  zur 
Bestimmung  irgend  welcher  Lagenveräiiderung  der  Spec- 
trallinien  verwerthet,  sondern  jede  solche  Veränderung  ist 
auch  verdoppelt^  indem  sich  der  Einflues  derselben  bei 
jedem  Spectrum  im  entgegengesetzten  Sinne  äussert. 

Zöllner  konnte  mit  dem  Keversionsspectroskope  den 
Abstand  der  beiden  Z>-Linien  im  Souncnspectrum  mit 
einem  wahrscheinlichen  Fehler  von  nur  Vase  dieser  Grösse 
genau  bestimmen. 

Mittels  des  ZöLLNEü'schen  Instrumentes  hat  H.  C.  Vogel 
im  Juni  1871  an  mehreren  Tagen  eine  unzweifelhafte  Ver- 
schiebung der  i'-Linie  und  einer  benachbarten  feinen  Linie 
wahrgenommen  und  zwar  stets  im  Sinne  der  Rotation  der 
Sonne.  Dieselbe  ist  durch  diese  Versuche  unzweifelhaft 
erkannt,    doch   sind  noch   feinere   Messungen  erforderlich, 


*J*2i 


Die  Sp<>rtraIanalrM*. 


um    auch   dio  Grosso  der  Bewegung    mit  .Scharfe  zu  er- 
niitteln. 

Langlky's  Apparat,  um  die  Spectra  entgegengesetzter 
Tunkte  des  Sounenrandes  unmittelbar  mit  einaDder  za 
v»T.i:leich«^n,  ist  folgender.  .1  (Fig,  97)  ist  das  OculAreudf 
tMiK's  Aequatorials,  an  welchem  die  verschiebbare  Kötire5 
lufeNti^rt  ist,  welche  nach  EMürfniss  eine  Projectionsliüse 
trafen  kann,  während  durch  den  Arm  CC  das  Spectro- 
skop  mit  dem  Fernrohre  in  Verbindung  steht.    Die  Licht- 


Fijf.  *»7. 


!        '.x'-.    V:':iri*  /i.v  Vir^rlii«  hun;;  Jcr  Spoctra  cntffogen^esctztrr  Pnrkte 

de«  Sonni'nrandet. 

-tritlilrn  lallen  naeli  ilirem  Durchgänge  durch  das  Fem- 
rnlir  .1  Muf  den  Srliirm  K  und  erzeugen  hier  ein  Sonnen- 
hijd  von  liinreielieiuler  Schärfe,  um  mit  Sicherheit  Strahlen 
von  irgend  eint»m  l>eliebi«zcn  Theile  der  Sonne  untersuchen 
7\\  k«»nnen.  Die  zu  untersuchenden  Strahlen  gelangen 
w.itrr  /u  zwei  total  retlectirenden  Prismen  LL.  Dieser 
riiril  dr>  Instrumentes  ist  in  FU}.  98  vergrössert  dargestellt 
nnii  man  erkennt  hier,  dass  die  beiden  Prismen  auf  einem 
llahmen  A'.V  messbar  verschoben  werden  können.  F  ist 
<l;i^  Collimatorrnhr  und  MM  sind  wiederum  zwei  totil  reflw- 
tin  luie  Prisinrn,   deren  Basis  nahe  der  Ebene  des  Spaltf< 


Xarhvriii  ilrr  Sonnenrntntion  miltclri  de»  Sjirrtronkopii.  325 

sich  hofiiKict  Fifi.  99  zeigt  diesen  Theil  <1oh  InstrumenteB 
in  Renkrechter  AiiRJcht;  kk  ist  Aer  Spalt,  und  die  beiden 
Prismen  MM  können  in  der  Richtung  des  Spnlts  gemein- 
sam verschoben  werden,  D  (Figg.  97  und  98)  ist  eine 
Hülse,  die  auf  dem  CoUimatorrohre  F  verschiehbar  und 
um  ihre  Achse  drehhnr  ist,  wodurch  also  gleichzeitig  der 


vifi.  ya. 


Rahmen  A'^V  mit  liewegt  wird.  Die  cyliiidrische  Linse  G 
trägt  ein  Diffractionsgitter  ('s.  Bd.  I,  §  37);  Hl  ist  das 
Beobachtungsfernrohr  mit  dem  Kfikrometer  A'. 

Die  Wirkung  dieses  Instrumentes  ist  leicht  verständlich. 
Dassellie  wirtl  gegen  die  Sonne  gerichtet  und  der  Spalt  möge 
in  diejenige  Position  gebracht  sein,  dass  das  Gitterspec- 
tnim  A  (Fig.  100)  durch  Licht  vom  Nordpole  der  Sonne, 


•22t  J 


Die  Spertralaualjse. 


(las  Spectrum  R  durch  Licht  vom  Sonnensüdpole  entsteht 
In  (lii'som  Falle  erkennt  man  ein  von  dunklen  Linien  durdh 
zogfiies  Spectrum  (Fig.  100 j  I),  in  welchem  beispielsweise  b« 
«'enügender  Dispersion  des  Lichtes  durch  das  Gitter  zwisdi«i 
den  bfidon  /^-Linien  noch  zwei  feine  Linien,  die  Xickellinie 

Fig.  Ö9. 


1 
1 

1 

'.-^ 

N 
V^ 

1  . 

■  ■  ■;-     n 

Jü        1            1 

1 

1 

^ling 

M    . 

^^^^ 

1 : 

- 

"1"             "        ~1 

i'--' 

i  v" 

\ 

N 

Dl  r  Spalt  mit  Jon  Prismen. 

und  eine  :itnH)sj)hiirischo  Linie  erscheinen.  Das  Spectnuii  ist 
aussi*r(l<*ni  durch  v'nw  feine  nebelige  Linie  in  zwei  genau 
corrrspondironde.Theile  getrennt  und  besteht  in  Wirklich- 
keit aus  zwei  Spectren  vom  Nord-  und  Südpol  der  Sonne, 
deren  Lieht  aber  in  Hezug  auf  Brechbärkeit  identisch  ist. 
Min«'  Versehie})ung  der  Linien  im  Apparat  findet  jetzt  nicht 
statt.    Drelit  man  nun  den  Apparat  um  die  Achse  desCoUi- 


Nachweis  dvr  Sotiiictirotation  mittels  des  Sprctroskops.  227 

mators  um  90^  herum,  so  dass  das  Spectrum  A  von  Licht 
des  auf  deu  Beobachter  zukommenden  östlichen  Theils  der 
Sonne  in  der  Nähe  ihres  Randes  gespeist  wird,  während 
B  das  Licht  der  zurückweichenden  westlichen  Randtheile 
erhält,  so  erkennt  man  sofort  eine  Veränderung  im  Spec- 
trum.    Die  />-Linien  und  ebenso  die  Nickellinie  im  Spec- 


N 


0 


II 


III 


Fig.   UM). 


A       YIOLET  • .  Tom  N.  Baada 


B       YIOLET  *-  Tora  S.  Rande 


-*  ROTH 


-  ROTH 


D,J>^M.    D, 


A        YIOLET  «-vomO  B»nd€  |   j  j     |        -*  KOTH 


-   I W      B       YIOLET  ^vomWRaiMte  |  |  |     |       -*  ROTH 


U.AtMl     D^ 


A        YIOLET  «-  vom W Rande!  |  j      1  ~^ 
fW     B        YIOLET  ^-  vom  0  Rande  |  J  |      |      ~^ 


—  ROTH 


ROTH 


D,  AtNL    D, 


Vi-rschiebuiif^  drr  Linien. 


trum  A  ei-scheinen  gegen  Violett  verschoben  und  nur 
die  atmosphärische  Linie  erscheint  gerade  wie  vorher 
(Fig.  100,  II).  Eine  weitere  Drehung  des  Instrumentes  um 
90^  bringt  wieder  alle  Linien  zum  Zusammenfallen.  Dreht 
man  jetzt  nochmals  um  90^  so  erscheint  abermals  eine 
Verschiebung  {Fig.  100,  III),  aber  jetzt  sind  die  Linien  Z>t> 
D^  etc.  des  Spectrums  A  (Fig.  100)  mit  Ausnahme  der  atmo- 
sphärischen Linie  gegen  Roth  hin  verschoben.     Die  atmo- 

15* 


I  —  ■      -  ^J 


^       «. 


•    -'^  -» 


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1 

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/    -.  -  III,  Krki  iruiiiroii  ilatiir  /u  l^Ihi-. 


^ 


Die  Absorption  der  Sonnenntmosphäre.  220 

21.   Die  Absorption  der  Sonnenatmosphäre  für 
die  Strahlen  verschiedener  Brechbarkeit. 

Nachdem  schon  andere  Astronomen,  insbesondere 
Secchi,*  durch  entscheidende  Untersuchungen  nachge- 
wiesen haben,  dass  die  Sonne  eine  Atmosphäre  besitzt, 
welche  auf  die  von  ihr  ausgehenden  Strahlen  absor- 
birend  wirkt,  und  den  Betrag  dieser  Absorption  an 
Wärme,  Licht  und  chemischen  Strahlen  ennittelt  haben, 
hat  Professor  IL  C.  Vogel  das  von  ihm  umgeänderte 
GiiAN'sche  Spectralphotometer  (Bd.  I,  S.  391  u.  flgd.)  benutzt, 
um  die  Absorption  der  verschiedenen  Farbenstrahlen  in  der 
Sonneniitmosphäre  zu  studiren.  Der  Apparat  wurde  zu 
diesem  Zwecke  an  dem  neunzolligen  Refractor  der  Berliner 
Sternwarte  angebracht  und  so  gestellt,  dass  der  Spalt 
genau  in  den  Brennpunkt  des  Objectivs  zu  stehen  kam. 
Während  nun  das  Femrohr  mittels  des  Uhrwerks  fort- 
geführt wird,  kann  man  durch  Bewegung  in  Declination 
beliebige  Theile  des  Brennpunktbildes  auf  den  Spalt  brin- 
gen. Schwierigkeit  verursachte  es  bei  der  Sonnenbeobach- 
tung, eine  Lichtquelle  zur  Vergleichung  zu  beschaflfen,  die 
auch  nur  annähemd  mit  der  Intensität  des  Lichtes  ein- 
zelner Theile  des  Brennpunktbildes  der  Sonne  zu  ver- 
gleichen wäre. 

Endlich  kam  Vogel  auf  die  Idee,  die  Sonne  selbst 
dazu  zu  verwenden.  Zu  diesem  Zwecke  brachte  er  mit 
dem  Apparate  einen  beweglichen  Spiegel  in  Verbindung, 
welcher  an  einem  Messingarm  von  etwa  40  cm  Länge 
sich  befand,  damit  der  Schatten  des  Femrohrs  den  Spiegel 


*  Au.srührlirhfs  über  Secciu'h  Arbeiten  siehe  „Die  Sonne",  S.  185 
n.  fljftl.  'Brannsohweig,  George  Westennann). 


'2'M\  Die  Spectralanalyne. 

nicht  verdeckte.  Auf  diese  Weise  konnte  mit  Hülfe  des 
Spiegels  das  Soiiiieulicht  ungestört  auf  das  Vergleich^- 
prisiiui  gelangen. 

Vu(i KL  hat  nun  mit  diesem  Apparate  iur  möglichst 
liomogenes  Licht  der  verschiedensten  Wellenlängen  dit 
Abnahme  der  Intensität,  also  die  Grosse  der  Absorption, 
in  der  iiiihtung  von  der  Mitte  nach  dem  Rande  der 
Sonnenscheibe  l)estinnnt.  Aus  den  Einzelergebnissen  wurdeo 
dann  durch  graphische  Ausgleichung  zunächst  diejeuigeo 
Curveii  abi^eleitct,  welche  sich  den  Beobachtungen  mög- 
lichst nahe  anschliessen  und  die  Abnahme  der  Intensität 
von  der  Mitte  nach  dem  Rande  der  Sonne  dai*stellen.  Die 
Genauigkeit  der  Beobachtungen  iindet  sich  durcbschnittlicli 
geringer  als  bei  den  Beobachtungen  an  irdischen  Licht- 
quellen; CS  ist  dies,  wie  Voüel  hervorhebt,  bedingt  einmal 
durch  partielle  Trübungen  des  Himmels,  die  sich  der  ge- 
^^()l^llichen  Beobachtung  entziehen,  weil  sie  zu  geriog 
>in(U  bei  feinen  photometrischen  Messungen  aber  sehr 
merklich  werden  kcumen,  andenitheils  durch  die  Un- 
ruhe der  Luft,  die  bei  den  vorliegenden  Beobachtungeü, 
br>(Miders  wenn  man  in  der  Nähe  des  Somieurandes. 
wo  die  Intensitäten  sich  so  schnell  verändei'u,  beub- 
achtet,  «'inen  sehr  starken  Einfluss  auf  die  Genauigkeit 
;iusiib(>n  kann. 

In  <ler  folgenden  von  VoGEL  gegebenen  Zusammen- 
stellung, in  welcher  der  Sonnenradius  in  100  gleiche 
rinfilc  j^etheilt  ist,  erkennt  man  leicht  die  grosse  Ver- 
se lii(»<lenheit  der  Intensitätsabnahme  für  die  vei'schiedenen 
Farl)«'n,  und  rs  ist  durch  die  Bcobachtimgen  unzweifelhaft 
<l;iri:t'tb;ni,  (lass  di<*  Absor])tion  der  Sonnenatmosphäre  mit 
<l(r  Brechbarkeit  der  Stralilen  oder  der  Abualmie  ihrer 
Wellenlänge  wächst. 


Die  Absorption  der  Sonnenatmonphäre. 


281 


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100,0 

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99,0 

90,9 

99,9 

99,9 

99,9 

100,0 

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99,6 

99,7 

99,7 

99,7 

99,8 

99,9 

15 

99,2 

99,3 

99,3 

99,3 

99,5 

99,7 

20 

98,5 

98,7 

98,8 

98,7 

99,2 

99,5 

25 

97,5 

97,8 

98,1 

97,9 

98,8 

99,3 

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96,3 

96,8 

97,2 

96,9 

98,2 

98,9 

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95,0 

95,6 

96,1 

95,7 

97,5 

98,5 

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93,4 

94,1     ' 

94,7 

94,3 

96,7 

98,0 

45 

91,2 

92,2 

93,1 

92,6 

95,7 

97,4 

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88,7 

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87,8 

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95,9 

60 

82,4 

8.1,9 

87,0 

86,2 

90,9 

94,8 

65 

78,7 

81,7 

84,2 

83,4 

88,0 

93.2 

70 

74,4 

77,8 

80,8 

80,0 

ai,5 

91,0 

75 

69,4 

73,0 

76,7 

75,9 

80,1 

88,1 

80 

63,7 

67,0 

71,7 

70,9 

74,6 

8-1,3 

85 

56,7 

59,6 

65,5 

64,7 

67,7 

79,0 

90 

47,7 

50,2 

57,6 

56,6 

59,0 

71,0 

95 

34,7 

35,0 

45,6 

44,0 

46,0 

58,0 

lOO 

13,0     , 

1 

14,0 

16.0 

■ 

16,0 

25,0 

30,0 

Vogel  hat  ferner  versucht,  unter  der  Voraussetzung, 
dass  die  Abnahme  des  Lichtes  von  der  Mitte  nach  dem 
Rande  der  Sonnenscheibe  die  Folge  einer  absorbirenden, 
die  Sonne  umgebenden  Gashülle  ist,  die  Beobachtungen 
durch  einen  mathematischen  Ausdruck  darzustellen.  Den 
Weg  dazu  hatte  schon  Laplace  angegeben,  welcher  die 
BoüGUEB'schen  Beobachtungen  dazu  benutzte,  die  Ab- 
sorption, welche  die  Atmosphäre  der  Sonne  ausübt,  sowie 
die  Helligkeit  zu  berechnen,  welche  die  Sonne  ohne  Atmo- 
sphäre haben  würde. 


232  Die  SpeclralanalvM;. 

Niinint  man,  was  sehr  nahe  richtig  seiu  wird,  aiu 
iluss  die  Soniu'  ohne  Atmosphäre  als  Scheibe  von  übeiull 
^IciduT  Helligkeit  ei'scheinen  würde,  so  nimmt  die  vod 
La  PLACE  gegebene  Formel  eine  sehr  einfache  Gestalt  an 
und  liefert  eine  befriedigende  Uebei-eiustimmung  mit  den 
Heubachtungen  Vüüel's. 

Für  (ielb  stimmt  die  berechnete  Curve  volIkoniineD 
innerhalb  <ler  zulässigen  Grenzen  mit  der  aus  den  Btob- 
achtun^en  abgeleiteten  überein,  dagegen  fallen  die  berech- 
neten Curven  fiir  Grün,  Blau  und  Violett  schneller,  die 
Curve  tür  Roth  langsamer  ab  als  die  beobachteten.  „Ich 
glaulie,*'  sagt  Vogel,  „man  niuss  diese  Abweichimgen 
nicht  als  zufällige  ansehen,  sondern  muss  ihnen  eine  ge^ 
wissr  Ueahtät  zusrhreiben  und  dürfte  die  einfachste  H}p.^ 
these  zur  Krklärung  derselben  wohl  die  sein,  anzunehmtiu 
(lass  (lif  Intensität  der  von  der  Sonnenoberfläche  ausge- 
sandten Strahlen  nicht  nur  eine  Function  des  EmauatioDs^ 
winkeis,  soncU^rn  gleichzeitig  der  Wellenlänge  sei  und  dass 
die  Sonne  (»hne  Atmosphäre  fiir  die  brechbareren  Strahlen 
jils  «ine  Scheibe  er>cheinen  würde,  die  am  Rande  etwas 
wriijircr  hell  als  in  der  Mitte,  für  die  Strahlen  mittlerer 
Unchharkeit  vollkcmimen  gleich  hell  und  für  die  weniger 
l»n(libaren  Strahlen  am  Uande  etwas  heller  als  in  der 
Mitte  wäre.  Unter  diesen  Annahmen  würden  sich  die  be 
rechneten  und  die  aus  den  Beobachtungen  abgeleiteten 
Curven  besser  anschliessen.  Vielleicht  gelingt  es  auch  an 
^^lülunden  Metallkugehi  ähnliche  Beobachtungen  anzu- 
st<'llen,  wenn  die  Heoliachtungsmethoden  nur  genügend 
vnteinert  werden.** 

lierechnet  man  nach  der  LAPLACE'scheu  Fonnel 
unter  Henutzung  der  von  Vogel  gegebenen  Beobach- 
tun^'sdateii    die  Intensität  in  der  Mitte  der  Sonnenscheibe, 


Die  AbHorption  der  Sonnenatmosphüre.  288 

80  ergeben  sich  für  die  verschiedenen  Farben  folgende 
Werthe: 

Violett  DuukelbUu  Blau  Grün  Golb  Roth 

0,481  0,534  0,577       0,557       0,666       0,704 

d.  h.  das  Licht,  welches  von  einem  Punkte  in  der  Mitte 
der  Scheibe  ausgeht,  ist  durch  die  Extinction  in  der  Atmo- 
sphäre auf  die  hier  angegebene  Grösse  reducirt.  In  Au- 
betracht  der  enormen  Dimensionen,  welche  die  Chromo- 
sphäre  hat,  ist  diese  Extinction  sehr  gering.  Eine  Luft- 
säule von  0®  Temperatur,  0,76  m  Druck  und  55  km  Höhe 
reducirt  die  durchgehende  Lichtmenge  1  auf  0,25,  die 
Chromosphäre  zu  3"  bis  4",  d.  i.  2200  bis  3000  km  Höhe 
angenommen,  bringt  jedoch  erst  eine  Reduction  auf  durch- 
schnittlich 0,5  heiTor. 

„Es  dürfte,'*  bemerkt  Vogel,  „nicht  uninteressant 
sein,  noch  die  Frage  zu  erörtern,  wie  hell  uns  die  Sonne 
ohne  Atmosphäre  ei*scheinen  würde.  Man  könnte  zu  dem 
gewünschten  Resultate  durch  Integration  des  die  Beobach- 
tungen ziemlich  gut  darstellenden  mathematischen  Aus- 
druckes gelangen,  es  ist  aber  einfacher,  eine  Eintheilung 
der  Sonnenscheibe  in  concentrische  Zonen  vorzunehmen, 
die  Flächen  der  Zonen  mit  der  aus  den  Beobachtungen 
zu  entnehmenden  Intensität  zu  multipliciren  und  diese 
einzelnen  Producte  zu  summiren. 

Eine  derartige  Rechnung,  bei  welcher  die  Breite  der 
Zonen  zu  0,05  angenommen  worden  ist  (Radius  der 
Sonne  =  1),  giebt  2,17  für  Violett,  2,65  für  Roth.  Unter 
der  früher  gemachten  Annahme,  dass  die  Sonne  ohne 
Atmosphäre  in  allen  Punkten  gleich  hell  sein  würde,  findet 
Vogel  für  die  Intensität  der  Scheibe  ohne  Atmosphäre  6,45 
für  Violett,   3,^6  für  Roth.     Die  Sonne  würde  demnach 

ohne  Atmosphäre  uns  für  violettes  Licht  -*-    =  3,01  mal 

..,1  i 


284  Die  Spectralanalyge. 

3  96 

heller,  für  rothes  Licht  nur  --,..    =  1,49  mal   heller  er- 
scheinen." 

Endlich  hebt  Prof.  Vogel  noch  hervor,  dass  es  wichtig 
sein  dürfte,  die  Beobachtungen  über  die  Absorption  der 
Sonnenatmosphäre,  die  zur  Zeit  des  Sonnenflecken-Miui- 
mums  angestellt  worden  sind,  in  demselben  Umfange  auch 
zur  Zeit  des  Maximums  zu  wiederholen,  indem  es  doch 
sehr  wahrscheinlich  sein  dürfte,  dass  die  Gesammtabsorp- 
tion eine  andere  als  die  angegebene  ist,  da  die  Temperatur 
der  Atmosphäre  durch  die  enormen  Ausbrüche  glühenden 
Wasserstoffgases  aus  dem  Sonneninnem  jedenfalls  erhöht 
wird  und  damit  ihre  absorbirende  Wirkung  sich  ändert. 
Es  sei  ferner  empfehlenswerth,  bei  besonders  günstigem 
Luftzustande  die  Beobachtungen  vielleicht  nur  für  eine 
Farbe  mit  der  allergrössten  Sorgfalt  und  über  noch  mehr 
Punkte  des  Sonnenradius  sich  erstreckend,  durchzufuhren, 
um  feinere  Unterschiede  zwischen  einzelnen  Zonen  der 
nördlichen  und  südlichen  Hemisphäre  der  Sonne,  die  in 
den  jetzt  vorliegenden  Beobachtungen  angedeutet  scheinen, 
mit  Sicherheit  zu  ermitteln.  Die  Helligkeitsunterschiede 
zwischen  Flecken,  Penumbren  und  Sonnenoberfläche  lassen 
sich  selbstverständlich  mit  dem  Spectralphotometer  mit 
grosser  Sicherheit  bestimmen. 


Zweite  Abtheiluiig. 

Sternspectroskope  und  Anwendung  der  Spectraliinnlyse 
auf  den    Mond  und   die    Planeten. 


22.  Sternspectroskopo. 

ochon  Fraunhofer  und  nach  ihm  Lamont,  Donati, 
Breiigster,  Stores,  Gladstone  u.  A.  hatten  sich  mit 
der  Untersuchung  der  Spectra  einiger  Fixsterne  und  Pla- 
neten beschäftigt;  aber  ihre  Arbeiten  erstreckten  sich 
mei^t  nur  auf  die  Lage  der  dunklen  Linien,  die  sich  in 
ihrem  Spectrum  vorfanden,  und  auf  ihre  Beziehung  zu 
den  FRAüNHOFER'schen  Linien  des  Sonnenspectrums,  ohne 
die  Natur  derselben  und  ihren  Zusammenhang  mit  der 
stofflichen  Zusammensetzung  der  Weltkörper  zu  enthüllen. 
Erst  mit  der  KiRCHHOFP'schen  Theorie  der  Fraünhofer- 
schen  Linien  (1859)  beginnt  zugleich  die  Spectralanalyse 
der  Himmelskörper,  der  Sonne^  der  Pfänden^  der  Fix- 
sterne^ der  Nebelflecke  imd  Sternhaufen^  der  Kometen  und 
der  Meteore. 

Wenn  man  bedenkt,  dass  das  Licht  der  Sterne,  Nebel- 
flecke und  Kometen  sehr  schwach  ist,  so  wird  man  die 
Schwierigkeiten  nicht  unterschätzen,  welche  mit  den  spec- 
tralanalytischen  Untersuchungen  dieser  Gestirne  verbunden 
srind,  und  das  Verdienst  um  so  höher  anschlagen,  welches 
sich  Männer  wie  P.  Secchi,  W.  Huggins,  Allan  Miller, 
i/Arrest,  II.  Draper,  Vogel  u.  A.  erworben  haben. 


238  Die  Spectralanalyse. 

Dass  auch  die  besten  Spectroskope,  wie  sie  zu  spec- 
tralanalytischen  Untersuchungen  irdischer  Stoffe  constniirt 
werden,  zur  Analyse  des  von  den  Sternen  kommenden 
Lichtes  nicht  geeignet  sind,  liegt  auf  der  Hand.  In  allen 
Fällen,  wo  die  Abstände  der  Linien  im  Stemspectrum  ge- 
messen oder  deren  Lagen  mit  den  Spectrallinien  irdischer 
Stoffe  verglichen  werden  sollen,  muss  das  Instrument  mit 
einem  Aequatorial  verbunden  werden,  welches  sich  mit 
gleicher  Geschwindigkeit  wie  die  Erde,  aber  in  einer  ent- 
gegengesetzten Richtung  dreht  und  es  bewirkt,  dass  ein 
Stern,  auf  welchen  das  Rohr  einmal  eingestellt  worden 
ist,  während  der  Beobachtung  stets  im  Gesichtsfelde  bleibt 
Die  Drehung  eines  solchen  Rohres  wird  in  der  Regel  durch 
ein  Uhrwerk  bewirkt. 

Das  Bild  eines  Fixsterns  im  Femrohr  ist  bekanntlich 
ein  Punkt;  das  Spectrum  eines  Punktes  aber  ist  linien- 
fbrniig  ohne  Ausdehnung  in  die  Breite  und  daher  zur 
Beobachtung  nicht  geeignet.  Um  von  einem  leuchtenden 
Punkte  ein  mehr  oder  weniger  breites  Spectrum  zu  er- 
halten, kann  man  entweder  den  Punkt  zuerst  in  eine  kurze 
Lichtliuie  venvandelu,  durch  Anwendung  einer  geeigneten 
Cylinderlinse,  deren  Achse  senkrecht  zur  brechenden  Kante 
des  Prismas  gestellt  wird,  und  dann  das  Licht  dieser  Linie, 
welche  nun  die  Stelle  des  Spaltes  vertritt,  durch  das  Prisma 
analysireu;  oder  man  kann  von  dem  Lichtpunkte  zuerst 
ein  Linienspectrum  erzeugen  und  dann  letzteres  vermittels 
der  Cylinderlinse  nach  der  Breite  ausdehnen. 

Dass  ausserdem  wegen  der  geringen  Lichtstärke  des 
Sterns  die  Dispei-sionskraft  des  Spectroskops  im  Allge- 
meinen nicht  gross  sein  darf,  letzteres  also  nur  wenige 
Prismen  erhalten  wird,  versteht  sich  von  selbst 

Endlich     müssen     passende    Vorkehrungen     getroffen 


Stcnispectroskope.  289 

werden,  dass  man  in  der  nächsten  Nähe  des  Spectroskops 
nach  den  bekannten  Methoden  irdische  Sto£fe  glühen  und 
Yerflüchtigen  und  das  Licht,  welches  ihre  Dämpfe  aus- 
strahlen, behufs  spectralanalytischer  Vergleichung  mit  dem 
Stemspectrum  durch  ein  kleines,  die  Hälfte  des  Spalts  be- 
deckendes Vergleichsprisma  in  das  Spectroskop  werfen  kann. 

Nach  diesen  allgemeinen  Andeutungen  wird  es  nun 
leicht  sein,  die  Einrichtung  der  Stemspectroskope  zu  ver- 
stehen und  sie  praktisch  zu  handhaben. 

Das  erste  Stemspectroskop  wurde  1823  von  Fbaun- 
HOFEB  construirt  Zur  Beobachtung  der  Spectra  der  Fix- 
sterne und  zugleich  zur  Bestimmung  der  Brechbarkeit 
ihres  Lichtes  verfertigte  er  ein  grosses  Instrument  mit 
einem  Femrohre  von  11  Va  cm  Oeffnung  des  Objectivs 
und  verband  damit  ein  Flintglas-Prisma,  welches  einen 
Winkel  von  37^60'  und  denselben  Durchmesser  als  das 
Objectiv  besass.  Der  Winkel,  welchen  der  einfallende 
Strahl  mit  dem  ausfahrenden  an  diesem  Prisma  machte, 
war  ungefähr  26^  Fraunhofer  stellte  dieses  Prisma  vor 
das  Objectiv  des  Femrohres,  so  dass  letzteres  ausschliess- 
lich als  Beobachtungsfernrohr  des  bereits  gebildeten  Spec- 
trums diente.  Diese  Methode  wurde  von  den  späteren 
Beobachtern  verlassen,  welche  alle  nach  dem  Vorgange 
von  Lamont  (1838)  das  Licht  des  Sterns  unverändert 
durch  das  Objectiv  des  Fernrohres  hindurchgehen  Hessen 
und  das  optische  Bild  desselben  entweder  durch  das  Prisma 
allein  oder  in  Verbindung  mit  einem  besonderen  kleinen  Be- 
obachtungsrohrc  von  der  Stelle  des  Oculars  aus  analysirten. 

In  der  neueren  Zeit  sind  P.  Secchi  imd  Respighi  in 
Rom  wieder  zu  der  Methode  Fraünhofer's  zurückgekehrt 
und  haben  die  grossen  Refractoren  ihrer  Sternwarten  mit 
Objectxv-Spectralapparaten  von  Merz  in  München  versehen. 


!M0  niB  Spoctriilnniily«c. 

Flg.  101  zeigt  denselben  vollatändig  montirt,  nm  anf 
das  Objectiv  des  Refractors  aufgesteckt  zu  werden:  Fig.  10- 
Keigt  das  Lager  des  Prismas  und  Fig.  103  das  Prisma  selbst 
aus  dem  Lager  herausgenommen  und  bei  Reite  gelegt. 
Das  Prisma  /'  sitTt.  um  eine  wagerechte  Achse  drehbar, 
in  einem   Ringe,   welcher  mit  zwei  seitlichen  Zapfen  a^H 


zwischen  den  Schrauben  fiJi  in  einen  zweiten  Ring  ein- 
gespannt werden  kann.  Letzterer  Ring  lüsst  sich  um  die 
KapseL  mit  welcher  der  ganze  Apparat  auf  die  Objectiv- 
fassung  gesteckt  wird,  rund  herum  fuhren,  wodurch  es 
ermöghcht  ist,  dem  Prisma  selbst  jede  beliebige  Stellung 
und  Neigung  zu  dem  Objectiv  und  zu  der  Achse  des  Fem.-^ 
rohrs  zu  geben.  Da  das  Prisma  die  auf  das  Objectir  < 
lallenden  Strahlen  ableulct,   so   kann  die  Achse  des  Fer 


ätrrnHjiürlniFikopF. 


3tl 


rohrs  bei  der  Beobachtung  uicht  dirtct  auf  den  zu  luiter- 
sucfaendeu  Steru  gerichtet  werden.  Um  daher  das  Eiii- 
atellen  des  Instruments  auf  einen  Stern  nu  erleichtern,  hat 
die  Kapsel,  welche  den  Prismenring  trägt.  l)ei  c  eine  OetT- 
iiung,  durch  welch«?  mau  direct  nach  dem  Steru  hinsehen 
kann;  dieser  Oetfnurig  gegenüber  ist  auf  der  Kapsel  uoch 


ein  achromutisches  Prismensystem  ^  von  gleicher  Alilenkung, 
wie  sie  <las  Prisma  P  besitzt,  augebracht,  welchfs  das  Ein- 
stellen eines  Sterns  wesentlich  erleichtert  Der  brechende 
Winkel  des  Prismas  beträgt  12";  es  ist  aus  dem  reinsten 
farblosen  tlintglase  angefertigt;  seine  Oeffuung  misst 
t)  Pariser  Zoll  uud  die  Fassung  ist,  wie  ^e  Figiu'eu  zeigen, 
mit  allen  nüthigen  Correctioiisvorrichtungeu  ausgestattet. 


24S  Dii^  SpfcInttnualvEF. 

Ti-otzdem  dieses  Prisma  die  Objectiv-Oeffnung  des 
Refractora  sehr  rcducirt,  übertrifft  die  Helligkeit  bei  weitem 
die  des  Refractors  bei  voller  Oeffnung  von  9  Zoll,  wenn 
dabei  ein  Ocularspectroskop  ä  vision  directe  benutzt  wird; 
die  Dispersion  ist  nach  Secchi  mindestens  die  sechsfache 
auch  des  mächtigsten  Ocularapparates. 

Mekz  hat  ferner  das  Objectivprisma  durch  Combination 
eines  Ciuwu-  und  eines  Flintglasprismas  für  die  Ablenkung 
corrigirt  und  dasselbe  dadurch  für  die  Beobachtung  k  vision 
directe  geeignet  gemacht.     Daas  die  Lichtstarke  des  Pris- 

Kig.  io;.i. 


inas  durch  eine  solche  Combination  eine  kleine  Kiiibusse 
erleidet,  ist  nicht  zu  vermeiden.  Bei  einem  solchen  iür 
das  Observatorium  des  Wirkl.  Geheimen  Rathes  L.  Camp- 
hausen zu  Rüngadorf  angefertigten  Objectivspectroskoji 
ist  der  brechende  Winkel  bei  dem  Crown glasprisma  36", 
bei  dem  l-'liutglasprisma  25";  der  mittlere  Brechungsexpo- 
nent bei  dem  Crownglasc  1,5283,  bei  dem  Flintgluse  1,7610. 
Bei  der  Anwendung  eines  OciUarspectroskopg,  welches 
das  optische  Bild  eines  Sterns,  also  bei  den  Fixstenieu 
einen  Lichtpunkt  von  der  Stelle  des  Oculars  aus  durch 
ein   I'rismensystem  analysirt,   kann   man  jede   der   beiden 


S  !<■  rri "  pec  [  rink  np  B. 


248 


oben  angegehenen  Methoden,  veimittels  einer  Cyliuderliiise 
das  Linienspectrum  des  Punktes  zu  erbreitern,  anwenden, 
und  es  ist  im  Allgemeinen  gleichgültig,  ob  man  diese  Linse 
vor  den  Spalt  und  die  l'rismeu  oder  hinter  die  letzteren 
uutstellt. 

Kig,  104. 


Das  von  Joun  BaüWNiNfi  construirte  Sternapectroskop. 
mit  welfrhem  HuQGiNa  seine  ersten  Beobachtungen  an- 
stellte, ist  in  den  Firig.  104,  lOii  und  lOti  abgebildet.  V..n 
dem  paral  lab  tisch  inontirten  Teleskope  ist  in  der  Zeich- 
nimg  mir   der   äussere  Tubus  TT  am   Ocular   zu  sehen; 


344  Pie  Spcctralanalyiie. 

allo  Übrigen  Thcile  sind  weggelassen.  Das  Spectroskoji 
wird  an  das  Ocularende  TT  des  Rohres,  eines  Refractors. 
befestigt  und  durcli  das  Uhrwerk  mit  diesem  in  Bew^mig 
gesetzt 

In  dem  Acquatorialtubus  TT  lässt  sich  ein  Robr  B 
mit  oiTier  planconvexen   Cylinderlinse  A   von  1  Zoll  Oefl- 

Fig.  IW. 


lumf^  und  14  Zoll  Brennweite  auf-  und  abschieben ;  letztere 
wird  in  den  (lang  der  von  dem  Ohjectivglas  kommenden, 
convergireiiden  Strahlen  so  eingestellt,  dasB  die  Achse  der 
Cylinderfläche  zu  dem  Spalte  D  des  Spectroskops  senk- 
recht steht  und  sich  ein  hinliinglich  breites  Spectrum  der 
Lirbtlinie  bildet;  der  Spalt  I)  befindet  sich  genau  im 
Brennpunkte  des  Objectivglascs  des  Teleskops.    Hinter  dem 


Spalte  befindet  sich,  wie  gewölmlich,  die  CollimatorliDse  g, 
welche  die  Strahlen  parallel  auf  das  Prisma  zu  werfen  hat 
Die  Linse  ist  achrotnatisch  uud  bat  bei  4,7  Zoll  Brenn- 
weite eine  OeÖiiung  von  '/^  Zoll.  Bei  diesem  Verhültnisse 
fängt  die  Linse  g  alles  Licht  auf,  welches  von  dem  linearen 
Bilde  des  Sterns,  wenn  dasselbe  genau  zwischen  die  beiden 
Ränder  des  Spalts  gebracht  worden  ist,  divergirend  aus- 
geht. Die  aus  der  Linse  g  parallel  austretenden  Licht- 
strahlen  gehen   durch  zwei   Prismen  k,  h,   von   schwerem 

Fig.  106. 


Flintglase  uud  60"  Brechungswinkel,  werden  dadurch  zer- 
legt und  bilden  ein  Spectram,  welches  mittels  eines  klei- 
nen, achromatischen  Beobaclitungsrohres  /'  betrachtet  wird. 
Um  die  Abstände  der  einzelnen  Linien  im  Spectrum  messen 
zu  können,  lüsst  sich  das  Fernrohr  p  mittels  einer  feineu 
Mikrometerschraube  qi/  um  einen  Zapfen  drehen. 

Das  Objectiv  dieses  Beobachtungsrohres  hat  0,6  Zoll 
Oefhung  uud  6,75  Zoll  Brennweite;  das  gewöhnlich  an- 
gewandte Oculai'  giebt  eine  5,7fache  Vergrösseruug;  die 
Mikrometerschraube   ist   so   eingerichtet,    dass    man   nahe 


246  Die  Spectralanalyse. 

'  1800  ^^  Interyalls  zwischen  den  beiden  Linien  A  und  H 
des  Sonnenspectrums  mit  Sicherheit  messen  kann. 

Das  Licht  der  irdischen  Stoffe,  deren  Spectra  mit  dem 
eines  Sterns  verglichen  werden  sollen,  wird  auf  folgende 
Weise  in  das  Spectroskop  gebracht 

Die  eine  Hälfte  des  Spalts  D  ist  mit  einem  kleinen 
Vergleichsprisma  e  bedeckt ;  diesem  gegenüber  ist  ein  Spie- 
gel F  (Fig.  106)  an  einem  mit  dem  Aequatorial  TT  ver- 
bundenen Rahmen  R  so  befestigt,  dass  man  ihn  leicht  nach 
allen  Seiten  drehen  kann.  Er  empfangt  das  Licht  der  im 
Inductionsfunken  glühenden  Substanzen,  die  von  einer-  auf 
gehärtetem  Kautschuk  sitzenden  Klemme  in  der  richtigen 
Lage  gehalten  werden,  und  reflectirt  es  durch  eine  im 
Tubus  TT  augebrachte  seitliche  OeflFnung  in  das  Lauere 
des  Rohi-s  gerade  auf  das  Vergleichsprisma  e.  Während 
daher  das  Licht  des  Sterns  durch  die  eine  Hälfte  des 
Spalts  dringt,  geht  das  der  irdischen  Stoffe  durch  die  an- 
dere Hälfte,  und  es  entstehen  im  Femrohre  p  gleichzeitig 
zwei  Spectm  so  über  einander,  dass  man  das  Coincidiren 
oder  die  gegenseitige  Lage  der  dunklen  Linien  des  Sterns 
und  der  hellen  Linien  des  irdischen  Stoffes  genau  beob- 
achten kann. 

Secchi  bediente  sich  bei  seinen  Untersuchungen  über 
die  Sternspectra  vorzugsweise  eines  einfachen  Spectroskops 
ä  Vision  directe^  weil  ein  Winkelspectroskop  während  der 
Bewegung  des  Aequatorials,  mit  welchem  es  verbunden  ist, 
leicht  das  Gleichgewicht  des  ganzen  Systems  stört  und  es 
dann  nicht  mehr  dem  Gange  des  Uhrwerks  inihig  und 
sicher  folgt 

In  Fig.  107  ist  das  SECCHi'sche  Spectroskop  ohne  das 
Aequatorial  abgebildet.  MN  ist  das  Hauptrohr,  welches 
bei  M  ein  Schraubengewinde  hat,    mit  welchem  es  in  das 


Sternspectroskope. 


247 


offene  Ocularrohr  G  des  Aequatorials  eingeschraubt  wird. 
Mit  diesem  Rohre  ist  ein  dreieckiger  Arm  QBC  fest  ver- 
bunden, auf  dessen  eingetheiltem  Kreisbogen  CB  sich  das 
Fernrohr  Q  0  mit  Hülfe  einer  feinen  Mikrometerschraube  n 
behufs  Messung  der  Spectrallinien  um  den  Zapfen  d 
drehen  lässt. 

E  ist  eine  achromatische  Cylinderlinse,   die   sich   mit 
ihrer  Achse  senkrecht  oder  parallel  zum  Spalt  stellen  lässt; 


Rternspectroskop  von  P.  Secchi. 

e  der  Spalt  selbst  und  s  ein  kleines  unter  45"  gegen  den 
Spalt  geneigtes  Spiegelchen,  dessen  obere  Hälfte  unbelegt 
ist  und  das  Licht  des  Sterns  unbehindert  durchlässt, 
dessen  andere  Hälfte  aber  spiegelnd  wirkt  und  das  Licht 
der  seitwärts  bei  L  entstehenden  elektrischen  Funken  und 
der  darin  glühenden  Stoffe  nach  der  unteren  Spalthälfte 
reflectirt. 

KK  sind   zwei   achromatische   Linsen,    die,   weil   ihr 
combinirter  Brennpunkt  im  Spalte   liegt,   als  Collimatoren 


248  Die  Spectralanalyse. 

wirken  und  die  von  dem  Spalte  ausgehenden  Lichtstrahlen 
in  paralleler  Richtung  auf  das  Prismensystem  werfen. 

p  q  p  4 t"  s^^  ^^  JANSSEN-HoFMANN'sche  Prismen 
ä  Vision  directe,  welche  die  prismatischen  Strahlen  in  der 
Richtung  öd  in  das  Beobachtungsrohr  Q  0  werfen,  so  dass 
die  Achse  des  Aequatorials  direct  auf  den  Stern  gerichtet 
werden  kann. 

RI  endlich  ist  ein  seitlicher  Collimator;  in  dem 
Brennpunkte  seiner  Linse  R  liisst  sich  mit  Hülfe  einer 
sehr  feinen  Mikrometei*schraube  F*  ein  Metallplättchen  T 
hin  und  her  bewegen,  welches  nur  einen  einzigen,  aber 
äussei-st  feinen  Spalt  hat  Durch  diesen  Spalt  fällt  das 
Licht  einer  bei  /  in  einem  Gehäuse  eingeschlossenen  Lampe 
und  bildet  so  im  Innern  des  Rohres  RI  eine  sehr  feine 
Lichtlinie,  die  an  der  Vorderfläche  des  ersten  Prismas  p 
reflectirt  in  das  Femrohr  Q,0  gelangt  und  dem  Beobachter 
bei  der  Untersuchung  der  relativen  Lage  der  Spectrallinien 
als  Marke  dient 

Um  bei  lichtstarken  Fernrohren,  welche  eine  grössere 
Üisi)ersion  zulassen,  auch  die  feineren  dunklen  Linien  in 
den  Spectren  w^ahrnehmen  und  mit  den  Linien  irdischer 
Stoffe  vergleichen  zu  können,  haben  Secchi  und  Hügöins 
Api)arate  construii-t,  welche  aus  einzelnen  Prismen  und 
Prismensystemen  zusammengesetzt  sind. 

Fig.  108  zeigt  das  zusammengesetzte  Spectroskop  von 
Secchi  ohne  das  Aequatorial.  Vermittels  der  Schraube  00' 
wird  das  Instrument  in  das  Ocularrohr  des  Refractors  ein- 
geschraubt; bei  K  befindet  sich,  wie  vorhin,  eine  Cylinder- 
linse,  welche  das  als  Punkt  erscheinende  Lichtbild  der 
Sterne  zu  einer  feinen  Lichtlinie  ausdehnt  und  diese  Linie 
genau  in  die  Spaltöffnung  bringt  F  der  Spalt,  zur  Hälfte 
mit  einem  Vergleichsprisnia  p  bedeckt;   B  die  Collimator- 


250 


Die  Spectralanalyse. 


sich  durch  eine  Mikrometerschraube  M  bewegen  und  wird 
beim  Gebrauche  des  Instrumentes,  wie  gewöhnlich,  durch 
eine  Lampenflamme  erleuchtet;  das  Bild  der  Scala  fallt 
dann  durch  den  Reflex  an  der  Vorderseite  des  letzten 
Prismas  in  das  Beobachtungsrohr  0,  wo  das  Auge  mit 
dem   Spectrum   des   Sterns   zugleich    die   Theilstriche   der 


Das  grosse  TelPRpfrtro^kop  von  Hug-gins. 

Scalu    wahrnimmt.      A"   ist   eine    Zange   zum    Halten    der 
GEissLER'schen  Röhren. 

Das  grosse  zusammengesetzte  Telespectroskop  von 
Hü(i(}iNS  ist  in  /'V^y.  lOi^  abgebildet;  es  besteht  aus  zu?6i 
Frismensystemen  a  vision  directe,  jedes  zu  fünf  Prismen, 
und  drei  vorzüglichen  einzelnen  Prismen,  zwei  von  60^ 
und  eins  von  45^   im  Ganzen   also   aus  dreizehn  Prismen. 


SteruHpectroskope.  251 

Das  Spectroskop  wird  wie  gewöhnlich  in  den  Oculartubus 
TT  eines  mit  Uhrwerk  versehenen  Aequatorials  einge- 
schraubt; a  ist  der  Spalt,  der  mit  den  Einrichtungen  eines 
Vergleichsprismas  und  Funkenerzeugers  für  die  gleichzeitige 
Beobachtung  der  Spectra  eines  Sterns  und  der  irdischen 
StoflFe  versehen  ist;  b  ist  die  achromatische  Collimatorlinse 
von  4,5  Zoll  Brennweite,  welche  die  durch  den  Spalt  ein- 
tretenden Strahlen  parallel  macht  Das  Licht  wird  zuerst 
durch  das  Prismensystem  d  zerlegt,  dai*auf  nach  der  Reihe 
durch  die  drei  Prismen  /,  g  von  60^  und  h  von  45^  weiter 
zerstreut  und  in  den  einzelnen  farbigen  Strahlen  weiter 
auseinander  getrieben,  passirt  dann  nochmals  ein  gerad- 
liniges Prismensystem  e  und  gelangt  dann  ei^t  zu  dem 
Objectiv  des  Beobachtungsfenirohrs  c.  Das  letztere  Pris- 
mensystem e  befindet  sich  in  einem  Rohre,  das  mit  dem 
Femrohre  c  fest  verbunden  ist;  mit  Hülfe  einer  Mikro- 
meterschraube lässt  sich  das  Fernrohr  auf  jeden  Theil 
des  Spectrums  richten. 

Die  Prismen  e  können  nach  Belieben  eingesetzt  oder 
entfernt  werden,  wodurch  das  Instrument  sich  innerhalb 
der  Grenzen  einer  Zerstreuungskraft  von  4'  .>  bis  zu  6'/2 
Prismen  von  60^  verwenden  lässt.  Die  Möglichkeit,  die 
Zerstreuungskraft  des  Spectroskops  zu  verkleinern,  erweist 
sich  als  sehr  vortheilhaft  bei  der  Beobachtung  von  licht- 
schwachen Objecten  und  in  Nächten,  wenn  die  atmosphä- 
rischen Verhältnisse  ungünstig  sind. 

Die  Vorzüglichkeit  der  Prismen  und  des  ganzen  In- 
strumentes giebt  sich  an  der  grossen  Reinheit  und  Schärfe 
zu  erkennen,  mit  welcher  selbst  bei  der  grössten  Ver- 
grösserung  auch  die  feinsten  Linien  im  Spectrum  unter- 
schieden werden  können,  wenn  Metalle  in  dem  elektrischen 
Funken  verflüchtigt  werden. 


Der  5tera^i«i.-tralai^t&nt  der  BoÜicamper  Sternwarte, 
(i^a  S^'Hft■jDEs  verfertigte  und  mit  dem  Vogel  imd  Ikihse 
Zahlreich«  and  eenaae  Beobachtungen  angestellt  haben,  ist 
in  f'itf.  HO  där^estelh.  Da  iiDtere  Theil  des  Fernrohrs  A 
ist  dorrh  eine  EtsenpUne  B  geschlossen,  die  bei  C  eine 
7.6  cm  Veite  kreiänmde  Oeffnong  haL  Anf  diese  Platte 
wird  der  Spectr^ppant  mineb  der  -ria  Schrauben  l,i,Z,i 
betWtiÄt  Die  vier  Träger  n  dnd  mit  der  cylindrischen 
Hälse  fj.  ausserdem  aber  mit  der  Scheibe  c  verbunden,  wo- 


durch der  Appantt  eine  sehr  grosse  Stabihtät  erhält 
Das  cTliudri^he  Rohr  li  ist  in  der  Scheibe  e  und  in  dem 
Cylinder  f>  geführt;  an  demselben  ist  ein  Zeiger  e  ange- 
s^-hraubt,  der  über  einem  auf  der  Scheibe  c  angebrachten 
Theilkreii«  spielt.  Die  Drehung  des  Rohres  H  lässt  sich 
bis  auf  etwa  '  ,<*  genau  ud  dem  in  Grade  getheilten,  14  cm 
im  Durchmesser  haltenden  Kreise  iiblesen.  An  dem  einen 
Knde  dos  Rohres  il  befindet  sich  der  Spalt  /,  dessen  Stahl- 
])lutten  durch  eine  Mikrometerschraube  von  geringer  Nei- 
gung g^eu  einander  verstellt  werden  können.   Die  Hülse  g 


Stemspectrofikope.  258 

ist  zur  Aufnahme  der  Cylinderlinse  bestimmt.  Am  andern 
Ende  des  Rohres  d  ist  eine  mit  einer  runden  Oeflfhung 
▼ersehene  Platte  h  aufgeschraubt,  welche  zwei  Metallwürfel 
trägt  (in  der  Figur  ist  nur  einer  sichtbar),  in  welchen  die 
Drehungsachse  der  Platte  l  und  damit  auch  des  Fem- 
rohrs m  gelagert  ist  Die  Platte  l  trägt  an  einem  Ende 
die  Mutter  einer  Mikrometerschraube  A:,  durch  deren  Be- 
wegung die  Platte  l  gegen  h  hin  und  her  geneigt  werden 
kann.  Das  abgerundete  Ende  der  Mikrometerschraube 
wird  zu  dem  Zwecke  gegen  ein  an  der  Platte  ä  befind- 
liches polirtes  Stahlstück  durch  eine  starke  Spiralfeder 
gepresst,  welche  um  den  Bolzen  i  geschlungen  ist.  Die 
ganzen  Umdrehungen  der  Schraube  werden  au  dem  Grad- 
bogen «,  die  Bruchtheile  der  Umdrehungen  aber  an  dem 
getheilten  Kopf  der  Schraube  mit  Hülfe  des  Index  o  ab- 
gelesen. Im  Rohre  d  befindet  sich  die  Collimatorlinse  von 
22  mm  Oeffnung  und  230  mm  Brennweite,  femer  fünf 
Prismen  ä  vision  directe,  20  mm  hoch,  mit  90^  brechen- 
dem Winkel.  Das  Objectiv  des  Fernrohrs  hat  gleiche 
Grösse  und  Brennweite  mit  der  Collimatorlinse.  Die  zum 
Femrohr  gehörenden  Oculare  geben  eine  4,5-  resp.  9fache 
Vergrösserung.  Zum  Spectralapparat  gehören  noch  zwei 
Cylinderlinsen,  von  denen  die  eine  convex,  die  andere  con- 
cav  ist  Sie  werden  vor  dem  Spalt  in  der  Hülse  g  ange- 
bracht Die  Leistungen  des  Apparates  in  optischer  Be- 
ziehung lassen  nach  Prof.  Vogel  nichts  zu  wünschen  übrig. 
Die  Linien  erscheinen  mit  ausserordentlicher  Schärfe,  und 
sind  mit  der  neunfachen  Vergrösserung  selbst  die  zartesten 
Linien,  welche  Angstrüm  in  seinem  Sonnenspectrum  ver- 
zeichnet hat,  zu  erkennen. 

Hervorzuheben  ist  noch,  dass  Schröder  bei  Construction 
des  Apparates  besondere  Rücksicht  darauf  genommen  hat, 


254 


Die  Spectrnlanalyse. 


dass  die  vom  Objectiv  des  grossen  Teleskops  kommenden 
Strahlen  vollkommen  ausgenutzt  werden,  und  die  Grösse 
der  CoUimatorlinse  des  Spectralapparates  nach  der  Grösse 
des  vom  Objectiv  kommenden  Strahlenkegels  bemessen  ist, 
ein  Umstand,  der  wohl  häufig  bei  der  Construction  von 
Spectralapparaten  für  grössere  Femrohre  vernachlässigt  wird. 
In  den  meisten  Fällen  und  bei  Anwendung  kleiner 
Refractoren  muss  die  Dispersion  des  Sternenlichtes  in 
engeren  Grenzen  bleiben,  als  es  bei  den  eben  beschriebenen 
Instrumenten  der  Fall  ist  Das  zur  Beobachtung  der 
Sonnen-Protuberanzen  construirte   geradlinige  Spectroskop 

Fig.  111. 


EinfacheH  und  zusaiDiucn^^eButztca  Sprcrroskop  von  .^.  Merx. 

von  Merz  empfiehlt  sich  auch  für  die  Sterne  eben  so 
sehr  durch  die  Leichtigkeit  seiner  Handhabung,  wie  durch 
seine  vorzüglichen  Leistungen.  Dasselbe  wird  nach  ab- 
genommenem Ocular  auf  die  verschiebbare  Fassung  des 
letztern  an  das  Femrohr  geschraubt  und  die  Cylinder- 
linse  Lj  welche  bei  den  Protuberanzbeobachtungen  ent- 
fernt wird,  so  gestellt,  dass  die  von  dem  Stembilde,  einem 
Lichtpunkte,  erzeugte  Lichthnie  genau  in  die  Oeflfnung 
des  Spalts  ss  fallt.  Da  die  Entfernung  zwischen  L  und  s 
unveränderlich  ist,  so  wird  die  scharfe  Einstellung  der 
Lichtlinie  in  die  Spaltöfihung  durch  Vor-  und  Zurück- 
schrauben des   ganzen  Spectroskops,   resp.  durch  Annähe- 


SttTiispertroskopc.  255 

rung  und  Eutfernuug  der  Linse  L  gegen  das  Sternbild, 
zuwege  gebracht.  Bei  der  Beobachtung  der  Sternspectra 
lässt  sich,  wenn  die  Lichtstärke  des  Sternbildes  dieses  ge- 
stattet, die  Dispersionskraft  des  Instrumentes  durch  Ein- 
schrauben eines  zweiten  Prismensystems  verdoppeln,  ohne 
den  Vortheil  des  directen  Sehens  zu  opfern.  Letzteres  lässt 
sich  auch  allein  als  ganz  einfaches  Sternspectroskop,  das 
sich  besonders  für  schwächere  Fernröhre  eignet,  gebrauchen. 
Dasselbe  ist  in  Fig,  112  abgebildet  und  besteht  aus 
einem  fiinftheiligen  Prismensystem  P  ä  vision  directe  von 
einer  Dispersionskraft  von  b®  von  D  bis  //,  einer  verstell- 
baren Cylinderlinse  L  und  einem  positiven  Ocular  0. 
Es  ist  so  eingerichtet,  dass 
sich    die    Prismen    von    der  ^^^-  ^^-• 

Linse  L  und  dem  Ocular  0 
leicht  trennen  und  in  das  mit 
Spalt  versehene  grössere  Spec- 

trOskop  (Fig.  111)  zwischen  die  j,.„f^^,,^^  Spcctroskop  von  Morx. 

Collimatorlinse  C  und  dessen 

Prismensystem  einsetzen  lassen.  Beide  Instrumente  (Fig,  111 
und  Fig,  112)  zusammen  geben  dalier  ein  für  alle  Beob- 
achtungen der  Himmelskörper  sehr  geeignetes  Universal- 
Oc  ula  rsjpect  roskop . 

Einen  ähnlichen,  dabei  compendiösen  und  billigen 
Stemspectralapparat  liefert  die  optische  Anstalt  von  Rein- 
FEiiDEB  &  Hertel  in  München.  Derselbe  besitzt  je  nach 
der  Grösse  Fernrohre  von  6'"  bis  12'"  Oeffuung,  einen  ver- 
stellbaren Spalt  und  Cylinderlinse;  seine  Wirkung  ist  eine 
ausgezeichnete. 

Selbst  das  kleine,  bei  eingestecktem  Prismeurohr  nur 
82  nmi  lange  Miniaturspectroskop  von  J.  Brownin«  giebt 
recht  schöne  Spectra  der  helleren   Sterne,   in  denen  die 


256  Die  SpectralanalyM. 

stärkeren  dunklen  Linien  mit  völliger  Bestimmtheit  erkennbar 
sind ;  seine  innere  Einrichtung  ist  aus  Fig,  IIS  ersichtbar. 
Um  dasselbe  für  Stembeobachtungen  zu  gebrauchen, 
wird  der  Spalt  beseitigt  und  das  Collimatorrohr  0  an  die 
Stelle  des  Oculars  in  das  auf  den  Stern  gerichtete  Femrohr 
eingeschraubt.  Durch  Verschieben  des  Spectroskops  lässt 
sich  dasselbe  leicht  so  einstellen,  dass  das  optische  Bild  des 
Sterns  mit  dem  Brennpunkte  der  Linse  C  zusammenfällt, 
die  durch  C  hindurchgehenden  Strahlen  also  das  Prismen- 
system P  in  paralleler  Richtung  treffen  und  der  Beobachter, 
durch  ^>  sehend,  ein  scharfes  Linienspectrum  des  Stenis 
wahrninmit.    Hält  man  nun  eine  passende  Cylinderlinse,  die 

Fig.  113. 


J.  Browning'«  MiniaturspccfroBkop. 

Achse  senkrecht  zu  der  brechenden  Kante  des  Prismen- 
systems, zwischen  die  Ocularöffnung  0  und  das  Auge,  so  er- 
hält man  das  erbreiterte  Spectrum  des  Sterns,  in  welchem 
bei  scharfer  Einstellung  die  dunklen  Linien  sichtbar  sind. 
Geh.  Rath  L.  Camphausen  hat  sich  zuerst  und  mit  Vor- 
theil  auch  für  lichtschwache  Sterne  eines  Sternspectroskops 
bedient,  das  aus  einer  sphärischen  Linse  von  kurzer 
Brennweite  besteht,  der  ein  Satz  kleiner  Prismen  mit 
gerader  Durchsicht  und  darauf  eine  leicht  einzuschiebende 
oder  zu  entfernende  cylindrische  Linse  folgt.  Die  den 
Prismen  voraufstehende  Sammellinse  wird  dem  vom  Objectiv 
des  Fernrohrs  erzeugten  Stembilde  so  weit  genähert,  dass 
letzteres  sich  innerhalb   der   Brennweite   der  Sammellinse 


8  lenupectraalioiw. 


257 


befindet.  Es  entstellt  so  in  deutlicher  Sehweite  ein  vir- 
tuelles Bild  des  Sterns,  welches  durch  die  Prismen  in  ein 
fadeDförmiges  Spectrum  verwandelt  und  ohne  Ocular,  ledig- 
lich durch  die  dasselbe  er  breiterüde  CyUnderhuse  be- 
trachtet wird.     Die   Wirkung  dieses   Spectro3koj)B  ist   so 


Fig.   II. 


□ 


beträchtlich,  dass  Vooel  davon  über- 
rascht wurde  und  dem  Instrumente  eine 
Umgestaltung  gab,  welche  es  ermög- 
licht, auch  Messungen  damit  auszufüh- 
ren. In  der  Hülse  B  (Fig.  114)  siuil 
<lie  Prismen  P  befestigt,  am  untern 
Ende  derselben  betindet  sich  eine  sphä- 
rische Linse  i,  am  andern  eine  cylin- 
drische  Linse  n.  Am  obern  Ende  der 
Hülse  5,  der  EndHiiclie  der  Prismen 
gegenüber,  mündet  eine  Hülse  C  ein, 
welche  durch  eine  schwache  sphärische 
Linse  c  verschlossen  ist.  Ueber  C  verschiebt  sich  eine 
Hülse  D,  die  an  ihrem  einen  Ende  entweder  einen  Spalt 
oder  eine  auf  Glas  photographirte  Scala  S  trägt.  A  ist 
eine  federnde  Hülse,  in  der  sich  B  verschieben  lässt.  sie 
trägt  ein  Gewinde  w,  durch  welches  sie  an  Stelle  des 
Oculars  am  Fernrohr  befestjgt  werden  kann. 

SduUa,  BpectnlualJ-ic.  II.  17 


258  Die  SpectralnnalyKe. 

Eutfernt  mau  die  Cylinderliuse  a,  so  kann  man  durch 
Verschiebung  von  B  in  der  Hülse  A,  wenn  sich  das  Auge 
am  Ende  der  Röhre  ^  bei  0  befindet,  ein  deutliches 
Spectrum  von  dem  im  Brennpunkte  des  Femrohrs  ent- 
stehenden Bilde  erhalten.  Dieses  Spectrum  wird  nun, 
weun  das  Object  ein  Stern  ist,  überaus  schmal  sein.  Ver- 
mittels der  Cylinderliuse  a  lässt  sich  dieses  schmale  Spec- 
trimi  auf  zweierlei  Weise  in  ein  Band  verbreitem,  einmal 
indem  man  die  Achse  (die  Cylinderachse,  nicht  die  optische) 
der  Cylinderliuse  senkrecht,  ein  andermal  parallel  zu  den 
brechenden  Kanten  der  Prismen  stellt.  Im  ersten  Falle 
würde  man  die  Hülse  B  (von  der  vorhin  gedachten  Ein- 
stellung ohne  Cylinderliuse  ausgehend)  etwas  weiter  aus- 
zuziehen, im  andern  Falle  etwas  weiter  einzuschieben 
haben,  um  ein  Spectrum  zu  erhalten,  in  dem  die  Linien 
scharf  erscheinen.  Die  Bilder  sind,  wie  durch  Versuche 
gefunden  wurde,  am  besten,  wenn  die  cylindrische  Achse 
der  Linse  parallel  zu  der  brechenden  Kante  der  Prismen 
gelegen  ist.  Für  die  Anwendung  des  Apparates  als  blosses 
Spectroskop  wäre  es  gleichgültig,  welcher  Stellung  der 
Cylinderliuse  man  den  Vorzug  giebt,  soll  der  Apparat 
jeiloch  zur  Messung  dienen,  so  ist  nur  die  letzterwähnte 
Stellung  der  Achse  zulässig.  Professor  Vogel  giebt  eine 
Kegel,  um  die  Cylinderliuse  auf  leichte  Weise  richtig  zu 
stellen.  Man  verschiebe  die  Hülse  B  so  lange,  bis  man 
ohne  Cylinderliuse  ein  möglichst  schmales,  scharfes  Spec- 
trum erhält,  dann  setze  man  die  Linse  vor  und  drehe  sie, 
bis  sie  das  fadenfiirmige  Spectrum  in  keiner  Weise  ver- 
breitert, dies  ist  die  richtige  Stellung  und  man  braucht 
nur  die  Hülse  B  etwas  einzuschieben,  um  ein  allmählich 
siih  verbreiterndes  Spectrum,  in  dem  man  Linien  oder 
lUuiden  bald  erkennen  wird,  zu  erhalten.     Wie   weit  mau 


Slterngpectroskope. 


259 


(las  Rohr  B  einzuschieben  oder  die  Linse  b  dem  Brenn- 
punkte zu  nähern  hat,  um  die  Linien  im  Spectrum  mög- 
lichst scharf  zu  sehen,  hängt  natürlich  von  der  Brenn- 
weite der  Linsen  b  und  a,  aber  auch  viel  vom  Auge  des 
Beobachters  ab. 

um  Messungen  an  den  Linien  in  den  Spectren  aus- 
zufuhren, kann  man  bei  stillstehendem  Fernrohre  die  Ent- 
fernungen der  einzelnen  Banden  durch  Rectascensions- 
differenzen  bestimmen.  Als  Marke  dient  der  Spalt  5,  der 
durch  eine  davorgehaltene  Lampe  erleuchtet  wird.  Damit 
das  Licht  dieser  Lampe 
das  in  0  befindliche  Auge  ^'^^-  ^^'^• 

des  Beobachters  nicht  trifft, 
ist  der  Schirm  ««an  der 
Hülse  D  befestigt.  Die 
liinse  c  hat  nur  den- Zweck, 
die  deutliche  Sehweite  noch 
mehr  zu  verkürzen,  damit 
das  seitliche  Rohr  nicht  zu 
lang  wird.  Für  Fernrohre 
mit  Uhrwerk  benutzt  man 

statt  des  Spalts  eine  helle  Scala,  die,  wenn  sie  mit  einer 
Lampe  erleuchtet  wird,  gleichzeitig  mit  dem  Sternspectrum 
sichtbar  ist. 

Ein  sehr  lichtstarkes  und  handliches  Instrument  ist 
das  von  Zöllner  construirte  Ocular-Sternspectroskop.  Die 
Fig,  llö  zeigt  dasselbe  im  Durchschnitt.  Es  besteht  aus 
einem  kleinen  Prisma  mit  gerader  Durchsicht,  welches  in 
einer  Hülse  CD  befestigt  ist  Diese  letztere  ist  in  einer 
zweiten  Hülse  AB  beweglich,  welche  auf  den  Ocularkopf 
aufgesetzt  werden  kann  und  eine  Cylinderlinse  von  etwa 
100  mm  Brennweite  enthält.     Oj  und  Oj   sind  die  beiden 


0, 


Zöllner's  Oculsr-Strrnspeotroskop. 


17 


7* 


260  Die  Spectralanalyse. 

Linsen  des  Oculars  und  gehören  also  nicht  mehr  zum 
Spectroskop.  Soll  mit  dem  Instrumente  das  Spectnim 
eines  Sterns  beobachtet  werden,  so  wird  zunächst  die 
Hülse  CD  mit  dem  Prisma  entfernt  und  das  Ocular  so 
eingestellt,  dass  dem  in  0  befindlichen  Auge  eine  scharfe 
Lichtlinie  erscheint  Eis  ist  dabei  wesentlich,  dass  sich 
das  Auge  ungefähr  in  derselben  Entfernung  von  der 
Linse  L  befinde  wie  bei  Anwendung  des  Prismas.  Hierauf 
wird    die    Hülse   CD   so    eingesetzt,    dass   die    brechende 

Kante  des  Prismas  wie  gewöhnlich 
^'i|?-  11^-  parallel  der  Lichtlinie  liegt  und 

somit  das  Spectrum  seine  grösste 
Breite    erhält      Die    Lichtstärke 
M   dieses  Spectroskops  ist  sehr  be- 
deutend. 

Das  ZöiiLNEB'sche  Ocularspec- 
troskop  ist  wegen  seiner  Hand- 
Uchkeit  und  Lichtstärke  ein  sehr 
praktisches  Instrument,  allein  es 
hat  den  Nachtheil,  dass  man  keine 
mit  vorriohtun^'  zum  Messen.      Mcssungcn  damit  ausfuliren  kann 

und  es  auch  für  Objecte  von 
grösserer  Dimension  nicht  anwendbar  ist.  Diesen  Uebel- 
ständen  hat  Prof.  Vogel  durch  eine  einfache  Vorrichtung 
abgeholfen.  In  die  Hülse  eines  nicht  zu  stark  vergrössernden 
()iulai*s  (tigg-  110'  und  117)  wird  ein  Ring  w  eingesetzt, 
auf  welchem  ein  schmaler  Steg  befestigt  ist  Auf  demsel- 
ben sind  in  der  Mitte  die  Spaltbacken  *  und  s'  befestigt, 
so,  dass  /  mittels  einer  feinen  Schraube  T  bewegt  werden, 
der  Spalt  also  mehr  oder  weniger  geöflfnet  werden  kann. 
I>as  Ocular  lässt  sich  durch  Hin-  und  Herbewegen  in  der 
Hülse  so  stellen,  dass  der  Spalt  sofort  erscheint    Da  der- 


Sternspectroskope. 


261 


Fig.  117. 


selbe  nur  einen  kleinen  Theil  des  Gesichtsfeldes  einnimmt, 
ist  der  Vortheil  der  leichten  Auffindung  des  zu  beobach- 
tenden Objects  nicht  geschmälert,  auch  lässt  sich  dasselbe 
mit  Leichtigkeit  in  den  Spalt  stellen.  Im  Falle  das  Object 
eine  Ausdehnung  hat  (Komet  oder  Nebel),  bleibt  nur  eine 
Lichtlinie  übrig,  indem  der  grösste  Theil  des  Objects  durch 
die  Spaltbacken  verdeckt  ist.  Diese  Lichtlinie  lässt  sich 
nun  leicht  durch  das  vorgesetzte  Ocular-Spectroskop,  von 
dem  man  vorher  die  Cylinderlinse  entfernt  hat  und  das 
denmach  nur  aus  einem  kleinen  Prismensatz  besteht,  ana- 
lysiren. 

Da  es  nöthig  ist,  die 
brechenden  Kanten  der  Pris- 
men parallel  zum  Spalt  zu 
stellen,  empfiehlt  es  sich, 
das  Spectroskop  so  mit  dem 
Oculai'  zu  verbinden,  duss  es 
nicht  aufgesteckt  oder  abge- 
zogen zu  werden  braucht, 
sondern    seitlich    um    eine 

Achse  X  bev^egt  und  weggedreht  werden  kann,  wenn  man 
zur  Aufsuchung  des  Objects  das  Ocular  ohne  Spalt  be- 
nutzen wilL  Die  richtige  Lage  vor  dem  Oculai*  ist  durch 
einen  Anschlagstift  fixirt.  Bei  dieser  Einrichtung  kann 
man  ein  für  allemal  die  brechende  Kante  der  Prismen 
parallel  zum  Spalte  stellen. 

Um  Messungen  auszuführen,  befindet  sich  in  dem 
Steg  bei  o  ein  Loch,  hinter  welchem  ein  kleines  Prisma 
angebracht  ist.  Durch  eine  dem  kleinen  Ilefiexionsprisma 
gegenüber  in  der  Hülse  befindliche  Oetfiiuiig  fällt  das 
Licht  einer  ausserhalb  befestigten  ÜEissLER'schen  Röhre 
auf  dieses   Prisma,    die   Oeffnung  o   wird   zur   Lichtquelle 


Ocular-SternspoctroMkoi) 
im  Durchschnitt. 


2U2  Die  Spectralanalyse. 

uud  lieben   dem  Spectnim   des   zu   beobachtenden  Objects 
ei-sclieiut  das  Vergleichäspectrum. 

Die  von  Professor  Vogel  getroffene  Abänderung  des 
ZöLLNEB^scben  Ocularspectroskops,  wonach  dieses  mit  der 
aufgesteckten  Cylinderlinse  um  die  Achse  x  seitwärts  be- 
w^t  werden  kann  und  dann  das  Object  direct  im  Oculare 
gesehen  wird,  ist  äusserst  praktisch.  Die  optische  Anstalt 
von  Reinfeldeb  &  H£HT£L  in  München  liefert  diese  Spec- 
troskope  in  ausgezeichneter  Ausfuhrung.  Ein  solches  an 
einem  ebenfalls  von  Kklxfeldeb  &  Hebtel  gelieferten 
sechszoliigen  Kefractor  augebracht,  giebt  ungemein  brülante 
Spectra,  die  an  Reinheit  und  Schärfe  der  Linien  nichts 
zu  wünschen  übrig  lassen. 

Ein  kleines  Universalspectroskop,  das  zur  Beobachtung 
der  Spectra  von  Fixsternen  und  Kometen  sehr  geeignet 
ist,  hat  "N.  VON  Künkoly  construirt  Dasselbe  ist  in 
Füj,  US  dargestellt.  E  ist  ein  Messingiing,  der  mittels 
eines  Gewindes  an  die  Ocularröhre  eines  Femrohrs  auge- 
schraubt wird.  Mit  ihm  wird  durch  einen  Verbiuduugs- 
stutzen  ein  zweiter  Ring  verschraubt,  welcher  die  zwei 
Spaltbacken  /  trägt,  wovon  der  eine  beweglich,  der  andere 
fest  ist.  Die  Verschiebmig  des  beweglichen  Spaltbackeus 
wird  duich  eine  Schi-aube  bewirkt,  g  ist  das  Vergleichs- 
prisma, das  einer  Oeffnung  am  Gestelle  qq  gegenüber 
steht;  dieses  Gestell  dient  zur  Aufnahme  GEisSLEB'scher 
liöhien,  die  durch  die  Feder  r  am  Apparate  festgehalten 
werden.  Auf  den  den  Spalt  tragenden  Ring  ist  das  Golli- 
niatorrohr  A  angeschraubt,  welches  wieder  mit  dem  Messing- 
stutzen d  verschraubt  ist  Im  CoUimatorrohre  bewegt  sich 
ein  zweites  Rolu*  i&,  in  welches  die  achromatische  CoUi- 
niatorlinse  eingeschraubt  ist.  Mittels  der  zwei  Griffe  aa 
liisbt  sich  dieses  Rolu*  verschieben,  um  den  Spalt  /  in  den 


Brennpunlct  bringen  zu  können.    Auf  dem  Messingstutzeu  d 
ist  endlich  eine  MessinglcspBel  B  angeschraubt,  welche  das 


An  diese  Kapsel  ist  das  Ocular- 


Phsma  C  einschliesst. 
diaphragma  h  durch 
vier  Schrauben  ii 
(wovon  bloss  zwei 
sichtbar  sind)  und 
dasSchraubenm  i  kro  - 
meter  D  mittels  der 
Schrauben  kk  be- 
festigt. 

Das  Prisma  sitzt 
auf  einem  kleinen 
Tischchen ,  dessen 
Zapfen  durch  den 
Boden  der  Kapsel 
hindurchgeht  und 
ausserhalb  einen 
kleinen  Hebel  auf- 
nimmt, der  sich  auf 
ihm  in  beliebiger 
Stellung  festklem- 
men lässt.  Dieser 
bat  rechts  und  links 
zweiAnschlagschrau- 
ben,  mit  denen  man 
ihm  und  durch  Fest- 
klemmen am  Zapfen 

des  Prismentiscbes  auch  dem  Prisma  bei  seiner  Einstellung 
auf  die  Minimalablenkung  die  nötliige  Feinbewegung  er- 
theilen  kann.  Auf  eine  automatische  Bewegung  durfte  man 
hier  um   so   mehr  verzichten,    als  ja   die  Dispersion   der 


264  Die  Spectralanalyse. 

Natur  der  Sache  nach  so  klein  ist,   dass  man  das  ganze 
Spectrum  auf  einmal  leicht  übersehen  kann. 

Ein  Fernrohr  besitzt  der  Apparat  nicht.  Bei  Beob- 
achtung der  Fixsterne  wird  aber  bei  h  an  Stelle  des  Dia- 
phragmas eine  Cylinderlinse  eingeschoben. 

Das  Oculardiaphragma  h  und  das  CoUimatorrohr  des 
Mikrometers  D  besitzen  zur  richtigen  Einstellung  eine  mit 
der  Kapsel  B  concentrische  Führung.  Um  dies  bequem 
und  sicher  zu  erreichen,  wurde  bei  der  Construction  der 
folgende  Weg  eingeschlagen.  Auf  der  eigentlichen  Kapsel- 
wandung, die  mit  dem  Boden  fest  verlöthet,  mit  dem 
Deckel  durch  drei  Schrauben  mit  randirtem  Kopfe  ver- 
einigt ist,  dreht  sich  aussen  in  je  einer  Nute  im  Boden 
und  im  Deckel  ein  weiteres  Rohr.  Beide  schliessen,  da 
sie  zusammengeschliflfen  wurden,  sehr  eng  an  einander  und 
können  durchaus  nicht  hin  und  her  schlottern.  Aus  dem 
weitern  Rohre  wurden  dann  an  drei  Stellen  breite  Streifen 
herausgeschnitten,  so  dass  nur  noch  drei  von  einander 
völlig  imabhängige  Cylindersegmente  übrig  blieben.  Auf 
eines  dieser  Cylindersegmente  ist  dann  das  CoUimatorrohr  A 
resp.  sein  Stutzen  d,  auf  das  andere  das  kleine  CoUimator- 
rohr des  Mikrometcrwerkes  D  und  auf  das  dritte  endlich 
das  Oculardiaphragma  h  befestigt.  AUe  sind  mit  je  vier 
Schrauben  an  den  Cylinder  B  angeschraubt,  jedoch  haben 
diese  Schrauben  ii  und  ä;ä;  in  den  Cylindersegmenten  läng- 
liche Oeffnungen,  um  den  an  ihnen  sitzenden  Theilen  eine 
begrenzte  Verschiebung  zu  gestatten. 

Behufs  Messung  der  Lage  einer  jeden  in  dem  Ocular- 
rohre  h  sichtbar  werdenden  Spectrallinie  ist  die  einge- 
theilte  Mikrometertrommel  l  angebracht.  Diese  sitzt  auf 
einer  Schraube,  welche,  wenn  man  sie  durch  den  Kopf  m 
in  Umdrehung  versetzt,   eine  im  Innern   des   flachen  Ge- 


8Urii8pectroHko|ic  266 

häuses  D  be&iidliche  und  mit  einer  Liuhtlinic  versehene 
Platte  verschiebt  Zur  Beleuchtung  der  Lichtlinie  dient 
ein  auf  dem  Stutzen  n  sitzender  Spiegel  /",  während  an- 
dererseits eine  durch  den  Ring  b»  verBchlebbare  biconvexe 
Länse  das  Bild  dieser  Lichtlinie  auf  der  dem  Ocular  A 
gegenüberliegenden  Seite  des  Prismas  erzeugt,  wie  dies  iu 
Bd.  I,  S.  354,  Fhi.  140  (vgl.  auch  Bd.  I,  S.  161,  Fi<j.  64b) 
näher  erläutert  ist.  Von  hier  aus 
wird  das  Bild  reflectirt  und  gelangt 
80  mit  dem  direct  gesehenen  Spec- 
tnim  gleichzeitig  ins  Auge  des  Beoh- 
achters. 

Dem  Apparate  wurde  noch  ein 
zweites  Flintglasprisma  mit  einem 
brechenden  Winkel  von  60*  beige- 
geben, um  dadurch  seine  Wirkung 
zu  erhöhen. 

Als  Hulfsapparut  ist  dem  Instru- 
mente noch  ein  kleines  ZöLLXER'scbes 
Oeularspectroskop  (Fig.  119)  hinzu- 
gefügt. Beim  Gebrauche  wird  das- 
selbe mit  dem  Gewinde  an  Stelle  des 
Ofulars  an  das  Instrument  ange- 
schraubt. Der  Ring  d  lässt  sich  von  A  (Fitß.  118)  abschrau- 
ben und  direct  in  den  Ocutarauszug  schrauben,  alsdann 
wird  eine  Oylinderlinse  in  k  eingeschoben,  um  das  Spectrum 
eines  Fixsterns  damit  breit«r  zu  machen.  Die  Cylinderlinse 
deformirt  den  hellen  Strich  des  Mikronietei's  durchaus  nicht, 
es  werden  bloss  seine  beiden  Enden  in  eine  Spitze  aus- 
laufen, was  sogar  die  Schärfe  der  Einstellung  erhöht.  Das 
vorstehend  beschriebene  Instrument  wird  in  sauberer  und 
vorzügUcher   Ausfnhrung    von    der   optischen   AnstaH  von 


266  Die  Spectralanalyse. 

Kabl  Fbitsch  in  Wien  geliefert  und  ist  besonders  den 
Freunden  der  spectroskopischen  Himmelsbeobachtung  warm 
zu  empfehlen. 

Endlich  müssen  wir  liier  noch  der  einfachsten  Spec- 
troskope  erwähnen,  welche  zu  verschiedenen  Zwecken  an- 
gewandt werden.  Huggins  benutzte  solche  Handspectro- 
nkojje  schon  längst,  um  die  Spectra  der  Sternschnuppen 
und  anderer  rasch  vorübergehender  Himmelserscheinungen 
zu  beobachten. 

Diese  von  John  Beowninü  construirten  Instrumente 
bestehen,  wie  Fig.  120  zeigt,  wesentlich  aus  einem  gerad- 
sichtigen Prisuiensystem  c  und  dem  Beobachtungsi'ohre  ah. 

Jb'iij.  120. 


Browning'B  Uandspectrobkop. 

Das  achromatische  Objectiv  a  hat  1,2  Zoll  im  Durchmesser 
und  eine  Brennweite  von  etwa  10  Zoll.  Das  Ocular  b 
besteht  aus  zwei  planconvexen  Linsen.  Da  ein  grosses 
Gesichtsfeld  sehr  wichtig  ist,  besonders  zum  Gebrauche  als 
Meteor-Spectroskop,  so  hat  die  dem  Objectiv  a  zugekehrte 
Ocularlinse  beinahe  einen  gleichen  Durchmesser  als  das 
Objectiv  a  selbst  und  ist  in  einem  verschiebbaren  Rohre 
befestigt,  um  den  Abstand  zwischen  den  beiden  Linsen 
des  Oculars  und  damit  die  Vergrösserung  des  Instrumentes 
innerhalb  gewisser  Grenzen  verändern  zu  können.  Das 
Prismensystem  besteht  aus  einem  Prisma  von  schwerem 
Fliutglase  und  zwei  Prismen  von  Crownglas. 

Das   Gesichtsfeld   dieser  Handspectroskope    umspannt 
am  Himmel  einen  Kaum  von  7^  Durchmesser;   das  Spec- 


Die  Spectra  des  Momles  nnd  der  Planeten.  207 

truiii  eines  hellen  Sterns  hat  eine  scheinbare  Länge  von 
3^  und  selbst  das  Spectrum  des  grossen  Nebelflecks  iin 
Orion  erscheint  als  zwei  helle  Linien  mit  schwachem  con- 
tinuirhchem  Spectrum. 

Um  die  Wirksamkeit  des  Instrumentes  als  Meteor- 
Spectroskop  zu  prüfen,  beobachtete  HuaaiKS  die  Spectra 
eines  Feuerwerks  aus  einer  Entfernung  von  ungefähr 
3  englischen  Meilen.  Die  hellen  Linien  der  in  dem 
Feuerwerk  glühenden  Metalle  waren  mit  grosser  Deut- 
lichkeit sichtbar  und  wiesen  darin  Natrium,  Magnesium, 
Strontium,  Kupfer  und  einige  andere  Metalle  mit  völ- 
liger Bestimmtheit  nach.  Ebenso  zeigte  dasselbe  einige 
FKAUNHOFEB'sche  Linien  in  dem  Spectrum  der  Spitze 
der  noch  sehr  feinen  Mondsichel,  sowie  die  dunklen 
Linien  in  den  Sternspectren.  Um  dem  Spectrum  eines 
Sterns,  das  in  dem  Instrumente  bloss  als  helle  Linie 
ei*scheint,  einige  Breite  zu  geben,  wird  noch  eine  kleine 
Cylinderlinse  unmittelbar  vor  dem  Auge  über  das  Ocular 
geschoben.  Da  das  Instrument  nicht  mit  einem  Spalte 
versehen  ist,  so  ist  es  nur  auf  helle  Gegenstände  von 
geringer  Grösse  anwendbai*  oder  auf  Objecte  von  solcher 
Entfernung,  dass  sie  nui*  eine  kleine  scheinbare  Grösse  haben. 

23.  Die  Spectra  des  Mondes  und  der  Planeten. 

Wenn  die  Planeten  und  deren  Monde  kein  eigenes  Licht 
ausstrahlen  und  nur  dadurch  leuchten,  dass  sie  das  Licht 
der  Sonne  rettectiren,  so  müssen  ihre  Spectra  dem  Sonnen- 
spectrum  gleich  sein,  und  etwaige  Unterschiede  können  nur 
daher  lühren,  dass  das  Sonnenlicht  bei  der  Reflexion  an  der 
Oberfläche  dieser  Himmelskörper  oder  bei  seinem  Durch- 
gange dui'ch  ihre  Atmosphäre  einige  Veränderungen  erleidet. 


2H8  Die  Spectralanalyse. 

Das  Spectrum  des  Mondes  fanden  Fraunhofer  (1823), 
Bbewster,  Gladstone  (1860),  Rütherfürd,  Huogins  und 
Miller,  sowie  Janssen  in  vollkommenster  üebereinstim- 
mung  mit  dem  der  Sonne.  Es  konnte  an  den  yerschie- 
denen,  der  Untersuchung  imterzogenen  Stellen  der  Mond- 
scheibe weder  in  Beziehung  auf  die  relative  Intensität, 
noch  auf  das  Hinzukommen  und  Verschwinden  von  Linien 
irgend  eine  Aenderung  in  den  dunklen  Linien  des  Spec- 
trums wahrgenommen  werden.  Es  muss  aus  dieser  Ab- 
wesenheit von  besonderen  Absorptionslinien  der  Schluss 
gezogen  werden,  dass  der  Mond  keine  Atmosphäre  hat, 
die  sich  in  unseren  gegenwärtigen  Spectroskopen  durch 
Absorptionslinien  bemerkbar  macht. 

Das  Spectrum  des  Mondes  während  einer  Verfinste- 
rung desselben  ist  am  23.  August  1877  auf  der  Stern- 
warte zu  Greenwich  beobachtet  worden.  Während  der 
Totalität,  als  der  Mond  in  der  bekannten  kupferröthlichen 
Farbe  glänzte,  sah  man  im  Gelb  einen  starken  Absorptions- 
streifen und  das  rothe  sowohl  als  das  blaue  Ende  des 
Spectrums  waren  scharf  abgeschnitten,  der  orangefarbene 
Theil  erschien  schwach.  Auf  den  ersten  Blick  schien  es, 
als  wenn  Gelb  und  Grün  das  ganze  sichtbare  Spectrum 
ausmachten.  Die  Wellenlänge  des  brechbaren  Endes  des 
starken  Absorptionsstreifens  war  im  Mittel  aus  neun  Messun- 
gen 5624  milliontel  Millimeter.  Als  die  Totalität  ihrem 
Ende  entgegenging,  wurde  der  Streifen  schmäler  und  wäh- 
rend der  partiellen  Phase  war  er  auf  eine  Linie  reducirt 
Der  Streifen  fällt  mit  der  atmosphärischen  Bande  ö  von 
Brewster  zusammen  und  es  unterliegt  keinem  Zweifel, 
dass  er  wirklich  der  Absorption  in  dichten,  wasserdampf- 
reichen  Schichten  unserer  Atmosphäre  seinen  Ursprung 
verdankt.     Das  Licht,   in   welchem  der  verfinsterte  Mond 


Die  Spectra  des  Mondes  und  der  Planeten.  269 

Bichtbar  wird,  ist  eben  durch  eine  dicke  Schicht  der 
irdischen  Atmosphäre  hindurchgezogen  und  verursacht  die 
kupferröthliche  Färbung  des  total  verfinsterten  Mondes. 

In  dem  Spectrum  der  Planeten  Merkur^  Venus^  Mara^ 
Jupiter  u.  s.  w.  erkennt  man  die  von  dem  Sonnenlichte 
herrührenden  FRAUNHOFEE'schen  Linien;  ausserdem  aber 
kommen  in  einigen  Spectren  Absorptionslinien  vor,  welche 
wir  als  Anzeichen  vom  Vorhandensein  einer  wasserdampf- 
haltigen  Atmosphäre  bereits  kennen  gelernt  haben.  Huggins 
hat  mittels  seiner,  später  (bei  den  Fixsternen)  näher  be- 
schriebenen photographischen  Methode  auch  die  Spectra 
der  Venus,  des  Mars  und  des  Jupiter  aufgenommen.  In 
den  besten  dieser  Photographien  kann  man  die  Fraün- 
HOFEK'schen  Linien  von  i  bis  aS  im  Ultraviolett  deutlich 
sehen  und  die  geringste  Abweichung  dieser  Linien  von 
dem  Spectrum  des  Tageslichtes  würde  man  sofort  erken- 
nen. Huggins  konnte  jedoch  weder  irgend  eine  Modi- 
fication  des  Sonnenlichtes  noch  irgend  welche  hinzutreten- 
den Absorptionslinien  erkennen. 

Das  Spectrum  des  Merkur  wurde  in  den  Jahren  1871 
bis  1873  wiederholt  von  Vogel  und  Lohse  auf  der  Both- 
camper  Sternwaite  beobachtet.  Es  stimmte  stets  vollkom- 
men mit  dem  Sonnenspectrum  überein,  bis  auf  zwei  Strei- 
fen, „welche  möglichen^eise  nicht  allein  durch  Absorption 
in  imserer  Atmosphäre,  sondern  auch  zum  Theil  durch 
eine  Absorption  der  Sonnenstrahlen  in  der  den  Merkur  um- 
gebenden gasartigen  Hülle  hervorgebracht  werden  mögen.** 
Vogel  bemerkt  jedoch  selbst,  dass,  so  lange  man,  wie  es 
bei  den  jetzigen  Hülfsmitteln  der  Fall  ist,  genöthigt  werde, 
den  Planeten  nach  Sonnenuntergang,  also  bei  tiefem  Stande 
zu  beobachten,  die  definitive  Entscheidung  dieser  Frage 
aufgeschoben  werden  müsse. 


270  Die  Spectralanalyse. 

Das  Spectnim  der  Venus  ist  von  Secchi,  TIiTGOiys 
und  Vogel  untersucht  worden.  Es  ist  nicht  wesentlich 
vom  Sonnenspectrum  verschieden,  doch  treten  nach  Vogel 
einige  feine  Streifen  darin  auf,  die  den  Linien  unserer 
Atmosphäre  gleichen  und  also  wahrscheinlich  dem  Wasser- 
dampfe zuzuschreiben  sind. 

Das  Spectrum  des  Mars  ist  auch  von  Secchi,  Huggixs, 
RuTHERFURD  uud  VoGEL  beobachtet  worden,  doch  sind 
des  Letztern  Untersuchungen  bei  weitem  die  genauesten. 
Hiernach  sind  in  diesem  Spectrum  zahlreiche  Linien  des 
Sonnenspectrums  wiederzuerkennen.  In  den  weniger  brech- 
baren Theilen  treten  einige  Streifen  auf,  die  dem  Sonnen- 
spectrum nicht  eigen  sind,  die  aber  mit  denen  im  Ab- 
sorptionsspectrum unserer  Atmosphäre  übereinstimmen;  es 
sind  dies  die  folgenden: 

WelleiilHnge 
milliontol  mm 

(387,7  Mitte  einor  breiten  dunklen  Bande,  nach  dem  Violett  scharf 
begrenzt.    (Tellurische  Linien  in  der  Nähe  von  B,) 

055,0  Mitte  eines  dunklen  Streifens.  (Tellnrische  Linien  in  der  Nähe 
von  C.) 

648.7  Mitte  eines  ziemlich  dunklen  Streifens.    (Tellnrische  Linien.) 
627,9     Mitte  eines  Streifens.    (Tellurische  Linieng^ppe   a  Anoström, 

C^  Brf.wstkr.) 

594.8  Matter  Streifen.!  •  u  t--  .  v  •  /,  x 
i-fv«  /.  ^r  .,  o.  .«  )  (Tellurischc  Lnnensvsteme  bei  D.) 
592,0     Matter  Streifen.)                                    *  ' 

'       [     Matte  Bande.     (Brkwstfr's  tellurische  Liniengmppc  B.) 

Hieraus  dürfte  nach  Vogel  mit  Bestimmtheit  hervor- 
gehen, dass  Mars  eine  Atmosphäre  besitzt,  deren  Zusam- 
mensetzung von  der  unsrigen  nicht  beträchtlich  abweicht, 
und  dass  vor  allem  diese  Atmosphäre  reich  an  Wasserdami)f 
sein  niuss.  Die  rothe  Färbung  des  Mars  scheint  einer 
mehr  allgemeinen  Absorption,  die  die  blauen  und  violetten 


Die  Sprdn.  Hot  Mnn.i-s  iin.l  .It  PI; 

Strahlen  in  der  Marsatmosphäre  eilei- 
(len.  zugeschrielien  werdeu  7.ü  niüaaeii, 
da  es  uichl  gelang,  abgesonderte  Ab- 
snrptionsstreifen  in  diesen  Tlieilen  des 
Spectruma  wahrzunehmen.  Im  rothen 
Theile  des  Spectrums,  zwisL-hen  den 
Linien  C  und  B,  sind  noch  Streifen 
vermuthet  worden  i?..  B.  ein  Streifen  bei 
661  millionte!  Millimeter  Wcllentiinge ), 
sie  würden  dem  Abaorptionsspectrmn  der 
Marsatm osphärc  eigen  sein,  wegen  grosser 
Lichtschwä«he  gelang  es  jedoch  nicht, 
ihre  Lage  mit  einiger  Sicherheit  zu 
fixiren." 

Von  den  Hanetoiden  sind  bisher  nur 
Vesta  nnd  Flora  von  Vogel  spectroskn- 
|)iseh  untersneht  worden.  Erstere  zeigte 
zwei  Streifen,  von  denen  einer  mit  der 
atmosph anstehen  Bunde  S  zusammenzu- 
fallen schien,  letztere  liess  im  Spectrum 
keine  Linien  erkennen. 

Das  Spectrum  des  Jupiter  wurde  zu- 
erst von  RuTHF.Ri'ORD,  darauf  von  Secchi, 
Hü(KHNB  und  Le  Suecb  beobnchtet,  am 
genauesten  sind  jedoch  auch  hier  die 
Messungen  Vooel's.  Dieses  Spectrum 
weicht  hiemach  dnrch  einige  Stroifeu, 
die  hauptsächlich  den  weniger  brechbaren 
Theilen  angehören  und  unter  denen  eine 
dunkle  Bande  im  Roth  (til7,t^5  milliontel 
Millimeter  Wellenlange)  auffallend  ist, 
vom  Sonnenspectrum  ab  (Flij.  121). 


272  Die  Spectralanaljie. 

Die  anderen  nicht  im  Sonnenspectrum  anzutreffenden 
Streifen  sind  folgende: 

Wellenlänge 
niilliontel  mm 

Or>G        Mitte  eines  breiten  dunklen  Streifens.   (Tellnrische  Linien  beiC.) 

O-li^-*)     Mitte  eines  breiten  dunklen  Streifens.    (Tellnrische  Linien.) 

♦)28        Schwacher  Streifen.    (Tellurische  Liniengruppe   C*  Brkwster, 

n   Anostböm.) 
594,')  j  Schwacher  Streifen.    (Tellnrische   Liniengruppen  in   der  Nihe 
592,0  I        von  D.) 

U^  I     Matter,  nach  dem  Violett  verwaschener  Streifen.    (Tellurischer 
570  I  Streifen  B  Brkwstrr.) 

521,^     Schwacher    Streifen.     (Auch    im    Absorptionsspectrum   unserer 

Atmosphäre  vcrmuthet.) 

1       [     Matter  Streifen.    (Tellurische  Linien.) 

Wiihrend  in  den  weniger  brechbaren  Theilen  des 
Planetenspectrums  einzelne  Banden  auftreten,  erleiden  nach 
Vogel  die  brechbaren  Theile  Blau  und  Violett  eine  mehr 
gleichförmige  Absorption.  „Die  den  Jupiter  umgebende 
Gashülle  übt,  wie  hieraus  hervorgeht,  auf  die  sie  durch- 
dringenden Sonnenstrahlen  eine  ähnliche  Wirkung  aus  wie 
unsere  Erdatmosphäre,  woraus  wir  auf  Wasserdampf  in 
der  Jupiteratmosphäre  zu  schliessen  berechtigt  sein  dürf- 
ten. Dem  Jupiterspectrum  eigen  ist  die  oben  erwähnte 
sehr  dunkle  Baude  im  Roth.  Ob  das  Auftreten  dieser 
Bande  durch  das  Vorhandensein  eines  blondem,  in  un- 
serer Atmosphäre  nicht  anzutreif enden  Stoffes  bedingt 
wird,  oder  ob  nur  das  Misch ungsverhältniss  der  Gase  ein 
anderes  ist  als  in  unserer  Atmosphäre,  muss  yorläufig  un- 
entschieden bleiben.  Es  wäre  sogar  möglich,  dass  bei 
gleichem  Mischungsverhältniss  und  nur  anderen  Tempera- 
tur- und  Druckverhältnissen,  die  ja  auf  dem  Jupiter  ge- 
geben sind,  das  Absorptionsspectrum  des  Gasgemisches  in 
der  angegebenen  Weise  verändert  werden  könnte. 


Die  Spectra  des  Monden  und  der  Planeten.  273 

Das  Spectrum  der  dunklen  Streifen,  die  man  auf  dem 
Jupiter  wahrnimmt,  ist,  wie  die  Beobachtungen  ergeben 
haben,  hauptsächlich  durch  die  sehr  starke  gleichmässige 
Absorption,  welche  die  blauen  und  violetten  Strahlen  er- 
leiden, charakterisirt  Es  treten  keine  neuen  Absorptions- 
streifen auf,  wohl  aber  lässt  sich  eine  Verbreiterung  und 
Verstärkung  derselben  beobachten,  als  Beweis  dafür,  dass 
die  dunklen  Theile  auf  dem  Jupiter  tiefer  gelegen  sind. 
Das  Sounenhcht  muss  hier  einen  grössern  Weg  durch 
die  Atmosphäre  zurücklegen  und  wird  infolge  dessen  eine 
stärkere  Veränderung  erleiden. 

Die  röthliche  Farbe  des  Planeten,  sowie  vor  allen 
Dingen  die  rothe  Farbe  der  dunkleren  Partien  auf  dem 
Jupiter  ist  aus  der  gleichförmigen  Absorption,  welche  die 
Atmosphäre  des  Planeten  auf  die  brechbaren  Strahlen  aus- 
übt, zu  erklären." 

Vogel  hat  auch  das  Spectrum  des  vieiten  Jupiter- 
mondes untersucht.  Es  war  sehr  schwach  und  der  rothe 
Theil  fehlte,  da  es  sich  nur  von  D  bis  halbwegs  zwi- 
schen F  und  G  erstreckte.  Ausser  einem  dunklen,  mit 
F  zusammenfallenden  Streifen  waren  noch  zwei  dunkle 
Partien  bei  567  und  527  miUiontel  Millimeter  Wellen- 
länge zu  erkennen.  Letzterer  Streifen  fiel  also  mit  E  zu- 
sammen. 

Die  Resultate  der  spectroskopischen  Untersuchimgen 
des  Saturn  fasst  Vogel  dahin  zusammen,  dass  die  hervor- 
ragendsten Linien  des  Sonnenspectrums  im  Spectrum  des 
Saturn  erkannt  werden.  „Nicht  in  Uebereinstimmung  mit 
dem  Sonnenspectrum  sind  einige  Banden,  vorzüglich  im 
Roth  und  Orange.  Diese  fallen  zusammen  mit  Linien- 
gruppen des  Absorptiousspectrums  unserer  Atmosphäre, 
mit   Ausnahme   einer   sehr  intensiven   Bande    im   Sonnen- 

SchHlen,  Si»ectralanalyse.  II.  18 


t>ic  Spi-i^trilaiiiil.tae. 

speL-trum,    deren    WeUetdänge   im 
Mittel     aus     den     an     mehreren 
Abendeu   angetitellten  Beobachtun- 
gen sich  zu  618.2  millioDtel  Milli- 
meter   ergeben    hat      Die   blauen 
und  violetten  Strahlen  erleiden  ein*- 
gleichmassige      Absoriiüon      beim 
Durchgange  durch  die  Atmosphäre 
des  Saturn,   ee   ist   dies  besonders 
t      aufTallend  im  Spectmm  des  dunk- 
'^j.      leren  Aequatorialgürtels.  Das  Spec- 
'     trum  des  Saturn  steht  ilemnacb  in 
I      vollster  Cehereiu^timniuiig  mit  dem 
'-      Jupiterspectrum. 
i  Abweicheud    ist   das   S] 

^       des  äalumringes,  in  welchem 
|-     charakteristische    Bande 
y      lehlt,    oder   wenigsteus    nur    gaii2 
^     schwach    angedeutet    ist.    woraus 
niau    schliessen    dürfte,    dass   den 
Ring    entweder    keine    oder 
Gasschicht  tob   nur  sehr  geri 
ilube  oder  Dichtigkeit  tungiebt,| 

l>as  Spectrum  des  Planeten 
nua  ist  zuerst  von  Secchi  unter- 
sucht worden.  Es  bat  nach  ihm 
zunächst  zwei  breite  schwarze  Strei- 
fen, einen,  m  (Fitf.  122),  im  Grüii- 
blitu,  aber  nicht  mit  der  i-'-Linie  coincidirend,  den  an- 
dern, tt.  im  Grün  nahe  bei  der  Linie  E,  In  einer  Uei- 
uen  tlutfemung  von  diesem  letztern  Streifen  Terschwindet 
das  Spectrum   vollständig    und  zeigt  eine   Lücke  qp    bis 


^em  ^^^1 

im    R^^^ 

gana 

ttraus 

den 

iuge^_ 


über  daa  Gelb  hinaus;  bloss 
wenig  Liebt. 

Es  ist  überaus  merkwürdig,  dass  HtJUUiNS  und  Votii'ii. 
diui  Urariiiaepectruin  ganz  anders  lauden  als  Secchi. 
lluodtxs  zeichnet  Jas  üranusspectrum  wie  in  Fig.  123. 
Das  untere  echniale  Spectnuu  ist  da»  der  Sonne,  das 
obere  das  des  Uranus;  im  erstem  finden  sich  noch  des 
nähern  Vergleiches  wegen  die  stärksten  Absorptions bände r 
dei"  lürdatmospbäre,   niunlich   das  Band  hinter  D  {brech- 


barer als  D)  und  die  ungefähr  in  der  Mitte  zwisclieu  C 
und  D  liegende  I.iniengruppe.  Die  unter  dem  Sonnen- 
spectruin  befindliche  Scala  giebt  die  Wellenlänge  in  niil- 
Uontel  Millimeter  an. 

Im  Spectruni  des  Uranus  fehlte  keine  Farbe  vom  Roth 
bei  C  bis  zum  Blau  hei  G,  obwohl  es  schwer  war,  hei 
dem  sehr  schwachen  Lichte  desselben  die  einzelnen  Fitrben- 
gruppen  genau  zu  unterscheiden.  Da  die  geringe  Licbt- 
intensitat  den  Beobachter  nöthigte,  den  Spalt  verhältniss- 
mässtg  weit  zu  öffnen,  so  waren  FRAüNBOFEB'sche  Linien 
nicht  bemerkbar,    dagegen   tratea   die  Absorptiousbänder, 


276  Die  Spectralanaljse. 

die  durch  den  Planeten  selbst  erzeugt  wurden,  so  kräftig 
herror,  dass  sich  ihre  Lage  mittels  des  Mikrometers  und 
durch  Vergleichung  mit  den  Spectren  irdischer  Stoffe, 
z.  B.  mit  StickstoflF  (N)  u.  s.  w.,  ziemlich  leicht  bestim- 
men liess. 

Die  Absorption  des  Uranus  auf  das  Sonnenlicht  zeigte 
sich  hauptsächlich  in  sechs  breiten  Bändern,  von  denen 
das  am  wenigsten  brechbare  einem  so  lichtschwachen  Theile 
des  Spectrums  angehörte,  dass  sich  seine  Lage  (in  der 
Figur  durch  eine  puuktirte  Linie  angedeutet)  nur  annähernd 
abschätzen  liess.  Die  Lage  der  fünf  anderen  Bänder  vnirde 
mehrere  Nächte  nach  einander  mikrometrisch  ermittelt 
Die  stärkste  Linie  entspiuch  einer  Wellenlänge  von  unge- 
fähr 544  milliontel  Millimeter,  während  das  Band  bei  572 
der  Scala  fast  eben  so  breit,  aber  nicht  ganz  so  dunkel  er- 
schien. Der  Streifen,  welcher  der  grössten  Brechbarkeit 
entsprach,  hatte  ganz  oder  doch  sehr  nahe  die  Lage  der 
Linie  F;  ein  Vergleich  mit  einer  GEissLEB'scheu  Wasser- 
stoftVöhre  ergab,  dass  dieses  Absorptionsband  mit  der  grün- 
blauen Linie  Hß  coincidirte. 

Die  mikrometrischen  Messungen  von  drei  Bändern 
Hessen  vermuthen,  dass  sie  dieselbe  Lage  hätten  wie  einige 
helle  Linien  des  Luftspectrums;  aber  ein  directer  Vergleich 
mit  dem  Spectrum  des  StickstofiFs  zeigte,  dass  das  Absorp- 
tionsband von  der  Wellenlänge  572  milliontel  Millimeter 
weniger  brechbar  ist  als  die  nahe  dabei  liegende  doppelte 
Linie  des  Stickstoffs;  die  beiden  Planetenbänder  bei  595 
und  618  der  Scala  waren  sehr  nahe  mit  hellen  Linien  des 
Luftspectrums  coincidirend. 

Da  das  Spectrum  des  Uranus  so  überaus  lichtschwach 
ist,  so  liess  sich  ein  sicheres  Resultat  in  dieser  Beziehung 
nicht  gewinnen,  doch  schien  es,  als  ob  sämmtliche  Streifen 


Die  Spcctra  dts  Moadb«  und  der  l'lmiulri 

^H 

^1 

weniger  brechbar  waren  als  die  Luftlinien. 

^H 

Ein   Vergleicli   des   Urauiisspectrums 

^H 

mit  dem  Spectrum  der  Kohlensäure  führU' 

^H 

zu  dem  Resultate,  dass  die  Absurptions- 

^^1 

händer   des  erstem   diesem   Gase   nicht 

^H 

^H 

an    der  Stelle   der   0-Linie,    nocli   der 

^^1 

Hauptlinieu,  welche  durch  die  Erdatmo- 

^^1 

sphäre  iu  dem  Sonnenspectrum  erzeugt 
werden,    finden   sich    in   dem  Spectrum 

H 

dieses  Planeten  Äbsorptionsbänder. 

i    m 

Vogel  fasst  seine  Untersuchungen  in 

folgender  Weise   zusammen:   ,,Im   Spec- 

i^^l 

trum   des  Uranus  (Fig.  124)   ist  es  in- 

folge grosser  Schwäche  nicht  möglich. 

FBAüNHOFEa'sdie   Linien    zu    erkennen, 

^^1 

die    Mitte   des   einen   Streifens  im  Pla- 

^H 

netenspectrum  (S)  stimmt  jedoch  inner- 

,_ 

^H 

halb   der  Grenzen   der  Genauigkeit  der 

^^1 

Messungen  mit  der  Linie  F  überein.    Es 

^^H 

sind  im  Spectrum  des  Uranus  die  Wellen- 

^^1 

längen    von    fünf   Streifen    mit    einiger 

^H 

Sicherheit  bestimmt  worden,  nämlich; 

^^^H 

ß   t;]8,0  mill.  mm   Dunkelst«  Stelle  eine«   breiten, 
nai'b  den  Rath  rerwHcbcnen 
SIreiftn.. 

^1 

50ii,0     „       ,      lUitle  eise»  Hchwachen  Streiru-n«. 

^^H 

r   itlSfi    „       ,      DunkeUto  SteUe   einer   breiten, 

^^1 

bejonilera  nach   Arm   Tiolrll 

^^^H 

venrnachenen  Rande. 

^^^^^H 

■1   .M2,5    .       .      Mitte  des   dunkelsten   Strdf.'i,« 

^^^^^^H 

im  Speclmm. 
3    \m,l     „       ,      Ukt«  liow  Stnifenii. 

J 

278  Die  Spectralftnalyie. 

Ferner  wurde  die  Wellenlänge  der  dunkelsten  Stelle 
eines  im  Roth  gelegenen  Streifens  zu  628  milliontel  Milli- 
meter gefunden,  wegen  der  viel  grösseren  Schwäche  des 
Spectrums  in  dem  Theile,  wo  dieser  Streifen  liegt,  ist 
aber  diese  Angabe  von  geringer  Sicherheit.  Dasselbe  gilt 
für  die  am  andern  Ende  des  Spectrums  gelegenen  Banden, 
für  deren  Endpunkte  (nach  dem  Violett)  die  Wellenlängen 
.  457  resp.  427  milliontel  Millimeter  gefunden  worden  sind. 
In  dem  mittlem  Theile  des  Spectrums  konnten  noch  an 
einigen  Beobachtungsabenden  Streifen  gesehen  werden, 
deren  Lage  sich  aber  nicht  mit  genügender  Sicherheit  an- 
geben Hess. 

Unzweifelhaft  sind  die  im  üranusspectrum  sichtbaren 
Banden  durch  Absorption  der  Sonnenstrahlen  in  der 
den  Planeten  umgebenden  Atmosphäre  entstanden;  welche 
Steife  jedoch  eine  solche  Absorption  herbeiführen,  lässt 
sich  nach  dem  jetzigen  Stande  der  Wissenschaft  nicht  an- 
geben. Es  scheint  erwähnenswerth,  dass  eine  der  Banden 
des  Uranusspectrums  (Wellenlänge  618)  mit  einer  solchen  in 
den  Spectren  des  Jupiter  und  Saturn  genau  zusammenfällt** 

Das  Spectrum  des  Neptun^  welches  ebenfalls  von 
P.  Secchi  untersucht  worden  ist,  zeigt  grosse  Aehnlichkeit 
mit  dem  des  Uranus.  Dasselbe  fand  auch  Vogel,  der 
acht  Streifen  darin  erkannte,  von  denen  die  drei  dunkel- 
sten genauer,  wie  folgt,  bestimmt  wurden: 

WeUonUnge 

5t)5,7  mill.  mm  Ende  eines  breiten  dunklen  Bandes. 

540,2     .        ^  Mitte  des  dunkelsten  Streifens. 

485,8     „        „  Dunkle,  etwas  verwaschene  Linie. 


Dritte  Abtheiliing. 


Anwendung  der  Spectmlanalyse  auf  die  Fixsterne. 


I 


üi 


24.  Das  Spectrum  der  Fixsterne. 

Der  Erste,  welcher  Fixsterne  spectroskopisch  untersuchte, 
war  Fraunhofeb,  der  in  seiner  wichtigen  Abhandlung 
(1814  und  1815)  übei*  die  dunklen  Linien  des  Sonnen- 
spectrums  erwähnt,  dass  er  auch  im  Spectrum  des  Su'ius 
dunkle  Streifen  erkannt  habe.  Später,  1823,  theilte  er 
ähnliche  Beobachtungen  an  den  Sternen  Gastor,  PoUux, 
Procyon,  Capella  und  Beteigeuze  mit.  Hierauf  folgte  eine 
lange  Pause  von  40  Jahren,  denn  erst  Dünati  stellte  um 
das  Jahr  1862  wieder  einige,  aber  unvollkommene  Spec- 
tralbeobachtungen  von  Fixsternen  an. 

Die  Ersten,  welche  mit  vervollkommneten  Apparaten 
und  sehr  eingehend  Fixstemspectra  studirten,  waren 
HuGOiNS,  Miller  und  L.  W.  Rutherfürd.  Sie  bestimmten 
durch  Messungen  die  Lage  zahlreicher  dunkler  Linien  in 
den  Spectren  verschiedener  hellerer  Sterne  und  gelangten, 
indem  sie  diese  Linien  mit  den  bekannten  irdischen 
Elementen  verglichen,  zu  wissenschaftlich  begründeten 
Schlüssen  über  die  Anwesenheit  solcher  Elemente  auf 
den  untersuchten  Fixsternen.  Flg.  126  giebt  eine  sche- 
matische Darstellung  der  Spectra  von  Aldebaran  («  Tauri) 


282  Die  Spectralanalyse. 

und  Beteigeuze  (a  Orionis)  nach  den  Untersuchungen  von 
HuGGiNS  und  Miller. 

■ 

Unter  dem  Spectrum  eines  jeden  Sterns  sind  die  hellen 
Linien  der  Metalle,  mit  denen  man  sie  verglichen  hat, 
verzeichnet  worden.  Diese  Spectra  der  irdischen  Stoffe 
erscheinen  in  dem  Spectroskope  als  helle  Linien  auf 
dunklem  Grunde  in  der  Lage,  wie  wir  sie  in  der  Fig.  126 
erblicken  und  zwar  dicht  unter  dem  Spectrum  des  Sterns, 
so  dass  man  mit  grosser  Schärfe  erkennen  kann,  ob  diese 
hellen  Linien  genau  mit  den  dunklen  Linien  des  Sterns 
coincidiren  oder  nicht. 

Das  Resultat  der  Vergleichung  der  beiden  obigen 
Sternspectra  (Fig,  126)  mit  den  irdischen  Stoffen  ergiebt 
folgende  Tabelle: 

Irdische  Stoffe  verglichen  mit  Aldebaran. 

ZusHmmoufallend 

1)  Wasserstofl'  mit  den  Linien  C  und  F. 

2)  Natrium  mit  der  Doppellinie  D. 
8)  Magnesium  mit  der  dreifachen  Linie  6. 
4)  Calcium  mit  vier  Linien. 
r>)  Eisen  mit  vier  Linien  und  mit  E. 
ti)  Wismuth  mit  vier  Linien. 

7)  Tellur  mit  vier  Linien. 

8)  Antimon  mit  drei  Linien. 

9)  Quecksilber  mit  vier  Linien. 

Irdische  Stoffe  verglichen  mit  Beteigense. 

ZusammenfnUend  Nicht  suMunmenfaUend 

1 )  Natrium  mit  der  Doppellinie  U.  WasBerstoff  2  Linien  vergl. 

2)  Magnesium  mit  der  dreifachen  Linie  h.     Stickstoff  3       ^  „ 

3)  Calcium  mit  vier  Linien.  Zinn  ^       n  n 

4)  Eisen  mit  vier  Linien  und  mit  E.  Gold  ? 

5)  Wismuth  mit  vier  Linien.  Cadmium  3       „  , 
6;  Thallium?  Süber  2      „  , 

Quecksilber  2      „  „ 

Barium  2      „  ^ 

Lithium         1       . 


Nicht  zuMunmenfillend 

Stickstoff 

3  Linien  vergl. 

Kobalt 

2 

r          » 

Zinn 

5 

n              n 

Blei 

2 

n              n 

Cadmium 

3 

n               n 

Barium 

2 

n               1» 

Lithium 

1 

H                             «• 

284  Dio  Spectralanalyse. 

Die  Messung  und  Einzeichnung  der  Spectrallinien  der 
Fixsterne  ist,  wie  leicht  begreiflich,  eine  mühevolle  und 
sehr  subtile  Arbeit.  Sehr  an  Sicherheit  haben  deshalb 
die  Arbeiten  dieser  Art  gewonnen,  nachdem  es  gelang,  die 
Spectra  direct  auf  photographischem  Wege  darzusteUen. 
HuciGiNS  und  Mllleb  erhielten  schon  1863  eme  Photo- 
graphie des  brechbarsten  Theils  vom  Spectrum  des  Sirius, 
welches  jedoch  keine  dunkle  Linien  zeigte.  F^rst  seit  dem 
Jahre  1876  waren  sie  im  Stande,  unter  Anwendung  eines 
18zolligen  Reflectors,  der  mit  einem  vorzüglichen  Uhrwerk 
von  ÜRUBB  versehen  war,  Spectra  vieler  hellerer  Sterne 
zu  erhalten,  in  denen  die  dunklen  Linien  deutlich  sichtbar 
waren.  Gleichzeitig  konnte  auf  derselben  Platte  auch  ein 
Sonnenspectrum  behufs  unmittelbarer  Vergleichung  mit 
dem  Steriispectrum  erzeugt  werden.  Es  bedarf  übrigens 
keiner  Bemerkung,  dass  nur  die  Nächte  von  grösster  atme* 
sj)hiirischer  Klarheit'  und  Ruhe  zu  photographisch-spectro- 
skopischen  Versuchen  geeignet  sind. 

25.  Fixstern-Typen. 

Ungefähr  gleichzeitig  mit  Hügöins  und  Miller,  die 
etwa  hundert  der  glänzenderen  Sterne  untersuchten,  hat 
auch  RuTHKRFUKD  Zahlreiche  Sternspectra  beobachtet,  und 
dieser  kam  zuerst  auf  die  Voi-stellung,  dass  zwar  die  ein- 
zelnen Spectra  vielfach  von  einander  abweichen,  dass  sich 
dieselben  aber  dennoch  in  Gruppen  oder  Typen  vereinigen 
lassen,  von  denen  er  drei  unterschied.  Inzwischen  hatte 
P.  Secchi,  durch  die  Reinheit  des  italienischen  Himmels 
seinen  englischen  Mitarbeitern  gegenüber  sehr  bevorzugt, 
seine  Beobachtungen  schon  im  Jahre  1867  auf  mehr  als 
500   P'ixsterne  ausgedehnt,    zu    denen   später    noch    über 


Fiistern-Typen. 


28S 


hmidert  andere  hmzukamen.  Gestützt  auf  dieses  reiche 
Mat«n»l  unterschied  er  vier  Hnuptkliissen  oder  Typen,  aul' 
(iie  sieb  alle  Fissteruspectra  zuiücktuhreii  lassen. 

Den  eratfu  Typus  bildet,  der  allbekannte  Uellglänüende 
Fixstern  Siriu»  (Füj.  126  und  Farbentafel  VIII,  Nr.  1).  Diese 
Classe  umfasat  die  meisten  Sterne,  welcbe  in  imUmm  Lichte 
strahlen  (Sirius,  Wega,  AJtair,  Regulus,  Rigel,  die  des 
grossen  Bären  mtt  Ausnahme  von  «  u.  s.  w.).  Alle  diese 
Sterne,  welche  man  gewöbnlicb  weirnie  nenut,  obgleich  sie 
in  Wirklichkeit  schwach  blau  erscheinen,  zeigen  em  Spee- 
trum,   wie  es  in   Fi</.  127,  Nr.  I  dargestellt  ist.     l);isselbe 


wird  von  Strahlen  aller  sieben  Farbengruppen  gebildet, 
und  ist  zuweilen  von  sehr  vielen,  aber  meist  sehr  feinen, 
dagegen  stets  von  vier  breiten  und  sehr  dunklen  Linien 
durchzogen.  Von  diesen  vier  Linien  steht  die  eine  im 
Roth,  die  andere  im  Grünblau,  die  beiden  übrigen  im  Vio- 
lett Sämmtliche  vier  Linien  gehören  dem  Wasserstoff  an 
und  coincidiren  mit  den  vier  hellsten  Linien  (Ha,  ß,  y.  i)). 
welche  das  Spectrum  des  glühenden  irdischen  Wasserstoffs, 
wie  man  es  vermittels  der  GeissLERSchen  Röhren  erhält, 
ausmuchen,  lu  Fi</,  127,  Nr.  I  entspricht  die  dunkle 
Linie  C  der  Linie  Ha,  F  der  Linie  Jlft.  V  der  Linie  Hy 
und   W   der   Linie   ffä.     Ausser    diesen    breiten    cbarak- 


Fixstern-Typfii.  287 

teristisclien  vier  Wasserstofflinien  erscheint  in  dem  Spec- 
tmm  der  hellsten  Sterne  dieser  Glasse  noch  eine  feine  dunkle 
Linie  im  Gelb,  welche  mit  der  Natriumlinie  D  zu  coincidiren 
scheint,  sowie  eine  Anzahl  noch  schwächerer  Linien  im 
Crriin,  welche  dem  Eisen  und  dem  Magnesium  angehören. 

In  den  kleineren  Sternen  ist  wegen  der  Lichtschwäche 
die  Linie  C  im  Roth  schwer  zu  erkennen,  dagegen  er- 
scheint die  Linie  im  Blau  oft  sehr  breit.  Alle  diese  Sterne 
haben,  wie  bereits  gesagt,  eine  schwach  blaue  Färbung,  und 
in  Uebereinstimmung  damit  enthalten  ihre  Spectra  wenig 
Roth  und  Gelb,  wogegen  das  Blau  und  das  Violett  überwiegt. 

Der  ztoeite  Typus  der  Fixsterne  wird  repräsentirt 
durch  das  Spectrum  von  Arcturua  {u  Bootis),  oder  auch 
von  unserer  Sonne.  Es  gehören  hierhin  meist  (gelbliche 
Sterne  (Gapella,  PoUux,  Arcturus,  Aldebaran,  a  im  grossen 
Bären,  Procyon  u.  s.  w.),  deren  Spectrum  vorzugsweise  im 
Roth  und  im  Blau  mit  starken  dunklen  (FKAUNHOFEK'scheu) 
Linien  durchzogen,  im  gelben  Theile  aber  fast  ganz  davon 
frei  ist  Die  FBAüNHOFKn'schen  Linien  im  Spectrum  der 
Sonne  {Fig,  127 j  Nr.  II)  geben  davon  eine  Anschauung. 

Die  hierhin  gehörigen  Sterne  lassen  sich  nicht  gleich 
leicht  Studiren;  die  dunklen  Linien  sind  in  dem  Spectrum 
der  Gapella  und  des  PoUux  äusserst  fein,  dagegen  viel 
breiter  und  leichter  zu  erkennen  im  Arcturus  fs.  Atlas, 
Tafel  13)  und  im  Aldebaran.  Letzterer  Stern  kann  als 
eine  Mittelstufe  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  Typus 
betrachtet  werden,  während  Procyon  den  Uebergang  bililct 
vom  ersten  Typus  zum  zweiten. 

Die  dunklen  Linien  im  Spectrum  des  zweiten  Ty])us 
stimmen  der  Lage  nach  mit  den  stärkeren  Fbaunhofkk- 
schen  so  vollständig  überein,  dass  man  sich  ihrer,  wie 
Seocui   anfuhrt,    zum    Vergleiche    bei    der    Untei'suchung 


288  Die  Spectralanalyse. 

anderer  Si)ectra  und  zur  Controlirung  der  Instrumente 
bedienen  kann.  Diese  Uebereinstimmung  führt  ausseixlem 
zu  dem  Schlüsse,  dass  diese  Sterne  dieselbe  stoffliche  Zu- 
sammensetzung und  sonstige  physische  Beschaffenheit 
haben  wie  die  Sonne.  Mehrere  unter  ihnen  scheinen  ein 
continuirliches  Spectrum  zu  geben;  aber  es  rührt  dieses 
von  der  Feinheit  ihrer  Linien  her,  die  nicht  immer  deutlich 
wahrgenommen  werden  können.  Bei  reiner  und  ruhiger 
Luft  und  unter  Anwendung  von  guten  Instrumenten  sind 
dieselben  jedoch  stets  leicht  zu  erkennen. 

Als  dritten  Typus,  der  eine  Anzahl  von  Sternen,  be- 
sonders solche  mit  rothem  Licht,  umfasst,  hat  Secchi  das 
Spectrum  des  Sterns  «  Orionis  imd  «  Herculis  {Fig.  127 
und  Farbentafel  VIII,  Nr.  3  und  4)  aufgestellt.  Die  Spectra 
solcher  Sterne  erscheinen  wie  eine  Reihe  von  Säulen,  die 
von  der  Seite  beleuchtet  werden,  imd  haben  mit  diesen 
eine  walirhaft  stereoskopische  Aehnlichkeit  Sind  die 
helleren  Streifen  schmäler  als  die  dunklen,  so  enthält  das 
Spectrum  das  Aussehen  von  aneinandergereihten  Canne- 
lirungen.  Selbst  rothe  Sterne  bis  zur  8.  Grösse  Hessen 
sich  mit  Secchi's  ausgezeichnetem  Instrumente  spectro- 
skopisch  untersuchen  und  zeigten  dasselbe  Verhalten,  wo- 
gegen von  weissen  Sternen  dieser  Grösse  ein  Spectrum 
nicht  mehr  zu  erhalten  war. 

Von  den  grösseren  Sternen  gehören  nur  etwa  dreissig 
zu  diesem  Typus,  darunter  «  Orionis,  «  Herculis,  ß  Pegasi. 
0  (Mira)  Ceti,  Anüires  u.  a.;  rechnet  man  die  der  zweiten 
Grösse  hinzu,  so  stellt  sich  ihre  Zahl  auf  höchstens  hundert 

Secchi  hebt  als  besonders  bemerkenswerth  für  diese 
Sterne  hervor,  dass  die  stärkeren  Linien  des  Spectrums, 
welche  die  Colonnaden  trennen,  bei  allen  Sternen  an  der- 
selben Stelle  stehen. 


Fixstern-Typen.  289 

Die  Spectra  dieser  Sterne  erinnern  an  das  Spectriun 
der  SoDoenflecke,  und  Secchi  ist  daher  der  Meinung, 
«lass  die  Sterne  des  dritten  Typus  sich  von  denen  des 
zweiten  nur  durch  die  Dicke  ihrer  Dunsthüllen  oder 
Atmosphären,  sowie  durch  den  Mangel  an  Continuitiit 
ihrer  Photosphäre  unterscheiden;  sie  hätten  demnach 
Flecke  wie  die  Sonne,  nur  von  verhältnissmässig  viel  l)e- 
deutenderen  Dimensionen. 

Der  vierte  Typus,  dessen  Sterne  die  sechste  (i rosse 
nicht  überschreiten,  ist  im  WesentUchen  dadurch  tharak- 
terL<iirt,  dass  das  Spectrum  aus  drei  hellen,  durch  dunkle 
Zwischenräume  getrennten  Bändern  besteht,  von  denen  das 
glänzendste  im  Grün  hegt  imd  meist  bestinnnt  und  stark 
ausgebreitet  ei-scheint.  Das  zweite,  viel  schwächere,  oft  kaum 
sichtbare  Band  hegt  im  Blau;  das  dritte,  gelbe,  eistreckt 
sich  bis  zum  Roth  hin  und  zerfällt  in  mehrere  Ahtheilungen. 
Alle  diese  hellen  Bänder  haben  das  Eigenthümliche, 
dass  ihr  Licht  in  der  Richtung  nach  dem  Violett  zuninmit 
und  dann  plötzhch  abbricht;  in  der  Richtung  zum  Roth 
dagegen  nimmt  ihre  Helligkeit  bis  zum  voUstiüidigen 
Schwarz  ab. 

Die  Spectra  dieser  Art  stehen  daher  im  geraden  (Jeg(Mi- 
satze  zu  denen  des  dritten  Typus;  denn  bei  den  letzteren 
sind  die  säulenartigen  Bänder  nicht  bloss  auf  gleichem 
Itaume  des  Spectrums  doppelt  so  zahln?ich,  sondern  es  ist 
auch  das  Maximum  ihres  Lichtes  dem  Roth,  das  dunkle 
Ende  dem  Violett  zugekehrt.  Die  grosse  Lichtschwäche 
der  Sterne  des  vierten  Typus  verhindert  die  Anwendung 
des  Spalts  und  daher  lassen  sich  die  Substanzen,  welche 
Jas  Licht  dieser  Sterne  ausstrahlen,  nicht  mit  Sicherheit 
iüigeben;  ihre  Spectra  haben  indessen  die  grösste  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  Kohlenspectrum. 

iwAd^fli,  Spectralaiulyse.  II.  It) 


290  Die  Spectralaiialyse. 

In  Fig.  127 ^  Nr.  IV  ist  ein  Spectrum  dieses  vierten 
Typus  (Nr.  152  des  Katalogs  von  Schjellerup)  gezeichnet 
Secchi  hat  deren  einige  dreissig  untersucht,  von  denen 
Nr.  41,  78,  132,  152  und  273  des  Katalogs  von  Schjellerup 
am  schönsten  sind.  Die  Spectra  derselben  bieten  grosse 
Verschiedenheiten  dar;  einige  zeigen  sogar  sehr  intensive 
helle  Linien,  wie  der  genannte  rothe  Stern  im  grossen 
Bären  (Nr.  152  Schj.  in  Fig.  127,  Nr.  IV j,  welcher  deren 
zwei  hat  im  Grün  und  zwei  andere  im  Grünblau. 

Eine  besondere  Ausnahme  von  den  vorgenannten  vier 
Typen  bilden  sehr  wenige  Sterne,  die  man  nach  Secchi 
zu  einem  fünften  Typus  vereinigen  kann  und  die  das 
directe  Spectrum  des  Wasserstoffs  geben.  Der  bemerkens- 
wertheste  Stern  dieser  Art  ist  y  Cassiopeae,  dessen  Spec- 
trum nach  den  Messungen  von  Huggins  an  der  Stelle  der 
dunklen  Linien  C  und  F  die  Linien  Ha  (roth)  und  Hß 
(grünblau)  hell  zeigt  und  eine  gelbe  Linie  enthält,  die 
wahrscheinlich  mit  D^  übereinstimmt.  Dasselbe  gilt  von 
ß  Lyra},  einem  veränderlichen  Sterne,  von  i;  Argus,  in 
dessen  Spectrum  Le  Sueur  mit  dem  grossen  Melbourner 
Teleskop  die  Linien  C,  6,  jP,  eine  gelbe  nahe  D  {D^'t) 
und  die  intensivste  Stickstoiflinie  hell  fand,  sowie  von  y 
im  Schift*  und  von  temporären  Sternen,  auf  welche  wir 
später  noch  zurückkommen. 

Eine  systematische  Durchmustei*uug  des  Sternhimmels 
in  spectroskopischer  Beziehung  hat  d'Arrest  in  Kopen- 
hagen mit  dem  dortigen  lichtvollen  lOVaZolligen  Refractor 
ausgeführt.  Besonders  viele  Sterne  des  dritten  Typus  wur- 
den aufgefunden  und  es  ergab  sich,  dass  dieselben  ziemlich 
zahlreich  und  nach  allen  Richtungen  über  den  Himmel 
zerstreut,  auch  im  Allgemeinen  von  frappanter  Aehnlich- 
keit  unter  einandei*  sind.     Bei   den  hellen  Sternen  dieses 


Fixstern-Tyi»eii.  291 

Typus  gelang  es  d'Akrest  unter  sehr  günstigen  Umständen 
einigemal  die  dunklen  Absorptionsbänder  in  Gruppen  von 
deutlich  gesonderten  Linien  aufzulösen.  Diese  Linien 
wachsen  in  jeder  Gruppe  der  Reihe  nach  an  Tiefe,  Schärfe 
und  Dunkelheit  nach  der  violetten  Seite  hin  und  erzeugen 
unter  gewöhnlichen  Umständen  und  bei  schwächerer  Di- 
spersion den  Eindruck  der  an  einer  Seite  scharfen,  an  der 
anderen  verwaschenen  Bande.  Vom  vierten  Typus  giebt  es 
am  nördlichen  Himmel  keinen  Stern,  der  hell  genug  wäre, 
um  zu  der  Hoffnung  zu  berechtigen,  dass  eine  ähnliche 
Beobachtung  an  ihm  gelänge,  aber  d'Arrest  glaubt,  dass 
der  Schluss  aus  Analogie  in  diesem  Falle  keinem  Bedenken 
unterliege  und  auch  hier  die  Bänder  aus  Linien  bestehen. 

Zu  den  interessantesten  Spectren  gehört  das  des  rothen 
Sterns  achter  Grösse  in  A.  R.  12'»  17"^  50»  und  D.  +  P35,2' 
(für  1855,0);  es  erfordert  nach  d'Arrest's  Ausdruck  „in 
seiner  charakteristischen  Zerrissenheit  ein  specielles  Stu- 
dium'*  und  ist  so  hell,  dass  d' Arrest  dasselbe  bei  Mond- 
schein untersuchen  konnte.  Nur  rothe  und  gelbe  Strahlen 
zeigen  sich  darin;  im  Grün  bricht  das  Licht  plötzlich  ab 
und  d'Arrest  bezeichnet  es  als  Fragment  eines  Stern- 
spectrums. Von  den  vielen  durch  d' Arrest  untersuchten 
Sternspectren  erwähnen  wir  noch  das  Spectrum  des  Sterns 
achter  Grösse  B.  D.  (Bonner  Durchmusterung)  +  22® 
Nr.  4203;  es  ist  trotz  der  Schwäche  des  Sterns  auffallend 
schön  und  besonders  im  Blau  und  Violett  von  einer 
grossen  Zahl  scharf  markirter  Banden  durchzogen.  Fig.  12H 
zeigt  dieses  Spectrum  nach  Vogel's  Messungen,  wobei  das 
rothe  Ende  rechts  liegt. 

Gänzlich  abweichend  von  diesem  Spectrum  fand  Vogel 
das  Spectrum  des  Sterns  sechster  (jrösse  B.  D.  +  2*^  Nr.  4703 
(Schjell.  Katalog  Nr.  273).     Während   bei  den   früher  be- 

19* 


2fl2  Di»  Spri-iralnnnlysc, 

obachteten  Sternen  die  Banden  in  den  S[iectt-e[i  alle  u&rß 
dem  Roth  verwaschen  und  nach  dem  Violett  mehr  scharf 
erschienen,  ist  hier  bei  drei  Banden  das  Gegentheil  der 
Fall.  Es  ist  nach  Vooels  sorgfältiger  Daratellung 
Fig.  129  wiedergegeben. 

Oas    Sjn.'ttrura    des    Sterns   Lnlande    35t>11,    der 

Fig.    128. 


[er 

u  a    I 


V 


Schmjdt's  Verzeichniss  rothgelber  Sterne  (Astr.  Nafi 
Nr.  1902)  die  Nummer  126  führt  und  den  dieser  Astronom 
als  „glühend  feuerroth"  bezeichnet,  fand  Vogel  von  merk- 
würdig geringer  Ausdehnung.  Blau  und  Violett  sind  fast 
vollständig  absorbirt;   nur  Grün.  Uelb  und  Roth  sind  { 


I  J    li>UIM 


■/.a  erkennen,   von  denen  Jedoch   die  beiden  erstgenannte 
Karben  durch  breite,   einseitig  nach  dem  Roth  scharf  i 
gegrenzte    Absorptionsatreifen    in    ihrer   Ausdehnung   i 
reducirt  sind;   im  Roth  ist  eine  schwache  verschwommei 
Bande  zu  erkennen.    Fig.  lüO  zeigt  dieses  Siiectruni  i 
fallH  nach  Vooel's  Darstellung. 

Der  Stern  5.2.  Grösse.  B.  D.  +  Ö"  Nr.  4997  (Sclyel 
Katalog  Nr.  2fi6)   zeigt  em   schönes  Spectram   (Fig. 


mit  ziirten  Banden   im  Oriiii  und  ficllt   und    einer  aiilVul- 
kndeu  dunklen  Bande  ini  Rotli. 

Ein  sehr  prächtiges  Haudenspectrum  (Fi^.  132)   fand 


Vogel  ferner  bei  dem  Stern  5,3.  Grösse,  B.  D.  -|-  7"  Nr.  4381. 
Die  relativen  Intensitäten  sind  in  der  Zeichnung  möglichst 


c 


T~TT1 


genau  wiedergegeben.     Die  Messung  ergab  eine  Ueberein- 
stimmuug   mit  den   Biuiden   im  Spectrum  von   u  HoiTulis. 


IUI      II 


Seine  zahlreichen  Spcctralbeobachtungen  haben  Prof. 
Vogel  zu  einer  etwas  anderen  Cliissificirnng  der  Fixsterne 
geführt,  als  diejenige  Sbcchi'b  ist.  Er  unterscheidet  drei 
Classen,  wobei  er  die  Sterne  des  SEccm'scheu  Typus  III 
und  IV  in  seiner  dritten  Clasao  vereinigt: 


294  Die  Spectralanalyse. 

Classe  I.  Hierhin  gehören  alle  Spectra,  in  welchen  die 
Metalllinien  nur  äusserst  zart  auftreten  oder  gar  nicht  zu 
erkennen  sind  und  die  brechbaren  Theile  des  Spectrums, 
Blau  und  Violett,  durch  ihre  Intensität  besonders  auffallen. 

a)  Spectra,  in  denen  ausser  den  sehr  schwachen  Metall- 
linien die  Wasserstoft'linien  sichtbar  sind  und  sich 
durch  ihre  Breite  und  Intensität  auszeichnen  (hierher 
gehören  die  meisten  weissen  Sterne,  Sirius,  Wega). 

b)  Spectra,  in  denen  entweder  einzelne  Metalllinien  nur 
ganz  schwach  angedeutet  oder  gar  nicht  zu  erkennen 
sind  und  die  Wasserstofflinien  fehlen  (ß^  y,  <J,  t  Orionis). 

c)  Spectra,  in  denen  die  Wasserstofflinien  hell  erschei- 
nen und  ausser  diesen  Linien  noch  die  Linie  D^y 
ebenfalls  hell,  sichtbar  ist  (bis  jetzt  ist  nur  ß  Lyr» 
und  y  Cassiopej«  bekannt). 

Classe  II.    Spectia,    in  denen   die   Metalllinien   sehr 
deutlich  auftreten.    Die  biechbareren  Theile  des  Spectmms 
sind  im  Vergleich  zur  vorigen  Classe  matt,  in  den  weniger 
brechbaren  Theilen  treten  zuweilen  schwache  Banden  auf. 
aj  Spectra,   mit  sehr   zahlreichen   Metalllinien,  die  bc- 
soiuleis    im   Gelb    und   Grün   durch    ihre   Intensität 
leicht  erkenntlich  werden.    Die  Wasserstofflinien  sind 
meist  kräftig,   aber  nie  so  auffallend  verbreitert  als 
bei   Classe  I,  a,    in    einigen    Sternen    sind    dieselben 
jedoch  schwach   und  bei  solchen  sind  dann  gewöhn- 
lich in  den  weniger  brechbaren  Theilen  durch  zahl- 
reiche   dichtstehende    Linien    entstandene    schwache 
Banden    zu   erkennen    (Capella,   Arctur,  Aldebaran). 
Zu  diesem  Typus  gehört  u.  a.  der  Doppelstem  ß  Cygni, 
wovon  der   eine  bläulich,    der  andere  orangefarben 
erscheint.     Fig,  133  zeigt  die  Spectra  beider  Sterne: 
das  obere  ist  dasjenige  des  blauen  Begleiters,    das 


1 

untere  dasjenige  des  uraiigtirarbeiieu  HiiiiptHteins.    Üei 
letztem)  bemerkt  mau  die  dunklen  Linien  viel  inten- 
siver und   dichter  an   einander  gedi'ängt  im   blauen 
und  violetten  Tlieile  des  Spectrums.    Die  Orangefarbe 
ist    verhältnissmiissig    weniger    von    diesen    Streifen 
durchzogen  und  daher  vorherrschend.    Für  den  bläu- 
lichen Begleiter  finden  sich  die  Uruppen  der  stäi-ksteu 
dunklen  Streifen  im  Gelb,  im  Orange  und  theUweise 
im  Roth;   es   ist   daher  gunit  natürlich,  daas  in  dem 
Lichte  dieses  Sterus  die  blaue  Farbe  vorherrscht. 

(■■lg   Ki;), 

h|  Spectra,   in   denen   ausser   dunklen   Linien   und   eiu- 
?;elnen  schwaeben  Bunden  mehrere  helle  Linien   auf- 
treten  (T  Corona»,   auch    sind   hierzu  höchst  wahr- 
scheinlich die   von   Wou   und   Rayet   beobachteten 
Sterne  im   Schwan,   sowie   der  veränderliche  ß  Ge- 
minonim    zu    rechnen,    obgleich    wegen    der    Licht- 
schwäche dieser  letztgenannten  Steine  wohl   einzelm, 
dunkle  Banden  im  Roth  und  Gelb  beobachtet  wurden 
dunkle  Linien  jedoch  nur  vermuthet  werden  konnten) 
Ciasso  m.    Spectra,   in   denen  ausser  dunklen  Liniei 
loch  zahlreiche  dunkle  Bauden  in  allen  Theilen  des  Spec- 

J 

1 
J 

1 

8H                                        Die  KpfrtraUnBlyee.                         ^^^H 

Iriinis  auftreten    und   die   lirechbareren   Tlieile   de^  ^pfil 
tniius  Huffalleud  scbwaoh  sind.                                             1 
&)  Ausser  danklen  Linien  sind  in  den  Spectren  Banden 
/.»  erkennen,  von  denen  die  auffallendsten  nach  dem 
Violett  dunkel  und  scharf  begrenzt,   nach  dem  Roth 
matt  und  verwaschen  erscheinen  (a  Herculis.  a  Orioiäj 
(t  Pegasi).     Fig.  ISJ  zeigt  das  Spectnini  des  HaiqJ 
Sterns  von  «  Herculis.                                                    J 
b)  Spectra,  in  denen  dunkle,  sehr  breite  Banden  zu  er- 
kennen Sinti   tind   die   lntensität«Kunahine    entgegen- 
gesetzt ist  iü  derjenigen  der  vurliergehenden  Unter- 

t'ig.   VM 

ablheüung.     Die  am  stärksten  hervortretenden  hud 
den   Bind   nach   dem  Roth   schiirf  begrenat   und  « 
dunkelsten,   nach  dem  Violett  dagegen   erblassen  m 
HllinUhhcti.     (Bis  jetzt  sind   nur  seb^Mcheifi  Sterai 
di.-ser    Art    bekannt:    Schjell.     Kat,    rother    Stero^ 
Nr.  78,  152,  273  u.  a.  m.) 

26.  Huggins"  photographische  Sjiectpa  der     ■ 
Fixsterne.                                1 

Es  ist  bereits  oben   gesagt   worden,   dass   schon   ISfii 
HüOöi»»   und    Mn.LBa  mit   Hülfe   eines   durch   ein  feine»; 
Uhrwerk  getriebenen  Teleskops  mit  gutem  Erfolge  phot^ 

i -^ 

1 

1 

Iln^fifins'  photog;raphische  Spectrn  der  Fixst«Tne.  207 

graphische  Spectra  einiger  Sterne  erhalten  haben.  Neuer- 
dings (1879j  hat  HuGGiNS  diese  Arbeiten  wieder  aufge- 
nommen und  mit  feineren  Instrumenten  und  empfindlicheren 
photographischen  Hülfsmitteln  eine  Reihe  von  Sternspectren 
pbotographisch  dargestellt  und  abgebildet.  Er  bediente 
sich  dazu  eines  Teleskops  von  18  Zoll  Spiegeldurchmesser 
und  eines  sehr  vervollkommneten  Uhrwerks. 

Das  dazu  construirte  Spectroskop  war  folgendermassen 
eingerichtet  (Fig,  135).  Das  Prisma  e  von  isländischem 
Kalkspath  hat  einen  Winkel  von  60®  und  wurde  im  Mini- 
mum der  Ablenkung  für  die  Linie  //  festgestellt.  Die 
Linsen  c  und  d  waren  von  Quarz.  Die  Linse  des  CoUi- 
mators  c  hatte  IVa  Zoll  Durchmesser  und  10  Zoll  Brenn- 
weite; die  Linse  d  hinter  dem  Prisma,  zum  Zwecke  auf 
der  Platte  /  ein  photographisches  Bild  des  Spectrunis  zu 
erzeugen,  hatte  denselben  Durchmesser,  aber  6*  ^  Zoll  Brenn- 
weite; Prisma  und  Linsen  waren  von  A.  Hilgek  (London) 
mit  besonderer  Sorgfalt  angefertigt  worden.  Das  Colli- 
matorrohr  hat  vom  die  Spaltvorrichtung  a  und  ein  Rohr  i, 
welches  parallel  zu  der  Achse  des  CoUimators  auf  letzterm 
befestigt  ist  und  dazu  dient,  vermittels  des  Teleskopoculars 
und  einer  auf  der  Grundplatte  sitzenden  Schraube  h  die 
Mittelpunkte  der  Linsen  c  imd  d  genau  in  die  Achse  des 
Teleskops  einzustellen. 

Die  Spaltplatte  l  aus  polirtem  Silber  liatte  zwei 
Klappen,  welche  durch  die  Knöpfe  i  und  k  nacli  Belieben 
geöffnet  und  geschlossen  werden  konnten;  jede  Klappe 
wirkte  schliessend  oder  öffnend  auf  die  Hälfte  der  Spalt- 
höhe und  gestattete,  entweder  das  Spectruni  des  Sterns 
allein,  oder  gleichzeitig  oder  später  das  Spectrum  des 
Tageslichtes  oder  einer  anderen  Li(^ht(iuelle  auf  dei^clben 
photographischeu  Phitte  /  darzustellen. 


298 


Die  Spectralanalyse. 


I)i«^  photographischen  Platten  (Gelatine-Trockenplattenj 
waren  1^  ^  Zoll  lang  und  ^/^  Zoll  hoch,  die  Länge  des 
pliotographischen  Spectrunis  erstreckt  sich  zwischen  den 
Linien  G  und  F  im  Ultraviolett  über  etwa  einen  halben 
Zoll.  Die  Schärfe  der  erhaltenen  Photographien  ist  so 
gross,  dass  man  sie  ungeachtet  ihrer  geringen  Grösse  mit 
einem  Mikroskop  von  schwacher  Vergrösserung  mit  Erfolg 
untersuchen  kann.     Etwa  vierzehn  Linien  lassen  sich  zwi- 


Fig.  lob. 


1 


Hui^ginA'  SjM'rtmskop  zur  Photoprapliit'  der  Storniipt'rtra. 

sehen  H  und  A'  unterscheiden.  Die  Grundplatte  des  Spec- 
troskops  war  an  ihren  Rändern  g  falzenförmig  abgeschliffen 
und  konnte  damit  in  entsi)rechenden  Nuten  in  das  Teleskop 
unverrückbar  fest  eingeschlossen  werden. 

Die  Fiff.  13h'  zeigt  dieses  Spiegelteleskop  nach  Ein- 
setzung dos  Spc('troskop8  ac.  Auf  dem  Boden  des  Tele- 
skoprohres sitzt  d(»r  lözollige  Spiegel  b.  An  die  Stelle  des 
in  seinem  Mittelpunkte  befindlichen  Oculars  ist  ein  kleines 
(jALiLÄfsches  Fernrohr  angebracht,  durch  welches  man  alle 
Kinzelheitcn  des  eingetügteu  Spectroskops  und   namentlich 


Huagius"  pholoj-niphimlie  Speilrn  clsr  Fix^l.Tne.  299 

desson  Spaltplattec  genau  übersehen  kauii.  Mit  Hülfe  eines 
kleinen,  seitlich  vom  Teleskoprohre  befestigten  drehbaren 
Spivgelchens  d  läset  eich  die  Spaltpl&tte  c  durch  gelbes 
Licht  beleuchten   und  das  punktförmige  Bild   eines  Sterns 

genau  in  die  SpulUitfnung  bringen. 

Die  Messungen  der  Linien  auf  den  Photographien 
wurden  durch  ein  an  einem  geeigneten  Mikroskope  be- 
festigten Mikj-oiueler    iiusgetubrl  und  die  Uniwaudiuug  der 


l 


gemessenen  Positionen  in  Wellenlungen  gesehali  durch  ein 
gmphisches  Verfuhren,  wobei  die  Karte  des  ultravioletten 
Theiles  des  Sonaenspectrinns  von  Cobnu  und  Mabcabt  zu 
Grunde  gelegt  wurde. 

I'ie  hauptsächlichsten  Resultate  von  Huuqins  sind  auf 
einer  Tafel  wiedergegeben,  welche  im  .\tlas,  Tafel  13,  re- 
producirt  ist.  Zum  Vergleich  ist  oben  und  unten  das 
normale  Sonnenspectruiu  von  Coknxt  in  der  Ausdehnung 
von  G  bis  0  im  Ultraviolett    beigefügt.     Die  sechs  ersten 


aiN)  Die  SpectnlanalvM. 

Spectra  gehören  weissen  Sternen  an,  die  im  Wesentlichen 
einen  einzigen  Spectraltypus  bilden.  Es  sind  dies  die 
Sterne  Wega,  Sirius,  ij  im  grossen  Bären,  a  der  Jungfrau, 
a  des  Adlers  und  a  des  Schwans.  Das  typische  Spectrum 
besteht  hier  aus  zwölf  sehr  starken,  an  den  Rändern  ver- 
waschenen Linien;  die  beiden  am  wenigsten  brechbaren 
fallen  mit  den  Wasserstofflinien  von  4340  und  4101  zehn- 
milliontel  Millimeter  Wellenlänge,  die  dritte  Linie  mit  H 
des  Sonnenspectrums  zusammen;  die  starke  Linie  K  (H^ 
des  Sonnenspectrums  ist  nur  durch  eine  feine  Linie  reprä- 
sentirt,  ja  sie  scheint  sogar  im  Sirius  und  bei  17  im  grossen 
Bären  ganz  zu  fehlen.  Hugoins  bemerkt,  dass  die  rela- 
tiven Stellungen  dieser  zwölf  Linien  in  gewissem  Sinne 
symmetrisch  sind,  indem  jedes  Paar  Linien  näher  zu  ein- 
ander ist  in  dem  Masse,  als  sie  brechbarer  sind.  Nach  den 
Untersuchungen  von  Dr.  H.  C.  Vogel  sind  vier  dieser  Linien 
höchst  wahrscheinlich  dem  Spectrum  des  Wasserstoffs  ange- 
hörig und  haben  in  zehnmilliontel  Millimeter  die  Wellen- 


längen : 

nach  H.  i\  V 

o;?cl 

naoh  Hn^irins 

.SiHiS 

3968     U 

3887 

3887,5  a 

'^»M 

3834     ß 

:l70r) 

3795     ;' 

llrociiNS  hat  die  neun  starken  Linien,  die  brechbarer 
sind  als  //,  mit  den  Buchstaben  des  griechischen  Alphabets 
bezeichnet.     Es  sind  folgende: 


WellenlÄnifc 

Wellenlänge 

WeUenllüige 

zehnmilliontel  uim 

zehnmilliontel  mm 

lehnmilliontel  mm 

n  3887,:> 

J  3707,5 

j?  3717,5 

ß  :^S4 

e  3745,5 

d'  3707,5 

V  :;71>5 

s  3730 

i  3699 

In  den  Photographien  der  typischen  Sterne  ersti-eckt 
sich  ein  continuirliches  Spectrum  bis  über  die  Linie  S  hin- 


Hnggins*  photographische  Spectra  der  Fixsterne.  SOI 

aus,  aber  jenseits  der  zwölften  Linie  von  3699  zehnniilliontel 
Millimeter  Wellenlänge  ist  keine  andere  sichtbar.  In  dem 
Masse,  als  sich  die  Sterne  dem  Typus  der  Sonne  nähern, 
werden  die  mehrfach  genannten  zwölf  typischen  Linien 
schmäler  und  erscheinen  an  den  Rändern  weniger  ver- 
waschen. Endlich  stellen  sich  noch  andere  Linien  ein,  und 
diejenige,  welche  die  Stelle  von  K  des  Sonnenspectrums 
einninunt,  wird  breit  und  verschwommen. 

Das  Specti-um  der  Wega  zeigt  die  oben  erwähnten 
zwölf  Linien,  ausserdem  vermuthet  Huggins  noch  eine 
sehr  feine  Linie  zwischen  H  und  A'.  Das  continuirliche 
Spectrum  erstreckt  sich  bis  S  im  Ultraviolett. 

Das  Spectrum  des  Sirius  ist  sehr  ähnlich  demjenigen 
der  Wega,  die  typischen  Linien  desselben  sind  jedoch 
etwas  breiter  und  an  den  Iländeru  mehr  verwaschen. 
Huggins  hat  darin  folgende  Wellenlängen  bestimmt: 


zehnmilliontvl  inni 

zehnmilliontel  mm 

//  mo 

a  3887,5 

h     4101 

ß  :^S4 

//,  :^i><;8 

y  :U95 

S  t^7t)7,r) 

Das  Spectrum  des  Sterns  rj  im  gi'ossen  Bären  ist 
ebenfalls  demjenigen  der  Wega  sehr  ähnlich,  doch  zeigt 
es  die  erste  Andeutung  von  feinen  Linien  im  photo- 
graphischen Theile.  Das  continuirliche  Spectrum  erstreckt 
sich  bis  zu  S.    Folgende»  Linien  wurden  gemessen; 


WellenUuge 

Wellenlänge 

Wellenlänge 

zehnmilliontel  mm 

zehnmilliontel  mm 

zehnmilliontel  mm 

H    VMO 

//,  3068 

8    3707,5 

4087,:» 

n      1:^887,5 

£    3745,5 

4l37,r, 

ß   '^s^i 

:   3730 

h     4101 

:*»82n 

T^   3717,5 

4121 

r    37yö 

0-  3707.5 

302  .  Die  Spectralanalyse. 

Das  Spectriun  von  «  der  Jungfrau  zeigt  die  zwölf 
typischen  Linien  bereits  ziemlich  schmal  und  begrenzt  an 
den  Rändern;  gleichzeitig  erscheint  schon  eine  grössere 
Anzahl  von  feinen  dunklen  Linien.  In  der  Position  von 
A'  ist  wahrscheinlich  eine  sehr  feine  Linie  vorhanden. 
Folgende  Linien  wurdi^n  gemessen: 


WclicnläiiKt* 
/ehnniillionti'l  inm 

zehnmilliontel 

iniu 

Wrllenllugc 
zehnmüliontel  mm 

li:i7,:> 
1120 

//,   3044.5 
A'    31):  U»,      ' 

:;<»2u 

walirbchcinlii'h 
vorliAndeu 

t 

3767,5 
3745,5 
373U 

h     4H»1 

a      :^87,.T 

'; 

3717,5 

4004,:» 

381<i,l 

y              zwoifi'Uiuft 

( 

//,  :t!w;s 

V     37iC» 

Im  S[»ectrum  von  «  im  Adler  sind  sämmtUche  Linien 
schmaler  und  besser  begrenzt  an  den  Rändern  als  im 
Spectrum  der  Wega,  auch  zeigen  sich  neben  den  typischen 
Linien  zahlreiche  andere,  so  dass  das  Spectrum  sich  im 
Allgemeinen  bereits  beträchtlich  demjenigen  des  Sonnen- 
typus nähert.  Die  Linie  K  ei'scheint  stark,  jedoch  noch 
schwächer  als  7/.  Folgende  Linien,  in  zehnmilliontel  Milli- 
meter, wurden  ihrer  Wellenlänge  nach  in  diesem  Spectrum 
bestimmt : 


//    42:U) 

// 

KMjO  ( 

a 

:*»8ü2,5 

^   37Ü7,5 

*  3608 

4172.5 

3<»97  ( 

:^54 

3757,5 

3690 

4131  1 

//, 

:i9t;8 

ri 

38:^1 

E    3745,5 

3677,5 

4120} 

A' 

3<»33 

38U» 

;   3730 

3656 

/.      4101 

3015 

:^07,5 

ri   3717,5 

3654 

1072 

« 

:  »887,5 

y 

3795 

^  3707,5 

3637,5 

4n22,:. 

Das  Spoctrum  von  «  Cygni  gleicht  noch  mehr  dem- 
jenigen des  Sonnentypus  als  die  bisher  genannten.  Hugüixs 
hat  folgende  Lhiien  gemessen: 


Hugfi^ins'  photo^raphisrhe  Spectra  der  Fixsterne.  308 

Welleiüiliigo  WelIenlftnK<i  Wellenlänge  Wellenlänge 

zehnmilliontel  mm    zehnmilliontcl  mm     zchnmilliontel  mm     zchnmilliontel  mm 

H  4340  a   3887,5  y   3795  e  3745,5 

k  4101  ;Wü2,5  cV   3767,5  ^  3730 

A/,  3i>08  ff  :583.1  3757,5  i?  3717,5 

A'  3933 

Das  Spectrum  des  Arctnnis  ist  ziemlich  von  dem- 
jenigen der  vorhergenaimten  Sterne  verschieden  und  gehört 
in  die  Classe  derjenigen  Spectra,  welche  mit  dem  Sonnen- 
spectrum  übereinstimmen.  Die  Linie  A"  ist  sehr  breit  und 
verwaschen,  und  zwar  mehr  als  die  Linie  H;  auch  tintt 
sie  mehr  hervor  als  die  entsprechende  Linie  im  Sonnen- 
spectrum.  Das  ganze  photographisc;he  Spectrum  erscheint 
durchzogen  von  Linien,  welche  denjenigen  im  Sonnen- 
spectrum  ähnlich  sind;  21  der  stärkeren  sind  gemessen 
und  in  die  Tafel  eingetragen  worden ;  einige  davon  stinmien 
in  ihrer  Lage  mit  Linien  des  Sonnenspectrums  überein. 
HuGoiNs  giebt  folgendes  Verzeichniss  der  Wellenlänge  der 
gemessenen  Linien  in  zchnmilliontel  Millimeter: 

wf     i.Jii)  wie  im 

"i    '*<*-*^       Sonnenspectrum 

4325     I      zweifelloB 
4:W,5|  »1»«  Gruppe  a 

4289 

4271 

4252,5 

4237,5 

4227,5 

4214 

42U1 

4195 

418.5 

417(> 

4170 

4i'>0  y    walirselieinlirli 
4141  (  eine  Liniengruppe 

4132,5 


//, 

4112 

«  :^7t> 

/ 

3755 

h 

4099 

3859 

f 

3745,5 

4075 

;^56 

3732,5 

40G4 

3^50 

$ 

37:30 

4055 

:^38 

V 

3717,5 

4045 

3835 

.9' 

3705,5 

4043 

3832,5 

3702,5 

4040 

3822,5 

3690 

3995 

•>815 

3682,5 

3980 

3814,5 

3672.5 

fft 

3968 

3810 

3662,5 

ff, 

3933 

3805 

3657.5 

:i92o 

:*w98 

364 1 

3905 

y   3795 

3637,5 

3900 

3789 

3625 

a 

:W87,5 

3775 

3610 

3881 

3762,5 

3602,5 

304 


Di«»  Sp«»ctralanaly8e. 

.^  3592,5      . 

.^  3551                d-  3504,5 

^  3475 

3585 

3515                    3487 

:M67 

3575 

3507,5                 :U82 

:i457 

:Vi6<) 

mo 

•121»H.5 

I22»J 

4145 

4099 

1311) 

1252 

4171 

4132 

4075 

Ili:(i(;iNS  hat  auch  noch  Photographien  des  Sterns 
I^igel  erhalten.  In  demselben  sind  alle  typischen  Linien 
sichtbar,  dieselben  erscheinen  breiter  als  im  Spectrum  von 
«  im  Schwan,  aber  nicht  so  breit  wie  im  Spectrum  von 
«  der  Jungfiau.  Photographien  des  Spectrums  von  Betei- 
geuze  waren  selir  schwierig  zu  erhalten,  denn  eine  viermal 
längere  Exposition,  als  für  den  Sirius  nothwendig  ist,  ergab 
nur  ein  ziemlich  eng  begrenztes  Spectrum;  dasselbe  war 
am  deutlichsten  in  der  Nähe  von  G.  Huggins  giebt  fol- 
gende Wellenlängen  der  stärksten  Linien  in  demselben 
zwischen  (r  und  //; 

4025 

AI  (lehn  ran  erfordert  zum  Photographiren  des  Spectrunis 
ebenfalls  eine  sehr  lange  Exposition.  Der  Theil  zwischen 
F  und  H  zeigt  sich  auf  der  von  Huggins  erhaltenen  Photo- 
giapbie  mit  feinen  Linien  bedeckt,  von  denen  diejenigen 
zwischen  G  und  //  sehr  breit,  stark  und  an  den  Rändern 
verwaschen  eischeinen.  Das  Spectrum  der  CapeJJa  zeigt 
sich  in  der  photographischen  Aufnahme  von  der  Linie  F 
bis  zur  Linie  iS,  es  gleicht  so  sehr  dem  Sonnenspectrum, 
dass  man  es  nn't  diesem  verwechseln  könnte.  Die  Linien 
Gy  H  und  Ä'  haben  fast  dieselbe  relative  Intensität  und 
Breite  wie  im  Sonnenspectrum,  auch  mehrere  Linieügruppen 
bei  //  des  Sonnenspectrums.  Hieraus,  bemerkt  Huggins, 
kann  man  schliessen,  dass  dieser  Stern  sich  in  einem  Ent- 
wickelungsstadium  befindet,  welches  mit  demjenigen  unserer 
Sonne  sehr  nahe  übereinstimmt. 


\>räiulfrlirhe  Sterne.  IV>5 

Ungefähr  gleichzeitig  mit  Hüggins  hat  sich  auch 
Henry  Dbapeb  mit  der  Photographie  der  Sternspectra 
beschäftigt.  Nach  seiner  Ansicht  lassen  sich  diese  Spectra 
in  zwei  Gruppen  theilen,  nämlich  solche,  welche  dem 
Sonnenspectrum  sehr  ähnlich  sind,  und  solche,  in  denen 
verhältnissmässig  nur  wenig  Linien,  aber  von  grosser 
Breite  und  Intensität,  vorhanden  sind.  Drater  stimmt  mit 
Hüggins  darin  überein,  dass  die  photographischen  Spectra 
des  Arcturus  und  der  Capella  keine  wesentlichen  Unter- 
schiede vom  Sonnenspectrum  zeigen,  dass  aber  die  Spectra 
von  Wega  und  o  im  Adler  davon  total  verschieden  sind. 
Derselbe  hat  indessen  die  von  ihm  erhaltenen  Photo- 
graphien noch  nicht  publicirt 

27.    Veränderliche  Sterne. 

Unter  den  F^ixsternen  giebt  es  mehrere,  die  von  Zeit 
zu  Zeit  ihren  Glanz  und  ihre  Helligkeit  im  Vergleiche  zu 
den  benachbarten  Sternen  ändern,  die  an  Licht  zu-  oder 
abnehmen  und  sogar  bis  zur  völligen  Unsichtbarkeit  her- 
absinken. Die  Periode  der  Veränderhchkeit  ist  die  Zeit, 
welche  zwischen  zwei  aufeinander  folgenden  grössten  (oder 
geringsten)  Helligkeiten  verfliesst. 

Unter  den  Veränderlichen  bietet  Mira  Ceti  (der 
Wunderbare  Stern  im  Walfische)  besonders  Interesse,  weil 
er  im  Maximum  seiner  Helligkeit  den  (ilanz  eines  Sterns 
zweiter  Grösse  erreicht,  im  Minimum  aber  bis  zu  neunter 
oder  zehnter  Grösse  herabsinkt.  Nicht  minder  interessant  ist 
ß  Per  sei.  Im  (jlanze  eines  Sterns  zweiter  bis  dritter  Grösse 
strahlt  er  2  Tage  13'.  2  Stunden,  dann  sinkt  er  in  «SVg  Stun- 
den bis  zur  vierten  Grösse  herab;  nimmt  hierauf  wieder  zu 
und  in  weiteren  3'  a  Stunden  erreicht  er  wiedei*  seinen  ersten 

Sfhellm,  Spectralanaly»e.  II.  20 


IWß  Di»  Spectni]ar»ly«e. 

Glanz.     Alle  diese  Veränderungen   gehen  in  regelmaBsiger 
Wiedeikc'hr  in   weniger    als   drei   Tagen   vor  sich,    wobei 
der  Stern  stets  für  das  unbewaffnet«  Auge  sichtbar  bleibt 
Die  Ursache  der  Veränderlichkeit  dieser  Fixsterne  ist 
noch   keineswegs   ergründet,   sie   mag  auch   im   Einzelnen 
sehr  verschieden   sein.      Bei   denjenigen   Sternen,  die  wie 
[t   Peraei    nur    einen    auf  wenige   Stunden   beschränkten 
Lichtwi'chsel    zeigen,    ist    die    Helligkeitsabnahme    wahr- 
scheinlich   dem    Voriibei^nge 
'''■    '"■  eines     dunklen    Planeten     vor 

^^g0^^^^^  jenen  Fixsternen  zuzuschreiben, 

^^^-  .1^^^^         indem  der  dunkle  Planet  einen 
J^^K      ^^^^^^^      Theil    vom   Lichte  des  Sterns, 
^^^W        ,'    ^^^^    ''•'■  '^'^'"  Anblick  von  der  Erde 
^^|Hfc  •  -j    aus,  auffängt    Bei  andern  Ver- 

^^^^^B^<)  ^^^_^  ändcrlicheu     kann     man     mit 

^^^H^^  ^     Zöllner  eine  Rotation  um  die 

^^■S**"^^  \i/'  ^m        Axe  und    partielle    Bedeckung 

^^t  ■   yjp^^  ^^^  leuchtenden  Oberfläche  mit 

s  dunklon  Abkühlungsproducten, 

Dir  v,riiii.icriU'hk.-it  diu'»  st.Ti.,  vergleichbar  den  Schlacken, 
annobnien,  wobei  diese  dunklen 
Scblack)>[iniasscn  sieb  in  ganz  bestimmten  Anordnungen 
ablagern  und  dadurch  auf  der  DberHiicbe  dej,  Sterns  eine 
uiiglc-ich(t  Vertbcihing  von  feurig- 11  iissigei'  latrkteHder  imd 
iiirlit  lpnclitender  Seh  lack  enniaterie  her\orbringeu.  Wenn 
diese  Vcrtbeilung  eine  ungefähre  Gestalt  hätte,  wie  Zöllner 
sie  (Fi^i.  137)  gezeiclmet  hat,  so  dass  die  weiss  gezeichnete 
leiiclitende  flüssige  Masse  in  der  Richtung  der  Pfeile  a  b, 
der  Rotutioii  dos  Steins  um  seine  Achse  entgegen,  nach 
Art  der'  Polarströmo  auf  unserer  Erde  sich  bewegt  und 
gegen    die    dunkle   Schlackenmasse    festgestaut    hätte,    so 


Veränderliche  Sterne.  807 

würde  der  Wechsel  in  der  Helligkeit  des  Lichtes,  welches 
von  diesem  Sterne  zu  uns  kommt,  sowie  die  Periodicität 
desselben  während  seiner  Achsendrehung  sich  wenigstens 
für  manche  Fälle  erklären  lassen. 

Diesen  verschiedenen  Ansichten  gegenüber  ist  es  lehr- 
reich zu  erfahren,  welche  Aufschlüsse  die  bis  jetzt  er- 
langten Resultate  der  Spectralanalyse  gegeben  haben. 

Secchi,  HucHiiNS  und  Miller  haben  sich  mit  Unter- 
suchungen dieser  Art  mehrfach  beschäftigt  und  die  Letz- 
teren haben  gefunden,  dass  in  dem  Spectrum  von  Betei- 
geuze  (a  Orionis),  Fig.  125^  im  Februar  1866,  wo  der 
Stern  im  Maximum  seiner  Helligkeit  war,  die  Gruppe  von 
dunklen  Streifen  fehlte,  deren  genauere  Lage  von  ihnen 
zwei  Jahre  vorher  mit  der  grössten  Sorgfalt  bestimmt 
worden  war  (in  der  Fig.  125  bei  Nr.  1069,5  der  Scala 
durch  eine  starke  Linie  begrenzt). 

Auch  Secchi  hat  an  einer  dunklen  Linie  desselben 
Sterns  während  seines  Helligkeitswechsels  Veränderungen 
wahrgenommen.  Er  glaubte  ausserdem  gefunden  zu  haben, 
dass  das  dem  Kerne  eines  Sonnenttecks  zugehörige  Spec- 
trum mit  dem  Spectrum  mehrerer  rother  Sterne,  nament- 
lich des  a  Orionis,  Antares,  Aldebaran,  o  im  Walfisch  u.  s.  w. 
eine  grosse  Aehnlichkeit  hat.  Eine  Reihe  von  dunklen 
Banden  und  Streifen,  wie  sie  in  dem  unter  Fig,  125  (2) 
abgebildeten  Spectrum  von  a  Orionis  eingezeichnet  sind, 
zeigen  sich  gleichmässig  in  dem  Spectrum  der  Sonnenflecke 
wie  in  den  Spectren  der  genannten  rothen  Sterne,  was  zu 
der  Vermuthung  führt,  dass  die  rothe  Farbe  dieser  Sterne 
aus  derselben  Ursache  herrührt,  welche  die  Absorptions- 
streifen in  dem  Spectrum  der  Sonnenflecke  erzeugt.  Von 
anderen  Veränderlichen  ist  R  Geminorum  hervorzuheben, 
in   dessen  Spectrum  Secchi  zur  Zeit  des   Maximums  eine 

20* 


:K>«  Di«»  Spectralanalyw. 

hpüe  Wasserstofiflinie  beobachtete,  ebenso  bei  dem  Ver- 
änderlichen ß  Lyrae.  Der  Veränderliche  ß  Persei,  der  sei- 
nem Spectrum  zufolge  zum  ersten  Typus  gehört,  zeigt  nicht 
die  geringste  Veränderung  seines  Spectrums  zur  Zeit  des 
kleinsten  Lichtes,  und  Secchi  und  Vogel  neigen  daher 
zu  der  Ansicht,  dass  bei  diesem  Fixstern  periodisch  ein 
dunkler  Körper  in  die  Gesichtslinie  zur  Erde  tritt  und  die 
Lichtabnahme  hervorruft. 

Vogel  hat  ebenfalls  die  Spectren  mehrerer  Veränder- 
licher untersucht  Er  findet  bei  R  Lyr»  ein  sehr 
schönes  Spectrum,  das  demjenigen  von  «  Herculis  gleicht 
(Fig,  138),    Das  Spectrum  von  R  Leporis  Hess  am  11.  De- 

Fig.  i:W. 


Spprtrum  <1p»  Veränderlichen  R  Lyric.  nach  Voifel. 

cember  1873,  als  der  Stern  dem  Maximum  seines  Glanzes 
niihe  war,  im  Gelb  und  Grün  je  eine  breite  Bande  er- 
kennen; die  brechbareren  Theile  waren  sehr  stark  ab- 
sorbirt,  Roth  und  Gelb  dagegen  ziemlich  intensiv. 

Hei  K  Geminorum  fand  Vogel  übereinstimmend  mit 
Seccht  hello  Linien,  doch  war  deren  Erscheinen  nicht  ledig- 
lich auf  die  Zeit  des  Maximums  beschränkt,  „so  dass  dem- 
nach nicht  anzunehmen  ist,  dass  die  Zunahme  der  Helligkeit 
des  Sterns  eine  Folge  von  Ausbriichen  derjenigen  Gase  ist, 
welchen  die  hellen  Linien  im  Spectrum  angehören."  Uebri- 
jrens  sind  es  nach  Vogel  weder  die  Wassei'stoft-  noch 
die  /)-Linien,  welche  in  diesem  Spectrum  hell  erscheinen. 
Die  hellen  Linien  im  Spectrum  von  ß  Lyr»  sind  ihrer 
Lage  nach  von  Vogel  genau  bestimmt  worden;  die  Wellen- 


Veränderliche  Sterne.  309 

laugen  sind  resp.  587,5,  485,9,  434,0.  Die  erste  Linie 
ist  etwas  brechbarer  als  D  und  fällt  mit  einer,  zuerst  in 
den  Protuberanzen  aufgefundenen  Linie  (D^  zusammen, 
die  beiden  anderen  gehören  dem  Wasserstoff  an.  Ausser 
diesen  Linien  wurden  noch  einige  schwächere  vermuthet. 
Eine  davon  liegt  zwischen  D  und  C,  die  anderen  sind 
wahrscheinlich  mit  den  Linien  b  (Magnesium)  des  Sonnen - 
spectrums  zusammenfallend.  Die  hellen  Linien  im  Spectrum 
von  ß  Lyrae  scheinen  sonach  mit  den  Linien  der  Chromo- 
sphäre  unserer  Sonne  überehizustimmeu.  AelmUches  gilt 
für  den  Stern  y  Cassiopejse.  Wolf  und  Rayet  haben 
zuerst  auf  drei  schwache  Sterne  im  Schwan  aufinerksam 
gemacht,  deren  Spectren  ebenfalls  helle  Linien  aufweisen. 
In  der  That  fand  Vogel,  dass  bei  diesen  Sternen  sich 
die  hellen  Linien  ganz  ungewöhnlich  glänzend  von  dem 
schwachen  continuirlichen  Spectrum  abheben.  Mittels  seines 
oben  (§  21)  beschriebenen  Spectralapparates  konnte  Vogel 
jene  Spectren  genauer  untersuchen  und  die  Lage  der 
Linien  genähert  bestimmen. 

Im  Spectrum  des  ersten  Sterns  8,5.  Grösse  B.  D.  -{- 
35«  Nr.  4001  (A.  R.  20^  5™  31'  D.  +  35«  49,5'  für  1875) 
sah  Vogel  vier  helle  Linien  (579,5  sehr  schwach,  567,5  nur 
zeitweise  sichtbar,  536  sehr  hell,  468  sehr  hell  und  breit 
gegen  Violett  verwaschen).  Im  Spectrum  des  zweiten  Sterns, 
8,0.  Grösse  B.  D.  +  35»  Nr.  4013  (A.  R.  '20^  7»"  12» 
D.  4"  ^^^  49,6')  sind  die  vier  hellen  Linien  am  leichtesten 
zu  erkennen,  aber  die  Intensitätsverhältnisse  derselben 
g^en  einander  sind  andere  als  bei  dem  vorhergehenden 
Sterne.  Eine  auffallend  dunkle  Bande  reicht  von  565  bis 
554  milUontel  Millimeter  W.-L.  Beim  dritten  Sterne,  achter 
Grösse  B.  D.  +  35«  Nr.  3956  (A.  R.  20»»  9'"  5P  D.  +  35« 
16,8')  erscheinen  wiederum  die  vier  hellen  Linien  und  das 


310  Die  Spectralanalyse. 

Spectrum  scheint  nach  dem  rothen  Ende  durch  die  erste 
helle  Linie  begrenzt  zu  sein.  Die  Spectra  der  drei  Sterne 
zeigen  eine  völlige  Uebereinstimmung  in  der  Lage  der 
hellen  Linien,  aber  Unterschiede  in  den  Intensitätsverhält- 
nisseii  derselben.  Die  Farben  dieser  Sterne  lassen  sich 
schwer  feststellen;  nach  Vogel  würden  die  beiden  ersten 
gelblich,  der  dritte  weissUch  gelb  sein;  ob  sie  zu  den 
Veränderlichen  gehören,  muss  durch  weitere  Beobach- 
tungen festgestellt  werden. 

28.    Neue  oder  temporäre  Sterne. 

Zu  den  veränderlichen  Sternen  können  auch  jene  ge- 
rechnet werden,  welche  von  Zeit  zu  Zeit,  aber  immer  nur 
in  sehr  langen  Intervallen,  plötzlich  am  Himmel  au£flam- 
men,  dann  aber  in  mehr  oder  weniger  langer  Zeit  wieder 
verschwinden,  und  die  durch  die  Seltenheit  ihrer  Er- 
scheinung, wie  durch  die  gewaltige  Revolution  im  Welten- 
raume,  die  sie  ankündigen,  immer  das  grösste  Interesse 
und  diis  allgemeinste  Erstaunen  erregen.  Nach  einer  Zu- 
sammenstellung von  A.  V.  Humboldt  lassen  sich  seit  134 
V.  Chr.  bis  1848  ii.  Chr.,  also  in  einem  Zeiträume  von 
ungefähr  2000  Jahren,  nur  21  solche  Ereignisse  ver- 
zeichnen, von  denen  die  berühmtesten  sind  der  Stern  in 
der  Cassiojjeja  von  Tycho  Brahe  (1572),  der  an  Glanz 
den  Sirius  und  den  Jupiter  übertraf  und  mit  Venus  ver- 
glichen werden  konnte,  aber  nach  siebenzehn  Monaten  für 
das  blosse  Auge  spurlos  verschwand;*  sowie  der  von 
Kp:pler  (1604)  am  rechten  Fusse  des  Schlangenträgers 
(Ophiuchus)    beobachtete    Stern,    der   an    Glanz    ebenfalls 

*  Das  Fernrohr  wurde  erst  87  Jahre  Kpäter  erfanden. 


Neue  oder  temporäre  Sterne.  811 

den  Jupiter,  nicht  aber  die  Venus  übertraf  und  nach 
fünfzehn  Monaten  nur  noch  mit  dem  Teleskope  beobachtet 
werden  konnte.  Eine  charakteristische  Eigenthümlichkeit 
dieser  temporären  Sterne  ist  die,  dass  sie  meist  sehr  rasch 
an  Lichtstärke  gewinnen,  aber  langsam  und  unregelmässig 
abnehmen. 

Es  hat  sich  glücklich  getroffen,  dass  einige  dieser 
räthselhaften  Ereignisse  in  der  neuesten  Zeit  eingetreten 
sind,  wo  die  Spectralanalyse  in  ihrer  Anwendung  auf  den 
gestirnten  Himmel  schon  einen  hohen  Grad  der  Aus- 
bildung erlangt  hat.  In  der  Nacht  vom  12.  Mai  1866 
bemerkte  John  Birmingham  in  Tuam  (Irland)  einen  neuen, 
sehr  glänzenden  Stern,  heller  als  die  Sterne  zweiter  Grösse, 
in  dem  Sternbilde  der  nördlichen  Krone.  In  der  folgenden 
Nacht  wurde  derselbe  auch  von  Courbebaisse  in  Roche- 
fort und  einige  Stunden  vorher  von  Julius  Schmidt  in 
Athen  beobachtet,  der  ausdrücklich  erklärt,  dass  in  der 
Nacht  des  12.  Mai  der  neue  Stern  nicht  vor  11  Uhr 
sichtbar  gewesen  sein  könne,  weil  er  nach  R  in  der 
Krone  gesehen  habe,  folglich  der  neue  Stern,  wenn  be- 
reits sichtbar,  jedenfalls  seine  Aufmerksamkeit  erregt  haben 
müsse.  In  derselben  Nacht  des  13.  Mai  nahm  die  Hellig- 
keit zusehends  ab  und  am  16.  Mai  war  der  Stern  nur 
noch  von  der  vierten  Grösse.  Seine  Abnahme  erfolgte 
nun  ziemlich  schnell;  am  17.  Mai  war  er  von  der  4/J., 
am  18.  Mai  von  der  5,3.,  am  19.  Mai  von  der  5,7.,  am 
20.  Mai  von  der  6,2.  Grösse  und  am  Ende  des  Monates 
war  er  fast  bis  auf  die  neunte  Grösse  herabgesunken. 

Daas  der  Stern  nicht  neu  war,  zeigte  Akoelandeu's 
„Durchmusterung  des  nördlichen  Himmels",  woselbst  er 
sich  unter  Nr.  2765  in  -}-25  Grad  Declination  verzeichnet 
findet.     Ahgelandeb  hat  denselben  am  18.  Mai  1855  und 


812                                               Sp<-<'Ir.1iiDÜ;se.                         ^^^| 

um  31.  März  1856  beobachtet  uud  seiue  Licbtstärke  beitJ 
mal  gleich  gross,   nämHeh   von   der    neunten   bis   zehnbi 
GröBse  gefunden. 

Der    erste   Bfobachter.    BiaMiNöHAM,    benachrichtigte 
am    U.    Mai    Huugims   von    seiner    Entdeckung,    und    so 
wurde   letzterer   in   den  Stand  gesetzt,   von   dem    lö.  M 
an    in    Gemeinschaft    mit    Miixer    das    Spectrum    die« 
Sterns  zu  untersuchen,   als  er   noch   nicht  viel   unter  i 

Untersuchungen  war  folgendes: 

Das  Spectruui   des  Sterns   wnr  sehr  uierkwürdig  n 

fiE.  lao, 

SphrtiFii,,  .Ifi  KmporifPn  Sltrs..  T  Cm*oib  bor«liB.    ilS.  Mai  ie«6.j 

gab  deutlich  zu  erkennen,  dase  sein  Licht  zusammengesetz 
war   und   aus   zwei  verschiedenen  Quellen  stammte,   d«^p 
jede  für  sich  ein  besonderes  Sptcti'um  gab.    Das  Gesamml 
spectrum,   Fig.  139,  zeigte  sich  nänihch  aus  zwei  von  ei 
ander  unabhängigen  und  sich  überdeckenden  Specti-en  « 
sammeugesetzt;  man  erkennt  darin  zunächst  ein  continii 
liebes,  von  dunklen  Linien  durchzogenes  Spectrum,  wia 
die  Sonne  und  die  übrigen  Sterne  liefern;  ausserdem  aU 
ist  noch   ein   zweites,    aus   vier    fwllen  Linien   bestehend 
Spectrum   vorhanden,    die   sich    wegen    ihrer   Breite   n 
Helligkeit  auf  dem  duDkt«n  Hinlergrunde  des  erstem  Sp« 
trums  deutlich  abzeichnen. 

Das   von   dunklen  Linien  durchzogene  HauptspectD 

1          ä 

1 
1 

Neue  oder  temporäre  Sterne.  B13 

bekundet  das  Vorhandensein  einer  Photosphäre  von  weißs- 
glühender, höchst  wahrscheinlich  fester  oder  flüssiger  Ma- 
terie, welche  von  einer  Atmosphäre  kälterer  und  durch 
Absorption  die  dunklen  Linien  hervorrufender  Dämpfe  um- 
geben ist  Dieses  Absorptiousspectrum  enthält  zwei  starke 
dunkle  Streifen  von  etwas  geringerer  Brechbarkeit  als  die 
Linie  D  im  Sonnenspectrum ;  eine  schattige  Gruppe  er- 
streckt sich  bis  in  die  Nähe  von  D  und  eine  feine  Linie 
fallt  mit  D  zusammen.  Bis  zu  diesem  Punkte  ist  die 
Constitution  dieses  Sterns  der  der  Sonne  und  der  Sterne 
analog.  Aber  der  Stern  hat  noch  ein  zweites,  aus  hellen 
Linien  bestehendes  Spectrum,  welches  das  Vorhandensein 
einer  zweiten  Lichtquelle  anzeigt  und  zwar  das  Licht 
eines  glühendeuj  intensiv  leuchtenden  Gaues. 

Als  HuGGiNS  am  17.  Mai  das  Spectrum  des  Sterns 
gleichzeitig  mit  dem  Spectrum  des  Wassei-stoifgases,  welches 
durch  eine  GEissLER'sche  Röhre  mittels  des  Inductions- 
funkens  erzeugt  wurde,  verglich,  fiel  die  breiteste  Linie  2 
in  dem  Spectrum  des  Sterns  mit  der  ausgedehnten  grün- 
blauen Linie  (Hß)  des  Wasserstofl'gases  zusammen.  Augen- 
scheinlich coincidirte  auch  die  im  Roth  befindliche  Linie  1 
mit  der  des  Wasserstoffes  //«,  jedoch  konnte  wegen  der 
Feinheit  der  Linie  dieses  Zusammenfallen  nicht  mit  voll- 
ständiger Sicherheit  nachgewiesen  werden.  Der  Stern  hat 
rasch  an  Helligkeit  abgenommen  und  ist  gegenwärtig  etwa 
zehnter  Grösse.  Nach  Vogel  zeigt  er  jetzt  ein  cou- 
tinuirliches  Spectrum,  das  sich  von  demjenigen  anderer 
Sterne  nicht  wesenthch  unterscheidet. 

Am  24.  Novbr.  1876  konnte  Schmidt  in  Athen  das 
abermalige  Auftauchen  eines  neuen  Sterns  im  Schwan  öst- 
lich von  ß  Cygni  constatiren.  Dieser  war  damals  3,5.  Grösse 
und  von   goldgelber,   fast  röthlicher  Farbe.     Die  spectro- 


814  Die  Spectralanalyse. 

skopische  Uutersuchung  von  Backhüuse,  Copelaio),  Corxc, 
LoHSK,  Secghi  und  Vogel  zeigte  wiedenim  ein  Specti-um 
mit  hellen  Linien  analog  demjenigen  des  Sterns  von  1866, 
Vogel  begann  seine  spectroskopischen  Beobachtungen  am 
5.  Dccbr.  und  fand  ein  brillantes,  von  zahlreichen  dunklen 
Streiten  durchzogenes,  eigenartiges  Spectrum,  in  welchem 
auch  noch  mehrere  helle  Linien  glänzten,  von  denen 
namentUch  eine  im  Roth  hervortrat;  dann  eine  an  der 
Grenze  von  Grün  und  Blau.  Die  Intensität  dieses  glän- 
zenden Spectrums  verringeiie  sich  bald,  so  dass  es  drei 
Monate  später  nur  zum  Theil  und  äusserst  schwach  sichtbar 
war.  Diese  Intensitätsabnahme  war  nicht  gleichmässig  für 
tdlc  Strahlen,  indem  Blau  und  Violett  schneller  an  Glanz 
verloren  als  Grün  und  Gelb.  Der  rothe  Theil,  der  auch 
anfangs  schwach  und  von  breiten  dunklen  Bändern  durch- 
zogen war,  verschwand  bald,  so  dass  eine  helle  Linie  im 
Roth  ganz  isolirt  zu  stehen  schien.  In  der  ersten  Zeit 
war  ein  dunkler  Streifen  im  Grün,  später  eine  breite, 
(lunklo  Bande  im  Blau  besonders  auffallend.  Die  hellen 
Linien  übertrafen  anfänglich,  mit  Ausnahme  derjenigen 
im  Roth,  das  continuirliche  Spectrum  nur  wenig  au  Glanz, 
später  traten  sie  bei  der  raschen  Lichtabnahme  des 
St^'rns  besser  hervor,  besonders  waren  es  den  Messungen 
zufolge  die  WasserstotFlinien  Ha  und  Hß^  welche  stark 
leuchteten,  später  eine  Linie  von  499  milliontel  Millimeter 
W.-L.  Die  WasserstotFlinie  Hy  erschien  höchst  wahr- 
scheinlich auch  hell.  Die  Linie  bei  499  W.-L.  fällt  mit 
der  hellsten  Linie  des  Stickstofispectrums  bei  gewöhn- 
lichem Druck  zusammen  und  sie  ist  auch  die,  welche  in 
den  Spectren  der  Nebelflecke  auftritt.  Sie  hat  sich  beim 
Erblassen  des  Spectrums  am  längsten  erhalten  und  schliess- 
lich   die    Wassei-stofilinien,    von    denen    die    rothe  zuerst 


Nene  oder  temporäre  Sterne.  315 

merklich  schwächer  wurde,  an  Glanz  übertroffen.  Von 
anderen  hellen  Linien  wurde  gesehen:  eine  verwaschene  bei 
580  W.-L.,  eine  solche  bei  467  W.-L.  (nahe  zusammen- 
fallend mit  einer  Gruppe  dichtstehender  Linien  des  Lutt- 
spectrums), andere  in  der  Gegend  von  h  und  E,  über 
deren  genaue  Lage  meist  keine  Sicherheit  erlangt  werden 
konnte.  Vogel  hat  mehrere  Zeichnungen  des  Spectrums 
gegeben,  die  umstehend  reproducirt  sind;  man  ersieht  so- 
fort, auf  welche  Beobachtungstage  sich  die  Darstellungen 
beziehen.     (Flg.  140,) 

Ende  October  1877  gelang  es  Vogel  wiederholt,  das 
Spectrum  des  Sterns  zu  beobachten,  obgleich  dieser  da- 
mals bis  zur  zehnten  Grösse  herabgesunken  war.  Diis  Spec- 
trum bestand  nunmehr  aus  nur  einer  hellen  Linie  (4UÜ 
milliontel  Millimeter  W.-L.),  von  der  nach  beiden  Seiten  ein 
überaus  schwaches,  continuirliches  Spectrum  sich  wahrneh- 
men liess.  Diese  Thatsache  wurde  auch  am  18.  Februar 
1878  constatirt  und  es  kann  also  keinem  Zweifel  unterliegen, 
dass  im  Charakter  des  Spectrums  eine  wesentliche  Ver- 
änderung vor  sich  gegangen  ist.  Die  Wahrnehmung,  dass 
ein  Stern  mit  einem  hellen,  continuirlichen  Spectruni  im 
Zeitraum  eines  Jahres  sich  so  verändern  kann,  dass  dieses 
Spectrum  nur  aus  einer  einzigen  hellen  Linie  besteht,  ist 
bis  jetzt  einzig  dastehend.  Mit  den  Wahrnehmungen 
Vogel's  stimmen  diejenigen  von  Lohse  vollständig  über- 
ein, so  dass  in  den  Ergebnissen  dieser  ausgezeichneten 
Beobachter  ein  sehr  sicheres  Material  vorliegt. 

Was  ist  nun  die  Ursache  dieses  plötzlichen  Auf- 
lodems  gewisser  Fixsterne?  Dass  es  sich  hierbei  nicht 
um  Neubildung  von  Sternen  handeln  kann,  sondern  nur 
um  physisch-chemische  Processe,  durch  welche  eine  er- 
höhte Leuchtkraft  bedingt  wird,   ist  unzweifelhaft.     Aber 


Nene  oder  temporäre  Sterne.  317 

die  nähere  Art  und  Weise  dieses  letzten  Vorganges  ist 
nicht  bekannt.  Man  kann  annehmen,  dass  der  Zusammen- 
prall zweier  kosmischer  Massen  das  plötzliche  Aufleuchten 
Terursacht  hat,  indem  die  Massenbewegung  In  Molekular- 
bewegung, in  Licht  (und  Wärme)  umgesetzt  wurde;  man 
kann  aber  auch  annehmen,  dass  sich  auf  jenen  Sternen 
infolge  einer  inneren  Katastrophe  ausserordentliche  Mengen 
von  Wasserstoffgas  entwickelt  haben,  die  bei  Verbrennung 
mit  irgend  einem  andern  Elemente  die  Lichtentwickelung 
bedingten.  Endlich  —  und  diese  Ansicht  ist  von  Lohse 
ausgesprochen  worden  —  kann  man  annehmen,  dass 
durch  die  fortschreitende  Abkühlung  eines  Fixsterns  dieser 
schliesslich  mit  einer  atmosphärischen  Hülle  umgeben  wird, 
die  das  Licht  sehr  stark  absorbirt,  so  dass  seine  Hellig- 
keit von  der  Erde  gesehen  schwach  ist.  Wenn  aber  durch 
weitere  Wärmeausstrahlung  derjenige  (irad  der  Abkühlung 
erreicht  wird,  welcher  für  Bildung  solcher  chemischen 
Verbindungen  erforderlich  ist,  die  einen  wesentlichen  Theil 
des  Ganzen  bilden,  so  kann  bei  Vereinigung  der  betreffen- 
den Elementarstoffe  eine  bedeutende  Wärme-  und  Licht- 
entwickelung stattfinden,  welche  den  Stern  plötzlich  auf 
grosse  Entfernungen  hin  sichtbar  macht. 

Vogel  hat  sich  ausführlich  über  die  Folgerungen 
verbreitet,  welche  man  aus  den  bisherigen  Beobachtungen 
der  temporären  Sterne  ziehen  kann.  Er  sagt:  „Ein  Stem- 
spectrum  mit  hellen  Linien  ist  für  den  mit  Sternspectral- 
analyse  Vertrauten  immer  eine  höchst  interessante  Er- 
scheinung, wohl  werth  eines  ernsten  Nachdenkens.  Denn 
wenn  auch  in  der  Chromosphäre  unserer  Sonne  am 
Sonnenrande  sehr  zahlreiche  helle  Linien  zu  erkennen 
sind,  so  treten  doch  nur  dunkle  Linien  im  Spectruni 
auf,   wenn   man    ein    möglichst   kleines,    sternartiges  Bild 


IM  8  Die  Spectralanaly8€. 

(1er  Sonne  erzeugt  und  spectroskopisch  betrachtet.  Es 
wird  gewöhnlich  angenommen,  dass  die  hellen  Linien 
in  einigen  wenigen  Stemspectren  von  Gasen  herrühren, 
die  aus  dem  Innern  des  leuchtenden  Körpers  hervor- 
brechen und  deren  Temperatur  die  der  Oberfläche  des- 
selben übertreifen,  wie  man  Aehnliches  in  den  Spectren 
der  Sonnenflecke  zuweilen  beobachten  kann,  wo  glühendes 
Wasserstoftgas,  aus  dem  heissen  Innern  emporgeschleudert, 
über  den  kälteren  Flecken  sich  durch  das  Hellwerden 
der  Wasserstofilinien  kundgiebt.  Es  ist  dies  aber  nicht 
die  einzige  Erklärung.  Man  kann  auch  annehmen,  dass 
die  aus  glühenden  Gasen  bestehende  Hülle  eines  Sterns, 
wie  es  bei  unserer  Sonne  der  Fall  ist,  im  Allgemeinen 
(»ine  geringere  Temperatui*  besitzt  als  der  Kern,  relativ  zu 
dem  letztern  aber  sehr  gross  ist. 

Bei  der  ersten  Annahme  lässt  sich  meines  Erachtens 
ein  Bestehen  der  Erscheinung  auf  längere  Zeit  nicht  wohl 
denken.  Es  wird  das  aus  dem  heisseren  Innern  des 
Körpers  horvorcb'ingende  Gas  einen  Theil  seiner  Wärme 
der  OberHäche  des  Körpers  mittheilen  und  die  Temperatur 
desselben  erhöhen,  infolge  dessen  wird  die  Temperatur 
zwischen  dem  glühenden  Gase  und  der  Oberfläche  des 
Körpers  bald  nicht  mehr  gross  genug  sein,  und  die  hellen 
Linien  im  Spectrum  werden  verschwinden. 

Es  passt  diese  Annahme  ganz  entschieden  für  plötz- 
lich erscheinende  und  bald  wieder  vei-schwindende  oder 
wenigstens  an  Intensität  sehr  weit  herabsinkende,  fiir  so- 
genannte neue  Stenie,  in  deren  Spectren  helle  Linien  auf- 
treten, wenn  man  zu  ihrer  Erklärung  die  weiter  unten 
erwähnte  Hypothese  gelten  lässt.  Für  einen  stabilen  Zu- 
stand scheint  mir  die  zweite  Annahme  geeigneter  zu  sein; 
ich    möchte    also    vermuthen,    dass   Sterne,   wie  ß  Lyrse, 


Neue  oder  temporäre  Sterne.  319 

y  CassiopejsD  und  andere,  welche  die  Wasserstofflinien 
und  die  Linie  />3,  nur  mit  geringen  Helligkeitsschwan- 
kungen, hell  auf  continuirlichem  Grunde  zeigen,  verhält- 
nissmässig  sehr  grosse  Atmosphären  von  Wasserstoff  und 
dem  unbekannten  Stoffe,  dem  die  Linie  D3  zugehört, 
besitzen. 

In  Bezug  auf  den  neuen  Stern  erinnere  ich  an  eine 
Hypothese,  welche  Zöllner,  noch  vor  der  beträchtlichen 
Erweiterung,  welche  die  Forschung  auf  dem  Gebiete  der 
Astrophysik  durch  die  Spectralanalyse  erfahren,  aus  den 
schönen  Beobachtungen  Tycho's  über  den  nach  ihm  be- 
nannten Stern  abgeleitet  hat. 

Zöllner  nimmt  bekanntlich  an,  dass  auf  der  Ober- 
iläche  eines  Sterns  bei  der  fortdauernd  stattfindenden 
Wärmeausstrahlung  die  Abkühlungsproducte,  die  wir  auf 
der  Sonne  mit  dem  Namen  Sonnentiecke  bezeichnen,  in 
einer  Weise  zunehmen,  dass  schliesslich  die  ganze  Ober- 
fläche des  Körpers  mit  einer  kälteren,  weniger  oder  nicht 
mehr  leuchtenden  Schicht  bedeckt  ist.  Durch  ein  plötz- 
liches und  gewaltsames  Zerreissen  derselben  muss  noth- 
wendig  die  von  ihr  eingeschlossene  Gluthmasse  hervor- 
dringen, und  auf  diese  W^eise,  je  nach  der  Grösse  ihrer 
Ausbreitung,  mehr  oder  weniger  grosse  Stellen  der  bereit«^ 
dunklen  Umhüllung  des  Körpers  wieder  leuchtend  macheu. 
Einem  entfernten  Beobachter  wird  ein  solcher  Ausbruch 
aus  dem  heissen  noch  glühenden  Innern  eines  Welt- 
körpers sich  als  das  plötzliche  Aufleuchten  eines  neuen 
Sterns  ankündigen.  Dass  die  Lichtentwickelung  unter 
Umständen  eine  ausserordentlich  grosse  werden  kann, 
würde  sich  aus  dem  Umstände  erklären  lassen,  dass  alle 
die  chemischen  Verbindungen,  die  sich  bereits  unter  dem 
Einfluss  einer   niedrigen    Temperatui-   an    der    Oberfläche 


gebildot  haben,  durcli  das  plötzliche  Hervorbrechen  der 
inneren  Gluthmasse  wieder  zersetzt  werden  und  diese  Zer- 
setzung, wie  bei  irdischen  Körpern,  mit  einer  Licht-  und 
Wärmeentwickelung  von  süitten  geht.  Es  wäre  demnach 
das  starke  Aufleuchten  nicht  nur  den,  durch  die  hervor- 
gequollene (xluthmasse  wieder  leuchtend  gewordenen  Theilen 
der  Oberfläche»  zuzuschreiben,  sondern  gleichzeitig  einer 
Art  Verfyi'enmmfj/tprocetts^  der  durch  die  Berührung  bereits 
erkalteter  Verbindungen  mit  der  glühenden  Masse  des 
Innern  eingeleitet  wurde. 

Die  ZöLLNER'sche  Hypothese  über  die  allmähliche 
Kntwickelung  der  Weltkörper  hat  durch  die  spectralaaa- 
lytischen  Untersuchimgen  im  Wesentlichen  nur  Bestätigung 
erhalten.  Wir  erkennen  die  verschiedenen  Stadien  der 
Abkühlung  im  Spectrum,  und  haben  an  einigen  schwächeren 
Sternen  sogar  deutliche  Anzeichen,  dass  in  den  die  glühen- 
den Körper  umgebenden  Atmosphären  bereits  chemische 
Vm-bindungen  sich  bilden  und  halten  können.  Die  Hypo- 
these über  nf'up  Sterne  "wird  in  keinem  Punkte  durch  die 
spectralanalytische  Beobachtung  an  den  beiden  neuen 
Sternen  von  1H66  und  1876  widerlegt. 

Das  sehr  lu^lle  continuirliche  Spectrum  und  die  an 
Intensität  dasselbe  anfiinglicli  nur  wenig  übertreffenden 
hellen  Linien  würden  sich  nicht  gut  erklären  lassen  allein 
dadurch,  dass  gewaltsame  Gasausbrüche  aus  dem  Innern 
die  Oberfläche  gjinz  oder  theilweise  wieder  leuchtend 
machen,  wohl  aber  •  mit  der  Annahme,  dass  die  Licht- 
ausstnihlung  durch  einen  Verbrennungsprocess  um  ein  Be- 
trächtliches erhöht  wird.  Ist  derselbe  von  kurzer  Dauer, 
so  wird  d.is  continuirliche  Spectiaim,  wie  es  bei  dem  neuen 
Stern  von  1876  dei*  Fall  war,  sehr  rasch  bis  zu  einer 
gewissen    Grenze    an    Intensität    abnehmen,    während    die 


Die  Beweguno:  der  Sterne  im  Weltenraume.  821 

von  den  glühenden  Gasen,  welche  in  enormen  Quantitäten 
dem  Innern  entströmt  sind,  herrührenden  hellen  Linien 
im  Spectrum  sich  längere  Zeit  erhalten  werden. 

Dass  das  Erblassen  des  Sterns  mit  einer  Abkühlung 
der  Oberfläche  im  Zusammenhang  steht,  geht  aus  den 
Beobachtungen  des  Spectrums  unverkennbar  hervor.  Es 
haben  die  violetten  und  blauen  Theile  desselben  schneller 
an  Intensität  abgenommen  als  die  anderen  Theile,  und 
die  Absorptionsstreifen,  welche  das  Spectrum  durchzogen, 
sind  nach  und  nach  dunkler  und  breiter  geworden.** 

Wir  dürfen  nicht  vergessen,  dass  das  Licht  zwar  ein 
äusserst  schneller  Bote  ist,  doch  aber  eine  gewisse  Zeit 
gebraucht,  um  von  einem  Sterne  bis  zu  uns  zu  kommen. 
Die  Geschwindigkeit  des  Lichtes  ist  42000  geographische 
Meilen  in  der  Secunde;  die  Entfernung  des  nächsten  Fix- 
sterns von  uns  (a  Centauri)  beträgt  gegen  vier  Billionen 
Meilen,  so  dass  das  Licht  für  die  Reise  von  diesem  Sterne 
bis  zu  uns  volle  drei  Jahre  gebraucht.  Die  grosse  phy- 
sische Katastrophe,  welche  über  den  Stern  in  der  Krone 
hereingebrochen  ist,  war  daher  im  Jahre  1866,  als  wir 
sie  gewahrten,  für  den  Stern  selbst  ein  längst  vergangenes 
Ereigniss;  ja  sie  fiel  ohne  Zweifel  in  eine  Zeit,  wo  wir  von 
der  Spectralanalyse,  die  uns  darüber  Kunde  gab,  noch  gar 
nichts  wussteu. 

29.  Einfluss  der  Bewe^^ung  der  Sterne  im 
Weltenraiime  auf  ihr  Spectruiii. 

In  §  19  haben  wir  das  Princip  näher  entwickelt, 
durch  dessen  Anwendung  es  der  Spectralanalyse  möglich 
ist,  unter  gewissen  Umständen  aus  der  Verschiebung  der 
hellen  oder  dunklen  Spectrallinien  eines  Sterns  zu  erkennen, 

5eAe//ni,  spectralanalyse.  II.  21 


3SS  Dir  ^jwvtnluutjn«. 

ob  sich  derselbe  in  der  Richtung  auf  uns  zu  oder  tod 
uns  ab  bewegt,  und  die  Geschwindigkeit  zu  bestimmen, 
mit  welcher  er  iiu  Welteniaume  fortschreitet.  Es  ergab 
sich  dabei,  dass  die  Verschiebung  einer  seiner  Spectral- 
linien  nach  dem  Violett  bin  anzeigt,  dass  der  Stern  sich 
der  Erde  annähert;  eine  Verschiebung  nach  dem  Roth  hin 
lehrt  dagegen,  dass  dieser  sich  von  der  Erde  entfernt. 

Secchi,  der  sich  zuerst  dieser  Art  von  Beobachtungen 
unterzog,  richtete  seiu  Femrohr  auf  den  Sirius  und  stellte 
das  Prisma  des  Spectroskops  so,  dass  die  dunkle  Linie  F 
mit  dem  dire<;ten  Bilde  des  Sterns  genau  colncidirte ;  ( 


richtete  er  das  Ferni-ohr  auf  einen  andern  Fixstern  i 
selben  Typus,  in  welchem  ebenfalls  die  Linie  /'  vorkam, 
und  sah  nach,  ob  auch  hier  dieselbe  Coincidenz  oder  eine 
Verschiebung  stattfand.  Aber  seine  Instrumente  erwiesen 
sich  Tiii'  so  feine  Untersuchungen  nicht  nusretchend  und 
die  gewonnenen  Resultate  waren  nicht  entscheidend. 

HtTQOiKs,  mit  feineren  Instrumenten  und  Messapparati-u 
ausgestattet,  war  glucklicbei'  als  Seccmi.  Er  stellte  zu- 
nächst durch  eine  Reibe  von  vorbereitenden  Beobachtungen 
fest,  daiis  eine  stark  dunkle  Linie  in  dem  Spectruin  des 
Sirius  (Fiif.  141)  die  mit  H^i  bezeichnete  Wasserstofflinie 
sei   Zu  diesem  Zwecke  verglich  er  auf  die  bekannte  Weise 


Di«  Heweguiig  der  SU-.ruv.  im  WültuNriiiiiiK^.  Ü^'S 

diese  Siriualiuie  der  TUiilie  nach  mit  der  Linie  Hß  des 
WaaBerBtiotFspectruins  einer  Geissu^k' scheu  Röhre,  der 
FRAüNHoFEB"seiien  Linif  F  des  Sonnenspectrums  und  der 
Linie  Hfi  des  WasserslolTs  unter  dem  atmosphärischen 
Druck.  Die  Fi^.  142  zeigt,  welche  Lage  die  drei  letzteren 
Linien  bei  unverändert  gehaltenem  Instrumente  zu  ein- 
luider  und  zu  der  Siriusliuie  einnahmen.  Während  die 
Vergleichslinien  genau  coiiicidiren,  findet  «ich  die  äiriug- 
Uni*,  ftwaa    nach  df.in  Roth    verschoben.     Da    sie    aher    zu- 

Fig.  142. 


gleich  breiter  erscheint  als  die  helle  Wasserstofflinie  H/i, 
wie  ee  bei  dieser  Linie  unter  höherem  Diiick  sehr  oft  vor- 
kommt, so  handelte  es  sich  noch  darum,  festzustellen,  ob 
die  Ausbreitung  der  Wasseratofflinie  Hß  unter  den  ver- 
schiedenen Graden  des  Druckes  bloss  nach  einer  oder  nach 
beiden  Seiten  vor  sich  gehe,  bn  erstem  Falle  durfte  die 
Lage  der  Siriusliuie  offenbar  bloss  ab  eine  einseitig  ge- 
schehene Ausbreitung  angesehen  werden;  im  letztem  Falle 
aber  hätte  die  helle  Linie  Hß  genau  auf  die  Mitte  der 
breiten  Siriuslinie  fallen  müsseu,  wenn  bloss  eine  Ausbrei- 
21' 


324  Dio  SpectralniialvAe. 

tung  und  nicht  zugleich  eine  Verschiebung  stattgefunden 
hätte.  HüGGiNS  fand  nun,  in  Uebereinstimmung  mit  den 
Untersuchungen  von  Lockyer  und  Frankland,  dass,  wenn 
die  Wasserstofflinie  Ilß  bei  einer  grösseren  Dichtigkeit 
dieses  Gases  sich  seitlich  ausbreitet,  diese  Erbreiterung 
stets  nach  beiden  Seiten  erfolgt  und  die  Mitte  dieser  Linie 
ihre  feste  Lage  beibehält.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  auf 
dem  Sirius  aus  gleicher  Ui'sache  eine  Ausdehnung  dieser 
Linie  stattfindet,  aber  zugleich  nicht  zweifelhaft,  dass  diese 
<janze  Linie  eine  Verschiebung  gegen  dieselbe  terrestrische 
Wasser  Stofflinie  nach  dem  Roth  hin  erleidet. 

HuGGiNS  hat  diese  Verschiebung  sehr  sorgfältig  ge- 
messen und  gefunden,  dass  sie  zu  der  Zeit  der  Beobachtung 
Vi  von  dem  Abstände  der  beiden  /)-Linien  beträgt  Die 
Wellenlängen  dieser  beiden  Z>-Linien  differiren  aber  um 
4,36  milliontel  Millimeter;  die  Vei'schiebung  der  F-Linie 
im  Siriusspectrum  entspricht  daher  einer  Vergrösserung 
der  Wellenlänge  um  0,109  (oder  0,15)  milliontel  Millimeter. 
Nimmt  man  nun  die  Geschwindigkeit  des  Lichtes  zu  185000 
englischen  Meilen  in  der  Secunde  und  die  Wellenlänge 
des  Lichtes  an  der  Stelle  F  zu  486,50  milliontel  Millimeter, 
so  wird  durch  die  angeführte  Verschiebung  der  beobach- 
teten Siriuslinie  eine  Entfernung  des  Sirius  von  der 
Erde   angezeigt,    welche    mit    einer    Geschwindigkeit    von 

185000  X  0,10y     T      ,,  ,        r    u      \f    1      •    j      Q         a 
.....  -.X  ^der  41,4  englischen  Meilen  in  der  oecunde 

48b,o0  ° 

vor  sicli  geht. 

An   der   (irösse  dieser  Geschwindigkeit   hat    offenbar 

au(;h  die  Erde  Antheil.     Bei  dem  jährlichen  Umlaufe   um 

die  Sonne  ändert  dieselbe  jeden  Augenblick  ihre  Richtung 

und  kommt  jährlich   in  zwei  Punkte  ihrer  Bahn,    die   um 

1800  YQn  einander  abstehen,  und  in   denen   die  Richtung 


Die  Bewegung  der  Sterne  im  Welteuranme.  325 

der  Bewegung  mit  der  Sehlinie  des  Sirius  zusammenfallt. 
In  dem  einen  Punkte  bewegt  sich  die  Erde  gerade  nach 
diesem  Sterne  hin  und  nähert  sich  ihm,  in  dem  andern 
entfernt  sie  sich  von  ihm.  In  den  beiden  anderen,  um  90® 
von  diesen  Punkten  entfernten  Balmorteu  l)ewegt  sich  die 
Erde  unter  einem  rechten  Winkel  gegen  die  Sehlinie  des 
Sterns  und  hat  dann  keinen  Einfluss  auf  die  Brechbarkeit 
seiner  Strahlen. 

Zur  Zeit  der  von  Hügüins  gemachten  Beobachtung 
der  Siriuslinie  bewegte  sich  die  Erde  in  ihrer  Bahn  mit 
einer  Geschwindigkeit  von  12  englischen  Meilen  in  der 
Secunde  von  deni  Sterne  weg;  es  bleibt  duher  für  die 
eigene  Bewegung  des  Sirius  noch  eine  Bewegung  von  29^4 
englischen  Meilen  übrig,  mit  welcher  er  sich  von  d^r  Erde 
entfernt, 

Aehnliche  Beobachtungen  wie  am  Sirius  hat  Hüggins 
noch  bei  «  Canis  Minoris,  Castor,  Beteigeuze,  Aldebaran 
und  anderen  glänzenden  Sternen  angestellt. 

Nach  Hüggins  haben  sich  Vogel  und  Lohse  mit  Ver- 
suchen, die  Bewegung  der  Sterne  im  Weltraum  spectro- 
skopisch  zu  bestimmen,  beschäftigt.  Die  von  ihnen  ange- 
wandte Methode  ist  folgende.  Eine  GEissLEB'sche,  mit 
Wasserstoff  gefüllte  Röhre  wuide  im  Innern  des  Fernrohi*s 
angebracht,  und  zwar  so,  dass  dieselbe  den  vom  Objectiv 
kommenden  Strahlenkegel  berührte;  ferner  wurde  ihre 
Längsrichtung  senkrecht  auf  den  Spalt  des  Spectralappa- 
rates  gestellt,  welch  letzterer  am  vortheilhaftesten  parallel 
zur  täglichen  Bewegung  gerichtet  wird.  Ist  der  Apparat 
mit  einer  Cylinderlinse,  die  concav  geschliffen  ist,  versehen, 
so  kann  man  durch  Veränderungen  der  Entfernung  dieser 
Linse  vom  Spalt  die  Breite  des  Spectrums  behebig  ver- 
grössem  oder  verkleinem.     Immerhin  aber  wird  die  Breite 


3Ä  Dil»  :<p«rtr&iaBalT«e. 

des  Stemspectmins  nur  einen  kleinen  Theil  des  Sehfeldes 
des  Beobachtnn^emrohrs  am  Spectrri«%kop  einnehmen. 
Brin^  rn^in  nun  durch  den  elektrischen  Funken  das  Gas 
in  der  Rohre  zum  iHüben,  so  wird  das  erzeugte  Licht, 
nachdem  es  die  Cjlinderlinse  passirt  hat,  sich  über  den 
ganzen  Spalt  Terbreiteii  und  es  n  erden«  durch  das  Fernrohr 
gesehen,  die  Lichtlinien  des  Gasspectrums  das  ganze  Seh- 
feld dt^  F'emrohrs  durthsetzen.  Man  sieht  so  zu  beiden 
Seiten  des  bandartig  das  Sehfeld  durchziehenden  Steni- 
spectrum>  die  hellen  Vergleichslinien  des  Gasspectrums. 
2^1reiche  Versuche  haben  Vogel  gelehrt,  dass  einseitige 
Vergleich ungen,  wie  »»ie  mit  Hülfe  eines  sogenannten  Ver- 
gleichspri>mas  ermöglicht  werden,  für  sehr  feine  Messungen 
nicht  ausreichend  sind  und  zu  ganz  beträchtUchen  Irrungen 
über  die  Uebereinstimmun^  zweier  Linien  Anlass  geben 
können. 

Auf  die  eben  beschriebene  Weise  gelang  es  Vogel 
und  LoHSE  am  22.  März  187 1  bei  ganz  vorzüglicher  Luft 
die  Verschiebung  der  drei  Wasserstofflinien  im  Spectrum 
des  Sirius  gegen  die  drei  Linien  Ha,  Hß  und  Hy  im 
Spectrum  der  (iEissLER'schen  Röhre  zu  sehen  und  es  konnte 
die  Grösse  derselben  mit  Hülfe  mikrometrischer  Messungen 
iin  der  /-Linie  zu  0,15H-O,O25  milliontel  Millimeter  Wellen- 
länge bestinmit  werden.  Die  Linien  im  Siriusspectrum 
erschienen  sehr  verbreitert  und  es  wurden  dadurch  die  Be- 
obachtungen sehr  erschwert.  In  Fig,  143  ist  ein  Theil 
des  Siriusspectrums  mit  der  /-Linie  abgebildet,  die  zweite 
Figur  zeigt  dieselbe  Gegend  des  Spectrums,  aber  mit  der 
hellen  Wasserstofflinie  H[i,  die  das  Sehfeld  durchschneidet 
und  nicht  mit  der  Mitte  und  der  dunkelsten  Stelle  der  sehr 
breiten  /-Linie  zusammenfällt.  Die  C-Linie  im  Stem- 
spectrum  ist  weniger,  die  dritte  Wasserstofflinie  Hy  noch 


Die  Bewnjfunjr  der  Stsme  im  WVlk'iiranmi'.  'Ml 

stärker  verbreitert  als  Hß.  Bei  allen  drei  Linien  war  die 
Verschiebung  nach  dem  rothen  Ende  des  Spectninis  sioliei' 
zu  L-rkennen, 

Mit  Proef/iiiif  iu  dessen  Spektrum  die  Wasserstoff- 
linifln  sehr  deutlich  sichtbar 
sind,  wurden  in  derselben 
Weise  Versuche  angestellt.  Es 
ergab  sieb  ebenfalls  ei 
Schiebung  der  drei  Wassei- 
stoflfliiiien  Ha,  ß,  y  im  Spec- 
trum  des  Sterns  na«h  dem 
rutheu  Ende  des  Spectriuns, 
Ebenso  wurde  Capella  unter- 
sucht; liier  erscheint  die  i-- 
Linie  äusserst  zait,  und  du 
viele  feine  Linien  in  dcj 
Nähe  stehen,  wurde  die  Be- 
obachtung sehr  erschwert,  es 
schien  jedoch  ebenfalls  ein«.' 
Verschiebung  nach  dein  rotheti 
Ende  stattzufinden,  deren  Be- 
trag aber  viel  geringer  aly  bei 
den  anderen  Sternen  war. 

Die  zahlreichsten  und  con- 
sequent     fortgesetzten     Unter-  ^'"""'f'uBi^ '""  ''" 

suchuugen    über    die    spectru- 

skopisch  bestimmbare  Eigenbewegung  der  Fixsterne,  also 
über  diejeuige  Coni|lonente  derselben,  die  in  die  Rich- 
tung der  Gesichtsliuic  des  BeoltacLters  fällt,  sind  auf 
der  Stemwai-te.  üu  Greenwicb  augestellt  worden,  und  zwar 
mit  einem  nach  den  Angaben  CaRisTiB's  von  A.  Hilger 
»erfertigten  sogenannten   HalbpHsmenspectroskop,   welches 


e 

^9 


I 


328 


Die  Spectralanalyse. 


l)ei   sehr  grosser  Dispersion   doch   eine  bedeutende  Licht- 
fülle giebt. 

In  der  nachstehenden  Tabelle  sind  die  bis  zum 
Jahre  1881  erhaltenen  Resultate  vollständig  zusammen- 
gestellt Das  Zeichen  -[-  bedeutet,  dass  sich  der  Stern 
von  uns  entfernt,  — ,  dass  er  sich  uns  nähert.  Die 
hinter  dem  Zeichen  +  stehende  Zahl  bezeichnet  den 
wahrscheinlichen  Fehler  dei*  Mittelwerthe.  Zum  Ver- 
gleich sind  auch  die  Resultate  von  Hüggins  beigefügt, 
sowie  kurze  Bemerkungen  über  den  Charakter  der  ge- 
messenen Linien. 


Name  dvs  Sterns 

Bewegung 

in 

engl.  Meilen 

« 

1 

N 

Huggins' 
Resultate 

Bemerkungen 

a  Aiidromedie 
/?  Cassiopejae 
y  Pcgaai 
a  Cassiopej» 
V  ('asaiüpejse 
ß  Androiiu'dae 

8:J  4-  4,2 

—46 

+? 
—27 

+  12 

1 

8 
o 

V 

+ 

F  breit,  neblig 
F  breit,  diffus 
F  dimiHC 

f'  breit,  neblig 
6,  scharf 

fi  Arietih 

—  14 

2 

F  breit,  »ehr  dunkel 

<(  PiHciuui 

— 8() 

2 

/■'  Ri'hmal,  acharf 

;'•  Andromed« 

— ? 

'6. 

a  ArieÜH 

-21 

4 

1  ö,  schart' 

rt   Ceti 

81  ? 

1 

6, ,    b4     cannidirtes 

/?  Persei 

1 

1 

Spectrnm 
F  dunkel,  scharf 

n   Perwei 

+2.-. 

2 

/'  schwach,  diffus«- 

^    Persei 

-    - 

1 

fc,  sehr  schwach    - 

Aldi'huran 

+20  +  2,0 

^ 
i 

+-^ 

6i  sehr  scharf 

('aiK'Ila 
y  ()ri«nns 

+27  +  4,5 

+  18  +  1,9 

-    1  +  1,4 

1» 
4 

+ 
+  1.-. 

fc,  scharf,    F  scharl 
F  sehr  scharf 
F  sehr  scharf 

/?  Tauri 

—18 

1 

3 

/'  breit,  diffuse 

<>  Drionis 

+  4  +  (5,1 

6 

F  schwach,    schmal 

Die  Bewegung  der  Sterne  im  Weltenranme. 


329 


Name  des  Sterns 

Bewegunir 

in 

engl.  Meilen 

'^ — T 

2^  c 

HuiTRin»' 
Rcsaltatf 

IU'nii-rkuii;;cii 

«  Orioni» 

—22  +10,8 

6 

F  Mchwach,    schmal 

;;  Orionis 

+  9 

3 

F  schwach,    schmal 

K  Ononi» 

—   1 

2 

F  scharf 

a  Orionis 

+21  + 

1.8 

8 

+  22 

/>i,    Aj     oannelirtes 
Sp»»ctrnm 

ß  Aari^fp 

—  7 

3 

F  breit,  neblig 

y  Geminonim 

-4-  2 

') 

F  breit,  scharf 

SiriuH 

+20  +  2,4 

10 

+  18  bis  22 

F  breit,  diffuse 

fl  CaniM  MinoriH 

9 

• 

l 

F  breit,  diffuse 

Castor 

+25  ±  4,2 

H 

+  23  bi»  28 

F  sehr  breit,  diffuse 

ProcYon 

+24  ±  3,9 

10 

+ 

7''  breit,  neblig 

Pollux 

— 2ti  + 

1,0 

13 

—  40 

6,  scharf,  ^schwach, 
scharf 

a  Hydre 

+39 

2 

6. 

9  L«oniH 

—14 

3 

64  scharf 

Regnlns 

+2Ü  t 

2,1 

8 

+  1-2 

bis  17 

F  breit 

y>  Leonis 

-38  + 

1.« 

5 



61 

/?  ürwp  Majoris 

+28  ± 

•1,7 

8 

+  17 

bi8  21 

F  sehr  dunkel,  breit, 
neblig 

«  UrjiÄ*  Mujorih 

27 

•) 

—  10  bis  ÜO 

6,,  F  schwach 

A  Leonis 

-28 

2 

+ 

F  breit,  dunkel 

/^  LeoniK 

+? 

1 

F  sehr  dnnkel,  breit, 
verschwommen 

X  Ursfp  Majorij* 

+*^ 

1 

F  sehr  dunkel,  breit, 
neblifT 

ß  LeoniK 

+34 

1 

+ 

F  breit 

;*  Urs»  Majori« 

+17  4- 

•-',7 

ti 

+  17 

bis  21 

F  sehr  dunkel,  breit, 
neblig 

8  Urse  MajoriH 

+11» 

2 

+  17 

bis  21 

F  sehr  dunkel,  breit, 
neblig 

y  Virgini« 

+5^7 

1 

F  schwach,       ver- 
schwömmen 

«  Unup  Majori» 

+10  + 

:<,7 

5 

+  17 

bis  21 

F  breit,  verschw. 

if  Virgin JH 

+•' 

l 

6j  SäulensiKM'trum 

a  Canum  Venat. 

— ? 

1 

F  sehr  dunkel,  breit, 
scharf 

1 

iJ, 

N-iu,.  <lF>  Strri 

1  "iKl. 

1 

n 
Ni'ili'ii 

m 

lliiitBiu.- 

"'•"""""'- 

(    VirifhiiEi 

■_2« 

•i 

b, 

Kpi« 

+    ' 

±4.. 

7 

+ 

F  »ehnnl.  sthari 

;   L'r>*  Maj..ri 

+  1« 

3 

+ 

7  bis -21 

F  «.hrdnDkel,brriu 
n.blig 

;    Ur-ff  M»j..n 

—  M 

+ 

F  breit,  verscbir.jni- 

.;  Mooti» 

_? 

1 

b,   beBtÜDüil 

Ardurns 

— :l: 

+  2," 

,     II 

-5 

i 

ilunkel,  fschiri 

y   Boülis 

— ? 

1 

F  breit 

»'  Bnutis 

_  ; 

±:J,. 

_ 

i„«,  whu-r 

,.^  Vi*«-  JIm..ri 

+-'' 

■< 

i,  Bthwath 

,fl  Lihrii- 

+11 

:i 

/■  «-hwach.  «hart 

"  '■""'""■ 

+  1. 

+  '.' 

+ 

f  Heb   .l^nVel,b^«i^ 

«  Seipt-ntw 

'-? 

;    1 

6i  äüiilru!.i>etlnuu 

£  S^rp,-ntis 

+:i: 

1      2 

f  breit 

;•  Hen'MlJK 

—■> 

1       2 

F  venchwoniniFD 

,,   Drafinia 

■+- 

bi  iKbr  «cbwicb 

..1  IlmnliK 

'      -2 

*i   sehr  »ibwaih 

:;  Kmuiu 

'+jr 

;     -' 

6, 

:  Ilriconi:. 

'  —■-':. 

1     - 

F  verhob*..mmen 

n  llKri-nliK 

'— :i 

'     -^ 

6,  Säulen»  pertmm 

,J  Dnicuni^ 

+■2. 

1 

6„  ft|  aehr  s.hwa.h 

R  <)phiu.lii 

+  17 

'     11 

f'  sehr    vem'hn. 

i  \>TaxnDU 

+■:■ 

1 

6,    Kehr  »chwath 

y   Draoonis 

17 

+  V 

fc„fr,  sehr  bestimini 

«  l.ynf 

±  -i-- 

it 

— 

1  l>i>  .VI 

F  »ebrdnnkel.brwl, 

F  lireit,  verachw. 


F  sehr    I 


eit, 


I  üi^liwoinmen 

I  b,  be»timml 
I  b,  bealimmt 
F  TvrscbwomniFn 


Die  Bewrjping  der  Sterne  im  Welteiiraiime. 


:r.i 


Name  de»  .Sterns 

Bü  Weisung 

!            ^" 

j  engl.  Meilen 

'S 

N 

e 

5    c 

HuKfcins^ 
Kenultnte 

1 

i        Bemcrkuugen 

1 

1 

n  Ai{llil»P 

i— i:^.?+ll,7 

9 

F  sehr    breit,     vcr- 

1 

;          Kchwomnieu 

'/  «  ygni 

—15 

1 

±  3,1 

9 

— — 

|6,,/>,    best  im  mt,     /•' 
1          scharf 

n  Deipbini 
n  ryjjni 

+22 

X  h^ 

1 

2 

0 

—  :i9 

F  sehr  breit 
.  6,   schwach,  f '«charf 

f   Cygni 
5  Cygrni 
rt  C'ephei 

+1« 

1—? 

• 

1 

I 
1 

1 

1 

1  *i,  ^\ 
6,   nnbt'stimmt 

1  F  8ehr(lnnkel,.stharf 

.^(.'ephei 
i    Prgasi 

—  15 

±  2,5 

1 

1 
in 

6|   nnbestinimt 
6,,  62,  />(  bestimmt 

r.   PepiMi 
Fonuilhaut 

-21 

• 

2 
2 

F  bestimmt 

fi  Pegaiii 

+  li» 

•> 
•> 

.  6,,  hi  SäiilensiuMtr. 

a  Pegafii 


—M  ±5,9        7      — 


F  breit,  bestimmt 


I'l 


Vierte  Abtheilung. 

Die  Krgehiiisse  der  spectroskopisclien  Uiit(>i'siu*liuiig  der 

Steriiliaufeii  und  NebelHeckt». 


1 


30.  Spectra  der  Sternhaufen  und  Nebelflecke. 

Wenn  man  mit  einem  Fernrohre  von  massiger  Ver- 
grösserung  aber  grosser  Lichtstärke  den  nächtlichen  Him- 
mel durchmustert,  so  hebt  sich  eine  beträchtliche  Zahl 
von  Sternhaufen  und  schwach  leuchtenden  Nebelgewölken 
von  dem  dimklen  Himmelsgewölbe  ab,  welche  man  auf 
den  ersten  Blick  für  atmosphärische  Wolkengebilde  halten 
könnte,  die  aber  durch  die  Beständigkeit  in  der  Gestalt 
und  die  Dauer  ihrer  Erscheinung  bald  die  Gewissheit 
verschaffen,  dass  wir  es  mit  Himmelskörpern  eigener  Art 
zu  thun  haben.  William  Hkrschel  konnte  mit  seinen 
grossen  Teleskopen  sehr  viele  dieser  Nebel  in  Sternhaufen 
auflösen,  in  Gruppen  von  einzelnen  Sonnen,  in  denen 
man  zahlreiche  Fixsterne  scharf  von  einander  getrennt 
unterscheiden  kann,  die  aber  so  weit  von  uns  entfernt 
sind,  dass  ihr  Licht  fiir  schwächere  Instrumente  von 
einer  einzigen,  grossen,  matt  leuchtenden  Masse  herzu- 
kommen scheint.  Nicht  alle  Nebel  Hessen  sich  durch 
Herschel's  Teleskop  auflösen,  und  in  demselben  Masse, 
als  solche  Nebel  sich  als  Sternhaufen  zu  erkennen  gaben, 
zeigten  sich  zugleich  wieder  neue  Nebel,  die  der  Auf- 
lösung widerstanden  und  den  scharfsinnigen  Forscher  zu 
der    Ansicht    brachten,    dass    ausser    den    vielen    tausend 


!tSfi 


Dk  Spi^dralnnnltR 


urhein/tartm  Nebeln,  welche  sich  als  abgeschloa^ene  Stern- 
liHiifeii  offen Iiarteii.  auch  noch  Tausende  von  wirklichen 
SUIS  kosmischer  ürniaterie  bestehenden  Nebeln  im  Wolten- 
raume  vorhanden  sind. 

Lord  Rosse  haute  ein  Teleskop  von  h2  Foss  Lange, 
mittels  dessen  er  viele  von  Hp.RSOHEii  nicht  aufgelöste 
Nebel  in  Sternhaufen  aufzulegen  vermochte;  allein  das  nun 
noch   tiefer   in   den   Weltenraum   vordringende   Auge   traf 


wieder  auf  neue  Nehel,    weiche  der  aufluvenden  Kraft  i 
Hieseninstrunienteswiderstanden. 

Die  Teleskope  haben  daher  die  Frage,  ob  die  nickt 
aufgeüisten  Nebelflecke  Tlieile  der  Urtnatane  sind,  welche 
zur  Bildung  der  jetzt  bestehenden  Sterne  gedient  hat, 
nicht  gelost;  sie  lassen  uns  im  Ungewissen,  ob  diese 
Nebel  noch  glühende  Gasmassen  oder  Fixsternsysteine 
sind;  sie  haben  das  Problent  nur  ciweitert,  anstatt  es  zu 
vereinfachim  oder  zu  lösen. 


Sp« 


I  rkr  stenihniirfii 


S37 


Was  die  grössten  Teleskope  nicht  leisten  könaeii, 
das  vermag  das  kleine  unscheinbare,  aber  unendlich  fein 
fühlende  und  spürende  Spectroskop;  ihm  verdanken  wir 
es,  wenn  wir  gegenwärtig  mit  völliger  Bestimmtheit  sagen 
können,   dass   es    wirkliche  leuchtende  Nebel  als  iaolirt  im 


Weltenraume    dastehende    Körper    giebt    und    dass    diese 
Kürper  glühende  oder  leuchtende  Gasma»»eit  sind. 

Der  ausgebreitetste  und  r^elloseste  aller  NebelÜecke 
ist  wohl  der  im  Stembilde  fM'on  (Fig.  144).  Er  be- 
findet sich  etwas  unterhalb  der  drei  Sterne  zweiter  Grösse, 
welche  die  Mittelgegend  des  prachtvollen  St«rnbildes  au&- 
roachen.     Es    ist    ausserordentlich    schwer,    von     diesem 

SriMim,  8f  erinluilj'iF.  It.  22 


Nebel  ein  nur  oimgemiassen  ti-euee  Bild  za  entwerfen. 
Nahe  dem  nuttlern  Theile  stehen  darin  vier  helle,  ein 
Ti-apez  bildende  Sterne.  Der  Nebel  hat  um  diese  Sterne 
herum  ein  flockig<!s  Ansehen;  einzelne  Theile  bilden  lange 
gebogene  Streifen,  die  von  dem  mittlem  und  hellem  Theile 
des  Neheb  auslaufen.     Neuerdings  ist  es  Prof.  H,  Daj 


in  New-York  gelungen,  mittels  eines  elfzolligen  R«fr 
an  ISOfaeher  Vergrösseruug  bei  einer  Exposition 
137  Minuten  eine  ausgezeichnete  Photographie  des  Orion- 
nebels zu  erhalten,  welche  die  charaktoristisehe  Gestalt 
und  viele  Details  desselben  sehr  klar  wiedergiebt. 

Nicht  ganz   so   unregelmässig   erscheinen  die  grossen 
Mayeüaiiüehmi   Wolkittt,   oder  die  Cajiwolken,  zwei  Nebel- 


inil  N>b<1fl«cke. 


flecke  am  südlichen  Nachthimmel,  von  denen  der  eine  an 
Ausdehnung  die  scheinbare  Grösse  der  Mondscheibe  um  das 
FiinCTuche  übertrifft.  Sie  sind  dem  blossen  Auge  sichtbar. 
Weit  mehr  als  diese  unregelmässig  gfistalteten,  thao- 
tiscfaeii  NebelgeHtalten  regen  unsem  Geist  die  Spiral- 
nebel ant  die  wir  erst  durch  Küsse's  und  Bond's  Rieseu- 
teleskope    uäher    kenneu    gelernt    haben,      In    der   Regel 


gehen  von  einem,  zuweilen  auch  von  mehreren  Licbtknoten 
oder  Centren  zahlreiche  krummlinige,  nicht  in  sich  zurück- 
kehrende neblige  Streifen  aus,  die  sich  spiralförmig  vom 
Centrum  entfernen  und  schliesslich  unmerkHch  in  den 
Himmelsraum  verlieren.  Fig.  145  zeigt  einen  sichel-  oder 
»chweifformigen  Nebelfleck  (Hebschel  Nr,  3231)),  Fig.  140 
einen  volleu  Spiralnebel  (H.  1173)  und  F^.  147  den  be- 
nierkenswerthesUiii  aller  Spiralnebel  in  deu  Jagdkunden 
(H.  1622). 


MO 


Den  Uebergang  von  den  Spiralnebeln  zu  den  Riiig- 
iii-lieln  bilden  NebelHeclce,  wie  der  in  Fig.  14»  (H.  604i 
uligebildete ,  und  an 
diese  Rcl]lies.sen  sich 
dann  die  einfachen  oder 
mehrfneJien  Rtnijnebel, 
deren  aUgetneiner  Ty- 
pus in  Fig.  149  dar- 
j:;estellt  Ist,  an. 

Fig.  160  ist  das  Bil<i 
eines  mehrfachen  Ring- 
nehels  |  H.  854)  mit 
stark  flliptischeo  Bill- 
igen und  hellem  Kerne. 
Je  nachdem  dw  Bin); 
mit  seiner  Fläche  oder 
mit  soiner  Kante  un»^ 
zugekehrt  ist.  oder  je 
nachdem  unsere  Seh- 
linie auf  der  RJogflächt' 
senkrecht  steht  odei- 
mehr  oder  weniger  schief 
gegen  dieselbe  gerich- 
tet ist,  niihert  sich  da» 
Bild  des  Ringes  dem 
Kreise  oder  der  Ellipse 
oder  auch  einer  geraden 
Linie.  Nehelringe  dieser 
letzteren  Art  sehen  wir  in  Figg.  tot  (H.  1909)  und  152 
(H.  2621).  Wenn  sieh  ein  elliptischer  Itiugfleck  stark  in  die 
Lunge  streckt  und  die  kleine  Achse  viel  kleiner  ist  als  die 
grussei  so  nimmt  mit  der  Entfernung  vom   iunera  Licht- 


4 


Spwirn  der  Sl-rnliniileH  nii.l  Ni*h«IHoi-k..,  341 

kerne  die  Dichtigkeit  und  die  Helligkeit  im  Ringe  ab  und 
zuweilen  in  einem  so  hohen  Grade,  dass  an  den  ent- 
ferntesten Stellen  des  Ringes,  an  den  Enden  der  grossen 
Achse,  der  Ring  unterbrochen  zu  sein  acheint.  Der 
Nebelfleck  gewinnt  dann,  wie  es  die  Fig.  153  (H.  3501) 
und  Fig.  154  (H.  2552)  zeigen,  das  Ansehen  eines  Doppul- 
nebtls  mit  Ceutralflcck. 


Viel  weiter  scheinen  diejenigen  Nebelflecke  in  ihrer 
Entwickelung  vorgeschritten  zu  sein,  welcjie  mit  ziemlich 
scharf  begrenzten  Rändern  entweder  in  Kreisform  oder 
nur  schwach  elliptisch  gefonnt  erscheinen.  Weil  sie  blei- 
chen oder  in  matt  bläulichem  Lichte  leuchtenden  Planeten 
fihnUch  sind,  werden  sie  jilauetnrische  Nebel  genannt; 
übrigens  sind  sie  der  Form  nach  ebenfalls  sehr  verschieden, 
theila  Spiral-,  thcils  Ringnehel.    Die  Figg.  löÖ  (H.  838), 


S42 


Ilir   HjuTlnilatiilj»«. 


/Ö6'  (H.  4G4)  und  lö' 
(H.  22AV\  steUen  solche 
(ilanelarisehe  Nebel  dar: 
lier  erste  hat  zwei  Stenie 
iider  Liohtkeme  und  zwei 
(liese  umgebende  dunkle 
lUiime.  um  welch«  aidi 
<lie  .Spirulstreifen  lagern; 
iler  zweite  hat  ebenfalls 
/,wei  Kerne  uhue  deutlii'Ii 
gesonderte  Dunkelraune : 
der  dritte  hat  gar  keinen 
lichtkeni,  aber  einen  deut- 
lich a  umgeprägten  Lichtring , 
Eine  besondere  Classe 
bilden  die  Sebehtemt,  bei 
welchen  ein  ziemlich  scharf 
begrenzter  und  hell  leuch- 
tender Stern  von  einer 
Liolitatmosjihöre  umgeben 
ist,  welche  zuweilen  sich 
unmerklich  nach  allen 
teil  bin  verhert,  in  an< 
Fällen  aber  sich 
abgrenzt,  Die  Figif.  158 
(H.  2098)  und /SO  (ii. -450) 
zeigen  die  bemerkens- 
werthe&teu  dieser  höchst 
merkwürdigen  Nebelstenie; 
der  erstere  ist  wie  Saturn 
von  einem  Kingsystem  umgeben,  das  uns  seine  scharfe 
Seite  zukehrt;  der  zweite  ist  ein  wirklicher  Stern  achter 


L(R|[Ii<'b«r  !I>b«lflrck     EI.  amj. 


nilrnnfi^n  iiiicl  \ch 


Grösse  und  nicht  nebelig,   von  einer  kreisrunden  und  hell 
leuchtenden  Atmosphäre  genau  concentrisch  umgehen. 


n  ziem- 
grossen 


Fig.  155. 


Wii'  haben  nun  wenigstens  der  Form  nach 
lieh  volbtändtges  Bild  von  dem  voi^efuhi-t,  was  ( 
Teleskope   der  Gegenwart  von 
den    Nebelhanfen    zeigen;    das 
Material,  welches  uns  bis  jetzt 
der    Spectralap  parat     daiüber 
geliefert  hat,  ist  zwar  an  Um- 
fang weit  kleiner,  aber  nichts- 
destoweniger von  der  grüsst«ii 
Bedeutung  für  die  Erkeuutniss 
der  Natur  und  der  physischen 
Constitution  dieser  so  weit  ent- 
legenen  Himmelskörper.      Wir 
müssen   uns   vorab    daran   er-         '''""*a'"rn"n'(H*^ißaT'  '*" 
innern,  dass  wir  aus  der  Art  des 

Spectnuns  nicht  bloss  die  Sub^Uuz,  welche  das  Licht 
aussendet,  .sondern  auch  ihren  Aggregatzustand  erkennen 
können.     Besteht   das  Speclrum    in  coiUinuirlkher   Folge 


SM 


Di«  ßpei'tralsnüj!«. 


aus  Licbtstrablen  jeder  Brectibarkeit  oder  Farben, 
die  Lichtquelle  ein  glühender  ffster  odtir_^ti««^er  K5r[ 

wenn   dagegen  dm   Spectruni   bloss  aus  hellen  1 


Fig.  I5|j. 


Fig,   157. 


steht,   so   wissen   wir,   däes   die   Lichtquelle  ein  gli 
(ias  ist;  erscheint  endlidi  ein  Spectrum,   in   welchem 
CoDtiiiuirlichkeit   der  Farben    durch  dunkle  Linien 


Fig,  15Ö, 


¥xK-   fSS'. 


1  aa^^^l 


brechen  ist,   bo   leiirt  uns  dasselbe  über  die  Substanz 
Lichtquelle  selbst   nichts  Näheres,   aber  wir  wissen  di 
dass    das    Licht    durch    eine    Atmosphäre    von    Dämpfe 
niedrigere!"  Temperatur  gegangen    ist,    welche   durch   ihre 
electiv-absürbirende    Kraft    diejenigen    brbigen    Strahleu 


4 

ipfe^^^ 


SpflPtr«  der  Sir  ruh  an  fr»  nnd  Si-Wllii-ck.-.  :!.|5 

ausgelöscht  haben,  die  sie  selbst  ausgestrahlt  haben 
würden,  wenn  sie  fiir  sich  allein  geleuchtet  hätten. 

Als  Hdqqims  zuerst  im  August  1864  sein  teleskopi- 
svhes  Spectroskop  auf  eines  dieser  Gestirne  aus  der  Glasse 
der  sehr  kleben,  aber  gUüizenden  Nebel  (H.  4374)  richtete, 
fand  er  zu  seiner  höehsten  Ueberraschnng,  dass  das  Spec- 
tram,  Fig.  260,  nicht  das  Ansehen  eines  leuchtenden  con- 
tinuirlich  farbigen  Streifens  habe,  wie  es  ein  Stern  zeigt, 
sondern  av»  drei  bellen  Linien  bestehe. 

Diese  eine  Beobachtung  war  ausreichend,  um  das  so 
lange  angeregte  Problem  zu  lösen,  wenigstens  für  diesen 
besondem  Nebel.    In  dei*  That  kann  ein  solches  Spectruni 


nur  vor  einer  gaxf'irmigen  Substauz  herrühren;  das  Licht 
dieses  Nebels  wird  daher  weder  von  einer  glühenden 
festen  oder  flüssigen  Mat<'rie."  noch  von  einem  stark  Ter- 
dicbteten  Gase  ausgestrahlt,  wie  das  der  Sonne  und  der 
Sterne,  sondern  von  einem  leuchtenden,  wenig  dichten  Gase. 
Um  die  chemische  Natur  dieses  Gases  zu  ermitteln, 
stellte  UcuotNä  das  bekannte  Vergleichsverfahren  an,  und 
zwar  verglich  er  das  Spectrum  des  Nebeltlecks  nach  der 
Reihe  mit  einigen  FEAUNHOFEu'schen  Linien  des  Soimen- 
spectrums  und  den  hellen  Linien  irdischer  Stoffe.  Das 
Resultat  dieser  Untersuchung  ist  aus  der  Ftjj.  161  leicht 
zu  erkennen.  Die  glänzendste  Linie  1  des  Nebelflecks  liegt 
den  hellsten  Linien  (N)  des  A'dct^fojfspectrums  sehr  nahe 


1 

L 

und  fallt  mit  einer  derselben  vollkommen  zusammen.   Hbedl 
[;oincidirt  die   schwächste   der   Linien  des  Nebelflecks  {ß 

was  dasselbe  ist,   mit  der  FHAUSHOFEE'sclien  Linie  F  de. 

keine  entsprechende   unter  den   hellen  Linien  der  drassig 
rdiachen   Stoffe,   welche    damit   verglichen  sind;   sie   liegt 
licht   weit  von   der   ßraritmlinie  Ba,  aber   sie   fällt  nich 
mit  ihr  zusammen. 

HuGGiNS,  Franklanp  uud  LucKYEE  haben  sich  mit  der 

Kl.;,   itil. 

1 

1 

pi.,ln.in  -in-K  »»Hslitnek..  v.rjliilhül.  Olil  riet  Sonne  m,d  r-Lnisrn  l.dilch^D  SU««» 

'i-age  beschäftigt,   ans  welchem  Gründe   die   übrigen  cha- 

ipectrum    des    Nebek    nicht   sichtbar   sind.      Sie    fandeit, 
ass,    wenn    man    die    GmssLEBV-he   Rühre,    in    weldtif 
ffaaserstflff  oder  StJckistofl'  durch  den  elektrischen  Funk* 
Itihend    gemacht    werden,    etwas    von    dem    Spalte    des 
üpectroekopB    entfernt    und    die    Spectra   aus    einer    hin- 
eichend  grossen   Entfernung   betrachtet^   nicht    bloss   die 
oppelte  Linie   des  Stickstoffs  einfach   erscheint,    sondern 
uch    die    übrigen    hellen    Linien    heider   Gase    ans    dem 

d 

Spcctra  der  Sternhaufen  nnd  Nebelflecke.  347 

jenigen,  welche  auch  in  dem  Spectrum  des  Nebels  gesehen 
werden. 

Fbankland  und  Lockteb  fanden  auch  einen  gewissen 
Einfluss  der  Temperatur  und  des  Druckes,  allein  Fievez 
hat  N  jüngst  durch  eine  Reihe  einwurfsfreier  Experimente 
gezeigt,  das  die  Lichtintensität  des  strahlenden  Körpers  den 
grössten  Einfluss  ausübt.  Er  experimentirte,  indem  er  das 
Licht,  welches  ein  Spectroskop  empfing,  in  seiner  Helligkeit 
änderte,  dabei  aber  Temperatur  und  Druck  constant  liess. 
Unter  diesen  Umständen  verschwand  im  Spectrum  des 
Wasserstofik  bei  abnehmender  Helligkeit  zuerst  die  Linie 
Hß^  dann  Ha^  während  Hy  bis  zuletzt  sichtbar  blieb.  Diese 
Linie  ist  ee  nun  auch,  welche  man  allein  im  Spectrum 
dar  meisten  Nebel  findet.  Ganz  ähnliche  Resultate  ergab 
der  Versuch  mit  dem  Stickstoffspectrum.  Es  bestätigt  sich 
abo  die  schon  von  Hüogins  als  Vermuthung  geäusserte 
Ansicht»  dass  die  anderen  Linien,  welche  in  den  Spectren 
des  irdischen  Wasserstoffs  und  des  Stickstoffs  vorkommen, 
bei  der  Fortpflanzung  des  Lichtes  durch  den  unmessUchen 
Raum  von  dem  Nebelflecke  bis  zu  uns  ausgelöscht  werden. 

Ausser  obigen  drei  hellen  Linien  zeigte  das  Spectrum 
des  Nebelflecks  (Fig,  160)  noch  ein  äusserst  schwaches 
Qpntinuirliches  Spectrum  von  kaum  wahrnehmbarer  Breite, 
welches  seiner  Natur  nach  nur  von  dem  diffusen  Lichte 
eines  schwach  glühenden  festen  oder  flüssigen  Kerns,  oder 
auch  von  dem  Lichte  einer  matt  leuchtenden,  in  der 
Form  eines  Dunstes  von  festen  oder  flüssigen  Theilchen 
bestehenden  Materie  herrühren  konnte. 

Alle  planetarischen  Nebel  haben  dasselbe  Spectrum; 
die  hellen  Linien  derselben  glänzen  mit  einer  relativ  be- 
deutenden Lichtstärke  im  Spectroskope,  obgleich  die  Nebel- 
flecke selbst  nicht  deutUcher  sichtbar  sind  wie  die  Sterne 


B48  Die  Spectralanalyse. 

neunter  Grösse.  Der  Grund  davon  ist  der,  dass  das  Licht 
der  letzteren  sich  auf  ein  continuirliches  Spectrum  aus- 
breitet, während  das  Licht  der  Nebelflecke  auf  ein  paar 
Linien  concentrirt  bleibt;  es  ist  also  derselbe  Grund, 
welcher  macht,  das  man  am  hellen  Tage  das  Spectrum 
der  Sonnenprotuberanzen  gleichzeitig  mit  dem  sehr  abge- 
schwächten Spectrum  des  Tageslichtes  beobachten  kann. 

Prof.  C.  Pickering  hat  das  charakteristische  Spectrum 
der  planetarischen  Nebel  im  Gegensatze  zu  demjenig^ 
der  Fixsterne  mit  Glück  benutzt,  um  solche  planetarische 
Nebel  zu  entdecken,  die  wegen  ihrer  Kleinheit  sich  auch 
in  den  grössten  Teleskopen  nicht  von  kleinen  Fixsternen 
unterscheiden  lassen.  Zu  diesem  Zwecke  wurde  zwischen 
dem  Objectiv  und  dem  Ocular  des  15zolligen  Refractors 
zu  Cambridge  M.  ein  kleines  geradsichtiges  Spectroskop 
angebracht  und  das  Femrohr  in  seiner  Lage  festgeklemmt 
Die  unimterbrochen  durch  das  Gesichtsfeld  ziehenden  Fix- 
sterne zeigten  farbige  Lichtlinien,  die  sich  sehr  chai-ak- 
teristisch  von  dem  monochromatischen  Lichte  der  Nebel- 
Hecke  unterschieden.  Auf  diese  Weise  gelang  es  demselben 
schon  bei  der  ersten  Anwendung  dieser  Methode  vier  neue 
planetarische  Nebel  zu  entdecken. 

Fig,  162  ist  der  planetarische  Ringnebel  im  Wasser- 
mann^ nach  der  von  Lord  Rosse  gemachten  Zeichnung. 
Derselbe  hat  ein  Spectrum  von  drei  hellen  Linien,  von 
denen  die  eine  auf  die  Anwesenheit  von  Stickstoff,  die 
andere  auf  Wasserstoff  hinweist. 

Auf  den  ersten  Blick  erkennen  wir  in  dem  Nebelfleck, 
Fig,  IH3y  einen  der  von  Rosse  sogenannten  Spiralnebel 
(H.  4964);  derselbe  ist  dadurch  merkwürdig,  dass  sein 
Sj)e(truni  vier  glänzende  Linien  zeigt,  unter  denen  ebenfalls 
sowohl  die  Stickstofi-  als  die  Wasserstofflinie  vorkommt 


1-                                   Spcrtra  dor  Sie 

HüooiNS    sah   im   S 
/^ym-  (H.  4447),  Fig.  lä-i 
Linie  und  zwar  die  des 
StickstofTs,  später  noch 
eine  andere.  Wenn  man 
das  Spectroskop  so  auf 
den   Nebelfleck  richtet, 

'       dass  der  Spalt  denselben 
ganz  durchschneidet,  sn 
erscheint  die  helle  Liiiif 
aas     zwei     glänzeaden 
Strichen     zusammenge- 
setzt,   welche    den    un- 
teren und  oberen  Ring- 
8chnitt«n     eutsprecheii. 
Diese     beiden     Striche 
sind  durch  einen  schma- 
len   Strich    verbunden, 
welcher      zeigt,      (la.sg 
der  hchtschwache  innere 
Theil    des    Nebels    von 
derselben  Ueschatfenheit 
ist  vrie  der  umgebende 
Ring. 

Das  kraftvolle  Instru- 

1      ment  zu  Bothcamp  zeigte 
jedoch    auch   im   Spe*-- 
trum   dieses  Ringnebels 
drei  Linien,    von   denen 
der    dritten    wegun   Lieh 
werden   konnte;   letztere 

f  (S.  350),  anfangs  nur  eine  helle 

Fig.   iüL". 

HC-),,.  Sp«trüB.. 
F,g.    Ml. 

zwei   gemessen  wurden,  die  Lage 
tschwäche   jedoch   nur  geschätzt 
fällt  Dach  Vogel's  Meinung  uu- 
imen;   auch  in   dem  schwächern, 

^ 

1 

850 


Die  SpecmiI«Ii«IjriiB. 


i-ie,  l^i^. 


den  Nebi'lring  ausfiillenden  Nebel  konnte  Vookl  die  bi 
eisten  Linien  erkennen. 

D<T  gi'osse  Orion-Kebel  ist  mebrfacti  Gegenstand 
speutroskopi^clien  Oiit«rsiic)iuug  gewesen;  sein  sichtbf 
Spectrum  be«tebt  aus  drei  sehr  deatlicb  ausgeprt 
heilen  Unien,  von  denen  wieder  die  eine  die  Süoksl 
die  andere  die  Wasserstofflinie  ist. 

Nach  Vogbl's  Untersuchungen  treten  die  genannt» 
ilrei  Linien  in  alk'n  Theüen  des  Nebels  auf  und  auch  ihre 
relative  Helligkeit  ist  überall  die 
gleicJie.  Sie  stehen  auf  ganz  dunklem 
Gründe  und  keine  Spur  eines  con- 
tiniiirlichen  Spectrums  ist  sichtbar.  Die 
\Vtitenlauge  dieser  Linien  bestimmte 
\  nüEL  zu  resp.  500,3,  495,8  und  466,1 
iiiilliuutel  Millimeter, 

Ucbrigens  haben  sowohl  Lleul 
tlKRscHEL  in  Indien  als  auch 
Uus3E  und  Prof.  Winlock  (vom  Har^* 
Kingn*i>(i  in  der  i.eyrr  u-ard  Obserratorium)  noch  eine  vierte 
helle  Linie  in  diesem  Nebel  gefunden, 
welche  Hugqdis  bereits  in  dem  Nebel  H.  4964  f/'ij?.  163J 
angetroft'eu  hat  und  die  wahrscheinlich  ebenfuUs  dem 
Wasserstoff  angehört.  Auch  Vogel  hat  diese  Linie  später 
gesehen.  Möglicberweise  sind  noch  andere  sehr  schwache 
Linien  iu  diesem  Spectrum  vorhanden,  zu  deren  Wahr- 
nehmung aber  weit  grössere  und  mächtigere  Instrument 
erforderüch  sind,  als  bisher  zu  Gebote  stehen, 

nie  spoctroskoptsche  Methode,  durch  welche  bei  eii 
Anzahl   von   Fixsternen   die  in   der  Richtung  zum   Beob- 
achter liegende  Bewegungscompouente  i'rmittelt  wui-de,  ist 
von  HuaoiNB  auch  auf  die  NebelÖecke  angewandt  worden] 


itenagg||fl| 

1      ffiMf^^ 


«ntai^_ 


Speotra  der  Sternhaufen  und  Nebelflecke.  351 

bei  den  sieben  genauer  untersuchten  Nebeln  zeigte  sich 
keine  Verschiebung  der  beobachteten  Linie,  welche  auf 
eine  Geschwindigkeit  von  wenigstens  30  engl.  Meilen  in 
der  Secunde  hätte  schliessen  lassen. 

Das  spectroskopische  Studium  der  Nebelflecke  ist  noch 
zu  jungen  Datums  und  bei  den  gegenwärtigen  Hülüsmittehi 
zu  schwierig,  um  weitere  Resultate  zu  liefern.  Es  mag 
jedoch  erw^ähnt  werden,  dass  in  dem  Gasspectrum  des 
Nebels  im  Drachen  (H.  4374),  den  Huggins  zuerst  unter- 
suchte, 1864  die  Linie  2  heller  als  3  war,  während  Vogel 
1871  im  Widerspruch  mit  Huggins  die  Linie  3  an  Hellig- 
keit gleich  2,  bisweilen  sogar  noch  etwas  heller  fand, 
d' Arrest  im  folgenden  Jahre  dagegen  abermals  2  unzweifel- 
haft heller  als  3  sah.  Hier  scheint  also  die  Vermuthung 
berechtigt,  dass  eine  gewisse  Aenderung  im  Zustande  des 
Nebellichtes  stattgefunden  habe. 

Bei  der  gewöhnlichen  spectroskopischen  Beobachtung 
der  Nebelflecke  gewahren  wir  nur  die  sichtbaren  Strahlen 
derselben;  wollen  wir  auch  die  unsichtbaren  Strahlen  jen- 
seits G  und  H  zur  Wahrnehmung  bringen,  so  sind  wir  auf 
die  Photographie  angewiesen,  welche  wie  bei  den  Sternen 
auch  die  ultravioletten  Strahlen  darstellt  und  damit  das 
sichtbare  Spectrum  ergänzt.  Mittels  des  Apparates,  den 
Huggins  zur  Photographie  der  Stemspectra  benutzte  und 
der  §  26  beschrieben  ist,  gelang  es  ihm  am  7.  März  1882, 
auch  das  Spectrum  des  Orionnebels  zu  photographiren. 
Die  Dauer  der  Exposition  betrug  45  Minuten  und  der  Spalt 
wurde  etwas  weiter  geöffnet  als  bei  der  Photographie  der 
Stemspectra.  Die  photographische  Platte  zeigt  deutlich 
die  vier  hellen  Linien,  welche  das  Spectrura  des  Nebels 
charakterisiren.  Ausser  ihnen  erscheint  noch  eine  starke 
Linie  im  Ultraviolett,   deren  Wellenlänge  373,0  milUontel 


nie  Sp«lr»Unnly«e. 


Millimeter  beträgt.  Sie 
lallt  Dach  der  Ansicht  von 
HuQQiKS  zusantmen  mit 
der  Linie  C  des  typischen 
photographischen  Spee- 
trums  der  hellsten  weissen 
Sterne  und  gehört  viel- 
leicht dem  WasserstoÖ"  an. 
Fiij.  16ä  zeigt  das  photo- 
graphirte  Spectrum  des 
(Jrioiinebels  uud  darüber 
das  Spectrum  der  weissen 
SteiTie.  Im  Spectrum  des 
Nebels  sind  die  Linien  Hy 
und  ffß  schmal  und  gut 
be^enzt.  während  sie 
Spectrum  der  w 
Sterne  breitet'  uüd 
waschen  sind  (s.  Tafel  18). 
Fast  gleichzeitig  mit 
HuQQDJS  hat  sich  auch 
H.  Dbapeh  mit  der  Photo- 
graphie des  Orioiinebel- 
Spcctrunis  beschäftigt.  Er 
fand  die  merkwürdige 
'l'hiitsuche,  dass  in  jenem 
N  cbol .  unmittelbar 
■Icni  Trapez  zwei  hi 
Stellen  vorhanden 
welche  ein  continoirliches 
Spectrum  geben.  Dortmuss 
flieh  also  entweder  ein  Gas 


vor^_ 
elleaM 
srndB 


Spectra  der  Sternhaufen  und  Nebelflecke.  *V}*1 

auter  sehr  hohem  Druck  oder  eine  flüssige  oder  feste 
selbstleuchtende  Materie  befinden,  aber  Sterne  von  einiger 
Helligkeit  zeigen  sich  an  jenen  Stellen  nicht  Die  Wasser- 
stofflinie Hy  zeigt  sich  in  der  Photographie  von  Dbapeb 
stark  und  scharf  begrenzt,  diejenige  bei  h  ist  dagegen  sehr 
fein,  und  ausserdem  zeigen  sich  noch  Spuren  anderer 
äusserst  feiner  Linien  im  Violett.  Die  Linie  C>  welche 
HuQGiNS  in  seiner  Photographie  des  Spectrums  vom  Orion- 
nebel erhielt,  fehlt  in  Dbapeb's  Photographie;  dies  kann 
nach  des  Letztern  Meinung  daher  rühren,  dass  Huggins 
den  Spalt  des  Spectroskops  auf  eine  andere  Region  des 
Nebels  gerichtet  hatte,  oder  auch  weil  derselbe  einen  Re- 
tiector,  Dbapeb  aber  einen  Refractor  anwandte,  oder  end- 
lich auch  von  der  Art  und  Weise  der  Entwickelung  des 
photographischen  Bildes  selbst. 

HuoGiNS  theilt  auf  Grund  seiner  Beobachtungen  die 
Nebelmassen  in  zwei  Gruppen  ein;  dieselben  umfassen 

1)  die  Nebel,  deren  Spectrum  aus  einer  oder  meh- 
reren hellen  Linien  besteht; 

2)  die  Nebel,  deren  Licht  durch  das  Prisma  in  ein 
Spectrum  von  continuirlkhem  Ansehen  ausgedehnt 
wird. 

Von  sechzig  durch  Huggins  untersuchten  Nebelflecken 
gehört  ungefähr  ein  Drittel  der  ersten  Ginippe  an;  ihr 
Spectrum  besteht  aus  einer,  zwei  oder  drei  hellen  Linien, 
einige  zeigen  zugleich  noch  ein  sehr  schmales,  schwaches, 
continuirliches  Spectrum.     Es  sind  die  folgenden:* 


Nr.  4373   .     . 

.     37  //.  IV 

Nr.  4510   .     . 

.     51  //.  IV 

„     4390   .     . 
„    4Ö14   .     . 

.     0  :s 

.     73  //.  IV 

^     4028   .     . 
^     4447   .     . 

1  //.  IV 

RinKnebel  der 
LcvtT 

*  Die  Zahlen  beziehen  sich  auf  den  Generalkatalog  von  J.  Hkrschkl. 
SthtUen,  SpcetraUnalyHe.  11.  23 


354 


Die  Spectralaoalysc. 


Xr. 


49<>1  .  . 

.  18  //.  IV 

Nr. 

4499  .  . 

38  H.   VI 

4532  . 

Duinb-bell 

«• 

4827  .  . 

.  705  H.   11 

1189  .  . 

Orion-Nebel 

T. 

4627  .  . 

.  192  H.  I 

2102  .  . 

.  27  H.   IV 

n 

385  .  . 

76  3/ 

4214  .  . 

5  2 

n 

386  .  . 

.  193  //.  I 

1403  .  . 

.     17  M 

T 

2343  .  . 

.   97  M 

4572  .  . 

.  16  H.   IV 

Sternhaufen    und    Nebel    mit   anscheinend    continuir- 
lichem  Spectrum  ohne  Linien: 


Nr. 


4294  .  .  . 

92  M 

Nr.  4230  .  .  . 

13  Sf 

4244  .  . 

50  H,  IV 

„  4238  .  .  . 

12  M 

116  .  . 

Andromeda-Nchcl 

,  4244  .  .  . 

50  H.  IV 

117  .  . 

32  .1/ 

,  4256  .  . 

10  M 

428  ..  . 

55  Andromoda» 

,  4315  .  .  . 

199  H.  II 

826  ..  . 

2  i/.  IV 

^  4357  .  . 

11  M 

4670  .  . 

15  M 

«  4437  .  .  . 

11  M 

4678  .  .  . 

18  H.   V 

,  4441  .  . 

47  B.  I 

105  ..  . 

151  H.   1 

„  4473  .  . 

Anw.  44 

307  .  . 

156  H.   1 

„  4885  .  . 

56  3/ 

575  .  . 

.  156  U.   I 

,  4526  .  . 

2081  h 

1949  .  . 

81  M 

,  4625  .  . 

52  H.   I 

1950  .  . 

82  M 

.  4600  .  . 

15  H.   V 

3572  .  . 

51  M 

,  4760  .  . 

207  H.   V 

2841  .  . 

43  //.  V 

.  4815  .  . 

53  //.  I 

:M74  .  . 

6:;  M 

,  4821  .  . 

.  233  H.   II 

3636  .  . 

3  M 

.  4879  .  . 

251  H.   11 

4058  .  . 

215  H.   I 

.,  488:^  .  . 

212  //.  I 

4159  . 

.  1945  h 

Es  ist  von  Interesse  zu  erfahren,  inwiefern  und  in 
welchem  Umfange  die  Classification  der  Nebelflecke,  wie 
sie  durch  das  Spectroskop  angezeigt  wird,  mit  denjenigen 
Uesultaten  über  die  Auflösbarkeit  übereinstimmt,  welche 
man  durch  die  Riesenteleskope  erhalten  hat 

Die  folgende  Tabelle  giebt  hierüber  Auskunft;  sie 
rühi-t  von  Lord  Oxmantown  her,  der  alle  Beobachtungen 
von  HudciiNs  mit  denjenigen,  die  an  dem  grossen  Spiegel- 


» 


Spectra  der  Stornbanfen  und  Nebelflecke.  865 

teleskop  seines  berühmten  Vaters,  des  Lord  Rosse,  ange- 
stellt wurden,  verglichen  hat. 

Contin.  Linien- 

Spectrum       Spectrnin 

Sternhaufen 10  0 

AufgelöHt  oder  wahrscheinlicb*  aufgelöst     ....  10  0 

AuflöHbar  oder  wahrscheinlich  auflösbar  ....  5  6 

Blau  odf r  grün,  wahrscheinlich  nicht  auflösbar .     .  0  4 

Ohne  wahrgenommene  Auflösbarkeit 6  5 

'31  15 

Nicht  beobachtet  durch  Lord  Rossk 10  4 

Im  Ganzen  41  19 

Die  Hälfte  der  Nebel,  welche  ein.continuirliches  Spec- 
trum gaben,  ist  also  in  Sterne  aufgelöst  worden,  und  ein 
Drittel  ist  wahrscheinlich  auflösbar,  während  von  den 
Nebeln  mit  Linien-Spectren  nicht  ein  einziger  von  Lord 
Rosse  mit  Sicherheit  als  aufgelöst  gesehen  worden  ist. 
Unter  Berücksichtigung  der  grossen  Schwierigkeiten  dieser 
Untersuchungen  kann  man  daher  kaum  noch  daran  zwei- 
feln, dass  eine  Uebereinstimmung  zwischen  den  Resultaten 
des  Teleskops  und  des  Spectroskops  besteht,  und  diejenigen 
Nebelflecke,  deren  Spectrum  continuirlich  erscheint,  als 
eine  Anhäufung  von  wirkUchen  Sternen,  als  Sternhaufen^ 
zu  betrachten  sind,  wogegen  die  Nebel,  deren  Spectrum 
aus  hellen  Linien  besteht,  für  leuchtende  Gasmassen  ge- 
halten werden  müssen,  in  denen  Stickstoff  und  Wasserstoff' 
die  vorwaltenden  Bestandtheile  sind.  Obgleich  die  spec- 
troskopische  Untersuchung  der  Nebelflecke  sich  trotz  aller 
bisherigen  Fortschritte  noch  im  Anfangsstadium  befindet, 
so  besitzt  sie  doch  schon  durch  die  erlangten  Resultate 
eine  grosse  Wichtigkeit  für  das  Studium  aller  Fragen, 
welche  mit  der  Entwickelung  des  Universums  in  Verbin- 
dung stehen.  Die  genialen  Schlüsse  des  altern  Herschel, 
der  lediglich  aus  den  Beobachtungen  mit  seinen  grossen 

23* 


^5o  Diif  SpectralanalrM. 

und  lichtstarken  Spiegelteleskopen  auf  das  Vorhandenseiu 
«irklicher  Nebelmassen  und  sogenannten  kosmischen  Welt- 
dnnstes  schloss  nnd  in  diesem  die  Keime  der  Sonnen-  und 
Planetensysteme  erblickte,  haben  durch  die  spectrosko- 
l^ischen  Forschungen  eine  wichtige  Unterstützung  erhalten 
und  sind  so  aus  dem  Bereiche  blosser  Speculation  der 
wissenschaftlichen  Elrgründung  näher  gerückt  worden. 


Fünfte  Abtheilung. 

Die  Ergebnisse  der  spectroskopischen  Untersuchung  der 

Kometen  und  Sternschnuppen. 


31.  Die  Kometen. 

Die  Kometen  unterscheiden  sich  durch  ihr  äusseres  An- 
sehen und  die  kurze  Dauer  ihrer  Sichtbarkeit,  sowie  durch 
ihre  Bahnen  und  ihre  Beschaffenheit  wesentlich  von  den 
Weltkorpem,  mit  denen  wir  uns  bis  jetzt  beschäftigt  haben. 
Die  uns  sichtbar  werdenden  Kometen  bewegen  sich  zwar 
sämmtlich  um  die  Sonne  als  Bewegungscentrum,  aber  ihre 
Bahnen  sind  im  Einzelnen  sehr  verschieden.  Mehrere  von 
diesen  räthselhaften  Gestirnen  haben  geschlossene  Bahnen 
um  die  Sonne,  die  sie  in  regelmässig  wiederkehrenden 
Perioden  durchlaufen;  andere  kommen  ganz  unerwartet 
aus  dem  Weltenraume  in  unser  Sonnensystem  und  ent- 
fernen sich  darauf  auf  Nimmerwiedersehen.  Zu  den  ersteren 
gehören  folgende: 


Komi>t 


UmlaufB- 

GrSsBte  Sonnen- 

zcit 

NÄhe 

Ferne 

Jahre 

Ot-ographitche  Meilen 

:f/. 

i)  Millionen 

1 
81 

Millionen 

öV, 

15 

100 

.. 

5'/. 

12 

,   112- 

« 

6'/4 

17 

122 

n 

7'/.. 

ai 

118 

n 

7Ö'/, 

11V.    - 

ÜOn 

n 

Encke's 
Winnccke's 
Br(»rsfn's  . 
Biela\s  .  . 
avr  s  .  . 
Halle}* 's 


860  Die  Spectralanalys«. 

Während  die  vorstehenden  Kometen  eine  kurze  üm- 
laufszeit  haben,  ergeben  die  nach  den  gemachten  Beobach- 
tungen angestellten  Berechnungen  fiir  die  Kometen  von 
1858,  1811  und  1844  bezüglich  die  Umlaufszeiten  von 
2100,  3000  und  100000  Jahren,  oder  richtiger  ausgedrückt: 
die  Umlaufszeiten  dieser  Kometen  sind  so  gross,  dass  wir 
sie  gar  nicht  genauer  bestimmen  können.  Nicht  minder 
grosse  Verschiedenheiten  zeigen  die  Kometen  in  Bezug  auf 
ihre  Annäherung  und  Entfernung  zur  Sonne.  Encke's 
Komet  ist  in  dem  Perihelium  der  Sonne  zwölfmal  näher 
als  im  Aphelium;  einige  von  ihnen,  deren  grösste  Sonnen- 
feme weit  über  die  Jupitersbahn  hinausliegt,  kommen  der 
Sonne  so  nahe,  dass  sie  beinahe  ihre  Oberfläche  streifen. 
Der  Komet  von  1680  kam  der  Sonne  so  nahe,  dass  nach 
Newtün's  Schätzung  seine  Temperatur  die  des  weissglü- 
henden  Eisens  um  das  Zweitausendfache  übertraf;  er  bheb 
bei  seiner  grössten  Annähenmg  an  die  Sonne  nur  um  ein 
Sechstel  ihres  Durchmessers  von  ihr  entfernt;  ebenso  war 
der  Komet  von  1843  der  Sonne  so  nahe,  dass  er  infolge 
seines  Glühens  und  des  dadurch  hervorgerufenen  grossen 
Glanzes  am  hellen  Tage  gesehen  werden  konnte. 

Viele  Kometen  zeigen  eine  centrale,  mit  mildem  Lichte 
leuchtende  Scheibe,  die  man  den  Kern  nennt;  der  Kern 
ist  umgeben  von  einer  matter  leuchtenden  Dunst-  oder 
Nebelhülle,  der  Coma;  Kern  und  Coma  bilden  den  Kopf 
des  Kometen.  In  den  besten  Fernrohren  schrumpft  übrigens 
der  Kern  eines  Kometen  fast  zu  einem  Punkte  zusammen, 
so  dass  es  zweifelhaft  bleibt,  ob  in  Wirklichkeit  über- 
haupt ein  eigentlicher  Kern  vorhanden  ist.  Bei  fast  allen 
Kometen,  welche  mit  blossem  Auge  sichtbar  sind,  geht 
vom  Kopfe  ein  mehr  oder  minder  breiter  und  langer,  ge- 
radliniger   oder  gebogener,    einfacher,   sehr  selten   mehr- 


361 


fat:ht'r  Uchtstreileii  ans.  der  Ä/itc*i/,  fitr  dessen  Richtung 
ttn  Allgemeineu  die  Regel  gilt.  Jaa»  er  tio»  der  ^oHiif  ab- 
(feweniiet  ist  und  die  Verlängerung  einer  di«  Siinue  und  den 
KomeUn  verbijidecden  geraden  Lioie  bildet.  Während  der 
Schweif  bei  den  teleskupischen  Kometen  häutig  fehlt  und 
diese  dann  das  Ansehen  eines  grossem 
oder  kleinern,   mehr   oder  minder  regel-  *''ö-  "'''- 

massigen  Nebels  haben,  Fig.  166  (Donäti'm 
Komet  bei  seinem  Erscheinen  am  2.  Juni 
1S58),  zeigte  der  Jnlikomet  von  1861, 
Fig.  167,  swei  Schweife;  der  Komet  von 
1844  hatte  sogar'  sechs  Sehweife. 

Die  Schweife  wie  die  Coma  d«r  Ku- 
meten  sind  durchsirhlit/  und  bewirkten 
keine  Brechung  der  Lichtstrahlen,  welche 
von  den  dahinter  stehenden  Sternen  ausgehet 
am  HALLST'schen,  Stbuve  am  BiELA,'echen  Kometen  Fix- 
sterne nur  wenige  Secimden  vom  Mittelpunkte  lunter  dem 
Kerne,   der  über  sie  hinwegging  und  sie  weder  uusichtbai' 


macht^e,  noch  selbst  merklich  schwiiuhte ;  aus  den  angestell- 
ten genauen  Messungen  und  den  Berechnungen  über  die 
Bewegung  des  Komet«n  eigab  sich  zugleich,  dass  keine 
Brechung  des  Lichtes  den  Ort  jener  Sterne  verändert  hatte. 
Gleiche  Beobachtungen  wurden  an  dem  Don ati 'sehen 
Kometen   von  1058  (Fii/.  168)   und   dem  Juhkometen   von 


86S  Di«  »iwelniloimljw. 

1861  (Fig.  169)  gemacht.  Dicht  am  Kopfe  des  . 
an  einer  Stelle,  wo  der  begiimeude  Schweif  gegeo  : 
Meilen  dick  war,  sah  luaii  <leu  Stcru  Arcturus  kell  durch- 
leuchten; bei  beiden  Kometen  funkelt«  eine  Meügp  FixsteiiM! 
durch  den  noch  viel  dickern  Schweif  mit  ungeschwäditfim 
Lichte  hindurch.  Der  Komet  von  1828  bildete  eine  Kugel 
von  ungefähr  125U00  Meilen  Durchmesser,  und  dennoi'Ji 
sah  Strüve  durch  die  Mitte  desselben  einen  Stern  elftL-r 
Grösse,  so  daas  diesen  Beobachtungen  üufolge  das  Dn- 
z wische II treten  eines  Koniet^fii  diis  Licht  der  Sterne  nicht 
utilhäU.  ^H 


Die  Nebelhulle  odw  Coma  zeigt  VerUnderung«!  J 
der  Form  und  Grösse,  je  nachdem  sich  der  Komet  i 
Sonne  nähert  oder  sich  von  ihr  entfetut  Man  sollt« 
glauben,  dass  sich  die  Nehelhulle  bei  der  Äuniüierung  an 
die  Sonne  infolge  der  stitrken  Erhitzung  stets  auflockern  und 
ausdt'hnen  werde;  aber  mau  hat  bei  vielen  Kometen  gerade 
djLS  I'jitgegeugesetzte  beobachtet,  Bei  <lein  ENUKBschen 
Kometen  z.  B.  war  im  -Jahre  I8li»  der  Durchmesser  der 
C!oma  am  9.  October  61000  Meilen,  am  25.  Oclober  26200 
Meilen,  am  23.  November  84U0  Meilen  und  am  17.  Decem- 
ber  nur  noch  650  Meilen. 

Der  Sckwuif  ist  eine  Fortsetzung  der  Coma   und  i 
scheint,  wie  schon  bemerkt,  in  den  meieten  Fällen  von  i 


SoDue  abgekehrt,   mag  sich   der  Komet  der  Soime  iiiihun 
oder  sich  von  ihr  entfernen. 

Die  Fü/.  170,  eine  Zeichnung  des  Prof.  Joh.  MUlleu, 
niwht  diese  Schweifstellung  sehr  anschaulich.  In  dem 
Sternkärtchen  sind  auf  der  uiitereu  Linie  reehts  die  Stellen 
bezeichnet,  an  welchen  die  Somie  ani  27.  September,  am 
8.  und  14.  October  stand,  und  diese  HonneuÖrter  sind  mit 
den  gleichzeitigen  Uertem  des  DoNATi'schun  Kometen  dui-eh 


Fig.   IUI). 


gerade  Linien  verbunden.  Der  Schweif  erschien  stets  ge- 
krünimt,  und  zwar  mit  der  convexen  Seite  nach  derjenigen 
Richtung  hm  gewendet,  nach  welcher  sich  der  Komet  fort- 
bewegte. Dabei  zeigte  sich  diese  voranschreitende  Seite 
weit  schärfer  begrenzt  als  die  concave,  gerade  so  als  ob 
irgend  ein  widerstehendes  Medium  sich  der  Fortbewegung  de» 
Schweifs  entgegengestellt  und  diesen  zurückgedrängt  hätte. 
Bei  der  Annäherung  eines  Kometen  au  die  Sonne 
vergrösaert   sich    der    Schweif  regelmässig,    woraus   folgt. 


das8   die  iiionne,   sei   es   infolge   <ler   Wilrmewii-kimg  udcr 
auf  andofp  Wt'isc,  zur  Sfhweifbildung   wesentlich   beiträgt 


und  dio  Alisondfrung  niateriellei-  Theilc  vom  Hauptkörper 
der  Koiiiet«u  verureacht.  Die  Läagi"  der  Schweife  liegt 
nur  in  seltenen  Fällen  unter  100  ÜÜU  Meilen,  in  andereii 
Fftllen  aber  ersti-eckt  sich  di^lbe  p,uf  2Ü,  30  und  i 


Die  Kometen.  865 

Millionen  Meilen.  Die  Breite  des  Schweifes  des  grossen 
Kometen  von  1811  war  an  der  breitesten  Stelle  bei 
3000000  Meilen,  die  Länge  25000000  Meilen  und  bei  dem 
zweiten  desselben  Jahres  sogar  30000000  Meilen.  Und 
doch  geht  die  Bildung  des  Schweifes  in  sehi*  kurzer  Zeit, 
oft  in  einigen  Wochen  und  Tagen  vor  sich. 

In  welcher  Weise  die  Annäherung  an  die  Sonne  auf 
die  Schweifbildung  einwirken  kann,  zeigt  der  Komet  von 
1680,  der  in  seiner  grössten  Sonnennähe  stündlich  einen 
Weg  TOn  260000  geographischen  Meilen  zurücklegte  und 
dabei  in  zwei  Tagen  einen  Schweif  von  12000000  geo- 
graphischen Meilen  ausstiess. 

Eb  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  unsere  Erde  am 
30.  Jnni  1861  durch  die  Schweifmaterie  des  prachtvollen 
sogenannten  Jtdikometen  (Flgg,  171  und  172)^  der  am 
29.  Juni  plötzlich  am  nördlichen  Himmel  erschien,  hin- 
durchgegangen ist,  ohne  dass  wir  etwas  davon  wahrgenom- 
men haben.  Aehnlich  verhielt  es  sich  mit  dem  Kometen 
von  1776,  der  mitten  zwischen  den  Trabanten  des  Jupiter 
hindurchging,  ohne  diese  in  ihrem  Laufe  auch  nur  im 
Mindesten  zu  stören.  Ein  Gleiches  geschah  aber  nicht  an 
dem  Kometen;  die  Einwirkung  des  Jupiter  auf  seine  ge- 
ringe Masse  war  ^o  gross,  dass  er  volbtändig  aus  seiner 
langgestreckten  Bahn  hinausgeschleudert  und  in  eine  neue 
hineingedrängt  wurde,  welche  er  nun  in  ungefähr  20  Jahren 
durchläuft. 

Sobald  sich  ein  Komet  der  Sonne  nähert,  beginnen 
sich  auf  seinem  Kerne  Processe  zu  entwickeln,  welche  sich 
im  Femrohre  als  Ausströmungen  leuchtender  Materie  dar- 
stellen. Solche  Ausströmungen  sind  zuerst  von  Heinsius 
an  dem  grossen  Kometen  des  Jahres  1744,  sodann  von 
Bessel  an  dem  HALLEY'schen  Kometen  (1835)  viele  Tage 


iVK  Vir   Rpfrtraliinalror. 

lang  beobachtet  und  sorgfältig  nach  Lage  und  Rich- 
tung gemessen  worden.  Diese  Ausströmung  ging  bei  Aev 
letzteren  Kometen  in  der  Form  eines  ausgebreiteten 
Fächers  aus  dem  Kerne  hervor  und  die  Richtung  ihrei' 
Mittellinie  ging  anfangs  ziemlich  nahe  auf  die  Sonne 
ZU!    bald   aber   veränderte  sich   diese   Richtung   und   i 


f ernte  sieb  abwechselnd  bald  nach  rechts,  bald  nach 
links  viin  dem  Radius  Vector,  so  daas  der  ausatrömende 
Lichtkegel  nach  Art  eines  Pendels  eine  drehende  oder 
schwingende  Bewegung  zeigte.  Die  Ausströmungen  aus 
dem  Kerne  waren  am  lebhaftesten,  wenn  sie  in  gerader 
Richtung  nacli  der  Sonne  hin  erfolgten;  sie  nahmen  jedes- 
mal ab  in  dem  Masse,  wie  sich  ihre  Richtung  von  deiu 
[ladiuB  Vector  entfernte,    und   hörtan  ganz  au^   wenn  der 


mit  grosser  G^schwiudigkciL  Hich  von  der  Sonne  entfernte. 
Hiermit  stimmt  die  Erscheinung  iiberein.  das»  die  Aos- 
stromuug  der  Kometen materiu  nach  der  Sonne  hin  sich 
zuweilen  in  periodisch  wiederkehi'eudeu  Intervallen  wieder- 
holt; bei  dem  Kometen  von  1862  brach,  als  der  erste 
Dunststrom  verschwunden  war.  sofort  ein  /weiter  hervor, 
wid  lUs  auch  dieser  erschöpft  zu  sein  schien,  kam  der  tirste 


8(>8  Die  Spectralaualyse. 

wieder  zum  Voi-schein.  Die  Kometen  von  1858  (Doxati) 
und  von  1861  zeigten  eine  Menge  solcher  leuchtender 
Dunstströme,  die  nach  der  Sonne  hin  ausgestossen  wurden 
und  auf  der  Sonnenseite  des  Kometen  ein  Maximum  der 
Fortbewegung  erlangten,  dann  aber  nach  der  entgegen- 
gesetzten Seite  umbogen  und  dadurch  mehrere  Höfe  oder 
rückwärts  bis  zum  Schweife  sich  verlängernde  Bögen  bil- 
deten, wie  es  in  den  Figg»  171  und  172  nach  den  von 
P.  Secchi  gemachten  Beobachtungen  in  etwas  übertrieben 
scharfen  Contouren  dargestellt  ist. 

Die  Geschwindigkeit,  mit  welcher  sich  die  ausgestossene 
Materie  des  Kometen  von  der  Sonne  entfernt  und  als  Schweif 
aufwärts  steigt,  ist  zuweilen  ungemein  gross.  Olbebs  fand 
auf  Grund  von  genauen  Messungen  an  dem  Schweife  des 
grossen  Kometen  von  1811,  dass  derselbe  über  12000000 
geographische  Meilen  lang  war  und  dass  diese  ungeheure 
Länge  von  dem  Kometendunste  in  etwas  mehr  als  1 1  Tagen 
durchflogen  wurde. 

Endlich  müssen  wir  noch  der  merkwürdigen  Erschei- 
nung gedenken,  dass  sich  ein  Komet  zuweilen  in  zwei 
Theile  theilt  und  die  beiden  getrennten  Theile  dann  als 
selbständige  Kometen  ihre  Bahnen  verfolgen.  Ein  solches 
Ereigniss  hat  sich  unter  den  Augen  der  Beobachter  im 
Jahre  1845  an  dem  BiELA'schen  Kometen  vollzogen.  Als 
dei*selbe  im  Jahre  1845  am  2^.  November  beobachtet 
wurde,  erschien  er  als  schwacher,  nicht  völlig  runder 
Nebelfleck  mit  einer  geringen  Verdichtung  gegen  die  Mitte 
hin.  Am  19.  December  wai*  er  etwas  mehr  in  die  Länge 
gezogen,  und  10  Tage  später  hatte  er  sich  in  zwei  deut- 
lich getrennte  Nebelmassen  von  gleicher  Dimension  zer- 
theilt,  die  beide  mit  Kopf  und  Schweif  versehen  waren 
und  von   da   an   länger  als  3  Monate  in   einem  Absta.nde 


Die  Kometen.  869 

von  Vfo>  später  von  Vs  Mondbreite  neben  einander  fort- 
liefen. Im  August  1852  kehrte  das  Kometenpaar  zurück; 
der  Abstand  beider  Körper,  welche  über  6*/2  Jahre  ge- 
meinschaftlich ihre  Bahn  um  die  Sonne  durchlaufen  hatten, 
war  in  dieser  Zeit  erheblich  gewachsen  und  von  34000 
auf  300000  Meilen  gestiegen.  Aber  damit  nicht  genug; 
gemäss  der  bekannten  Umlaufszeit  stand  im  Jahre  1859 
und  nochmab  im  Jahre  1866  seine  Rückkehr  wieder  zu 
erwarten,  und  zwar  musste  er  von  der  Erde  aus  gesehen 
werden,  da  seine  Bahn  die  Erdbahi\  an  der  Stelle  durch- 
schneidet, wo  die  Erde  sich  am  30.  November  befindet. 
Aber  aller  Nachforschungen  ungeachtet  hat  man  nichts 
von  ihm  gesehen,  und  es  scheint,  dass  er  sich  aufgelöst 
und  eine  andere  Form  seiner  Existenz  angenommen  hat, 
auf  die  wir  später  zurückkommen  werden. 

Wir  mussten  auf  die  wichtigeren  Erscheinungen,  welche 
die  Kometen  theilweise  schon  dem  blossen  Auge,  haupt- 
sächlich aber. dem  Teleskope  darbieten,  etwas  weitläufiger, 
als  es  unser  nächster  Zweck  zu  verlangen  scheint,  eingehen, 
um  einen  Ausgangspunkt  für  die  Beantwortung  der  Fragen 
nach  der  physischen  Natur  dieser  Himmelskörper  zu  ge- 
winnen und  einen  Massstab  zu  erhalten  bei  der  Vergleichung 
desjenigen  Materials,  welches  uns  die  teleskopische  Beob- 
achtung und  die  Spectralanalyse  darbietet. 

Diese  Fragen  sind  nämlich  einestheils  darauf  gerichtet, 
ob  die  Kometen,  wie  die  Fixsterne  und  Nebelflecke,  eigenes 
Licht  ausstrahlen  oder  gleich  den  Planeten  im  reflectirten 
Lichte  der  Sonne  leuchten,  anderntheils  auf  die  stofl*liche 
Zusammensetzung  und  die  physische  Constitution  derselben. 
Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  Kometen  aus  einem  Stoße 
bestehen,  der  entweder  wie  die  Gase  im  höchsten  Grade  der 
Verdünnung  vollkommen  durchsichtig  ist,  oder  aus  zahllosen 

SehtUtn,  Spectralanalyse.  II.  24 


870  Dio  Sportralanalyse. 

kleinen  festen  Körperchen  zusammengesetzt  ist,  die  unter 
sich  leere  Zwischenräume  bilden,  durch  welche  das  Licht 
der  Sterne  ungehindert  durchstrahlt  und  die,  durch  die 
gegenseitige  Anziehungskraft  zusammengehalten,  neben  ein- 
ander wie  Theilchen  einer  Staubwolke  durch  den  Welten- 
raum fliegen.  Es  ist  auch  nicht  undenkbar,  dass  gewisse 
Kometen  Anhäufungen  weissglühender  Gase  sind  von  ähn- 
licher Beschaffenheit  wie  die  Nebelflecke. 

Man  hat  geglaubt,  dass  die  Physik  in  der  Polarisation 
des  Lichtes  ein  Mittel  besitze,  um  zu  erkennen,  ob  das 
Licht,  welches  von  einem  Körper  ausgeht,  eigenes  oder 
fremdes  ist,  und  hat  dann,  gestützt  auf  die  mit  derartigen 
Instrumenten  an  den  Kometenkemen  angestellten  Beob- 
achtungen, die  Behauptung  als  unzweifelhaft  ausgesprochen, 
dass  das  Kometenlicht  kein  eigenes,  sondern  das  reflectirte 
Sonnenlicht  sei.  Aber  Beobachtungen  dieser  Art  sind 
durchaus  nicht  entscheidend,  weil  in  dem  genannten  In- 
strumente das  unregelmässig  zurückgeworfene  diffuse  Licht 
eben  so  wenig  polarisirt  erscheint  als  dasjenige,  welches 
einer  selbständigen  Quelle  entströmt. 

Sehen  wir  jetzt  zu,  was  die  Spectralanalyse  bezüglich 
der  Kometen  geleistet  hat,  wobei  wir  zunächst  nur  von 
dem  sichtbaren  Spectrum  derselben  sprechen  werden. 

Donati  in  Florenz  hat  zuerst  das  Licht  eines  Ko- 
meten (I.  1864)  spectralanalytisch  untersucht;  er  vergleicht 
das  Spectrum  desselben  mit  dem  der  Metalle,  in  welchem 
die  dunklen  Theile  breiter  als  die  leuchtenden  seien,  und 
betrachtet  das  ganze  Spectrum  als  aus  drei  hellen  Linien 
zusammengesetzt. 

Secchi  und  Huggins  beobachteten  im  Januar  1866 
den  Kometen  von  Tempel  und  fanden  ein  an  beiden  Enden 
allmählich    vorschwindendes    conti nuirliches    Spectrum,    in 


Die  Kometen.  371 

welchem  Secchi  dm,  Hüggins  jedoch  nur  eine  helle  Linie 
sah.  Die  von  beiden  Beobachtern  gesehene  Linie  war  die 
glänzendste  und  lag  etwa  in  der  Mitte  zwischen  b  und  F 
des  Sonnenspectrums. 

Weder  über  die  Natur  noch  den  Aggregatzustand  der 
Stoffe,  welche  reflectirtes  Licht  in  das  Spectroskop  brin- 
gen, giebt  das  continuirliche  Spectrum  Auskunft;  doch  ist 
es  wahrscheinlich,  dass  die  Coma  und  der  Schweif  aus 
demselben  Stoffe  bestehen  wie  der  Kern.  Die  vorstehenden 
Beobachtungen  geben  daher  nur  das  Resultat,  dass  ein 
glühendesj  leuchtendes  Oas  auf  den  Kometen  vorhanden 
ist^  dass  aber  zugleich,  sei  es  von  diesem  Gase  oder  von 
anderen  nicht  leuchtenden  Bestandtheilen  des  Kometen, 
das  Sonnenlicht  reflectirt  wird. 

In  den  Jahren  1866  und  1867  beobachtete  Hüggins 
die  Spectra  zweier  kleiner  Kometen  und  fand,  dass  die- 
selben ebenfalls  aus  einem  ununterbrochenen  und  einem 
Linienspectrum  zusammengesetzt  waren.  Das  Licht  dieser 
Kometen  war  also  wie  das  des  TEMPEL'schen  theils  reflec- 
tirtes Sonnenlicht,  theils  von  der  Kometenmaterie  ausge- 
strahltes eigenes  Licht. 

Das  Jahr  1868  brachte  die  Wiederkehr  zweier  perio- 
discher Kometen  von  grösserem  Glänze,  den  Kometen  I. 
von  Brobsen  und  II.  von  Winnecke. 

Brobsen's  Komet  (I.  1868)  hatte  im  Teleskope  das 
Aussehen  eines  fast  runden  Nebels,  in  welchem  die  Hellig- 
keit nach  dem  Centrum  rasch  zunahm;  auch  zeigte  sich 
nur  die  schwache  Spur  eines  Schweifes,  eigentlich  nur  eine 
kleine  Ausdehnung  der  Nebelhülle  nach  der  von  der  Sonne 
abgekehrten  Seite  hin. 

Secchi  untersuchte  den  Kometen  mit  dem  einfachen, 
geradsichtigen  Spectroskope  und  verglich  das  Spectrum  des- 

24* 


H»  HfMl^^l^^^^^^^^^^P^ 

^^K        alliai  ntt  dem  der  Ven».  ioden  Komet  tnd  Fbael  loch 

^^H        einuder  u  dieselbe  Steile  des  Siidien  gebncht  wirda. 

^^                                                 F*.  ra                                  ^H 

f         -^ ^-t ■ 

^^^^^^^H' 

^^^^HHHH^^^^H' 

^^■^^^■1^' 

mi^^Bpnpip^^H' 

H^^^^^^^HH^^^^^^^H  7 

Sptrt*  der  XDticlea  Ton  Brorim  nitd  WiniKckr.  rerglichcn  mil  d^n  Spertrap.^^^ 

HuooiNS   beobaclitete  denselben   vom   2.   bis   13.  MJ^H 

Mai    iiod   fand   wie  Secchi,   dass  das  Sptctrum,  Fig.  179^^ 

Nr.  'k  ilhfoiUiniitrlick  war  und  aus  drei  hellen  Banden  be- 

1                      staiid,  die  zeigten,  da^  dae-  Liebt  nicht  bloss  vom  C'^iitrum 

Die  Kometen.  378 

des  Kopfes,  sondern  auch  von  der  Coma  in  das  Spectro- 
skop  drang.  Die  lebhafteste  Lichtzone  war  die  mittlere, 
im  Grün,  ungefähr  in  der  Mitte  zwischen  den  Fraün- 
HOFEB'schen  Linien  b  und  F.  Wenn  der  Himmel  sehr 
günstig  war,  so  reducirte  sich  diese  Zone  auf  eine  ein- 
fache glänzende  Linie.  Weniger  intensiv,  aber  immer  noch 
hell  leuchtend  war  die  zweite  Zone  in  dem  Gelbgrüu', 
ziemlich  in  der  Mitte  zwischen  den  FBAUNHOFEB'schen 
Linien  b  und  D;  zuweilen  konnte  man  noch  im  Roth  einen 
Streifen  unterscheiden,  aber  er  war  schwer  zu  iixiren.  Die 
dritte  Zone  beÜEind  sich  seitlich  vom  Blau  nach  dem  Vio- 
lett hin,  ungefähr  auf  einem  Drittel  der  Entfernung  zwi- 
■dben  F  und  G  von  F  aus. 

Ein  äusserst  schwaches,  in  der  Figur  nicht  eingetra- 
geneB  Licht  erfüllte  gleichzeitig  den  ganzen  Raum  des 
Specirums,  das  Anzeichen  eines  imgemein  matten  con- 
HMdrlichen  Spectrums. 

Durch  Verengerung  des  Spaltes  liesseu  sich  diese 
leuchtenden  Bänder  nicht  in  Linien  auflösen,  wie  es  der 
Fall  ist  mit  den  hellen  Linien  der  Nebelflecke;  die  feinere 
Stellung  des  Spaltes  hatte  jedesmal  ein  Erblassen  der 
Lichtzone  bis  zum  vöUigen  Verschwinden  zur  Folge. 

Das  Spectrum  des  BRORSEN'scheu  Kometen  hat  grosse 
Aehnlichkeit  mit  dem  von  Donati  beobachteten,  aber  es 
unterscheidet  sich  wesentlich  sowohl  in  der  Natur  als  in 
der  Lage  der  hellen  Lichtzonen  von  dem  Spectrum  der 
Nebelflecke;  ein  Vergleich  dieser  beiden  Spectra  Nr.  5 
und  Nr.  7  zeigt  dieses  auf  den  ersten  Bück. 

Der  Komet  IL  1868  wurde  zuerst  in  der  Nacht  vom 
13.  auf  den  14.  Juni  1868  von  Winnecke  in  Karlsruhe 
beobachtet  und  strahlte  bald  in  einem  solchen  Glänze,  dass 
man  ihn  wie  einen  Stern   siebenter  bis  achter  Grösse  mit 


374  Die  iSpectralaiialyse. 

})los8em  Auge  sehen  konnte.  Der  Durchmesser  der  Coma 
betrug  mit  Einschluss  der  äussersten  schwach  leuchtenden 
Hülle  ungefähr  6' 20",  die  Länge  des  Schweifes  über  P. 
Letzterer  gin<5  scharf  von  der  Coma  aus  und  zeigte  keinen 
Zusammenhang  mit  dem  hellen  Kerne;  die  der  Bewegungs- 
richtung nachfolgende  Seite  war  scharf  begrenzt,  die  andere 
verlief  sich  ganz  unmerklich  in  den  Himmelsraum. 

Als  Seccui  am  2L  Juni  den  Kometen  mittels  des 
einfachen  teleskopischen  Spectroskops  ohne  Spalt  unter- 
suchte, hatte  das  Spectrum  das  Aussehen  von  drei  leb- 
haften Lichtzonen,  von  denen  sich  die  gläjizendste  wieder 
im  Grün,  die  andere  minder  helle  im  Gelb  und  die 
schwächste  im  Blau  befand.  Als  das  Spectroskop  mit 
einem  HoFMANN'schen  geradsichtigen  vertauscht  wurde, 
erschienen  die  drei  Zonen  sehr  scharf  und  das  verwaschene 
Licht  war  verschwunden.  Bei  der  Vergleichung  der  Lage 
dieser  Banden  mit  den  Metallspectren  ergab  sich,  dass  die 
mittlere  zwar  sehr  nahe  mit  der  Magnesinmlinie  b  zu- 
sammenfiel, aber  das  ganze  Spectrum  doch  nicht  mit  dem 
eines  Metalls  verwechselt  werden  konnte;  dagegen  erkannte 
er  eine  sehr  grosse  Aehnlichkeit  zwischen  dem  Spectrum 
des  Kometen  und  des  Kohlenwasserstoffs^  was  ihn  auf  die 
Vermuthung  brachte,  dass  diese  Substanz  das  Selbstleuchten 
des  Kometen  verursache. 

HuoGiNs  hat  den  Kometen  von  Winnecke  mit  einem 
teleskopischen  Spectroskope,  bestehend  aus  zwei  Prismen 
von  60^,  untersucht  und  eine  Abbildung  des  Spectrums 
sowohl  des  Kometen  als  auch  der  damit  verglichenen  Sub- 
stanzen gegeben.  In  der  Fig,  173  ist  Nr.  4  das  Spectrum 
des  Kometen,  Nr.  2  das  des  elektrischen  Funkens  in 
Olivenöl,  Nr.  3  des  elektrischen  Funkens  in  ölbildendem 
Gase,    Nr.  6   giebt  die  Hauptlinien   einiger  dem  Versuche 


unterwoi-fenev  Vergleichsstuffe,  wenu  sie  durch  deu  elek- 
trischen Funken  gliiliend  gemacht  werden  (N  ^  Stickstoff, 
N  0  =  Stickstoffoxyd,  H  =  Wasserstoff.  Mg  :^  Magnesium. 
Na  =  Natrium). 

Der   Apparat,    dessen  sich   Huoodjs   bei   dieser   Ver- 
^leichung   bediente,    ist   in  Fig.  174   abgebildet.     Das  ol- 


bildende  Gas  war  in  der  Flasche  a,  enthalteu  und  strömte 
von  da  durch  die  Röhre  b,  in  welcher  zwei  Platinadrilhtc 
emgeschniolzen  waren.  An  der  Stell«,  wo  der  Funken 
überspringen  musst«,  war  die  Glaswand  der  Röhre  durch- 
bohrt, der  Rand  der  Oeffuung  genau  abgeschliffen  und  die 
OeSiiung  durch  eine  ebene  Glasplatt«  wieder  verschlossen. 
Das  Licht  des  glühenden  Gases  wurde   durch   ein  kleines 


■!w.»ji 


Die  Sp<vtnlA&alTse. 


"^r  ;-rc-'.'^hen  t  auf  ein  Redexprisma  im  Innern  des  Rohres 
z^rwortrc.  Ton  wo  es  auf  die  untere  Hälfte  von  zwei  Pris- 
X*::  6*>*  deL  deren  obere  Hälfte  von  dem  Lichte  des 
K  zirieL  ^tpjffen  wurde.  Auf  diese  Weise  entstand  das 
"^c^-ctTTia.  -ies  im  elektrbchen  Funken  glühenden  ölbilden- 
i*r£.  <>.kse^  unmittelbar  unter  dem  des  Kometen  und  beide 
k:r.r.ttE.  «daher  kicht  mit  einander  verglichen  werden. 

Ihe  Beübachtunsen  Secchi^s  sind  von  Hcgoins  voll- 
>tA[id*^  >>e<titi2t  worden:  das  Spectrum  des  Kometen  be- 
<Ukni  :iiu>  dr^i  breiten,  hellen  Banden,  die  an  den  dem 
R«.»üi  zuzr kehrten  Enden  scharf  begrenzt  erschienen,  an 
ir!.  Tiitge^engc^etzten  Enden  aber  sich  allmählich  ver- 
Li-rfe:!:  es  ^elan^;  indessen  Hcggdts  nicht,  die  Banden  zu 
'r»crezi2ten  Linien  zusanmienzuziehen,  w^ohl  aber  schien  die 
:i;i":lrrv.  ^lünzendsie  Zone  mit  einer  scharf  begrenzten 
hrlltn  Linie  zu  bt-ginnen.  Wenn  der  Spalt  auf  die  Rand- 
theiie  d^r  Coma  eingestellt  wurde,  konnte  man  die  drei 
Ixtikden  immer  noch  unterscheiden;  wenn  aber  das  Spec- 
::  uin  -»ehr  schw  jch  wurde,  schien  es  continuirlich  zu  werden. 

Ve Pill*  ich:  nuui  da>  Spectrum  des  Kometen  mit  dem 
>x-'':r.iiii  de^  ^as  dem  OKvenöl  oder  dem  ölbildenden 
<Tu<<  tvirvh  die  Hitze  ties  elektrischen  Funkens  sich  aus- 
>chr:'ir:.  iei:  Kohlenstoffs,  so  ist  eine  grosse  Aehnlichkeit 
K  dtT  nicht  VI  verkennen;  die  Linien  des  Wasserstoffs, 
wti;he  in  dem  Sp^^trum  des  <3elgases  ausserdem  noch  vor- 
k>!umt.n.  w.u^u  in  dt-m  Spectrum  des  Kometen  nicht  sicht- 
bar. M^  ib>s  es  <^:heiut,  dass  man  dieses  Drei-Banden- 
SlHHtruni  dem  Kohlenstoff  und  nicht  einer  stabilen  Kohlen- 
Hasserstoffverbiiidunc  zuzuschreiben  hat  Hüogiks  fand 
luimlich  dieselben  drei  Ixinden  im  Verein  mit  den  Linien 
deN  S:ick>toff<,  als  er  tit-ktrische  Funken  durch  Cyanogen 
h;!ulurv*hs:elun    liess.      Ebenso    blieb    das    Spectrum    im 


Die  Kometen.  377 

Wesentlichen  dasselbe,  wenn  auch  weniger  vollständig, 
sobald  Verbindungen  des  Kohlenstoffs  mit  Sauerstoff  an- 
gewandt wurden. 

Derselbe  Komet  ist  schliesslich  ebenfalls  von  dem 
Astronomen  H.  M.  C.  Wolf  in  Paris  spectroskopisch  unter- 
sucht worden.  Auch  dieser  fand,  dass  sich  die  drei  hellen, 
durch  vollkommen  dunkle  Zwischenräume  getrennten  Zonen 
durch  Verengung  des  Spalts  nicht  zusammenziehen  lassen 
und  daher  das  Spectrum  des  Kometen  keine  Analogie  mit 
dem  der  Nebelflecke  darbietet 

Das  Spectrum  des  Kometen  1870  I.  (Winnecke)  ist 
von  W^OLF  und  Rayet  untersucht  worden;  es  bestand,  wie 
die  früheren,  aus  drei  hellen  Streifen,  welche  sich  auf 
einem  continuirlichen  Spectrum  ausbreiteten.  Huogins  fand 
für  den  hellsten  Theil  der  mittleren  Bande  eine  Wellen- 
länge von  ungefähr  510  milliontel  Millimeter,  fiir  die  zweite 
545  milliontel  Millimeter,  während  die  Lage  der  dritten 
Bande  wegen  Lichtschwäche  nicht  gemessen  werden  konnte. 

Im  December  1871  hat  Professor  Young  das  Spec- 
trum des  ENCKE'schen  Kometen  an  mehreren  Tagen  beob- 
achtet. Es  bestand  aus  drei  hellen  Banden,  von  denen 
die  mittlere  am  augenfälligsten  war.  An  der  weniger 
brechbaren  Seite  waren  die  Banden  ziemlich  scharf  be- 
grenzt, an  der  anderen  fielen  sie  allmählich  ab.  Von  einem 
continuirlichen  Spectrum  zeigte  sich  keine  Spur,  auch  boten 
alle  Theile  des  Kometen  den  gleichen  spectroskopischen 
Anblick.  Fig.  175  giebt  nach  Young  eine  Vorstellung  von 
dem  Aussehen  des  Spectrums.  Im  Mittel  aus  Messungen 
an  vier  Tagen  fand  Young  folgende  Wellenlängen  für  die 
schärfer  begrenzten  Enden  der  drei  Banden  in  milliontel 
Millimetern:  557,5,  517,4,  470,2.  Am  1.  December  5  Uhr 
45  Min.  mittl.  Zeit  von  Washington  ging  der  Komet  fast 


Itni&se,  so  dass  diesiT  i 
MOCKiler  Vctpüsacnag  des  iwonzoUtgeD  Refractois  fisifl 
Emt  endnen.  Im  SpectrtKkop  tnU  hierbei  plötzlicfa  T 
«dianlo,  tongitadtnales  Spectmm  &uf.  mitten  tlnrch  i 
jeiägK  des  Kometen. 

Komet  V.  Ig73  wurde  von  Vogel  am  &.,  G.  und  11. 
September  spectroeJiopisch  beobachtet.  Das  Spectnun  be- 
Btaad  aas  drei  beUeo  Banden,  die  nach  dem  Roth  bin 
aduf  begwQit  wnvB.  Der  Vcrgleicb  dieMs  Spectmms 
mit  deaöenigen  des  KoUenstoSs  ergab  äae  bemerkens- 


l:|     17i 


wettbe   L'ebereinstiBimnqg  beider.     Die  Grenzen  i 
den  gegen  Roth  hin  b^ea  bei  fulgeodcn  Wellenl 
&63,7,  517^  imd  47i.7. 

Der  ecBte  anigtnMwoea  belle  Komet,  der  nach  ] 
findnng  der  ^MstmlanalTBe  erschien,  war  derj<^nige,  i 
CoaoLk  am  17.  Apnl  1H74  entdeckte,  tlr  wurde  rt^ 
1.  bis  15.  Juli  dorch  Hüooixs  mit  grosser  Sorgfalt  spec- 
tnwfcopisch  untersacht.  Sobald  der  Späh  des  Spectroekt^ 
über  den  Kern  in  die  Coma  ging,  ei^chiea  ün  bre 
Spectram  von  dm  hellen  Banden,  gekreuzt 
linearen    «intinuirlicbeu    Spectrum,    dos   rom   Licht«  j 


Die  Kometen.  370 

Kerns  herzukommen  schien.  Ausserdem  erschien  ein  con- 
liBuirliches  Spectrum,  welches  das  Gasspectrum  der  Coma 
begleitete.  Hücjgins  konnte  nicht  entscheiden,  ob  das 
continuirliche  Spectrum  des  Kerns  von  dunklen  Linien 
durchzogen  sei,  allein  d'Abrest  erkannte  darin  unzweifel- 
haft einige  Absorptionsbäuder,  auch  fand  er  es  kürzer  und 
lichtärmer  als  dasjenige  eines  Fixsterns  von  gleicher  Hellig- 
keit. Die  dritte  Bande  (Wellenlänge  470)  fand  d'Abrest 
bei  diesem  Kometen  ungemein  schwach. 

Vogel  hat  ebenfalls  diesen  Kometen  genauer  spectro- 
skopisch  untersucht  Aus  einer  Zusammenstellung  der 
einzelnen  Messungen  über  die  Begrenzungslinien  der  drei 
Banden  gegen  Roth  hin  fand  er  folgende  Mittelwerthe  der 

Wellenlänge: 

I  II  III 

millionte!  Millimeter:     502,5  515,1  471,0 

Bestimmungen  der  Wellenlängen  der  hellsten  Stelle 
in  den  einzelnen  Banden  und  der  Begrenzung  der  letz- 
teren gegen  Violett  hin  ergaben: 


I 

11 

III 

helUte  Stelle  .     . 

.    553,8 

511,8 

468,0 

Ende      .     .     .     . 

.    541 

500 

465 

Der  BBORSEN'sche  Komet  wurde  bei  seiner  Rückkehr 
1879  durch  v.  Konkoly  spectroskopisch  untersucht.  Das 
Spectrum  zeigte  die  drei  gewöhnlichen  hellen  Banden, 
daneben  ein  continuirliches  Spectrum  von  573,2  bis  455 
milliontel  Millimeter  Wellenlänge  reichend;  letzteres  konnte 
nicht  lediglich  vom  Kern  des  Kometen  stammen,  sondern 
strahlte  von  der  ganzen  Nebelmasse  aus,  weil  es  dieselbe 
Breite  wie  die  Banden  hatte. 

Im  Spectrum  des  Kometen  IV.  1880  fand  v.  Konkoly 
vier  Banden  (561,0,  549,2,  516,3,  485,6  milliontel  iMiUi- 


380  Die  Spectralanalyse. 

meter    Wellenlänge),    von    denen    aber    die    vierte    sehr 
schwach  war. 

Aus  allen  angeführten  Beobachtungen  geht  hervor, 
dass  das  typische  Kometenspectrum  fast  immer  aus  drei 
an  denselben  Stellen  belegenen,  gegen  Roth  hin  scharf 
begrenzten,  gegen  Violett  aber  verwaschenen  Banden  be- 
steht. Die  grösste  Helligkeit  der  einzelnen  Banden  fällt 
jedoch  bei  den  einzelnen  Kometen  nicht  auf  die  gleiche 
Wellenlänge.  Die  Aehnlichkeit  dieses  Kometenspectrums 
mit  demjenigen  des  Kohlenwasserstoffs  ist  so  gross,  dass 
die  Ansicht,  in  den  Kometenköpfen  seien  Kohlenwasser- 
stoffverbindungen im  Zustande  des  Glühens  vorhanden, 
sich  gleich  anfangs  aufdrängte.  Auch  liegt,  wenn  man 
erwägt,  dass  den  directen  teleskopischen  Beobachtungen 
zufolge  in  den  Kometenköpfen  ungeheure  Revolutionen 
vor  sich  gehen,  Bewegungen  von  dampfartigen  Massen,  die 
an  Grossartigkeit  nur  mit  den  Vorgängen  auf  der  Sonnen- 
oberfläche verglichen  werden  können,  der  Gedanke  an 
gleichzeitige  ungeheure  Wärmeentwickelüng  so  nahe,  dass 
man  ihn  wohl  kaum  abweisen  dürfte. 

In  Bezug  auf  die  Constitution  der  Kometenmaterie  in 
der  Sonnenferne  bemerkt  schon  Olbers,  dtiss  die  Kometen 
aus  Theilchen  bestehen,  welchen  nur  noch  wenig  an  der 
Wärme  oder  einer  anderen  repulsiven  Eigenschaft  fehlt, 
welche  sie  besitzen  müssen,  um  flüchtig  zu  werden. 

Zöllner  gelangt  auf  Grund  einer  Reihe  der  scharf- 
sinnigsten Schlüsse  über  die  Bedingungen  für  die  Stabilität 
kosmischer  Massen  zu  dem  Resultate,  dass  eine  endliche 
Dampf-  oder  Gasmasse  im  leeren  unbegrenzten  Räume 
keinen  Gleichgewichtszustand  anzunehmen  im  Stande  ist, 
soiulern  sich  durch  eine  stetig  mit  der  Zeit  abnehmende 
Dichtigkeit  im  Räume   verlieren    muss,   und   nimmt  daher 


Die  Kometen.  881 

an,  dass  die  kosmische  Materie  der  Kometen  flüssig  sei. 
„Beiindet  sich  eine  derartige  Masse  an  einer  Stelle  des 
Weltraumes,  wo  die  Strahlung  keines  Fixsterns  wesentlich 
überwiegt,  so  muss  sie  diejenige  Temperatur  annehmen, 
welche  man  als  Temperatur  des  Weltraumes  bezeichnet 
und  die  Poüillet  zu  —  142^  C.  berechnet.  Gelangt  jedoch 
die  betrachtete  Masse  durch  die  Attractionswirkung  eines 
grossem  Fixsterns  (z.  B.  der  Sonne)  in  die  Nähe  einer 
strahlenden  Wärmequelle,  so  wird  zunächst  diejenige  Seite 
erwärmt  werden,  welche  der  Strahlung  ausgesetzt  ist.  Es 
werden  daher  vorzugsweise  nur  auf  dieser^  der  Wärme- 
quelle zugewandten  Seite  die  Verdampfungs-  und  Siede- 
processe  stattfinden,  indem  die  auf  der  entgegengesetzten 
Seite  befindlichen  Theile  im  Schatten  des  flüssigen  Körpers 
liegen  und  daher  nur  indirect,  vermöge  der  durch  Strö- 
mungen vermittelten  Leitung,  erwärmt  werden  können. 
Ist  durch  diesen  Process  die  ganze  Flüssigkeitsmasse  in 
Dampf  verwandelt  —  was  bei  um  so  niedrigeren  Tempera- 
turen geschehen  kann,  je  kleiner  die  ursprünglich  vor- 
handene Masse  war  —  so  wird  dieselbe  bei  Entfernung 
von  der  Wärmequelle  und  der  dadurch  bedingten  Tempe- 
raturemiedrigung  entweder  wieder  einen  flüssigen  Kern 
erzeugen,  oder,  wenn  die  Temperaturabnahme  keine  hin- 
reichende war,  langsam  im  Räume  durch  stetige  Verdün- 
nung verschwinden. 

Gelangen  demnach  flüssige  Meteormassen  in  den  Be- 
reich der  Anziehungskraft  der  Sonne,  so  werden  sie  sich 
uns  als  Körper  darbieten  müssen,  die  von  einer  Dunst- 
hülle umgeben  sind,  welche  sich  auf  der  der  Sonne  zuge- 
wandten Seite  fortdauernd  entwickelt.  Je  kleiner  die  Massen 
sind,  in  desto  grösserer  Entfernung  von  der  Sonne  werden 
sie  vollständig  in  Dampfkugeln  verwandelt  sein  und   als- 


.>82  Pi«^  Speetrmlanalvw. 

daun,  infolge  der  Durchstrahlbarkeit  der  ganzen  Masse, 
keine  wesentlichen  Unterschiede  mehr  auf  der  der  Sonne 
zu-  und  abgewendeten  Seite  zeigen  können. 

Zur  Erklärung  der  beobachteten  Dunstausströmungeu 
aus  dem  Kerne  nach  der  Sonne  hin  und  der  damit  in  Ver- 
bindung stehenden  Schweifbildung  nach  der  entgegen- 
gi*setzten  Seite  nahm  schon  Olbkbs  an,  dass  die  von  dem 
Kometen  und  seiner  Atmosphäre  entwickelten  Dämpfe  so- 
wohl von  difuem,  als  von  der  Sonne  abgestossen  würden. 
„Diese  Dämpfe,"  sagt  Olbers,  „müssen  sich  also  dort  an- 
liäufen.  wo  die  Repulsivkraft  des  Kometen,  die  wahrschein- 
lich umgekehrt  wie  das  Quadrat  des  Abstandes  vom  Kern 
abnimmt,  von  der  Repulsivkraft  der  Sonne  überwogen  zu 
werden  anfängt.  Ich  weiss  durchaus  nicht,  woher  diese 
Repulsivkraft  oder,  bestimmter  zu  reden,  woher  dieses  Be- 
streben der  Schweifmaterie,  sich  von  der  Sonne  und  dem 
Kometenkem  zu  entfernen,  entsteht:  genug,  dass  die  Be- 
obachtung es  deutlich  zeigt  Enthalten  kann  man  sich  in- 
dessen schwerlich,  dabei  an  etwas  unseren  elektrischen 
Anziehungen  und  Abstossungen  Analoges  zu  denken. 
Warum  sollte  auch  diese  mächtige  Naturkraft,  von  der  wir 
in  unserer  feuchten,  stets  leitenden  Atmosphäre  schon  so 
beileutende  Wirkungen  sehen,  nicht  im  grossen  Weltall 
nach  einem  weit  über  unsere  kleinlichen  Begriflfe  gehenden 
Massstabe  wirksam  sein?*' 

In  ähnlicher  Weise  spricht  Bessel  seine  Ansicht  über 
«lie  Entstehung  der  Schweife  aus;  vfie  Olbers  widerlegt  er 
die  Hypothese  Newton's,  dass  in  derselben  Art,  wie  die 
Rauchwolken  (und  der  Luftballon)  in  unserer  Atmosphäre 
sich  von  der  Erde  entfernen,  so  auch  die  Schweife  der 
Kometen  durch  das  Aufsteigen  ihrer  leichteren  Theilchen 
in   einem   schweren  Aether  erzeugt  würden.    Die  Bildung 


Die  Kometen.  :'»83 

der  Dunstströme  und  des  Schweifes  ist  er  geneigt  einer 
Polarkraft  zuzuschreiben,  welche  sich  mit  deii  Wirkungen 
der  Elektricität  und  des  Magnetismus  vergleichen  lasse, 
ohne  jedoch  näher  darauf  einzugehen,  was  unter  dieser 
Polarkraft  zu  verstehen  sei.  Die  Erscheinungen  der  Schweif- 
bildung erklärt  Bessel  in  befriedigender  Weise,  indem  er 
annimmt,  dass  die  abstossende  Wirkung  dieser  Polarkraft 
der  Sonne  in  verschiedenen  Punkten  der  Kometenbahn  den 
Quadraten  ihrer  Abstände  umgekehrt  proportional  sei,  und 
dass  die  SchweiftJbeilchen,  nachdem  sie  mit  einer  bestinmi- 
ten  Geschwindigkeit  und  in  einer  bestimmten  Richtung  aus 
der  Sphäre  der  Anziehungskraft  des  Kometen  ausgetreten 
sind,  als  freie  materielle  Punkte  zu  betrachten  sind,  auf 
welche  die  Sonnenkraft  beständig  einwirkt. 

Die  Beobachtungen  von  Olbers  und  Bessel  über  die 
Bildung  und  die  Veränderungen  der  Richtung  der  Aus- 
strömungen aus  dem  Kometenkerne  sind  im  Wesentlichen 
von  Pape  und  Winnecke  an  den  hellen  Kometen  von 
1858  und  1862  bestätigt  worden;  auch  die  oscillirende 
Bewegung  wurde  an  dem  letztem  Kometen  wieder  wahr- 
genommen und  Winnecke  erklärt  dieselbe  dadurch,  dass 
die  Reaction  der  ausströmenden  Massen,  deren  Richtung 
wohl  selten  durch  das  Centrum  des  Kometenkems  geht, 
dem  Kerne  eine  Rotation  ertheilt  habe,  die  aufliörte  oder 
eine  andere  Richtung  annahm,  sobald  eine  neue  Ausströ- 
mung in  anderer  Richtung  die  Wirkung  der  früheren  all- 
mählicli  schwächer  gewordenen  Ausströmung  überwand. 

Bessel  hat  in  seiner  klassischen  Untersuchung  über 
den  HAiiLEY'schen  Kometen  die  Krümmung  des  Schweifes 
dargestellt  als  das  £rgebniss  des  Zusammenwirkens  der 
eigenen  Bewegung  des  Kometen  und  der  abstosseuden 
Kraft,  welche  die  Sonne  auf  die  flüchtigen  Theilchen   der 


384  Die  Spectralanalyse. 

aus  dem  Kometenkerne  aufsteigenden  Materie  ausübt.  Unter 
dieser  Vomussetzung  hat  neuerdings  Prof.  Bbedichin  in 
Moskau  ausgedehnte  Untersuchungen  über  die  Krümmungen 
der  Schweife  einer  grossen  Anzahl  von  Kometen  angestellt 
und  er  kam  unter  der  femern  Annahme,  dass  die  Grösse 
der  Schweifkrümmung  durch  das  Moleculargewicht  der 
Substanzen  bedingt  werde,  die  eben  den  Schweif  bilden,  zu 
dem  Schlüsse,  dass  drei  verschiedene  Typen  von  Kometen 
zu  unterscheiden  sind.  Die  zum  ersten  Typus  gehörigen 
Schweife  würden  vorzugsweise  aus  Wasserstoff  bestehen, 
diejenigen  des  zweiten  Typus  aus  Kohlenwasserstoffen  und 
die  des  dritten  würden  Eisen,  Chlor  etc.  enthalten.  Das 
Hauptbedeuken  gegen  diese  Schlussfolgerung  fand  seine  Be- 
gründung in  der  Thatsache,  dass  das  Spectrum  aller  bisher 
untersuchten  Kometen  stets  ein  und  denselben  Typus  zeigt 
Wir  werden  aber  weiterhin  sehen,  dass  diese  Uebereinstim- 
mung  der  Kometenspectra  nur  eine  zufallige  gewesen  ist, 
indem  gegenwärtig  ein  Komet  bekannt  ist,  dessen  Spectrum 
völlig  von  demjenigen  aller  früher  beobachteten  abweicht. 
Welcher  Art  die  von  der  Sonne  auf  die  Materie 
der  Kometen  ausgeübte  abstossende  Kraft  ist,  lässt  sich 
bis  heute  durch  directe  Beobachtungen  noch  nicht  er- 
mitteln. ZöiiLN£E  hält  sie  für  durchaus  identisch  mit 
der  Elektricität.  In  seiner  Abhandlung  „Ueber  die  Sta- 
bilität kosmischer  Massen  und  die  physische  Beschaffen- 
heit der  Kometen**  macht  er  zunächst  auf  eine  Reihe 
älterer  Beobachtungen  aufmerksam,  nach  welchen  sowohl 
in  der  Dampfbilduug,  als  namentlich  in  dem  mechanischen 
ZeiTeissen  von  Flüssigkeitstheilchen  beim  Zerstäuben  von 
Wasserstrahlen  eine  ergiebige  Quelle  der  Elektricität  zu 
finden  sei.  Da  nun  einestheils  die  aus  den  flüssigen 
Kernen  der  Kometen   bei  ihrer  Annähemng  an  die  Sonne 


Der  Komet  von  Wells  1882.  385 

sich  entwickelnden  Dämpfe  als  elektrisch  angenommen 
werden  müssen,  andererseits  aber  auch  auf  der  Sonne  in- 
folge der  daselbst  beständig  vorhandenen  gewaltigen  Dampf- 
und Gaseruptionen  und  der  in  riesigen  Verhältnissen  an 
der  Oberfläche  sich  bildenden  Condensationen  und  Nieder- 
schläge äusserst  starke  Elektricitätsentwickelungen  statt- 
finden müssen:  so  bedarf  es  nur  noch  der  Annahme,  dass 
die  Elektricitäten  der  Sonne  und  der  Kometendämpfe 
gleichnamig  sind,  um  damit  die  Repulsivkraft  der  Sonne 
oder  die  Abstossung  der  ausgeströmten  Kometenmaterie 
nach  einer  von  der  Sonne  abgewendeten  Richtung  zu  er- 
klären. Zöllner  hat  seine  Theorie  noch  weiter  dadurch 
gestützt,  dass  er  aus  derselben  auch  die  von  Bessel  und 
WiNNECKE  beobachtete  Oscillatioii  der  Kometenausströmun- 
gen und  die  damit  verbundene  Ab-  und  Zunahme  ihrer 
Intensität  einfach  durch  die  Annahme  einer  Reaction  der 
ausströmenden  Dämpfe  auf  die  übrige  Masse  des  Kometen 
ableitet,  und  die  Contraction  der  Dunsthüllen  der  Kometen- 
köpfe im  Perihel  auf  das  bekannte  Verhalten  feiner 
Wasserstrahlen  innerhalb  einer  elektrischen  Atmosphäre 
zurückführt. 

Auf  den  Zusammenhang  der  Kometen  mit  Meteor- 
schwärmen kommen  wir  später  zurück. 

32.  Der  Komet  von  Wells  1882. 

Sowohl  die  Lage  als  das  allgemeine  Aussehen  der  in 
dem  Kometenspectrum  sichtbaren  hellen  Banden  lassen 
kaum  noch  Zweifel  darüber,  dass  in  den  bisher  spec- 
troskopisch  untersuchten  Kometen  Kohlenstoti*,  Wasser- 
stoff, Stickstoft*  und  wahrscheinlich  auch  Sauerstoff  in 
glühendem  Zustande   vorhanden  sind.     Die   Anzahl   dieser 

Schellen,  Spcctralanalyse.  II.  25 


•'►8<»  Di«'  Spodralanuly.se. 

Kometen  beläuft  sich  auf  ungefähr  zwanzig,  und  man  hatte 
hiernach  guten  Grund  zu  dem  Schlüsse,  dass  überhaupt 
allen  Kometen  ein  typisch  gleiches  Spectrum  der  oben 
beschriebenen  Art  zukomme.  Unlängst  hat  jedoch  die 
Untersuchung  dea  von  Wells  1882  entdeckten  Kometen 
die  merkwürdige  Thatsache  ergeben,  dass  dessen  Spectruiii 
ein  gänzlich  abweichendes  Verhalten  zeigt 

Zahlreiche  Beobachter  fanden  während  des  Monats 
Mai  1882  in  dem  Spectrum  des  Kometen  die  bekannten  drei 
hellen  Banden,  jedoch  waren  dieselben  merkwürdiger  Weise 
weit  schwächer,  als  man  nach  der  HeUigkeit  des  Kometen 
erwarten  durfte.  Am  31.  Mai  erkannten  Prof.  Vogel  in 
Potsdam  und  der  königliche  Astronom  Christie  in  Green- 
wich,  dass  auf  dem  continuirlichen  Hintergrunde  des  Spec- 
trums eine  intensive  gelbe  Linie  sichtbar  war,  deren  Zu- 
sammenfallen mit  der  doppelten  Natriumlinie  sich  sofort 
ergab.  Diese  U  eher  einstimm  ung  hat  Vogel  auf  sehr  ein- 
fache Art  dadui'ch  constatirt,  dass  er,  während  das  Fern- 
rohr mit  dem  Spectroskop  auf  den  Kometen  gerichtet  wai*, 
vor  das  Objectiv  eine  Natriumflamme  halten  Hess,  deren 
Licht  nun  gleichzeitig  mit  dem  vom  Kometen  ausgehenden 
Lichte  auf  den  Spalt  des  Spectroskops  gelangte.  Die 
beiden  Natriumlinien  erschienen  am  5.  Juni  von  sehr  un- 
gleicher Intensität,  die  brechbarste  war  sehr  viel  heller, 
etwa  fünf  mal  breiter  als  die  andere  und  an  den  Rän- 
dern ver Witschen.  Hieraus  lässt  sich  schliessen,  dass 
die  Dichte  des  glühenden  Natriumdampfes  sehr  gross  ge- 
wesen ist. 

Bei  der  Vergleichung  der  Kometenlinie  mit  den  Linien 
der  Natriumflanmie  hatte  Vogel  wiederholt  den  Ein- 
druck, als  ob  die  Mitte  der  stark  verbreiterten  Linie  im 
Kometeiispectruni   nicht   ganz   genau   mit   der  künstlichen 


Der  Komet  von  W»'11k   18«'2.  :^7 

Linie  /)j  zusamineufiele,  vieiraehr  etwas  nach  Roth  ver- 
schoben wäre.  Wenn  dieser  geringen  Verschiebung  Rea- 
lität zuerkannt  wird,  so  kann  dieselbe  nur  durch  Be- 
wegung der  Lichtquelle  vom  Beobachter  hinweg  erklärt 
werden,  und  in  der  That  hat  sich  der  Komet  zui-  Zeit 
der  Beobachtung  mit  einer  Geschwindigkeit  von  unge- 
fähr 3,7  Meilen  im  Visionsradius  von  der  Erde  fort- 
bewegt, was  einer  Verschiebung  von  etwa  '/jj  der  Ent- 
fernung der  Z)-Linien  entsprechen  würde,  einer  Grösse, 
welche  bei  der  angewandten  Zerstreuung  sehr  gut  wahr- 
nehmbar ist. 

Die  Natriumlinien  waren  übrigens  nicht  nur  im  Spec- 
trum des  Kometenkerns  sichtbar,  sondern  erschienen  auch 
recht  intensiv  in  anderen  Theilen  des  Kometen.  Das  von 
den  glühenden  Natriumdämpfen  ausgehende  Licht  über- 
ragte an  Intensität  das  sonstige  eigene  und  das  reflectirte 
Licht  des  Kometen  so  sehr,  dass  der  Komet  ohne  Spec- 
troskop  gelblich  erschien,  und  als  Vooel  am  6.  Juni  den 
Spalt  am  Spectroskop  weit  öffnete,  erschien,  wie  bei  den 
Beobachtungen  von  Protuberanzen,  die  voUe  Form  des 
Kometen  in  gelbem  Lichte  von  der  Wellenlänge  Z>. 

Die  ungünstige  Witterung  an  den  folgenden  Tagen 
erlaubte  leider  keine  weiteren  Beobachtungen. 

Cheistie  in  Greenwich  hat  das  Spectruni  des  Kometen 
zuerst  am  24.  April  beobachtet;  es  zeigte  damals  zwei 
wenig  hervortretende  Helligkeitsmaxima  im  Grün  und 
Grünblau.  Am  13.  Mai  wurde  eine  hellere  Bande  nahe 
der  Linie  E  vermuthet;  am  20.  Mai  gewährte  das  Spec- 
trum denselben  AnbUck,  nur  erschienen  drei  dunkle  Ban- 
den angedeutet,  von  denen  die  mittlere  nahe  bei  der 
Wellenlänge  von  5500  zehnmilliontel  Millimeter,  die  dritte 
hinter  D  nach   dem  blauen  Ende  des  Spectrums   hin   lag. 

25* 


Di^  '^»rtriLi  ir^  Kerrts  erstnecktr  äcb  Ton  den  Wellen- 
tÄTi-g^irz.  4:i»«»  bfi^  «Slw  zdmmilliofitel  ilflUiiieter.  Der  Schweif 
z^iäv-  rzn  scLvach^s  «jontinairiiches  Spectmm.  das  jedoch 
LOT  in.  GrÖL.  ^Jiibär  vär.  Am  31.  )iai  «rirden  im  Spec- 
tmm  d-r^  Kera*  rwei  dunkle  Banden  nahe  bei  F  gesehen, 
vi>:i  «icnes.  die  Wellenlan£tr  der  minder  brechbaren  zu 
-t>*>^  zrhrLCiilliontel  Milhmeirr  bestimmt  wurde.  Femer 
iriiiK  «sich  ein  hrrll-rrer  Stnriien  im  Roth,  dessen  näherungs- 
T»ri<«r  WeUrLÜin^e  zu  514»>  zehnmilKontel  Millimeter  ge- 
funden iburdtr.  ein  zweiter  heiler  Streifen  lag  bei  der 
Wellenlänge  532^«  and  endlich  zdgte  sich  eine  dunkle 
Bande  nahe  l*t:i  Lp  gegen  Blaa  hin.  An  demselben  Tage 
erblit.kte  CiiKisTii:  auch  zuerst  die  helle  gelbe  Linie  im 
S(>ectnmi  «Jt>  Kometenkopfes  und  fand  am  8.  Juni,  dass 
^itr  btrdtrutr-nd  an  Lichtstärke  gewonnen  habe.  Ent- 
sprechend dieser  Inten<itäi»zunahme  des  gelben  Lichtes 
erschien  der  Kern  des  Kometen  im  Femrohre  orange- 
farben. EHe  gelbe  Linie  zeigte  sich  im  Vergleich  zu  der 
Z>-Liuie  etwas  gegen  Roth  ven?choben,  doch  konnte  der 
Betnig  dieser  Verschiebung  nur  geschätzt  werden  und 
führte  diese  Schätzung  aul*  eine  Entfernung  des  Kometen 
von  dtrr  Erde.  weKhe  TV»  englische  Meilen  pro  Secunde 
betragen  würde. 

Prot.  Bbedichin  in  Moskau  hat  genau  wie  Vogel  die 
C«jincidenzen  der  hellen  Linie  mit  D  festgestellt  und  ebenso 
durch  Oeffnen  des  Spalts  das  monochromatische  Bild  des 
Kometenkemes  gesehen. 

Am  3.  Juni  sab  auch  DrxKB  in  Lund  die  gelbe  Linie 
und  bestimmte  durch  directe  Messungen  deren  Wellenlänge 
zu  5^9,45  milliontel  Millimeter.  Die  helle  Linie  war  in  der 
Richtung  ge<;en  den  Schweif  hin  bis  zu  1'  Abstand  vom 
Kern  des  Kometen  noi'h  zu  sehen.    .\m  5.  Juni  sah  Dukeb 


Der  Koint-t  von  Wells  1882.  *  880 

die  helle  Linie  wieder  und  fand,  dass  ihre  Intensität  zu- 
genommen hatte.  Die  Bestimmung  ihrer  Wellenlänge  ergab 
an  diesem  Tage  589,0  milUoutel  Millimeter,  im  Mittel  sämmt^ 
licher  Messungen  also  589,2  milliontel  Millimeter,  was  mit 
der  Wellenlänge  der  Mitte  der  beiden  Z)-Linien  nach 
Angstböm  völlig  übereinstimmt. 

Zu  Pulkowa  wurde  der  Komet  am  4.,  5.  und  7.  Juni 
von  Hasselberg  spectroskopisch  unteraucht.  Auch  dieser 
sah  die  helle  gelbe  Linie  und  überzeugte  sich  von  dem 
Zusammenfallen  derselben  mit  der  Natriumlinie,  während 
von  den  gewöhnlichen  drei  Banden  nicht  die  geringste 
Spur  mehr  wahrgenommen  werden  konnte.  Da  diese  letz- 
teren nach  der  ersten  Hälfte  des  Mai  von  Beedichix, 
V.  KoxKOLY  und  Vogel  gesehen  wurden,  so  hat  bei  dem 
Kometen  seit  Ende  Mai  eine  völlige  Umänderung  des 
Spectrums  stattgefunden.  Es  liegt  nahe,  das  Auftreten  der 
hellen  NatriumUnie  auf  die  zunehmende  Erhitzung  zurück- 
zuführen, welche  der  Kometenkem  bei  seiner  Annäherung 
an  die  Sonne  erlitt;  er  erreichte  nämlich  das  Perihel  am 
10.  Juni;  allein  damit  ist  das  Verschwinden  des  Dreibanden- 
spectrums  nicht  erklärt.  Wenn  man  nämhch  in  einer 
Kohlenwasserstofftiamme  Nati'ium  verbrennt,  so  wird  durch 
das  Auftreten  der  hellen  Natriumlinie  das  Spectrum  des 
Kohlenwasserstoffs  nicht  im  geringsten  verändert;  wird  da- 
gegen der  elektrische  Funken  angewandt,  so  beobachtet 
man  eine  wesentlich  andere  Erscheinung.  Bringt  man  in 
eine  GmssLEB'sche  Röhre  Natrium,  welches  mit  Naphtha 
getränkt  worden  ist,  pumpt  dann  die  Luft  aus  der  Röhre 
und  lässt  hierauf  den  Strom  eines  grossen  Ruhmkorff- 
schen  Inductionsapparates,  der  in  Verbindung  mit  einer 
Leydener  Flasche  gebracht  ist,  hindui'chgehen,  so  erblickt 
man    ein    intensives  Spectrum    des    verdampften    Kohlen- 


'.\90  Die  SpectralaDalvsc. 

Wasserstoffs.  Erhitzt  man  nun  die  Röhre,  um  auch  das 
Natrium  zu  verdampfen,  so  erscheint  anfanglich  das 
Kohlenwasserstoffspectrum  verstärkt,  aber  sobald  alles 
Natrium  verdampft  ist,  verschwindet  das  Spectrum  des 
Kohlenwasserstoffs  fast  vollständig,  während  die  gelbe 
Natriumlinie  äusserst  lebhaft  glänzt.*  Nimmt  die  Wärme 
ab,  so  dass  die  Natriumdämpfe  sich  condensiren,  so  wird 
das  Spectnmi  derselben  immer  schwächer,  während  das- 
jenige des  Kohlenwasserstoffs  wieder  lebhaft;er  hervortritt. 
Man  ersieht  hieraus,  dass  bei  einem  Gemisch  von  Dämpfen 
des  Natriums  und  Naphthas  das  Natrium  allein  den  elek- 
trischen Strom  leitet.  Wenn  man  also  voraussetzt,  dass 
die  Lichterscheinungen  des  Kometen  wenigstens  zum 
grössten  Theile  durch  elektrische  Entladungen  inner- 
halb seiner  Materie  entstehen,  so  wird  die  Analogie  mit 
den  Spectralerscheinungen  gemischter  Dämpfe  augenfiUig. 
Hasselberg  kommt  daher  zu  dem  Schlüsse,  daes  bei  dem 
Kometen  Wells  unter  dem  Einflüsse  der  Sonnenhitze  das 
in  dem  Kometen  enthaltene  Natrium  verdampfte  und  dass 
die  beobachtenden  Licht-  und  Spectralerscheinungen  haupt- 
sächlich durch  elektrische  Entladungen  in  dem  Kometen 
hervorgerufen  wurden. 

A.  Herschel  und  Dr.  v.  Koxküly  haben  nachgewie- 
sen, dass  für  die  im  Folgenden  zu  besprechenden  verschie- 
deneu periodischen  Meteorschwärme  gewisse  Verschieden- 
heiten im  Spectrum  vorhanden  sind,  und  es  ist  daher  nicht 
gar  zu  wunderlich,  dass  wir  nun  auch  einen  Kometen 
kennen,  dessen  Kopf  unter  dem  EinHuss  der  Sonnenwärme 
chemische  Verschiedenheiten  im  Vergleich  zu  den  bisher 
bekannten  Kometen  zeigt. 

*  Vergl.  die  Jk'obarhtungen  von  Schustkr,  Bd.  1,  S.  *l2o  bis  "Vitj. 


itit.    I'li()t<i^ni|ilii4'  der  Koi)ietens|)ertra. 

Alk'  bisher  itiigeführteii  speutroskopist^heii  Ueobitdi- 
tuitgi^ii  von  KumeteD  erstreckten  sich  nur  über  dcü  sicht- 
bjiivu  TbL'il  des  Spectruma.  Erat  Houüins  war  s«  glück- 
liuli.  bui  ileDi  Kometen  II.  18tJ]  mit  den  $  26  beschrit- 
lienen  Hülfsmitteln  eine  Photographie  des  Spei'^tniuis  zu 
«rbalten.  Sic  ist  in  FUj.  ITti  möglichst  getreu  dar- 
gestellt Man  bemerkt  darin  zunächst  ein  continuirlicbes 
Spectruiii,   welehcit   sich   ungefähr   von  G  bis  Ä'  eretreckt 


niid  in  welchem  verschiedene  FaAUNBoKEB'sche  Linien, 
darunter  G.  k,  H  und  K  erscheinen.  Die  Sichtbarkeit 
dieser  Linien  ist  insoferu  von  grosser  Wichtigkeit,  als 
dadurch  der  Beweis  geliefert  wird,  dass  das  continuir- 
liche  Spectrum  wirklieb  von  reflectirteni  Sonnenlichte 
hen-Uhrt 

Ausserdem  ist  noch  ein  zweites  Spectmm  »or- 
lianderi.  welches  bttuptsüchlich  aus  zwei  Gruppen  von 
hellen  Linien  besteht.  Dasselbe  stammt  offen bnr  von 
demjenigen  Liebte,  welches  im  sichtbaren  Tlieile  de« 
Spectrums  die  im  Vorhergehenden  oft  genannten  drei 
Banden   erzeugt.     (Jenaue  Messungen  der  I^ige  der  hellen 


SM 


Dir   •<[irirlr«ll 


IJiiieii  im  ultnivioletti-ii  Tht-ilp  dieses  S|)ectnuns  I 
IIutiuiNs  7.U  der  Ueberzcugung,  dass  dieselben  mit  ( 
jenigen  Ku§ammeiifaUen,  welche  iiacii  Litkino  und  Dewib 
deöi  Cyanogeii  entsprechen.  Wenige  Tage  spater  ii!s 
lluMutNS  gelang  es  auch  Prof.  H.  Dbai'EU.  eine  Photo- 
graphie des  nätidichen  Kometenspectruius  zu  erbeten. 
zeigt  die  gleichen  hellen  Linien,  doch  fehlt  jede 
der  l'KAiiNiioFEKVhpii  dunklen  Linien  auf  der  photogi 
pLii-U'ii  Platte. 

Mit    denselben    Ajipai'aten    giljuig    es    Hhucjiss. 
Spectrnm    auch    des    Kometen    WelU   zu    photögiaphir 


am  3L  Mui  eirhieU  er  ein  photographiscbes  Ijild 
Heiben  uach  einer  Kxpoaitionsdauer  von  l'/i  Stunde. 
Zum  Vergleii'li  wurdf  auf  derselben  Platte  das  Spec- 
truni  von  a  Vrste  m^oris  pliotographirt.  Das  Kometen- 
Hpectrura  (Fiy.  i77)  zeigt  sich  lebhaft  und  coutinuirlich 
von  F  bis  etwas  über  H  hinaus.  FEACNHuFERscLe  Linien 
laaseti  sich  darin  nicht  erkennen.  Dei'  Spalt  des  Spei 
skops  war  beim  l'hotographiren  noch  etwas  weiter  geöl 
worden  als  im  gleichen  Falle  bei  dem  Kometen  des  Ji 
18^1.  Hierdui-ch  müssen  die  Linien  etwas  weniger  sei 
werden,  aber  im  Stornspectnim  von  «  Urs»,  das  untei' 
den  gleiclieu  Verhältnissen  autgenommen   wurde,   sind   die 


Bctn^^_ 
Kihan 


Photographie  der  Kometenspectra.  S9^ 

Linien  G  und  //  sehr  gut  zu  sehen.  Hieraus  schliesst 
HüGGiNS,  dass  der  Theil  des  ursprünglichen  Kometen- 
lichtes, welcher  ein  continuirliches  Spectrum  giebt,  in  Ver- 
gleich zum  reflectiilen  Sonnenhchte  viel  bedeutender  ist 
beim  gegenwärtigen  Kometen  als  bei  demjenigen  des  Jahres 
1881,  und  dass  deshalb  die  dunklen  FRAUNHOFEE'schen 
Linien  nicht  sichtbar  sind. 

Die  Photographie  des  Spectrums  zeigte,  was  zu  er- 
warten war,  dass  die  beträchtliche  Abweichung  des  Spec- 
trums vom  bisherigen  Typus  auch  für  die  brechbareren 
Regionen  besteht.  Die  sehr  starke  ultraviolette  Gruppe, 
welche  dem  Cyanogen  zugeschrieben  wird,  ist  auf  der 
photographirten  Platte  nicht  sichtbar,  und  eben  so  wenig 
scheinen  die  hellen  Gruppen  zwischen  G  und  h  und  zwi- 
schen h  und  H  vorhanden  zu  sein.  Der  Kopf  des  Kometen 
erschien  auf  dem  Spalt  scharf  und  das  continuirliche  Spec- 
trum mit  scharfen  Grenzen,  entsprechend  dem  Kern,  der 
bei  diesem  Kometen  sehr  bestimmt  erschien.  In  dem  con- 
tinuirlicheu  Spectrum  wurden  wenigstens  fünf  Stellen  mit 
grösster  Helligkeit  gesehen,  welche  sehr  wahrscheinlich 
Gruppen  von  hellen  Linien  entsprechen,  die  in  der  Photo- 
graphie nicht  aufgelöst  sind.  Dass  diese  Deutung  richtig 
ist,  findet  Hügoins  durch  den  Umstand  bestätigt,  dass  die 
hellen  Stellen  in  der  Photographie  an  einer  Seite  über  Aas 
continuirliche  Spectrum  hinausragen.  Diese  Seite  coiTe- 
spondirt  mit  derjenigen,  wo  das  Licht  der  Coma  an 
dem  der  Sonne  zugewandten  Theile  des  Kerns  auf  den 
Spalt  fiel.  Es  ist  nicht  möglich,  auf  dem  Bilde  mit  Ge- 
nauigkeit Anfang  und  Ende  der  Gruppen  zu  messen,  da 
diese  zu  schwach  sind.  Die  Wellenlängen  der  hellsten 
Theile  sind  4253,  4412,  4r)07,  4634,  470^  zehmnilliontel 
Millimeter. 


>VM  Die  Spectralanalyse. 

34.   Die  Sternschnuppen,  Meteorsehwärme,  Feuer- 
kugeln und  ihre  Spectra. 

Wör  in  einer  heiteren  Nacht  mit  einiger  Aufmerksani- 
k('it  und  Geduld  den  gestirnten  Himmel  betrachtet,  wird 
ohne  Zweifel  den  Anblick  einer  Sternschnuppe  haben,  eines 
leuchtenden  Meteors,  das  plötzlich  an  irgend  einer  Stelle 
des  Himmels  aufblitzt,  meist  mit  grosser  Geschwindigkeit 
vertical  oder  in  schräger  Richtung  vom  Himmel  zur  Erde 
herabfährt  und  nach  wenigen  Secunden  in  geringerer  oder 
grösserer  Höhe  verschwindet.  In  der  Regel  können  die 
Sternschnuppen  wegen  der  allgemeinen  Tageshelle  nur  am 
Abende  und  während  der  Nachtzeit  wahrgenommen  wer- 
den; doch  giebt  es  Fälle,  in  denen  dieselben  mit  einem 
SU  hohen  Glänze  am  Himmel  erschienen,  dass  sie  am  Tage 
bei  bedecktem  Himmel  wie  bei  ganz  heiterer  Luft  gesehen 
wurden. 

In  manchen  Nächten  ist  die  Zahl  der  feurigen 
Meteore  so  gross,  dass  sie  wie  iSchnfeßocken  den  Himmel 
durchziehen  und  während  mehrerer  Stunden  nicht  gezählt 
werden  können.  Am  12.  November  1799  sahen  A.  v.  Hum- 
boldt und  BoNPLAXD  früh  Morgens  vor  Sonnenaufgang 
von  der  mexikanischen  Küste  aus  4  Stunden  lang  Tausende 
von  Sternschnuppen,  die  sänmitlich  leuchtende  Schweife 
von  0  bis  10"  Länge  zurückliessen ;  die  meisten  derselben 
verschwanden  ohne  Funkensprühen,  andere  schienen  zu 
bersten  und  noch  andere  hatten  einen  grossen,  dem  Jupiter 
an  Ghmz  gleichkommenden  Kern,  aus  welchem  Funken 
sprühten. 

Am  12,  November  1833  fielen  die  Sternschnuppen 
wieder  so  dicht,  dass  nac'h  einer  Schätzung  Arago's  wäh- 
rend 3  Stunden    wenigstens  240000  am  ßeobachtuugsorte 


SteruHchnuppeii,  Meteorsrhwärine,  FoiuTku^t'ln  und  ihre  Spei-tra.     305 

den  nächtlichen  Himmel  durchzogen.  (Iiossartig  trat  die 
Ei^scheinung  wiederum  1866  ein  und  sie  wurde  damals 
von  zahlreichen  Beobachtern  genau  verfolgt.  Nach  dem 
Grade  ihres  Glanzes  unterecheidet  man  Stermfchaujjjjen 
und  Feuerkugeln.  Bisweilen  kommen  letztere  zur  Erde 
nieder  und  trefifen  ihre  Oberfläche,  man  nennt  sie  dann 
Äerolitherij  Meiecyr steine^  Meteoreinen.  Man  unterscheidet 
ferner  zwischen  sporadischen  Sternschnuppen  und  Stern- 
schnuppenschwärmen^  je  nachdem  sie  vereinzelt  in  allen 
möglichen  Richtungen  den  Himmel  durchziehen,  oder  in 
grösserer  Anzahl  eine  gemeinsame  Bahn  durchlaufen  und 
sich  hierdurch  als  Theile  eines  grössern  Ganzen  zu  er- 
kennen geben. 

Es  wird  jetzt  allgemein  angenommen,  und  die 
neuesten  Untersuchungen  von  Schiapabelli,  le  Verkieii, 
Weiss  u.  A.  lassen  darüber  kaum  noch  einen  Zweifel 
bestehen,  djiss  diese  feurigen  Meteore  meist  sehr  kleine, 
zuweilen  aber  mehrere  Centner  schwere  fragmentarische, 
gleich  den  Planeten  um  die  Sonne  sich  bewegende 
Massen  sind,  die  der  Erde  in  ihrem  Laufe  um  die 
Sonne  nahe  kommen,  von  dieser  angezogen  werden  und 
bei  ihrem  Eintritt  in  die  Erdatmosphäre  durch  den  Wider- 
stand an  der  comprimirten  Luft  glühend  werden  und  ver- 
brennen. 

Die  chemischen  Analysen  derjenigen  Meteore,  welche 
bis  jetzt  zur  Erde  herabgefallen  sind,  zeigen,  dass  alle 
ihre  Bestandtheile  auch  auf  der  Erde  vorhanden  sind. 
Meistens  bestehen  sie  aus  metallischem  Eisen,  untermischt 
mit  verschiedenen  Kieselverbindungen;  dem  Eisen  ist  stets 
noch  Nickel  beigemengt;  unter  den  Silicaten  ist  Olivin 
und  Augit  besonders  bemerkenswerth.  Ausserdem  hat  man 
in  d«n  bis  jetzt  untei*suchten  Meteoriten   noch  Sauei-stofl', 


806  Die  SpectralanalyKC. 

Wasserstoff,  Schwefel,  Phosphor,  Kohlenstoff,  Aluminium, 
Magnesium,  Calcium,  Natrium,  Kalium,  Mangan,  Tit^in, 
Blei,  Lithium  und  Strontium  gefunden. 

Man  kann  mit  Gustav  Rose  die  Aerolithe  in  zwei 
Classen  mi\^rscheiden:  in  EUen- und  Steinnieiearüe,  Erstere 
sind  meist  ausgezeichnet  durch  ihren  Nickelgehalt,  letztere 
weisen  als  wesentlichste  Bestandtheile  Kieselsäure,  Thon- 
erde  und  Kalk  auf. 

In  neuerer  Zeit  hat  sich  ergeben,  dass  manche  Meteo- 
rite, und  wahrscheinlich  sogai-  alle,  gewisse  Grase,  beson- 
ders Wasserstoff  und  Kohlensäure  einschliessen,  die  durch 
Erhitzung  im  luftleeren  Raimie  frei  werden.  Graham  wies 
zueilst  bei  dem  Meteoreisen  von  Lenarto,  dessen  Fallzeit 
unbekannt  ist,  nach,  dass  dasselbe  fast  sein  dreifaches 
Volumen  Wasserstoff  enthalte.  Später  hat  besonders 
Wright  die  Gase  der  Meteorite  untersucht  und  zwar  je 
fünf  Eisen-  und  fünf  Steinmet<5orite  einer  genauen  che- 
mischen Prüfung  unterzogen.  Es  ergaben  sich  dabei  fol- 
gende Resultate,  wobei  die  Zahlen  in  der  ersten  Reihe  für 
jeden  Meteoriten  die  Gasvolumina  bei  500®  Erwärmung, 
die  in  der  zweiten  bei  Erhitzung  bis  zur  Rothgluth  be- 
zeichnen. 

a)  Eisenmeteorite. 

Volumen   de»                „           ,  ,    .,  , 

MvtcMirit                           ..                          HeHtandthcilc  des  Gases 

nngeschlosscneii  ,,^             ,._  „            ^  „ 

von                        ^   „  COj           CO  H            CHi 

Tazf-weU     .     .     .        1,87  18,84  ;W,45  11,51  — 

1,80  7,70  45,75  44,7(5  — 

Sinjrirspniig    .     .        0,Ü5  19,08  18,52  60,92  — 

0,82  1,1U  10,39  84,40  — 

Arva      ....        8,89  18,20  :«,72  40,62  — 

88,24  11,25  74,59  12,84  — 

T.xas     ....        1,10  9,7Ü  8,43  81,81  — 

0,19  2.18  48,58  49,24  — 

Dickhüu      .     .     .        -',2  18,80  15,80  71,40  — 


Sternschnuppen,  MeteorRchwUrme,  Feuerkii|?eln  und  ihre  Spectra.     397 


b)  Steinmeteorite. 

Meteorit 

Volumen  des 

Bestandthoilo 

des    Gases 

von 

eingeschlossener 
Gases 

'   CO. 

00 

H 

C'lU 

Ohio        .      . 

.      .        2,0() 

82,28 

2,10 

12,37 

2,20 

0,93 

10,79 

8,71 

09,43 

1,00 

Pultusk 

.     .      0,99 

81,01 

1,99 

13,30 

1,73 

0,7t) 

33,97 

7,35 

19,99 

0,00 

Parnallee 

1,5t) 

87,53 

1,13 

8,72 

1,22 

1,17 

72,43 

2,53 

20,03 

3,22 

WcHton 

.     .      2,09 

80,29 

1,84 

8,59 

1,19 

0,80 

02,18 

3,43 

28,10 

3,10 

Jowa      .     . 

.     .       1,01 

58,04 

4,01 

a4,82 

0,00 

1,40 

19,10 

0,21 

74,49 

0,00 

Die  beiden  Tabellen  zeigen  sogleich  einen  auffallenden 
Unterschied  im  Verhalten  der  Stein-  und  Eisenmeteorite; 
jene  geben  bei  niedrigen  Temperaturen  ein  sehr  viel 
grösseres  Gasvolumen  als  diese  und  ebenso  ist  die  Zu- 
sammensetzung des  umschlossenen  Gases  bei  den  Stein- 
meteoriten vollständig  von  derjenigen  der  Eisenmeteorite 
verschieden.  Bei  den  letzteren  beträgt  die  Kohlensäure 
bei  500®  C.  niemals  20  Procent  der  gesammten  Gasmenge, 
während  mit  einer  einzigen  Ausnahme  das  Volumen  des 
Kohlenoxyds  bedeutend  grösser  ist.  Bei  den  Steinmeteo- 
riten ist  dagegen  das  procentische  Verhältniss  des  Kohlen- 
oxyds sehr  gering,  während  die  Kohlensäure  mehr  als  die 
Hälfte  der  gesammten  Gasmenge  ausmacht,  die  bei  Roth- 
gluth  erhalten  wii-d.  Die  Entwickelung  so  bedeutender 
Mengen  von  Kohlensäure  kann  nach  Wright  überhaupt 
als  charakteristisch  für  die  Steinmeteorite  angesehen  wer- 
den, und  es  ist  ferner  bezeichnend,  dass  die  Gase  dieser 
Meteorite  Spectra  zeigten,  welche  dem  Kometenspectrum 
mit  seinen  hellen  drei  Banden  sehr  ähnlich  sahen. 

Dr.  Flight  hat  vor  Kurzem  die  Analyse  der  einge- 
schlossenen Gase  eines  Meteorsteins  unmittelbar  nach  seinem 


Ni^^lrrtalleTi    vorsenommen     und    folgende    Resultate    er- 


K'>al<:asäiirr 

M12 

KohUn<>xT'i 

31,^ 

Wjji4<r*t..rr 

45.79 

K'>hi-*n-vj.**^r'»?.iJ 

4,55 

• 

.     I7.r>; 

liM.i.fm 

Alle  Ansichten  stimmen  darin  überein,  dass  die  in 
den  Mt'tt-oriten  vursfefundenen  Gase  nicht  während  der 
sehr  kurzen  Dauer  ihres  Fallens  dnrch  unsere  Atmosphäre 
eingeilrungen  sein  können,  wofür  insbesondere  der  Umstand 
spricht,  dass  der  Hauptbestandtheil  der  eingeschlossenen 
Gase  Wasserstoff  ist,  der  in  unserer  Atmosphäre  in  keiner 
Ijemerkenswerthen  Quantität  vorkommt.  Es  geht  ans  diesen 
Untersuchungen  hervor,  dass  der  Kern  der  Kometen 
fs.  S.  300  j  fast  genau  dieselben  Gase  enthält,  welche  man 
in  den  Meteoriten  eingeschlossen  gefunden  hat,  nämlich 
Kohlenstoff,  Wasserstoff',  Stickstoff,  Sauerstoff  und  ihre 
Verbindungen. 

Die  Hohe,  in  welcher  die  feurigen  Meteore  erscheinen, 
i^t  sehr  vei-schieden  und  variirt  meist  in  den  Grenzen  von 
5  bis  20  geographischen  Meilen;  im  Mittel  kann  man  die- 
selbe zu  15  Meilen  annehmen.  Die  Geschwindigkeit,  mit 
w(*lcher  sich  dieselben  bewegen,  ist  ebenso  verschieden 
und  im  Allgemeinen  die  anderthalbfache  unserer  Erde  bei 
ihrem  Umlaufe  um  die  Sonne  oder  6  geographische  Meilen 
in  der  Secunde;  doch  weichen  die  Maxima  und  Minima 
bedeutend  hiervon  ab. 

Wenn  ein  solcher  dunkler  Meteorit  mit  einer  mitt- 
leren Geschwindigkeit  von  360  geogi-aphischen  Meilen  pro 
Minute  (Ut  Erde  begegnet,  die  selbst  mit  einer  mittleren 
Geschwindigkeit  von  240  geographischen  Meilen  durch  den 


StemHchnuppen,  Meteorschwärme,  Feuerkuffehi  und  ihre  Spectra.     390 

Weltenraum  fliegt,  und  seine  Geschwindigkeit  durch  die 
Anziehung  der  Erde  noch  um  mindestens  50  geographische 
Meilen  pro  Minute  vergrössert  wird,  so  findet  dieser  Kör- 
per selbst  in  den  äussersten  und  dünnsten  Luftschichten 
der  Erde  einen  solchen  Widerstand,  dass  er  in  seiner  Be- 
wegung aufgehalten  wird  und  er  in  kürzester  Zeit  einen 
bedeutenden  Theil  seiner  lebendigen  Kraft  verliert.  Es 
tritt  dabei  dasselbe  ein,  was  überall  da  erfolgt,  wo  ein  in 
Bewegung  befindlicher  Körper  gehemmt  wird.  Wenn  ein 
Rad  sehr  schnell  umläuft,  so  erhitzt  sich  die  Achse  oder 
der  Bremsring,  der  um  dasselbe  gelegt  wird,  durch  die 
Reibung  bis  zur  Rothgluth.  Wenn  eine  eiserne  Kanonen- 
kugel mit  sehr  grosser  Geschwindigkeit  plötzlich  gegen 
eine  eiserne  Platte  anprallt,  wie  es  bei  den  Schiessver- 
suchen geschieht,  so  sieht  man  selbst  bei  Tage  einen 
Feuerschein  aus  der  Kugel  hervorschiessen ;  eine  Bleikugel 
erleidet  unter  solchen  Umständen  eine  partielle  Schmel- 
zung. Die  Wärme  eines  Körpers  besteht  nämlich  in 
schwingenden  Bewegungen  seiner  kleinsten  Massentheil- 
chen;  eine  Zunahme  dieser  Molekularbewegung  ist  gleich- 
bedeutend mit  erhöhter  Wärme;  nimmt  die  vibrirende  Be- 
wegung der  Moleküle  ab,  so  nennen  wir  diese  Erscheinung 
verminderte  Wärme  oder  Abkühlung.  Stösst  nun  ein  in 
Bewegung  befindlicher  Körper,  z.  B.  die  Kugel  gegen  die 
eiserne  Platte,  oder  der  Meteorit  gegen  die  Luft  der  Erd- 
atmosphäre, so  wird  in  demselben  Masse,  wie  die  Be- 
wegung des  Körpers  abninmit  und  die  äussere  Arbeit  der 
Massenbewegung  verschwindet,  durch  den  Druck  des  wider- 
stehenden Mittels  auf  die  vorderen  Moleküle  die  Bewegung 
dieser  letzteren  vergrössert;  die  vorderen  Moleküle,  welche 
den  Anprall  erleiden,  theilen  ihre  Bewegung  sofort  den 
übrigen  Molekülen  des  Körpers  mit;   alle  Masseutheilchen 


4fp'f  Das  »p«Ktr»l4aAlT«*. 

be5K'faIeaaige&  ihre  aQ&ngliche  Bewegong  luid  die  Tem- 
peratur des  Körpers  Dimmt  zu.  Man  pflegt  diese  Erschein 
nmig,  die  überall  auftritt,  wo  die  Bewegung  einer  Masse 
abnimmt,  mit  dem  Ausdruck  der  ümn-andlung  einer  Maitufen' 
arfjeU  in  Mfßl^ki)! arbeit  oder  in  Wärme  zu  bezeichnen; 
in  der  That  tritt  ohne  Ausnahme  da,  wo  die  äussere  Ar- 
beit der  Masse  verschwindet,  an  ihre  Stelle  eine  innere 
Arbeit  der  )Iassentheiichen  oder  die  Wärme  als  Aequi- 
vaient  auf^  und  es  lässt  sich  leicht  berechnen,  dass  bereits 
in  den  höchsten  und  dünnsten  Luftschichten  der  Erdatmo- 
sphäre der  Widerstand  der  Luft  die  sehr  grosse  Anfangs- 
geschwindigkeit der  Meteorite  sehr  rasch  vermindert  und 
daher  dieselben  kurz  nach  ihrem  Eintritte  in  die  Atmo- 
sphäre ihre  innere  Molekülbewegung  bis  zu  dem  Grade 
beschleunigen,  dass  sie  weissglühend  werden,  theilweise 
schmelzen  oder,  wenn  sie  klein  genug  sind,  ganz  in  Dampf 
aufgehen  und  einen  Schweif  von  glühenden  Dämpfen  hinter 
sich  zurücklassen. 

IIaidinger  hat  in  einer  alle  Einzelerscheinungen  der 
M(?teorite  ziisanimcnfassenden  Theorie  die  Bildung  einer 
Fe,ttrrku(jfd  dadurch  erklärt,  dass  der  Meteorit  infolge  der 
grossen  (Jescli windigkeit,  mit  welcher  er  in  die  Erdatnio- 
sj)hilr(;  eindringt,  die  Luft  vor  sich  bis  zum  Glühen  zu- 
sanunenpresst.  Die  so  comprimirte  Luft,  in  welcher  die 
festen  Theile  der  Obei*Häche  der  Meteoriten  glühen,  fliesst 
dann  nach  allen  Seiten,  besonders  aber  über  die  Ober- 
lläche  des  Meteors  nach  hinten  ab,  wo  sie  einen  birn- 
fcirniigen,  vom  Meteoriten  eben  verlassenen  leeren  Raum 
unischliesst  und  dem  Beobachter  als  feurige  Kugel  er- 
scheint. Wenn  auf  diese  Weise  mehrere  Körper  zugleich 
in  die  Atmosphäre  der  Krde  eindringen,  nimmt  der  grösste 
(lcrsi'll)cn   die    vorderste   Stelle  ein,    weil   der   Widerstand 


Stemschnnpp«»!!,  MetPorschwUrin«',  Feuerkujifeln  uml  ihro  Sportrn.     !<•! 

der  Luft  für  seine  verhältnissniiissig  kleinste  Oberfläche 
am  geringsten  ist,  und  die  übrigen  liigern  sich  an  diesen 
Leitstein,  der  dann  allein  eine  Feuerkugel  erzeugt.  Wenn 
durch  den  Widerstand  der  Luft  die  kosmische  Geschwin- 
digkeit des  Meteoriten  ganz  aufgehoben  ist,  steht  derselbe 
für  einen  Augenblick  still;  die  Feuerkugel  erlischt,  in  den 
hinter  derselben  befindhchen  leeren  Raum  stürzt  plötzlich 
die  umgebende  Luft  zusammen  und  der  Meteorit,  nunmehr 
der  blossen  Wirkung  der  Schwerkraft  unterliegend,  fällt 
in  verticaler  Richtung  zur  Erde  nieder.  Die  heftigen 
Detonationen,  unter  denen  diese  Erscheinungen  nicht  selten 
vor  sich  gehen,  finden  ihre  Erklärung  hinreichend  in  dem 
heftigen  Zusammenschlagen  der  Luft  hinter  dem  Meteore, 
und  es  scheint  die  früher  oft  gemachte  Annahme,  dass 
der  donnerartige  Knall,  welcher  nicht  selten  das  Herab- 
fallen der  Meteorsteine  begleitet,  von  einer  Explosion  oder 
einem  Zerspringen  derselben  herrühre,  sich  nicht  zu  be- 
stätigen. 

Schon  der  Umstand,  dass  die  meisten  Sternschnuppen 
erlöschen,  bevor  sie  die  Erdoberfläche  erreicht  haben, 
deutet  darauf  hin,  dass  ihre  Masse  gering  ist.  Kennt  man 
von  einer  Sternschnuppe  die  Entfernung  von  der  Erde 
und  den  scheinbaren  Glanz,  z.  B.  im  Vergleiche  mit  dem 
Glänze  eines  Planeten,  so  kann  man  aus  ihrer  Leuchtkraft 
durch  Vergleichung  mit  der  Leuchtkraft  einer  bestimmten 
Quantität  eines  brennenden  und  leuchtenden  Gases  die 
Wärme  berechnen,  welche  durch  die  Verbrennung  des 
Meteors  erzeugt  wird.  Da  aber  diese  Wärme  aus  der 
durch  den  Luftwiderstand  gehemmten  und  aufgehobenen 
Bewegung  der  Sternschnuppe  herrührt,  diese  Bewegung 
aber  oder  dic^  It^bendige  Kraft  dos  Meteors  ausschliesslich 
von  der  (Jesclnvindigkeit  und  der  Masse  desselben  abhängt, 

^kftlfn,  Spoctralniialyvo.  II.  2G 


402  Die  SpectrulanalyRe. 

SO  kann  man  hieraus,  wenn  die  Geschwindigkeit  durch  die 
directe  Beobachtung  bekannt  ist,  auf  die  Grösse  der  Masse 
schliessen.  A.  Herschel  hat  auf  diesem  Wege  gefunden, 
dass  bei  den  Sternschnuppen  vom  9.  und  10.  August  1863, 
welche  den  Glanz  der  Venus  und  des  Jupiter  hatten,  die 
Masse  2000  bis  3000  g,  dagegen  bei  solchen,  die  den 
Glanz  der  Sterne  zweiter  bis  dritter  Grösse  haben,  die 
Masse  nur  6  g  beträgt.  Da  der  grösste  Theil  der  Stern- 
schnuppen einen  geringern  Glanz  als  den  der  Sterne 
zweiter  Grösse  hat,  so  werden  die  kleineren  Meteore  nur 
Bruchtheile  eines  Gramm  wiegen,  wie  denn  auch  He&schel 
bei  fünf  Meteoren  des  12.  November  1865,  sämmtlich  erster 
Grösse  und  mehr,  das  mittlere  Gewicht  zu  0,36  g  fand, 
und  auch  Schiaparelli  aus  anderen  Erscheinungen  das 
hypothetische  Gewicht  einer  Sternschnuppe  zu  1  g  ab- 
leitet. Bei  den  zur  Erde  gelangenden  Meteorsteinen  aber 
ist  die  Masse  natürlich  bedeutender,  sei  es,  dass  das 
Meteor  bloss  aus  einem  einzelnen  Stücke  besteht,  wie 
das  bekannte  800  kg  schwere  „Eisen  der  Pallas",  oder 
dass  es  eine  aus  vielen  kleineren  Massen  bestehende 
kosmische  Wolke  ist,  deren  Bestandtheile,  wie  Fig,  178 
zeigt,  in  parallelen  Bahnen  gemeinsam  in  die  Erd- 
atmosphäre eindringen  und  durch  ein  gleichzeitiges  Auf- 
leuchten und  Niederfallen  zur  Erde  den  Anblick  gewähren, 
als  ob  ein  einzelnes  Meteor  in  mclirere  kleinere  zersprun- 
gen sei.  Ein  solcher  Steinregen  fand  unter  einer  starken 
Lichterscheinung  und  heftiger  Detonation  am  26.  April  1803 
zu  TAigle  in  der  Norraandie  statt,  wobei  die  Zahl  der 
aufgefundenen  Steine  in  einem  Umkreise  von  3  Quadrat- 
meileu  über  2000  betrug.  Bei  dem  Steini-egen,  der  sich 
am  9.  Juni  1866  zu  Knyahinya  in  Ungarn  zutrug,  hatte 
die   Hauptmasse  ein   Gewicht  von  300  kg  und    war    be- 


SteniHcbnuppeu,  Meteorschwänuc,  Feuerkugeln  und  ihre  Spectra.     403 

gleitet  von  ungefähr  1000  kleineren  Steinen,  die  auf  einem 
Umkreise  von  2  Meilen  Länge  und  %  Meilen  Breite  zer- 
streut gefunden  wurden. 

Das  grossartigste  Beispiel  von  aus  einzelnen  kleinen 
Köri)ern  bestehenden  kosmischen  Wolken,  in  denen  die 
Einzeltheilchen  nur  höchst  lose  zusammenhangen  und  so 
gut  wie  gar  nicht  mit  einander  in  Verbindung  stehen, 
bieten  die  sogenannten  Meteorschwärnie^  insbesondere  der 
August'  und  der  Xavember- Periode,     Es  ist  eine  bekannte 

Fi^.  178. 


Feuerkugel,  im  Teleskope  beobachtet. 


Thatsache,  dass  in  gewissen  Nächten  des  Jahres  die  Zahl 
der  Sternschnuppen  eine  ausserordentlich  grosse  ist  und 
dass  dieselbe  zu  diesen  Zeiten  stets  aus  ganz  bestimmten 
Stellen  des  Himmelsgewölbes  hervorschiessen ;  der  Stem- 
schnuppenschwarm,  der  in  jedem  Jahre  in  der  Nacht  vom 
10.  August  aus  dem  Stembilde  des  Perseus  kommt,  findet 
sich  schon  in  alten  Schriften  mehrfach  erwähnt  Der 
Schwärm  des  12.  und  13.  Novembers  tritt  nach  je  SS'/* 
bis  33V3  Jahren  jedesmal  3  Jahre  nach  einander  mit  ab- 
nehmender Stärke  auf;  er  ist  es,  den  A.  v.  Humboldt  und 
BoNPLAND   am   12.  November  1799   zu   Cuniana   als  einen 

2ü» 


404  Die  Spectralanalyse. 

wahren  Feuerregen  beobachteten,  der  am  12.  November  1833 
in  solcher  Stärke  wiederkehrte,  dass  Abaoo  das  Schiessen 
der  Sternschnuppen  mit  dem  Fallen  von  Schneeflocken 
verglich,  und  der  neuerdings  in  alter  Pracht  186G  und 
It'sGT  aufgetreten  ist.  Ausser  diesen  beiden  Hauptmeteor- 
sch wärmen  kennt  man  deren  noch  viele  andere,  die  in 
regelmässigen  Perioden  wiederkehren;  ein  jeder  von  ihnen 
ist  eine  kosmische,  aus  einzelnen  kleinen  dunklen  Kör- 
pern bestehende  Wolke,  deren  Theilchen  nur  lose  mit  ein- 
ander verbunden,  wie  die  Theilchen  einer  Sandwolke,  eine 
gemeinsame  Bahn  um  die  Sotme  verfolgen.  Die  Bahnen 
dieser  Meteorströme  sind  sehr  verschieden;  sie  liegen 
durchaus  nicht,  wie  die  unserer  Planeten,  nahezu  in  einer 
Ebene,  sondern  durchkreuzen  die  Ebene  der  Erdbahn 
unter  den  verschiedensten  Winkeln.  Die  Bewegung  der 
einzelnen  Meteorite  erfolgt  in  einer  und  dei*selben  Bahn 
in  gleicher  Richtung;  aber  diese  Richtung  ist  bei  einigen 
Bahnen  dieselbe,  bei  anderen  dagegen  die  entgegengesetzte 
als  die  der  Erde  und  der  übrigen  Planeten. 

Die  Erde  nimmt  bei  ihrem  Umlaufe  um  die  Sonne 
mit  jedem  Tage  eine  andere  Stelle  im  Weltenraume  ein; 
wenn  daher  in  regelmässiger  Wiederkehr  zu  einer  gewissen 
Zeit  ein  Sternschnuppenschwarm  durch  unsere  Atmosphäre 
hindurchzieht,  so  muss  an  der  Stelle,  wo  sich  zu  dieser 
Zeit  die  Erde  befindet,  eine  Ansammlung  solcher  kleiner 
kosmischer  Körper  vorhanden  sein,  die  von  der  Erde  an- 
gezogen in  ihre  Atmosphäre  eindringen,  sich  entzünden 
und  als  Sternschnuppen  sichtbar  werden.  Eine  kosmische 
Wolke  aber  kann  in  unserem  Sonnensysteme  unmöglich 
an  derselben  Stelle  verharren,  sondern  muss  sich,  wie  die 
Planeten  und  die  Kometen,  um  die  Sonne  bewegen;  woraus 
dann    folgt,    dass    die    Bahnen    eines   periodischen    Stern- 


Sternschnuppen,  Meteorächwürme,  Feuerkugeln   und  ihre  Spectra      405 

schnuppenschwaniis  und  der  Erde  sich  kreuzen  und  die 
Erde  zu  der  Zeit,  wo  der  Schwärm  uns  erscheint,  durch 
denselben  hindurch-,  oder  an  demselben  sehr  nahe*  vor- 
beigehen muss. 

Der  Stemschnuppenschwarm  vom  10.  August  (auch 
Laurentiusstrom  oder  die  Per  seiden  genannt,  weil  die 
Schnuppen  aus  dem  Sternbilde  des  Pei^seus  zu  kommen 
scheinen)  zeigt  sich  fast  alle  Jahre  und  zwar  in  den  ein- 
zelnen aufeinanderfolgenden  Jahren  in  verschiedener  Stärke; 
es  folgt  daraus,  dass  die  kleinen  Meteore,  welche  diesen 
Schwärm  bilden,  in  einem  geschlossenen  Ringe  um  die 
Sonne  laufen  und  die  Erde  jedesmal  am  10.  August  sich 
an  der  Stelle  befindet,  wo  dieser  Ring  die  Erdbahn  schnei- 
det; es  folgt  feiner  daraus,  dass  die  Bahn  dieser  Meteore 
nicht  an  allen  Stellen  gleichmässig  mit  Köq)erchen  be- 
setzt ist,  dass  er  dichtere  und  lockere,  vielleicht  sogar 
leere  Stellen  hat,  auf  denen  sich  gar  keine  Meteorkörn- 
chen befinden. 

Die  Fig,  179  zeigt  ein  sehr  kleines  Stück  der  ellip- 
tischen Bahn,  welche  diese  meteorische  Masse  um  die 
Sonne  S  beschreibt.  Diese  Bahn  triflt  am  10.  August  mit 
der  Erde  zusammen  und  die  letztere  geht  daher  zu  dieser 
Zeit  dicht  an  den  Meteormassen,  welche  sich  in  dieser 
Bahn  bewegen,  vorbei.  Unter  den  in  dieser  Bahn  ange- 
deuteten Pünktchen  hat  man  sich  die  dunklen  kleinen 
Meteorkörperchen  vorzustellen,  welche,  wenn  sie  sich  in 
der  Erdatmosphäre  entzünden,  zu  leuchtenden  Stern- 
schnuppen werden.  Die  Linie  m  ist  der  Durchschnitt  der 
Meteorbahn  mit  der  Erdbahn;  die  Linie  PS  bildet  die 
Richtung  der  grossen  Achse  dieser  Bahn.  Dieselbe  ist 
fünfzigmal  so  gross  als  der  mittlere  Halbmesser  der  Erd- 
bahn; dei'  Neigungswinkel  der  Meteorbahn  gegen  die  Erd- 


Itabo  betrügt  ti4**  3'   ud(1   die  Bewegung  der   Meteorite  i 
dorjeiiigeti  der  Erde  eiitgegeugesetzt  oder  rikJdiiufig. 

Itei  dem  Nuvex 
*■       ■  -  -      berachwarme  be< 

achtet     in  HD 
nicht      iu      jedem 
Jahre  lun   \i.  und 
13.  November  eliu 
bedeutende  Ai 
von     Sternschnn] 
peil,     dafür 
nach  je  33'/i  Ji 
leii  eine  ungewöl 
lifh  grosse  Anz) 
derselben,    die  zu- 
nieist     von     einem 
Putikli 

hilde  des  Löi 
I  daiier  auch 
'(iWfii  goiiaiiutj. 
iiugeheii  »tchciui 
Die  Meteore  diiises 
Sciliwiirms,  welche 
sich  ebciifalls  um 
die  Sonne  bewef 
sind  daher 
wie    die    Perseil 

Bilin  a»  Moliuinliw»rnii  rom  11).  Aubh«  Über  die 

zerstreut  und 

den  in   ihrer  Gesammtheit   nicht  einen   von   ^leteormi 
ganz    erfüllt«n   Ring,  sondern  einen  dichten,  nur  wenig  in 
die  lÄnge  gezogenen  Schwärm,  der  33' j  Jahie  zu  selneni 


und 
ein^^^ 

I 

za- 
;ineui 


Sternschnuppen,  Meteorschwärme,  Feuerkugeln  und  ihre  Spectra.    407 

Umlaufe  um  die  Sonne  gebraucht  und  dessen  Bahn  die 
Erdbahn  in  demjenigen  Punkte  schneidet,  in  welchem  sich 
die  Erde  gegen  den  13.  November  befindet. 

Wenn  nach  je  33 ''3  Jahren  der  Novemberschwarm 
erscheint,  so  wiederholt  sich  die  Erscheinung  des  Stern- 
schnuppenregens um  den  13.  November  3  Jahre  nach 
einander,  aber  in  abnehmender  Stärke;  der  Schwärm  von 
Meteorkörperchen  hat  daher  eine  solche  Ausdehnung  in 
seiner  Bahn,  dass  er  3  Jahre  gebraucht,  um  die  Stelle  zu 
passh-en,  wo  sich  gegen  den  13.  November  die  Erde  be- 
findet; ausserdem  ist  er  nicht  an  allen  Stellen  gleich  dicht 
mit  Körpern  besetzt;  der  vorangehende  Theil  ist  dichter 
als  die  nachfolgenden. 

Die  Fig.  180  zeigt  ein  sehr  kleines  Stück  der  ellip- 
tischen Bahn  und  die  Massenvertheilung  des  November- 
schwarms.  Wie  die  Figur  zeigt,  schneidet  diese  Bahn  die 
Erdbahn  an  der  Stelle,  wo  sich  die  Erde  gegen  den  14.  No- 
vember befindet,  und  die  Bewegung  der  Meteorite,  die 
bloss  auf  einer  kleinen  Strecke  der  Bahn  sehr  ungleich 
verthcilt  sind,  erfolgt  entgegengesetzt  der  Bewegung  der 
Erde  oder  ebenfalls  rückläufig.  Die  Neigung  dieser  Bahn 
gegen  die  Erdbahn  beträgt  nur  17^44';  ihre  grosse  Achse 
ist  ungefähr  lOVainal  so  gross  als  der  Durchmesser  der 
Erdbahn;  die  Umlaufszeit  des  dichtesten  Theiles  der 
Meteorite  um  die  Sonne  S  beträgt  33  Jahre  3  Monate. 

Die  Bahnen,  welche  die  verschiedenen  Meteore  eines 
und  desselben  Seh  warmes  beschreiben,  scheinen  von  einem 
gemeinsamen  Punkte  des  Himmels,  dem  sogenannten 
Radiationspnnkte^  auszugehen;  für  den  Augustschwarm 
liegt  derselbe  zwischen  dem  Sternbilde  des  Perseus  und 
der  Cassiopeja,  für  die  Novemberschwärme  dagegen  liegt 
er   sehr   nahe  bei  dem  Sterne  C  im  Löwen.     Es  ist  damit 


«» 


Dil'  Sprilmlmul)'» 


nicht  gesHgt,    (lass    alle   Steiusclinuppen    eines   und    <l«i 
selben  Suhwarins  wirklich  aus  einem  um!  ileniselbwi  Va 
dos  Wcllriiuiues  hiu-kommeu,  soudeni  üur,   dass  die  FIti( 
bahnen  (Ut   luoiateu    von   ihnen   riickwärU  verlängert  ii 
einen  und  densclhen  Punkt  aui  Hiiniuel  hinwetseu;  citri 


wenige  Stcnischmiiipen  &iud  uieht  uut' bestimmte  Uadiutioi 
punkte  zurückzuliihi'en    und    man    nennt    de   dalier 
railisfln:     Die   Couvei'geuz   solcher   Meteorbaltnon    ist   in- 
dessen   um-   eine   scheinbare    und    eine   einfache   Wirkung 
der  I'ui'Hpectivc ;  iu  der  Wirklichkeit  sind  dieselben  naliezu 
paniUel   und   sie   bieten   ilen  Anblick  divergireuder  Ltn 
aus    demselben   Grunde,    iub    nelcliem    wir    die  Sonni 


Sternschnuppen,  Meteorschwürni«',  Feuerkiipreln   und  ihre  Spectra.     400 

strahlen  in  divergirender  Hichtung  durch  eine  Wolkeiilücku 
hervorschiessen  sehen.  Selbst  in  solchen  Fällen,  wo  das 
Phänomen  der  Sternschnuppen  weniger  auffallend  ist, 
scheinen  doch  solche  Radiationspunkte  vorhanden  zu  sein; 
Heib,  Gbeg  und  A.  Hebsghel  haben  eine  sehr  grosse 
Zahl  von  Meteorschwärmen,  die  in  regelmässigen  Perioden 
wiederkehren,  aufgefunden  und  für  dieselben  die  Radiations- 
punkte  näher  fixirt 

Aus  dem,  was  wir  bis  jetzt  über  die  Natur  und  die 
stoffliche  Zusammensetzung  der  Kometen,  der  Nehelhaufen, 
der  kosmischen  Wolken  und  der  Meteorschwärmc  gesagt 
habeUy  ergiebt  sich  eine  unverkennbare  Aehnlichkeit  zwi- 
schen diesen  verschiedenen  Gebilden  des  Weltenraunis. 

Die  Verwandtschaft  zwischen  Kometen  und  Stern- 
schnuppen wurde  schon  von  Chladni  erkannt;  aber  erst 
SoHiAPA&EiiLi  in  Mailand  umfasste  alle  Erscheinungen, 
welche  diese  bis  dahin  so  räthselvollen  Himmelskör])er  dar- 
bieien,  mit  durchdringendem  Scharfsinne  und  seltenem  Er- 
folge. Er  zeigte,  dass  zwischen  Kometen  und  Stern- 
schnuppen ein  inniger  Connex  besteht,  insofern  beide  in 
gleichartigen  Bahnen  um  die  Sonne  laufen,  ja  dass  bis- 
weilen in  einem  Theile  einer  Bahn  ein  Komet  und  an  einer 
anderen  Stelle  derselben  Bahn  ein  Stemschnuppenschwarm 
sich  bewegt  Zwischen  den  Bahnen  des  August -Meteor- 
ringes und  des  Kometen  1862,  Nr.  III  hat  derselbe  eine 
so  grosse  Uebereinstimmung  gefunden,  dass  an  einer  völ- 
ligen Identität  beider  nicht  gezweifelt  werden  kann. 

Natürlich  kann  ein  Stemschnuppenschwarm  nur  in 
dem  Knoten,  d.  h.  in  demjenigen  Punkte  seiner  Bahn,  in 
welchem  er  die  Erdbahn  schneidet,  als  MeteoiTegen  be- 
obachtet werden,  und  zwar  nur  in  dem  Falle,  wenn 
zu   derselben   Zeit    die   Erde    sich   an    eben   dieser   Stelle 


•110  I)ii;  Spectralaiialyse. 

befindet  und  ihre  Atmosphäre  von  den  Meteoriten  durch- 
schnitten wird. 

Audi  für  den  Xovemberschtcnnn  haben  die  Rechnungen 
von  ScHiAPARELU,  ÜPPOLZEB,  Peters  uud  Le  Verrier 
den  erzeugenden  Kometen  an  das  Tageslicht  gebracht;  es 
ist  der  von  Tempel  in  Marseille  zuerst  beobachtete  kleine 
Komet,  der  mit  18G6,  Nr.  I  bezeichnet  wird  und  welcher 
in  den  durch  Beobachtung  und  Rechnung  abgeleiteten 
Elementen  seiner  Bahn  mit  denen  des  Meteorschwarms 
vom  14.  und  15.  November  äusserst  nahe  übereiDstimmt 
Diese  Kiemente  sind  nämlich 

fflr  drn  MeteorBchwsnu        ffir  den  Kometen 
Diinhfraii^  durch  das  Porihel     .  Xovomber  10,092    Januar  14,160  (1866) 

Länpe  dos  Perihels 56«25'  60«28* 

Läiipe  «1«*H  Knotfiis 2:^^28'  23l<»26' 

Neip^iii^  der  Bahn  fft'gfii  die  Ekliptik      .     17"44'  17*  18* 

Perihel-Distanz 0,0873  0,9765 

Exrentriiität 0,9046  0,9054 

Halbe  prc.ss«'  Achse 10,.H40  10,324 

rmlant'sxeit 85,250  Jahre     33,176  Jahre 

Uii'htiinj::  der  newoprun;:: rücklänfig  rficklänfi^^ 

Die  l'mgestaltutig  dieses  letztern  Kometen  zu  einem 
Meteoritenringe  ist  bei  weitem  nicht  so  weit  vorgeschritten, 
wie  es  bei  dem  Kometen  18(52,  Nr.  III  der  Fall  ist;  seine 
Existenz  ist  viel  jungem  Datums  und  daher  die  Zer- 
streuung seiner  meteorischen  Masse  über  die  Bahn  hin 
und  die  damit  verbundene  Riugbildung  noch  wenig  ent- 
wickelt. Die  Fi(f.  IHl  zeigt  in  CD  den  in  der  Sonnen- 
nähe betindliehen  Theil  der  Bahn  dieses  Kometen,  welche 
mit  der  Bahn  der  Novembermeteore  (Fig.  180)  identisch 
ist.  In  dem  alljährlich  wiederkehrenden  Meteorschwarm 
vom  20.  April  erkennt  man  in  gleicher  Weise  den  Kometen 
von  d' Arrest. 


«lrrnschiiii|.pi'Ti,  Mfliorsi hwilrmr.  iVii^rkiigpln   uml  ihrt  Speilru.     lU 

Gegenwärtig   beschränkt   sich    unsere    Kenntniss    der 
MüteorstriJme,   welche   in    densellifii  Bahnen   mit  gewissen 


Kometen  einbergehen.  schon  nicht  mehr  auf  die  wenigen 
im  Vorhergehenden  aiigefiihrten  Fälle.  Eine  von  Professor 
A.  Hebsohel   gegebene  möglichst  vollständige  Zusainnien- 


412  Die  Spectralanalyse. 

Stellung  aller  Meteorschauer  und  Kometen,  die  bezüglich 
ilirer  Bahnen  eine  gewisse  Verwandtschaft  verratheu,  ent- 
hält 71  Beispiele  dieser  Ai*t 

Dass  unter  gewissen  Bedingungen  durch  Auflösung  von 
Kometen  Sternschnuppenschwärme  entstehen,  dafiir  bietet 
auch  der  grosse  Stemschnuppenfall  in  der  Nacht  vom  27. 
zum  28.  November  1872  ein  interessantes  Beispiel,  das 
man  wohl  als  wichtigen  Beleg  zu  der  ScHiAPABELLi'schen 
Anschauung  aufTühren  kann.  Damals  trat  plötzlich  in 
den  Abendstunden  eine  imgeheure  Menge  von  Stern- 
schnuppen auf,  neben  der  der  gewöhnliche  November- 
schwarm,  der  in  den  Tagen  vom  12.  bis  14.  auftritt,  sehr 
zurücktreten  nmsste.  Professor  Heis  in  Münster  zahlte  in 
53  Minuten  2200  Sternschnuppen,  drei  Beobachter  in  Göt- 
tingen gaben  die  stündliche  Anzahl  der  von  ihnen  ge- 
sehenen Meteore  auf  7710  an.  In  Berlin  war  zur  Zeit 
des  Glanzpunktes  des  Phänomens  an  kein  Zählen  zu  den- 
ken, denn  die  Meteore  schössen  in  ganzen  Garben  her- 
nieder. In  Leipzig  wurden  zwischen  7  und  8  Uhr  1212 
Stemschnuppen  gezählt  und  Schmidt  in  Athen  schätzt  die 
Gcsammtzahl  der  in  der  Nacht  des  27.  November  1872 
gescliencn  Sternschnuppen  auf  30000,  was  nicht  zu  hoch 
erscheint,  wenn  man  erwägt,  dass  P.  Secchi  nebst  seinen 
Mitbeobachtern  in  jener  Nacht  14  000  Sternschnuppen  wirk- 
lich zählen  konnten.  Die  Meteore  gingen  meist  von  einem 
Punkte  des  Himmels  im  Perseus,  viele  auch  aus  der  An- 
dromeda  aus.  Dieser  Radiationspunkt  ist,  wie  gesagt,  nur 
eine  Wirkung  der  Perspective;  die  einzelnen  Meteorbahnen 
sind  einander  parallel  und  scheinen  nur  aus  einem  Punkte 
herzukommen  aus  dem  nämlichen  Grunde,  weshalb  die 
})arallelen  Baumreihen  einer  Allee  in  weiter  Entfernung 
vom  Beobachter  auch   in  einem  Punkte  zusammentreffen. 


SternRchiiuppen,  Meteorschwärme,  Fenerkugeln  nnd  ihre  Spectra.     41B 

Kennt  man  die  Lage  des  Radiationspunktes  und  die 
Geschwindigkeit  der  Meteore,  so  kann  man  ihre  Bahn 
in  Bezug  auf  die  Sonne  berechnen.  Diese  Berechnung  hat 
SoHiAPARELLi  für  die  Meteore,  welche  Ende  November  er- 
scheinen, ausgeführt  und  er  fand  dabei  eine  so  grosse 
Uebereinstimmung  mit  der  Bahn  des  BiELA'schen  Kometen, 
dass  an  der  Uebereinstimmung  beider  nicht  zu  zweifeln  ist. 
Die  Bahn  jenes  Kometen  liegt  nun  so,  dass  der  Punkt,  in 
welchem  sie  die  Ebene  der  Erdbahn  schneidet,  fast  genau 
dieselbe  Entfernung  von  der  Sonne  hat  wie  die  Bahn  der 
Erde  selbst  an  dieser  Stelle.  Die  Länge  dieses  niederstei- 
genden Knotens  auf  der  Ebene  der  Ekliptik  beträgt  6G® 
und  diesen  Ort  erreichte  die  Erde  1872  in  der  Nacht  vom 
27.  zum  28.  November;  da  nun  auch  an  dieser  Stelle  die 
Entfernung  des  Bahnumfanges  des  BiELA'schen  Kometen 
von  der  Sonne  nur  um  einen  unbedeutenden  Betrag  kleiner 
ist  als  die  Entfernung  der  Erde  von  der  Sonne,  so  ging 
unser  Planet  eine  kurze  Zeit  hindurch  dicht  neben  der 
Bahn  des  BiEi/A'schen  Kometen  einher.  Denkt  man  sich, 
um  ein  populäres  Beispiel  herbeizuziehen,  die  beiden  Bah- 
nen als  zwei  Schienengeleise,  so  ist  jener  Punkt  analog  der 
Strecke,  auf  welcher  die  Schienengeleise  dicht  neben  ein- 
ander herlaufen,  während  sie  sonst  nach  den  verschieden- 
artigsten Richtungen  hin  weit  aus  einander  gehen.  Zwei 
Eisenbahnzüge  auf  diesen  Geleiten  werden  sich  nur  dann 
begegnen,  nur  dann  dicht  an  einander  vorbei  fahren,  wenn 
sie  gleichzeitig  jene  Strecke  passiren.  Ebenso  verhielt  es 
sich  mit  der  Erde  und  dem  BiELA'schen  Kometen.  Von 
der  Erde  wissen  wir  nur,  dass  sie  am  27.  November  an 
der  betreffenden  Stelle  war,  von  dem  Kometen  dagegen 
wissen  wir  nichts  Bestimmtes.  Derselbe  war  nämlich  im 
Spätsommer  1852  (siehe  S.  3G9)  zum  letzten  Male  gesehen 


414  Die  Spectralanalyse. 

worden  und  seitdem  nicht  wieder,  obgleich  er  der  Rech- 
nung gemäss  im  Winter  1865  bis  1866  hätte  wiederkehren 
müssen  und  dann  den  eifrigen  Nachforschungen  der  Astro- 
nomen nicht  entgangen  wäre.  Dieses  räthselhafle  Ver- 
schwinden eines  grossen  Weltkörpers,  oder  eigentlich  zweier, 
da  der  Komet  ein  üoppelkomet  geworden,  hat  schon  da- 
mals das  grösste  Aufsehen  erregt  und  man  schloss  mit 
einiger  Wahrscheinlichkeit,  dass  sich  das  Gestirn  wenig- 
stens theilweise  aufgelöst  habe.  Dieser  Schluss  scheint 
sich  durch  den  Meteorregen  in  der  Nacht  vom  27.  zum 
28.  November  1872  bestätigt  zu  haben.  Hätte  nämlich 
der  Komet  noch  unverändert  bestanden,  so  würde  die 
Erde  an  jenem  Tage  gar  nicht  in  seine  Nähe  gekommen 
sein,  indem  er  den  fraglichen  Punkt  schon  lange  vor 
ihr  passirte,  ja  im  ersten  Drittel  des  Octobere  ungefähr 
schon  seinen  Sonnennähepunkt  erreichte.  Wenn  sich 
aber  der  Komet  theilweise  in  einen  grossen,  längs  der 
Peripherie  seiner  Bahn  ausgedehnten  Meteorschwarm  auf- 
löste, so  konnte  es  sich  sehr  gut  ereignen,  dass  die 
Erde  bei  ihrem  Vorüberfluge  an  jener  Stelle  noch  einen 
Theil  des  Schwarmes  antraf,  der  eben  im  Begriffe  war, 
vorbeizupassiren.  Das  scheint  in  der  That  der  Fall  ge- 
wesen zu  sein  und  die  Erde  zog  nun  durch  ihre  An- 
ziehungskraft einen  mehr  oder  minder  bedeutenden  Theil 
dieser  Meteore  zu  sich  heran  oder  auch,  wenn  man  will, 
sie  durchflog  einen  Theil  dieses  Schwarmes. 

Professor  Klink  erfues  in  Göttingen  kam  angesichts 
des  reichen  Sternschnuppenfalles  am  Abend  des  27.  No- 
vember zu  der  Meinung,  dass  es  vielleicht  möglich  sein 
würde,  den  Kopf  dos  Kometen,  dessen  aufgelöste  Theile 
uns  als  Sternschnuppen  sichtbar  wurden,  zu  finden.  Dieser 
konnte    aber    nur    auf    der    südlichen    Erdhälfle    sichtbar 


SteniAcbnuppen,  Moteorsi'hwänne,  Feuerkugeln  und  ihre  Specira.     415 

werden;  er  forderte  daher  Pogson,  den  Director  der 
Sternwarte  zu  Madras,  telegraphisch  auf,  sich  am  süd- 
lichen Himmel,  in  der  Nähe  des  Sterns  &  im  Ceutauren, 
nach  einem  Kometen  umzusehen.  Diese  Aufforderung  war 
erfolgreich,  denn  wirklich  fand  Pogson  in  der  Nähe  des 
angegebenen  Ortes  einen  Kometen  und  konnte  denselben 
an  zwei  Tagen  beobachten.  Zwei  Beobachtungen  sind 
jedoch  nicht  ausreichend  zu  einer  unabhängigen  Bahn- 
berechnung des  gesehenen  Kometen,  doch  geht  aus  den- 
selben wenigstens  so  viel  hervor,  dass  diese  Bahn  nahe 
mit  derjenigen  des  BiELA'scheii  Kometen  übereinstimmt,  ob 
aber  der  gesehene  Komet  mit  einem  der  beiden  Biela's 
TÖllig  identisch  ist,  muss  dahingestellt  bleiben. 

Diesen  äusserst  wichtigen  Aufschlüssen  gegenüber, 
welche  die  directe  Beobachtung  und  der  Scharfsinn  der 
Astronomen  in  der  neuesten  Zeit  über  die  Natur  und  den 
Zusammenhang  der  Nebelflecke,  Kometen,  Sternschnuppen 
und  Feuerkugeln  zu  Tage  gefordert  hat,  sind  die  Ergeb- 
nisse der  Spectralanalyse  über  diese  letzteren  Meteore 
noch  sehr  dürftig.  Es  ist  dieses  leicht  zu  begreifen,  wenn 
man  bedenkt,  mit  welcher  Geschwindigkeit  die  feurigen 
Meteore  durch  unsere  Atmosphäre  ziehen  und  wie  schwer 
es  ist,  dieselben  in  dem  Augenblicke,  wo  sie  sich  zeigen, 
mit  dem  Specti'oskope  zu  erfassen.  Bevor  das  Instrument 
auf  eine  Sternschnuppe  oder  eine  Feuerkugel  gerichtet  und 
scharf  eingestellt  ist,  hat  sich  dieselbe  dem  Gesichtskreise 
wieder  entzogen.  So  bleibt  denn  die  Anwendung  der 
Spectralanalyse  auf  diese  flüchtigen  Gäste  fast  ganz  der 
Gunst  des  Zufalls  überlassen  und  beschränkt  sich  fast 
ausschliesslich  auf  diejenigen  Nächte,  in  denen  alljährlich 
oder  in  bestimmten  Perioden  ein  zahlreicher  Stern- 
schnuppenfall im  Voraus  erwartet  werden  kann. 


41« 


Die  Speotfalanaly«e. 


Schon  im  Jahre  1865  wurde  von  Alexander  Hrb8gh£l 
auf  Grund  einiger  weniger  spectroskopischer  Beobachtun- 
gen, denen  zufolge  das  Spectrum  der  Sternschnuppen  sich 
als  ein  continutrliches^  nicht  durch  dunkle  Linien  unter- 
brochenes erwies,  auf  den  in  dem  nächsten  Jahre  zu  er- 
wartenden reichen  Stenischnuppenfall  hmgewiesen  und  zu 
spectroskopischen  Beobachtungen  derselben  aufgefordert 
John  I^kowning  untei*zog  sich  demzufolge  in  den  Nächten 
dt»s  \).  und  10.  August,  sowie  in  den  Morgenstunden  des 
14.  Xoveinber  auf  dem  Observatorium  zu  Upper  Halloway 

Fi^.  182. 


Browning'«  Mcteortpcctrovkop. 

bei  London  dieser  Untersuchung  und  beobachtete  im 
(JanztMi  siebzig  Speotra  von  Sternschnuppen-Kernen  und 
-Schweifen. 

Zu  diesen  Beobachtungen  ist  das  Fig,  120  beschrie- 
bene Handspectroskop  von  Huooins,  wie  es  von  Browning 
für  die  directe  Beobachtung  der  Sonnenumgebung  während 
der  Sonnenfinsternisse  construirt  worden  ist,  durchaus  ge- 
eignet. Noch  besser  ist  jedoch  das  in  Fig.  182  abgebil- 
dete, von  Browning  für  seine  Untersuchungen  der  Stem- 
scliiiuppenspectren  speciell  construirte  Instrument  durch 
welches  die  scheinbare  Winkelgeschwindigkeit   der  in  Be- 


Stemschnuppeu,  Meteorschwümie,  Feuerkugeln  und  ihre  Spectra.     417 

wegung  befindlichen  Meteore  vermindert  erscheint  und 
welches  wegen  des  grossen  Gesichtsfeldes,  das  es  am  Him- 
mel umspannt,  die  Beobachtung  einer  fliegenden  Stern- 
schnuppe sehr  erleichtert 

Dasselbe  besteht  aus  einem  Prismensystem  P  zum 
Geradaussehen  und  einer  plan -concaven  CylinderUuse  L. 
Bezeichnen  Afj,  M^,  M^  drei  auf  einander  folgende  Oerter 
in  der  Flugbahn  eines  Meteors,  und  m^,  7n^,  m^  die  Sy- 
stenie  von  Lichtstrahlen,  welche  das  Meteor  gegen  die 
Linse  L  aussendet,  so  werden  letztere  so  gebrochen,  wie 
es  durch  die  punktirten  Linien  angedeutet  ist.  Der  Strahl 
rox  triflft  sowohl  das  hinter  den  Prismen  befindUche  Auge 
als  der  Strahl  7/23;  das  Auge  übersieht  daher  am  Himmel 
den  grossen  Raum  zwischen  M^  und  M^  und  das  in  dieser 
Bahn  dahinschiessende  Meteor  mit  einem  BUck,  ohne  dass 
es  nöthig  wäie,  das  Instrument  zu  bewegen.  In  einem 
solchen  Spectroskope  scheint  die  Sternschnuppe  still  zu 
stehen  und  man  kann  ihr  Spectrum  ohne  Mühe  beobachten. 
Browning  konnte  mit  Hülfe  eines  solchen  Meteorspectro- 
akops  sogar  die  Spectren  von  Leuchtkugeln  erkennen, 
welche  nur  wenige  Schritte  von  dem  Beobachter  in  die 
Höhe  geworfen  wurden;  obgleich  die  Winkelgeschwindig- 
keit solcher  Kugeln  sehr  gross  ist,  so  werden  doch  die 
charakteristischen  Linien  der  in  ihnen  glühenden  Metalle 
Barium,  Strontium  u.  s.  w.  mit  völliger  Deutlichkeit  wahr- 
genommen. Setzt  man  eine  biconcave  Linse  von  grösserer 
Brennweite,  als  diejenige  der  Cylinderlinse  L  ist,  vor 
diese  letztere  Linse,  dem  Himmelsraume  zugewandt,  so 
werden  Strahlen  von  noch  grösserer  Convergenz,  die  über 
Mx  und  J/3  hinausgehen,  dem  Auge  zugeführt,  und  es 
wird  das  Gesichtsfeld  des  Instruments  dadurch  noch  ver- 
grösseil. 

ächelUHt  Spectralaualyau.  II.  '27 


418  Dio  Spectralanalyse. 

Anstatt  das  Spectnim  direct  mit  dem  Auge  zu  be- 
obachten, kann  man  auch  ein  kleines  Bcobachtungs- 
fernrohr  anwenden,  dem  man  die  Einrichtung  und  Stel- 
lung zu  den  Prismen  giebt,  wie  es  in  Fig,  120  dargestellt 
worden   ist 

Browning  richtete  bei  seinen  Sternschnuppen-Beob- 
achtungen das  Prisma  auf  diejenigen  Punkte  des  Himmels, 
aus  welchen  die  Meteore  herkamen,  und  so  gelang  es, 
unter  der  grossen  Anzahl  derselben  einige  wenige  im  Ge- 
sichtsfelde des  Instrumentes  zu  erhalten  und  den  Haupt- 
charakter ihrer  Spectra  zu  beobachten. 

Die  Spectra  der  Meteorkerne  waren  meist  continuir- 
liche,  in  denen  man  alle  prismatischen  Farben  des  Sonnen- 
spectrums  sah,  mit  Ausnahme  des  Violett  In  einzelneu 
Fällen  herrschte  jedoch  in  dem  Spectrum  das  Gelb  vor, 
in  anderen  bestand  es  fast  vollständig  aus  homogenem 
gelbem  Lichte,  zeigte  aber  zugleich  alle  übrigen  Farben 
vom  Rotli  bis  zum  Grün  in  sehr  schwachem  Grade;  in 
zwei  Fällen  bestand  das  Spectrum  aus  homogenem  grünem 
Lichte.  Ein  bemerkonsweilher  Unterschied  in  den  Kernen 
der  August-  und  November-Meteore  gab  sich  nicht  zu  er- 
kennen. 

Bei  den  ^?/^M/»f -Meteoren  blieb  in  dem  Spectrum  der 
Schweife  oder  der  von  den  Sternschnuppen  zurückgelasse- 
nen Lichtspuren,  wenn  dieselben  zu  verschwinden  anfingen, 
im  Allgemeinen  nur  eine  gelbe  Linie  von  intensivem  Glänze, 
die  unverkennbar  das  Vorhandensein  von  selbstleuchtenden 
Gasen  anzeigte  und  nur  mit  der  Linie  des  glühenden  Na- 
triums verglichen  werden  konnte. 

Bei  den  Noveitiier -Meteoren  war  dagegen  der  vor- 
herrschende Charakter  der  Spectra  der  Schweife  Continui- 
tilt  und  Breite,  aber  Fehlen  von   aller  Farba     Das  Licht, 


Sternschnuppen,  Meteorschwärmc,  Feuerkugeln  und  ihre  Spectra.     419 

welches  vorzugsweise  blau,  grün  oder  stahlgrau  war,  schien 
im  Allgeiueineu  homogen  zu  sein;  doch  kann  dieses  Aus- 
sehen daher  kommen,  dass  das  Licht  zu  schwach  war, 
um  ein  sichtbares  Spectrum  zu  erzeugen,  wie  auch  in 
dem  Spectrum  der  Sterne  unter  der  zweiten  und  dritten 
Grösse  stets  das  Roth  und  das  Blau  fehlt,  obgleich  das- 
selbe in  dem  Lichte  der  Sterne  ohne  Zweifel  vorhanden 
ist.  Die  gelbe  Linie,  welche  die  Schweife  der  August- 
Meteore  gaben,  fehlte  in  denen  der  November -Meteore 
vollständig. 

Das  November-Phänomen  des  Jahres  1868  wurde  u.  A. 
von  Secchi  spectroskopisch  beobachtet;  unter  der  grossen 
Zahl  von  Sternschnuppen,  welche  einen  Schweif  hinter- 
Uessen,  war  eine,  deren  Lichtspur  15  Minuten  lang  an- 
dauerte und  im  Anfange  so  stark  glänzte,  dass  das  Licht 
mit  dem  Prisma  geprüft  werden  konnte.  Secchi  fand  das 
Spectrum  discontinuirlich,  und  zwar  waren  die  haupt- 
sächlichsten hellen  Streifen  und  Linien  roth,  gelb,  grün 
und  blau.  Ausserdem  glückte  es  Secchi,  zwei  Stern- 
schnuppen im  Spectroskope  zu  sehen;  die  Magnesium- 
linie erschien  sehr  schön;  ausserdem  zeigten  sich  noch 
Linien  im  Roth. 

Unter  den  neueren  Beobachtern  der  Meteorspectra  ist 
in  erster  Linie  v.  Konkoly  zu  nennen.  Er  findet,  dass 
die  Köpfe  dieser  Meteore  meist  ein  continuirliches  Spec- 
trum geben,  auf  welchem  sehr  oft,  jedoch  nicht  immer,  die 
helle  Natriumlinie  projicirt  erscheint,  v.  Konkoly  ist 
daher  der  Ansicht,  dass  das  Natrium  durchaus  nicht  immer 
eine  den  Meteoren  angehörige  Substanz  sei,  sondern  in 
unserer  Atmosphäre  schwebt  und  hier  erst  mit  dem  Meteore 
zum  Glühen  kommt.  Weil  aber  mit  der  Höhe  die  Zahl 
der   Natriumtheilchen    in    unserer   Lufthülle    offenbar    ab- 

27» 


420  Die  .Spectralniialyse. 

nimmt,  so  kann  es  vorkommen,  dass  Meteore  in  sehr 
grossen  Höhen,  wenn  sie  selbst  kein  Natrium  enthalten, 
überhaupt  die  Natriumlinien  nicht  zeigen.  Diese  Ansicht 
findet  V.  KoNKOLY  durch  die  Beobachtung  bestätigt,  dass 
das  Spectrum  eines  und  desselben  Meteors  anfangs  ohne 
die  gelbe  Natriumlinie  erschien,  während  in  demselben 
diese  Linie  später  hell  aufleuchtete.  Dagegen  ist  freilich 
daran  zu  erinnern,  dass,  wie  der  Komet  Wells  von  1882 
gezeigt  hat,  doch  Kometen  existiren,  in  denen  glühender 
Natriumdampf  eine  hervorragende  Rolle  spielt;  da  nun 
Sternschnuppen  und  Kometen  unverkennbar  in  einer  ge- 
wissen ver>^andtschafüichen  Beziehung  zu  einander  stehen, 
so  ist  wenigstens  die  Möglichkeit  nicht  zu  leugnen,  dass 
auch  in  einigen  Sternschnuppen  glühende  Natriumdämpfe 
vorhanden  sind. 


Sechste  Abtheilung. 

Die  Krgebnisse  der  spectroskopischen  Uutersuchung  des 
Zodiakallichts,  des  Nordlichts  und  des  Blitzes. 


35.  Das  Zodiakallicht. 

Im  Frühlinge  hat  man  in  heiteren  Abendstunden  nach 
Sonnenuntergang  bisweilen  Gelegenheit,  am  westlichen 
Himmel  einen  pyramidenförmigen  matten  Lichtschein  zu 
erblicken,  der  sich  von  dem  Orte,  wo  die  Sonne  unter  den 
Horizont  trat,  längs  der  Ekliptik  ausbreitet  und  bisweilen 
bis  zu  den  Plejaden  reicht.  In  den  Monaten  September 
und  October  sieht  man  einen  ähnlichen  Lichtkegel  am 
Osthimmel  vor  Sonnenaufgang.  Dieser  matte  Licht- 
schimmer, der  in  den  Tropen  allnächtlich  wahrgenommen 
werden  kann,  fuhrt  den  Namen  Zodiakal-  oder  Tkierkreis- 
Licht,  weil  er  am  Himmel  in  der  Richtung  des  Thier- 
kreises  sich  ausdehnt  (Fig,  183),  Offenbar  steht  dieses 
Licht  in  einem  gewissen  Zusammenhange  mit  der  Sonne, 
und  man  vermuthet,  es  sei  ein  flacher  Hing,  der  zwischen 
der  Venus-  und  Marsbahn  frei  und  nahe  concentrisch  zur 
Sonne  schwebe.  Jones  und  Heis,  welche  die  Erscheinung 
sehr  lange  und  genau  beobachtet  haben,  sind  dagegen  der 
Ansicht,  dieselbe  sei  ein  matt  leuchtender  oder  erleuch- 
teter Ring  von  uebelartiger  Materie,  der  innerhalb  der 
Mondbahn  frei  um  unsere  Erde  circulire,  während  Liais 
meint,    dass    das    Zodiakallicht    gew isser masseu    die    er- 


1 

iveiterte    Corona    der    Soniie    sei.      Die    Meinungen    üb< 
ie   wahre    Natur    dieser    Erscheinung    gehen    also    we 
enug  aus  einander,   und    es  ist  deshalb   intereasant,   de 
iuss[>rucb    des   Spectroskops   zu    vernehmen.     Leider    il 
ii-  ganze  Erscheinung  so   schwacli.    dass  man   von  Tom 

flg.  l«3. 
l<-..,  7.m\i,K*nh-M  .n  Al..iidMii....'i. 

lerein  kaum  hoti'uii  darf,  überhaupt  ein  Spcctrum  dei 
elben  m  erhalten.     In(le.ssen   zeigt  sich  ein  solches  dod 

ind  Luis  fand  dasselbe  contJniiirlich,  woraus  folgen  iriird 
ass  die  Materie,   die  dieises  Licht  ausstrahlt,  nicht   gai 

önnig   ist     AsusTKilu   und   IU:8PiGHr   haben   dagegen   it 

ipectrum  des  Zodiakallichtes  die  grüne  Coronalinie  ( 1 247  K. 

1 
1 

1 

Das  Zodiakallirht.  425 

ganz   unzweifelhaft   erkannt  und   daneben   nodi   ein   con- 
tinuirliches  Spectrum  gegen  F  hin. 

Am  4.9  5.  und  6.  März  1872  beobachtete  Vogel  das 
Spectrum  des  Zodiakallichtes  mit  einem  BRowNiNa'schen 
Taschenspectroskop.  Er  fand  es  aus  einem  schwachen, 
grünlichen  Lichtstreifen  bestehend,  welcher  nach  dem 
rothen  Ende  hin  durch  eine  etwas  hellere  Linie  begrenzt 
war.  Mit  Hülfe  eines  grossem  Spectralapparates  konnte 
die  Lage  dieser  hellen  Linie  genau  bestinmit  werden  und 
sie  fand  sich  von  der  Wellenlänge  557,1  milliontel  Milli- 
meter. 

A.  M.  Wbight  hat  sich  sehr  eingehend  mit  der  spec- 
troskopischen  Untersuchung  dieses  Lichtes  beschäftigt  und 
gefunden,  dass  das  Spectrum  desselben  continuirlich  und 
im  Allgemeinen  nicht  von  demjenigen  des  schwachen 
Tages-  oder  Dämmerlichtes  verschieden  ist.  Es  erstreckt 
sich  ungefähr  von  D  bis  (?,  doch  wechselt  diese  Aus- 
dehnung etwas,  je  nach  der  Heitericeit  des  Himmels, 
auch  nimmt  die  Helligkeit  gegen  beide  Enden  hin  all- 
mählich ab.  Die  helle  Linie  im  Grün  hat  auch  Wbight 
bisweilen  gesehen,  aber  sie  gehört  seiner  Meinung  nach 
durchaus  nicht  dem  Zodiakallichte  an,  sondern  steht  in 
Beziehung  zum  Nordlichte.  Sie  wurde  nämlich  nur  dann 
wahrgenommen,  wenn  mindestens  Spuren  eines  Nordlichtes 
sich  zeigten.  Hiernach  wäre  also  das  Zodiakallicht  nur 
der  Widerschein  eines  die  Sonne  umgebenden  und  frei 
um  diese  rotirenden,  über  die  Erdbahn  hinausreichenden 
Staubringes,  dessen  einzelne  Partikelchen  das  Sonnenlicht 
reflectiren.  Damit  stimmt  auch  die  Aussage  des  Polanskops 
überein,  wonach  im  Zodiakallicht«  Strahlen  enthalten  sind, 
die  in  einer  durch  die  Sonne  gehenden  Ebene  polarisirt 
erscheinen.    Ueber  die  Substanz,   welche  den  vermutheten 


426  Die  Spectralanalyse. 

Staubring  zwischen  der  Venus-  und  Marsbahn  bildet,  sowie 
über  seine  physische  Natur  wissen  wir  zur  Zeit  noch  nichts 
Bestimmtes.  Das  ganze  Phänomen  dieses  Lichtes  bietet 
dem  Astronomen  noch  ein  weites  Feld  der  Untersuchung 
dar,  dessen  Bearbeitung  nicht  mit  erheblichen  Schwierig- 
keiten verbunden  ist,  wohl  aber  eine  längere  Aufmerksam- 
keit, Ausdauer  in  genauen  Beobachtungen  und  vor  allem 
einen  reinen  Himmel  voraussetzt. 


36.  Das  Spectram  des  Nordlichts. 

Das  Nordlicht  gehört  keineswegs  zu  den  seltenen, 
wohl  aber  zu  den  geheimnissvollsten  Erscheinungen,  welche 
in  der  Atmosphäre  sichtbar  werden.  Seine  Pracht  in  jenen 
polaren  Gegenden,  wo  es  sehr  häufig  auftritt,  überbietet 
jede  Beschreibung  und  spottet  der  Darstellung  durch  den 
Pinsel.  Auch  in  unseren  mittleren  Breitengraden  treten  in 
gewissen  Jahren  Nordlichter  von  grosser  Pracht  auf;  aber 
die  Entwickelung  der  Erscheinung  erreicht  hier  niemals 
jenen  Grad  der  Intensität,  der  die  arktischen  Gegenden 
besonders  Nordamerikas,  und  des  Franz- Josef-Landes  im 
sibirischen  Eismeere  auszeichnet.  Ueber  das  Wesen  des 
Nordlichts  sind  die  Physiker  durchaus  noch  nicht  einig, 
ja  selbst  seine  Höhe  über  dem  Erdboden  ist  ein  streitiges 
Problem.  Während  Einige  diese  Höhe  auf  viele  Meilen 
schätzen  und  solche  Schätzungen  durch  die  ausgedehnte 
Sichtbarkeit  mancher  Nordlichter  über  grosse  Theile  der 
Erdobei'fläche  Bestätigung  zu  finden  scheinen,  behaupten 
Andere  mit  guten  Gründen,  dass  einzelne  Nordlichter  in 
Norwegen  bisweilen  bis  auf  die  Spitzen  der  Berge  und  die 
Flächen  der  Hochebenen  herabsteigen.  Einige  Forscher 
sehen  in  dem  Nordlichte  eine  kosmische  oder  doch  solare 


Das  Spectnim  des  Nordlichts.  427 

Erscheinung,  andere  halten  es  für  einen  tellurischen  Licht- 
process  und  sprechen  von  einem  „magnetischen**  oder  gar 
„elektromagnetischen  Gewitter**,  ohne  damit  eine  bestimmte 
Vorstellung  zu  verbinden.  Grosse  Nordlichter  kündigen 
sich  häufig  an  durch  Schwankungen  der  Magnetnadel,  und 
diese  Unruhe  der  magnetischen  Apparate  tritt  dann  gleich- 
zeitig in  grossen  Theilen  der  Erdoberfläche  auf.  Ebenso 
treten  zur  Zeit  grösserer  Nordlichter  im  Innern  der  Erde 
sehr  starke  elektrische  Ströme  (Erdströme)  von  solcher 
Ausdehnung  auf,  dass  die  telegraphische  Correspondenz 
auf  allen  Linien  eines  Landes  gestört  wird.  Diese  Ströme 
haben  nicht  selten  eine  solche  Stärke,  dass  es  der  Ver- 
einigung aller  Batterien  der  Stationen  bedarf,  um  einen 
den  Erdstrom  comi)ensirenden  Gegenstroni  in  den  Linien 
zu  erzeugen. 

Nach  den  Untei'suchungen  von  Prof.  Fritz  in  Zürich 
zeigt  die  Häutigkeit  der  Nordlichter  innerhalb  einer  Periode 
Von  iP  9  Jahren  ein  Maximum  und  ein  Minimum.  Die 
gleiche  Periode  zeigen  auch  die  Sonnenflecke,  und  es  ist 
überaus  merkwürdig,  dass,  wenn  die  Sonnenflecke  häufig 
sind,  auch  zahlreiche  Nordlichter  erscheinen,  während  in 
den  Jahren  mit  wenigen  Sonnenflecken  das  Nordlicht  nur 
selten  und  schwach  auftritt. 

Anüstküm  scheint  der  Erste  gewesen  zu  sein,  der  im 
Winter  1867  bis  1868  das  Spectrum  eines  Nordlichts  be- 
obachtete. Er  sah  eine  einzige  helle  Linie,  welche  links 
von  der  bekannten  Calciumgruppe  des  Sonnenspectrums 
lag.  Ausser  dieser  relativ  sehr  intensiven  Linie  beobachtete 
er  bei  gehörig  erweitertem  Spalte  noch  Spuren  von  drei 
sehr  schwachen  Streifen,  die  sich  fast  bis  an  die  Fraün- 
HüFKR'sche  /-Linie  erstreckten,  und  nur  ein  einziges  Mal 
traten  bei  einem  duich  Undulationen  sehr  bewegten  Licht- 


&t  fe* 


i»r>e:.    :::    dtc    l>äzridliii€t«»    Becio&€X!    «iiti^e    schwache 
Liii>ec  aai     I*&s  Lkht  der  N«>nilichuT  ist  didier  bemahe 

Die  srfLMzSiXe  hcüe  Linie.  d*Ttn  Lage  Staute  in  Pul- 
k'jTtA  skn  einem  vahi^ckeinbcfaeD  Fehler  tod  10  bis 
15  Einhehen  ak  Nr.  1^^  der  KiscHHOFF'schen  Scala 
<zviäcfaec  D  xmd  E/  acceeeben  hat.  entspricht  nach  Axg- 
«TBöM  einer  Farbe  tod  der  Wellenlange  5567  zehnmilliontel 
Milliii.e:er  aikd  fiUt  mit  keiner  der  bekannten  Linien  in 
den  ^^pect^en  der  irdischen  Stoffe  zusammen.  Dieselbe  ist 
in  dem  AsosTBOn^schen  Spectmm  d&  tellnhschen  Linien 
Atta».  Tafel  b  zwischen  ^  und  £  auf  556  als  imnktirte 
Linie  eingetrasen. 

D.  K.  WixDEB  hatt^  in  Amerika  oft  Gelegenheit,  das 
Spectnmi  des  Nordlil:fat^  zu  beobachten:  auch  ihm  zeigte 
sich  fast  inmier  eine  helle  Linie  im  Gelb,  nahe  bei  D 
und  coincidirend  mit  einer  dunklen  Linie  der  tellorischen 
Gruppe,  welche  im  Spectrum  der  Sonne  auftritt,  wenn  die- 
«»elbe  dem  Horizonte  nahe  steht:  ausserdem  trat  noch  eine 
Si^^h wachere  Linie  im  Grün  und  einmal  auch  eine  Linie  im 
Roth  auf. 

KAYjrr  und  Sörel  l>eubaehteteu  das  Xordlicht  vom 
15.  auf  den  16.  April  li>6y:  das  Spectrum  zeigte  sehr 
deutlich  die  helle  Xordlicht linie  und  die  atmosphärischen 
Linien. 

l>a.s  Nordlicht  vom  6.  Oc-tober  1^6i»  wurde  von  Flügel 
spectralanalytisch  uutersucht.  Auch  dieses  Mal  erschien 
das  Licht  desselben  fast  homogen,  indem  es  bei  massig 
geöffnetem  Spalte  wieder  nur  die  gelbe  Nordlichtlinie  gab. 
Als  <ler  Spalt  bis  auf  1,3  mm  geöffnet  wurde,  zeigte  sich 
ausserdem  noch  ein  sehr  schwaches  Grün,  welches  nach 
einer   ungefähren  Schätzung   bis  zur  Linie  F  reichte.     Es 


Dil,  Hptctrum  .|"-  NonllifliU.  42!» 

gdlaug  nicht,  dieses  Licht  durch  Verengerung  des  Spaltes 
zu  einer  Lichtlinie  zu  concentriren.  Nach  dem  Roth  hin 
wiir  dagegen  ein  derartiges  schwaches  Licht  nicht  zu  be- 
tiierkeu,  wodui'ch  die  Möglichkeit  einer  Täuschung  dnrcb 
ttwaiges  SternenUcht,  welches  durch  den  Spalt  in  das 
Spectroskop  hätte  eindringen  künnen,  ausgeschlossen  war. 
Am  5.  April  187U  analyairttf  A.  Schmidt  ein  Nord- 
licht in  Lennep  (Rheinprovinz).  Das  Spectruni  bestand 
auch  hier  aus  einer  besonders  hellen  und  breiten  Linie, 
etwas   rechts  von  D  nach  A'  hin.   welche  in   ihrer  Inten- 


wr\ 


sität  schwankte,  zuweilen  abnahm  und  gleich  darauf  wieder 
besonders  hell  aufstrahlte.  Neben  diesen  Hauptlinien  bis 
nach  F  hin  erstreckte  sich  ein  continuirliches  Hand,  welches 
sich  häufig  in  drei  helle  aber  schwächere  Linien  aufloste. 
Am  :^l.  October  1870  sah  man  zu  Dun  Echt  in  Schott- 
land ein  helles  Nordhcht,  das  von  Lord  Ll^'DSAf  mit  einem 
geradsichtigen  Spectroskop  von  Bkowsiso  beobachtet  wui-de. 
Es  erschienen  fünf  helle  Linien.  Fig.  IH4  giebt  eine  Dar- 
stellung dieses  Spectnuns,  mit  dem  Sonneuspectrum  dar- 
über. Die  Linien  sind  je  nach  ihrer  Helligkeit  mit  dtu 
Zahlen  1   bis  5  bezeichnet. 


4S9  Die  .Spcc'lriUiialy>^e. 

eine  schwache  und  oebelige  Linie  in  der  Nähe  von  F,  sowi 
noch  eine  sehr  schwache  Linie  ungefähr  in  der  Mitb 
zwischen  den  beiden  letzteren  Linien,  Das  rothe  Bai 
fehlte  in  dem  Spüctnmi  der  weisseu  Nordlichtstnihlen, 
gegen  waren  die  übrigen  drei  Linien  in  demselben  über 
vorhanden.  Ks  wird  damit  die  Ansicht,  dass  die  vers 
denen  Strahlen  des  Nordlichtä  verschiedene  Spectra  zeig« 
bestätigt. 

An  demselben  Abende  beobachtete  /Oi.lnbk  mit  einei 
BttowNiNo'schen    Miniaturepectroskop     das     Nordlicht 
Leipzig  und  erhielt  ein  Spectrum,  wie  es  in  />y.  I8ö  dai 


*-ig,  1«. 


gestellt  ist.  Um  hinreichende  Helligkeit  zu  erhalten,  war 
der  Spalt  ziemlich  weit  geöffnet,  und  um  eine  annähernde 
Bestimmung  der  Nordlichtlinien  zu  erhalten,  wurden  mit 
Hülfe  eiuer  Alkoholtlamme  gleichzeitig  die  Linien  des 
Lithiums  und  des  Natriums  erzeugt.  Die  Linie  2  im  grü- 
nen 't'heile  des  Spectrunns  ist  aller  Wabi-scheinlichkeit 
nach  die  sogenannte  Nordlicjitlinie ;  die  rothe  Linie  1  trat 
auch  hier  nur  an  denjenigen  Stellen  des  Himmels  hin- 
reichend intensiv  auf,  welche  sich  auch  dem  unbewaffneteBM 
Auge  als  stark  geröthet  darboten,  während  die  grün»! 
Linie  2  mit  hervorragender  Helligkeit  an  allen  Stellen  da 
Nordlichts  erglänzte.  Im  blauen  Theile  des  Spectrui 
traten  nur  zuweilen  schwache  bandartige  Streifen  «,  /t  a.v^ 


Das  Spectrum  des  Nordlichts.  4B3 

unter    denen    ein    breites    dunkles   Band    ß   auf   hellerem 
Grunde  am  auffallendsten  war. 

Die  englischen  Beobachter  sprechen  von  besonderen 
schwachen  nebeligen  hellen  Streifen  nahe  F  und  etwas 
darüber  hinaus,  sowie  von  einem  continuirlichen  Spectrum 
zwischen  D  und  F;  Zöllner  dagegen  hält  diese  nebeligen 
Streifen  im  Blau  für  Reste  dieses  continuirlichen  Spectrums, 
die  durch  dunkle  Absorptionsbiinder  «,  ß  entstanden  sind. 

Erst  nach  dem  Verschwinden  des  Nordüchts  konnte 
Zöllner  mit  demselben  Spectroskope  die  Spectra  des 
Wasserstoffs,  Stickstoffs,  Sauerstoffs  und  der  Kohlensäure  in 
GEissLER'schen  Röhren  beobachten ;  gleichwohl  gewann  der- 
selbe infolge  der  gleichzeitigen  Beobachtung  des  Natrium- ^ 
und  des  Lithiumspectrums  die  üeberzeugung,  dass  die  rothe 
Nordlichtlinie  1  mit  keinem  Helligkeitsmaximum  in  den 
Spectren  der  vier  untersuchten  Gase  übereinstimmt.  Sie  ist 
brechbarer  als  die  rothe  Wasserstoflflinie  Ha,  wie  es  auch 
die  englischen  Beobachter  gefunden  haben,  und  dürfte  nach 
Zöllner  derjenigen  Stelle  zunächst  liegen,  w^o  im  Sonnen- 
spectrum  zwischen  C  und  D  die  dunkle  tellurische  Linien- 
gruppe «  (Angstrüm,  Athis,  Tafel  8)  vorhanden  ist,  welcher 
eine  mittlere  Wellenlänge  von  0,0006279  mm  entspricht 

Das  glänzende  Nordlicht,  welches  am  4.  Februar  1872 
in  unseren  Breiten  auftrat,  wurde  von  Dr.  Schellen  in 
Köln  sehr  genau  spectroskopisch  beobachtet.  Unter  meh- 
reren Spectroskopen  zeigte  sich  das  Miniatur- Spectroskop 
von  Browning  als  das  geeignetste.  Das  Nordlichtspectrum 
stimmte  im  W^esentlichen  mit  dem  oben  von  Zöllner  be- 
schriebeneu überein,  doch  zeigte  sich  der  Unterschied,  dass 
der  Lichtschein,  den  Zöllner  als  die  erste  schmale  Licht- 
zone Oinks  von  «)  gezeichnet  hat,  sich  beständig  und  un- 
veränderhch  bis  zur  hellsten  Linie  (2)  erstreckte.     Wohin 

Schellen,  Spectralanalyse.  II.  28 


434  Die  Spectralanalyae. 

man  auch  das  Spectroskop  richten  mochte,  überall  er- 
glänzte die  sehr  intensive  grüne  Nordlichtlinie.  Wurde 
der  Spalt  etwas  weiter  geöfiFnet,  so  trat  von  dieser  Linie 
an  nach  dem  Blau  hin  ein  schwacher  Lichtschimmer 
auf,  durchzogen  von  zwei  dunklen  Bändern;  durch  Ver- 
engerung des  Spaltes  gelang  es  nicht,  die  drei  hellen 
Bänder  zu  begrenzten  Linien  zusammenzuziehen,  so  dass 
es  stets  den  Anschein  behielt,  als  ob  ein  continuirliches 
Lichtband  von  zwei  dunklen  Absorptionsbändern,  von  denen 
das  der  grünen  Linie  am  fernsten  stehende  das  breitere 
und  dunklere  war,  durchzogen  würde.  In  Roth  erschien 
nur  ein  einziges  Mal  vorübergehend  eine  rothe  Linie,  als 
das  Instrument  auf  eine  für  das  Auge  sehr  intensiv  roth 
aufglühende  Stelle  des  östlichen  Himmels  gerichtet  und 
zugleich  das  Ocular  so  gedreht  wurde,  dass  die  grüne 
Linie  aus  dem  Sehfelde  verschwand.  Zum  Vergleiche 
wurden  eine  mit  Kochsalz  getränkte  Spirituslampe  und 
eine  GiassLER'sche  WasserstoflFröhre  angewandt. 

Die  Natriuralinie  liess  die  ungefähre  Lage  der  grünen 
Nordlichtlinie  leicht  erkennen;  die  blaue  WasserstoflFlinie 
H(i  erschien  weiter  von  der  grünen  Linie  entfernt  als  der 
letzte  helle  Streifen  des  Nordlichts,  so  dass  dieser  etwa 
zwischen  h  und  F  zu  liegen  schien. 

Ein  schönes  Nordhcht  wurde  am  14.  October  1872 
von  Prof.  Holden  in  West  Point  spectroskopisch  unter- 
sucht. Der  Beobachter  richtete  sein  Taschenspectroskop 
zuerst  auf  den  Vollmond,  um  eine  Vorstellung  von  der 
Länge  des  Spectrums  zu  erhalten.  Dann  wurde  das  In- 
strument mit  weit  geöffnetem  Spalt  auf  das  Nordlicht  ge- 
richtet und  eine  sorgfaltige  Zeichnung  der  Lage  der 
Linien  angefertigt.  Das  Instrument  zeigte  für  gewöhn- 
lich ein  Spectrum,   das  von  M  nach  N  reicht,  wie   dieses 


Fig.  186  andeutet.  Die  violetten  Strahlen  (links)  erschie- 
nen bei  Beobachtung  des  NonlUchts  wie  abgeschnitten 
und  es  zeigte  sich:   1)  ein  breites,  helles,  rothes  Band  H, 

2)  daneben    ein    dunkler,     eben     su     breiter    Raum    7i, 

3)  ein    grünt's,    helles    Band    0,    nahezu    eben'  so    breit, 

4)  ein  schwaches  Spectruiu  von  diÖ'usem  Lichte,  5)  eine 
helle  Linie  I  im  Blau,  der  noch  eine  andere  etwas  brech- 
barere helle  Linie  2  folgt,  Ais  das  Nordlicht  erblasste, 
blieb  nur  noch  die  grüne  Linie,  sowie  vielleicht  noch 
eine  Spur  der  blauen  sichtbiir. 


Vogel  hat  im  Jahre  1871  Messungen  der  hellen 
Linien-  im  Nord I ich tspectruni  angestellt  und  giebt  fol- 
gende  Uebei'sicht: 


629,7 
556.» 


Kfcht  h.tk        b 

HtlUte  Lini    J      >>pr    ram  j 

AeumerHt  »chw    fa    L  U     chrre  Brobnchl,  1  Auf 

Zicmlicb  helle  Linie.  |      «ehwacli 

Üirse    Linie    ist,    wenn    gleichzeitig   die  rothr  IrrlencbMe 

Linie  ergrheint,   recht  hett,   aunst   mit   der  !      nrnnJn. 

Torhergeh enden  an  Helligkeit  gleich.  | 

Recht  helle  Linie. 
ItreitfH  LichtiiBnd,  in  der  Uitt«  etwas  «eii!g«r  hell.    In  il< 

Partien    des   Nordlichts,    in    denen    die   rothe   Linie   ( 

«theinl,  Hehr  lichtschwnch. 

■2?» 


486  Die  Spectralanalyne. 

Rand  Capron*  hat  ein  Verzeichniss  aller  bis  jetzt 
beobachteten  Nordlichtlinien  zusammengestellt.  Es  finden 
sich  hiernach  Linien  von  folgenden  Wellenlängen  in  zehn- 
milliontel  Millimeter: 

C297  Sehr  heller  Streifen,  znerst  von  Zöllner  erwähnt.  Nor  bei  rothen 
Nordlichtern  gesehen,  anf  dunklem  Grunde  stehend,  ohne  andere 
Linien  in  der  Nähe,  scharf  und  wohl  definirt.  Wenn  diese  Linie 
hell  erscheint,  so  erscheint  5189  ebenfalls  hell  (nach  Vooel). 

5507  Die  ausgezeichnete  Linie  im  Gelbgrün,  hellste  von  allen,  bisweilen 
an  Glanz  veränderlich,  stets  scharf.  Nach  Ramd  Capron  würde 
sie  mit  einer  sehr  schwachen  atmosphärischen  Linie  zusammen- 
fallen, doch  ist  dies  zweifelhaft. 

589u  Sehr  schwach,  nur  von  Vookl,  vielleicht  aber  auch  von  Alvan 
Clarkk  gesehen. 

5233     Nach  Voorl  massig  hell;  erscheint  häufig. 

5189  Sehr  hell  wenn  gleichzeitig  die  Linie  6297  erscheint,  nicht  so 
häufig  beobachtet  als  5390. 

50(M  Sehr  hell,  nach  Vogel,  fällt  vielleicht  mit  einer  Stickstofflinie  im 
Spectrum  von  Nebelflecken  zusammen. 

4850  Linie  im  Blau,  Lage  nach  A.  Clark,  von  Vogel  und  überhaupt 
in  Europa  nicht  gesehen. 

4694  I  Helles  Lichtband,  etwas  weniger  hell  in  der  Mitte,   sehr  schwach 

4661^  ]•      in  dem  Thoile  des  Nordlichts,   in  welchem  die   rothe  Linie  er- 

4629  I      scheint  (Vogel). 

435(>  Nach  Clark,  Lage  unsicher,  massig  hell,  von  Vogel  nicht  ge- 
sehen.    Lkm8Tröm  verlegt  sie  auf  die  brechbarere  Seite  von  (?. 

Im  Ganzen  sind  also  bis  jetzt  neun  helle  Linien  im 
Spoctrum  des  Nordlichts  gesehen  worden,  doch  niemals 
alle  gleichzeitig  und  von  einem  Beobachter. 

Im  Mittel  aus  späteren  Messungen  findet  Vogel  für 
die  Wellenlänge  der  hellsten  Linie  557,08  milliontel  Milli- 
meter, was  mit  Winlock's  früherer  Bestimmung  557,1  über- 
einstimmt.   An  dieser  Stelle  findet  sich  auch  in  der  Sonnen- 


*  .1.  Rand  Capron:  Aurora?,  thuir  Tharacters  and  Spectra.    London 
und  New- York,   1879. 


Das  Spectrnm  den  Nordlichts.  437 

Corona  eine  helle  Linie  und  man  hat  geraume  Zeit  beide 
für  identisch  gehalten;  iu  Wirklichkeit  ist  dies  jedoch  nach 
Young's  Untersuchungen  nicht  der  Fall.  Nach  Vooel's 
Ansicht  ist  die  hellste  Nordlichtlinie  dagegen  im  Spectrum 
des  Stickstoffs,  wenngleich  als  sehr  schwache  Linie  wieder- 
zufinden. Dass  diese  Linie,  bemerkt  Vogel,  beim  Nord- 
licht isolirt  und  mit  relativ  grosser  Intensität  auftritt, 
dürfte  bei  der  grossen  Veränderlichkeit  der  Gasspectra 
unter  verschiedenen  Druck-  und  Temperaturverhältnissen 
nicht  befremden.  Ueberhaupt  ist  Vogel  geneigt,  das  Nord- 
lichtspectrum zunächst  nur  als  eine  Moditication  des  Luft- 
spectrums  anzusehen. 

Angström  ist  nicht  der  Ansicht,  dass  die  helle  Nord- 
lichtlinie  mit  einem  Streifen  des  Spectrums  verdünnter 
Luft  zusammenfalle,  wie  Vogel  meint,  vielmehr  zeigt  das 
Luftspectrum  im  grüngelben  Theile  sieben  Bänder  von  fast 
gleicher  Stärke,  und  jene  Linie  falle  nur  auf  den  Rand 
eines  dieser  Bänder.  Eben  so  wenig  gehört  die  Linie, 
wie  PiAZzi  Smyth  meinte,  dem  Kohlenwasserstoff  oder  dem 
Eisen  an,  sie  ist  ihrer  Natur  nach  vielmehr  noch  völlig 
unbekannt.  Es  ist  anzunehmen,  sagt  Angstuöm,  dass  das 
Spoctrum  des  Nordlichts  aus  zwei  verschiedenen  Spectren 
zusammengesetzt  ist,  die  aller  Wahrscheinlichkeit  nach 
einen  verschiedenen  Ui*sprung  haben.  „Das  eine  Spectrum 
rührt  von  dem  für  das  Nordlicht  so  charakteristischen 
einfarbigen  gelben  Lichte  her,  das  man  sogar  bei  den 
schwächsten  Spuren  des  Nordlichts  immer  wiederfindet 
und  das  bisweilen  in  hellen  Winternächten  von  allen 
Gegenden  des  Himmels  ausstrahlt.  Das  andere  Spectrum 
besteht  aus  äusserst  lichtschwachen  Streifen  und  Bändern, 
die  nur  bei  stärkeren  Nordlichtern  eine  solche  Intensität 
erreichen,  dass  man  ihre  Lage  bestimmen  kann.** 


438  Die  Spcctralanalyse. 

Was  dieses  zweite  Spectrum  anbelangt,  so  sind  die 
Beobachtungen  desselben  im  Allgemeinen  wenig  überein- 
stimmend. Vielleicht  beruht  dieses  zum  Theile  auf  einer 
Veränderlichkeit  des  Lichtphänomens  selbst,  je  nachdem 
dasselbe  an  der  Grenze  der  Atmosphäre  oder  nur  in  ge- 
ringer Höhe  auftritt.  Im  erstem  Falle  ist  die  Feuchtig- 
keit Null  und  es  werden  nur  Sauerstofif  und  Stickstoff  als 
Leiter  der  Elektricität  thätig  sein.  Als  Angström,  um 
diese  Verhältnisse  experimentell  nachzuahmen,  in  einer 
Flasche,  deren  Boden  mit  einer  Lage  von  Phosphorsäure 
bedeckt  war,  zwei  Platindrähte  einführte,  die  Luft  bis  auf 
den  Druck  einiger  Millimeter  auspumpte  und  nun  den 
Inductionsstrom  einer  RuHMKOBFF'schen  Rolle  durch  die 
Flasche  leitete,  wurde  die  ganze  Flasche  gleichsam  mit 
jenem  violetten  Lichte  erfüllt,  das  sonst  nur  bei  dem 
negativen  Pole  auftritt.  Das  Spectiiim  dieses  Lichtes  zeigte 
drei  gelbe  Linien  von  427,2,  470,7,  522,7  milliontel  Milli- 
meter Wellenlänge,  die  mit  den  drei  Linien  des  Nord- 
lichtspectrunis,  deren  Wellenlängen  (im  Mittel  aus  den 
Messungen  von  Baekeb,  Vogel,  Angsteöm  und  Lemström) 
resp.  428,6,  470,3,  522,6  sind,  befriedigend  zusammen- 
fallen. In  dei:  Nähe  der  Linie  469,4  fand  Vogel  im 
Nordlichtspectrum  noch  zwei  schwache  Lichtbänder  466,3 
und  462,9,  im  violetten  Theile  ebenfalls  zwei  entsprechende 
Schattirungen  465,4  und  460,1. 

Ist  das  Nordlicht  ilammig,  so  hat  man  Ursache,  eine 
disruptive  Entladung  von  Elektricität  anzunehmen  und 
dann  sollte  wenigstens  die  stärkste  Linie  im  Spectrum  der 
Luft,  d.  h.  die  grüne,  deren  Wellenlänge  500,3,  zum  Vor- 
schein kommen.  Sie  ist  auch  wirklich  von  Vogel  genau 
beobachtet  und  ausserdem  von  Angström  und  Anderen  ge- 
sehen worden.    Denkt  man   sich  endlich  das  Nordlicht  in 


Das  Spectrnm  des  Nordlichts.  439 

einer  geringeren  Höhe  der  Atmosphäre  auftretend,  so 
können  sowohl  die  Wasserstoflflinien  als  auch  die  stärksten 
von  den  Bändern  des  schattirten  Luftspectrums,  wie  z.  B. 
497,3  auftreten.  Man  findet  also  unter  obiger  Voraus- 
setzung in  dem  Spectrum  der  verdünnten  atmosphäri- 
schen Luft  beinahe  alle  die  Linien  und  Lichtbänder  des 
schwachen  Nordlichtspectrums  wieder,  deren  Lage  irgend- 
wie sicher  bestimmt  ist.  „Im  Allgemeinen  dürfte  man 
also  annehmen,  dass  die  lichtschwachen  Bänder  im  Nord- 
lichtspectrum dem  Spectrum  des  negativen  Poles  angehören 
und  dass  das  Aussehen  dieses  Spectrums  mehr  oder  weniger 
verändert  werden  kann  durch  Zusätze  aus  dem  schattirten 
Luftspectrum  oder  dem  Linienspectrum  der  Luft."  Das 
Entstehen  der  gelben  Linie  bleibt  freilich  hierbei  uner- 
klärlich und  Anüstrüm  sieht  sich  bezüglich  dieser  zu 
der  Annahme  genöthigt,  dass  sie  durch  Fluorescenz  oder 
Phosphorescenz  entstehe. 

„Dass  die  Intensität  der  gelben  Linie  nach  der  Be- 
obachtung Mehrerer  geschwächt  wird,  wenn  sich  rothes 
Licht  im  Spectrum  des  Nordhchts  zeigt  und  wahrschein- 
lich im  Zusammenhange  damit  auch  die  violetten  und 
ultravioletten  Theile  an  Stärke  verlieren,  scheint  für  die 
gemachte  Annahme  zu  sprechen.  Es  ist  auch  bekannt, 
dass  der  Sauerstofl"  phosphorescirend  ist,  ebenso  wie  meh- 
rere Verbindungen  desselben,  unter  diesen  das  Stickstoflf- 
oxydul.'* 

ZöLLNEB  ist  der  Ansicht,  dass,  wenn  die  Licht- 
entwickelungen beim  NordUchte  nach  Analogie  der  in 
luftverdünnten  Röhren  zum  Glühen  gebrachten  Gase 
überhaupt  elektrischer  Natur  sind,  diese  einer  so  niedrigen 
Temperatur  angehören  müssen,  dass  es  unmöglich  ist,  bei 
(jlticher    Temperatiu*    die    Spectra    leuchtender    Gase    in 


4«  Dm 


3.i;.j:i'?*!iL-rT:    R'Lret    n    be«:^clite&.      Das    Spectmm 
«ks    N.rilii:f.t§   jctt-tii   LäeraAch    nur    ikshalb   nicht    mit 
kzl  x:ä  Wtffcr'^icc.  Spectrszi  tikr  anD'>s{ilüLrischen  Gase 

•b^   riz.    SfHicctniiii   acderEr^   aber   künstlich 


bi*  -«rut  L  >>i  uciit  «iiTst^LbArcr  Orlnunz   unserer  Atmo- 


S:-"A"b  2*?  »Ls»ß  iirch  das  Spectroskop  bis  jetzt  eine 
Entaciiei<r:n;£  db^^r  i&s  ei^enüiche  Wesen  des  Xordlichts 
cocb  ci-Ji:  2*be!>»r:.  lieiBDebr  riod  wotere  Untersochnngen 

37.  Das  Speetnoi  der  Blitze. 

Bri  ier  I-ircitxi:.  wricte  im  Allgemeinen  zwischen 
dem  Bl::zir  zzA  d-ec:  ^Lrträct^Ei  Fanken  bestehe  konnte 
icac  •rrK:kn<rL.  dj^s  dx>  Sr>«rvrnLsi  d€T  Blitze  gleich  sein 
vnnir  drin  dorcL  dir  zr'^öhzUche  elektrische  Entladung 
in  der  L'ift  ^rTruricn  Fimkecspectmnu  and  dass  es  daher 
aas  hellen.  T.^^z;I£^^veise  «tem  Stzcksioä*  der  atmosphärischen 
Lor.  An^Trh.r^-r::  L:r.:rL  t-?-ftirb^n  werde.  In  der  That 
sah  ^w:h  L:'rti:«ri-Ai.:  Hl&ächxx  h^i  der  «Gelegenheit,  als 
wähivnd  Tine?  Scnrnr^  ^hr  Tirle  Blitze  auftraten,  in  einem 
H^ndspe^.'tr^k  c-e  zahlr»r!che  h«rll-r  Linien  aottreten,  anter 
»lec^::  »Ihr  y  i**^  ,^i'%<4''jfliHii!  di-e  hellsiir,  ausserdem  aber 
die  rvtLr  Wis<er?: .  f ini-e  Ha  Torhaadt-n  zu  sein  schien. 
Ausser  diT^tci  L:n:^r.-i'<r«.:ruiL  er^.hi-en  abtr  zugleich  ein 
ht-r.«r<    >  H:*>4«ttW*--,^->   >f*:t.u^jjn.    la   vtrlchem  alle   Haupt- 


Das  Spectrnm  der  Blitze.  411 

Im  Ganzen  macht  das  gewöhnliche  Bhtzspectrum  den 
Eindruck  des  Grün  und  Blau  oder  vielmehr  des  Grünblau; 
aber  da  man  in  hellen  Blitzen  die  gesammte  prismatische 
Farbenreihe  erkennt,  so  muss  man  annehmen,  dass  die 
Gegend  von  der  Linie  E  bis  F  so  bedeutend  heller  ist, 
dass  sie  dem  Ganzen  das  erwähnte  Aussehen  giebt.  Ueber- 
rasehend  ist  übrigens  die  wechselnde  relative  Helligkeit 
des  continuirlichen  und  des  Linienspectrums ;  zuweilen  sind 
die  Linien  kaum  sichtbar,  und  zuweilen  wird  ausser  den 
Linien  kaum  noch  etwas  Anderes  gesehen. 

Die  Schwierigkeit,  die  vielen  weniger  intensiven  Linien 
zu  unterscheiden,  wird  durch  das  Augenblickliche  der  Er- 
scheinung wesentlich  gesteigert.  Bevor  das  Bewusstsein 
eine  bestimmte  Linie  ausgewählt  hat,  ist  der  schwache 
Eindruck  auf  die  Netzhaut  verschwunden;  und  bevor  ein 
anderer  Blitz  folgt,  ist  die  Erinnerung  an  die  erst  halb 
getroffene  Wahl  vorüber. 

Ausführlichere  Beobachtungen  über  diesen  Gegen- 
stand verdanken  wir  Prof.  Kundt  in  Zürich,  welcher 
mit  einem  Taschenspectroskope  zu  verschiedenen  Zeiten 
fünfzig  Blitze  analysirte.  Neben  den  Spectren,  die  aus 
hellen  Linien  bestanden,  traten  regelmässig  auch  solche 
auf,  welche  eine  grosse  Anzahl  schwächerer,  etwas  brei- 
terer und  ziemhch  gleichmässig  nahe  zusammenstehender 
Bänder  zeigten. 

Die  Linienspectra  zeigten  besonders  eine,  zuweilen 
zwei  Linien  im  äussersten  Roth,  einige  sehr  helle  Linien 
im  Grün  und  einige  etwas  weniger  helle  im  Blau,  dii- 
neben  noch  eine  grössere  Anzahl  schwächerer,  aber  meist 
ebenfalls  scharf  begrenzter  Linien.  Es  ergab  sich  bei 
den  verschiedenen  Blitzen  insofern  eine  Verschiedenheit, 
als  Linien,  die   bei   einem  Blitze   sehr  hell  aufleuchteten, 


442  Die  Spectralanalyse. 

bei  einem  andern  gar  nicht  erschienen,  während  dafür 
sich  solche  zeigten,  die  bei  manchen  anderen  Spectren 
fehlten. 

Eben  so  verschieden  waren  die  Bandenspectra,  da  die 
farbigen  Bänder  bei  einigen  Blitzen  besonders  im  Blau  und 
Violett,  bei  anderen  auch  noch  im  Grün  und  selbst  ver- 
einzelt im  Roth  auftraten. 

In  den  meisten  Fällen  hatte  jeder  Blitz  nur  eines 
dieser  Spectren,  und  zwar  kamen  die  Linienspectra  von 
Funken-  oder  sogenannten  Zickzack-Blitzen,  die  Banden- 
spectra dagegen  von  dem  blossen  Blitzleuchten  ohne 
markirten  Funken,  oder  von  den  sogenannten  Flächen- 
blitzen; in  ein  paar  Fällen  aber  gab  ein  und  derselbe 
Blitz  im  ersten  Momente  seines  Auftretens  ein  sehr  helles, 
scharfes  Linienspectrum,  dann  aber  plötzlich  ein  Spectrum 
von  gleichmässigen  Banden. 

Die  beiden  Arten  von  Spectren  entsprechen  zugleich 
den  verschiedenen  Farben,  in  welchen  die  beiden  genannten 
Blitzarten  dem  blossen  Auge  erscheinen;  das  Licht  der 
scharf  markirten  Zickzackblitze  ist  meist  weiss,  das  der 
Flächenblitze  dagegen  meist  röthlich,  zuweilen  auch  violett 
und  bläulich.  In  Uebereinstimmung  hiermit  zeigen  auch 
die  elektrischen  Entladungen  an  unseren  Elektrisirmaschineii 
verschiedene  Färbungen,  je  nachdem  sie  in  der  Form  eines 
Funkens  oder  Büschels  aultreten.  Während  das  Licht  des 
Funkens  in  der  Luft  je  nach  der  Natur  der  Körper,  zwi- 
schen denen  er  überspringt,  mehr  oder  weniger  weiss  ist, 
ist  die  Farbe  der  elektrischen  Büschel  roth  oder  violett, 
die  der  sogenannten  Glimmentladung  violett  oder  bläulieb. 
Das  Licht  des  elektrischen  Funkens  zeigt  stets  ein  Linien- 
spectrum, das  der  Büschel-  oder  der  Glimmentladung  da- 
gegen ein  Bandenspectrum. 


Da»  Spectram  der  Blitxe.  443 

Vogel  und  Lühse  haben  im  September  1871  mittels 
des  Sternspectralapparates  der  Bothcamper  Sternwarte 
einige  der  hellsten  Linien  im  Blitzspectrum  genau  bestim- 
men können.  Der  Spalt  des  Spectroskops  war  dabei  so 
weit  geöffnet,  dass  die  Natriumlinien  eben  noch  getrennt 
gesehen  werden  konnten.  Das  Plötzliche  der  Erschei- 
nung machte  die  Messungen  sehr  schwierig,  doch  glauben 
die  Beobachter,  dass  die  mögliche  Unsicherheit  der  ge- 
fundenen Wellenlängen  0,5  milüontel  Millimeter  nicht 
übersteige.  Es  fanden  sich  folgende  Wellenlängen  der 
einzelnen  Linien: 

5^M,l  Schwache  Linie. 

518,4  Ziemlich  helle  Linie. 

500,2  Sehr  helle  Linie,  vorher  eine  Hchwächere. 

180,0  Helle  Linie. 

ii...'o  /    Breites  Lichtbaud. 
biH    15ö,o  I 

In  der  Nähe  von  G  befand  sich  noch  ein  zweites, 
breites  Lichtband.  Die  Linien  im  Roth  waren  zu  schwach 
zur  Messung.  Linie  1  ist  im  Spectrum  des  Sauerstoffs  zu 
finden,  2,  3  und  5  sind  identisch  mit  Linien  des  Spec- 
trums, welches  man  erhält,  wenn  man  den  elektrischen 
Funken  durch  atmosphärische  Luft  schlagen  lässt  Linie  4 
coincidirt  mit  der  hellen  Linie  Hß  des  Wasserstoff- 
spectrums. 

Nicht  alle  Blitze  gaben  übrigens  dieses  Linienspectrum; 
bei  einigen  erscliienen  die  hellen  Linien  auf  continuirlichem 
Grunde,  in  dem  alle  Farben  des  Spectrums  vertreten  waren; 
bei  anderen  war  nur  ein  continuirliches  Spectrum  ohne 
Linien  zu  erkemien.  Die  BUtze,  die  ein  Linienspectrum 
zeigten,  waren  noch  darin  verschieden,  dass  bei  einigen 
helle  Linien  bis  ins  Roth  des  Spectruins  sich   erstreckten. 


144  Die  sf^KtniAMÄj^. 

}p*'Ä  «iiidfrren   nar   im  Grän   and  Blaa  Linien   za  erkennen 
war»:  IL 

Im  Jähre  1>^7>(  hat  A.  SchcsTer  in  Colorado  zahl- 
reiche Beobachtnntzen  über  Bhtzspectra  angesteUt  Um 
möglichiit  reichere  Resultate  za  erlangen,  beschränkte  er  sich 
anf  den  Theil  des  Spectnuns  zwischen  den  Wellenlängen 
500  bis  580  milliontel  Millimeter,  welcher  fast  den  ganzen 
gelbli«:heD  und  j;£ränen  Theil  einnimmt.  Ejt  benatzte  ein 
geradsichtiges  Spectroskop  mit  durch  Mikrometerschrauben 
beweglichem  Spalt,  und  ab  feste  Marke  eine  helle  Linie  im 
Ilauptfocos  des  Femrohrs  (s.  Bd.  I,  f^igg-  6^  lu^d  64);  der 
Spalt  wurde  so  lange  Terschoben,  bis  die  zu  messende  Linie 
rlie  Fortsetzung  der  hellen  Linie  bildete,  die  bis  zur  Mitte 
des  (Gesichtsfeldes  reichte.  Die  Messungen  wurden  stets  des 
Nachts  gemacht  und  das  Spe.troskup  unberührt  bis  zom 
nächsten  Morgen  gelassen,  wo  dann  die  FRAUNHOFEJi'schen 
Linien  in  der  Nachbarschaft  gemessen  wurden,  so  dass 
man  die  Wellenlänge  der  beobachteten  Bande  durch  Inter- 
fiolation  bestimmen  konnte.  Natürlich  kann  die  Einstellung 
während  eines  augenblicklichen  Blitzes  nicht  ausgeführt 
werden;  aber  bei  einer  grossen  Reihe  sich  folgender  Blitze 
kann  die  Einstellung  immer  genauer  und  genauer  gemacht 
werden,  bis  man  volles  Zusammenfallen  erreicht  hat.  Auf 
diese  Weise  konnte  der  Beobachter  von  jeder  Bande  meh- 
rere Ablesungen  erhalten.  Auch  Schuster  fand  bei  den 
Blitzen  bald  ein  Linien-,  bald  ein  Bandenspectrum,  daneben 
auch  häufig  ein  conti nuirliches  Spectruin.  Die  Resultate 
seiner  Messungen  enthält  nachstehende  Tabelle: 

Bftnde  Welle  nl&nge 


a 

.     .     559,2 

;^ 

5:^5,4 

y 

.     518,2 

Ö   .    .    . 

.     .     516,0 

Das  Spectrum  der  Blitze.  445 

Die  Bande  ß  und  y  sind  also  identisch  mit  den  be- 
reits von  Vogel  gemessenen;  «  und  J  konnten  nur  ein 
einziges  Mal  bestimmt  werden.  Schustee  kommt  zu  dem 
Ergebnisse,  dass  seine  Beobachtungen  des  Bandenspectrums 
der  Blitze  sich  dahin  vereinigen,  dass  dieses  Spectrum 
demjenigen  ähnlich  ist,  welches  am  negativen  Pole  einer 
mit  Sauerstoff  gefüllten,  aber  durch  etwas  Kohlenoxyd 
verunreinigten  Vacuumröhre  gefunden  wird. 

Die  bisherigen  Untersuchungen  führen  im  Ganzen  wohl 
zu  dem  Ergebnisse,  dass  die  Vei-schiedenheit  der  Blitz- 
spectren  in  einer  verschiedenen  Entladungsweise  der  atmo- 
sphärischen Elektricität  theils  der  Erde,  theils  den  Wolken 
gegenüber  ihren  Grund  hat.  Erfolgt  die  Entladung  einer 
elektrischen  Wolke  nach  der  Erde  hin,  so  geschieht  dieses 
nach  vorgängiger  hoher  Spannung  und  voraussichtlich 
unter  sehr  hoher  Temperatur  vermittels  eines  Funkens 
oder  eines  Zickzackblitzes,  der  zunächst  durch  die  atmo- 
sphärische Luft,  also  durch  ein  Gasgemenge  von  Sauer- 
stoff, Stickstoff,  Wasserdampf  und  Kohlensäure  schlägt.  Je 
nachdem  dabei  das  eine  oder  das  andere  dieser  Gase  oder 
mehrere  zugleich  ins  Glühen  kommen,  erhält  das  Linien- 
Blitzspectrum  ein  verschiedenartiges  Aussehen.  Wenn  da- 
gegen die  Entladung  einer  Wolke  nach  einer  anderen  Wolke 
hin  erfolgt,  so  geschieht  dieselbe  meist  in  Büschelform, 
weil  infolge  der  vorgängigen  elektrischen  Anziehung  beide 
Wolken  zugespitzte  oder  zackige  Formen  annehmen  und 
unter  solchen  Umständen  in  der  Regel  starke  Spannungen 
nicht  eintreten,  vielmehr  die  Entladung  in  mehreren  ein- 
zelnen rasch  nach  einander  folgenden,  einen  Büschel  bil- 
denden Strahlen  vor  sich  geht.  Dem  entspricht  dann  auch 
die  Verschiedenheit  des  Geräusches,  von  welchem  die  ver- 
schiedenen   Entladungen   der    gespannten   Elektricität  be- 


446  Die  Spectralanalyse. 

gleitet  sind.  Erfolgt  dieselbe  durch  einen  Funken,  so 
hört  man  bekanntlich  einen  einfachen,  scharfen  Knall;  die 
Büschelentladung  tritt  nie  unter  einem  einfachen  Knall, 
sondern  allemal  unter  einem  zischenden,  aus  prasselnden 
und  einer  Reihe  von  einzelnen,  rasch  nach  einander  fol- 
genden leichteren  Knallen  bestehenden  Geräusche  auf;  die 
Glimmentladung  endlich  vollzieht  sich  ganz  geräuschlos. 


.  ^   'S 


Sachregister. 


Die  ohne  rumisehe,  nur  mit  arabiHchcn  Ziffern  an^ci^ebenen  Zahlen  beziehen  sich 
auf  die  Seitenzahlen  des  ersten  Bandes,   die   mit  II  versehenen  Zahlen  weisen  auf 

den  zweiten  Band  hin. 


Absorption  des  Lichtes   IiH3. 

Absorption,  totale  IW,  partielle  t^)V|, 
elective  8ii5. 

Absorptionstläschehen  *Vl:>. 

Absorptionsspectra ,  Uiitersut  hun^ 
der,  von  Morton  3-13. 

Aichnng  des  Spectroskops  214. 

Aldebaran,  Spectmm  des,  vonHuggins 
und  Miller  II  282. 

Angströni,  atmosphärische  Linien  im 
Sonnenspectrum   II  3U. 

Angstrüni,  mehrfache  Spectra  318. 

Angström,  Normalspectrum  298. 

Angström,  Spectrum  des  Nordlichts 
II  427. 

Angström,  Spectrum  des  Zodiakal- 
lichts  11  424. 

Angström,  Wasserstotfspectra  320. 

Angström,  Wellenlängen  der  Fraun- 
hofer'schen  Linien  402. 

.Apparat  zur  Vergleichung  der  Spectra 
entgegengesetzter  Punkte  des  Son- 
nenrandes von  Langley  11  224. 

d'Arrest ,  spectroskopische  Durch- 
musterung des  Himmels  U  290. 

Bandenspectrum  I.  Ordnung  320. 

Batterie,  Bunsen'sche  3G. 

Becquerel,  inactive  Linien  im  che- 
mischen Spectrum  405. 

Becquerel,  ultrarothes  Spectrum  *>09. 

Bessemerprocess ,  Anwendung  des 
Spectroskops  beim  443. 


Beteigeuze,  Spectrum  des  Sternes, 
nach  Huggins  und  Miller  II  282. 

Beugung  des  Lichtes   185. 

Beugungsgitter  197,  20ti,  207. 

Bieltt's  Komet  u.  der  Stemschnuppen- 
t'all  am  28.  Nov.  1872  11  413. 

Bier,  spectroskopische  Untersuchung 

Blitzspectrum,  beobachtet  von  Kuudt 
II  441,  Schuster  11  444,  Vogel 
II  443. 

Brechung  des  Lichtes  03. 

Brechungsexponent  der  Medien  05. 

Brechungsexponenten  fester  und 
flüssiger  Körper  119. 

Bredichin,  Spectrum  des  Kometen 
Wells  11  388. 

Brenner,  Bunsen'scher  14. 

Brewster,  atmosphärische  Linien  im 
Sonnenspectrum  11  21. 

Brom,  Spectrum  des  310. 

Browning,  automatisches  Spectro- 
skr)p  230. 

Browning,  Haudspectroskop   II  200. 

Browning,  Meteorspectroskop  11  410. 

Browning,  photographisches  Tele- 
skop II  82,  88. 

Browning's  Miniaturspectroskop  147, 
148,  153,  102,  U  250. 

Browning's  ITniversallaterne   102. 

Browning  und  Sorby,  3Iikrospectro- 
hkop  158. 


448 


Die  Spectralanalyne. 


Brücken,  lencbtcnde,  in  den  Sonnen- 
flecken n  51,  74. 
Brunn,    Protuberanzspectroskop    IT 

204. 
Bunsen,  Spectraltafeln  294. 
Caesinm  5. 

Chladni,  V erwandtAchaft  zwischen  Ko- 
meten und  Sternschnuppen  11 409. 
Chlor,  Spectmm  des  316. 
Chlorophyll,  Absorptionsspectra  des 

840. 
Chlorstrontiumspectrum  131. 
ChristiansenjanormaleDispersion  1 76. 
Christie,   Sauerstoff  auf  der  Sonne 

II  14. 
Christie,  Spectrum  des  Kometen  Wells 

n  387. 
Chromosphäre  11  161,  170. 
Chromospbäre ,    Photographie     der 

II  199. 
Chromosphäre,  Spectrum  der  II 164, 

170,  172,  174,  175. 
Ciamician    über    Metalloidenspectra 

330. 
CoUimatorlinse  137,  139. 
Coma  der  Kometen  II  360,  362. 
Comu,  Umkehr  der  Metalllinien  870. 
Corona    der   Soiinenfinsterniss    vom 

7.  August  1869  n  123. 
Corona    der   Sonnenfinsterniss    vom 

12.  December  1871  H  127. 
Corona    der    Sonnenfinsterniss    vom 

29.  Juli  1878  II  128. 
Corona,     früheste    Erwähnung     der 

n  79. 
Coronalinie,  die  II  141,  142. 
Corona,  Natur  der  TI  140, 146, 148. 
Corona,    spectroskopische    Beobach- 
tung am  12.  Decbr.  1871  U  142, 

144. 
Corona,  Spectrum   des  neuen  Sterns 

in  der,  von  lluggins  11  312. 
Ooc^-Spinelli,  atmosphärische  Linien 

im  Sonncnspectrum  II  32. 
Crownglasspectrum  118. 
(Vlinderlinse  106,  II  238. 
Desaga,    gewöhnliches    Spectroskop 

165.  I 

Desaga,     Spectroskop    für    Absorp-  | 

tionauntersuchun«;«'!!  'VU. 
Dirt'nutionsspeotrosküp    von    Young  l 

II    I8l>. 


Dispersion,  anormale  176,  partielle 

121,  totale  97,  122. 
/)-Linie,    Kirchhoffs    Beobachtung 

der  Umkehr  der  n  4,  Young  II 68. 
i>-Linie,  Umgebung  der,  nach  Vogel 

n  169. 
Donati,  Beobachtung  eines  Kometen- 

spectrums  11  870. 
Doppelnebel  11  341. 
Doppler*8ches  Princip  II  208. 
Draper,  Chr.,  dunkle  SauerstofTlinien 

im  Sonnenspectnim  II  15. 
Draper,  H.,  Photographie  des  Spec- 

trums  vom  Kometen  (11  1881)  II 

391. 
Draper,  H.,  Photographie  der  Stem- 

spectra  n  305. 
Draper,  H.,  Saueratoff  auf  der  Sonne 

II  12. 
Draper,  tithonographisches  Spectrum 

401,  405. 
Drummond,  Kalklicht  24,  98. 
Duboscq'sche  Lampe  43. 
Dünner,  Spectrum  des  Kometen  Wells 

II  388. 
Edelmann,    Lampe    mit    Knallgas- 
flamme 133. 
Eisen  des  Pallas  II  402. 
Eisenmeteorite  II  397. 
Elger,   Spectrum   des  Nordlichts   II 

431. 
Emissions- und  Absorptionsvermögen. 

Verhältniss  zwischen,  nach  Kircli- 

hoff  ^66. 
Encke's  Komet  1871,  Spectrum  von 

II  378. 
Erythrophyto.skop  336. 
Erythroskop  337. 
Fadenkreuz  154. 

Faye,     Beschaffenheit    des    Sonnen- 
kerns II  60. 
Feuerkugeln  H  395,  400. 
Fievez,   Einfluss  der  Lichtintensität 

auf  das  Spectrum  11  3-17. 
Fixsterne,  Spectra  der  II  *281. 
Fixsterntvpen  von  Huggins    II  I>52, 

Rutherfurd  II  284.  Secchi  11284, 

Vogel  II  294. 
Flamme,  Leuchten  der  8,  13. 
Flummenbogen,  elektrischer  o.'>. 
Flammenbogenspectra  277. 
Flammenspectra  262. 


Sachregister. 


449 


Flight)  Analyse  der  Oase  eines  Me- 
teoriten II  397. 

f-Linien  im  Sirinsspectrum,  Ver- 
schiebung der,  nach  Hiiggins  II 
823. 

Flintgiasspeetrnm  118. 

Flöget,  Spectmni  des  Nordlichts  II 
430. 

Flnorescenz  409. 

Fluorescenzspectra  411,  415. 

Förster,  Spectnim  des  Nordlichts 
n  430. 

Frannhofer'sche  Linien  119,  152. 

Fraunhofer,  Sonnenspectrum  117. 

Fraunhofer,  Sternspectroskop  II 239. 

Funken-Inductor  30. 

Funkenspectra  2(>4. 

Chaiinm  6,  309. 

Gasgebläse  16. 

Gasspectra,  Umkehr  der  366,  371. 

Gasspectra,  Untersuchung  der  281. 

Gasspectrum  130. 

Gasströme  auf  der  Sonne,  Messung 
der  Geschwindigkeit  der,  nach 
Lockyer  11  210. 

Geissler'sche  Röhren  32. 

Gewitter,  elektro-magnetische  II 427. 

Gitterspectra  198. 

Gladstone,  atmosphärische  Linien  im 
Sonnenspectrum  11  20. 

Glan,  Spectralphotometer  391. 

Goniometer  210. 

Graut  und  Solomon,  Magnesium- 
lampe 19. 

Günther,  leichte  Umkehr  der  Na- 
triumlinie 380. 

Haidinger,  Theorie  der  BHdung  der 
Feuerkugeln  II  400. 

Halbschatten  II  51. 

Halley's  Komet  II  365. 

Halogene,  Spectra  der  331. 

Handspcctroskop  von  Browning  266. 

llasselberg,  Einfluss  der  Sonnenhitze 
auf  die  Kometen  II  390. 

Hasselberg,  Spectrum  des  Kometen 
Wells  II  389. 

^/^-Linie,  beobachtet  von  Lockyer 
II  176,  Young  II  177. 

Hß-Linie,  Erbreiterung  der,  im 
Spectruiu  der  Chromosphäre  II 
175. 

Heixflamme  15. 

i$<-A(//«N,S|)octraUnaJy8e.  II. 


Herschel,  F.  W.,  Entdeckung  der 
ultrarothen  Strahlen  397. 

Herschel,  geradsichtiges  Prisma  143. 

Herschel,  J.,  chemische  Wirkungen 
der  Spectralstrahlen  404. 

Herschel-Browning,  Prismensystem 
144. 

Hilger,  automatisches  Spectroskop 
248. 

Hilger,  mikrometrisch  messbare  Ver- 
schiebung des  Spaltes  156. 

Hilger,  Spectroskop  mit  Lichtlinie 
161. 

Hilger,  Taschenspectroskop  148. 

Himmels,  spectroskopiBche  Durch- 
musterung des,  von  d* Arrest  II 290. 

Hoffmann,  Vergleichsprisma  172. 

Holden,  Spectrum  des  Nordlichts 
n  434. 

Huggins,  Eintheilung  der  Nebel- 
flecke in  Gruppen  11  353. 

Huggins,  Fixstemtypen  11  352. 

Huggins,  Kometenspectrum  n  370, 
1^71,  375. 

Huggins,  Methode,  die  Gestalt  der 
Protuberanzen  bei  Sonnenschein 
zu  beobachten  II  185. 

Huggins,  Photographie  des  Spec- 
trums vom  Komet  (II 1881)  II 391, 
vom  Kometen  Wells  II  392. 

Huggins,  photographisches  Spectro- 
skop II  297. 

Huggins,    Registrirvorrichtung  221. 

Hnggins,  Spectrum  der  Nebelflecke 
n  345. 

Huggins,  Spectrum  des  neuen  Sterns 
in  der  Krone  11  312. 

Huggins  und  Miller,  Spectrum  des 
Aldebaran  II  282,  Spectrum  des 
Beteigeuze  U  282. 

Huggins,  Verschiebung  der  F-Linie 
im  Siriusspectrum  II  323. 

Huggins,  typische  photographische 
Spectra  II  352. 

Hy&ooxygengaslampe  22. 

Indium  5. 

Influenzmaschine  26. 

Janssen,  atmosphärische  Linien  im 
Sonnenspectrum  II  24. 

Janssen,  Protuberanzbeobachtungen 
am  18.  August  1868  n  131,  bei 
Sonnenschein  II  149,  152. 

29 


450 


Die  Spectralanaly.se. 


Janssen-Hoflmauu,  Spectroskop  145. 

Jod,  Spectmin  des  815. 

Joddampf,  Absorptiousspectruin  302. 

Julikoniet  von  18(51  II  865. 

Jupiter,  Spectruin  den  11  271. 

Kalklicht,  Dninimond'sches    24,  98. 

Kirchhoff,  dunkle  Linien  des  Sonnen- 
Kpectrunis,  gemeRsen  von  II  <i. 

Kirchhoff,  Spectraltafeln  297. 

Kirchhoff,  Theorie  der  Sonne  11  It). 

Kirchhoff,  Umkehr  der  />-Linie  11  4. 

Kirchhoff,  Verhältniss  zwischen 
Emissions-  und  Absorptionsver- 
mögen 366. 

Kirchhoff,  Verzeichniss  der  dunklen 
Linien   des  Sonnenspoctniius  447. 

Klein,  Regenbänder  II  40. 

Knallgasflamme  20. 

Knallgasgebläsc  22. 

Kochsalzspectnim  131. 

Kohlenlicht,  elektrisches  35. 

Kohlensäure  in  Meteoriten  II  396. 

Kohlensäure,  Spectrum  der  313. 

Kohlenstüffspectrum  312. 

Komet  von  Biela  II  41*»,  Encke  II 
378,  Hallev  II  365,  Wells  11 
385. 

Komet  Wells,  Photographie  des  Sj)ec- 
tnims,  von  Huggins  II  392. 

Komet  Wells,  Spectmm,  beobachtet 
von  Bredichin  II  388,  Christie 
11  387,  Dnnner  II  l^SH,  Hassel- 
berg II  389,  Vogel  II  [\^i\. 

Kometen  II  359. 

Kometen,  Einfluss  der  Sonnenhitze 
auf  die,   nach  Hasselberg  IT  39(). 

Kometen,  Elektricität  der  II  384. 

Kometen,  Korn  der  11  360. 

Kometen  (II  1881),  Photographie  des 
Spectninis  vom,  von  H.  Draper 
11  391,  Huggins  H  391. 

Kometen,  Polarisation  des  Lichtes 
der  II  37(K 

Kometen,  Schweif  der   II  361,  362. 

Kometen,  Theilung  einzelner  11368. 

Kometen  und  Sternschnuppen,  Zu- 
sammenhang zwischen,  nachChladni 
n  409,  nach  Schiaparelli  II  409. 

Kometen  und  Sternschnuppen,  Zu- 
sammenhang der  II  409. 

Kometen     von     kurzer    Umlaufszeit 


11 


:*»59. 


Kometenausströmungeu.  Oscillation 
der  II  385. 

Kometenschweif,  KriLmmung  11  883. 

Kometenspectrum,  beobachtet  von 
Donati  n  370,  Huggins  II  370, 
371,  375,  V.  Konkoly  11  879, 
Secchi  n  370,  371,  872,  374, 
Vogel  11  379,  Young  U  370. 

Kometenspectrum,  typisches  II  880. 

V.  Konkolv,  kleines  Universal-Spec- 
troskop'n  262. 

V.  Konkoly,  Kometenspectrum  II 879. 

v.  Konkoly.  Spectra  der  Meteore  II 
419. 

Kundt,  Spectrum  des  Blitzes  11441. 

Ladd,  Taschenspectroskop  208. 

Lamauski,  nltrarothes  Spectrum  399. 

Lampe,  elektrische,  von  Kuhmkorff 
128. 

Lampe  mit  Knallgasfiamme  von 
Edelmann  183. 

Lampe  von  Duboscq  43. 

Langley,  Appanit  zur  Vergleichung 
der  Spectra  entgegengesetzter 
Punkte  des  Sonnenrandes  II  224. 

Laureutiusstroni  II  405. 

Lecocq  de  Boisbaudran,  Spectraltafeln 
308. 

Lenarto,  Meteoreisen  II  396. 

Leoniden  II  406. 

Leuchtflamme  15. 

Leuchtgas  10. 

Liais,  Spectrum  des  Zodiakallichts 
II  424. 

Lichtemission,  auswählende  (^elektivei 
135. 

Licht,  Absorption  3^^^,  Diffraction 
185,  Dispersion  IM,  Emission  124, 
Interferenz  179,  Messung  der 
W^ellcnlängen  UM,  208,  Natur 
des  52. 

Lichtintensität,  Einfluss  der,  auf  das 
Spectrum,  nach  Fievez  II  347. 

Lichtlinie  als  Marke   160. 

Lichtstrahl,  Schwingungsdauer  174. 

Lichtstrahl,  symmetrischer  Durch- 
gang 78. 

Lichtstrahl,  Wellenlänge  des  174. 

Lindsay,  Lord,  Spectrum  des  Nord- 
lichts II  429. 

Linien,  atmosphärische,  im  Sonnen- 
spectrum,    beobachtet    von     Aug- 


Sachregister. 


451 


Ktröm  11  :^,  Brewster  II  21, 
CVoce-Spinelli  11  32,  Gladstone  11 
20,  Janssen  II  24,   Secchi  II  29. 

Linien  des  Sonnenspectrums,  dunkle, 
gemessen  von  Kircbhoff  11  t). 

Linien  des  Sonnenspcctmins,  Ver- 
zeichuiss  der  dunklen,  von  Kirch- 
hoff 447. 

Linien,  Fraunhofer 'sehe  119,  152. 

Linien,  Fraunhofer'sche,  Umkehr  der 
dunklen  und  hellen,  nach  Young 
n  17. 

Linien,  helle,  im  Sonnenspectrum  429. 

Linien,  inactive,  im  chemischen  Spec- 
trum, nach  Becquorel  405. 

Linien,  lange  und  kurze,  bei  der 
Funkenentladnng  279. 

Linien,  lange  uud  kurze,  der  Metall- 
spectra  431. 

Linien,  tellurische,  im  Sonnenspec- 
trum als  Mittel  zur  Wetterpro- 
gnose II  33. 

Linien,  Verzeichniss  der  im  Spectrum 
der  Chromosphäre  stets  sichtbaren, 
von  Young  11  172. 

Linien,  Verzeichniss  der  im  Spectrum 
der  Chromosphäre  häufig  hell  sicht- 
baren, von  Young  U  174. 

Linien,  Wellenlänge  der  Fraunhofer- 
schen,  nach  Angström  462,  Men- 
denhall  495. 

Linienspectrum  130. 

Linienspectrum  11.  Ordnung  320. 

Littrow,  Prismencombination  230. 

Lockyer,  Beobachtung  der  F/ß-Linie 
II  176. 

Lrtokyer,  mehrfache  Spectra  328. 

Lockyer,  Methode  die  Geschwindig- 
keit der  Gasströme  auf  der  Sonne 
zu  messen  II  210. 

Lockyer,  Methode  die  Gestalt  der 
Protnberanzen  bei  Sonnenschein 
zu  beobachten  II  185. 

Lockyer,  Protuberauzspectrum  bei 
Sonnenschein   II  150,   152. 

Lockyer,  Spcctral-Photographie  431. 

Lockyer,  Spectmm  der  Chromo- 
sphäre II  170. 

Lockyer,  Telespectroskop  von  II  150, 
155. 

I^hse ,  rotirender  Spertralapparat 
II  201. 


Lohse,  Versuch  der  Photographie 
der  Protuberanzen  II  199. 

Xagnesiumlampe  von  Grant  und 
Solomon  19. 

Magnesiumlicht  18. 

Mars,  Spectrum  des  II  270. 

Maschine  von  Ruhmkorff  30. 

Maschinen,  dynamo-elektrisohe  JiS. 

Melanoskop  337. 

Melloni,  Untersuchung  über  die 
Wärmestrahlen  398. 

Mendenhall,  Wellenlängen  der  Fraun- 
hofer'schen  Linien  405. 

Merkur,  Spectrum  des  II  269. 

Merz,  einfaches  und  zusammengesetz- 
tes Spectroskop  II  159. 

Merz,  Objectiv  -  Spectralapparat  II 
239. 

Messings,  Spectrum  des  131. 

Metalllinien,  Cornu  aber  die  Umkehr 
der  370. 

Metalllinien,  Wellenlängen  derselben 
nach  Thal^n  496. 

Metalloide,  Spectrallinien  der  wich- 
tigeren 311. 

Metalloidenspectra  von  Ciamician330. 

Metallspectra  von  Hand  Capron  480, 
Thalen  306. 

Meteore,  Spectra  der,  von  v.  Konkoly 
II  419. 

Meteore,  sporadische  II  408. 

Meteoreisen  von  Lenarto  11  396. 

Meteoriten,  Aualvse  der  Gase  von, 
nach  Flight  if  397. 

Meteoriten,  Gase  der  II  396. 

Meteoriten,  Höhe  der  II  398. 

Meteormassen,  flüssige  II  381. 

Meteorschwärme  U  403. 

Meteorspectroskrop  von  Browning 
II  416. 

Mikrospectroskop  'M9. 

Mikrospectroskoj»  von  Browning  und 
Sorbv  158. 

Miniaturspectroskop  von  Browning 
147,  148,  153,  162.  II  255. 

Minimum  der  Ablenkung  80. 

Mira  Ceti  II  305. 

Momentverschluss  bei  photographi- 
schen Aufnahmen  II  94. 

Mondspectrum  II  268. 

Morton,  Untersuchungen  über  Ab- 
sorptionsspectra  343. 

29* 


452 


Die  Spectralanalysc. 


Morton,  Untersnchangen  über  Fluo- 

rescenzspectra  415. 
Hatrium  auf  der  Sonne  II  4. 
Natriumlinie,  Umkehr  der  367,  H80. 
Natriumlinie,   die,   im  Spectrum  des 

Kometen  Wells  II  386. 
Nebel,    planetari«che    11    341,    .'M7. 

348. 
Nebel,  planetarinche,   Spectrum  der, 

▼on  Pickering  II  348. 
Nebelflecke  II  3:^6. 
Nebelflecke,    Spectrum    der    II  ^Mo. 

347,  348. 
Neptun,  Spectrum  des  II  278. 
Nobert,  Beugungsgitter  207. 
Nordlicht,  das  II  426. 
Nordlichtspectrum,    beobachtet    von 

Angström  II  427,  Elger  H  431, 

Flögel   II  428,    Förster   II  430, 

Holden  II  434,  Lord  Lindsay  II 

429,   Rand  Capron    II  431,  430, 

Rayet  II  428,    Schellen   II  433, 

Vogel    II   435,    Winder    II   428, 

Zöllner  II  432. 
Normalspectrum  von  Angströin  208. 
NoTembermeteore,  Spectra  der,  nach 

Secchi  II  419. 
NoTemberstrom  der  Meteore  11406. 
NoTemberstrom,  Bahn  II  410. 
Objectiv-Spectralapparat    von    Merz 

II  239. 
Oculare,  helioskopische  II  43,  44. 
Ocular,    fluorescirendes,    von    Soret 

418. 
Ocular,  photographisches,  von  Secchi 

II  89. 
Ocularsternspectroskop  II  255,  260, 

265. 
Penumbra  der  Sonnenfiecke  II  51. 
Perseiden  II  405. 
Phosphor,  Spectrum  des  314. 
Photosphäre  II  179,  181. 
Piazzi    Smyth ,     Regenbänder-Beoh- 

achtungen  II  39. 
Pickering,  Spectrum  der  Nebelflecke 

II  348. 
Planetoiden,  Spectrum  der  II  271. 
Plücker,  mehrfache  Spectra  318. 
Plücker'sche  Röhren  :^1 
Polarisation8-Helio.skop  II  44. 
Pol,  negativer,  Spectrum  286. 
Pol,  positiver,  Spectrum  286. 


Pringsheim,  Absorptionsspectra  des 
Chlorophylls  340. 

Prisma ,  zusammengesetztes ,  von 
Rutherfurd  228. 

Prismen,  geradsichtige  142. 

Prismencombination  von  Littrow  230. 

Prismensätze  227. 

Prismensystem,   siebeutheiliges  147. 

Prismensystem  v.  Herschel-Browning 
144. 

Protubcraiizen  II  79. 

Protuberanzen,  Farbe  der  II  115. 

Protuberanzen-Gestalt  bei  Sonnen- 
schein zu  beobachten,  nach  Huggins 
II  184,  Lockyer  II  185,  Young 
II  190,  Zöllner  II  185. 

Protuberanzen,  Natur  der  II  133. 

Protuberanzen-Spectrum  II 129, 136, 
138. 

Protuberanzen,  Veränderungen  ihrer 
Spectrallinien  II  176,  177. 

Protuberanzen,  verschiedene  Formen 
der  n  187,  191,  193,  198. 

Protuberanzen,  Versuch  der  Photo- 
graphie der  II  199. 

Protuberanz,  Explosion  in  einer  II 
195. 

Protuberanzspectroskop  von  Brunn 
II  204. 

Badiationspunkte  der  Meteore  II 407. 

Rand  Capron,  Darstellung  der  Me- 
tallspectra  130. 

Rand  Capron,  Spectrum  des  Nord- 
lichts II  431,  436. 

Rauchgläser  388. 

Rayet,  Spectrum  des  Nordlichts  II 
428. 

Rayleigh,  Lord,  Beugungsgitter  207. 

Reflexion,  totale  68. 

Reflexprisma  167. 

Refraction  des  Lichtes  63. 

Regenbänder,  beobachtet  von  Klein 
II  40,  Piazzi  Smyth  II  39. 

Registrirvorrichtung  von  Huggins 
221. 

Kespighi,  regelmässige  Protuberanz- 
beobachtnngen   II  202. 

Reversionsspectroskop  von  Zöllner 
II  222. 

Ringnebei  340,  II  349. 

Röhren  von  Flacker  33,  von  Salet 
283. 


Sachregister. 


45:^ 


Rabidium  5. 

de  la  Bue,    Photographie    der  Son- 

nenfinsterniss  vom   18.  Juli  1800 

II  87. 
Ruhmkorff,   elektrische  Lampe  128. 
Rnhmkorff  sehe  Maschine  1^0. 
Rutherftird,  Beugungsgitter  20l). 
Butherfurd,  Fixsterntypen  II  284. 
Rutherfurd,  zusammengesetztes  Pris- 
ma 228. 
Salet,  Wasserstoffspectra  320. 
Salet'sche  Röhren  283. 
Saturn,  Spectrum  des  II  273. 
Sauerstoff  auf  der  Sonne,    Christic 

über  n  14,  H.  Draper  II  12. 
Sanerstofflinien  im  Sonnenspectrum, 

Chr.  Draper  über  dunkle  II  15. 
Sauerstoffspectrum  311,  322. 
Savart,  Entstehung  der  Töne  57. 
Scala,  auf  Glas  photographirte  102. 
Schellen,    Spectrum    des   Nordlichts 

II  438. 
Srhiaparelli,  Znsammenhang  zwischen 

Kometen   nnd   Sternschnuppen    II 

409. 
Schicht,    umkehrende,    der    Sonnen- 

atmosphäre  II  0,  18. 
Schröder,  automatisches  Spcctroskoj) 

241. 
Schuster,   Sonnenfinsterniss  vom  29. 

Juli  1878  11  147. 
Schuster,  Spectnim  des  Blitzes  II  144. 
Schuster,    Spectrum    des    Stickstoffs  i 

323.  i 

Schwefel spectrum  3H. 
Schwefelkohlenstoffprisma  lUl. 
Secchi,    atmosphärische    Linien    im 

Sonnenspectrum  IT  29. 
Secchi,  Fixsterntypen  II  281. 
Secchi,  helioskopisches  Ocular  II  13. 
Secchi,    Kometenspectrum     II     370, 

371,  372,  374. 
Secchi,  Natur  d«T  Sonnenflecke  II  02. 
Secchi,  photographisches  Ocular  II 89. 
Secchi,  Sonnenflecke  II  53. 
Secchi,  Spectra  der  Novembermeteore 

n  419. 

Secchi,     umkehrende     Schicht     der 

Sonnenatmosphäre  II  18. 
Secchi,  veränderliche  Sterne  II  307. 
Secchi,    Veränderungen    der    Protn- 

beranzen  U  193. 


Secchi,    Zeichnungen     der    Chromo- 

sphäre  II  180. 
Sirene  55. 

Sonne,  Drehstiirme  auf  der   II  213. 
Sonne,  Erui)tionen  der  II  207. 
Sonne,  Granulation  der  II  45. 
Sonne,  Repulsivkraft  der  II  385. 
Sonne,  Rotation  der,  durch  das  Spec- 

troskop  nachweisbar  11  221,  228. 
Sonne,    teleskopischer    Anblick    der 

II  41. 
Sonne,    Theorie   der,    von  Kirchhoff 

II  10. 
Sonnenatmosphäre.  Absorption  in  der 

II  229. 
Sonnenatmosphäre,    Eisendämpfe    in 

der  II  8. 
Sonnenatmosphäre,   Elemente  in  der 

umkehrenden  Schicht  der  II  9. 
Sonnenfackeln  II  44,  51,  54,  02. 
Sonnenflusterniss  II  70. 
Sonnenfinsterni^s ,      photographische 

Aufnahme    der     II    81,    82,    88, 

89,  92. 
Sonnenfinstcrniss,  totale,  vom  10.  April 

1874  II  18. 
Sonnenfinsterniss  vom  18.  Juli  18t)<) 

n  111. 
Sonnentinsterniss  vom  18.  Aug.  1808 

n  90. 
Sonnenflusterniss  vom  7.  Aug.   1809 

II  100,  115. 
Sonnenfinsterniss  vom   12.  Deu.  1871 

II  127. 
Sonnenfinsterniss  vom  29.  Juli  1878 

II  143,  147. 
Sonnenflecke  U  44,  47,  53,  59,  Ol,  02. 
Sonnenflecke,    Bewegung  der   II  59. 
Sonnenflecke,  Bihlung  der  II  75. 
Sonnenflecke,  Erbrcitemng    der    D- 

Linie  im  Spectrum  der  11  07. 
Sonnenflecke,  Natur  der  II  50,  Ol,  02. 
Sonnenflecke,  spectroskopische  Unter- 
suchung der  II  03,  05,  08,  09,  7ü. 
Sonnen  flecke.  Theorie  der.  von  Wil- 
son II  57. 
Sonnenflecke.    Umkehr   der   />-Linie 

im  Spectrum  der  II  08. 
Sonnenflecken,    Wasserstoff    in    den 

TI  72. 
Sonnenkem  II  09. 
Sonnenkem,  centrales  Licht  11  17. 


454 


Die  Spectralanalyse. 


SonnenHpectnim  90. 

8onneiiflpectnini ,  helle  Linien  im, 
nach  H.  C.  Vogel  429. 

Sonnenspectnim ,  pbotographiHcbes, 
Ton  Mascart  42(5,  J.  Müller  424. 
Rutherfurd  424,  H.  0.  Vogel  427. 

Sonnenspectrnm  von  Fraunhofer  117. 

SonnenHpectmm  von  H.  C.  Vogel 
dargentellt  303. 

Sonnengtärroe  II  192. 

Sorby,  Mikrospectroskop  M9. 

Soret,  flnorescirended  Ocnlar  418. 

Spalt,  mikrometrisch  mesgbare  Ver- 
Hchiebung,  nach  Hilger  156. 

Spaltöfftinng,  Regnlining  der  114. 

Spaltschneidcn  115. 

Spectra  erster  Ordnung  188. 

Spectra,  mehrfache  31 Ü. 

Spectra,  mehrfache,  AngstrÖm  über 
318,  Lockver  328,  Plücker  318, 
Thalen  319,  WüUner  319,  326. 

Spectra,  photographinche,  der  Fix- 
sterne II  296,  299,  305. 

Spectra,  typisoh-pbotographische,  von 
Hnggins  11  352. 

S])ectralanaly8e,  Empfindlichkeit  und 
Wesen  der  4. 

Spectralapparat ,  rotirender ,  von 
Lohse  11  201. 

Spectralfarben  92. 

Spectrallinien,  Lichtstärke  der  264. 

Spectrallinien,  Verschiebung  der, 
nach  Young  11  228. 

Spectrallinien,  Verzeichnis«  der,  von 
Watts  310. 

Spectrallinien,  Wellenlängen  der  me- 
tallischen, nach  Thalen  304. 

Spectral -Photographie,  Lockver  über 
431. 

Spectralphotometer  387,  391,  394. 

Spectralphotometrie  386. 

Spectralstrahlen,  chemische  Wirkun- 
gen der,  nach  J.  Herschel  404. 

Spectraltafeln  von  Bnti8en294,  Kirch- 
hoff 297,  Lecocq  de  Boisbaudran 
308. 

Spectrograph  von  H.  W.  Vogel  435, 
441. 

Spectrometer  212. 

Spectroskop,  Anwendung  beim  Bes- 
semerprocess  443. 

Spectroskop ,      automatisches ,      von 


Browning  231,  llilger248,  Schrö- 
der 241. 

Spectroskop  ä  vision  directe  140, 
einfaches  136,  vollständiges  und 
einfaches  163. 

Spectroskop  der  Kew-Stcmwarte  225. 

Spectroskop,  einfaches  und  zusam- 
mengesetztes von  Merz  II  159, 
gewöhnliches  von  Desaga  165, 
photographisches  von  Huggins  II 
297. 

Spectroskop  für  Absorptionsunter- 
suchungen von  Desaga  344. 

Spectroskop  mit  Lichtlinie  von  Hil- 
ger 161. 

Spectroskop,  Spaltvorrichtnng  am, 
nach  Merz  II  186. 

Spectroskop  von  Janssen-Hoffmann 
145,  Kirchhoff-Steinheü  223,  Mus- 
son  137,  Young  232. 

Spectroskop  zur  Protuberanzbeob- 
achtung  von  Bredichin  II  162, 
Browning  II  155,  163,  Merz  U 
159,  Secchi  II  100,  Young  II 
189. 

Spectrum  3. 

Spectrum,  continnirliches  100,  dis- 
contiunirliches  130,  tithonogrm- 
phisches  401,  405,  ultraroUies 
396,  399,  ultraviolettes  404,  406. 

Spectrum,  photographische  Darstel- 
lung 424. 

Spiralnebel  U  339. 

Spörer,  Natur  der  Sonnenflecke  II  61. 

Steinmeteorite  II  396. 

Stern  im  Schwan,  Spectrum  des  neuen, 
von  Vogel  II  315. 

Sterne,  Bewegung  der,  im  Welten- 
raume,  spectroskopisch  erkennbar 
II  321,  328. 

Sterne,  neue  II  310,  temporäre  II 
310,  veränderliche  11  3U5. 

Sternhaufen  II  336. 

Sternschnuppen  II  394. 

Sternschnuppen,  Spectrum  der  II 
416. 

Sternschnuppen  und  Kometen,  Zu- 
sammenhang der  II  409. 

Sternschnuppenfall  am  28.  Nov.  1872 
II  412. 

Sternspectra,  Photographie  der,  von 
H.  Draper  II  305. 


Sachregister. 


455 


Sternspectroskop    von    Browning  11 

243,  Fraunhofer  II  239,  Huggins 

II  244,  250,    Merz  II  254,  Rein- 

f eider  &  Hertel  II  255,  Schröder 

II  252,  Secchi  II  246,  249,  Vogel 

II  257,  Zöllner  II  259. 
Stickstoffspectnim  811,  32^^ 
Stoffe,  fluorcscirende  Gl. 
StokeH,   Untersuchungen   über  Pluo- 

rescens  410. 
Strahlen,  chemiHchc  408. 
Strahlen,     F.    W.    Herschel's    Ent- 
deckung der  ultrarotheu  397. 
Tacchini,  Protubcranzbeobachtungen 

II  20t). 
Ta«chenspectroskop  von  Hilger  148, 

Ladd  208. 
Teleskop,     photographisches,      von 

Browning  II  82,  88. 
Telespectroskop     von     Lockyer     II 

150,  155,  Youug  II  134,  157. 
Thalen,  mehrfache  Spectra  319. 
Thalen,  Metallspectra  30t). 
Thalen,    Wellenlängen     der     hellen 

MetalUinicn   190. 
Thalen,  Wellenlängen  der  metallischen 

Spectrallinien  304. 
Thallium  5. 

Thierkreislicht,  das  II  423. 
Ton,  Höhe  des  53. 
Töne,  Entstehung  der,  nachSavart  57. 
üniversallaterne  von  Browning  102. 
Universalspectroskop,     kleines,    von 

V.  Konküly  II  202. 
Uranusspectrum  11  275. 
Venusspectrum  II  270. 
Vergleichsprisma  107. 
Vierordt,  Spectralphotonietcr  387. 
Vogel,  H.  C,  Fixsterntypen  II  294. 
Vogel,  Kometenspectruni  II  379. 
Vogel,  Spectralphotometer  394. 
Vogel,  spectroskopische  Beobachtung 

der  Nebelflecke  II  350. 
Vogel,  Spectrum  des  Blitzes  I144i5. 
Vogel,  Spectrum  des  Kometen  Wells 

II  380. 
Vogel,   Spectrum   des   neuen   Sterns 

im  Schwan  II  315. 
Vogel,   Spectrum   des   Nordlichts  II 

435. 
Vogel,  S])cctrum   des   Zodiakallichts 

II  42.V 


Vogel,   Umgebung  der  /^-Linien  II 

109. 
Vogel,     Absorption     der     Strahlen 

verschiedener  Brechbarkeit  in  der 

Sonnenatmosphäre  II  229. 
Vogel,   Darstellung  des  Sonnenspec- 

trums  303. 
Vogel,   helle  Linien  im  Sonnenspec- 

trum  429. 
Vogel,    H.   W.,    Spectrograj>h    435, 

441. 
Wärmestrahlen,  Untersuchungen  über 

die,  von  Melioni  398. 
Was.serdampflinien    im    Sonnenspec- 

trum  II  27,  28. 
Wasserspectrum  118. 
Wasserstoff  in  Meteoriten  II  396. 
Wasserstoftspectra    311,    319,    322, 

326. 
Watts,    Verzeichniss    der    Spectral- 
linien 310. 
Wein,  spectroskopische  Untersuchung 

358. 
Welle,  Länge  einer  87. 
Weltäther  52. 
Wilson,    Theorie    der    Sonnenflecke 

II  57. 
Winder,    Spectrum    des    Nordlichts 

II  425. 
Wright,  Spectrum  des  Zodiakallichts 

II  425. 
Wright,  Gase  der  Meteoriten  II  390. 
Wüllner,  mehrfache  Spectra  319. 
Wüllner,  Wasserstoftspectra  320. 
Young,  Coronalinie  II  141. 
Young,  Hß-Lime  II   177. 
Young,  Kometenspectrum  II  370. 
Young,    Methode    die    Gestalt    der 

Protuberanzen    bei    Sonnenschein 

zu  beobachten  II  190. 
Young,  Spectrum  der  Protuberanzen 

II  138,  139. 
Young,  Telespectroskop  11  134. 
Young,    Umkehr    der    /^-Linie     im 

Spectrum  der  Sonnenflecke  II  (jS. 
Young,    Umkehr    der    dunklen    und 

hellen     Fraunhofer'schen     Linien 

II  17. 
Young,  Verschiebung  der   Spectral- 
linien II  228. 
Young,    Verzeichniss   der   im   Spec- 
trum    der     Chromosphäre     stets 


456 


Die  .Sp^^tralaiiÄlvw. 


sicMbaren  Linien  n  172.  der 
häü&g  hell  sichtbaren  Linien  II 
174. 

Zodinkallicht,  du  n  42:^. 

Zodinkmllicht,  Spectmm  von  An^- 
ström  II 424,  Liais  U  424,  Vo|rel 
U  425,  Wright  U  4*25. 

Zöllner,  ErklMrung  der  veränder- 
lichen Sterne  11  306. 

Zöllner,  Kometentheorie  von  II  38<J. 


Zöllner.    Methode   die    Gestalt    der 

Protnbennien    bei    Sonnenschein 

n  beobachten  n  ISo. 
Zöllner.    Natnr     der     Sonnenflecke 

U  Öl. 
Zöllner,  Ocolarspectroskop  11  255. 
Zöllner.  ReTersionsspectroskup    von 

n  222. 
Zöllner.    Spectmm    des    Nordlichts 

n  432. 


456 


Di^  Spettralanilyse. 


t 

ü 

i 


4 

i 


I 


nchtbaren    Linien    II    172,    der 

hinfig   hell  sieht baivn   Linien   11 

174. 
ZodinkAllicht  das  n  42:^. 
Zodiikdlicht.    Spectmm    tou    Xnz- 

strom  U  4*24.  LiaL«  n  424.  Voeel 

U  425,  Wripht  U  425. 
Zöllner,    Erklirnng    der    reränder- 

lichen  Sterne  U  906. 
Zöllner,  Kometentheoric  rou  II  '^^). 


Zöllner.    Methode   die    Gestnlt    der 

Protnberanzen    bei    Sonnenschein 

zn  beobachten  II  ISo. 
Zölloer.    Xatnr     der     S*)nnenflecke 

n  öl. 
Zöllner.  Ocolarspectroskop  II  255. 
Zöllner.  RerersionAspectroskop    toi 

n  222. 
Zöllner.    Spectmm    des    Nordlichts 

II  432. 


-;■  w', 


•l 
ii 


456  Di»»  Spectralanalyse. 

sichtbaren  Linien  II  172,  der  '  Zöllner.  Methode  die  Gestalt  der 
häufig  hell  sichtbaren  Linien  II  j  Protaberanzen  bei  Sonnenschein 
174.  zu  beobachten  II  185. 

Zodiakallicht,  das  II  42:^.  Zöllner,     Natur     der     Sunnenflecke 

Zodiakallicht,    Si>ectrum    von    Auj^-  ,      II  t)l. 
ström  II  424,  Liais  II  424,  Vogel    Zöllner,  Ocularspectroskop  II  255. 
II  425,  Wright  II  42r>.  Zöllner,  Reversionsspoctroskop    von 

Zöllner,    Erklärung    der    veränder-        II  222. 

liehen  Sterne  U  306.  '  Zöllner,    Spectrum    des    Nordlichts 

Zöllner,  Kometentheori».*  von  II  m).        II  482. 


---v-